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5.0 von 5 Sternen
Bruta facta des Grauens, 7. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Auschwitz: Geschichte und Nachgeschichte (Taschenbuch)
"Zahllose Berichte und Erinnerungen von Häftlingen des Lagers Auschwitz ... sind überliefert und legen ein bedrückendes Zeugnis ab vom Grauen des Geschehens hinter dem Stacheldraht. Das Zeugnis der Verfolgten ist unerlässlich für die Beschäftigung mit Auschwitz. Aus ihrer Perspektive tritt die Dimension der Verbrechen erst vollends zu Tage."
Mit dieser wichtigen Bemerkung, die Sybille Steinbacher ihrer Darstellung vorausschickt, relativiert sie ihren historisch-wissenschaftlichen Zugang, zeigt seine Grenzen auf: die Grenzen der Sachlichkeit. Diese Bescheidenheit tut gut. Wissenschaft kann menschlichen Abgründen nicht annähernd gerecht werden. Und dennoch beweist ihre sachliche, akribische Untersuchung auf gedrängtem Raum, wie wichtig es ist, das Grauen auch historisch aufzuarbeiten.
Das zeigen vor allem die letzten beiden Kapitel: "Auschwitz vor Gericht" und "Die 'Auschwitz-Lüge'". Denn die juristische Aufarbeitung vor allem in der Bundesrepublik Deutschland und im Österreich der Nachkriegszeit war kein Ruhmesblatt der Rechtsgeschichte. Erst recht muss den Leugnern der Verbrechen von Auschwitz mit historischer Genauigkeit und Klarheit der Wind aus den ideologischen Segeln genommen werden.
Außerdem ist es, neben dem historischen Erkenntnisinteresse, auch für die Opfer bedeutsam, dass ihr Leiden dokumentiert und analysiert wird.
Von daher ist schon das Unternehmen zu loben, eine (kleine) Monographie über Auschwitz zu schreiben. Zumal das Neuland ist. Auch hier weist die Autorin bescheiden darauf hin, dass ihr kleines Buch die Lücke einer noch fehlenden Monographie über Auschwitz nicht schließen könne. Aber sie macht immerhin einen Anfang.
Mehr noch ist aber die Durchführung zu loben. Sie ist rundum gelungen. Sachlich und faktenreich, quellennah und reflektiert wird die Geschichte der Stadt Auschwitz seit dem 13. Jahrhundert umrissen. Verschiedene historische Methoden werden fruchtbar gemacht. Die Quellenlage wird kritisch vorgestellt (vieles fehlt, weil bewusst vernichtet oder bewusst nie festgehalten). Pläne und Karten verdeutlichen die äußeren Umstände der Vernichtungsaktion. Alles in allem eine sehr gute historische Arbeit.
Die Fakten zu lesen tut weh. Das Grauen ist auch hinter den sachlichsten Sätzen noch hautnah spürbar und macht betroffen. Das Unrecht und die Kaltschnäuzigkeit des fabrikmäßigen Mordens schreien zum Himmel.
Es sind oft Kleinigkeiten und Normalitäten, die sich einprägen. Himmlers berühmte Posener Rede mit ihrem Anspruch, das Töten geschehe in vollkommener Rechtschaffenheit. Das Mitspielen der Industrie und ihrer Manager. Die Beteiligung der wissenschaftlichen Eliten (der berüchtigte Auschwitz-Arzt Mengele war nicht nur angesehener Mediziner und Anthropologe, sondern auch Doktor der Philosophie, oder der ebenfalls promovierte Architekt der "Musterstadt Auschwitz", Hans Stosberg, baute nach dem Krieg Hannover wieder auf). Der unhinterfragte Einsatz ganz normaler Bahnbediensteter, die alles wussten und dennoch gewissenhaft ihren Dienst weiter taten. Mord als Mittel der Politik im Muster-Reichsgau Wartheland. Das Nichtstun der Alliierten. Auf der anderen Seite der lebensgefährliche Einsatz des Widerstands und der Helfer von der Kommunistischen Partei Polens über die katholische Kirchengemeinde Mariähilf bis zu den Pfadfindern. Oder der mutige Einsatz derer, die im Lager die Verbrechen dokumentierten und derjenigen, die das Material ins Ausland brachten.
Es ist bewundernswert, wie die Autorin so viele Details auf so knappen Raum unterbringt. Bis hin zur teils beschämenden Nachkriegsgeschichte.
Weiterführende Literatur und ein Personenregister schließen das ausgezeichnete Buch ab. Und eine ganze Seite Hinweise auf Zeitzeugenberichte und Quellen. Denn die historische Wissenschaft hat ja ihre Grenzen. Erst in Zeugnissen der Betroffenen schließlich "tritt die Dimension der Verbrechen ... vollends zu Tage."
P.S.: Nur, wie immer in dieser verdienstvollen Buchreihe des Beck-Verlages: Ein Glossar wäre sehr, sehr hilfreich, denn nicht jeder weiß, was etwa das General-Gouvernement war.
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5.0 von 5 Sternen
Dieses Buch setzt maßstäbe, 11. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Auschwitz: Geschichte und Nachgeschichte (Taschenbuch)
Dieses Buch setzt wirklich Maßstäbe. Es dient nicht nur zur allgemeinen Wissenerweiterung, sondern beeindruckt durch seine Details und überzeugende Schilderung.
Kurz gesagt: Beste Darstellung, bestes Format, beste Umsetzung!
Im Übrigen sind alle Bücher aus dieser "C.H. Beck - Wissen"-Serie auf diese Weise umgesetzt und daher nur weiter zu empfehlen. Beeindruckende Werke!
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5.0 von 5 Sternen
Diese Monographie setzt Maßstäbe!, 28. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Auschwitz: Geschichte und Nachgeschichte (Taschenbuch)
Es ist kaum zu glauben, wie lange es gedauert hat, bis eine Monographie über Auschwitz erschien. Diese Monographie überrascht in äußerstem Maße. In der gebotenen Kürze dieses Bandes gelingt es Sybille Steinbacher, sowohl auf die Geschichte der Stadt Auschwitz als auch auf den Lagerbetrieb mit all seinen Grausamkeiten und makaberen Experimenten einzugehen und auch das Nachleben des Massenmordes von der Befreiung des Lagers bis heute so darzustellen, dass man als Leser bei einem solchen allgemeinen Überblick nichts vermisst. Diese knappe Darstellung setzt Maßstäbe!
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