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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgewogene Darstellung eines brisanten Themas
Das Thema der europäischen Hexenverfolgung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit genießt ungebrochene Popularität. Wolfgang Behringer, einer der Experten der zeitgenössischen Hexenforschung, versucht mit diesem Buch einen allgemeinen Überblick über die Materie zu geben.

Das Buch selbst gliedert sich in vier thematische...
Veröffentlicht am 26. April 2006 von Andreas Reich

versus
3.0 von 5 Sternen Für Recherche brauchbar
Ich hatte mir bzgl. einer Rechereche für einen eigenen Roman dieses Büchlein erstanden.
Die inhaltliche Zusammenfassung ist gelungen und gibt einen guten Abriss über das Thema Hexen.

Was mich gestört hat: Es ist so staubtrocken geschrieben, dass ich mich quälen musste.
Gut, es ist Fachlektüre, aber auch die kann man...
Vor 5 Monaten von Timo Leibig veröffentlicht


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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgewogene Darstellung eines brisanten Themas, 26. April 2006
Von 
Andreas Reich (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Das Thema der europäischen Hexenverfolgung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit genießt ungebrochene Popularität. Wolfgang Behringer, einer der Experten der zeitgenössischen Hexenforschung, versucht mit diesem Buch einen allgemeinen Überblick über die Materie zu geben.

Das Buch selbst gliedert sich in vier thematische Abschnitte: "Hexenglaube" (1) untersucht Vorstellungen von Hexerei, Magie und Zauber im interkulturellen Vergleich. Diese finden sich in nahezu allen Kulturen und sind mindestens seit der Antike überliefert, stellen also kein spezifisch europäisches, mittelalterliches Phänomen dar. Der Autor weist anhand verschiedener ethnologischer Arbeiten nach, dass mit diesem Phänomen in verschiedenen Gesellschaften ganz unterschiedlich umgegangen wurde. Großangelegte Hexenjagden sind außerhalb Europas jedoch relativ selten, auch wenn in jüngerer Zeit in Gegenden Afrikas dazu Negativbeispiele angeführt werden können.

"Hexenverfolgung" (2) gibt einen kurzen Überblick über die Herausbildung des Hexentopos ab etwa 1400. In dieser Zeit bildete sich aus Teilen antisemitischer Vorurteile, Ketzereivorstellungen und älterer Ideen von Zauberei und Magie das Bild der Hexe. Als fatal für diese Entwicklung erwies sich sicherlich, dass die Kirche, die lange Zeit dieser Vorstellung distanziert und skeptisch gegenüber gestanden hatte, nun ihre Ansichten änderte. Doch widerspricht es der Komplexität des Themas, hier eine einheitliche Meinung zu unterstellen. Hexereivorstellungen wurden innerkirchlich diskutiert und oft auch von Geistlichen bekämpft. Nur zu oft wurden die Prozesse vom Volk gefordert, und die Obrigkeit kam diesem Bedürfnis nach. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Verweis auf die kleine Eiszeit im 16. Jh., die ein Erklärungsmuster für vergleichbare überregionale Entwicklungen in der Verfolgungsgeschichte trotz bestehender kultureller Schranken bietet.

"Kampf gegen Hexenverfolgung" (3) hingegen beschäftigt sich mit dem Widerstand, den es zu allen Zeiten gegen die Verfolgung der Hexen und Zauberer gab. Interessant ist hierbei, dass sich die Positionen keinen Gruppen zuordnen lassen. Kritik und Befürwortung kamen von allen Seiten. Gerade die Relativierung der Verantwortung der Institutionen betone jedoch im Gegenzug die je individuelle Schuld oder Verdienste.

"Verwertung und Vermarktung" (4) schließlich zeichnet die erneute Veränderung der Vorstellungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart nach. Hexen wurden von Grimm als Bewahrerinnen des deutschen kulturellen Erbes romantisiert, von den Nazis als Opfer der jüdisch-christlichen Kultur postuliert und, daran anknüpfend, im Feminismus als "weise Frauen" zu Leitfiguren der Bewegung stilisiert.

Die Arbeit überzeugt durch Faktenreichtum, allgemeine Verständlichkeit und übersichtliche Gliederung. Angenehm fällt die Ausgewogenheit der Darstellung auf, mit der das Thema angegangen wird, ohne unnötig zu skandalisieren. Den Richtlinien der Reihe entsprechend finden sich im Text zwar keine Fußnoten; durch Nennung der Namen und unter Benutzung der sehr umfangreichen Literaturangabe sollte es allerdings kein Problem darstellen, entsprechende Fakten zu finden. Wer bereits andere Werke des Autors gelesen hat wird hier vermutlich wenig Neues entdecken (aber das ist ja auch nicht der Sinn). Der Empfehlung tut dies jedoch keinen Abbruch, denn hier bekommt man eine sehr gute Einführung in ein schwieriges Thema.
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41 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hop oder Top?!?, 15. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Wirklich spaßig hier die bislang abgegebenen Rezensionen zu vergleichen...
Die Hexen waren eines meiner Magisterprüfungsthemen, so daß ich gezwungen war, mich mit verschiedensterlei Lektüre dazu auseinanderzusetzen. Dabei war diese knappe Zusammenfassung des enormen Wissens von Prof. Behringer eine unglaublich gute Hilfe. Alleine die angehängte Literaturliste und Zeittafel sind Gold wert. Wer aber populistische Stimmungsmache sucht, ist hier tatsächlich an der falschen Adresse.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverzichtbares Grundlagenwerk, 26. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Wolfgang Behringer -ein ausgewiesener Kenner der Materie- legt mit diesem Werk eine kompakte und für normal gebildete Menschen gut lesbare Gesamtdarstellung der Hexenverfolgung vor.

Gerade in diesem von Mythen und einer Unzahl sachlich unfundierter Standpunkte durchzogenen Thema bietet Behringer eine gut gegliederte, sachlich-nüchterne Darstellung, der viele Leser zu wünschen sind.

Einige der grundlegenden Fakten zu Thema die den Buch zu entnehmen sind:

1. Die Hexenverfolgung ist ein Phänomen der Frühen Neuzeit. Es gab -im Gegensatz zum weit verbreiteten Mythos- im Mittelalter keine Hexenverfolgung als solche. Die Inquisition richtete sich gegen Ketzer (Die spanische Inquisition übrigens stand dem Hexenhammer skeptisch gegenüber, S. 45).

2. Die Zahl der Todesopfer liegt bei ca. 100.000. Gerne kolportierte Zahlen in Millionenhöhe sind mit Quellen nicht belegbar (S. 64-66).

3. Ein Fünftel bis ein Viertel der Opfer waren Männer (S. 67). Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde Hexerei auch nicht als Bestandteil eines verdeckten Geschlechterkampfes angesehen(S.29, 40.

4. Hexenverfolgung gab es gleichermaßen in protestantischen wie in katholischen Gebieten.

5. Eine Hexenverfolgung konnte sowohl von oben angestoßen werden (amtlich bestellte Hexenjäger etc.) wie auch von unten kommen, dann nämlich wenn Streitereien in der Dorfgemeinschaft oder unter Nachbarn in der Stadt darin einmündeten, dass eine Seite der anderen Hexerei vorwarf -und ggf. sogar die Behörden einschaltete. Diese Prozesse so zu deuten, dass Behringer den Hexen attestiert, selbst an ihrer Verfolgung schuld zu sein, hieße Behringer misszuverstehen bzw. missverstehen zu wollen.
Auf keinen Fall haltbar sind im Übrigen sozialromantische Absurditäten, die den armen Leuten immer eine moralische Überlegenheit und eine grundsätzliche Anständigkeit attestieren und die deswegen nur die Hexenverfolgung von oben wahrnehmen.

6. Eine zentrale Ursache für die Hexenverfolgung dürfte in den kritsenhaften Zeitläuften zu finden sein. Im 16. und 17. Jahrhundert machten gerade die Regionen Europas, in denen die Hexenverfolgung am stärksten vertreten war, mehrere massive Krisen durch (Glaubensspaltung und damit einhergehend Kriege und eine tiefgreifende transzendentale Verunsicherung weiter Teile der Bevölkerung; Klimaumschwung ("kleine Eiszeit") und damit verbunden eine deutliche Zunahme der Missernten über einen längeren Zeitraum hinweg. (S. 60-69)

In keinster Weise sucht Behringer übrigens die Kirchen aus der Verantwortung zu nehmen, vielleicht ist es einfach manchen Lesern unerträglich, wenn nicht deren Schuld in jedem zweiten Absatz mit der -für derartige Leute offenbar dazugehörenden- moralischen Empörung des Verfassers gebetsmühlenartig wiederholt wird.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr nötiges wissenschaftliches Buch - Kampf dem Vorurteil, 2. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Wie bitter notwendig dieses Buch und seine Lektüre sind, zeigt besonders die Reaktion der Leser hier bei der Bewertung.

Dieses Buch räumt eben gerade mit Vorurteilen bezüglich Kirche und Hexenverfolgung auf - ich finde es phantastisch wenn ein Verlag einem Autor die Möglichkeit zu einer fundierten wissenschaftlichen Analyse GEGEN allgemeine Vorurteile gibt. Viele Medien sind zu reinen Vorurteilsbestätigungsmaschinen verkommen: sag mir welches Vorurteil du hast und ich liefere dir eine populärwissenschaftlich leicht geschriebene Analyse zur Bestätigung ' du zahlst - ich liefere ' mir doch egal was die Wahrheit ist.

Vieles was Behringer in Kommentaren hier unterstellt wird ist schlicht und einfach falsch.

Im Kern geht es in seinem Buch um folgendes:
Ja, es gab die Inquisition. Sie richtete sich aber 'propaganda fide' zur Verteidigung des katholischen Glaubens gegen Ketzer ' also gegen Gegenkirchen von unten wie die Albigenser oder Katharer.
Ebenso gab es schon immer Hexenglauben in allen Kulturen der Welt und auch bei den Angehörigen der christlichen Konfessionen. Anders als die Vorurteile gegen Juden und Ketzer richteten sich die Anklagen gegen Hexen auf Wetterphänomene (abnormer Hagelschlag, Überschwemmung, daraus folgende Viehseuchen etc.). Deshalb kam es oft zu Anklagen von unten aus dem Bauernvolk (verbrennt die Hexe, sie hat das Vieh verhext) und nicht von oben (Graf oder Bischof). Deshalb verläuft die Intensität der Hexenverfolgung auch parallel zur Intensität der kleinen Eiszeit mit Höhepunkt um 1550-1650. (Also zu einer Zeit als die Reformation große Teile Nord-Mitteleuropas erfasste).
Behringer arbeitet sehr gut heraus, dass die Kirche (protestantische wie katholische) eben ein Problem mit der Hexenverfolgung hatte (weil diese eben die persönliche Anwesenheit von Zauberern unterstellte, was im Kern gegen christliche Glaubenslehre verstieß)und dass deshalb die spanische Inquisition beispielsweise die Hexenverfolgung - ganz im Gegensatz zur Ketzerverfolgung - VERBOT. Andererseits war gerade Calvin in der Schweiz ein engagierter Hexenverfolger aus anderen Gründen (warum auch reformierte Kirchen sich beteiligten müsste tiefer erklärt werden ' ein Ansatz wäre vielleicht, dass die neue Macht es sich nicht mit der bäuerlichen Bevölkerung verderben wollte. Das Buch hat hier eine Lücke. Es ist eben doch nur ein guter Überblick keine detaillierte Ausarbeitung.
Insgesamt geht Behringer sehr analytisch vor und stellt beispielsweise auch den Zusammenhang zwischen Bauernwillen nach Hexenbestrafung aufgrund von Missernten und überforderter weltlicher und kirchlicher Justiz in Kleinstaaten dar, die nachgab und der Verbrennung der "Hexe" durch den Lynchmob zustimmte. Auf den Punkt: je kleiner der Staat (reichsunmittelbare Grafschaften waren besonders anfällig) desto wahrscheinlicher, dass der Lynchmob recht bekam ' desto häufiger die Zahl der Hexen-'prozesse' und -verbrennungen.
Behringer stellt auch den katholischen Verfasser des Hexenhammers (der es schaffte, einen Papst zu überzeugen, worauf sich vor allem in Deutschland Inquisitionsprozesse gegen Hexen häuften) in den Zusammenhang seiner Grundtheorie: die Auswirkungen der kleinen Eiszeit waren in Zentraleuropa eben schwerer (Frostgrenze) als im Mittelmeerraum.
Hexenverfolgung war kein rein katholisches Phänomen ' es gab in Nordeuropa und auch in Übersee Hexenprozesse. Die Aufklärung und die folgende Erklärung der Unfehlbarkeit des Papstes brachte aber eine starke anti-katholische Propaganda, so dass man heute vor allem in Deutschland den Hexenwahn als Inquisitionsexzess ansieht - was er nicht allein war.
Es ist so gesehen vollkommen klar, dass ein solches Buch nicht die herrschenden Vorurteile trifft und deshalb schwer verdaulich ist.
Man merkt dem Buch die gute Recherche und dem Autor seine profunde Kenntnis an. Am Schluss schildert er auch noch, wie in manchen dekolonisierten Staaten das aufgeklärte Recht der Neuzeit an manchen Stellen mit noch vorhandenem Hexenglauben kollidiert und revidiert wird - gerade diesen Ausblick fand ich sehr interessant. Zeigt er doch wie dünn unser Zivilisationslack ist und wie sehr auch bei uns in Europa manche noch an diesen Hexenunsinn glauben.
(Die Lynchmob-Zusammenrottung funktioniert wie die letzten Tage (Emden) zeigten, auch und gerade mit facebook hervorragend.)

Insgesamt ein sehr gutes Buch, das einem sehr fundierte neue Einblicke in ein geschichtliches Phänomen gibt, das man aufgrund gelernter Vorteile zu kennen glaubte.
Sehr empfehlenswert!
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32 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine gute Einführung in das Thema, 31. Mai 2005
Von 
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Ich kann die letzten zwei Kritiken zu dem Buch nicht verstehen, da es einen guten Überblick zur Forschung bietet.
Dann ist es natürlich auch nicht das Verschulden des Autoren, wenn Leute nicht den typischen Klischeemist aufgetischt bekommen, den sie anscheinend immer wieder verlangen.
Es wurde angemerkt, dass Herr Behringer sich besser mit den Quellen hätte auskennen sollen: meiner Meinung nach, sowie die eines Großteils der Historiker, beweist Herr Behringer gerade hier seine Kompetenz, denn wer die Quellen kennt, wie z.B. die jeweiligen Protokollakten, wird festellen dürften, dass es in den meisten Fällten weltliche Gerichte waren, die mit Hexenverfolgung zu tun hatten. Und das in Ländern wie Italien und Spanien die Zahl gerade niedrig bis nahezu verschwindend ist, obwohl die Inquisition da sitzt (nur mal dazu, dass es sowieso nicht DIE Inquisition gab, man kann mindestens drei Unterscheiden: Die mittelalterliche Inquisition, die römische Inquisition und Indexkongregation, sowie die spanische Inquisition, die im Übrigen staatlich-monarchisch war, also nicht mit Rom zu tun hatte.)ist nun mal von den Quellen her belegt und keine Schönrederei!
Sorry, für alle die hier in ihrem Klische nicht bestätigt werden. Wer solche Bücher sucht, sollte besser wieder zur Populärliteratur greifen!
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wissenschaftliche, "unsentimentale" Einstiegslektüre., 15. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Dieses Buch ist nichts für "Spiris" und Magier, für Zauberinnen und Heilkundige, die weitere Anregungen suchen! Wolfgang Behringers Hexenbuch ist eine unkomplizierte und trotzdem niveauvolle, informative und zügig zu bewältigende Basis für alle "wissenschaftlich" Herangehenden - Anthropologen, Historiker, Sozialwissenschaftler,... - denen Lexika zu wenig zum Thema zu bieten haben und spezielle Sach- und Fachbücher zu viel oder zu viele Details.
Dabei geht es dem Autor nicht nur um die Hexenverfolgungen in Europa im 15. bis 17. Jahrhundert, sondern auch um die recht aktuell empirisch und statistisch nachweisbaren Zusammenhänge zwischen Missionierung in Afrika und Südamerika, Krisen und "Verteufelung" einzelner als Sündenbock. Besonders interessant ist die Betrachtung über die Entstehung der Hexerei und des Hexenbegriffs; denn es hat keineswegs immer "die Hexe" gegeben. In der Zeit des frühen Christentums zum Beispiel hat die Kirche den Glauben an Zauberer und Zauberinnen und Zauberei/Magie als Irrglauben abgetan; wer glaubte, es gebe Menschen, die Übersinnliches zustande brächten, ohne dies durch die Hilfe Gottes zu tun, der sei kein guter Christ. Die Kirche verteidigte teilweise sogar die verfolgten Außenseiter und schützte sie in Klöstern vor den wütenden Gegnern, die diese für Krankheiten und Unfälle verantwortlich wissen wollten. Für Augustinus (354-430) war jede Form der Superstition oder Magie mit Teufelspaktieren gleichzusetzen; Buchard von Worms (965-1025) hielt dagegen Leute, die sich zu solcherlei fähig fühlten, für Verblendete, "arme Irre" sozusagen, derer man sich mitleidsvoll annehmen müsse. Der "Hexenhammer" stilisierte dann bestimmte Menschen zu Hexen und diese zu Mitgliedern einer großen Verschwörung, einer Art teuflischen Gegenkirche. Der Hexenglaube reifte und artete grausam aus.
Auf das Kapitel der Hexenverfolgung folgt eines über die Gegner dieser Bewegung, z.B. Friedrich Spee oder Adam Tanner. "Verwertung und Vermarktung" klingt vielleicht erstmal als Kapitelüberschrift etwas merkwürdig; damit ist aber ein wichtiges Element der Hexenidee und Hexenverfolgung angesprochen: Vom ausgehenden Mittelalter bis heute profitieren bestimmte Menschen davon, wenn andere an Hexen und Hexerei glauben. Bei Behringer kommen auch die selbsternannten Hexen der 80er und 90er Jahre nicht ungeschoren davon; er ordnet sie zwischen New Age-Bewegung und feministischen Strömungen ein und steht ihnen unverhohlen skeptisch gegenüber - aus rein "aufklärerischem" und "wissenschaftlichem" Blickwinkel. Wie man diesen Ansatz auch finden mag: Insgesamt kann das kleine Buch eine wissenschaftlich fundierte Basisinformierung leisten; Literaturverweise zu den angesprochenen Themenbereichen ermöglichen weitere Orientierung. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3.0 von 5 Sternen Für Recherche brauchbar, 18. Juli 2014
Von 
Timo Leibig (Pleinfeld, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hatte mir bzgl. einer Rechereche für einen eigenen Roman dieses Büchlein erstanden.
Die inhaltliche Zusammenfassung ist gelungen und gibt einen guten Abriss über das Thema Hexen.

Was mich gestört hat: Es ist so staubtrocken geschrieben, dass ich mich quälen musste.
Gut, es ist Fachlektüre, aber auch die kann man lesefreundlicher gestalten.

Wenn ich nur an Dieter Breuers "Ritter, Mönch und Bauersleut" denke, dann liest man dort Geschichte in spannender Form.
Daher gibts für Hexen nur 3 Sterne.
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23 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lanze für dieses Buch, 2. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Mir ist die Kritik an dem Buch nicht erklärlich. Ich fand es sehr gut geschrieben und auch sehr verständlich, und es wiederholt glücklicherweise nicht den von selbsternannten Hexen gepflegten Mythos von den "Millionen Opfern der Hexenverfolgung" und auch die Statistiken sind im Zusammenhang mit dem Text ganz einfach zu entschlüsseln. Ich weiß nicht, wo die Schwierigkeit liegt, die andere mit dem Buch haben. Wer eine kurze, bündige und sachliche Einführung zum Thema Hexen haben möchte (mehr können die Bücher dieser Reihe nicht leisten) ist hiermit allerbestens bedient.
Wer jedoch irgendeinen pseudo-heidnischen, ideologisierten Glaubenskitsch mit "wir armen verfolgten Hexen"-Attidüte erwartet (a la Freya Aswynn oder Starhawk) wird das Buch niemals gefallen können.
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5.0 von 5 Sternen Schöne kompakte Übersicht vom Fachmann, 7. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Wolfgang Behringer gehört zu den führenden Hexenforschern Deutschlands, wenn nicht sogar europaweit, was bereits eine große Aussagekraft für dieses Buch hat. Es ist sehr verständlich geschrieben und auch für Nichtakademiker geeignet, wenn sie Informationen zu Hexenverfolgungen suchen.

Sehr interessant ist die Blickweise Behringers "über den Tellerrand" der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung hinweg, insbesondere in Richtung moderner Hexenkulte und -verfolgungen, sowie die Thematisierung von Hexenglauben als globales, nicht nur als europäisches Thema.

Kurz: Ein super Handbuch zum Thema!
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hexenverfolgungen gibt es auch heute noch in Deutschland, 15. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Taschenbuch)
Da ich alle Bücher von Wolfgang Behringer zum Thema Hexen gelesen habe, ist zu diesem Büchlein zu sagen, dass es eine Zusammenfassung der übrigen Werke plus der neuzeitlichen Vermarktungsstrategien (die von US-Amerikanerinnen! ausgingen) ist. Er weist immer wieder darauf hin, dass die Klimaverschlechterung der wesentliche Auslöser der Verfolgungen war. Stimmt - aber Hexenverfolgungen gibt es bis heute, die Betroffenen werden zwar nicht mehr verbrannt, aber durch Rufmord "erledigt", wie in Gemeinden im südlichen Bayern bis heute üblich. Frauen werden ihrer Sexualität werden bezichtigt (oder was ihre Kontrahenten/Kontrahentinnen da hinein phantasieren) und betroffene Männer beschuldigt, das Vieh in Nachbars Stall verhext zu haben. Im Jahre 2013. Es wäre wünschenswert, wenn sich eine Kapazität wie Herr Behringer sich einmal dieser Thematik annehmen würde, die für die so Verfolgten äusserst belastend ist.
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Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung
Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung von Wolfgang Behringer (Taschenbuch - 17. Juni 2009)
EUR 8,95
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