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5.0 von 5 Sternen Sehr gute Gesamtdarstellung der surrealistischen Bewegung., 14. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Kunst des Surrealismus: Malerei, Skulptur, Fotografie, Film (Gebundene Ausgabe)
Inhaltlich wird das Buch seinem Titel sehr gerecht.

Der Autor bietet einen weit gefächerten und gut fundierten Überblick über die Kunst des Surrealismus zwischen ca.1920-1940 und ist mit seiner Darstellung nicht auf die Malerei fokussiert, sondern bezieht über sie hinaus alle relevanten künstlerischen Ausdrucksformen wie Skulptur, Dichtung, Fotografie und Film mit ein. Besonders deutlich wird die historische Situation (gesellschaftliche Umbrüche, Weltkriege etc.) in der die Surrealisten tätig wurden und sich als Antwort auf die bisherigen Avantgarden konstituierten und Impulse verschiedenster künstlerischer Richtungen in sich aufnahmen, anstatt, wie jene (z.B. Dadaismus, Kubismus etc.), nur einzelne Teilbereiche in der Gesellschaft, der Zivilisation oder Kultur zu revidieren.

Ziel war es ein neues allgemeines Bewusstsein zu schaffen und sich nicht an einzelnen künstlerischen Formproblemen abzuarbeiten oder in malerische Abstraktionen zu flüchten, sondern eine radikal neue und ganzheitliche Sichtweise auf die Realität zu ermöglichen und ihre surrealen Qualitäten offenzulegen. Die Auflösung der Dichotomie von Traum und Wirklichkeit sollte zu einer neuen Form der Realität führen, die nun absolut galt, weil sie alle Elemente enthielt und nicht wie der vorherige Realitätsbegriff durch den Ausschluss von Wahnsinn, Traum, Imagination Halluzination oder des Wunderbaren konstituiert wurde. Diese künstlerische Revolution sollte natürlich auch politische und soziale Folgen haben, da die Befreiung von der Einengung des Geistes auf die Welt des sachlich Positiven, der Logik, Faktizität und Materialität zu neuen Formen des (zweckfreien) Denkens und damit auch zu einer neuen Gesellschaft beitragen sollte, die durch Einbeziehung der fantastischen Potentiale der Wahrnehmung freiheitlicher sein sollte als vorhergehende künstlerische Bewegungen.
Die damit gewissermaßen beabsichtigte gesellschaftlich-politische Geltung der Kunst war jedoch zum Scheitern verurteilt und wirkliche politische Wirkung hatte die Bewegung nicht, auch wenn sich einige Surrealisten zum Kommunismus bekannten und dann aus der offiziellen Bewegung ausgeschlossen wurden oder mancher einer (nur Dali) sogar zeitweilig vom Faschismus fasziniert war.

Da die Surrealisten sich nicht als reine Künstlerbewegung verstanden haben und den Einfluss ihrer Ideen auf das alltägliche Leben gesichert wissen wollten, war eine neue Form der Öffentlichkeitsarbeit und Institutionalisierung nötig. Dominant war in der grundsätzlich sehr heterogenen Welt der surrealistischen Künstler Andre Breton, der als Patriarch der Bewegung galt und durch seine strenge Organisation und der Erstellung von Programmatiken, wie dem Surrealistischen Manifest, versuchte eine Einheit, fast eine "Partei" zu kreieren, wobei die Mitglieder sich in gewissem Umfang an die offiziellen Leitlinien zu halten hatten. Breton schreckte nicht davor zurück gegen die Regeln verstoßende Künstler aus der offiziellen Bewegung auszuschließen und sorgte so zumindest für einen dynamische Gruppe, deren Mitglieder wechselten, aber immer auch einander inspirierten.
Wie rational und modern die Bewegung an sich schon war, zeigt sich nicht nur an dem hohen Organisationsgrad und der internationalen Herkunft der Künstler, sondern auch an der Methodik und organisierten Produktion surrealistischer Kunst. Um den Zufall, den Traum oder das Unbewusste zu motivieren, galt es bestimmte Techniken anzuwenden und zu erproben: (Neu)Kombinatorik von Bild, Zeichen, Tönen, Elementen, Sprache usw., Collagentechnik, Materialexperimente, Automatische Niederschriften, Traumprotokollierungen oder andere experimentelle Methoden wie die im Film angewandte Schockästhetik sollten zur geplanten Hervorbringung spontaner Gedanken und Sinneseindrücke beitragen. Die von Dali, der in dem Buch zum Glück keine Hervorhebung erfährt auch wenn er sicher der bekannteste Künstler des Surrealismus ist, dann kommerziell sehr erfolgreiche Selbstinszenierung bedeutet die Perfektionierung der öffentlichen Geltungssehnsucht und verweist schon auf die marktrationellen Logiken heutiger Kunstwahrnehmung, die nach dem Preis, der kulturellen Symbolik und der Werbefähigkeit und nicht dem Wert von Kunstprodukten jenseits ihres ökonomischen Wertes fragt. Insofern ist die surrealistische Bewegung sicherlich die für damalliuge Zeiten modernste Avantgarde überhaupt, weil sie sich der Mechanismen der modernen Gesellschaft bedient und auf die öffentliche Wirkung zielt und die Medien bewusst nutzt. Das Aufkommen von Massenmedien spielt insofern eine zentrale Rolle für den Surrealismus.

Abgesehen von der gelungenen formalen Gesamtdarstellung (Gliederung) und der Qualität des Papiers ist das Buch sehr gut lesbar und sprachlich nicht überladen. Die Abbildungen sind sehr zahlreich, auch wenn manche inhaltlichen Zusammenhänge an Bildern u.ä. erklärt werden, die in dem Buch nicht abgebildet sind. Ich hätte mir persönlich ein Kapitel gewünscht in dem zusammenfassend ein Bezug zur aktuellen Zeit dargestellt wird, um zu hinterfragen, was denn in unserer Moderne übrig geblieben ist von den im Surrealismus entwickelten Konzepten und Ideen, damit sich das Buch nicht nur wie die Darstellung einer zeitlich abgeschlossenen Avantgardebewegung liest. Trotz diesem Manko ist das Buch jeden investierten Cent wert.
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Die Kunst des Surrealismus: Malerei, Skulptur, Fotografie, Film
Die Kunst des Surrealismus: Malerei, Skulptur, Fotografie, Film von Uwe M. Schneede (Gebundene Ausgabe - 20. September 2006)
EUR 12,95
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