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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Februar 2014
leider war es am Ende doch nur das vorhersehbare Buch eines Alt-68ers, der Anglistik studiert hat und darum die englische und amerikanische Gesellschaft auf den Schild hebt, während er an der (alten) deutschen Kultur kaum ein gutes Haar lässt. Die Generation des Autors arbeitet sich eben immer noch an der "bösen" Vätergeneration ab und hält sich zugute, endlich den deutschen Ungeist überwunden und dazu beigetragen zu haben, dass Deutschland im Westen vollständig angekommen ist. Endlich werden wir wie die Engländer und Amerikaner, überwinden endlich das Deutsche und gehen in Europa auf. Diese langweilige Leier hört man leider schon seit 40 Jahren.

Das Deutsche heute eigentlich das Gegenteil der alten Deutschen darstellen und sich aus dem egoistischen Selbstverwirklichungs-Individualismus, dem potenzierten Materialismus und reinen Funktionalismus, der stets präsenten, alle Diskussionen überdeckenden Hitler-Neurosen, die wir den 68ern verdanken, heute völlig neue Identitäten oder besser Nicht-Identitäten entwickelt haben, die zentrifugale Kräfte in der Gesellschaft auslösen, lässt Gelfert völlig außer Acht. Er müsste dann auch selbstkritisch mit seiner Generation sein und er müsste neue Identitätsangebote für ein demokratisches, solidarisches Deutschland entwickeln. Wie so viele seiner Zeitgenossen, will er aber gar keine Deutschen mehr, sondern nur noch aufgeklärte Weltbürger da, wo mal Deutschland war.

Er gibt deshalb gar keine Antwort darauf, was heute Deutsch ist. Höchstens impliziert, weil es heute typisch deutsch ist, eigentlich kein Deutscher sein zu wollen. Insofern ist Gelfert - aktuell gesehen - typisch deutsch.

Die englische Klassen- und Kolonialgesellschaft wegen ihrer angeblich frühen Horizontalisierung zu verherrlichen und der deutschen Gesellschaft, die immerhin die Reformation, den Kommunismus und die stärkste Arbeiterbewegung der Welt als emanzipatorische Bewegungen hervorgebracht hat, altbacken Autoritarismus zu unterstellen ist auch in der Analyse zum Gähnen. Es werden einfach wieder alte Vorurteile ausgepackt. Der deutschen Literatur keine Weltgeltung zuzusprechen, weil sie nicht seinem Ideal der englischen Ironie folgt, kann man bestenfalls als subjektiv bezeichnen. Den amerikanischen Materialismus und Individualismus aber unkritisch zu begrüßen und den Drang der Deutschen, Verantwortung und Solidarität in einer Gemeinschaft zu suchen, in Bausch und Bogen zu verdammen, weil er von Hitler missbraucht wurde, kann nur noch mit 68er-Ideologie eines Anglizisten erklärt werden.

Für die interessante Gliederung und den leserlichen Stil gebe ich einen Punkt.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Juni 2007
Ich bin auf das Buch durch ein Deutschlandfunk-Interview mit dem Autor aufmerksam geworden. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Glücklicherweise schreibt der Autor genau so verständlich, wie er sich im Interview gegeben hatte. Dabei schafft er es, viel Material und Hintergrund auf unterhaltsame Weise zu verarbeiten. Man wird aber nicht nur gut unterhalten, sondern erfährt eine Menge über Deutschland und die Deutschen. Und damit über sich selbst! Man gewinnt etwas mehr Distanz zu den oft kleinkarierten deutschen Gegenwartsproblemen. Ich kann das Buch nur als Urlaubslektüre und Einstieg weiterempfehlen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Mai 2007
Wie schon in seinen Büchern "Typisch amerikanisch" und dem Dauerseller "Typisch englisch", gelingt es Gelfert, Eigenheiten und nationale Besonderheiten ganz ohne erhobenen Zeigefinger, typisch deutsches Theoretisieren und Fußnotenwut zu erklären. Leicht lesbar, stilistisch geistreich, also ganz "undeutsch" (sofern man ausnahmsweise das übliche Klischee verwenden darf...) ist dieser Band -- für alle Einheimischen eine Reise durch die eigene kollektive Seele, für alle Auswärtigen die beste Vorbereitung auf einen Deutschlandbesuch. (Schade, dass das Buch offenbar noch nicht in andere Sprachen übersetzt wurde!) Im Mittelpunkt stehen zentrale Begriffe, die 'typisch deutsche' Mentalitäten auf den Punkt bringen (z.B. das Wort "Gemütlichkeit"...). Die Beobachtungen sind scharfsichtig, die Erklärungen stimmig und der Stil ein Segen im leider sonst stilistisch nicht sehr eleganten deutschen Sachbücherwald.
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15 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. September 2006
Wenn der Autor nicht laut Untertitel beanspruchen würde, erklären zu wollen "Wie die Deutschen wurden, was sie sind", wäre alles in Ordnung. Geistreich, wenn auch manchmal sehr theoretisierend werden viele Einzelheiten aus Kunst, Literatur und Philosophie zusammengestellt und interpretiert.

Der Autor ist eine der bekanntesten Kapazitäten für englische Literatur und Landeskunde. Literatur, Kunst, Philosophie, Sprachwissenschaft und Landeskunde gehören zu seinen Stärken, sicher auch im Deutschen.

Aber ...

Nur, aus diesen Wissensfeldern allein das "Typisch deutsche" erklären zu wollen, ist sicher gewagt, und im Sinne des Autor sogar sehr typisch deutsch. Wie bei seinem Buch "Typisch Englisch" findet man praktisch kaum etwas über die materiellen Seiten des Lebens und der Wirtschaftsentwicklung, die sicher die deutschen Eigentümlichkeiten mehr beeinflusst haben, als eine Skulptur von irgendeinem Bildhauer.

Also, ein typisch deutscher theoretisierender Versuch einer ganzheitlichen Erklärung allein aus dem Geistigen heraus.

Nichts für den Alltag, mehr etwas für Philosophie-Gourmets.
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