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am 4. April 2009
"Leer ist die Rede jenes Philosophen, durch die kein menschliches Leiden geheilt wird. Denn wie eine Heilkunst nichts taugt, wenn sie nicht die Krankheiten aus dem Körper vertreibt, so auch nicht eine Philosophie, wenn sie nicht das Leiden aus der Seele vertreibt."

"Man soll nicht so tun, als ob man philosophiere, sondern wirklich philosophieren [also versuchen, die Welt zu verstehen und nach Wahrheit zu streben]. Denn wir bedürfen nicht des Anscheins, gesund zu sein, sondern wirklicher Gesundheit."

"Töricht ist es, von den Göttern zu erbitten, was man sich selbst beschaffen kann."

"Nichts ist ausreichend für den, dem das Ausreichende zu wenig ist."

Epikouros war ein griechischer Philosoph des Altertums, den ich als einen der weisesten ansehe. Das Buch enthält ein paar seiner Schriften, darunter auch interessante (wenn man bedenkt wann er gelebt hat) Gedanken über naturwissenschaftliche Themen. Seine positive Philosophie beginnt mit dem Grundsatz, daß das Leiden zu minimieren sei (was so evident ist wie die Hitze des Feuers). Fern davon, hemmungslosen Hedonismus zu propagieren, sind seine Worte voller Vernunft. Seine Argumente gegen Religion, Politik und so weiter, und der Umstand, daß seine Lehren Menschen deutlich weniger manipulierbar machen, sind wahrscheinlich der Grund dafür, daß er heutzutage weniger bekannt ist als andere Philosophen. (Vergleichbar mit dem Chinesen Chuang-tzu.)
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am 3. März 2015
Rezension zu: Epikur, G. Krüger, Von der Überwindung der Angst, 2. Aufl., München 2004

In den letzten Jahren ist ein neuerwachtes Interesse an der griechischen Philosophie zu beobachten. Neue Publikationen und Übersetzungen sind damit einhergegangen, wobei der Blickwinkel der Autoren meist ein akademischer gewesen ist, fehlte oft die Bezogenheit zur griechischen Welt; zwar informieren sie uns Leser über die Ereignisgeschichte der Philosophie, aber am Ende setzt sich der Eindruck, die griechische Philosophie sei Spekulation, Theorie, so dass wir letztendlich nur an ihrem Kern vorbeischrammen. Mit Epikuros kommen wir der Sache näher, nämlich der Philosophie als eine „praktische Lebenskunst“ (S. 5). Krügers Buch zum Leben und Denken Epikurs’ empfand ich als eine sinnvolle Bereicherung.

Epikuros ist einer der beeindruckendsten Vertreter der griechischen Philosophie gewesen. Bereits mit 14 Jahren wande er sich der Philosophie zu, wusste dabei seine Eltern stets hinter sich, denen er Zeit seines Lebens in Liebe verbunden blieb. Mangels anderer Optionen, ließ er sich in den Platonismus unterweisen, wechselte dann aber zur demokritischen Schule unter Nausiphanes über. Epikuros fasziniert deshalb, weil sich in seiner Schule Altes und Neues, klassische und hellenistische Zeit, Kollektiv und Individuum die Hand reichen. Als die Bindung an die Polis wegfiel, entwarf er ein Lebenskonzept, das vielen Menschen einen Halt gegeben hat. Er empfahl ausdrücklich den Rückzug aus der Politik, außer es geht nicht anders, und ein aktives Leben im Kreise Gleichgesinnter. Er ging mit gutem Beispiel voran und installierte einen solchen im eigenen Garten. Schon bald sollte seine Schule bis zu den Grenzen der griechischen Welt Bekanntheit erlangen. Wir nennen sie heute noch „Kepos“, dem griechischen Namen für „Garten“. Von den 300 Schriftrollen, deren Verfasser er gewesen sein soll, sind uns nur Fragmente und Briefe überliefert. Vieles über Epikuros wissen wir von zweiter Hand.

Ziel seiner Schule war ein glückliches Leben im Zeichen der Hedoné (Lust). Die Abwesenheit von körperlichem Schmerz und geistiger Unruhe war ihm die größte Lust; allein sie befähigt zu Glück, Ein Hedonist im heutigen Sinn ist er nicht gewesen. Trotz Krankheit, starb Epikuros mit 72 Jahren einen glücklichen Tod, weil er, wie die Philosophen vor ihm, keinen Unterschied zwischen Philosophie und Lebensweise machte. Denn bei Epikuros dient „die Philosophie der seelischen Therapie“ (S. 5). Seine Philosophie könnte man die Kunst des Seelenfriedens nennen. Weil Reichtum und Ehrungen Unruhe verursachen, empfiehlt er, nicht danach zu streben, ausgenommen ist die Befriedigung unserer natürlichen Bedürfnisse, natürlich im rechten Maß, denn Maßlosigkeit findet nicht zur Lust, beeinträchtigt unserer körperliche Unversehrtheit.

Auf dem Fundament seiner Kultur bauend, bewahrt er den Menschen vor seiner Angst vor dem Tod durch friedliche Akzeptanz seiner Unvermeidbarkeit. Er geht so weit und meint, der Tod würde uns eigentlich nichts angehen: solange wir hier sind, ist er fort, kommt er aber, sind wir bereits gegangen. Denn der Mensch endet mit seinem Tod, seine Seele löst sich in ihre Atome auf. Unsterblich sind nur die Götter, sie genießen ewige Seligkeit in ihrem Reich zwischen den Welten (Metakósmia), kennen keine Sorgen, bereiten auch den Menschen keinen Kummer. Weit entfernt von der Welt der Sterblichen befinden sie sich, sind mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Und doch verehrte sie Epikuros, in ihrer Glückseligkeit waren sie seine Vorbilder.

Abgesehen davon, war Epikuros auch Atomist. In seinen Schriften zum Universum, beschreibt er diesen zusammengefügt aus unzähligen Atomen, wie die Götter und die menschliche Seele auch. Im Grunde ist besteht alles aus Atomverbindungen. Manche seiner kosmologischen Thesen und Erklärungen klingen naiv in modernen Ohren, aber nur deshalb, weil die Atomphysik klaren Tisch machte, mit Messgeräten und Computern, die Epikuros nicht kannte, Segmente der Wirklichkeit zu Fakten machte. Epikuros war allein auf seinen Verstand und die Weltanschauung und Tradition seiner Ethnie angewiesen. Darin liegt seine Größe: die Wirklichkeit verstehen, deuten und anschließend vermitteln zu können.

Schon allein die Tatsache, dass er gewisse Elementarteilchen unterscheiden konnte, zeigt, dass wir es hier mit einem Denkgiganten zu tun haben, einer, der Newton, Marx und Nietzsche in seinen Bann zog.

Ich empfehle die Lektüre definitiv weiter, meine aber, dass der Titel des Buches zwar den Inhalt des Kepos auf den Punkt genau trifft, nicht aber das Buch selbst. Denn der Schwerpunkt liegt eher in der epikureischen Atomphysik. Nichtsdestotrotz laden Schriftart und -größe zum lesen, das Layout ist auch angenehm, vor allem aber ist im Buch auch der griechische Originaltext zur deutschen Übersetzung gedruckt, zu der es übrigens Anmerkungen gibt, die die Lektüre erleichtern sollen.

Meinen Dank an den Autor und den Herausgeber, das Buch lässt sich definitiv „sehen“.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 1. Juni 2005
„Angst ist heute zur Ware geworden", schrieb Günther Anders, und je mehr man sie benennt, kann man ergänzen, desto mehr nimmt man ihr den Schrecken. Der Zusatz, „Aus Angst sprechen nur sehr wenige", gilt ebenso für Epikur, der angstfrei sich mit seiner Philosophie in Anlehnung an die Atomisten und Vor-Sokratiker Leukipp und Demokrit einen über sein Leben hinausgehenden Ruhm erarbeitet hat. Seine Überwindung der Angst besteht aus der Erkenntnis der Notwendigkeit, Lust zu haben, das Leben so zu genießen, dass es nicht ausschweifend, sondern zur Stärkung von Geist und Seele genutzt wird. Seine Kritik an die Götter ist nicht Ablehnung, sondern Hinweis auf einen furchtlosen Umgang im Diesseits, da er das Leben nach dem Tod als nicht nachweisbar sieht. Epikurs Bezug zu dem furchtlosen Leben im Diesseits findet man bei Camus wieder.
Wenn sich tatsächlich durch „Freisein für die Freiheit" wie Heidegger behauptet, Angst bildet, so hat auch Epikur den Punkt gesehen und empfiehlt nach Auflösung der Gemeinschaft in der Polis, Freundschaften als Weg neuer Bindung. Ziel ist es, Freundschaften als Basis von lustvoller Zufriedenheit und Gelassenheit zu betreiben, immer mit dem Ziel, angstfrei Religion und Tod zu begegnen (vgl. S.19). Dieses zu erreichen, setzt eine unbedingte „innere Ruhe" (Meeresstille) voraus.
Angst als Folge einer Orientierungslosigkeit - damals nach Wegfall der Polis oder gar nach der Auflösung des römischen Reiches - hat einen hohen aktuellen Bezug. In diesem Zuge nahm das Christentum trotz Epikur an Bedeutung zu und bot Hilfe, wie in Joh 16,33: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden." Dieses hätte die Botschaft Epikurs sein können, der mit seiner Philosophie den Mut und die Eigenständigkeit in die Gesinnung der Menschen brachte, die wir heute ebenso gern sehen würden.
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39 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
HALL OF FAMEam 29. Oktober 2001
das schäbige handwerk der religionen, dass sie mit infiltrierter götterfurcht verhexte menschen erzeugen: dieses marionettenwerk wollte ein epikur durchschneiden. bis in die heutigen tage (im himmel bekommst du sieben frauen zur belohnung) wissen fundamentalistisch-religiöse verhetzungsnetze aberwitzige terroristen zu produzieren, die das betreten des lebens nach dem tode kaum abwarten können. der kampf der konfessionen hat sich 2.300 jahre nach epikur - unbeeinflusst von den erkenntnissen der griechischen philosophie - hochgeschaukelt. man könnte an der aufklärungsfähigkeit von philosophie überhaupt zweifeln, sähe man nicht teilströmungen der gesellschaften durchaus epikuräisches gedankengut aufgreifen. epikur suchte nämlich nicht nur die furcht vor göttern zu entkräften, sondern riet auch zur distanz zum politischen leben, das korrumpieren könne. stattdessen seien kleine freundeszirkel seelisch gesündere kontaktformen als das ringen um politische posen und hohle parolen. selbst was epikur immer vorgeworfen wird, die hinneigung zu erotischen genüssen, war ihm zumindest als gefahr im denken völlig bewußt: er predigte als ziel, sich eben gerade nicht in masochistische erbärmlichkeiten hineintreiben zu lassen durch abhängigkeiten von süchten. nicht sucht war das ziel, sondern gelassenheit und zufriedenheit. die erreicht man nicht im hemmungslosen ausleben von begierden - allerdings auch nicht in nonnenhafter lebenslanger apathisch selbstverabreichter körperfeindlichkeit. eine würdige, angemessene gratwanderung des annehmlichkeiten und gefühle klug abschätzenden verhaltens war epikurs zielrichtung - und insofern ist er immer noch hoch-aktuell und viel zu wenig wirklich bekannt...
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