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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Ton macht die Musik, 11. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Gott ist schön: Das ästhetische Erleben des Koran (Taschenbuch)
Wer behauptet, hier sei der Koran als ein Buch beschrieben, das sich in einem fernen Altarabisch über die Köpfe der Hörer hinweg deklamiert, kann '"Gott ist schön"' unmöglich gelesen haben. Kermani erklärt uns nämlich im Gegenteil, das göttliche Wunder des Korans sei für Muslime darin beschlossen, dass der Prophet, wie "ein 'einfacher Allgäuer'", der eigentlich nur den Dialekt seiner Region sprechen kann, auf einmal im wahrsten Sinne des Wortes mit Engelszungen in der überall geläufigen Hochsprache so wunderbar spricht, dass die größten Dichterfürsten der Zeit in die Knie sinken. Und heute noch ist die koranische Sprache jene, an der sich die Dichter messen und mit der die Politiker in ihren Reden die Zuhörer gewinnen.
Die Aufgabe, die Kermani sich mit dem Buch stellt, ist daher mitnichten die, den Koran als Kunstwerk an sich zu beschreiben (weshalb er die platonische oder die Genie-Ästhetik nur darlegt, um eine Brücke zum europäischen Denken zu schlagen, aber nicht heranzieht, um den Koran zu erklären). Im Gegenteil breitet er eine Diskussion vor uns aus, die zeigt, dass schon die Muslime der frühen Jahrhunderte uneinig darüber waren, wie viel Kunst dem Koran eigentlich objektiv zukommt. Die einen hielten ihn für unvergleichlich und wagten es nicht, in einem Haus zu übernachten, dessen Eigentümer einen Koran besitzt, die anderen nahmen ihn zum Objekt ihres Forschungsinteresses in der Hoffnung, sein Geheimnis nicht nur verstehen, sondern eines Tages auch nachahmen und übertreffen zu können. Unbestritten war und ist also nicht der Kunstcharakter, sondern die durchschlagende Kunstwirkung des Koran.
Kermani geht es folglich darum, den kommunikativen Akt zu analysieren, der dazu führt, dass ein Text egal welcher objektiven Qualität als Kunstwerk empfunden wird. Wir, die wir den Koran nur aus Übersetzungen kennen und nach seinem Informationsgehalt beurteilen können, erfahren hier, dass er, ebenso wenig übersetzbar wie ein lyrisches Gedicht, weniger vom Inhalt, als von seiner Sprachgestalt lebt, vom Klang und dem Schwingen seiner Worte und damit davon, dass und wie er vom Rezitator dargeboten und vom Gläubigen gehört wird. Nicht das Lesen, sondern das Hören und Rezitieren des Textes ist das heiligste Ritual der Muslime, in dem die Gläubigen direkt erfahren, dass Gott selbst Wort geworden ist und durch Muhammad gesprochen hat - so wie die Nachahmung des Abendmahls in der Eucharistie für gläubige Christen die Menschwerdung Gottes nicht nur versinnbildlicht, sondern tatsächlich verkörpert.
Es geht im Koran also nicht darum, DASS das Paradies versprochen und die Hölle angedroht wird, sondern WIE Versprechen und Drohung sich uns präsentieren, nämlich als ein Anruf von höchster Schrecklichkeit und Lieblichkeit zugleich. Und damit werden dann zunächst auch die vom Koran Getöteten erklärt: sie haben die Gewalt des Erlebnisses nicht ausgehalten. Dabei wird versucht, an Hand verschiedener Anekdoten über diese Todesfälle die Verschiedenartigkeit dieser Erschütterungen aufzuzeigen ' und damit das Potential der Koran-Rezitation, höchste Lust und höchstes Entsetzen gleichzeitig wecken zu können. Später wird das Motiv der vom Koran Getöteten noch einmal aufgegriffen und die Art der Erschütterung mit Hilfe von Sufi-Theorien näher erläutert. Diese beschreiben, wie das Hören das Herz ergreift und in der Vorstellung schönste und schrecklichste Bilder weckt ' und wie der kleine Mensch in der Brandung der Gefühle am Felsen Gottes zerschellt oder selber Fels in der Brandung ist, der auch im Höchsten ruhig bleibt und unbewegt.
Dies der rote Faden durch die Darlegungen, die den Koran an sich betreffen.
Da Kermani aber für europäische Leser schreibt, muss er ihnen, die gewohnt sind, den Genuss an Schönheit und die Ergriffenheit durch Göttliches zu trennen, erst einmal ermöglichen, beides wieder in Zusammenhang zu bringen. Das Göttliche im unwandelbar Schönen und Idealen zu sehen, steht ja im diametralen Gegensatz zu der christlichen Sicht, die Jesu Göttlichkeit in Leiden, Sterben und Auferstehung erkennt. Folgerichtig trennen die westlichen Ästhetiken das Göttliche vom Schönen, allenfalls drückt sich das Göttliche im Schönen aus, während im Osten das Schöne den Rang eines unmittelbaren Gottesbeweises hat und der Genuss daran für die ganz Orthodoxen auch auf den religiösen Bereich beschränkt ist. Um hier eine Brücke zu finden, muss Kermani zurück gehen in antike Zeiten, in denen Kunst und Gottesdienst noch zu einem verbunden waren, und sich (man denke an die griechischen Orakel) Göttliches im Zustand der Inspiration in Kunst offenbart. Von hier ausgehend gelingt es Kermani, die beiden Entwicklungslinien aufzuzeigen und ineinander zu spiegeln, die zuletzt im Abendland die Kunst als Selbstausdruck des künstlerischen Individuums sieht, also ihren Werkcharakter in den Vordergrund rückt, und im Morgenland die Kunst als göttliche Inspiration begreift, also ihre Fähigkeit in den Mittelpunkt stellt, die Herzen für eine überindividuelle Wahrheit zu öffnen. Am Schluss führt er diese beiden Denkmuster mit der Beschreibung der Wirkung von Musik zusammen, die einerseits als ein von Künstlerindividuen geschaffenes Werk wahrgenommen wird, aber andererseits durch ihre unmittelbare Wirkung auf die Herzen der Hörer auch etwas sprachlos tiefes Allgemeines verwirklicht, das uns ahnen lässt, was der Koran für die Muslime bedeutet.
Um den Koran als lebendiges, wirkendes Wort Gottes geht es, nicht um '"den"' Islam, auch nicht um die Entstehung des Koran (die nicht einmal angesprochen wird) und auch nicht um dessen Rezeptionsgeschichte. Kermani schreibt weder als Theologe, noch als Historiker, sondern erläutert als Sprachwissenschaftler die Vielfalt der Wirkungen des Offenbarungstextes damals und heute -und hilft dem deutschen Leser, der den Koran mit Gewinn lesen möchte, damit wirklich sehr. Der hat nun durch ihn gelernt, die Wiederholungen nicht als inhaltliche Redundanzen, sondern als Rhythmisierungen nach Art von Refrains zu begreifen, mit ihrer Hilfe Beziehungen herzustellen, den emotionalen Sinn von Worten zu fühlen und das Gleichnishafte in den Vordergrund zu stellen -' und auf einmal spricht dieses schwierige Buch auch für ihn.
Wen die Lust packt, weiter zu studieren, dem hilft ein wahrhaft imposanter Anmerkungsapparat und ein umfangreiches Literaturverzeichnis, Interessen zu artikulieren, Schwerpunkte zu setzen und einem eigenen Weg zu folgen.
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29 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kaum Theorie, lange Berichte, sehr flüssig geschrieben, 18. Januar 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gott ist schön: Das ästhetische Erleben des Koran (Taschenbuch)
Eine Theorie der Ästhetik bringt Kermani kaum. Allerdings schildert der Text in sehr flüssigem Stil und sehr ausführlich verschiedene ästhetische Aspekte des Korans, so z.B. dass seine Schönheit als (später quasi dogmatisierter) Beweis dafür gilt, dass der Text des Korans, für Muslime nur gültig im arabischen Original, nur von Gott selbst stammen kann. Ausführlich berichtet Kermani von frühen Hörern des Korans, die so überwältigt wurden von der Schönheit einiger rezitierter Suren (=Koran-Abschnitte), dass sie starben.
Der Text ist gut verständlich (setzt keine Spezialkenntnisse voraus) und liest sich sehr flüssig. Oft hatte ich aber den Eindruck: hier hätte der Autor leicht den Inhalt von 10 Seiten Text auch in 1 Seite zusammenfassen können. Und die Menge der Beispiele für die vom Koran getöteten ist auch mehr als üppig.
Sehr knapp gehalten sind dagegen Querverbindungen zu anderen äthetischen Konzeptionen, z.B. von Platon oder der dt. Genieästhetik. Diese relativ (zu insgesamt 500 Seiten!) kurzen Abschnitte wirkten auf mich wie künstlich hinzugefügt (um dem akademischen Anspruch zu genügen?).
Dass diese sehr interessante Abhandlung, die jedoch im wesentlichen eine Stoffsammlung darstellt, für eine Dissertation an einer deutschen Uni ausreicht, hat mich erstaunt.
Als Vorbereitung auf eine Reise durch Ägypten während des Ramadan hat mir dieses Buch manche Facetten des Islam verständlicher gemacht. Inwieweit die von Kermani dargestellte Sicht des Korans der Religionsausübung in verschiedenen islamischen Ländern entspricht, kann ich nicht beurteilen. Ein ägyptischer Reiseleiter, der an der berühmten Al-Aksha-Universität in Kairo studiert hat und mit dem ich über einzelne Themen des Buches sprach, äußerte sich anders (z.B. die Sprache des Korans sei kein fernes Alt-Arabisch, sondern allen Ägyptern verständlich).
Wenn Sie sich für den Islam interessieren und nicht nur eine Kurz-Info suchen, bietet dieses Buch viele interessante Fakten zur Entstehung und vor allem Rezeptionsgeschichte des Koran und Anregungen zum weiteren Nachdenken (auch in der Gegenüberstellung zum Christentum).
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20 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ästhetik in Reinform, 14. Februar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gott ist schön: Das ästhetische Erleben des Koran (Taschenbuch)
Das Buch, die Dissertation des Autors, erschreckt und fasziniert gleichermaßen: Durch den Umfang und das hochwissenschaftlich aufbereitete Thema flösst es Respekt ein, aber der unvergleichliche Stil Kermanis, seine Fähigkeit, dem Leser die Ästhetik des Korans auf frappierende Weise nahezubringen, machen das Buch dennoch zu einem Lesevergnügen und Erlebnis der besonderen Art.
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Gott ist schön: Das ästhetische Erleben des Koran
Gott ist schön: Das ästhetische Erleben des Koran von Navid Kermani (Taschenbuch - 6. Juli 2011)
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