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am 27. Februar 2005
Der Einfluß des "geheimen Wissens" der Ägypter auf das Abendland ist ungeheuer vielschichtig. Das Namensregister des Buches umfasst alleine acht Seiten.
Hornung legt ein umfassendes Sachbuch vor, das allerdings aufgrund der Materialfülle manches nur streifen kann, was der Erläuterung bedarf. Der Autor ist nicht unbedingt ein begnadeter Didakt: er setzt en passant beim Leser bereits enzyklopädische Kenntnisse voraus. Vielleicht hätte man mit dem Material auch ein Lexikon des esoterischen Ägypten zusammenstellen können.
Über die didaktischen Schwächen hilft aber die Spannung des Themas hinweg. Wir erleben Amun als Vorläufer der hermetischen Formel Hen kai pan ("Eins und Alles"), hören dass Phytagoras womöglich 22 Jahre in Ägypten verbracht hat und begleiten Athanasius Kircher (1602 - 1860) bei seinen Versuchen, die Geheimnisse der Ägypter zu entschlüsseln.
Angenehm ist die souveräne und sachliche Art, mit der Hornung sich von allzu abenteuerlichen Spekulationen distanziert. Hornung sieht in Hermes Trismegistos einen Gott des Ausgleichs: Ein Heilmittel gegen jeglichen Fundamentalismus. Vielleicht findet sich - etwa bei den Lehren Echnatons - ja noch ein missing link für unseren etwas an Blutarmut leidenden Humanismus...
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am 4. April 2012
Der Untertitel von Hornungs Buch lautet 'Das geheime Wissen der Ägypter und sein Einfluß auf das Abendland'. Damit ist das Vorhaben des Autors gekennzeichnet, die zwei Gegenstände seiner Erörterung sind klar umrissen. Erfüllt das Buch die selbstgesteckten Ziele?

Beginnen wir mit dem Anspruch, das geheime Wissen der Ägypter (die Esoterik des alten Ägypten) wiederzugeben. Ganze dreizehn (!) Seiten nimmt Hornungs Suche nach einer altägyptischen 'hermetischen' Esoterik ein. Nun kann man auch auf dreizehn Seiten Wesentliches und Erhellendes sagen. Das ist aber hier nicht der Fall. Der Autor verbleibt an der Oberfläche des Themas, wie dies mit wenigen Ausnahmen immer der Fall ist, wenn Ägyptologen sich mit der spirituellen/religiösen Seite ihres Forschungsgegenstandes beschäftigen. Das Absurde dieses Verhaltens sei an einem analogen Beispiel veranschaulicht: Jeder kennt das christliche Bild vom Himmel, bei der die Engel und die Heiligen vor Gottes Thron stehen und ihm heilige Gesänge darbringen. Darf eine Erklärung dieses Bildes sich mit der Schilderung des äußeren Inhaltes begnügen und dann behaupten, die christliche Vorstellung des Himmels sei kindlich? Natürlich nicht, denn es handelt sich um ein Bild (!) geistiger Wirklichkeit, das der Welt der sinnlichen Wahrnehmung entnommen ist und das verschiedene symbolische Schichten beinhaltet. Ägyptologen wie Hornung verfahren mit der ägyptischen Welt spiritueller Bilder und Symbole jedoch so, wie es kein ernstzunehmender Religionswissenschaftler mit der christlichen Symbolik tun würde.

Der Grund ist, daß die meisten Ägyptologen andere Wissensgebiete und Erkenntnismethoden als die eigenen nicht zu Rate ziehen. Grundlegende Vorfragen wie die Frage nach der Stellung Ägyptens innerhalb der Bewußtseinsgeschichte der Menschheit , nach dem Unterschied zwischen Esoterik und Exoterik usw. werden nicht geklärt bzw. in die eigenen Überlegungen miteinbezogen. Angesichts dieses grundlegenden Mangels ist Hornungs Behauptung, 'daß die Ägyptologie inzwischen die einzige Disziplin ist, die sich noch mit dem Ganzen einer alten Hochkultur beschäftigt, nicht nur mit ausgewählten Teilen', eine unwahre Behauptung oder Illusion. Es ist heutzutage nicht mehr zu vermeiden, interdisziplinär an die Fragen des eigenen Wissensgebietes heranzugehen, weil zu viele Forschungsergebnisse aus anderen Wissensgebieten vorliegen (Physik, Biologie, Geisteswissenschaft, Körperpädagogik etc.), ohne die auch die Ägyptologie einfach nicht auf der Höhe des gegenwärtigen Diskussionsstandes ist.

Im zweiten (weit umfangreicheren) Teil seines Buches präsentiert der Autor eine Fülle von Material, das die abendländische Rezeption des esoterischen Ägypten durch die Jahrhunderte darstellt. Eine Fleißarbeit, die manch wertvolle Hinweise gibt, die jedoch eigene Nachforschungen nicht überflüssig macht. Denn auf die Schilderungen Hornungs sollte man sich nicht ohne weiteres verlassen. Da wird vieles unverdaut oder falsch wiedergegeben.Ein Beispiel: Die Beschreibung von Sinn und Zweck der Mumifizierung bei Rudolf Steiner (Begründer der Anthroposophie) wird bei Hornung nur stark vereinfacht und damit verzerrt wiedergegeben. Tatsächlich hat Steiner die Mumifizierung unter einer ganzen Reihe unterschiedlicher Aspekte dargestellt.

Ein anderes Beispiel: Im Buch wird behauptet, bei den von griechisch-antiken Persönlichkeiten geschilderten Einweihungen in ägyptische Mysterien handele es sich in Wahrheit um hellenistische Mysterien. Begründungen für diese Meinung bringt der Autor freilich nicht. Demgegenüber fragt man sich: Wieso sprechen die Griechen, die die Initiation in Ägypten durchgemacht haben, immer von 'ägyptischen Mysterien', wenn sie doch angeblich eigentlich hellenistische meinen? Und warum reisen sie extra nach Ägypten, um hellenistische Mysterien zu erleben? Und wer hat die angeblich hellenistischen Mysterien nach Ägypten exportiert?

Leider macht Hornung in seinem Buch keine Unterschiede zwischen Esoterik und Pseudoesoterik. Der mögliche Einwand, welche Kriterien denn für eine solche Unterscheidung gelten sollten, sei zu schwierig, gilt nur sehr eingeschränkt. Die innere Kongruenz von esoterischen Strömungen, die praktischen Resultate und die persönliche Authentizität ihrer Vertreter sind Kriterien, die zumindest Annäherungen an diese Unterscheidbarkeit zulassen.

Ein letzter ' wesentlicher Einwand ' gegen die im Buch vorgenommenen Bewertungen: Hornung versucht einen deutlichen Trennungsstrich zwischen hermetischem und pharaonischem Ägypten zu ziehen. Dabei weiß jeder, der sich über beide Gebiete informiert hat, daß es in der Bilderwelt und den Texten des pharaonischen Ägypten eine Fülle von ' später so genannten hermetischen ' Inhalten gibt. Doch dies muß Hornung entgehen, weil er an der Oberfläche von Phänomenen verbleibt und andere Wissensgebiete mit ihren Ergebnissen ignoriert.

Das vorliegende Buch bestätigt leider einen Satz von Erik Iversen: 'Wenn man die Banalität und Langeweile bdenkt, auf die ' mit wenigen Ausnahmen ' das Studium von ägyptischem Denken und Religion reduziert wurde durch Generationen uninspirierter und auch nicht inspirierender Schul-Gelehrsamkeit, dann kann es kaum gefährlicher sein, die Subtilität des ägyptischen mythischen Denkens zu überschätzen als sie zu ignorieren.' (E.Iversen, Canon and Proportions in Egyptian Art, Warminster /UK 1975, S.65)
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