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5.0 von 5 Sternen Als erste Einführung hervorragend, 15. Januar 2005
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Rezension bezieht sich auf: Scheidewege der deutschen Geschichte: Von der Reformation bis zur Wende 1517-1989 (Broschiert)
Für ein privates Fernstudium über die neuzeitliche Geschichte von der Reformation bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 suchte ich einen kurzen und kompetenten Überblick. Da fiel mir beim Recherchieren dieser Sammelband auf, den der langjährige Bielefelder Sozialhistoriker Hans-Ulrich Wehler, bekannt durch seine "Deutsche Gesellschaftsgeschichte" und sein bahnbrechendes Buch zum deutschen "Kaiserreich 1871 bis 1918 herausgegeben hatte.
Vorerst wollte ich mir, der ich mich besonders für die deutsche Geschichte seit 1866 bis 1990 interessiere, einen Überblick verschaffen. Dazu eignet sich dieser Band sehr gut. Kompetente Historiker liefern je eine Einleitung in ihr jeweiliges Fachgebiet. Es beginnt - nach einer Einleitung Wehlers - mit einer Betrachtung der deutschen Reformation durch den Berliner Historiker Schilling, der sich auf die Frühe Neuzeit spezialisiert hat. Er zeigt - ebenso wie die anderen Autoren - das Besondere, Prägende, die Weichenstellung der Reformation in Deutschland auf, die an ältere Traditionen angeknüft habe. Konfessionelle Zersplitterung prägte seitdem Deutschland. Diese wird von dem Göttinger Historiker Rudolf von Thadden kompetent unterscuht. Betrachtungen zum deutschen Bauernkrieg 1524-1526 von Winfried Schulze und zum Dreißigjährigen Krieg durch Johannes Burkhardt schließen sich an. Besonders interessant, weil zur damaligen Zeit gar nicht vermutet der Beitrag des Kommunikations- und Medienforschers Bernd Sösemann über die Kommunikations- und Medienrevolution. Heinz Reif untersucht den Übergang von der Stände- zur Klassengesellschaft, die sich seit der Wende zum 19. Jahrhundert bemerkbar machte. Wolfram Siemann gibt einen guten Kurzüberblick über die Revolution von 1848/49, Werner Abehlshauser, wie Wehler Professor an der Universität Bielefeld und Sozialhistoriker, untersucht die deutsche Industrielle Revolution, bevor Hans-Ulrich Wehler auf ein zentrales Problem der deutschen Geschichte, den Nationalismus eingeht, den er für die Zeit bis zur Gründung des Kaiserreiches untersucht. Dieter Langewiesche, Professor für mittlere und neuere Geschichte an der Universität in Tübingen, beleuchtet Aspekte der Reichsgründung 1866/1871. Den deutschen Sozialstaat seit Bismarck untersucht Gerhard A. Ritter, einer der bekanntesten deutschen Nachkriegshistoriker. Der Erfurter Historiker Gunther Mai beleuchtet Ursachen und Verlauf des Ersten Weltkrieges, dessen Niederlage in Deutschland nicht zur zur Auflösung des Kaiserreiches, sondern - aufgrund der "Dolchstoßlegende" und mangelnden Entmachtung der alten Eliten zu einer wichtigen Belastung der Weimarer Republik führte. Die Ursachen ihres Scheiterns, die "Krise der bürgerlichen Gesellschaft" unterscuht Bernd Weisbrot, Professor für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Göttingen. Dass der Nationalsozialismus durchaus auch zu Modernisierung und Auflösung der Klassengesellschaft führte und nicht rein als antimondernistische Bewegung zu begreifen ist, ist seit Tim Mason und Sebastian Haffners: "Anmerkungen zu Hitler" bekannt. Joachim Radkau, Professor für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Bielefeld und 1998 mit einer Veröffentlichung über das deutsche Kaiserreich, dem "Zeitalter der Nervosität" hervorgetreten, untersucht in seinem Aufsatz genauer diesen Aspekt, der mit "Nationalsozialismus und Modernisierung" überschrieben ist. Ulrich Herbert, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg, untersucht Ursachen, Verlauf und Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, der Deutschland und der Welt unermeßliches Leid und Zerstörungen brachte. Er führte zu einer bipolaren Welt des Ost-West-Konfliktes und zur "doppelten Staatsgründung", die Dietrich Staritz, geschäftsführender Leiter des Arbeitsbereichs DDR-Geschichte im Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, kompetent darstellt. Industrialisierung und deren Auswirkungen auf die Umwelt untersucht Franz-Josef Brüggemeier, Professor für neuere und Neueste Geschichte in Hannover, bevor der Berliner Sozialhistoriker Jürgen Kocka in einem abschließenden Beitrag Fakten, Probleme und Perspektive der sogenannten "Wende" seit 1982 (das Buch erschien während der "Ära Kohl" 1995) untersucht, wobei die Ereignisse, die zur deutschen Wiedervereinigung führten, im Mittelpunkt seiner Darstellung steht.
Den Autoren gelingt es in ihren jeweiligen Beiträgen, deutlich zu machen, dass die jeweiligen Stationen der Geschichte "Scheidewege" gewesen sind. Wehler erklärt im Vorwort: "Der "tatsächliche" Gang der Dinge muß noch einmal, sorgfältiger als zuvor, identifiziert, beschrieben und erklärt werden, nachdem die gescheiterten oder unterdrükten alternativen, die unterlegenen Kräfte und unausgeschöpften Möglichkeiten erneut gewürdigt und gewichtet worden sind." Genau diesen Anspruch erfüllt dieser Band. Er zeigt, dass die Entwicklung in Deutschland seit der Reformation durchaus "offen" und nicht "zwangsläufig" gewesen ist. "Immer wieder tauchten auch im deutschsprachigen Mitteleuropa Weggabelungen auf (hier werden nur einige von ihnen in den letzten fünfhundert Jahren ins Auge gefaßt), an denen es keineswegs von vorneherein ausgemacht war, welche Richtung die geschichtliche Entwicklung einschlagen würde." (Hans-Ulrich Wehler in seiner Einleitung, S. 10). Dies ist sehr gut gelungen, wobei die Ereignisgeschichte etwas gegenüber der Industrie- und Sozialgeschichte vernachlässigt wird, was sich an der Auswahl der Historiker zeigt. Es geht darum, Zusammenhänge geistiger, mentalitätsmäßiger, politischer und sozialer Art aufzuzeigen. Dies ist - wenn man die Zielgruppe, historisch interessierte Laien, die an einer einführenden Gesamtdarstellung interessiert sind - und den daraus resultierenden Umfang des Sammelbandes (255 Seiten) berücksichtigt - sehr gut gelungen. Jeder Beitrag enthält am Ende neben einem Anmerkungsapparta eine kurze Auswahlbibliographie wichtiger historischer Werke, mit denen sich der geschichtsinteressierte Laie, Schüler, Lehrer, angehende Geschichtsstudent weiter beschäftigen kann. Insgesamt eine solide und hervorragende Einführung in die neuere und neueste deutsche Geschichte, die ich für mein Fernstudium gerne in Anspruch genommen habe.
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Scheidewege der deutschen Geschichte: Von der Reformation bis zur Wende 1517-1989
Scheidewege der deutschen Geschichte: Von der Reformation bis zur Wende 1517-1989 von Hans-Ulrich Wehler (Broschiert - 21. August 1995)
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