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83 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartige psychologische Präzision
Anna Karenina ist nicht nur ein "vollkommenes Kunstwerk" (Karasek) oder ein akribisches Porträt des zaristischen Russland, wie es die Kritik ihm zuschreibt. Die Bedeutung dieses Romans als eines der wuchtigsten und gewaltigsten Werke der Weltliteratur liegt an ganz anderer Stelle, nämlich in der einzigartigen Präzision, mit der Tolstoj noch der...
Veröffentlicht am 21. Mai 2007 von helmut seeger

versus
3.0 von 5 Sternen SPOTTY
it takes extreme arrogance to declare this "classic" spotty, but there it is. after a magnificent opening 100 pages or so, AK devolves. it simply loses steam and i'm too lazy to say exactly why, but it does. the one redeeming feature? levin. the book belongs to him and him alone. his spiritual development reminds me of dostoevsky's "the brothers...
Veröffentlicht am 19. April 2000 von Andy Todes


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83 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartige psychologische Präzision, 21. Mai 2007
Von 
helmut seeger "liberaler" (karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
Anna Karenina ist nicht nur ein "vollkommenes Kunstwerk" (Karasek) oder ein akribisches Porträt des zaristischen Russland, wie es die Kritik ihm zuschreibt. Die Bedeutung dieses Romans als eines der wuchtigsten und gewaltigsten Werke der Weltliteratur liegt an ganz anderer Stelle, nämlich in der einzigartigen Präzision, mit der Tolstoj noch der feinfühligsten Nuance der menschlichen Psyche nachzuspüren vermag.
Wenn man es schafft, eine Geschichte zweier Familien, die durch eine weitere Familie verknüpft ist, auf mehr als 1200 Seiten zu erzählen, braucht man schon einen langen Atem, wie ihn heute keiner mehr aufbringt. Tolstoj zeichnet nicht nur zwei chronologische Familiengeschichten auf, sondern demonstriert an seinen Figuren eine psychologische Beobachtungsgabe, die in der Weltliteratur nicht ihresgleichen hat und heute noch genauso aktuell ist wie damals. Daneben werden auch soziale Entwicklungen auf dem Lande diskutiert, Szenen aus der adeligen Gesellschaft mischen sich mit bäuerlichem Landleben und Jagdszenen und auch mal Peinlichkeiten, wenn plötzlich die Hunde anfangen, zu denken.
Aber wie gesagt: die Bedeutung dieses Werks besteht in seiner einzigartigen Einfühlsamkeit in die Seelen der Protagonisten. Wie kein zweiter Schriftsteller hat es Tolstoj verstanden, die Grundlagen der Psychologie menschlichen Handelns offenzulegen: ob Verliebtheit, langwährende Liebe, Eheleben, Eifersucht, Auswirkungen gesellschaftlicher Zwänge auf den Einzelnen, Sterben und Tod - Tolstoj ist keine Nuance fremd und er präzisiert psychische Abläufe in einer Weise, in der man permanent das eigene Leben wiedererkennt und aus der man ohne weiteres die Grundlage einer psychologischen Abhandlung über das menschliche Miteinander destillieren könnte.
In diesem Punkt ist Tolstoj einzigartig aktuell und wird dies unabhängig von aller gesellschaftlichen Veränderung auch in fünfhundert Jahren noch sein.
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65 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anna Karenina wird Sie nicht mehr loslassen, 16. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Taschenbuch)
"Anna Karenina", entstanden in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, zählt zu den bedeutendsten Werken des russischen Schriftstellers Lew Tolstoi. Die häufige Bezeichnung als Eheroman wird dem Anspruch des Buches jedoch nicht gerecht. Der Autor versteht es vielmehr, individuelle Beziehungsproblematiken in den gesellschaftspolitischen Hintergrund einzuarbeiten und so einen gesellschafts- und sozialkritischen Roman zu verfassen sowie ein sehr detailliertes Bild vom damaligen Rußland zu zeichnen. Wie kaum einem anderen gelingt es ihm, mehrere Handlungsstränge nebeneinander herlaufen zu lassen, sie in einen Zusammenhang zu bringen, abzustimmen und dabei das Hauptaugenmerk auf das Schicksal der Anna Karenina nicht zu verlieren. Anna scheitert an den Normen, Schranken und Konventionen, die ihr in den Adelskreisen des zaristischen Rußland im 19. Jahrhundert auferlegt sind. Gefangen in einer Ehe, die jeglicher Liebe und Zuneigung entbehrt, scheint sie zu zerbrechen an der Entscheidung zwischen ihrem Sohn und ihrem Liebhaber, die der Fortgang der Handlung ihr abverlangt. Anna Karenina hat keine Chance, auszubrechen. Tolstoi stellt die Forderung nach dieser Chance mit seinem Roman. Tolstoi vermeidet eine Schwarz-Weiß-Zeichnung seiner Figuren. Die sehr genaue Konstruktion ihrer Gedanken- und Handlungswelt ermöglicht es dem Leser, sich in die verschiedenen Figuren hineinzudenken, ihnen nachzuempfinden und ihr jeweiliges Schicksal mitzuerleben. "Anna Karenina" lebt von ihrer Emotionalität. Trotz seines recht immensen Umfangs wird der Roman an keiner Stelle zu lang, sondern beeindruckt vom Anfang bis zum Schluß. Und am Ende bleibt das Gefühl, eine großes und erhebendes Werk gelesen zu haben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen tiefgründiges Meisterwerk, 14. Juli 2001
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
"Anna Karenina" ist neben "Krieg und Frieden" ein weiteres Meisterwerk Tolstois. "Anna Karenina" ist als Roman in die russische Zarenzeit eingebettet, in der Politik und Gesellschaft von Männern regiert und gesteuert werden. Das interessante an dem Roman ist die Vielschichtigkeit der einzelnen Charaktere, die nebeneinander wie einzelne Hauptpersonen agieren, ohne die aber der tragische Werdegang der Anna Karenina nicht in dieser eindringlichen Weise erklärbar ist. Anna Karenina, die tragische Heldin, verliebt sich in einen Offizier, jedoch ist sie als verheiratete Frau absolut abhängig von ihrem Ehemann. Gegen alle gesellschaftlichen Sitten verstossend, brennt Anna mit ihrem Geliebten durch und setzt damit alles, was ihr wichtig war aufs Spiel, sogar ihren Sohn. Verwandte und Bekannte sind in dieses Liebesdrama intensiv verstrickt und können in jeder Lebenslage zu Glück oder Unglück des anderen beitragen. Der Autor spielt mit der Tiefgründigkeit der einzelnen Charaktere und macht sie zu realistisch wirkenden Bürgern des Zeitgeschehens. Zudem werden philisophische Grundideen formuliert und durch die handelnden Personen und ihre Erlebniswelt erklärt, neugestaltet oder sogar umgeworfen. Tolstoi ist es gelungen, eine Konfliktwelt zu erschaffen, in der die Schicksale der Einzelnen derart verwoben sind, dass nicht eine Seite des Romans wegzudenken sei.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In die Moral verschlagen, 20. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman, der sich in seinem ersten Satz spiegelt, der wie eine Essenz vieler Tragödien anmutet: ?Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich.? Und doch ist Anna Karenina vor allem die Tragödie einer Frau. Weltliteratur sorgt immer wieder dafür, daß die Geschichten, die zuvor so nie erzählt worden sind, einem vorkommen, als wären sie einem längst bekannt, als habe da jemand es nur auf den Punkt gebracht. Sie sorgt dafür, daß ihre Geschichten sich über die Jahrhunderte so anfühlen, als erlebten wir sie jetzt, als brauchten wir nur die Mode, die Frisuren, die Offiziersjacken auszuwechseln und der modernen Technik Tribut zu zollen, und entdeckten Anna Karenina an der nächsten Ecke. Was für eine große Liebestragödie, bei der die Karenina alles einsetzt und alles verliert, in der gezeigt wird, wie für manche Menschen ein Wert wie Vertrauen nicht unbedingt gleich gewertet wird. Tolstoi besitzt dabei noch ein Raster an Moral, auf dem er die Erschütterung wiegt, unter der wir seinen Roman lesen. Er ist bereit bis ans Ende von dem zu gehen, was man sich als Leser nur denkt: Die Familie verlassen, ein mißratenes Leben gegen ein besseres einzutauschen, sich nicht vorschreiben zu lassen, wie man zu leben, zu lieben hat. Aber sind wir bereit den Preis zu zahlen? Die Karenina ja. Auch wenn sie sich zu Anfang nie hat vorstellen mögen, worin er besteht. Wie viele Menschen gibt es, die so konsequent zu leben verstehen? Wenige. Wie viele Schriftsteller, die einen solchen Roman zu schreiben vermochten? Kaum einen. Einen Roman, den man in sich trägt, der viele andere Geschichten lostritt. Lesen, lesen, lesen, immer wieder lesen.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste vom besten, 20. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
Zu dem Buch noch etwas nicht Bekanntes dazuschreiben, ist fast unmöglich. Wenn man es 20 oder 30-mal liest, spürt man, was eienen immer wieder aufs Neue fasziniert. L.N. Tolstoi ist einfach ein Meister der Poesie. Das Buch habe ich auf slowenisch (als slawische Sprache doch näher dem Original) und deutsch gelesen.
Mein Teil ist immer wieder die Levin-Kitty "Storry". Levins Liebe, seine Verletzheit, Unsicherheit, Zweiffeln... Da fehlen die Worte. Als Gutsherr ist er ein Bär, als verliebter Mann ein Kind - mit grossem Herzen. Wie er seiner Kitty an der Schultafel nur mit Anfangsbuchstaben wieder seine Liebe gesteht! Gottseidank, man wartet und bangt mit ihm und ihr.
Der Anna Teil zeigt die Normen der Gesellschaft (sind sie nicht irgendwie doch noch da - mit Fotos gewürzt). Eine Frau kann einen Verehrer haben - bis zu... Die Annas sind heute noch da, nur die Grenzen zeichneten damals nur die Männer. Karenin gibt sich nur einmal gnadig, als Anna fast stirbt, da kann sie aber seine"Gabe" nicht annehmen. Von da aus kann die Geschichte nur so enden - am Banhof, wo alles beginnt. Anna ist am Ende "nur eine neurotische Frau", die zusehr liebt, die zwischen Liebhaber und Sohn keinen bekommen kann. Mit Wronsky kann ich nicht fühlen, mit seiner Mutter schon gar nicht. Mit Levin immer, er kann nie zufrieden und glücklich sein, das wäre zu leicht. Wie der Tolstoi selbst. Immer perfekt.
Das Buch zeigt ja soviele Familien - "glückliche gleichen sich, jede unglückliche...", Schicksale, man liest es immmer wieder zum ersten mal.
Bitte, geben sie Ihren Kindern die s.g. Klassiker zu lesen, nicht nur als Pflicht (Abiturbuch, hm, für viele ein Lastbuch). Man braucht gewisse Dosis davon, nicht zu früh - dann sind die Bücher zu lang, zu spät ist es aber nie.
Die neue russische Literatur, die übersetzt wird hat ja grosse Vorgänger, besonders bei der Kritik der Gesellschaf. Auch im vielen russischen Krimis.
Tolstoi hatte schon Vorgänger, Nachfolger gibt es für mich einige, aber NUR einen Leo Nikolajewitsch Tolstoi aus Jasna Polana. Wem das Buch am Beginn zu lang wird, beginnen sie mit Teilen, ein Puzzle wird zusammengesetzt und immer schöner.
Nehmen sie sich Zeit und geben dem alten Graf (und seiner Gattin, die ja alles bis 20-mal ins Reine schreiben musste) den verdienten Nobelpreis.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert, 8. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
Auf der Rückseite des Buches findet man den Text "'Mein ist die Rache, und ich will vergelten', lautet das Motto dieses Monumentalromans, der ein tragisches Frauenschicksal gestaltet."
Tolstoi schreibt auf knapp 1000 Seiten zwar viel von Leid, von Liebe und Hass, aber dann eben auch von Vergebung, von Nächstenliebe -- nicht von Vergeltung. Möglicherweise hat der Autor des Klappentextes ein anderes Buch gelesen.
"Anna Karenina" ist wie "Krieg und Frieden" eines der größten literarischen Werke überhaupt. Tolstoi beweist wieder einmal, dass er nicht nur ein brillanter, mitreißender Erzähler ist (auch wenn es sich manchmal ein wenig hinzieht), sondern dass er ein einfühlsamer Psychologe und aufmerksamer Beobachter seiner Welt ist. Das Buch ist schön, ist wunderbar und man kann viel aus ihm lernen!
Einzig die russischen Namen -- auf dieselbe Person wird manchmal mit dem Nachnamen, manchmal mit dem Vornamen, manchmal mit Vor- und Vatersnamen, manchmal mit verschiedenen Kosenamen Bezug genommen -- ist, wie bei den meisten russischen Autoren, ein wenig gewöhnungsbedürftig.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Vergnügen, 2. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina: Lesung (Audio CD)
Wer Tolstoi liebt (und seine Sprache), wird dieses Hörbuch zu schätzen wissen. Es gibt eine neuere Übersetzung, aber ich habe mit dieser Version viel Vergnügen gehabt. Höre immer beim Autofahren auf täglichen langen Strecken, da sind auch die ausführlichen Schilderungen nicht langweilig. Zuhause würde ich diese ungekürzte Ausgabe wohl nicht durchhalten. Technisch gut, war ich vollauf zufrieden mit diesem Hörbuch und kann es allen Nicht-Literaturwissenschaftlern absolut empfehlen, um zu diesem großen Werk der Weltliteratur Zugang zu finden.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert, 19. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
In diesem Roman sind die Schicksale von zwei völlig verschiedenen Liebespaare meisterhaft ineinander verwoben. Tolstoj versteht es, den Leser durch seine brillante Sprache zu fesseln und ihn in die russiche Gesellschaft zur Zarenzeit einzuführen. Durch überraschende Handlungseffekte bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten.
Störend sind allerdings die zahlreichen Druckfehler dieser Ausgabe.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tragische Liebe, 3. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Broschiert)
Dies ist wie „Krieg und Frieden" wohl eines der bekanntesten Werke Tolstois. Das Buch dreht sich um eine leidenschaftliche Liebe vor dem Hintergrund der russischen High-Society um die Jahrhundertwende. Anna Karenina, die schöne junge Frau des Regierungsbeamten Karenin, verliebt sich in den jungen Offizier Wronsky. Besser sie verlieben sich in einander und diese Liebe bleibt letztendlich nicht unbemerkt und ohne Folgen. Doch damit beginnen erst ihre Probleme mit der Gesellschaft. Das Buch fesselt von dem Augenblick an, wo sich die beiden begegnen. Tolstoi schafft es nicht nur den Leser in die Verhältnisse seiner Zeit einzuweihen, sondern er beschreibt die Figuren so lebensecht, daß es einen Freude ist dieses Buch zu lesen. Das Buch hat die Struktur des klassischen Dramas, doch man will es bis zum Schluß nicht wahrhaben, das es so sein könne. Ein wunderschön trauriges Buch mit eine unglaublich detailgetreuen Abbildung der russischen Gesellschaft und nautnahen Betrachtung ihrer Vertreter. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Lesefest!, 17. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Anna Karenina (Gebundene Ausgabe)
Tolstois Meisterwerk "Anna Karenina" gehörte bislang für mich zu den weißen Flecken auf der literarischen Landkarte, da mich stets der Umfang, mehr als 1500 Seiten in der zweibändigen Manesse-Ausgabe, schreckte.
Nun habe ich diese vielen Seiten innerhalb kürzester Zeit verschlungen und bin noch immer ganz trunken von diesem Leserausch!

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden, rollt Tolstoi die Welt des zaristischen Adels auf. Im Mittelpunkt stehen Anna Karenina, die ihren Mann zugunsten des strahlenden, doch recht mittelmäßigen Wronski verlässt und schließlich alles verliert. Dann Kitty Schtscherbazky, die eigentlich Wronski heiraten möchte und dann doch erkennt, dass ihre wahre Zuneigung Lewin gehört, einem sehr fortschrittlich und weitsichtig denkenden Gutsbesitzer. Und schließlich ihre Schwester Dolly, die wiederum unglücklich mit Annas Bruder Stiwa verheiratet ist. Außerdem viele, viele Nebenfiguren, die auf die Handlung, die schnell erzählt ist, mehr oder weniger großen Einfluss haben. Tolstoi erzählt die Geschichte der Anna Karenina in einem langen, ruhigen Erzählfluss mit viel Liebe zum Detail. Der Leser kann sich in die Landgüter und Stadthäuser der feinen und doch so verlogenen Welt des Moskauer und Petersburger Adels sehr schnell und wunderbar einfühlen. Ohne demaskierend zu sein durchzieht eine feine Ironie dieses gigantische Buch und hält dieser untergegangenen Welt einen Spiegel vor.

Anna Karenina ist neben Flauberts "Madame Bovary" und Fontanes "Effi Briest" die dritte unsterblich gewordene Ehebrecherin der Weltliteratur. Und sie steht mir von diesen drei Frauen doch am nächsten, da sie in diesem Buch so lebendig und kompromisslos ihren Weg geht, der Oberflächlichkeit trotzt und wahre Tiefe hat. Unbedingt erwähnen möchte ich auch noch, dass das Buch in keinster Weise mühsam zu lesen ist. Es hat zwar viel Zeitkolorit und ist doch sprachlich so wunderschön und zeitlos, das von den mehr als dreihundertachtzigtausend Worten keines zu viel und keines zu wenig ist!
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Anna Karenina
Anna Karenina von Leo N. Tolstoj (Taschenbuch - 1997)
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