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Kundenrezensionen

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am 7. November 2012
Wenn „Isch geh Schulhof“ nur ein weiterer witziger Lehrer-Erfahrungsbericht wäre, Genre Humor, Subgenre knallharte & urkomische Schulgeschichten, dann würde ich mir nicht die Mühe machen, eine Rezension zu schreiben. Andererseits, wenn das Buch als Traktat über Pädagogik oder Predigt über Schulpolitik daherkäme, ich hätte mir nicht mal die Mühe gemacht, es zu lesen. Glücklicherweise ist es weder nur das eine noch nur das andere, sondern eine Mischung aus erzählenden und reflektierenden Passagen, als literarische Form irgendwo zwischen Bildungsroman und Essay angesiedelt. Und, nicht zu vergessen, es ist ein autobiographischer Text.

Philipp Möller, Diplom-Pädagoge um die Dreißig, Nichtlehrer also, Quereinsteiger, beißt sich gut zwei Jahre lang als Vertretungslehrer an einer Grundschule durch. Er beschreibt, was er dabei erlebt, wie er sich verändert, wie er in die Aufgabe hineinwächst und am Ende beinahe Klassenlehrer wird.

Aus dieser Perspektive werden die Verhältnisse an der Berliner Grundschule geschildert; Verhältnisse, an denen man verzweifeln möchte. Der Lehrer als Potentialentfaltungscoach? Vergessen Sie’s. Möller beschreibt, wie und warum er mutiert zur „frontalpädagogischen Dampfmaschine“, er erzählt, wie ihm die Sicherungen durchbrennen und wie er die Wirksamkeit von systematischer Belohnung kennenlernt. Am Ende ahnt man ein bisschen, wie er es schafft, meistens nicht zu verzweifeln. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei ein Menschenbild, das ohne Moral auskommt, das ihm hilft, ohne Vorwürfe an die Beteiligten heranzugehen, an die Schüler, an die Kollegen, auch an die Eltern, und an sich selbst. Das ist das, was mir am besten gefallen und mich am meisten überzeugt hat.

Möller schreibt klar und unprätentiös, oft witzig, manchmal plakativ, immer gut lesbar. Dass seine Schilderungen dicht an der Realität sind, nimmt man ihm ab. Auszusetzen habe ich an seinem Buch vor allem, dass es teilweise – hauptsächlich am Ende – zu sehr in Richtung Manifest geht. „Wenn also auch Sie der Meinung sind, dass Bildung in Deutschland nicht länger sträflich vernachlässigt werden darf, setzen Sie gemeinsam mit mir und anderen ein deutliches Zeichen“ –

Sätze der Art „Egal was sich hier ändert – es kann nur besser werden“ sind mir suspekt. Ist da jemandem wirklich nicht klar, dass es sehr wohl auch schlechter werden kann? Hier in Berlin lassen die Schulen seit Jahren einen bunten Reigen von so genannten Reformen über sich ergehen, Maßnahmen, deren Umsetzung viel Kraft kosten, ohne wirklich etwas Brauchbares zu bewirken. Die Wahrheit ist, kein Mensch weiß, was das Richtige wäre für unser Bildungssystem. Auch wenn der eine oder andere Bildungshüther als Experte daherkommt, man sollte sich nicht täuschen lassen. Für leichtfertige Theorien ist das System zu komplex, erst recht für reformatorischen Eifer.

Um zynisch zu sein, sei er zu jung, schreibt Möller ein- oder zweimal. Ich hoffe, die Alternative zum Zynismus ist nicht, Illusionen anzuhängen.

Weil unter der Aufrüttel-Rhetorik das Nachdenken leidet, von mir einen Stern Abzug.
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am 5. Mai 2014
Für die erhaltenen Einblicke in die Grundschulen in Berlin einfach mal 5 Sterne. Als Außenstehende war dies teilweise durchaus unterhaltsam, weil man manche Dialoge so selbst jeden Tag hört, was jedoch im Umkehrschluss auch wieder traurig macht, sieht man doch, aus was für Verhältnissen die Kinder teilweise kommen (z.B. der Junge, dessen Mutter die Obdachlosenzeitung verkauft).
Interessant finde ich, wie weit man als "Hilfslehrer" innerhalb kürzester Zeit kommen kann, wenn sozusagen Not am Mann ist, wobei es gleichzeitig auch ein Zeichen dafür ist, wie gravierend unser Schulsystem vermutlich umgebaut gehört. Ab nächsten Herbst werde ich selbst Mutter eines Schulkindes sein, ich bin gespannt, wobei wir bei uns nicht annähernd solche Verhältnisse haben, wie dies in Teilen von Berlin der Fall zu sein scheint (die Kinder betreffend zumindest).
OB PM wirklich so toll oder gut war als Lehrer, wie es im Buch dargestellt ist, vermag ich nicht zu beurteilen; möglicherweise ist man als junger Quereinsteiger unbedarfter und hat tatsächlich einen anderen Draht zu den Kindern oder er hat durch seinen Assistenjob bereits zur Genüge sehen können, wie die Kinder sich NICHT verhalten sollen im Unterricht, laut den Schilderungen ging's bei ihm ja wohl einigermaßen gesittet zu.
Die Schilderungen über die Lehrer kann ich selbst 20 Jahre nach dem Abi noch bestens nachvollziehen, hat man doch jeglichen Lehrertypus auch schon mal gesehen. Unkonventionell wie Kollege Geier, der einem in 45 Minuten mehr beibringen kann wie manch anderer in einem Schuljahr sowie die ewig Kranken oder solche, die einfach als Lehrer nicht befähigt sind (was nicht heißt, dass sie nicht ihren Stoff beherrschen).
Seine Meinung in punkto Stoff bzw. des Schulsystems teile ich übrigens. Ich bin der Meinung, man lernt zu wenig fürs Leben, aber viel für die Schule (den Lehrer). Weiterhin gehört für mich das Thema Schule nicht in die Hand der Bundesländer sondern den Bund, sieht man sich hier schon die Unterschiede an!!
Übrigens möchte ich noch einen Hinweis geben in puncto Motivation, die ja in dem Buch teilweise auch anklingt. Jemand aus dem früheren Bekanntenkreis hatte auch Lehramt studiert für den Bereich Grund- und Haupstschule. Durch vorherige Ausbildungszeiten war nach gerade einem halben Jahr Anstellung die Verbeamtung bereits da (ich meine mit 27) und wurde vom Rektor wie folgt kommentiert: "Na xyz, jetzt müssen Sie's ja mit den Krankmeldungen nicht mehr so genau nehmen." Was soll man dazu noch groß sagen??!! Im Übrigen eine Klatsche für alle hochmotivierten Lehrer, die täglich gute Arbeit leisten bzw. versuchen, dies mit den ihnen vorgegebenen Möglichkeiten zu tun.
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am 18. November 2012
Habe das Buch eigentlich nur gekauft, um einen Einblick in das Leben eines Lehrers zu werfen, war eigentlich immer eifersüchtig auf die vielen Ferientage!! Bin aber nun eines besseren belehrt worden! Es sei allen Lehrern von Herzen vergönnt!!!
War für mich sehr anschaulich beschrieben, wie so ein "Schulalltag" aussieht. Finde es erschreckend und bin sehr froh nicht in Deutschland zu leben (soll nicht heißen, dass es in Österreich nicht auch solche Schulen gibt). Hier gibt es aber zum Glück Kollektivverträge und keine € 1,- Jobs. Denke zu diesem Thema könnte man endlos diskutieren, aber fest steht die Zukunft liegt in der "Bildung" unserer Kinder, aber wie auch richtig beschrieben, haben sich die Zeiten geändert und das klassische Familienleben wie früher gibt es so nicht mehr (fast in jeder Familie sind nun beide Elternteile Berufstätig, oder alleinerziehend und Berufstätig) daher werden immer mehr Ganztagsschulen benötigt - diese sind meiner Meinung nach unzureichend ausgerüstet (vorbereitet).
Diese Buch hat mich entsetzt und aufgerüttelt, würde es jedem weiter empfehlen.
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am 7. März 2013
Die ersten Seiten dieses Buches brachten mich schon herzlichst zum Lachen, folglich griff ich zu. Im Laufe des Buches wandelte sich mein Humor in Staunen bis hin zum Unglauben über unser doch so marodes Schulsystem. Was Herr Möller dort beschrieb war im ersten Moment unfassbar und die einzelnen Schicksale der Schüler bzw. Schülerinnen gingen mir selbst nahe und zwangen mich dazu nochmal über meine Kindheit zu reflektieren. Nicht zu vergessen die Strapazen, die Herr Möller selbst im Laufe seiner kurzen Lehrerlaufbahn durchlebt hat. Dieses Buch ist sehr gut geschrieben und bringt das Thema deutsches Schulsystem direkt auf den Punkt. Ich kann dieses Buch nur jedem wärmstens empfehlen. Ein großes Lob an den Autor für dieses Werk.
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am 28. April 2013
Klappentext

Heute ist Klassenausflug. Bowlen – damit die Kinder sich endlich mal so richtig austoben können. Als ich den Klassenraum betrete, stürmen die ersten schon auf mich zu. “Herr Mülla, iebergeil!”, ruft Ümit. “Isch mache Strike, ja? Schwöre, schmache eine Strike!” Mit wilden Bowling-Trockenübungen steht er vor mir. Wenn er nachher tatsächlich so bowlt, nehme ich mir besser einen Helm mit. Aushilfslehrer? Ein lockerer Job, denkt Philipp Möller – bis zur ersten Stunde in seiner neuen Klasse: Musikstunden erinnern an DSDS, hyperaktive Kids flippen ohne ihre Tabletten aus und zum Frühstück gibt es Fastfood vom Vortag. Möllers Geschichten aus dem deutschen Bildungschaos sind brisant und berührend, und dabei immer wieder urkomisch.

Meine Meinung
Das Buch beschreibt, wie ein Quereinsteiger versucht, an einer Berliner Grundschule in einem Brennpunkt zurechtzukommen.
Philipp Möller beschreibt den Alltag, die Probleme und die meist unmöglichen Situationen während der Schulzeit mit den Kids. Massiv Probleme, da viele der Kids kein gefestigtes Umfeld haben, Migrationskinder sind die der deutschen Sprache kaum mächtig sind.
Der Versuch dort etwas zu ändern, was immerhin 2 Jahre in Anspruch nimmt bevor er nicht mehr unterrichten darf, ist leider erfolglos.
Die Kids bekommen nicht die Förderung, die notwendig wäre. Die Bildungsreform müsste hier dringend Abhilfe schaffen.
Räumlichkeiten und Lehrmaterialien sind nicht in dem Zustand, dass man den Kindern ordentliches lernen beibringen kann. Die Dialoge in den Büchern sind manchmal schwer verstehen. Auch hier sieht man erneut die Sprachprobleme die den Alltag beherrschen.
Man liest sehr deutlich, dass sich dringend was ändern muss, die Lehrer mehr Unterstützung brauchen, Materialen und Räumlichkeiten angepasst werden müssen damit die Kinder einen ordentlichen Bildungsstand erreichen können.
Fazit
Die erste Hälfte des Buches war ich noch recht gefesselt, habe einige Male sehr schmunzeln, mich aber auch wundern müssen. Allerdings fand ich, dass es sich am Ende ein bisschen gezogen hat, einiges wiederholte sich und das Ende zog sich leider dadurch etwas in die Länge.
Alles in allem war es aber recht interessant, mal zu lesen wie es an Berliner Grundschulen LEIDER zugeht.
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am 20. Dezember 2013
???

Auf Deutsch: Ich bin geflogen. Auch: Isch hab gefliegt. Typisches Ghetto-Deutsch, wie es in Berlin gang und gäbe ist, auch und besonders bei hier geborenen, türkischstämmigen Berlinern und sonstigen Deutschen, die es sich angewöhnen, weils cool ist und man Homie werden will – oder muss.

Ich habe manchmal Tränen gelacht. Manchmal ist mir das Lachen auch im Hals steckengeblieben, weils manchmal eigentlich doch nicht komisch ist.

Wenn Lehrer Möller seinen Schützlingen erklären will, dass Schwule nicht ansteckend sind und man sie nicht steinigen darf, dreht er einfach ein paar Stunden lang Runden um den Schöneberger Nollendorfplatz zwecks Anschauungsunterrichts am lebenden Objekt. Er erklärt ihnen auch, dass Frauen Menschen sind und sie zu achten sind wie ihre Mütter. Nur weil ein Mann körperlich (meistens jedenfalls) stärker ist als eine Frau, heißt das nicht, dass er auch stärkeren Grips hat.

Geduldig erträgt er die Hibbelanfälle der an ADHS-leidenden Schüler, gerät auch mal selbst in Gefahr, wenn sie absolut nicht zu bändigen sind. Zu viel Zucker, zu viel Fastfood – das brennt die schärfste Gehirnzelle weg. Nur ihnen grammatikalisch richtiges Hochdeutsch beizubringen – das hat er längst aufgegeben.

Das Beste an diesem Buch ist allerdings die Intension. Es mögen spaßige Beobachtungen unseres Schulalltags sein, aber es geht um mehr. Lehrer Möller liebt seine Schüler. Er möchte ihnen etwas auf den Lebensweg mitgeben. Die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Leider braucht man für diesen Beruf besonders starke Nerven und ein dickes Fell, das Philipp Möller nicht immer hat. Schade für die Schüler und das Berliner Schulsystem an sich, aber letzteres ist zu starr für ihn. Leider.
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am 5. Oktober 2012
Supergeiles Buch, Alter, sch'wöre! Isch mach Reschension:
Der Autor Philipp Möller, Jahrgang 1980, Diplom-Pädagoge, liefert mit diesem Buch einen ungeschminkten Erlebnis- und Erfahrungsbericht über seinen zweijährigen Quereinstieg als Lehrer an Berliner Grundschulen ab. Unverkrampft und unbelastet von pädagogischer oder didaktischer (Pseudo-?)Wissenschaft kommt Möllers Text leichtfüßig daher und ist doch ein bildungspolitischer Vorschlag-Hammer. Denn hier wird anhand einer auf den ersten Blick humorig anmutenden Plauderei aus der Schule die bitterböse und mehr als erschreckende Realität infolge einer hoffnungslos verkorksten Bildungspolitik schonungslos freigelegt. Möller nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert in jener Klarheit, die besonders einem Lehrer gut zu Gesicht steht, und, ja, auch auf heitere Weise befremdliche bis schockierende Begebenheiten aus Klassenzimmer, Treppenhaus und Pausenhof. Nein, das sind keine Anekdötchen á la Feuerzangenbowle - da tobt ein regelrechter Überlebenskampf zwischen allen Betroffenen, Schülerinnen und Schülern ebenso wie Lehrerinnen und Lehrern, inmitten dessen Tohuwabohu der Junglehrer Möller oft genug verzweifelt versucht, seinen Schützlingen wenigstens ein paar Häppchen Bildung nahezubringen. Und genau das macht ihn, seinen Bericht und seine Vorschläge besonders sympathisch: Trotz all der Widrigkeiten, Pannen und Niederlagen verfällt Möller nicht in Resignation, wird er nicht zum Zyniker sondern versucht, auch aus den peinlichsten persönlichen Schlappen neue Kraft und neue Ideen zu gewinnen. Immer schlägt er sich dabei auf die Seite der Schwächsten, der ihm anvertrauten Mädchen und Jungs, auch wenn einige von ihnen ihm noch so sehr zusetzen, denn "...sie können nicht dafür, wie sie sind, und unter anderen Lebensumständen wäre ich vielleicht genauso wie sie." Eine wahrhaft humanistische Denkweise wie sie für Möller eben nicht nur im Buche steht und die ihn dazu veranlasst, selbst Vorschläge zu machen und aktiv für Neuerungen einzutreten, auch wenn deren Erfolg noch fragwürdig ist, denn "es kann nur besser werden." Schule sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen!
Das Werk sollte Pflichtlektüre sein für alle, die mit Bildungs- und Erziehungsfragen befasst oder konfrontiert sind, also Schüler, Studenten, Lehrer und Erzieher sowieso, Bildungstheoretiker und Politiker, Hausmeister, Eltern und Großeltern - ja, eigentlich alle.
Was liest du, Zeitung oder was? Musst lesen das Buch von Herr Mülla, Alter! Obergeil, sch'wöre.
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am 10. November 2012
Dieses Buch ist das beste, was ich seit langer Zeit gelesen habe!!!
Ich war selbst 10 Jahre Lehrer in Neukölln und kann (fast) sämtliche Schilderungen bestätigen, die sehr nah dran sind und mit der richtigen Ausdrucksweise beschrieben werden.
Es schießen derzeit solche Bücher aus den "Problemzonen" wie Pilze aus dem Boden, aber dieses Buch war der Hammer!
Aus der Sicht eines unverbrauchten Quereinsteigers werden die Zustände im Berliner Schulsystem detailliert beschrieben, ohne irgendwie beleidigend oder niveaulos zu wirken. Alles, was geschrieben steht, ist Tatsache!
Philipp Müller hat sehr fein beobachtet und Dinge skizziert, die manchen Lehrern schon gar nicht mehr auffallen....

100 Punkte für dieses lustige, spannende und denkwürdige Buch!
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am 17. November 2012
Möllers Buch ist ein flüssig geschriebener Erfahrungsbericht aus dem Innenleben einer typischen deutschen Brennpunktschule. Mit leichtem ironischen Unterton beschreibt er, wie ein behütet aufgewachsener Akademiker auf Unterschichtsschüler (viele davon mit Migrationshintergrund) aus chaotischen, kaputten Verhältnissen trifft. Zwei Welten prallen ungebremst aufeinander. Dabei beschreibt Möller nach meinen eigenen Erfahrungen als Lehrer vollkommen realistisch und sogar differenziert: Auch in einer chaotischen, schwierigen Klasse sitzen ja sehr unterschiedliche Kinder.

Nachdem man ca. 150 Seiten lang den Schilderungen Möllers halb belustigt und halb geschockt gefolgt ist, zeigt das 350 Seiten lang Werk dann doch seine Schwächen: Die persönliche Lebensgeschichte Möllers (Freundin, deren Studienplatzsuche, Geburt eines Kindes) ist inhaltlich banal und ganz uninspiriert geschrieben. Möllers Entwicklung vom hilflosen Anfänger zum erfolgreichen und bei Schülern und Schulleitung beliebten Lehrer, dazu fehlen dem Autor Möller dann doch wesentliche Konzepte und sprachliche Mittel, um dies nachvollziehbar zu beschreiben. Abgesehen davon, dass Selbstbeweihräucherung vom Leser nie so gern gesehen wird...

Möllers große Erleichterung, den Schuldienst nach 2,5 Jahren zu beenden, ist angesichts seiner angagierten Schuljahresvorbereitung nicht nachvollziehbar. Gänzlich unnötig ist das von Möller als "wichtige Zeilen" benannte, fast pubertäre Nachwort, welches oberflächlich und unwissenschaftlich Ergebnisse der Hirnforschung aufzählt (auch wenn es nur ein kleines Detail ist: Das Konzept der sogenannten "Spiegelneuronen" ist wesentlich problematischer, als Möller dies meint).

Unter dem Strich bleibt ein flüssig zu lesener Bericht, in dem sich vermutlich unzählige Lehrer wiederfinden werden. Einzig die häufige Erwähnung des so frühen Feierabends hat mich gewundert. Offenbar hat Möller kaum Unterricht vorbereitet, Arbeiten korrigiert, sich mit Kollegen abgestimmt, den Klassenraum eingerichtet, Hausbesuche durchgeführt und mit sozialen Organisationen Kontakt aufgenommen. Wesentlich bedauerlicher jedoch ist, dass den häufigen nebulösen Vorwürfen politischer und gesellschaftlicher Fehlenwicklungen keine Lösungsansätze folgen. Dass Schule auch in sozialen Brennpunkten (wenigstens teilweise) gelingen kann, für diese Erkenntnis war Möller Erfahrung wohl doch zu kurz und schmal.
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am 20. Februar 2014
Das Buch lässt sich ganz nett lesen und ist mit einigem Humor gespickt. Etwas nervig finde ich jedoch den stetigen Gut-Menschen, den Philipp Möller hier gibt. Insbesondere finde ich es gefährlich von subjektiven Wahrnehmungen an EINER Schule auf das gesamte Bildungssystem zu schließen, dass sich ja dann auch noch wesentlich unter den Bundesländern unterscheiden kann.
Davon aber abgesehn liest es sich wie erwähnt gut und regt ein wenig zum nachdenken an.
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