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Kundenrezensionen

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am 27. April 2006
Mit der Inquisition verbindet sich im allgemeinen Bewusstsein das Bild einer mordlüsternen, willkürlich folternden Gesinnungspolizei, die die Menschen unterdrückte und vor der jene in permanenter Furcht und Verschüchterung lebten. Die vorliegende Einführung von Gerd Schwerhoff bietet die Möglichkeit, sich in relativer Kürze einen Überblick zu verschaffen, der verschiedene Vorannahmen zu korrigieren im Stande ist.

Das Buch besteht aus drei Hauptteilen, in denen die päpstliche Inquisition des späten Mittelalters, die spanische Inquisition der frühen Neuzeit sowie ihr römisches Pendant behandelt werden. Der Autor stellt Kontinuitäten und Neuerungen in Zielsetzung und Methodik dar, öffnet den Blick für die Verflechtungen mit dem Politischen und Entwicklungen im Spannungsfeld von Notwendigkeit und Kritik. Bildete die konkrete Erfahrung mit den Katharern und der Ketzerkreuzzüge die Hauptaufgabe der mittelalterlichen päpstlichen Inquisition, unterstand die spätere spanische Variante, die sich formal zwar immer noch auf den Papst berief, de facto jedoch der Landeskrone. Auch hatte sich das Einsatzgebiet geändert: Statt Ketzerbekämpfung stand die Inquisition im Dienste der Politik und richtete sich periodisch gegen zwangskonvertierte Juden ("Conversos"), christianisierte Muslime ("Moriscos") und zwischendurch auch in geringerer Zahl gegen Protestanten.

Die Praktiken und Verhörmethoden bestanden dabei keineswegs aus willkürlicher Folter, sondern diese bildeten nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten, die in der Hauptsache auf psychologische Beeinflussung ausgelegt waren (wie z.B. die lange Einzelhaft, um die Angeklagten mürbe zu machen und zum Geständnis zu zwingen). Es ist darauf hinzuweisen, dass Methoden wie Folter auch den derzeitigen Vorstellung legitimer Rechtspraxis entsprach, es sich also nicht um eine Erfindung der Inquisition handelt, sie vielmehr sogar von der römischen Inquisition eher mit größerer Zurückhaltung eingesetzt wurde, als dies bei weltlichen Gerichten der Fall war. Das Besondere und Revolutionäre der Inquisition war vielmehr ihre protokriminalistische Arbeitsweise, die Erfassung zahlloser Daten und anschließende systematische Auswertung der Fakten.

In einem weiterführenden Exkurs geht Schwerhoff auf die Beziehungen zwischen Inquisition und Hexerei ein, die jedoch nicht deren ursprüngliche Hauptaufgabe bildeten, sondern eher zu den weltlichen Verbrechen gezählt wurden. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit dem "Mythos der Inquisition". Der Autor zeigt hier, wie aufklärerische und politische Motivationen vor allem die spanische Inquisition über die tatsächlichen Faktenlage hinweg noch dämonisierte. Die von dieser "Polizei des Gewissens" ausgegangene Gewalt sei nicht kleinzureden, im Rahmen eines umfassenden Überblicks jedoch zu relativieren. Das Buch bietet einen soliden, komprimierten Überblick über ein sehr großes Thema.
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am 15. Oktober 2015
Die Inquisition ist im kollektiven Gedächtnis unweigerlich mit den Hexenprozessen verbunden. Doch sie entwickelte sich früher, als die Hexenverfolgung einsetzte. Der Autor - Professor an der TU Dresden für Geschichte der Frühen Neuzeit - erklärt leicht verständlich die verschiedenen Ausrichtungen der Inquisition. Von der Entstehung der päpstlichen Inquisition im Mittelalter, über die spanische Inquisition bis zur römischen Inquisition der Neuzeit. Auch auf die Rolle der Inquisition bei den Hexenprozessen geht er ein. Es werden Verfahrensnormen und Urteile beschrieben, wichtige Persönlichkeiten genannt und auf damals Inquisitionshandbücher eingegangen. Man erhält einen Einblick in die Arbeitsweise der Inquisitoren.

An einigen Stellen hätte ich mir noch mehr Ausführlichkeit gewünscht, was aber eher ein persönliches Empfinden ist.

Im Anhang gibt es ein Literaturverzeichnis, was die wissenschaftliche Arbeitsweise bezeugt.

Fazit: Ein kurzer, gelungener Überblick über die Inquisition im Mittelalter und der Frühen Neuzeit.
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am 17. Januar 2013
Der Autor des Buches hat in einer Weise die Inquisition dargestellt wie ich sie
eigentlich selten bei anderen Beschreibungen gelesen habe. Sehr gut
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am 4. September 2008
In seinem Buch kann Gerd Schwerhoff den Geschichtsprofessor zu keiner Zeit verbergen. Sein Werk bietet dem Leser einen eher ungewöhnlichen Blick auf die Inquisition. Gerd lenkt die Aufmerksamkeit auf die Strukturen und die Logistik im Hintergrund. Er verdeutlicht, wie viel bürokratischer Aufwand notwendig war, um die Fülle an Prozessen vom Mittelalter bis zur Neuzeit führen zu können. Von der Erstellung standardisierter Befragungsbögen bis hin zu Archiven (Datenabgleich der Inquisitoren) reichen seine detaillierten Schilderungen.

So wissenschaftlich fundiert und gesichert die Daten sein mögen, so knochentrocken werden sie dem Leser aber leider auch dargeboten.
Nun darf man sich von einem Sachbuch sicher kein Leseerlebnis wie bei einem Thriller erwarten, aber man kann Geschichte durchaus lebendiger vermitteln, als dies hier geschieht.

Fazit: Eine Unmenge interessanter Details in komprimierter Form, aber leider kein wirkliches Lesevergnügen. Am Ende des Buchs angekommen, fehlen einfach ein paar greifbare Schilderungen und "Fallbeispiele", um die Theorie in Erinnerung zu behalten.
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am 6. September 2010
Gerd Schwerhoff, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der TU Dresden, gibt einen Abriss der Inquisition von ihrer Entstehung im späten Mittelalter (vor allem gegen die Katharer und Waldenser in Südfrankreich und Norditalien) bis zu ihrer systematischen Anwendung als Institution in der Neuzeit (nach 1500).
Er schildert die Verquickung von Staat und Kirche bei der Verfolgung der "Ketzer" (wohl abgeleitet von Katharer) und läßt nicht aus die materiellen Interessen der beteiligten Gruppen. Das ist ganz offensichtlich bei der Spanischen Inquisition der Neuzeit, die eine neue Zielgruppe als Objekt der Begierde hatte: die Conversos, das sind getaufte Neuchristen jüdischer Herkunft, die oft nur die Wahl hatten zwischen Christwerden oder Tod und als Christen der Inquisition unterworfen werden konnten sowie etwas später die Moriscos, zwangschristianisierte Muslime, aus denen oft auch verborgenes Anhängen an ihrer alten Religion herausgefoltert wurde. Protestanten spielen in der Geschichte der Spanischen Inquisition zahlenmäßig eine geringere Rolle.
Die Römische Inquisition, unter direkter Verantwortung der Päpste, war vergleichsweise milder und hat weniger Häretiker dem Arm des Staates überlassen, d.h. verbrennen lassen.
Bei Schwerhoff ist Ratzinger noch Kardinal und Leiter der Glaubenskongregation, dem Nachfolgeinstitut der Inquisition, dem Disziplinarmaßnahmen gegen die Theologen Hans Küng und Leonardo Boff, aber auch die Auseinandersetzungen mit den Traditionalisten um Erzbischof Marcel Lefebvre, die Front gegen die liturgischen Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils machten, "den Ruf eines neuen Inquisitors eingebracht" haben. Mein Zusatz: damit hat er ja auch als Benedikt der XVI. seine Probleme.
Schwerhoff merkt man an, dass ihm die Kürze, das Kürzen der Stofffülle schwerfällt, er bedankt sich zu Beginn für Unterstützung "für klug dosierte Grausamkeiten im Kürzungsprozess". Er ist nie reißerisch bei Schilderung von Grausamkeiten bzw. schildert keine Folterungen. Er beschreibt die juristischen Normen und Arbeitsweisen, versucht realistische Schätzungen der Verfahren und Tötungen zu geben und verweist mehrfach darauf hin, dass die Inquisition oft nur genauso grausam war wie weltliche Gerichte damals, vielleicht sogar milder. Hexenverfolgungen etwa mit den Tausenden von Verbrennungen waren mehr weltlichen Gerichten zuzuschreiben als der Inquisition.
Am Mythos von der "schwarzen Legende" insbesondere der Spanischen Inquisition, an der Schwerhoff etwas kratzt, ist also noch viel dran!
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am 17. Februar 2008
Auf 127 Seiten erfährt man sehr viel über die Inquisition in Europa. Die ersten Inquisitionsprozesse beginnen im 12. Jahrhundert. Einigen Andersdenkenden wurde die Zunge abgeschnitten. Andere wurden lebendig verbrannt. Viele Christen glauben, dass sie die einzig wahre Religion sind. Dabei ist das Christentum eine Abspaltung des Judentums, das Judentum eine Abspaltung der Religion Echnatons, der im 14. Jahrhundert v. Chr. lebte, seine Religion eine Abspaltung der ägyptischen Religion. Echnaton war der Erfinder des Monotheismus. In manchen religiösen Büchern habe ich gelesen, dass der Monotheismus die höchst entwickelte Form von Religion ist. Das glaube ich nicht. Der Polytheismus ist genauso hoch entwickelt. Der Hinduismus ist genauso wertvoll wie das Christentum. Im Grunde genommen kann man also sagen, dass eine Sekte, das Christentum, sich angemaßt hat, Abweichler zu bestrafen, zu foltern und hinzurichten. Das ist ziemlich verurteilenswert. Und obwohl Schwerhoff immer wieder betont, dass die Kirche nicht totalitär war, finde ich, dass sie sehr wohl totalitär war, denn sie hat die Freiheit des Menschen eingeschränkt, frei zu denken und an das zu glauben, was er will. Jeder, der nicht mit der Lehre der Kirche übereinstimmte, wurde inhaftiert, enteignet und oft auch lebendig verbrannt. Nie wieder darf die Kirche Macht über Menschen haben. Wir leben heute in einem Land, wo Religion nur noch Privatangelegenheit ist. Das ist gut so. Im 18. Jahrhundert begann das Zeitalter der Aufklärung, wo Menschen bewusst wurde, dass es Magie nicht gibt und dass niemand mit Schadenszauber einem anderen schaden kann. Deshalb hörte die Inquisition 1834 auf zu existieren. Allerdings gibt es sie in veränderter Form heute noch. Den Nachteil haben heute Theologen, die die Kirche kritisieren oder zum Beispiel mit Homosexuellen und Lesben zusammen arbeiten. Solche Leute kriegen dann Ärger mit der katholischen Kirche. Über nichtkatholische Menschen hat die Kirche heute keine Macht mehr, und das ist gut so.
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