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am 25. April 2011
Viktorianische Schauerromane und Romane in dieser Tradition haben mich schon immer angezogen, aber nicht oft ist es einem Autor gelungen, mich mit einem Roman dieses Genres so zu fesseln wie Sarah Waters mit ihrem Roman "Der Besucher".

Als Dr. Faraday, Landarzt und Junggeselle mittleren Alters aus dem Arbeitermilieu, an einem Sommertag in der Nachkriegszeit nach Hundreds Hall, dem jahrhundertealten Stammsitz der Familie Ayres in Warwickshire, gerufen wird, werden bei ihm Erinnerungen an seine Kindheit wach. Bereits damals hatte Dr. Faraday, Sohn eines Kindermädchens der Ayres, die Gelegenheit das Anwesen zu besuchen, und war fasziniert von dessen prachtvoller, majestätischerErscheinung, die ihn magisch anzog und eine begierige Leidenschaft in ihm begründete. Doch nun, Jahre später, zeigt sich ihm Hundreds Hall stark vom Verfall gekennzeichnet. Seine Besitzer, die verwitwete Mrs. Ayres und ihre erwachsenen Kinder Roderick und Caroline sind kaum in der Lage ihren Besitz zu erhalten und dem Verfall Herr zu werden, ganz zu schweigen davon, einen Lebensstil zu führen, wie sie dies vor dem Krieg gewohnt waren. Sowohl die Ayres als auch Dr. Faraday, dem es bisher nicht gelungen ist, bei gehobenen Schichten Aufnahme zu finden, versuchen ihren Platz in der Gesellschaft des Nachkriegsenglands zu finden. Dr. Faraday erhält den Kontakt zu den Ayres und bald erfährt er von seltsamen Vorgängen im Haus, beginnend mit verschwundenen und an anderen Stellen wieder auftauchenden Gegenständen, Möbelstücken mit Eigenleben, kryptischen Zeichen, die plötzlich an den Wänden auftauchen und unerklärbaren bedrohlichen Geräuschen im Haus. Die Familienmitglieder der Ayres reagieren zunehmend panisch auf die Vorgänge im Haus, versuchen diese zu deuten und steigern sich in unterschiedlichste Erklärungsansätze hinein. Dr. Faraday hingegen versucht immer wieder natürliche Ursachen für die Ereignisse zu finden und die Familie damit zu beruhigen. Doch das Schicksal der Ayres nimmt unaufhaltsam seinen Lauf und das von Dr. Faraday wird immer enger mit dem der Ayres verbunden...

Sarah Waters gelingt es von der ersten Seite ihre Romanes an, das England der Nachkriegszeit und dessen gesellschaftlichen Veränderungen vor den Augen des Lesers bildhaft entstehen zu lassen. Der Verfall von Hundreds Hall spiegelt sich zunehmend in der Psyche seiner Bewohner. Dadurch ist ihre Darstellung der gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit so eindringlich gelungen, dass durchaus der Eindruck entstehen könnte, dass Sarah Waters einen exzellenten Gesellschaftsroman geschrieben hat - wenn da nicht die Elemente des Schauerromans wären.

Recht schnell wurden bei der Lektüre des Romans "Der Besucher" bei mir Erinnerungen an "Rebecca" von Daphne du Maurier, "Der Untergang des Hauses Usher" von Edgar Allan Poe, vor allem aber an "Das Durchdrehen der Schraube" von Henry James wach. Ähnlich wie Henry James in "The Turn of the Screw" erzählt Sarah Waters die Geschichte der Ayres mittels einer unzuverlässigen Erzählsituation: der Leser erfährt die Geschichte der Ayres aus Sicht von Dr. Faraday, ohne zu wissen, woher dieser sein Wissen über Situationen auf Hundreds Hall bezieht, die er selbst nicht als Augenzeuge erlebt hat und inwieweit seine Wahrnehmung von Situationen, die er miterlebt hat, der Realität entsprechen. Diese Erzählsituation führt zu einer Mehrdeutigkeit in den erzählten Geschehnissen auf Hundreds Hall, die eventuell die Meinungen der Leser spalten wird. Je nach Lesart wird der Roman als Auseinandersetzung mit dem Verfall der Oberschicht, die zwar eindrucksvoll aber wenig spannend ist, als paranormale Geschichte oder als psychologische Studie, die sukzessive das Grauen beim Leser anwachsen lässt, bewertet werden. Den Roman "Der Besucher" so anzulegen, dass all diese Lesarten möglich sind, ist zweifellos eine Meisterleistung.

Der Lesesog, den Sarah Waters Roman bei mir hervorgerufen hat, beruht auf meiner Lesart als psychologische Studie, bei der sich schlussendliche Gewissheit erst auf den letzten Seiten des Romans einstellt, so wie sich bei einem komplizierten Puzzle erst mit dem letzten Teil ein Gesamtbild ergibt. Für mich ist damit auch der Schluss des Romans handwerklich vollendet gelungen und absolut zufriedenstellend.

Sarah Waters kombiniert in ihrem Roman "Der Besucher" Elemente des Schauerromans mit einer präzisen Beobachtungsgabe sozialer Verhältnisse zu einem fesselnden und überzeugenden literarischen Unterhaltungsroman mit faszinierender Mehrdeutigkeit und Nachwirkung. Das Ende des Romans macht Lust auf eine zweite Lektüre, um Andeutungen aufzuspüren, die beim ersten Lesen nicht wahrgenommen oder ausreichend gewürdigt wurden. Für mich hat Sarah Waters Roman "Der Besucher" alles, was nötig ist, um zu einem Klassiker des Genres zu werden.
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am 24. Juni 2012
Alleine aufgrund des Covers hatte ich bereits ein düsteres und schauriges Buch erwartet und meine Neugier wurde noch verstärkt, als ich im eingeschlagenen Schutzumschlag gelesen habe, dass dieser Roman in der Tradition der viktorianischen Schauerromane geschrieben ist.

Düster und geheimnisvoll ist das Buch auf jeden Fall. Als schaurig habe ich es jetzt eher nicht empfunden. Dafür bleibt die Handlung weitestgehend eher ruhig und plätschert doch gefühlt vor sich hin, was mich aber zu meiner Verwunderung gar nicht so sehr gestört hat. Dieses Ruhige passt irgendwie zu dem Buch.
Das gesamte Buch wird in der Ich-Form aus Sicht des Arztes Dr. Faraday erzählt. Er ist Landarzt in Warwickshire und wird in den 40er Jahren kurz nach Ende des 2. Weltkriegs nach Hundreds Hall zur Familie Ayres gerufen. Hundreds Hall war mal ein majestätisches Anwesen und sehr glanzvoll. Im Zuge des 2. Weltkriegs und der Reformen nach Ende des Krieges hat die Familie jedoch fast ihr gesamtes Vermögen eingebüßt und führt jetzt ein eher asketisches Leben auf dem Anwesen.

Dr. Faraday schafft es zur Vertrauensperson der Familie zu werden und erzählt in Rückblenden über die tragischen Ereignisse, die die Familie Ayres schließlich heimsuchen. Dabei wurde mir der Doktor im Verlaufe des Buches immer unsympathischer und irgendwann empfand ich ihn nur noch als unmöglich. Durch die Erzählweise aus der Ich-Perspektive lernt man Faraday ziemlich gut kennen, trotzdem hatte ich als Leser immer das Gefühl, dass er etwas verbirgt. Spannend ist, dass obwohl mir diese Figur wirklich sehr unsympathisch wurde, ich trotzdem gerne das Buch weitergelesen habe. Auch dieser unmögliche Charakter passt sehr gut für mich in die Gesamtstruktur des Buches.

Die Familie Ayres, bestehend aus der Mutter und den beiden erwachsenen Kindern Roderick und Caroline, ist mir dabei im Laufe des Buches immer mehr ans Herz gewachsen und ihr tragisches Schicksal hat mich ganz schön mitgenommen. Alle sind irgendwie an dieses Haus gebunden und man hat so richtig das Gefühl, dass das Haus ihnen ihren letzten Lebenssaft aussaugt.
Die Autorin beschreibt dabei das gesamte Anwesen so richtig düster und im Verlauf des Buch nimmt das Anwesen immer schaurigere Formen an. Die gesamte Landschaft und auch der englische Ort, in dem sich alles abspielt werden sehr detailliert, aber auch düster beschrieben und in meinem Kopf hat das gesamte Buch inklusive der Geschichte so einen richtigen Schwarz-Weiß-Film ergeben. Mit dunklen Ecken, verwinkelten Zügen und über allem liegt eine graue Schicht, die alles zu überdecken scheint.

Ob schließlich wirklich irgendetwas Fantastisches in den Mauern passiert oder gar wirklich ein jahrelanger Fluch auf der Familie liegt, wird komplett offen gelassen. Jedoch bietet die Autorin auch eine rationale Erklärung, die man als Leser mehr zwischen den Zeilen liest und die mir aber trotzdem am Wahrscheinlichsten erscheint. Trotz dieses doch sehr offenen Endes, bin ich trotzdem mit dem Schluss sehr zufrieden. Das gesamte Buch über wird nämlich immer wieder für Gänsehaut gesorgt und man kann sich überlegen: Steckt ein Mensch hinter den Vorkommnissen oder sind es doch die Geister der Vergangenheit oder sogar das Haus selber?

Ein düsterer Roman, der sehr ruhig abläuft. Das Buch hat bei mir zu keiner Zeit dazu geführt, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte, trotz allem habe ich die Lektüre sehr genossen.
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Ich bin ein riesiger Fan von Romanen, die ein viktorianisches London zum Schauplatz haben. Wenn in einem spannend zu lesenden Klappentext am Ende noch geschrieben steht: "Ein fesselnder Roman von großer Sogkraft, der die Tradition des viktorianischen Schauerromans neu belebt" ist ein solches Buch so gut wie gekauft.

Sarah Waters erzählt die Geschichte des Dr. Faraday, der eines Nachts auf das Anwesen Hundred Halls der Familie Ayres gerufen wird, da die Hausbedienstete einen Arzt benötigt. Im Zuge dieses Einsatzes lernt er die Bewohner kennen: die verwitwetete Hausdame Mrs. Ayres und ihre beiden Kinder Caroline und Roderick. Nach und nach baut sich eine Bindung zwischen dem Doktor und der Familie auf, so dass er häufiger in Hundred Halls zu Besuch ist. Durch seine Anwesenheit erlebt er jedoch mit, wie das Haus langsam ein Eigenleben zu entwickeln scheint - Möbelstücke verrücken sich wie von Geisterhand und mystische Zeichen erscheinen an der Wand. Es dauert nicht lange und der erste "Unfall" passiert...

Das klingt nach einer spannenden, nervenzerreibenden Geschichte, oder nicht?
Entsprechend hoch waren meine Erwartungen als ich zu lesen begann. Auffallend war der tolle Stil Sarah Waters'; sie schafft es gekonnt, die Umgebung des Hauses und die gruselige Atmosphäre innerhalb des Anwesens einzufangen und zu beschreiben. Der Leser ist direkt in der Handlung und fiebert mit dem sympathischen Ich-Erzähler mit. Mit Dr. Faraday kreiierte Sarah Waters einen Charakter, der durch seine rationale und zweifelnde Denkweise einen anderen Blick auf die Mysterien des Hauses wirft. Interessant ist ebenfalls, dass er kein richtiger Held ist, sondern auch von Melancholie und Selbstzweifeln geplagt ist, wodurch er wesentlich plastischer wirkt, als ein stählerner Über-Protagonist, der die Lage schneller erkennen würde. Die bereits angesprochene Atmosphäre der damaligen Zeit ist für den Leser auch direkt spürbar - man fühlt durch die Buchseiten die nebelige Luft von Warwickshire der 1940er Jahre förmlich.

Eine solch ausführliche und detaillierte Charakterisierung hat natürlich zur Folge, dass der Spannungsbogen leiden muss. Ähnlich wie bei Stephen Kings Horror-Klassikern benötigt die Handlung einige hundert Seiten, um an Fahrt aufzunehmen. "Da is was Böses in diesem Haus" lässt Sarah Waters die 14-jährige, etwas einfältige Haushaltshilfe Betty auf Seite 154 artikulieren. Zeitgleich ist es der erste Zeitpunkt der Geschichte, in dem der Leser mit den gruseligen Elementen des Buches konfrontiert wird. Gelegentlich verliert sich Sarah Waters jedoch in der Beschreibung der Handlung, schmückt unwichtige Situation viel zu sehr aus, so dass der Leser im Nachhinein besagte Textstellen auch ohne Verständnisverlust der Geschichte hätte überspringen können.

Mein Problem war der Umstand, dass ich einen Schauerroman erwartet habe, der ähnlich wie Mark Z. Danielewskis "Das Haus" Geschehnisse präsentiert, die gruseln, die einen packen und die Seiten wie im Akkord umblättern lassen. Verstehen Sie mich nicht falsch, solche Momente gibt es in "Der Besucher" auch, aber Sarah Waters schafft es nicht, diese so packend zu gestalten, dass ich die nächste Seite voller Furcht umblättern wollte. Vielleicht war dies auch gar nicht ihre Intention, denn der Roman wirkt vielmehr wie ein Panorama der damaligen Zeit in einer Gesellschaft, in der die Reputation und das Ansehen wichtiger sind als heutzutage. Liest man das Buch mit dieser Einstellung, also eine Art Gesellschaftsroman genießen zu können, funktioniert er einwandfrei. Durch die aufkeimende, leider punktuell vorhersehbare Liebesgeschichte bekommt der Roman romantischere Töne, die bei einem Gesellschaftsroman wirken, bei einem Schauerroman aber deplatziert wirken.
Enttäuscht war ich außerdem von dem Ende: kein wirklicher Showdown oder eine, meiner Meinung nach, spannende Auflösung des Geschehens folgen, sondern eine Rekapitulation der Handlung. Durch die Erzählung des Romans aus der Ich-Erzähler-Perspektive hat die Autorin zwar nicht die Verpflichtung sämtliche Geschehnisse aufzulösen, aber ein für mich befriedigenderes Ende hätte ich mir schon gewünscht.

Abschließend ist zu sagen, dass Sie mit "Der Besucher" einen unglaublich gut geschriebenen, atmosphärisch dichten Roman erhalten können, der als Gesellschaftsroman wunderbar zu lesen ist und sicherlich auch 4-5 Sterne wert wäre, aber als Schauergeschichte (und als das ist der Roman nunmal im Klappentext deklariert worden) ist er langweilig und nicht lesenwert.
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am 17. März 2013
Im England der 1940er Jahre wird der ärmliche Landarzt Dr. Faraday von der Adelsfamilie Ayres zu einem kranken Dienstmädchen gerufen. Das Mädchen gruselt sich in dem alten, düsteren Herrenhaus und befürchtet, dort "vor Angst zu sterben". Natürlich tut der Arzt diesen Eindruck als Spinnerei ab, als jedoch bei einer Dinnerparty auf dem Anwesen der Hund der Famile plötzlich wie ausgewechselt scheint und ein Kind verletzt, beginnt auch er zu glauben, dass dort irgendetwas nicht stimmt. Trotzdem freundet Dr. Faraday sich mit der Familie, bestehend aus der Mutter des Hauses und ihren beiden erwachsenen Kindern Caroline und Roderick an, nichts ahnend, dass das Böse hinter den alten Mauern lauert.
Sarah Waters lässt den Spuk sehr subtil beginnen um schließlich ein atemberaubendes Szenario zu entfachen. Trotzdem wirkt die Geschichte an keiner Stelle zu phantastisch oder überfrachtet. Zudem ist der Roman vielschichtig konstruiert: Ob die Autorin den sozialen und wirtschaftlichen Abstieg des Landadel infolge der Industiealisierung beschreibt, die beginnende zarte Liebesbeziehung zwischen Dr. Faraday und einem Familienmitglied, oder das Gruselelement bedient - das Buch ist zu jeder Zeit spannend zu lesen.
"Der Besucher" ist noch mehr, als ein Gruselroman vermischt mit einem Gesellschaftsportait. Er ist ebenfalls eine tragische Familien- und Liebesgeschichte, bei der der Leser mit den sympatischen und sorgfältig charakterisierten Personen mitleidet.
Für mich persönlich ist er mein zweitliebster Sarah Waters Roman nach "Solange du lügst".
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am 24. August 2015
"Der Besucher" ist hier bei Amazon.de relativ schlecht bewertet worden, was man durchaus nachvollziehen kann, weil die Mehrheit der Bewerter, die einen oder zwei Sterne vergeben haben, etwas anderes erwartet haben, nämlich eine klassische, mysteriöse Geistergeschichte.
Diese liefert das Buch zwar, jedoch auf eine völlig andere (eher nüchterne) Art und Weise, wie man sie von einem Buch mit diesem Setting erwarten würde. Tatsächlich spielt die "Geistergeschichte" eine eher nebengeordnete Rolle.
"Der Besucher" handelt stattdessen vom gesellschaftlichen Untergang des niederen Adels in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg. Man bekommt als Leser einen sehr guten Einblick in die Lebensumstände und die Einstellung des Landadels. Darüber hinaus ist die Geschichte sehr gut geschrieben und kann in dieser Hinsicht absolut überzeugen!
Man muss allerdings auch zugeben, dass das Buch durchaus seine Längen hat und manche Dialoge und Szenen sehr ausbaut sind. Der zweite Teil ist viel spannender und lässt sich zügiger lesen.

Wer also einen klassischen Gruselroman erwartet, dem sei von diesem Buch tatsächlich abgeraten. Wer sich aber für einen Einblick in die gesellschaftlichen Entwicklungen von GB nach dem Zweiten Weltkrieg interessiert und dazu noch ein bisschen Grusel vertragen kann, der ist hier richtig aufgehoben.
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am 18. Mai 2014
Als ich den Klappentext zu „Der Besucher“ von Sarah Waters gelesen habe, war ich neugierig und gespannt auf diesen Schauerroman.
Dr. Faraday, Landarzt wird zu einem Notfall auf Hundreds Hill gerufen, und sofort werden Kindheitserinnerungen in ihm wach. Seit der Kindheit ist er von dem Herrenhaus fasziniert. Doch nun, Jahre später, ist das einstige prachtvolle Herrenhaus stark verfallen und die Besitzer kämpfen mit dem Untergang.
Schon bei seinem ersten Besuch, eröffnet ihm das Dienstmädchen, das sie sich in dem Haus fürchtet und seltsame Dinge geschehen. Möbelstücke verrücken von selbst, unerklärliche Geräusche werden vernommen, und schon bald kommt es zu dem ersten Unglück.
Die Geschichte braucht etwas Zeit um in Fahrt zu kommen. Auf den ersten 100 Seiten passiert erst mal gar nichts. Die Charaktere werden ausführlich beschrieben aber wirklich sympathisch kommt für mich keiner der Charaktere rüber. Die Szenen im Haus schaffen durchaus eine gruselige Atmosphäre, aber als ein „Gruselroman“, würde ich das Buch nicht beschreiben. Für mich ist es eher ein Gesellschaftsroman der spannend geschrieben ist und mich gut unterhalten hat.
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am 28. Mai 2011
Seit seiner Kindheit ist der Landarzt Dr Faraday von Hundreds Hall fasziniert. Eines Tages bringt ihn ein Notfall auf den entlegenen Landsitz, und so beginnt seine Freundschaft mit den vier Bewohnern: dem schlichten Dienstmädchen Betty, der würdevollen Mrs Ayres, dem labilen Roderick und der herben Caroline. Doch die besten Zeiten von Hundreds Hall sind längst vorbei - die Familie kämpft gegen den Verfall des Hauses, das allmählich ein Eigenleben zu entwickeln scheint und die Nerven der Bewohner (und Leser) auf immer härtere Proben stellt.

Für den "Besucher" braucht man anfangs ein wenig Geduld, denn auf den ersten hundertzwanzig Seiten geschieht vordergründig nichts, was den Klappentext "Schauerroman von großer Sogkraft" rechtfertigen würde. Und selbst als das Schicksal der Familie Ayres dann seinen Lauf nimmt, bleibt der Leser immer ein paar Schritte vom Geschehen distanziert. Das liegt an der Erzähl-Perspektive: Der Ich-Erzähler Dr Faraday ist selbst so gut wie nie direkter Zeuge der unheimlichen Ereignisse auf Hundreds Hall, er wird nur mit den Folgen konfrontiert und gibt wieder, was ihm die zunehmend angespannten Bewohner des Hauses berichten. Je dramatischer die Ereignisse fortschreiten, desto enger wird allerdings seine Bindung an die Familie.

Gut gefallen haben mir die klare, schnörkellose Sprache und die dichte Atmosphäre, in der im großen Rahmen ein realistisches Nachkriegs-England aufersteht - eine Welt mit Bezugsscheinen und chronischer Benzinknappheit - und im kleinen Rahmen Hundreds Hall wie ein verwundetes Tier im Todeskampf wirkt. Auch die Auflösung - die am Ende keine ist, sondern Interpretationssache des aufmerksamen Lesers bleibt - jagt mir nachwievor einen wohligen Schauer über den Rücken.

"Der Besucher" ist kein plakativer Gruselroman. Wer eine echte Gespensterjagd inklusive vernünftiger Erklärung erwartet, wird enttäuscht sein. Der Roman erfordert Geduld, Köpfchen und die Bereitschaft, sich mit drei, vier menschlichen Ängsten und Begierden auseinander zu setzen. Dann entwickelt er tatsächlich eine gewisse Sogkraft. Einen Stern Abzug gibt es für die Längen, die auf den ersten hundertzwanzig Seiten und auch danach immer mal wieder kurz auftreten.
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am 7. Februar 2013
der 40-/50-er Jahre.
Wer auf die leicht altmodischen 50er-Jahre-Horror Filme in alten Herrenhäusern steht,
wird dieses Buch lieben. Man fühlt sich irgendwie sofort, als würde man mit zuhause so einen alten Film ansehen.
Die Handlung ist irgendwie elegant, mit leisem Horror durchzogen und eben aus einer anderen Zeit.
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am 1. Juni 2011
Einst waren die Ayres eine hochangesehene Familie mit Tradition und ihr herrschaftliches Anwesen, Hundreds Hall, Blickpunkt der Englischen Gesellschaft. Doch die Bewunderung schwindet, während der Inbegriff eines prächtigen Landsitzes dem unwiederbringlichen Verfall ausgesetzt ist. Die Zeichen der Zeit und nicht zuletzt der Zweite Weltkrieg haben deutliche Spuren hinterlassen. Dreißig Jahre nach seinem ersten Besuch, Faraday ist inzwischen Arzt und teilt sich mit Dr. Graham eine Praxis, betritt er erneut das imposante Gemäuer. Doch er ist enttäuscht, um nicht zu sagen entsetzt, in welchem Maße der Glanz der Heiligen Hallen Schaden gelitten hat. Verwahrlosung und Zerstörung, Kälte und Dunkelheit, längst vergangener Reichtum und bedrückende Stille dominieren das Bild.

Mit einem Hausbesuch des Arztes Dr. Faraday bei einer Angestellten der Ayres auf Hundreds Hall beginnt Sarah Waters ihren Bestseller DER BESUCHER, schwelgt in Erinnerungen an Vergangenes und vergleicht mit wenig erbaulicher Gegenwart.

Das 1733 fertig gestellte Hundreds Hall ist nunmehr ein Schatten seiner selbst. Die Musik im Tanzsaal ist verstummt, Silber, Gemälde und wertvolle Antiquitäten längst veräußert, Luxus und Ruhm verloren.

Viele Details vermitteln ein authentisches Bild von Personen und Umgebung. In leisen Tönen schwingen Atmosphäre und Emotionen der Nachkriegszeit.

Mrs. Ayres wahrt als Dame des Hauses Eleganz und Anmut. Ihre Kinder Roderick und Caroline tun ihr Möglichstes, das Anwesen zu erhalten.
Caroline weiß anzupacken. Sie ist unkompliziert und aufrichtig.
Roderick gibt sich redlich Mühe, den Hausherrn zu ersetzen. Er arbeitet sehr viel, hat jedoch wenig Gespür für die Landwirtschaft. Wie viele Jungen seiner Generation, musste Rod viel zu schnell erwachsen werden. Seine Aufgaben überfordern ihn bisweilen. Ein Unfall bei der Royal Air Force führte zu einer schweren Kriegsverletzung und einem nervlichen Problem.

Es ergab sich, dass Dr. Faraday ihn als regelmäßigen Patienten gewann. Die sonntägliche Behandlung des Beines wurde zur Gewohnheit, Tee im Kreise der Familie inklusive. Man lernte einander kennen und schätzen. So war Faraday ebenfalls anwesend, als Hundreds Hall zu einem feierlichen Stelldichein ludt, das durch ein wahrlich unschönes Ereignis ein jähes Ende fand. Gyp, der treue und stets freundliche Familienhund der Ayres, biss das kleine Mädchen der Baker-Hydes ins Gesicht. Die Anwesenden waren allesamt schockiert, die Ayres untröstlich, die Baker-Hydes hochgradig empört. In all ihrer Wut und Verzweiflung verlangten sie folglich den Tod des Tieres.

Jener Abend schien jedoch nicht nur das Ende eines Hundelebens, sondern zudem den Beginn seltsamer Vorkommnisse auf Hundreds Hall einzuläuten.

Mit der düsteren, kargen und kalten Winteratmosphäre in und um das Gemäuer legt die Autorin die passende Grundlage für allerlei Spuk. Hier ein Schatten, dort mysteriöse Geräusche und noch dazu unerklärliche Phänomene rufen nicht nur bei den Figuren des Romans Erstaunen und Unbehagen hervor. Mit deutlicher Gänsehaut folgt der Leser gebannt der Erzählung. Die Spannung steigt bisweilen enorm.

Dr. Faraday glaubt bei Rods Worten, das unglaubliche Geschehen zu umschreiben, an ein verzögertes Kriegstrauma, ausgelöst durch Erschöpfung und überstrapazierte Nerven. Doch lassen sich die Ereignisse wirklich so einfach mit bloßen Sinnestäuschungen erklären?

Als sich weitere ominöse Ereignisse einstellen und schließlich eine Feuerkatastrophe in letzter Minute abgewendet werden kann, halten es alle für sinnvoll, Roderick in die Obhut Dr. Warrens zu übergeben. Ein Klinikaufenthalt wird aller Hoffnung nach die Wahnvorstellungen vom Bösen, das in Hundreds Hall sein Unwesen treibe, kurieren ...

Zunächst scheint Ruhe auf dem Herrensitz einzukehren. Dr. Faraday und Caroline finden zueinander und auch Mrs. Ayres blüht wieder auf.
Bis ominöse Geräusche und kindliche Kritzeleien auf Holzverkleidungen die Gemüter erregen und den Weg für weit Schlimmeres ebnen ...

Die Erzählung aus Sicht des Dr. Faraday, in erster Person Singular verfasst und nicht auf Kenntnisse seiner persönlichen Beteiligung beschränkt, erstreckt sich auf fünfzehn großzügig ausgelegte Kapitel.
Stil und Sprache erfassen den Flair einer längst vergangenen Epoche. Gesellschaftliche und politische Umschwünge jener Zeit vermittelt Sarah Waters ebenso souverän wie Schauplätze und Personen.
Die Autorin pirscht sich in langsamen Schritten an das Grauen dieser Geschichte heran. Nach Tradition des viktorianischen Schauerromans, ganz wie es der Klappentext verspricht, entwickeln sich Atmosphäre und Ereignisse, spiegeln Emotionen wider und nehmen den Leser für sich ein.
Das Schicksal der Familie Ayres beugt sich einer stets präsenten Melancholie. Der Grundtenor des Romans wirkt recht düster.
Dramatische Begebenheiten rufen mannigfaltige Spekulationen hervor. Sarah Waters spielt mit der Psyche ihrer Akteure und bewegt sich indifferent zwischen Wissenschaft und Aberglaube.
Die Interpretation der Ereignisse obliegt schlussendlich dem Leser.

DER BESUCHER erscheint in gebundener Form mit Schutzumschlag und Lesebändchen bei Lübbe Ehrenwirth. Sowohl Einband als auch Umschlag sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und erfreuen zweifelsohne jedes Leserherz. Papier, Satz und Druck sind einwandfrei.

Fazit

Sarah Waters kann es mühelos mit Klassikern dieses Genres aufnehmen!
DER BESUCHER überzeugt mit Mehrdeutigkeit, dichter Atmosphäre, intensiven Emotionen und subtilem Grauen. Unerklärliche Phänomene fesseln den Leser ebenso wie die schicksalsträchtige Geschichte einer Adelsfamilie, die so oder so dem Untergang geweiht scheint.
Der hervorragende Schreibstil und die stets angepasste Sprache machen die Lektüre zu einem schaurigen Genuss.
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am 28. März 2012
Ich wüsste wirklich gerne, wie der Roman ausgeht, aber ich halte es nicht durch. Er ist mir viel zu langatmig und zäh geschrieben. Zudem geht mir der gute Doktor mit seiner ewigen Unzufriedenheit dermassen auf die Nerven. Sprachlich ist der Roman schön zu lesen, es fehlt einfach die Spannung. Schade
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