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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unverzichtbares Werk für alle, die, der Aufklärung verpflichtet, den Diskurs zwischen den Religionen führen wollen
An diesem monumentalen Werk wird in den nächsten Jahrzehnten niemand vorbeigehen können, der sich ernsthaft mit der Geschichte des Christentums befasst. Vor allem in dem seit einigen Jahren doch sehr lebendigen Dialog über die Einschätzung von Religionen, insbesondere der christlichen, hat es seit seinem Erscheinen 2007 vielfältige Diskussionen...
Veröffentlicht am 3. Oktober 2008 von Winfried Stanzick

versus
45 von 123 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Toleranz gegenüber der kirchlichen Geschichte
Ein beeindruckendes Buch - in seiner Gedankenfülle und im Umfang der Quellen. Es wirkt wie das Lebensresümee eines engagierten Gelehrten.
Nachdrücklich wird herausgearbeitet, wie die Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zur Anerkennung der Einzigartigkeit und Wertschätzung jedes Einzelnen führen kann und wie damit der Weg zu...
Veröffentlicht am 19. November 2007 von Maxim Graf


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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein unverzichtbares Werk für alle, die, der Aufklärung verpflichtet, den Diskurs zwischen den Religionen führen wollen, 3. Oktober 2008
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
An diesem monumentalen Werk wird in den nächsten Jahrzehnten niemand vorbeigehen können, der sich ernsthaft mit der Geschichte des Christentums befasst. Vor allem in dem seit einigen Jahren doch sehr lebendigen Dialog über die Einschätzung von Religionen, insbesondere der christlichen, hat es seit seinem Erscheinen 2007 vielfältige Diskussionen ausgelöst.

Der Münsteraner Religionshistoriker und Priester Arnold Angenendt nimmt die Kritik am Christentum ernst, wie er in seinem Prolog zu dem Werk versichert. Und doch bezieht er sich lieber auf Jürgen Habermas, der vor einigen Jahren vor "einem unfairen Ausschluss der Religion aus der Öffentlichkeit" gewarnt hat. Habermas möchte die säkularen Gesellschaft nicht abschneiden von der wichtigen Ressource der Sinnstiftung und will "im eigenen Haus der schleichenden Entropie der knappen Ressource Sinn entgegen wirken".

Das opus magnum von Arnold Angenendt ist dazu ein wichtiger, fast unverzichtbarer Beitrag. Er beschreibt ungeschönt und vor allen Dingen ohne apologetischen Impetus die Geschichte des Christentums, mit allen Höhen und Tiefen. Auch die dunklen Kapitel werden nicht ausgelassen, aber anders als die altbekannten Kritiker wie Karlheinz Deschner oder die neuen Atheisten wie Richard Dawkins weist er immer wieder auf die positiven Beiträge der Christentums hin für die Ausbildung von gesellschaftlichen und rechtlichen Instanzen, die wir heute sehr schätzen und gerade dabei sind, gegen die Bedrohung etwas aus dem islamistischen Lager zu verteidigen, mit bislang nur geringem Erfolg, wie der Rezensent meint.

Hauptsächlich geht es ihm um die Tatsache, dass die drei Schwert-Worte im Neuen Testament immer wieder in ihrer wahren Bedeutung beachtet werden müssen, um ihrem neuerlichen Missbrauch entgegenzuwirken:
"Einmal das beim ersten Hinhören erschreckende Wort: 'Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert' (Mt.10,34). Gemeint ist das geistige Schwert der Abtrennung von der blutsverwandten Eigenwelt, also ein metaphorischer Gebrauch zur Bezeichnung schmerzhaft - notwendiger Lebensentscheidungen. Dem zweiten Schwert-Wort zufolge ist das Wort Gottes 'schärfer als jedes zweischneidige Schwert...; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens.' Das physische Schwert jedoch wird abgelehnt. Als Jesu Jünger ihn bei seiner Verhaftung mit einen realen Schwert verteidigen wollen, gebietet er: 'Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.'(Mt. 26,52)

Das sind die theologischen Grundlagen des Christentums und dem Autor gebührt Dank dafür, mit seinem großen historischen Werk erneut darauf hingewiesen zu haben. Ich kann es nur empfehlen für alle die Menschen, die die platte Kritik meiden und es lieber mit der wirklichen Aufklärung halten, eben auch im Diskurs um das strittige Thema Religion.
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41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht apologetisch, und gerade deshalb überzeugend!, 20. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Die solide historische Darstellung und Aufarbeitung der vielen Einzelprobleme in der Geschichte der Kirche (z.B. Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverfolgung, Judentoleranz und -verfolgung) durch Angenendt zeigt teilweise überraschende Ergebnisse. Den erfahrenen und vielfach ausgezeichneten Kirchengeschichtler leitet dabei weniger ein apologetisches Anliegen, dem die historische Wahrheit untergeordnet wäre, sondern vielmehr das Bestreben, die Dinge so darzustellen, wie sie entsprechend dem heutigen Stand der historischen Forschung in intellektueller Redlichkeit präsentiert werden müssen. Eben dadurch überzeugt das Buch und dient der jedenfalls nötigen Versachlichung einer oft in Angriff und Verteidigung polemisierenden Diskussion über Schuld und Unschuld der Kirche bzw. kirchlicher Verantwortungsträger. Fazit: Das Buch ist lehrreich, interessant und ermutigend - und eben darum lesenswert!
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48 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Widerlegung moderner Geschichtsmythen, 6. Januar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Wer heutzutage die Kirchen angreift, kann sich des Beifalls sicher sein. Weiten Kreisen gilt es als selbstverständlich, dass das Christentum für die meisten Übel der europäischen Geschichte verantwortlich ist, von den Kreuzzügen über die Inquisition, die Hexenverfolgungen und die Religionskriege bis hin zu jener geistigen Fehlentwicklung, die man mit der Zerstörung der antiken Toleranz beginnen, in der Ignoranz des Mittelalters gipfeln und im Versuch der Kirche, die neuzeitliche Wissenschaft in Gestalt ihres Helden Galilei zu unterdrücken, einen spektakulären Abschluss finden lässt.

Wer es wagt, diese dogmatischen Überzeugungen anzuzweifeln, stößt auf Unglauben. Arnold Angenendt, ein emeritierter Münsteraner Professor für Kirchengeschichte, hat es trotzdem gewagt und auf 800 Seiten in geradezu enzyklopädischer Weise den gegenwärtigen Wissenstand zu vielen dieser Themen ausgebreitet. Sein Buch ist in fünf Teile gegliedert, die dem Verhältnis des Christentums zur Toleranz, zu den Menschenrechten, zu Häretikern und Hexen, zu Krieg und Frieden sowie zu den Juden gelten.

Was die heidnische Toleranz anbelangt, so besteht ihr Untergrund, wie Angenendt zeigen kann, aus Ethnozentrismus und Fremdenfeindlichkeit. Polytheistische Religionen seien primär Stammes- oder Volksreligionen, deren Götter sich nur um das eigene Volk kümmerten, das seinen Angehörigen regelmäßig als das älteste, beste oder zivilisierteste der Welt erscheine. "Darum kann man die anderen Götter 'lassen', nicht eigentlich aus Toleranz, sondern aus Verachtung. Im eigenen Bereich herrschen die besseren Götter und dulden keinen Nichtverehrer" (S. 25).

Indem der Monotheismus seinen Anhängern eine persönliche Glaubensentscheidung abverlangte und ihnen zumutete, sich im Namen ihrer Religion allen traditionellen Autoritäten zu widersetzen, habe er einen Individualisierungsprozess in Gang gesetzt, ohne den es nie zur Entstehung eines "freien" Menschenbildes und dessen gesellschaftlicher Anerkennung gekommen wäre. "Das Individuum entsteht durch Monotheismus" (S. 90).

Weil der monotheistische Gott aber nur an freiwilliger Verehrung interessiert sei, entwickle sich sowohl im Christentum als auch in Judentum und Islam die Vorstellung, dass man niemanden zum Glauben zwingen dürfe und damit der Gedanke "echter" Toleranz. Toleranz sei also nicht etwas Natürliches und Selbstverständliches, sondern Ergebnis eines komplexen historischen Entwicklungsprozesses, zu dem der Monotheismus entscheidend beigetragen habe.

Schon am Wort werde dies deutlich. "Der Begriff 'Toleranz' als Bezeichnung für Beziehungen zwischen Menschen ist eine Hervorbringung altchristlicher Latinität. Nicht die römischen Klassiker, sondern die Kirchenväter und frühmittelalterlichen Theologen haben aus 'tolerantia' eine soziale Tugend, einen Leitbegriff zwischenmenschlichen Verhaltens und christlicher Gemeinschaftsbildung gemacht" (S. 233). Bis in die Neuzeit hinein sei das Neue Testament für den gesamten europäischen Diskurs der Toleranz zentral.

Als nicht weniger folgenreich habe sich die christliche Idee der Gottesebenbildlichkeit des Menschen erwiesen, in der man eine Vorstufe der heutigen Menschenrechtsvorstellungen erblicken müsse. Ihre praktische Wirksamkeit sieht Angenendt am besten durch die Anti-Sklaverei-Bewegung des 18. und 19. Jh. illustriert, die hauptsächlich religiös motiviert war. "Es waren primär die Kirchen und oft die lokalen Gemeinden, nicht die säkularen Clubs und Organisationen, die ausdrückliche Forderungen nach Beendigung der Sklaverei vorbrachten" (S. 225).

Außerdem habe das Christentum wesentlichen Anteil daran, dass in Europa eine neuartige Eheform entstand. Im Gegensatz zum eindeutigen Vorrang des Mannes im Islam und in den ostasiatischen Kulturen, "setzte sich im mittelalterlich-christlichen Europa die 'gattenzentrierte Ehe' durch, die nicht durch Abstammung und Familie bestimmt war, sondern aus dem 'Ein-Fleisch-Werden' der Eheleute hervorging, dabei primär auf Konsens beruhte und deren Mitte die Paarbeziehung bildete" (S. 177).

Angenendt räumt durchaus ein, dass die Katharerbewegung des 13. Jh. auf kirchlicher Seite zur Abwendung von der altchristlichen Toleranz führte. Bei allen Schrecken habe die damals aufkommende Inquisition allerdings weit weniger Opfer gefordert als lange Zeit behauptet wurde. Neuere Forschungen hätten ergeben, dass die Gesamtzahl der Hinrichtungen der spanischen Inquisition sich auf höchstens 6000, die der römischen auf 97 belief.

Für die Hexenverfolgungen ist das Bild noch überraschender. Diese wurden in Spanien und Italien durch die Inquisition UNTERDRÜCKT, während sie in Mitteleuropa von WELTLICHEN Instanzen ausgingen. Generell sei der Hexenglaube ein vormodernes Allgemeinphänomen, das in der Frühneuzeit gerade deshalb zu Lynchjustiz führen konnte, weil es von der offiziellen Kirche nicht ernst genommen wurde. Vor diesem Hintergrund müsse man bei der anzunehmenden Maximalzahl von 50.000 Opfern innerhalb von 350 Jahren eher die Frage stellen, warum nicht MEHR Hexen hingerichtet wurden und vermuten, dass die kritische Haltung der katholischen Kirche ein wesentliches Hindernis darstellte.

Hinsichtlich der Kreuzzüge verweist Angenendt darauf, dass sie von der Kirche offiziell als Verteidigungsmaßnahme gegen den vordringenden Islam und nicht als Heiliger Krieg ausgelegt wurden. Dennoch hätten die meisten Teilnehmer sie so aufgefasst und sich damit eindeutig von der urchristlichen Botschaft entfernt.

Viel unbedenklicher sei dagegen die Reaktion der Kirche auf die spanischen Eroberungen in Amerika gewesen, wie die Bulle Papst Pauls III. von 1538 belege, in der ausdrücklich befohlen wird, dass "die vorgenannten Indianer, auch wenn sie außerhalb des Glaubens leben, ihrer Freiheit und Verfügungsgewalt über ihre Güter nicht beraubt werden dürfen, und dass sie nicht zu Sklaven gemacht werden dürfen" (S. 467). Bekehrungen, so heißt es in der gleichen Bulle, sollten ausschließlich auf friedliche Weise erfolgen. Nicht zuletzt dieser und anderen kirchlichen Ermahnungen sei es zuzuschreiben, dass die Spanier bei der Behandlung der Eingeborenen insgesamt deutlich mehr Skrupel an den Tag legten als später Holländer, Engländer, Franzosen und Amerikaner.

Auch Angenendts Urteil über die kirchliche Judenpolitik ist vorteilhaft. Immer wieder hätten die Päpste gewaltsame Übergriffe auf Juden verboten. Im Kirchenstaat, der ihrer direkten Kontrolle unterstand, seien nie ernsthafte Belästigungen vorgekommen. Kein Papst habe je ein Pogrom gutgeheißen. Von Kontinuität zwischen kirchlichem Antisemitismus und dem nationalsozialistischen Judenmord könne daher nicht die Rede sein.

Obwohl er Fehler und Verbrechen nicht ausklammert, macht Angenendts historischer Abriss deutlich, wie viel das Christentum in den letzten 2000 Jahren für die Ausbreitung von Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit getan hat. Wie alle menschlichen Einrichtungen war es anfällig für Missbrauch. Nicht wenige Machthaber bedienten sich seiner, um Unterdrückung und Gewalt zu rechtfertigen, doch mussten sie den christlichen Glauben dabei in der Regel verfälschen.

Es erscheint fraglich, ob die Bilanz der Aufklärung, der nicht allein der Terror der Französischen Revolution, sondern auch etliche Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts zur Last gelegt werden könnten, bei genauer Überprüfung ebenso günstig ausfiele.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Nachschlagen und Nachdenken, 22. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Wahnsinnig interessantes Buch, sehr ausgewogene Darstellung von den heiklesten Kapiteln der Kirchengeschichte. Ein Nachschlagewerk,das man auch mit Freude von vorne nach hinten durchlesen kann.
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87 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorurteile werden beseitigt, 1. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Es gibt Bücher, die sind wichtig, weil sie zum Teil jahrhundertealte Vorurteile, die auch heute noch liebevoll gepflegt werden, beseitigen. Dazu gehört Angenendts "Toleranz und Gewalt". Wer eine umfassende historische Abhandlung über die "Verbrechen" der katholischen Kirche sucht, der hat sie mit diesem Werk gefunden. Aber Vorsicht! Die Geschichte lehrt andere Tatsachen, als die mediale Meinung in den vergangenen Jahrzehnten. Die Kirche ist weder eine Verbrecherorganisation, noch eine Sex- und lustfeindliche Einrichtung, die nur die Gängelung der Gläubigen (und Un- oder Andersgläubigen) im Schilde führte und führt.

Beispiele gefällig? Die Inquisition. Millionen von Tote gingen hier auf das Konto der Kirche, heißt es auch heute noch. Die historischen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Von 10 220 Toten geht die Encyclopedia Britannica aus, der französische Larousse von 80 000, der Dicionario encyclopedico hispano-americano sogar von 105 304 Opfern allein für die spanische Inquisition. Letztlich sind zwischen 1540 und 1700 rund 6000 Menschen der spanischen Inquisition zum Opfer gefallen. Bei der römischen Inquisition, auf die der Papst direkten Einfluss hatte, fallen die Zahlen noch deutlich geringer aus. Zwischen 1551 und 1800 wurden genau 97 (!) Menschen durch die Inquisition hingerichtet.

Auch die Vorreiterrolle der katholischen Kirche bei der so genannten Hexenverfolgung lässt sich nicht nachweisen. Hier waren vor allem die staatlichen Institutionen bemüht, unschuldige Frauen zu verbrennen. "Die massenhaften Prozesse während des Höhepunkts der west- und mitteleuropäischen Hexenverfolgungen im Zeitraum zwischen 1560 und 1700 mit ihren hohen Hinrichtungsraten waren das Werk weltlicher Richter", zitiert Angenendt den Katalog der Berliner Hexenausstellung von 2002. In den katholisch-europäischen Ländern Irland, Portugal, Spanien und dem Kirchenstaat gab es so gut wie keine Hexenverbrennungen. Angenendt geht von rund 50000 Opfern aus, der überwiegende Teil ohne Einflussnahme der katholischen Kirche. Zum Vergleich: Die französische Revolution forderte zwischen 1789 und 1794 etwa die gleiche Anzahl von Toten.

Angenendts Werk ist wichtig und sollte vor allem von Geschichtsklitterern wie Deschner oder Drewermann gelesen werden.
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43 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sie predigen Toleranz mit dem Schwert in der Hand, 19. Juli 2007
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Mehrere Jahre intensiver Arbeit hat der Religionshistoriker mit Priesterweihe Arnoldt Angenendt in sein magnus opum "Toleranz und Gewalt - Das Christentum zwischen Bibel und Schwert" gesteckt. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Unter Einbeziehung zahlreicher Quellen sowie den Ergebnissen der neuesten Forschung, gelingt dem Autor in weiten Teilen seiner Darstellung eine ausgewogene und unaufgeregte Analyse des Christentums (und auch des Islam sowie des Judentums) zwischen gepredigter Toleranz und täglich praktizierter Gewalt.

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt: In "Toleranz und Gewalt als menschliche Erstaufgabe" betrachtet Angenendt die beiden Phänomene als eine Konstante der Menschheitsgeschichte, die nicht erst durch das Entstehen der Monotheismen in die Welt gekommen seien. In "Gottesrechte und Menschenrechte" wird das bis heute gespaltene Verhältnis der katholischen Kirche zu den Menschenrechten betrachtet, welches "Mitleid zwar für die Armen, aber keine Menschenrechte" (129) predigt. Nach der französischen Revolution verurteilte Papst Pius VI. gar die "Mißgeburt der Menschenrechte" (138), ein Urteil, welches der Heilige Stuhl bis heute nicht revidiert hat. In Europa gibt es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur einen Staat, der die Menschenrechtserklärung nicht unterzeichnet hat: den Vatikanstaat. Der Abschnitt "Religionstoleranz vs. Religionsgewalt" wirft einen Blick auf christliche Denker wie Augustinus oder Thomas von Aquin, die zwar in ihren Schriften immer von der Notwendig zur Toleranz sprechen, im Zweifelfall aber auch Gewalt oder gar die Todesstrafe gegen Andersgläubige unterstützen. Mit einem Berg an Zahlenmaterial analysiert Angenendt das Ausmaß der Inquisition. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, das bei weitem nicht so viele Menschen von der Inquisition zum Tode verurteilt worden sind, wie weithin angenommen. So seien von der spanischen Inquisition in den Jahren zwischen 1540-1700 "nur" 826 Personen hingerichtet worden (vgl. 282). Dennoch gesteht Angenendt selbstkritisch ein: "Zum ersten Mal in der Christentumsgeschichte wurden massenhaft Ketzer hingerichtet. Das geschah zwar nicht willkürlich, sondern nach einer "Inquisition", endete aber doch mit Gewalt, und das war, gemessen an altchristlichen Maßstäben, unchristlich" (273). In "Heiliger Krieg und Heiliger Frieden" wird das Prinzip des gerechten bzw. heiligen Krieges im Christentum sowie im Islam unter die Lupe genommen. Im Zentrum stehen hierbei die Kreuzzüge mit ihren teilweise genozidalen Gewaltexzessen und die Eroberungszüge des Islam, die 1683 vor Wien ihr Ende fanden. Deutlich wird das imperiale Gebaren der beiden Religionen dargelegt und er Widerspruch zwischen toleranter Theorie und brutaler Praxis herausgearbeitet. Abschließend wird das Verhältnis zwischen Christen und Juden" dargelegt.

Für einen Christen ist das Maß an Selbstkritik durchaus überraschend. Angenedts abwägende Haltung kommt auch in seiner These zum Ausdruck: "Die dem Monotheismus entsprechende Religionsform hat ihre besonderen, ja einmaligen Möglichkeiten für Menschenwürde und Toleranz, freilich auch [...] ihre abgründigen Terrormöglichkeiten. Die tatsächlich abgelaufene Geschichte spiegelt alle Möglichkeiten" (90). Diesen Satz sollte man religiösen Fundamentalisten jedweder Colour ins Bewusstsein hämmern: Die heiligen Bücher enthalten keine Wahrheiten, sondern stellen lediglich eine Projektionsfläche dar, die sowohl toleranten als auch sadistischen Menschen eine Möglichkeit bietet, ihre Wünsche und Bedürfnisse wieder gespiegelt zu sehen.

Fazit: Fundierte Gesamtdarstellung mit einigen kleinen Schönheitsfehlern. Manchmal verliert sich Angenendt in seinem Zahlenmaterial, welches einfach nicht stimmen kann. Hier ein Beispiel: "[...] werden es hundert Jahre später, nämlich 2020, knapp 86 Prozent Über-60-Jährige und gerade noch 17 Prozent Unter-20-Jährige sein" (186). Dass 2020 insgesamt 103 Prozent über 60 bzw. unter 20 Jahre alt sein werden, ist natürlich Blödsinn. Dennoch mindern diese gelegentlichen Fehler nicht den positiven Gesamteindruck.
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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Christentum zwischen Gewalt und Toleranz, 26. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Aufgrund einer gegenwärtigen revisionistischen Geschichtsschreibung, nach der zum Beispiel die blutige Inquisition, mit der "die christliche Kirche ihre heiligsten Ideale" verriet, so der evangelische Religionswissenschaftler Gustav Mensching, als ein zumindest juristischer Fortschritt angesehen werden müsse oder nach der die Hexenverfolgungen gar nicht kirchlich betrieben worden sind, verfolgt der katholische Kirchenhistoriker Arnold Angenendt mit seinem Buch "Toleranz und Gewalt" das Ziel, die gängigen Beschuldigungen und Dauervorwürfe seitens der Kirchen- und Religionskritiker, wonach die römisch-katholische Kirche die "größte Verbrecherorganisation" sei oder wonach das Christentum die intoleranteste Religion ist, auf ihren historischen Wahrheitsgehalt anhand der religions-, kultur- und allgemeingeschichtlichen Forschungen der letzten zwanzig Jahre zu untersuchen.
Was dabei entsteht ist ein sehr differenzierter und kritischer Blick, der sich einerseits von Pauschalurteilen, die alles Negative allein dem Christentum, oder konkreter der katholischen Papstkirche verworfen, distanziert - wobei selbst so ein radikaler Christentumskritiker wie Karlheinz Deschner, der eine "Kriminalgeschichte des Christentums" verfasst hat, nicht so weit geht primitiv zu glauben, "wie meine Gegner verbreiten ... an allem Übel der Welt sei nur das Christentum schuld", so in seiner Einführung zum von ihm herausgegeben Buch "Das Christentum im Urteil seiner Gegner" - und andererseits sich nicht scheut auch die düsteren und blutigen Kapiteln in der Geschichte des Christentums aufzuzeigen, in der auch der hohe Klerus wenn auch nicht durchwegs involviert war.

Sehr aufschlussreich ist bereits das erste Kapitel in dem sich Angenendt mit dem Phänomen von Toleranz und Gewalt als "Urproblem seit Menschengedenken" auseinandersetzt. Die für uns als selbstverständlich geltenden Werte wie Menschenwürde, Freiheit und Toleranz "basieren auf einer Fülle von Voraussetzungen, die nicht einfachhin "natürlich" sind, die sogar einer widerstrebenden Menschennatur erst abgerungen werden müssen". Erst der Schritt von den Primärsystemen (also Primärreligion und -ethik) zu den Sekundärsystemen, also der Übergang von der Clan- und Stammesgesellschaft zu einer den Einzelnen individuell respektierenden Menschenwürde ermöglicht eine "unnatürliche" Umstrukturierung hin zu kulturellen Regeln, die den Menschen vom Naturwesen möglichst weit wegführt und ihn zu einem Kulturwesen macht, um "die Brutalität der natürlichen Anlagen des Menschen zu zähmen" (Julian Nida-Rümelin). Insofern ist die Geschichte der Menschheit eine "Geschichte der menschlichen Intoleranz und Gewalt", die auch das Christentum und Kirchengeschichte, überhaupt Religion insgesamt betrifft. Die Frage die sich Angenendt jedoch stellt ist, inwiefern Religion und speziell das Christentum die Anforderungen von Menschenwürde, Freiheit und Toleranz bestärkte oder aber behinderte. Nach dem katholischen Theologen betrieben die drei monotheistischen Religionen nur eine halbe Toleranz, "weil zwar Freiheit beim Eintritt proklamiert wird, aber Gewalt beim Austritt droht". Dagegen ist für ihn die biblische Idee der Gottebenbildlichkeit ein erster Ansatz "für Menschenwürde und Menschenrechte", weil er jedem Menschen gegenüber göttlichen Respekt und infolgedessen eine entsprechende Ethik und Politik verlangt und ermöglicht. Trotz dieses christliches Ansatzes waren die Päpste noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert entschiedene Gegner von Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Auch die Sklaverei, die eigentlich der christlichen Universalreligion mit ihrer Idee der Einheit und Gleichheit aller Menschen fundamental widerspricht, wurde "weniger durch die etablierte Kirche" beseitigt, als vielmehr von englischen und amerikanischen Dissenters aus dem 18. Jahrhundert, deren Motive allerdings religiös waren. Im Grunde muss man dem Religionswissenschaftler Michael von Brück zustimmen, der geschrieben hat: "Menschenrechte, Toleranz, die Gleichberechtigung der Geschlechter usw. sind fast überall gegen die Institutionen der Religion erfochten worden."
Die Inquisition mit den Ketzertötungen hätte, wenn sich die Kirche an dem biblischen Weizen/Unkraut-Gleichnis und am dem Feindesgebot Jesu orientiert und gehalten hätte, sich im christlichen Abendland nicht etablieren dürfen, auch wenn sie juristisch ein Fortschritt gewesen war, kirchlich aber einen Rückschritt bedeutete. Für die Hexenprozesse hat die revisionistische Geschichtsschreibung ebenfalls neueste revidierende Erkenntnisse herausgearbeitet: "weder Millionen Opfer, noch mittelalterliches Phänomen, sogar Ablehnung seitens der Päpste und der Inquisition". Trotzdem auch hier wieder eine gewaltige Mitschuld der Kirche und der christlichen Theologen, für die die Hexerei als existent und strafbar galt. Deswegen verstehe ich nicht warum Angenendt anzweifelt, ob der Hexenhammer, verfasst von einem Dominikanermönch, "überhaupt als kirchliches oder gar katholisches Buch zu bezeichnen ist". Dabei war der Hexenhammer nur ein Kommentar zur Hexenbulle von Papst Innozenz VIII., die dem Wahn die Sanktion der Kirche gab, und außerdem berief sich der Verfasser häufig auf eine lange Reihe von Kirchenvätern und Theologen, so unter anderem auf Thomas von Aquin.

Insgesamt verwendet Angenendt folgende Argumentation: nach ihm sind die Religionskriege, überhaupt alle Kriege im christlichen Abendland, der direkte und indirekte Genozid der indianischen Urbevölkerung, die Gewaltmission, die Kreuzzüge, die Ketzertötung, Hexen- und Judenverfolgung "unchristlich", da sie vollkommen der Friedensbotschaft Jesu oder zumindest dem christlichen Konzept des "gerechten Krieges" (obwohl Jesus niemals von einem gerechten Krieg sprach) widersprechen. Auch wenn diese Gräueltaten nicht immer von den Päpsten und dem hohen Klerus sanktioniert waren, so waren es doch immer Christen, die daran beteiligt waren und vielfach ist nur ein moralisches Versagen der katholischen und evangelischen Kirche festzustellen, insbesondere da wo es um das Thema "Antijudaismus und Antisemitismus" geht.
Aufgrund des umfangreichen Quellenmaterials kann sich der Leser jedoch selber seine Meinung bilden, ob es sich hierbei um eine tatsächliche "Kriminalgeschichte des Christentums" handelt oder ob es sich beim Christentum um eine prinzipielle Friedensreligion handelt, die historisch pervertiert wurde.
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5.0 von 5 Sternen Super, 13. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Hier wird sehr umfassend und fundiert dargelegt, welche Rolle das Christentum und insbesondere die Katholische Kirche in ihrer 2000 jährigen Geschichte spielt(e) - eine sehr wichtige, und entgegen der landläufigen Meinung eine durchaus sehr positive Rolle. Der Autor stellt den aktuellen Stand der Geschichtsforschung dar - belegt mit unzähligen Quellenverweisen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie es wirklich war, 17. Januar 2014
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt (Kindle Edition)
Einer der Überväter des modernen Atheismus, der Hegelianer Ludwig Feuerbach, würdigte die kulturhistorische Bedeutung der Religion des NT in "Das Wesen des Christentums" einst wie folgt: "An die Stelle Roms trat der Begriff der Menschheit, damit an die Stelle des Begriffs der Herrschaft der Begriff der Liebe." Solch eine Fähigkeit zur Differenziertheit ist in den prononciert atheistischen Kreisen unserer Tage selten geworden. Im Auftreten oft nicht weniger borniert wirkend als Vertreter religiöser Extremismen, wärmt man auch längst überholte Geschichtsmythen, wie die von der sonnigen, areligiösen griech.-röm. Antike, dem finsteren, „christlichen“ Mittelalter, einer angeblich atheistischen Aufklärung, die in lauterer Menschenfreundlichkeit den antiken Idealen allem christlichen Gegenwind zum Trotz neu zum Durchbruch verhalf usw. wieder auf. Dies mag dazu beitragen, dass man sich in der Profession der Historiker in den letzten Jahren vermehrt auf diesen Themenkomplex Bezug nimmt, da und dort die entsprechende Forschung intensiviert. Vieles, was so zutage gefördert wurde, lässt die Historie des Abendlandes noch einmal in einem gänzlich anderen Licht erscheinen. Angenendt lässt in seinem Buch die Creme de la Creme der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft und Sozialphilosophie mit relevanten Beiträgen Revue passieren.

Inquisition
Mit der Inquisition verging sich die Kirche dem Autor zufolge gegen ihre ureigensten, altkirchlichen Ideale. Mit der Verfolgung von Waldenser, Albigenser, Hussiten, Lutheraner, Zwinglianer und Kalvinisten wendete sie sich praktisch sogar gegen ein konsequent am NT ausgerichtetes Christentum. Dennoch gestaltete sich Inquisition anders als gemeinhin geglaubt. Historiker merken inzwischen an, dass mit ihr eine Wiederbelebung des römischen Rechts stattfand. Es wurde durch Beweisaufnahme eine Urteilsfindung angestrebt, nicht mehr durch Wasser- und Feuerproben oder dgl. Inquisitoren wurden überhaubt erst dann aktiv, wenn in einer Region Phänomene der Irrlehre überhand nahmen. Zunächst wurde versucht, mit öffentlicher Lehr- und Predigttätigkeit Korrekturen zu erwirken. Erst dann wurden einzelne verdächtige Personen verhört. Dabei wurde zunächst darauf abgezielt, Einsicht und Buße zu erzeugen. Ein Geständnis samt glaubhaftem Sinneswandel hatte i.d.R. Absolution und schlimmstenfalls leichtere Bußauflagen zur Folge. Erst bei hartnäckigem Beharren übergab man – nach Verurteilung - den Beschuldigten der weltlichen Gerichtsbarkeit mit der – freilich nicht immer sehr glaubwürdig wirkenden - obligatorischen Formel, im Strafmaß Barmherzigkeit walten zu lassen.

Auf Häresien wurde über Jahrhunderte hinweg seitens der Kirche nur sehr sporadisch reagiert. Mittelalterlicher Atheismus etwa – das zeigen jüngste Studien der Historikerin Dorothea Weltecke – wurde eher als seelsorgerliche Problematik behandelt. Mit der Katharerbewegung entstand allerdings im 13. Jh. aus Sicht der Kirche eine echte Bedrohung für den Erhalt der Lehre. Die frühneuzeitliche Inquisition ging dann noch organisierter gegen Häretiker vor. Alle Historiker, die in jüngerer Zeit auf diesem Feld geforscht haben, seien jedoch überrascht über die verhältnismäßig kleinen Hinrichtungszahlen. So kommt der kenntnisreiche Gustav Henningsen für die Spanischen Inquisition in der Zeit zwischen 1540 und 1700 auf 44.647 Prozesse, in deren Anschluss bei 1,8% der Fälle die Todesstrafe vollstreckt wurde. Insgesamt seien während der spanischen Inquisition höchstens 6000, während der römischen 97 Menschen hingerichtet worden. Die kirchlichen Gerichte seien in der Strafzumessung und Verhörmethoden (Folter) weit zurückhaltener gewesen als die weltlichen. Auch die Zustände in den Inquisitionsgefängnissen hoben sich offenbar positiv vom sonstigen Strafvollzug ab.

Hexenverfolgung
"Unüberwindlich", so Angenend, sei "der Vorwurf, die Kirche habe die Hexen-Verbrennung betrieben, sogar millionenfach. Der Spezialist auf diesem Gebiet Wolfgang Behringer dreht es andersherum: Ohne die Kirche wären es weit mehr Opfer geworden. Denn in aller vormodernen Welt waren und sind, wie heute noch in Afrika, Hexerei-Verfolgungen „normal“. Dementgegen hat die Kirche bis ins Spätmittelalter alles Hexerische als Wahnvorstellung abgetan. Tatsächlich haben die Päpste wie die Kirchengerichte und sogar die Inquisition - was uns nur schwer in die Köpfe geht - die Hexen-Tötung abgelehnt, gerade auch in den Verfolgungswellen der Frühmoderne. Die Todesurteile sprachen weltliche Gerichte aus, zumeist mit Billigung der juristischen Fakultäten, nicht der theologischen." Die Hexereiverfahren der frühen Neuzeit wurden überwiegend von weltlichen Gerichten geführt. Von Opfern in Millionenhöhe kann längst nicht mehr die Rede sein. Die Forschung geht heute von ca. 50.000 Hinrichtungen aus. Maßgeblich beigetragen zur Beendigung der Hexenprozesse haben interessanterweise keineswegs die eher säkular gesinnten Aufklärer, sondern u.a. der dem Pietismus nahe stehende Christian Thomasius sowie der Jesuit Friedrich Spee.

Antijudaismus
Immer wieder einmal ist davon die Rede, dass der Holocaust seine Wurzeln im mosaischen Monotheismus, der angeblich unweigerlich Feindseligkeit gegen Andersgläubige impliziere, sowie in einem vermeintlichen neutestamentlichen Antisemitismus habe. Diese Thesen sind nicht zuletzt deshalb so problematisch, weil damit praktisch die "Urschuld" an den Verbrechen des Nationalsozialismus den Juden selbst aufgebürdet wird. Man übersieht dabei völlig, dass die Nazis nicht von religiösen Motiven angetrieben waren, sondern von rassehygienischen Theorien, denen u.a. auch - hätte man sie nicht gestoppt - weitere Teile der als "rassisch minderwertig" eingestuften osteuropäischen Bevölkerung zum Opfer gefallen wären. Dass o.g. Thesen besonders im deutschen Raum ihre Anhänger finden, spricht denn auch für sich. Dabei äußert sich gerade Paulus, der obgleich selbst Jude, gern zum Initiator des Judenhasses gemacht wird, indem einzelne Äußerungen von ihm aus dem Kontext gerissen werden, zu diesem Thema ausführlich und unmissverständlich in Röm. 9-11. Eine theologische Abgrenzung von den Juden freilich, betrieb das Christentum (wie umgekehrt in vielfältiger Weise auch die Juden) logischer Weise von Anfang an. Dass dies als Ausgangspunkt für fremdenfeindliche Hetze und Ausschreitungen gegenüber einem Volk im Volke immer wieder missbraucht wurde, steht außer Frage.

Die Päpste sahen sich ebenso wie die weltlichen Regenten als Schutzherren der Juden. Tatsächlich setzten sie sich immer wieder vehement für die Unversehrtheit der jüdischen Minoritäten ein. So etwa im 12. Jh. Papst Eugen III. mit der Bulle Sicut Judaeis, die Zwangstaufen, Strafvollzug ohne Rechtsverfahren, erpresste Dienste verbot, sowie gebot, die Juden ungestört ihre Feste begehen zu lassen und ihre Friedhöfe zu schützen. Verstöße konnten eine Exkommunikation zur Folge haben. Im 13. Jh. brandmarkten die Päpste Innozenz IV. und Martin V. antijüdische Legendenbildungen der Zeit als infame Lügen, ebenso später, im 18. Jh. Benedikt XIV. Andererseits gab es eine über weite Strecken paranoid anmutende Furcht vor dem intellektuellen, religiösen, gesellschaftlichen Einfluss der Juden. Dies führte dazu, dass immer wieder auch vom Vatikan aus repressive Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung erlassen wurden, die man dann periodisch durchhielt, um sie schließlich wieder zu lockern oder aufzuheben. Dazu gehört eine besondere Kleiderordnung, Ghettoisierung, das Vorgehen gegen jüdisches Schriftgut, eine rechtliche Sonderstellung, Berufsverbote.

Auch die Reformation setzte keine durchschlagend neuen Akzente für den zwiespältigen Umgang mit der jüdischen Minorität. Vom jungen Luther gingen noch Hoffnungszeichen aus; der späte Luther erging sich dann jedoch in ähnlich schlimmen Äußerungen, wie sein humanistischer Zeitgenosse Erasmus oder der sich deutlich vom Christentum distanzierende Giordano Bruno. Auch in der folgenden Epoche der Aufklärung ist die Bilanz nicht wirklich positiv. Der Kreis um Lessing setzte sich für Toleranz ein. Voltaire, Lichtenberg, Kant ergingen sich in antisemitischen Ausfällen. Der Pietismus hingegen nahm mit dem Plädoyer für die Emanzipation der Juden eine Vorreiterrolle ein.

Schwer nachvollziehbar bleibt die über lange Zeit passive Haltung des Vatikan gegenüber den Entwicklungen im Hitler-Deutschland. Erst in seiner Weihnachtsansprache 1942 bekundete Pius XII. seine Sorge um die "Hunderttausende, die ohne eigenes Verschulden, bisweilen nur aufgrund ihrer Nationalität oder Rasse dem Tod oder fortschreitender Vernichtung preisgegeben sind." Ansonsten erging jedoch die Weisung, keine konfrontative Kritik zu üben, "um nicht denen zu schaden, die wir retten wollen." Interventionen mit dem Ziel, Fluchtwege ins Ausland zu öffnen, erwiesen sich als nicht sehr effektiv. Immerhin verhinderte der Vatikan durch Aufnahme in Kirchen, Seminare, Pfarren, Klöster usw. 1943 die Deportation von ca. 7000 Juden aus Rom. In der Evangelischen Kirche reagierte man auf den NS anfangs weit unkritischer als in der katholischen. Je deutlicher dessen Charakter hervortrat, desto mehr Widerstand entwickelte sich dann jedoch. Der Vorgängerorganisation der Bekennenden Kirche - dem Pfarrernotbund - waren 1934 bereits rund 7000 von 18.000 Pfarrern beigetreten. Die BK bezog immer wieder auch gegen den eskalierenden Judenhass Stellung.

Eroberung Amerikas
Die Eroberung Amerikas ist zweifellos ein düsteres Kapitel. Besonders infolge der Infektion mit von den Europäern eingetragenen Krankheitskeimen, denen das Immunsystem der Ureinwohner nicht gewachsen war, starben unzählige von ihnen. Zudem gab es zweifellos auch schweres und vielfältiges Unrecht im Umgang mit den "Indianern". Allerdings geht es dem Autor darum, auch hier genau hinzuschauen und zu differenzieren. In der Bulle Papst Pauls III. von 1538 ordnet dieser an, dass "die vorgenannten Indianer, auch wenn sie außerhalb des Glaubens leben, ihrer Freiheit und Verfügungsgewalt über ihre Güter nicht beraubt werden, und dass sie nicht zu Sklaven gemacht werden dürfen" Auch gegen Zwangsbekehrungen spricht sich Paul deutlich aus.

Die Situation in Südamerika veranlasste ein grundsätzlicheres Nachdenken über die Frage allgemeiner Menschenrechte bzw. Völkerübergreifender Gerechtigkeitskriterien. Der spanische Dominikaner Francisco de Vitoria gilt als ein, wenn nicht der Begründer des Völkerrechts. Basierend auf Berichten seines Ordensbruders Las Casas kritisiert er die spanische Eroberungspraxis im südlichen Amerika: „Die Spanier sind die Nächsten der Barbaren, wie aus dem Gleichnis des Samariters im Evangelium hervorgeht. Sie sind daher verpflichtet, die Nächsten wie sich selbst zu lieben.“ Balthasar Ayala, ebenfalls spanischer Spätscholastiker knüpfte bei Vitoria an, desgl. dann Alberica Gentili , der Jesuit Francisco Suarez, schließlich der Niederländer Hugo Grotius.

Kreuzzüge
Auch in Bezug auf die Kreuzzüge rückt der Autor manches gerade. Von Beutegier waren diese nicht motiviert. Für manch einen Edelmann bedeuteten sie eher finanziellen Ruin. So musste Gottfried von Bouillon die Grafschaft Verdun an den französischen König veräußern, um sein Heer finanzieren zu können. Ritter mussten im Schnitt fünf Jahreseinkommen aufbringen; in Relation zum eigenen Besitz noch größer war die Last für die teilnehmenden einfachen Leute.

Abwegig ist auch die Vorstellung, die Kreuzzüge hätten Christianisierung und Zwangsmissionierung zum Ziel gehabt. Sie waren vielmehr in erster Linie eine Reaktion auf das dringende Hilfegesuch des byzantinischen Kaisers vor dem Hintergrund der immer bedrohlicher werdenden islamischen Expansion; in zweiter Linie ging es um die Rückeroberung der heiligen Stätten in Jerusalem bzw. Palästina sowie die Sicherung der Pilgerwege. Allein unter dem Kalifat Tariq al-Hakim wurden ca. 30.000 Kirchen – u.a. auch die Grabeskirche zerstört, Christen waren schwersten Repressalien ausgesetzt, öffentliche Gebete bei Todesstrafe verboten. Bereits Gilbert Chesterton hatte lapidar vermerkt, dass bereits lange bevor „die Ritter überhaupt von Jerusalem träumen konnten, die muslimischen Krieger auf Paris zuritten.“ Die tatsächlich auf Islamisierung abzielenden Heiligen Kriege der Muslime hatten im 7. und 8. Jh. weite Teile des mittleren Ostens, Nordafrika und Spanien erobert und wurden erst 732 in der Schlacht von Tours und Poitiers durch Karl Martell gestoppt und zurück gedrängt.

Angenendts Darstellung neuster Forschungsergebnisse zur "Kriminalgeschichte des Christentums" lässt vieles was bislang als "historische Tatsache" galt, in einem anderen Licht erscheinen. Dies sollte freilich nicht vergessen lassen, dass es schlimme Entgleisungen trotz allem gab. Wie sieht es nun aber mit der Segensgeschichte des Christentums aus?

Universalismus
Mit dem Christentum, so Angenendt, sei in historisch einmaliger Art und Weise der Gedanke der Gleichheit aller Menschen in die Welt gekommen. Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person (Jak. 2, 1-9). Für Christen „gibt es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau“ (Gal 3,27f). Jesus nennt die seine "Mutter und Brüder", „die den Willen des himmlischen Vaters erfüllen“ (Mt 12,50). Gott ist aus jedem Volk „willkommen, wer ihn fürchtet und ehrt“ (Apg 10,35). Mit dem Missionsbefehl wurde dem Christentum ebenso eine universalistische Dimension zuteil, wie mit der Erweiterung des Nächstenliebegebotes über die eigenen ethnischen und religiösen Grenzen hinaus. "Der eine und einzige Gott begründet die Einheit der Menschheitsfamilie und damit die Gleichheit aller Menschen. Die stärksten Bindungen, die aus Blut und Verwandtschaft, müssen zugunsten universaler Offenheit gekappt werden: Kirche ist dort, wo sie sich aus vielen Völkern vereint - so eine altkirchliche Selbstbestimmung. "

Auch Europas gemeinsame kulturelle Identität sei "das Ergebnis geistiger und kultureller Prozesse, die über nahezu zwei Jahrtausende hier ihr Zentrum überwiegend in der Religion besaßen; tonangebend war das Christentum“, so der Historiker Heinz Schilling. Nachdem europäische Regentschaft über Jahrhunderte nationale und ethnische Grenzen überschritt, ging der moderne Nationalismus aus der Französischen Revolution hervor. Die zwischenstaatlichen Konflikte die sich in der Folge dessen ergaben, kosteten Millionen Menschen das Leben. Während man heute wieder stärker dazu tendiert, europäische Identität nicht aus den christlichen Wurzeln zu begründen, war dies für die Väter der Europäischen Einigung nach dem 2. WK nicht nur in der historischen Perspektive ein sehr zentrales Moment. Die Europa-Idee nach 1945, so auch H.A. Winkler im zweiten Band seines Werks „Die Geschichte des Westens“ war eine speziell „katholische Utopie“, vorangetrieben von katholischen Politikern wie Alcide de Gasperi, Robert Schuman und Konrad Adenauer.

Menschenwürde
Naturalistisches Denken hatte von jeher Schwierigkeiten damit, sich mit einer herausgehobenen Stellung des Menschen, seiner speziellen Würde anzufreunden. In der griechischen Antike machten Platon und Aristoteles den Adel des Menschen an der "Geistseele", dem göttlichen Element in dessen Existenz, sowie seiner Fähigkeit zur Gotteserkenntnis fest. Ähnlich stellt die Stoa (Epiktet, Cicero) auf Vernunftbegabung und Gottesebenbildlichkeit ab. In der Bibel sieht F. J. Wetz, atheistischer Philosoph und Sozialethiker, in seinen "Texte[n] zur Menschenwürde"„eine Reihe von Bestimmungen des Menschen aufgezählt, auf die anschließend die Kirchenväter den Begriff der Menschenwürde beziehen werden. Allen voran ist die menschliche Gottebenbildlichkeit zu nennen, außerdem die herausgehobene Stellung des Menschen unter allen sonstigen Lebewesen sowie der göttliche Auftrag an den Menschen, über die Kreaturen der Erde zu herrschen. Im Neuen Testament kommt die Menschwerdung Gottes hinzu, durch die der Mensch vor allen übrigen Kreaturen geadelt und von der Sünde, die ihn um seine Unsterblichkeit und Herrlichkeit gebracht habe, befreit werde."

Auch Jürgen Habermas sieht in der Religion einen Glutkern, der neben aller Aufklärung normative Gehalte hervorgebracht habe, so die Idee der Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Eine säkulare Gesellschaft dürfe sich davon nicht abschneiden, mahnt er in „Glauben und Wissen“. Der Religionssoziologe Hans Joas, so Angenendt, sieht in „Glaube als Option“ die Menschenrechte erst dort gesichert, wo das Individuum mit Sakralität umkleidet und dadurch unantastbar gemacht ist. Hans Jonas, der in „Das Prinzip Verantwortung“ in Anbetracht "heutiger Eingriffsmöglichkeiten in die Substanz von Kosmos und Mensch die Wiederherstellung der von der Aufklärung zerstörten Kategorie des Heiligen, der Unantastbarkeit" fordert, findet ebenfalls Erwähnung.

Bildung
Jesus, so der Autor, gab dem zentralen jüdischen Gebot "Liebe Gott...." eine "griechische Zutat": nicht nur soll diese Liebe mit "ganzem Herzen" geschehen, sondern auch mit "allem Verstand". Aus dem heraus sei die christliche Theologie entstanden. I.d.T. wurde Bildung bereits in der Urgemeinde hoch geschätzt. Die Patristik führte die geistige Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Philosophie auf höchstem Niveau. Gerade dies fand in den vielen anderen Kulten jener Zeit kaum statt und war einer der Gründe dafür, dass das Christentum so viel Zuspruch in den gebildeten Eliten fand. Sowohl die ursprünglichen christlichen Ideen wie auch das antike Bildungserbe lebte dann nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches und den darauf folgenden Wirren zunächst v.a. in den oft in Opposition zur institutionellen Kirche gegründeten Klöstern fort. Bibliotheken waren häufig jedoch auch an ganz normale Kirchen angeschlossen.

Die Kloster- und Domschulen wurden dann zur Plattform der Wissensvermittlung. Aus ihnen ging schließlich die Universität als organisierte Hochschule hervor. Sie stellt ein weltgeschichtliches Novum dar, gilt als „europäische Institution par excellence“. Der Autor zitiert in diesem Zusammenhang den Historiker Michael Borgolte: „Im Vergleich mit den Byzantinern, die an ihrem überkommenen Stoffkanon und ihren traditionellen Lehrmethoden festhielten, mit den Muslimen, die die Herausforderung der griechischen Hinterlassenschaft vom Kern ihres Schulwesens fernhielten, und auch mit den Juden, die sich wie eh und je auf die Auslegung von Bibel und Talmud konzentrierten, erscheinen die Innovationen des okzidentalen Bildungswesens geradezu revolutionär“

Soziale Gerechtigkeit
Der Ägyptologe Jan Assmann setzt mittlerweile in seiner zuvor eher kritischen Bewertung des Monotheismus neue Akzente („Die Mosaische Unterscheidung oder ihr Preis des Monotheismus“). Judentum und Christentum hätten Gott zum Repräsentanten von Gerechtigkeit, Sittlichkeit und Liebe erhoben. Dies habe eine psycho-historische Entfaltung ausgelöst, da Menschen danach streben, sich der Eigenschaftlichkeit des verehrten Gottes anzunähern.
Jesus antwortete einst auf Frage nach dem Willen Gottes für das menschliche Handeln, mit dem Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben (Mk 12,30f). Der französische Althistoriker Paul Veyne schildert, wie sich dies im sozialen Kontext konkretisierte: „Die jüdische Pflicht der Almosen gelangt auch in die alte Kirche, die mit Hospitälern, Hospiz- und Armenhäusern die organisierte Wohltätigkeit erfand, welche in säkularisierter Form im heutigen Sozialstaat weiterlebt“.

Humanitas hatte in der griech.-röm. Antike keinen großen Stellenwert. Die Idee sozialer Gerechtigkeit, einer gesellschaftlichen bzw. persönlichen Verantwortung für Menschen die weniger besitzen als man selbst; für Arme, Heimatlose, Kranke, Ausgestoßene – sowohl im AT wie im NT sehr ausgeprägt – findet sich bei den Denkern der Griechen und Römer, wie auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit dieser Zeit kaum. Ein Netz von Herbergen für Fremde und Kranke wurde bspw. erst im 4. Jahrhundert n. Chr. durch die dem Kirchenvater Hieronymus nahe stehende Römerin Fabiola im Römischen Reich eingeführt. Im alten Rom kümmerte man sich bestenfalls um die Soldaten.

Angenendts Buch zu lesen ist erhellend und unglaublich spannend, wenngleich eine leichte katholische Schlagseite da und dort nicht zu übersehen ist. Bald nach der Publikation von "Toleranz und Gewalt" gab sich einer der prominentesten deutschen Kritiker des Christentums, Herbert Schnädelbach, zumindest bezüglich seiner Einschätzung der historischen Bedeutung des Christentums geläutert. Den Autor ließ er wissen: "Ihre kulturgeschichtlichen Argumente haben mich überzeugt."
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Toleranz und Gewalt, 28. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Broschiert)
Ein wunderbarer Streifzug über historische Realität und Klischees. Religion und Gewalt haben in der europäischen Geschichte eine grosse Rolle gespielt. Seien es die Kreuzzüge, die Hexenverbrennung, der 30 jährige Krieg, Nordirland, Sunniten vs. Schiiten.
Es ist egal. Solange es Interessengruppierungen gibt, die glauben im Besitz der allein gültigen Wahrheit zu sein, wird die Gewalt nicht abnehmen, sondern immer wieder in anderen Gewändern auftreten
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Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert
Toleranz und Gewalt: Das Christentum zwischen Bibel und Schwert von Arnold Angenendt (Broschiert - 6. November 2012)
EUR 19,80
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