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137 von 162 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lehrerbuch
Wenn „Isch geh Schulhof“ nur ein weiterer witziger Lehrer-Erfahrungsbericht wäre, Genre Humor, Subgenre knallharte & urkomische Schulgeschichten, dann würde ich mir nicht die Mühe machen, eine Rezension zu schreiben. Andererseits, wenn das Buch als Traktat über Pädagogik oder Predigt über Schulpolitik daherkäme, ich...
Vor 22 Monaten von Enno Arkona veröffentlicht

versus
73 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realistischer Erfahrungsbericht - mehr aber nicht
Möllers Buch ist ein flüssig geschriebener Erfahrungsbericht aus dem Innenleben einer typischen deutschen Brennpunktschule. Mit leichtem ironischen Unterton beschreibt er, wie ein behütet aufgewachsener Akademiker auf Unterschichtsschüler (viele davon mit Migrationshintergrund) aus chaotischen, kaputten Verhältnissen trifft. Zwei Welten prallen...
Vor 22 Monaten von Kurt Schnaus veröffentlicht


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137 von 162 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lehrerbuch, 7. November 2012
Von 
Enno Arkona (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Wenn „Isch geh Schulhof“ nur ein weiterer witziger Lehrer-Erfahrungsbericht wäre, Genre Humor, Subgenre knallharte & urkomische Schulgeschichten, dann würde ich mir nicht die Mühe machen, eine Rezension zu schreiben. Andererseits, wenn das Buch als Traktat über Pädagogik oder Predigt über Schulpolitik daherkäme, ich hätte mir nicht mal die Mühe gemacht, es zu lesen. Glücklicherweise ist es weder nur das eine noch nur das andere, sondern eine Mischung aus erzählenden und reflektierenden Passagen, als literarische Form irgendwo zwischen Bildungsroman und Essay angesiedelt. Und, nicht zu vergessen, es ist ein autobiographischer Text.

Philipp Möller, Diplom-Pädagoge um die Dreißig, Nichtlehrer also, Quereinsteiger, beißt sich gut zwei Jahre lang als Vertretungslehrer an einer Grundschule durch. Er beschreibt, was er dabei erlebt, wie er sich verändert, wie er in die Aufgabe hineinwächst und am Ende beinahe Klassenlehrer wird.

Aus dieser Perspektive werden die Verhältnisse an der Berliner Grundschule geschildert; Verhältnisse, an denen man verzweifeln möchte. Der Lehrer als Potentialentfaltungscoach? Vergessen Sie’s. Möller beschreibt, wie und warum er mutiert zur „frontalpädagogischen Dampfmaschine“, er erzählt, wie ihm die Sicherungen durchbrennen und wie er die Wirksamkeit von systematischer Belohnung kennenlernt. Am Ende ahnt man ein bisschen, wie er es schafft, meistens nicht zu verzweifeln. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei ein Menschenbild, das ohne Moral auskommt, das ihm hilft, ohne Vorwürfe an die Beteiligten heranzugehen, an die Schüler, an die Kollegen, auch an die Eltern, und an sich selbst. Das ist das, was mir am besten gefallen und mich am meisten überzeugt hat.

Möller schreibt klar und unprätentiös, oft witzig, manchmal plakativ, immer gut lesbar. Dass seine Schilderungen dicht an der Realität sind, nimmt man ihm ab. Auszusetzen habe ich an seinem Buch vor allem, dass es teilweise – hauptsächlich am Ende – zu sehr in Richtung Manifest geht. „Wenn also auch Sie der Meinung sind, dass Bildung in Deutschland nicht länger sträflich vernachlässigt werden darf, setzen Sie gemeinsam mit mir und anderen ein deutliches Zeichen“ –

Sätze der Art „Egal was sich hier ändert – es kann nur besser werden“ sind mir suspekt. Ist da jemandem wirklich nicht klar, dass es sehr wohl auch schlechter werden kann? Hier in Berlin lassen die Schulen seit Jahren einen bunten Reigen von so genannten Reformen über sich ergehen, Maßnahmen, deren Umsetzung viel Kraft kosten, ohne wirklich etwas Brauchbares zu bewirken. Die Wahrheit ist, kein Mensch weiß, was das Richtige wäre für unser Bildungssystem. Auch wenn der eine oder andere Bildungshüther als Experte daherkommt, man sollte sich nicht täuschen lassen. Für leichtfertige Theorien ist das System zu komplex, erst recht für reformatorischen Eifer.

Um zynisch zu sein, sei er zu jung, schreibt Möller ein- oder zweimal. Ich hoffe, die Alternative zum Zynismus ist nicht, Illusionen anzuhängen.

Weil unter der Aufrüttel-Rhetorik das Nachdenken leidet, von mir einen Stern Abzug.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schule heute, 16. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Ja, so sieht's aus an deutschen(?) Schulen. Beim Lesen dachte ich nicht nur einmal: "Gott sei Dank bin ich nicht an so einer Schule gelandet!". Und trotzdem konnte ich mich in vielen Schilderungen wiedererkennen. Das Buch zeigt viele Missstände an unseren Schulen auf, die sich nicht mehr nur auf "Brennpunkt-" und Großstadtschulen beschränken. Die Klassen werden immer heterogener, was nicht nur der steigenden Integration und Inklusion geschuldet ist, und auch problematische soziale Verhältnisse der Schüler verstärken sich. Und gerade die sozialen Probleme werden zunehmender auch Hauptarbeitspunkte der Schulen. In diesem Buch wird das deutlich. Philipp Möller schreibt aus einer sehr persönlichen Sicht, wie er seine Zeit in einer Schule in Berlin verlebt hat und welche Schlüsse er daraus für sein Leben und das Leben seiner Familie zieht.
Doch meiner Ansicht nach lesen solche Bücher immer nur die Leute, die über die Probleme im deutschen Schulsystem ausreichend informiert sind. Daher empfehle ich auch "Neueinsteigern" dieses Buch, um sich ein Bild zu machen, ohne von Theorie gelangweilt zu werden.
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73 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Realistischer Erfahrungsbericht - mehr aber nicht, 17. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Möllers Buch ist ein flüssig geschriebener Erfahrungsbericht aus dem Innenleben einer typischen deutschen Brennpunktschule. Mit leichtem ironischen Unterton beschreibt er, wie ein behütet aufgewachsener Akademiker auf Unterschichtsschüler (viele davon mit Migrationshintergrund) aus chaotischen, kaputten Verhältnissen trifft. Zwei Welten prallen ungebremst aufeinander. Dabei beschreibt Möller nach meinen eigenen Erfahrungen als Lehrer vollkommen realistisch und sogar differenziert: Auch in einer chaotischen, schwierigen Klasse sitzen ja sehr unterschiedliche Kinder.

Nachdem man ca. 150 Seiten lang den Schilderungen Möllers halb belustigt und halb geschockt gefolgt ist, zeigt das 350 Seiten lang Werk dann doch seine Schwächen: Die persönliche Lebensgeschichte Möllers (Freundin, deren Studienplatzsuche, Geburt eines Kindes) ist inhaltlich banal und ganz uninspiriert geschrieben. Möllers Entwicklung vom hilflosen Anfänger zum erfolgreichen und bei Schülern und Schulleitung beliebten Lehrer, dazu fehlen dem Autor Möller dann doch wesentliche Konzepte und sprachliche Mittel, um dies nachvollziehbar zu beschreiben. Abgesehen davon, dass Selbstbeweihräucherung vom Leser nie so gern gesehen wird...

Möllers große Erleichterung, den Schuldienst nach 2,5 Jahren zu beenden, ist angesichts seiner angagierten Schuljahresvorbereitung nicht nachvollziehbar. Gänzlich unnötig ist das von Möller als "wichtige Zeilen" benannte, fast pubertäre Nachwort, welches oberflächlich und unwissenschaftlich Ergebnisse der Hirnforschung aufzählt (auch wenn es nur ein kleines Detail ist: Das Konzept der sogenannten "Spiegelneuronen" ist wesentlich problematischer, als Möller dies meint).

Unter dem Strich bleibt ein flüssig zu lesener Bericht, in dem sich vermutlich unzählige Lehrer wiederfinden werden. Einzig die häufige Erwähnung des so frühen Feierabends hat mich gewundert. Offenbar hat Möller kaum Unterricht vorbereitet, Arbeiten korrigiert, sich mit Kollegen abgestimmt, den Klassenraum eingerichtet, Hausbesuche durchgeführt und mit sozialen Organisationen Kontakt aufgenommen. Wesentlich bedauerlicher jedoch ist, dass den häufigen nebulösen Vorwürfen politischer und gesellschaftlicher Fehlenwicklungen keine Lösungsansätze folgen. Dass Schule auch in sozialen Brennpunkten (wenigstens teilweise) gelingen kann, für diese Erkenntnis war Möller Erfahrung wohl doch zu kurz und schmal.
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52 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vallah, voll aus dem Leben gegriffen!, 10. November 2012
Dieses Buch ist das beste, was ich seit langer Zeit gelesen habe!!!
Ich war selbst 10 Jahre Lehrer in Neukölln und kann (fast) sämtliche Schilderungen bestätigen, die sehr nah dran sind und mit der richtigen Ausdrucksweise beschrieben werden.
Es schießen derzeit solche Bücher aus den "Problemzonen" wie Pilze aus dem Boden, aber dieses Buch war der Hammer!
Aus der Sicht eines unverbrauchten Quereinsteigers werden die Zustände im Berliner Schulsystem detailliert beschrieben, ohne irgendwie beleidigend oder niveaulos zu wirken. Alles, was geschrieben steht, ist Tatsache!
Philipp Müller hat sehr fein beobachtet und Dinge skizziert, die manchen Lehrern schon gar nicht mehr auffallen....

100 Punkte für dieses lustige, spannende und denkwürdige Buch!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lehrer ein harter Job?!, 10. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch für meinen Sohn gekauft.
Der macht aktuell ein Praktikum an einer "ganz normalen "Grundschule und kommt mit seinen 17 Jahren jeden Tag mit irren "Geschichten" zurück.(zB. kam ein 4.Klässler mit einem Messer zur Schule und bedrohte seine Lehrerin.)
Ich blätterte das Buch durch und war gefangen.
Herr Mölla schildert viele Dinge wie mein Kind und noch krasser.
Nur ist mein Kind in einer Kleinstadt und kleinen Klassen, mit wenig Ausländer Anteil.
Auch er fühlte sich traurig und machtlos. Wird als Praktikant für viele Arbeiten herangezogen, die man einem 17. jährigen nicht übertragen darf. (Hausaufgaben Betreuung,alleine, wegen vieler Krankheitheitsfälle)
An seinem letzten Tag, nach 4 Wochen war er traurig und doch erleichtert zu gehen.
Warum er sich vorstellen kann ein Grundschullehrer zu werden?
Weil die Lehrer/in Ihm erzählten wie lange man Ferien hat und wenn man "verbeamtet" ist ,sich auch mal eine längere Pause gönnen kann und sowieso jeder mit spätestens 55 in Pension geht oder "kaputt" geschrieben wird.!!!!
Ich habe Respekt vor dem harten Lehrerjob, aber wenn junge, motivierte Menschen schon zu beginn soetwas hören, geben Sie eher auf, auch wenn Sie mit den besten Absichten kommen.
Hierzu schreibt Mölla viel wahres.
Das Problem muß an der Wurzel bearbeitet werden!
und wenn die Lehrer sich nur noch von Ferien zu Ferien hangeln (auch davon schrieb Mölla)ist das schlecht für unsere Kinder!
Wer jetzt an der Macht sitzt und denkt...klar staatliche Schulen! Ich rette mein Kind auf eine privat Schule und wir sind fein raus,der Irrt! die Kids sind oft genauso krass, aber das ist ein anderes Thema.
Dieses Buch bleibt bei uns, auf jeden Fall im Regal.
DAS BUCH IST EIN MUSS!
Punktabzug gibt es für mich, weil genau so Menschen wie Möller an unseren Schulen bleiben müssen.
Trotzdem ich seine Entscheidung verstehen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht schlecht, aber die Antwort fehlt, 5. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Du kommst dir vor wie ein Dompteur oder wie im Jugendknast", sagt Möller, "weil du ständig sagen musst, es reicht, Schluss jetzt, setz dich hin, hör auf, deinen Nachbarn zu schlagen!'" Möller, eigentlich Dipl. Pädagoge unterrichtete zwei Jahre an einer Berliner Grundschule. Er erwähnt mehrfach, er sei ja kein ausgebildeter Lehrer, macht seine Sache aber ganz gut. Dabei vergisst er allerdings auch zu erwähnen, dass er als Dipl. Pädagoge weit mehr Pädagogik, Psychologie und Didaktik in seinem Studium genoss, als ein ausgebildeter Lehrer, der fast ausschliesslich sein Fachwissen über Deutsch, Erdkunde usw. studiert. Ein Dipl. Päd wird als Lehrer ausgebildet, allerdings in der Erwachsenenbildung.
Die Kinder auf dieser Schule entstammen fast ausschließlich bildungsfernen Elternhäusern und bekommen von daheim keine Regeln oder Vorbildrollen vermittelt. Manche Mutter liegt schon am frühen Nachmittag betrunken auf dem Wohnzimmersofa. In deutschen „Familien“ fehlt meist der Vater, in Migrantenfamilien sind sie der strenge Patriarch. Eine Mehrheit der Kinder spricht schlecht Deutsch, eine Familie lebt mit 8 Kindern in einer Zweizimmerwohnung. Die meisten Eltern beziehen ihr Geld vom Amt. Kurzum: Die familiären Verhältnisse sind desaströs, und die Klasse spiegelt diesen Hintergrund wieder, alles Hilfeempfänger.
Möller schildert glänzend, wie unser Bildungssystem versagt, warum es nicht funktionieren kann. Er stellt seine Schüler als liebenswürdig dar, trotz aller Defizite und Aggressionen. Genau das macht dies Buch so liebenswert. Hier wird niemand verurteilt, sondern das System. Frontalunterricht passt nicht in unsere Gesellschaft, etwas das ich seit 30 Jahren propagiere. Geändert hat sich nichts. Berlin ist sicher ein Extremfall. Ich kenne andere Problembezirke in Deutschland, wo wir ähnliche Problematiken haben, allerdings nicht in diesem Ausmass. Trotz allem ist die Politik nicht in der Lage, die Strukturen in den Schulen aufzulösen, die Lehrerausbildung neu zu strukturieren, mehr Lehrer einzustellen, gute Alternativen kann man bei anderen abschauen.
Mir hat das Buch gut gefallen in seiner Schreibweise und seinem Fingerzeig. Es muss etwas passieren in dieser Republik!
Punktabzug aus zwei Gründen: 1. Möller beweihräuchert sich selbst zu viel. Er ist der Oberschlaue, den die Schüler mögen. Unter Lehrern gibt es unbestritten traurige Gestalten, sie sind ja unkündbar. Andere sind im Laufe ihrer Arbeit ausgelaugt, zermürbt. Aber Möller ist nicht der Supermann, als den er sich hier darstellt. Es würde zu weit führen das kurz zu erörtern. 2. Möller erklärt, das System ist gescheitert. Ok. Und wie sähe ein besseres Schulsystem aus, Herr Möller. Ich könnte Sie ihnen geben. Von einem Dipl. Päd. Hätte ich hier ein wenig mehr erwartet!
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bildungspolitischer Vorschlag-Hammer, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Supergeiles Buch, Alter, sch'wöre! Isch mach Reschension:
Der Autor Philipp Möller, Jahrgang 1980, Diplom-Pädagoge, liefert mit diesem Buch einen ungeschminkten Erlebnis- und Erfahrungsbericht über seinen zweijährigen Quereinstieg als Lehrer an Berliner Grundschulen ab. Unverkrampft und unbelastet von pädagogischer oder didaktischer (Pseudo-?)Wissenschaft kommt Möllers Text leichtfüßig daher und ist doch ein bildungspolitischer Vorschlag-Hammer. Denn hier wird anhand einer auf den ersten Blick humorig anmutenden Plauderei aus der Schule die bitterböse und mehr als erschreckende Realität infolge einer hoffnungslos verkorksten Bildungspolitik schonungslos freigelegt. Möller nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert in jener Klarheit, die besonders einem Lehrer gut zu Gesicht steht, und, ja, auch auf heitere Weise befremdliche bis schockierende Begebenheiten aus Klassenzimmer, Treppenhaus und Pausenhof. Nein, das sind keine Anekdötchen á la Feuerzangenbowle - da tobt ein regelrechter Überlebenskampf zwischen allen Betroffenen, Schülerinnen und Schülern ebenso wie Lehrerinnen und Lehrern, inmitten dessen Tohuwabohu der Junglehrer Möller oft genug verzweifelt versucht, seinen Schützlingen wenigstens ein paar Häppchen Bildung nahezubringen. Und genau das macht ihn, seinen Bericht und seine Vorschläge besonders sympathisch: Trotz all der Widrigkeiten, Pannen und Niederlagen verfällt Möller nicht in Resignation, wird er nicht zum Zyniker sondern versucht, auch aus den peinlichsten persönlichen Schlappen neue Kraft und neue Ideen zu gewinnen. Immer schlägt er sich dabei auf die Seite der Schwächsten, der ihm anvertrauten Mädchen und Jungs, auch wenn einige von ihnen ihm noch so sehr zusetzen, denn "...sie können nicht dafür, wie sie sind, und unter anderen Lebensumständen wäre ich vielleicht genauso wie sie." Eine wahrhaft humanistische Denkweise wie sie für Möller eben nicht nur im Buche steht und die ihn dazu veranlasst, selbst Vorschläge zu machen und aktiv für Neuerungen einzutreten, auch wenn deren Erfolg noch fragwürdig ist, denn "es kann nur besser werden." Schule sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen!
Das Werk sollte Pflichtlektüre sein für alle, die mit Bildungs- und Erziehungsfragen befasst oder konfrontiert sind, also Schüler, Studenten, Lehrer und Erzieher sowieso, Bildungstheoretiker und Politiker, Hausmeister, Eltern und Großeltern - ja, eigentlich alle.
Was liest du, Zeitung oder was? Musst lesen das Buch von Herr Mülla, Alter! Obergeil, sch'wöre.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das wahr wohl nix, 30. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Ich habe mir das Buch ausgeliehen, im Grunde in nicht in der Erwartung ein anspruchsvolles Werk in punkto Sozialkritik zu bekommen.

Eher dachte ich an ein Buch, das mit Spaß und Witz an ein ernstes Thema herangeht.
Die ersten 150 Seiten wurde ich auch prächtig unterhalten.
Der Autor schaffte es einen desolaten Zustand an einer Berliner Schule detailgetreu aber auch mit einer Portion Witz darzustellen.

Ich war gleichermaßen geschockt als auch amüsiert.
Sehr schön so weit.

Aber dann...der Autor verlässt seine Rolle als im Grunde inkompetenter Neueinsteiger in einem für ihn völlig fremden Beruf und schwingt sich zum Retter des Systems und der Nation auf.

Großartige pädagogische Fähigkeiten lässt er dabei vermissen.
Das einzige was man ihm zuschreiben kann ist ein gewisses Maß an Autorität.
Er schafft es teils die extrem schwierigen Kinder ruhig zu halten durch das schlichte Prinzip der Strafe.

Ob ihm dabei dann auch Lernerfolge beschieden sind, wird (sicherlich nicht grundlos) nicht erwähnt.

Unglaubwürdig bleibt auch die Tatsache, dass er in seinem Buch offenbar nur Lehrer, Eltern und Kindern begegnet die ihn ganz toll finden und in ihm den Messias des Schulsystems feiern.
Kein bisschen Kritik?
Außer ganz am Ende mal zwei Sätze?

Unglaubwürdig, völlig unglaubwürdig.

Herr Möller sieht sich selbst als Experten für Pädagogik, Medienpädagogik, Neurologie, Religion und das Schul- und Sozialsystem dieses Landes. Er besitzt jedoch lediglich solides Allgemeinwissen, keinesfalls Fachwissen.

Er beschwert sich allen ernstes darüber, dass manche Lehrer ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen sind, weil sie in theoretischer Hinsicht nicht mehr auf dem laufenden sind, dass sie ihr damaliges Studium in keiner Weise auf die heutigen Bedingungen vorbereitet hat.

Mag alles stimmen, was er in seiner höchst selektiven und selbtsherrlichen Wahrnehmung übersieht...er besitzt nicht das geringste Wissen in dieser Hinsicht.
Er behauptet zwar, dass ihn sein fachfremdes Studium besser auf den Beruf vorbereitet hat als manches spezifische Lehrerstudium...was aber eher in den Bereich der Phantasterei gehört.

Gestörte Selbstwahrnehmung würde ich das nennen.

Es ist nicht so, dass seine Kritik am System falsch ist, er zeigt schon einige Punkte sehr gut und klar auf.
Seine Erlöserrolle, die er bewusst einnimmt, macht in mir aber dermaßen unsymphatisch, dass mich das Buch ab Seite 150 weder amüsiert noch wachrüttelt, sondern eher gegen ihn einnimmt.

Er ist so eine Art Saubermann, der den vollen Durchblick hat, der Einäugige unter den Blinden sozusagen, der sich hauptsächlich durch einen autoritären Lernstil hervortut und dadurch auszzueichnen versucht, dass er Lehrer und das System im allgemeinen niedermacht.

Ich will seinen autoritären Stil nichtmal abwerten, der kann durchaus nötig sein.
Aber das ist nunmal alles was er dem Buch nach besitzt:
Durchsetzungsvermögen.
Qualitäten als Lehrer?
Lassen sich nicht erkennen.

Da nützt es auch nichts auf Lehrern rumzuhacken die es vielleicht schlechter machen als er und deren Kündigung zu fordern.
Hätte er auch nur einen Funken Verantwortungsgefühl besessen, hätte er gar nicht erst versuchen dürfen soviel Veratwortung zugeschanzt zu bekommen.
Ein verantwortungsbewusster Mensch hätten diesen Posten mit seiner mangelnden Qualifikation niemals annehmen dürfen, sondern dafür plädieren müssen, dass dieser Posten einer qualifzierten Person gehören muss!

Deutlich wird dies alles vor allem am Schluss.
Sein Vertrag wird nicht verlängert.
Was tut der gute Autor?
Er jubelt!
Er ist froh, dass er die Bälger und deren Probleme endlich los ist und sich nun ein anderer darum kümmern muss!
Wer bis dahin immer noch nicht verstanden hat, dass es dem Autor leidglich um Selbstdarstellung ging und darum seine sehr persönlichen Werte und Normen an den Mann zu bringen...dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Die Kinder waren ihm zu jedem Zeitpunkt egal, dass wird am Schluss ganz deutlich.
Aus dem Schreibstil lässt sich auch eine gewisse Verachtung für die "Menschen der Unterschicht" herauslesen deren einzige Rettung darin bestehen muss sie aus dieser "Schicht" herauszuholen.

Das es millionenfach Menschen (Kinder) gibt die zwar besseren Klassen angehören und auch bessere Noten nach Hause bringen gibt, die aber dennoch soziale Analphabeten sind...sollte ihm einmal bewusst gemacht werden.
Immerhin besitzt er ein minimum an Einsicht, dass ihm sein Denken (speziell bezogen auf sein eigenes Kind) als Elitär aufzeigt, von dem er aber dennoch nicht abweicht.
Leider macht der Autor da keine Ausnahme, er ist nur sehr stolz auf sein Wissen und seine persönliche Art die Dinge zu sehen.

2 Sterne gibt es von mir für die ersten 150 Seiten.
Danach....kommen zum Glück nicht mehr so viele ;)

Nur als Anmerkung:
Ich bin weder Lehrer noch Beamter ;)
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40 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht einfach das Handtuch werfen!, 2. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers (Taschenbuch)
Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich auf den Titel aufmerksam geworden bin. Sowas erlebe ich nämlich täglich selbst. Ich bin Lehrerin an einer Förderschule für Lernhilfe und konnte meine Schüler und meine Gedanken dazu an vielen Stellen erschreckend detailliert wiederfinden.
Allerdings bin ich mir nicht so sicher, was ich von dem Buch halten soll. Auf der einen Seite finde ich, ist es dem Autor gut gelungen, die wirklich elendigen Verhältnisse vieler Kinder in Schulen darzustellen. Die gerade für Schulpolitik verantwortlichen Politiker müssten wirklich dringenst selber erkennen, wie es an deutschen Schulen so aussieht. Sie wären geschockt. So gesehen ist es wichtig, dass die erschreckenden Erfahrungen, die in Schule leider häufig gemacht werden, auch an die Öffentlichkeit gelangen und für jeden nachvollziehbar werden. Ebenso empfinde ich die Forderung nach Supervisionsgruppen als berechtigt. Dieser Job ist nicht zu bewältigen, wenn man niemanden hat, mit dem man über seinen Schulalltag sprechen kann, da die emotionale Belastung einfach so immens hoch ist. Die Grundidee, die Missstände über das deutsche Schulsystem öffentlich darzustellen, ist meines Erachtens überaus wichtig und gut.
Allerdings kam ich nicht drum herum, dieses Buch auch kritisch zu betrachten. Die Verzweiflung und Wut darüber nicht jedes Kind retten zu können, kenne ich mittlerweile nach knapp dreieinhalb Jahren Schuldienst leider ziemlich gut. Aber trotzdem oder gerade deshalb darf man nicht einfach davor kapitulieren. Man sollte versuchen das herauszuholen, was irgendwie geht. Herr Möller macht es sich da wie ich finde etwas einfach. Er beschreibt zwar die bodenlosen Missstände die er erlebt und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es gerade an Berliner Schulen wirklich sehr heftig sein kann, aber letztlich weint er nur um die Schicksale seiner Schüler, reagiert aber nicht darauf. Er handelt nicht. Er schimpft auf das Jugendamt, wird jedoch dort nicht vorstellig, um das Jugendamt wenigstens von den Fällen in Kenntnis zu setzen. Er macht keine Hausbesuche und schaut sich an, wie die Kinder sich in ihrem Umfeld bewegen. Er sucht nicht nach Möglichkeiten die Lebenssituation der Kinder durch Nachhilfemöglichkeiten, Freizeitangeboten, etc. zu verbessern. Nicht nur der Unterricht in der Schule ist Aufgabe des Lehrers, wobei ich mich da gefragt habe, wie jemand es schafft, so viel Freitzeit zu haben und mit so wenig Arbeitsaufwand jedes neue Fach sofort perfekt zu bewältigen, ohne einmal ins Buch geschaut zu haben. An der Förderschule muss ich auch so gut wie jedes Fach unterrichten, was für mich teilweise einen enorm hohen Zeitaufwand für die Unterrichtsplanung bedeutet. Physik, Chemie, Geschichte, Deutsch, Mathe, Musik, Biologie.. All das will gut vorbereitet und geplant sein. Überdies beklagt sich Herr Möller ständig über die Struktur des Frontalunterrichts. Natürlich ist diese Art des Unterrichts überholt. Teilweise verfügen die Kinder aber über so wenig Selbststruktur und Selbstvertrauen, dass es zunächst häufig unmöglich ist, sie eigenständig lernen zu lassen. Natürlich fährt man zu außerschulischen Lernorten, um den Schülern praxisnahe Erlebnisse und Erfahrungen mitzugeben (allerdings ist es nicht immer einfach, das Geld für solche Ausflüge zusammen zu bekommen. Von den Erziehungsberechtigten meiner 13 Schüler einer 8. Klasse bekommen 10 Hartz-4. Das alleine stellt mich als Lehrerin schon teilweise vor große Probleme, da sie das Geld für solche Fahrten nicht immer aufbringen können. Woher bekommt die Schule von Herrn Möller das Geld dafür? Zahlen die Eltern? Davon berichtet er nicht.). Natürlich baut man Gruppen- und Partnerarbeit in seinen Unterricht ein, baut Lernstationen, Lerntheken, Freiarbeitsstationen auf. Bei uns ist nur das Problem, dass wir für jede Kopie zahlen müssen. Einen Teil davon müssen unsere Schüler zahlen. Ist das Geld jedoch aufgebraucht, müssen wir die Kosten dafür übernehmen. Es gibt nicht für jedes Fach ein Buch oder Arbeitsheft, dass heißt, die Kopierkosten sind immens hoch, vor allem beim Stationslernen. Davon schreibt Herr Möller leider auch nichts. Er nennt keine Alternativen zum Frontalunterricht. Er berichtet nicht darüber wie er es schafft, seine Schüler an seinem Unterricht so sehr zu begeistern, dass die meisten anderen Lehrer seines Kollegiums nicht sonderlich gut darstehen.
Und dann scheidet er plötzlich aus dem Schuldienst aus. Welch eine Wohltat! Entkommen aus der Hölle. Wir Anderen machen aber weiter, bemühen uns weiterhin um das Wohlergehen und die Bildung der Kinder und bekommen häufig nichts dafür. Die Eltern interessieren sich überhaupt nicht für ihre Kinder, schon gar nicht an schulischer Bildung und wenn dann noch son kleiner Dötz vor mir steht und sagt: "Ey, meine Fatta sacht, du bis so blöd und arbeites für uns. Der is nämlisch Hatz4. Fatta sacht imma er muss nix tun außer Glotze Kucken und kriegt voll dat Geld alta! Isch geh auch Hatz4! Voll geil! Geh doch auch Hatz4, lohnt sisch voll!" fragt man sich, wohin das noch führen soll.
Herr Möller hat sich gut vom Acker gemacht und den Kampf an der Stelle aufgegeben, wo er am dringensten nötig ist, in der Schule selbst. Es geht aber darum weiter zu kämpfen. Wir können uns noch so sehr über das Versäumnis das Schulsystem grundsätzlich zu reformieren aufregen, davon haben aber unsere Schüler nichts. Wir müssen mit dem auskommen und leben, was wir haben und versuchen, das Beste daraus zu machen. Es ist hart, anstrengend und teilweise wirklich frustrierend und bitter aber hätten wir nur solche Lehrer wie Herrn Möller, die das Handtuch werfen, dann stünde unser Schulsystem noch schlechter dar. Wenn wir es schaffen nur ein paar Schülern dazu verhelfen zu können einen Schulabschluss zu bekommen und damit die Weichen für ein besseres Leben zu stellen, hat es sich unser Kampf schon gelohnt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber teilweise zu belehrend, 23. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Einblicke in den Alltag an einer Berliner Grundschule sind interessant, z.T. auch erschütternd. Das Buch gibt viel Stoff zum Nachdenken und kann dazu verleiten, sich mehr mit Bildungspolitik und deutscher Schullandschaft zu beschäftigen - zumindest geht es mir so. Etwas störend fand ich allerdings zunehmebnd den immer mal wieder belehrenden Unterton (P. Möller muss leider viel los werden, was er so in seinem Pädagogik-Studium gelernt hat), eher uninteressant (weil hölzern geschrieben) und unnötig sind die Ausflüge in sein Privatleben.
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Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers
Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers von Philipp Möller (Taschenbuch - 21. September 2012)
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