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am 1. Juni 2007
Das Buch ist gegliedert in vier Themenbereiche: 1. Grundlagen, 2. Epochen der politischen Geschichte, 3. Problemfelder und 4. Kontinuität und Brüche.

Im ersten Bereich werden Begrifflichkeiten definiert und Allgemeines über die russische Geographie und ethnische Zusammensetzung dargelegt.

Im zweiten Bereich wird die Geschichte Russlands vom Kiever Reich (10.-13. Jhdt) bis zur Russländischen Föderation in der Gegenwart abgehandelt. Dabei ist jede Epoche wiederum in Unterthemen gegliedert, sodass der Autor auf einzelne Strömungen und zum Allgemeinverständnis wichtige gesellschaftliche Gegebenheiten eingehen kann.

Im dritten und größten Teil des Buches beschäftigt sich der Autor mit Eigenheiten und Gegensätzen der russischen Gesellschaft/Geschichte/Geographie. So werden hier u.a. die Differenzen zwischen Land- und Stadtbevölkerung, die Stellung der Frau, das orthodoxe Christentum und Russlands Stellung zwischen Europa und Asien thematisiert.

Der vierte Teil ist zweieinhalb Seiten lang und wirkt wie ein zusammenfassendes Schlusswort.

Insgesamt ist die thematische Gliederung in meinen Augen sehr gelungen, jedoch liest sich dieses kleine Buch ziemlich trocken und mühsam (teilweise kommt man durch keine halbe Seite, ohne gedanklich schon weit abzuschweifen). Wie im C.H. Beck-Verlag üblich, ist es sehr spärlich mit ein paar Schwarz-Weiß-Landkarten der entsprechenden Epochen bebildert und es findet sich eine Zeittafel in Stichworten. Ungeschickterweise befinden sich die Karten am Ende des Buches, quasi im Anhang, und es bestehen so gut wie keine Hinweise im Text, die auf diese Karten verweisen. Für den Laien ist es daher etwas kompliziert, den geographischen Entwicklungen des Landes zu folgen, die doch eigentlich eine ziemlich wichtige Rolle für die russische Gesellschaft hatten/haben.

Für 7,90 Euro kann man allerdings kein farbenprächtiges Bilderlexikon verlangen, deswegen vergebe ich vier Sterne für die geballte Information, die hier auf knapp hundert Seiten geboten wird.
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am 2. Februar 2006
Andreas Kappelers „Russische Geschichte“ erweist sich in vielerlei Hinsicht als schmackhafter und zugleich prägnanter Fundus zur komplexen Geschichte des größten europäischen Staates.
Als Kappelers Ausgangspunkt fungiert hierbei der lose Länderbund des Kiever Reiches (10.-11. Jahrhundert), das lange Zeit gute Kontakte zum Byzantinischen Reich pflegte und eher als diplomatische Macht auf dem internationalem Polit-Parkett agierte. Als Bruch mit dieser Tradition streicht Kappeler die im 13. Jahrhundert beginnende Tatarenherrschaft heraus. Im Anschluss an das „Tatarenjoch“ folgte im 15. Jahrhundert die Zeit des Moskauer Reiches, in der sich die das russische Staatengebilde peu a peu mediatisierte und konsolidierte.
Den Beginn der russischen Neuzeit datiert Kappeler auf die fundamentalen Reformen Peters des Großen, dessen Idee vom petrinischen Staat Russland langsam europäisierte (sowohl kulturell als auch politisch). Der Autor des zwar nicht umfangreichen, aber dafür sehr präzisen und anspruchsvollen Sujets, erarbeitet auch die Probleme der russischen Gesellschaft im Hinblick auf die große Bauern-Schicht und die Relevanz der Agrarpolitik: Archaische Landarbeit auf der einen und moderner, aristokratisch-hybrider Modernisierungsdrang auf der anderen Seite.
Als roter Faden bzw. wiederkehrendes Motiv dient jedoch nicht nur der Punkt Agrarpolitik, sondern darüber hinaus die prononcierte Erwähnung der passiven Gesellschaft gegenüber den autoritären Tendenzen der staatlichen Macht. Auch die bekannteren Daten der Russischen Geschichte (Russische Revolution, Kalter Krieg) werden erfasst und inhaltlich kritisch und präzise wiedergegeben.
Sehr zu empfehlen!
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am 14. November 2014
Ich bin in einem Auslandssemester in Russland und hatte mir das Buch als Ergänzung zur Vorlesung "Geschichte Russlands" gekauft. Ich muss sagen das die Dinge hier unglaublich schnell und oberflächlich abgehandelt werden. Viele Zusammenhänge verstehe ich nur aufgrund meiner Vorlesung. Ich bin also nicht wirklich zufrieden und meine auch in der Kürze hätten Dinge tiefer und anschaulicher dargestellt werden können. Schade.
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am 14. Juni 2015
"In einer Zeit, in der uns Rußland nicht mehr als militärische Bedrohung erscheint, sind die Chancen für ein nüchternes, unvoreingenommenes Verstehen seiner Geschichte und Gegenwart größer geworden." (S. 95).
Mit diesen Worten beschloss der Autor des vorliegenden Buches, Andreas Kappeler, im Februar 2014 die Neuauflage seiner "Russischen Geschichte", doch schon zu diesem Zeitpunkt deutete sich das an, was sich wenig später bestätigte:
Vor dem Hintergrund der aktuellen Konflikte um die russische Politik gegenüber der Ukraine, die Angliederung der Krim an die Rußländische Föderation (wie es sprachlich korrekt heißt) haben die Debatten um den Charakter Rußlands und das Verständnis gegenüber seiner Politik an Heftigkeit gewonnen. Ist deshalb auch ein "historisches Verstehen" Russlands schwieriger geworden? Mit Sicherheit. Doch ist es nötiger denn je - und jedem, der sich in irgendeiner Form an der Debatte um die derzeitige russische Politik beteiligt, sei ans Herz gelegt, sich auch historisch mit diesem Land zu befassen. Oft liefert die Geschichte eines Landes einige Antworten für sein Verhalten in der Gegenwart.
Natürlich ist es andererseits auch ein Vorteil des vorliegenden Buches des auch in der Ukraine-Krise sehr engagierten Autors Andreas Kappeler, emeritierter Professor für osteuropäische Geschichte, dass es zum Zeitpunkt seiner letzten Überarbeitung noch nicht unter dem Eindruck dieser derzeitigen Krise abgefasst wurde - dies sollte auch das eingangs angeführte Zitat zeigen.

Kappeler legte mit der vorliegenden Darstellung einen kurzen, aber hochinformativen Überblick zur rußländischen Geschichte vor, welche zwei Ziele verfolgt:
Es soll "einer breiteren Öffentlichkeit" (S. 7) Grundlinien und zugleich GrundPROBLEME der rußländischen Geschichte umreißen.
Das heißt: Der Leser soll in groben Zügen über die wichtigsten Entwicklungen der Geschichte des Landes, vom "Kiever Reich (10.-13. Jahrhundert), über die Etablierung von Autokratie und Leibeigenschaft, den Aufstieg der Romanows und der rußländischen Expansion unter Peter dem Großen, Katharina der Großen und auch ihren Nachfolgern; bis hin zum späten Zarenreich, der Russischen Revolution, der Herrschaft der Kommunisten und der jüngsten russischen Geschichte informiert werden.
Doch nicht nur ist es dem Verfasser wichtig, dem Leser auf den ersten Seiten (9-16) darzulegen, was der Begriff "Rußland" geographisch, begrifflich und ethnisch überhaupt bedeutet, auch befasst er sich im gesamten zweiten Teil seiner Überblicksdarstellung mit bestimmten Grundproblemen und -"Problemfeldern" russischer Geschichte, die diese von der Frühzeit bis zur Gegenwart geprägt haben: Etwa das Verhältnis von Staat und Gesellschaft; von Stadt und Land (das russische Dorf und das russische Dorfleben werden anschaulich beschrieben); von Frauen und Männern sowie Russen und Nichtrussen. Dazu werden Phänomene wie die orthodoxe Kirche und ihre Bedeutung für Staat und Gesellschaft ebenso vorgestellt wie die Stellung Russlands zwischen Europa und Asien.

Das wichtige an diesem Darstellungskonzept ist:
Es führt dem Leser Spezifika der rußländischen Geschichte vor Augen, zeigt ihm, was diese Geschichte ausgemacht hat und welche Problemkomplexe das Land über Jahrhunderte geprägt haben.
So kann Kappeler bestimmte Kontinuitäten politischer Herrschaft in der russischen Geschichte gut herausarbeiten: Ein starker Staat gegenüpber einer passiv-schwachen Gesellschaft, eine Personalisierung und Zentralisierung der Herrschaft, Patronagenetzwerke, ein schwaches Rechtsbewusstsein und autoritäre Strukturen waren und sind kennzeichnend für Rußland.
So kann Kappeler zeigen, dass über Jahrhunderte hinweg sich das Leben für die allermeisten Russen in der Welt des Dorfes mit seinen ganz eigenen gesellschaftlichen Strukturen und Alltagsgewohnheiten abspielte.
Ebenfalls über Jahrhunderte bedeutend war die Macht und die gesellschaftliche Stellung der orthodoxen Kirche, welche besonders unter der Herrschaft der Romanows zu einer Stütze der Autokratie ("Selbstherrschaft") wurde, welche in Russland bis zur Russischen Revolution (oder besser: den BEIDEN Russischen RevolutionEN) die nahezu unumstrittene Herrschaftsform war.
Neben Orthodoxie und Autokratie stellte die Leibeigenschaft bis zu ihrer Abschaffung in den 1860er Jahren durch Zar Alexander II. eine der zentralen Herrschaftsgrundlagen der russischen Politik dar.
Eine wichtige Kontinuität der Geschichte Russlands war auch dessen Charakter als Vielvölkerstaat, was nicht zuletzt an der jahrhundertelangen Expansion des Reiches lag; selbst heutzutage stellen ethnische "Russen" nicht mehr als 81 Prozent der Bevölkerung. Wie die Tschetschenienkriege, aber auch die aktuelle Krise um die Ukraine gezeigt haben, spielen ethnische und nationale Konflikte auch weiterhin eine Rolle in Rußland.
Was sich vor allem in der Spätphase der Sowjetunion als ein großes, am Ende verhängnisvolles Problem der Wirtschaft heraustellen sollte, hat sich - ebenfalls eine Kontinuitätslinie - bis heute gehalten: Russland war und ist groß im "extensiven" Wirtschaften, weniger im "intensiven": Auf der Grundlage massiver Nutzung und Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitern war und ist man kurzfristig in der Lage zu enormen Zuwachsraten; geht beides oder eines von beiden zur Neige, war und ist man zu Modernisierungsanstrengungen der Wirtschaft nicht in der Lage, ist auch die Bürokratie zu schwerfällig, die starke Rolle des sich einmischenden Staates zu hinderlich.

Kappeler kann insgesamt auch ganz unterschiedlichen Feldern den besonderen Charakter Rußlands zumindest umreißen und hat mit seinem Buch vielleicht den Fachleuten keine wirklich "neuen" Informationen geliefert, dem Rußland-interessierten Leser, der endlich einmal wissen möchte, was die russische Geschichte der letzten Jahrhunderte ausgemacht hat, aber um so mehr.
Eine Zeittafel und ein übersichtliches Literaturverzeichnis runden das überzeugende Überblickswerk ab.
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am 20. Januar 2015
Als Dietrich Schwanitz im Jahr 1999 seinen selbsternannten „Bildung“-skanon veröffentlichte, sollte sich anhand immenser Verkaufszahlen schon bald zeigen, dass er damit ein in breiten Teilen der Bevölkerung vorhandenes Bedürfnis nach kompakter Wissensvermittlung bediente. Auf wenig Raum gab er ungezählte Antworten und lieferte einem im Umgang mit Fragestellungen nicht sonderlich versierten Publikum ebenjene sogleich mit. Nach vollbrachter Lektüreleistung konnte sich der nun das Obligatwissen besitzende Leser saturiert und von Wissensdurst befreit zurücklehnen.
Auch dem zwei Jahre zuvor erschienenen kleinen Band „Russische Geschichte“ von Andreas Kappeler, der seit 2005 in der 4., aktualisierten Auflage vorliegt, ließe sich nun der Vorwurf unterbreiten, mit seiner scheinbaren Universalität einer weitergehenden Beschäftigung mit der Materie eher im Weg zu stehen, als sie zu initiieren. Doch anders als Schwanitz formuliert Kappeler keinen unhaltbaren Anspruch auf Vollständigkeit, sondern liefert mit seinem Buch ganz im Gegenteil eine bloße Orientierungshilfe, die in einer breiten Öffentlichkeit Interesse für Russland nicht nur stillen, sondern auch wecken soll. Dass er sich dazu einer enormen Kompression bedient, leuchtet ein, ist jedoch auch mit gewissen Gefahren verbunden.
Kappeler, seit 1998 ordentlicher Universitätsprofessor für osteuropäische Geschichte an der Universität Wien, versucht den vorgegebenen Rahmen möglichst effizient zu nutzen. Dazu gliedert er das Buch in zwei Hälften, in deren erster er einen raschen Marsch durch die politische Geschichte Russlands bewältigt, um sich dann im zweiten Teil selektiven Problemfeldern zuzuwenden, deren Behandlung ihm für ein besseres Verständnis russischer Geschichte und Gesellschaft unabdingbar scheint. Kritische Stimmen werden nicht stumm bleiben, wenn politische Geschichtsschreibung einen 1000- jährigen Prozess so sehr ausdünnt, dass am Ende ein Rohbau stehen bleibt, dem bestimmte Räume, Flure und Kolorierungen abhanden gekommen sind. Da Geschichte allerdings immer zugleich Selektion bedeutet, wird es schwer fallen, sich auf ein anzuwendendes Maß zu einigen, welche Ereignisse, Personen und Strömungen als unbedingt erforderlich zu gelten haben. Es obliegt dem Autoren und dessen Kompetenz, seine subjektive Reduktion einen in sich geschlossenen Bauplan zeichnen zu lassen, der dem Leser die Möglichkeit eröffnet, die Räume genauer zu untersuchen, die es ihm wert scheinen oder nach nicht erwähnten zu forschen. Genau darin liegt die eine Stärke des vorliegenden Bandes. Kappeler führt sicheren Schrittes durch die Entwicklung russischer Geschichte. Kurz und knapp nimmt er den Leser mit durch die Jahrhunderte, nachdem er eingangs in geographische und ethnische Grundvoraussetzungen eingeführt hat. Geschickt bedient er sich dabei der Einteilung in Epochen, um mittels dieses Gerüsts Halt auf engem Raum zu geben. Indem der Leser durch die Knappheit nicht Gefahr läuft, sich in Details zu verlieren, öffnet sich der Blick für langfristige Strömungen, aber auch Kontinuitätsbrüche in der russischen Geschichte.
Die zweite Stärke des Buches liegt in der umsichtigen Behandlung von Problemfeldern, die sich eben nicht in das Netz von (ohnehin mehr oder weniger willkürlich festgelegten) Epochen einweben lassen. Damit fördert er eine gesunde Distanzierung von sich an Jahreszahlen klammerndem Geschichtsverständnis. Er arbeitet diese Aspekte als Gegensatzpaare heraus und verschafft mit diesem rhetorischen Kniff einen anschaulichen Zugang zu Eigenheiten russischer Vergangenheit und Gegenwart. So erfährt der Leser beispielsweise, dass die in die Städte strömenden Bauern ihre Werte nicht aufgaben und infolge dessen die Urbanisierung mit einer Ruralisierung der Städte einherging. Doch befasst sich der zweite Teil des Buches nicht ausschließlich mit soziologischen Fragestellungen sondern ebenso mit staatspolitischen, wie der Außenpolitik, die sich vor allem durch ihre Expansion ins Bewusstsein der ausländischen Öffentlichkeit drängte. Kappeler zeigt, dass sich für diese durchaus zwei Lesarten finden lassen: die, einer vornehmlich in der russischen Historiographie vorzufindenden, dem eigenen Schutz geschuldeten Expansion, und die eines imperialistischen Staates.
Vielleicht liegt in diesem Zeigen eine der wenigen Schwächen des Bandes. Es handelt sich eben nicht um eine, wissenschaftlichen Anforderungen genügende und mit Textverweisen versehene Beweisführung sondern um eine Abhandlung, bei der sich der Leser auf die Richtigkeit der Angaben und die Kompetenz des Autoren verlassen muss. Da dies allerdings der Rahmen der C.H. Beck'schen Wissensreihe, in der das Buch erschienen ist, nicht zulassen würde, verzichtet Kappeler zugunsten einer sehr guten Lesbarkeit hierauf. Wer nach der Lektüre noch nicht alles weiß, was er wissen muss, wird sich ohnehin selbst auf die Suche machen nach Antworten, deren Fragen das Buch nicht vorgibt, sondern weckt. Und dann, so bleibt zu hoffen, nicht ein „Stimmt das?“, sondern ein „Wie war das eigentlich genau?“ an speziellere Russlandbücher herantragen.
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am 18. Dezember 2005
„In einer Zeit, in der uns Russland nicht mehr als militärische Bedrohung erscheint, sind die Chancen für ein nüchternes, unvoreingenommenes Verstehen seiner Geschichte und Gegenwart, größer geworden. Dies könnte uns vor übertriebenen Ängsten, Erwartungen und Enttäuschungen bewahren. Falls dieses kleine Buch dazu beitragen kann, hat es seinen Zweck erfüllt.“(S.95)
Mit diesen Worten lässt Andreas Kappeler sein Werk enden. Tatsächlich befindet sich der Westen in einer Phase, in der zwar noch etwas scheu, aber dennoch beständig, Interesse an Russland und seiner Kultur deutlich wird. Dies belegen, um das an der Musikszene festzumachen, erfolgreiche Popimporte wie „TATU“ oder das vermehrte auftauchen russischsprachiger Textfragmente innerhalb der Songtexte selbst (Fettes Brot: „Schwule Mädchen“). Ebenso zeichnen sich auch in der Modeindustrie, vor allem beim jungen Publikum Anklang findende Trends, wie in Kyrillisch bedruckte Textilien, ab. So ist oftmals auf der Brust des modebewussten jungen Menschen „AEROFLOT“ oder „CCCP“ zu lesen. Diese Hinterlassenschaft sowjetischer Symbole scheint für den Einen oder Anderen direkt aus einem mystischen Nebel vergangener Zeiten empor zu quellen, und findet letztendlich den Ansprüchen unseres Zeitgeistes genügend seinen Platz auf einer Nylonhandtasche oder einem zerfransten T-Shirt.
„Russische Geschichte“ soll all jenen unter uns dienen, die diesen Nebel ein wenig lichten mögen. Ob Andreas Kappelers Buch seiner von ihm formulierten Zielsetzung, wie sie dem obigen Zitat zu entnehmen ist, gerecht wird, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Inhaltlich wird das Buch in vier Abschnitte: Grundlagen, Epochen der politischen Geschichte, Problemfelder, Schluss: Kontinuität und Brüche, unterteilt. Eine Ausnahme bildet der letzte, welcher als ein zusammenfassendes Schlusswort zu betrachten ist. In diesem werden Bezugspunkte zu den schon im Vorwort und Abschnitt 1.1 beschriebenen Kontinuitäten und Brüchen aufgestellt, die sich wie ein Faden durch das gesamte Buch ziehen und immer wieder die Beachtung des Lesers suchen. Unter Brüchen versteht Andreas Kappeler jene Elemente russischer Geschichte, welche seit Entstehung des Moskauer Reiches im 15. Jahrhundert, oftmals für gewaltige Umwälzungen der sozialen, geographischen, demographischen oder politischen Verhältnisse, Verantwortung trugen. Im Gegensatz hierzu beschreibt er eben Kontinuitäten, die sich durch die Jahrhunderte hinweg ziehen, so zum Beispiel bei der Klärung der Frage nach dem europäischen Charakter Russlands (S.90 - S.92) oder der Kontinuitäten innerhalb des Sowjetsystems (S.51 – 52). Wie Schon die Worte Bruch und Kontinuität ein „Gegensatzpaar“(S.2) bilden, bemächtigt sich Kappeler zahlreicher solcher Gegensatzpaare, anhand derer er die russische Geschichte, bestehende und vergangene Zustände zu zeichnen versucht; „mächtiger Staat und passive Gesellschaft“ oder „Abwehr und Expansion“ (S.2) führt Kappeler als Beispiele an.Neben der Verwendung von Kontinuitäten, Brüchen und Gegensatzpaaren zur Darstellung der „Russische Geschichte“, erscheint der Aufbau des Buches einleuchtend. So ist es logisch, dass der Diskussion ob die russische Kultur europäischer oder asiatischer Natur sei, erst die Erläuterung der russischen Kultur an sich vorausgehen muss. Behutsam wird der Leser kurz und knapp in verschiedenste Themenbereiche wie die geographischen Gegebenheiten oder die Entstehung des Moskauer Reiches eingeführt, ohne ihn mit zu vielen Zahlen zu peinigen. Konsequenz dieses Faktums ist, dass einem noch so großen Lesemuffel angesichts der 112 Seiten an Lesestoff, nicht gerade eine unüberwindbare Barriere zugemutet wird.
Zu guter letzt findet sich im Anhang, ab Seite 96, eine Zeittafel mit allen Wichtigen Ereignissen bis 2004, für all jene unter uns Lesern, die begierig jedes Datum in sich aufsaugen, eine detaillierte Auflistung weiterführender Literaturhinweise, die wichtigsten vier Grenzverlaufskarten von 1550 bis heute und schließlich ein Sachregister.
Bleibt nur noch sich ein letztes Mal auf Andreas Kappelers Schlusswort zu beziehen (S.93): „Der Versuch eines gedrängten Gesamtüberblicks über ein Jahrtausend russischer Geschichte birgt eine Reihe von Gefahren. Komplizierte, von der Forschung differenziert analysierte Probleme werden stark vereinfacht. Die Ebene der Betrachtung ist abstrakt, die Dramatik von Ereignissen geht verloren, das Schicksal einzelner Menschen und ihr alltägliches Leben bleiben im Schatten von anonymen Strukturen.“ An dieser Stelle einen Dank an Herrn Kappelers Selbstkritik, kaum vorstellbar, dass man es noch besser hätte formulieren können. Was dieses Buch jedoch ausmacht: Wenn jemand sich für eine detaillierter Ausdifferenzierung des Begriffes Rus’ interessiert, schlägt er in einem Lexikon nach und wird dort vier verschiedene Erklärungsansätze für die Entstehung dieses Wortes finden, er wird dabei wahrscheinlich eine halbe Seite, je nach Genauigkeit der Ausführungen, vielleicht auch eine ganze gelesen haben und weiß bescheid. Er könnte aber auch das Buch „Russische Geschichte“ von Andreas Kappeler aufschlagen, genau 93 Seiten an Mehraufwand betreiben, wäre über die Entstehung des Begriffes Rus’ informiert und könnte am nächsten Morgen in der Klasse 9a eines Gymnasiums in Niederkrüchten oder an irgendeiner Universität in irgendeiner Stadt mit seinem Universalwissen an tausendjähriger Geschichte Russlands prahlen. Wen interessiert in Anbetracht solcher Tatsachen noch die verloren gegangene Dramatik von Ereignissen, falls doch, möge er unter „Hinweise auf weiterführende Literatur“ nachschlagen.
„Dies könnte uns vor übertriebenen Ängsten, Erwartungen und Enttäuschungen bewahren. Falls dieses kleine Buch dazu beitragen kann, hat es seinen Zweck erfüllt.“ - Hat es, und nicht nur das!
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am 19. Februar 2015
Empfehlenswertes Buch über die Geschichte Russlands, das die Grundlagen, Epochen der politischen Geschichte und die Problemfelder sehr gut umfasst. Besonders lobenswert sind die Veranschaulichungen der historischen Zusammenhänge und die gesellschaftlichen Dynamiken, die mir geholfen haben die heutige politische Situation in Russland besser zu verstehen. Dabei zählt der Autor die politischen Ereignisse nicht chronologisch auf, sondern erörtert die langfristigen Auswirkungen und die Problemfelder kritisch und anschaulich. Die Quellen sind nicht einseitig gewählt und sehr gut nachvollziehbar.

Etwas zu kurz gekommen sind die Machtkämpfe zwischen den USA und der Sowjetunion. Zu diesem Thema bietet "Der kalte Krieg" vom Beck Verlag aber auch gute Informationen.
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am 11. April 2007
Zuerst war ich ein wenig skeptisch über dieses kleine Büchlein: Mehrere Jahrhunderte russischer Geschichte in so wenig Seiten gepresst. Ob das gut gehen kann? Es kann!

Das Buch ist in 4 Teile gegliedert: einen kurzen Grundlagenteil, der für erste Probleme und Unterschiede zwischen "Ruß", "russisch", "russländisch" und ethnische bzw. geographische Probleme bei der Betrachtung "russischer Geschichte" sensibilisiert. Im zweiten Teil folgt im eigentlichen Sinne eine kompakte chronologische Abfolge beginnend mit dem Kiever Reich. Der dritte Teil ist eine auf bestimmte Problemfelder bzw. Sachgebiete (Religion, Expansion und Abwehr, Staatsmacht, ...) bezogene Geschichtsbetrachtung, dem dann der vierte (Schluss-)Teil als eine Art kurzes Fazit folgt. Gut gelungen ist dem Autor die Hervorhebung des Roten Fadens - die direkte Linie, die vom Moskauer Reich bis zum heutigen Russland führt. Auch der stete Bezug und Vergleich zum heutigen Russland (bzw. dem von 1999) trägt zum Verständnis bei. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch, dass Kappeler es trotz der geringen Seitenzahl schafft, dem Leser ein Verständnis für die Entwicklung des Landes, den Brüchen und Traditionen in der Geschichte mit auf den Weg zu geben. Zudem macht er darauf aufmerksam, dass es durchaus noch ungeklärte bzw. umstrittene Sachverhalte und räumt gleichzeitig mit einigen Vorurteilen auf.

Alles in Allem bleibt nach dem Lesen des Buches ein positiver Gesamteindruck, der Lust auf mehr macht, aber auch wenig bedauern lässt, dass die Reise durch die russische Geschichte so schnell vorbei ist.
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am 22. September 2014
Das buch würde ich für den Preis nicht wieder kaufen. Zu viel wissenschaftlicher Klim Bim zu wenig thematische breite. Schade eigentlich.
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am 23. November 2009
Kappeler verschafft dem Leser einen vernünftigen Überblick über die russische Geschichte und geht nachvollziehbar auf die von ihm gewählten Problemfelder ein. Das Buch eignet sich gut als Einstieg in das Thema. Vor allem überzeugt der fortlaufende Zusammenhang bis in die Gegenwart. Wenn man sich aber spezifischer mit der Thematik beschäftigen will, ist die Lektüre eines umfassenderen Werkes empfehlenswert.
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