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am 19. Mai 2010
Ich denke über den Inhalt muss nicht mehr viel gesagt werden, das Buch ist sehr bekannt und wurde auch vielfach verfilmt.
Die Aufmachung ist schlicht, aber stilvoll. Allerdings hatte der Korrekturleser wohl einen schwachen Tag, denn ich musste in dieser Taschenbuchversion leider verhältnismäßig viele Rechtschreibfehler entdecken, die das Lesevergnügen - zumindest für mich - immer wieder beeinträchtigen...
Daher empfehle ich diese Ausgabe nur mit Einschränkung.
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am 2. Juli 2012
Mit 'Frankenstein' schaffte Mary Shelley 1816 einen dunklen gesellschaftskritischen Roman.

Robert Walton befindet sich auf einem Schiff im Eismeer. Er und seine Schiffskameraden bleiben im Eis stecken, auf welchem wenig später ein Mann auftaucht, der dem Tode nahe ist. Sein Name ist Victor Frankenstein.
Walton kommt mit dem jungen Naturwissenschaftler ins Gespräch und so berichtet er ihm von seiner Suche nach dem dämonischen Unhold, den er einst selbst erschaffen hat, und der ihm, bzw. seinen Familienmitgliedern viele grausame Dinge angetan hat. Er notiert diese Erzählung und verfasst sie in einem Brief an seine Schwester.

Victor Frankenstein stammt aus Genf, und hat ein Studium der Naturwissenschaften in Ingolstadt absolviert. Während seines Studiums befasste er sich zunehmend mit der menschlichen Materie und schafft sich selbst einen Menschen, den er eigenhändig zum Leben erweckt. Als dieses Wesen erwacht, ist Frankenstein jedoch so erschrocken von dessen Gestalt, dass er schlagartig die Flucht ergreift.
Nachfolgend beginnt Frankensteins erschaffenes Monster, welches im Roman stets als Unhold oder dämonische Kreatur bezeichnet wird, nicht nur Frankensteins Familie zu ermorden, sondern auch später dessen besten Freund. Der Unhold und sein Schöpfer treffen aufeinander, und Victor erfährt, dass die Kreatur ursprünglich einen guten Willen hatte und nur bösartig geworden ist, weil die Gesellschaft ihn zu einem bösen Wesen gemacht hat. Von den Menschen die er (über lange Zeit) gesehen und beobachtet hatte, wurde er genau so zurückgestoßen, wie einst von Frankenstein selbst'aus diesem Grund hat er seinem Schöpfer Rache geschworen.

Die Geschichte um Dr. Frankenstein und sein erschaffenes Wesen zeigt die Oberflächlichkeit und die Überheblichkeit der Menschheit auf, die ein gutmütiges Geschöpf zu einem dämonenähnlichen Wesen mutieren lässt ' der Roman stellt also eine Superbia-Kritik, die für die Epoche der englischen Spätromantik typisch ist. Durch das furchterregende Aussehen des 'Unholds' glauben die Menschen vom Anfang an, Misstrauen und Angst gegenüber einer Kreatur haben zu müssen, die eigentlich keine bösen Hintergedanken hat. Die Persönlichkeit des Wesens ist durch seine Vergangenheit, in der es von der Gesellschaft nicht akzeptiert wurde, geprägt, sie gleicht dem Byronschen Helden. Die Handlung erinnert an die Abstoßung Lucifers im Christentum, und stellt gleichzeitig einen Teil der Spätromantik dar, in der das Böse und Furchterregende in Wirklichkeit gar nicht so schlecht und böswillig ist, wie es die Gesellschaft denkt.

Stilistisch gewinnt der Roman gerade durch den berichthaften Erzählstil an Authentizität, sodass man selbst glaubt, dass man eine Mitschrift einer Erzählung liest. Gerade die Verschachtelung der verschiedenen Erzählebenen, machen den Roman lesenswert.
Der extradiegetische Erzähler ist in diesem Fall der Reisende Robert Walton, der seiner Schwester in einem Brief über die Geschichte Frankensteins berichtet. Frankenstein selbst ist der intradiegetische Erzähler, der Walton seine Geschichte vermittelt.
Frankensteins Monster spiegelt den metadiegetischen Erzähler wieder.

'''''''''''''''''
Kurze eigene Meinung: Der Roman von Mary W. Shelley ist ein Roman in den man sich erst einmal hineinfinden muss. Sprachlich entspricht das Ganze nicht mehr unserer heutigen Redeweise, und so wirken die ersten 80 Seiten noch recht trocken und gewöhnungsbedürftig.
Mir hat das Buch trotzdem unglaublich gut gefallen, auch wenn sich die Handlung unendlich lang zieht'ein paar Elipsen wären zum besseren Lesen vorteilhaft gewesen, dennoch begeistert die Handlung, da sie insgesamt auf ein heute immer noch aktuelles und gesellschaftliches Problem ' das des Übermuts und der Oberflächlichkeit ' hinweist.

Mehr Rezensionen gibt es auf meinem Blog: [...]
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am 7. März 2010
Ganz zum Anfang möchte ich anmerken, dass ich
a) die deutsche Übersetzung gelesen hab
b) ich bis jetzt noch keinerlei Filmumsetzung der Geschichte gesehen hab (unglaublich aber wahr).
In ihr, die im 18. Jahrhundert spielt, trifft ein Schiffskapitän im Eismeer Richtung Norden auf wundersame Weise einen jungen Schweizer namens Viktor Frankenstein, der sich in schlechter körperlicher und seelischer Verfassung befindet. Während seiner Genesungsphase erzählt Frankenstein, was oder besser WER ihn in diese gottverlassene Gegend getrieben hat...Viktor Frankenstein, aufgewachsen in einer liebevollen Familie und Wohlstand setzte sich einst hohe Lebensziele: zum einen seine ihm versprochene Geliebte Elisabeth Lavenza ehelichen, zum anderen ein Studium, um mit der erstmaligen Erschaffung künstlichen Lebens die Menschheit glücklich zu bereichern. Doch das Experiment geriet außer Kontrolle, die Kreatur floh und noch war ungewiss, welches Unheil durch sie noch geschehen würde.
Genauer möchte ich es nicht beschreiben, aus einem einfachen Grund: Mary Shelleys "Frankenstein" steckt voller spannender Details, dass man es einfach selbst gelesen und erfahren haben muss. Die genaueste Beschreibung von Personen, Orten, Gefühlen und Eindrücken trägt viel zu einem der beachtetsten Horrorromane der Literaturgeschichte bei, der von der damals erst 19-jährigen Engländerin Mary Wollstonecraft Shelley verfasst wurde.
Die Charaktere laden zur Identifikation ein, sind lebendig beschrieben und lassen mitfühlen, wie etwa Viktor Frankenstein von seiner glückseligen Jugend zur unfreiwilligen Erfüllung seiner schlimmsten Träume taumelt.
Aber auch das "Monster" kommt zu Wort und lässt wissen, das es im Grunde mit viel Herzensgüte, kindlicher Neugier und nach und nach auch mit einer erstaunlichen Intelligenz ausgestattet war und sich nichts sehnlicher wünschte als Freundschaft, aber erst durch seine grausame Umwelt eine kriminelle Energie entwickelt. Auch ein Punkt, über den man sich Gedanken beim Lesen macht.
Was die Gestaltung des Textes angeht, möchte ich noch einmal daran erinnern, dass ich nicht das englische Original gelesen habe. Die deutsche Version ist der Zeit dieser Geschichte angepasst, eine eloquente Sprache also, die sich durch das gesamte Buch zieht. Selbst wer keine Antenne für dieses Deutsch besitzt, kann sich dennoch mal daran versuchen, belohnt wird man dafür genug. Auch sind freilich alte Worte verstreut, die in heutiger Zeit nicht in der gleichen Form verwendet werden. Als Beispiel kann ich, um drauf vorzubereiten, mal nennen, daß etwa der Begriff "Busen" (damit ist hier schlicht die Brust oder das Innere der Brust beider Geschlechter gemeint) immer wieder wiederholt wird.
Doch wen das nicht stört - und mich störte das nicht - kann einen der berühmtesten Romane kennenlernen voller Schönheit und Schaurigkeit zugleich.
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VINE-PRODUKTTESTERam 10. Dezember 2012
Gelegentlich breche ich als bekennender Stephen King-Fan mit meinen Lesegewohnheiten und greife auch mal zu „angestaubter“ Literatur, allein interessehalber darüber, wie sehr sich die Erzählstile der jeweiligen Jahrhunderte unterscheiden. Durch erste Leseproben wie „Ben Hur“ von Lewis Wallace oder H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ bin ich - genre-übergreifend, versteht sich – auf den Klassiker-Geschmack gekommen; wenn ich also mal eine King-Pause einlegen will, kann ich meinen Durst auf Lesestoff des 19. Jahrhunderts mehr als ausreichend abdecken, denn davon gibt es mehr als genug.
Vor 2 Wochen stieß ich beim Stöbern im örtlichen Bücherfachhandel zufällig auf ein stark runtergesetztes, eingeschweißtes Exemplar der Mutter aller klassischen Horror-Romane: Mary Shelley’s „Frankenstein“. Ohne großartig drüber nachzudenken, griff ich einfach mal zu. Die Neugier war groß und der Preis zu verlockend. *g*
Natürlich sind unzählige Verfilmungen und das heute sehr verallgemeinert interpretierte Bild von Frankenstein und seinem Monster mitschuld, dass ich mich mit zunächst völlig anderen Erwartungen an dieses Buch gewagt habe. Umso überraschter und bemerkenswerter war dann doch die tatsächliche Geschichte, die Shelley zu erzählen hat. Im gewisser Hinsicht stimmt es schon, dass man „Frankenstein“ dem fantastischen Genre zuordnen kann, ein leichter Hauch von Horror steckt sicherlich drin, aber nach knapp 300 Seiten komme ich mehr zum dem Schluss, dass es sich vielmehr um ein Drama über zwei (!) tragische Figuren handelt, das zum Denken anregt – über die Definition des Begriffs „Monster“, über die Frage, welche moralischen Grenzen die Wissenschaft überschreiten darf und welche nicht, oder ob es überhaupt eine Berechtigung gibt, wie ein Gott über die Erschaffung von Leben bzw. die Vernichtung desselben bestimmen zu können/dürfen.

Im Laufe der Handlung fällt deutlich auf, dass hier eine klassische Zuordnung von Held und Schurke nicht funktioniert. Frankenstein hat selbstredend positive Eigenschaften und verfolgt ehrenwerte Absichten, aber er ist kein ausnahmsloser Gutmensch. Und das Monster, so schrecklich sein Äußeres und unverzeihlich seine folgenden Taten auch sind, ist nicht von Natur aus bösartig. Mehr dazu hier:

Viktor von Frankenstein ist ein junger Mann, der wohlbehütet und in guten Verhältnissen aufgewächst. Er ist wissenshungrig und strebt nach wissenschaftlichen Errungenschaften, die der Menschheit zugute kommen sollen. Sein Ziel, tote Körper wieder mit Leben zu füllen, wird zur Obsession, die ihm viel Zeit und Kraft abverlangt. Als er schließlich das Unmögliche schafft, ist er von seiner eigenen Schöpfung erschrocken und angewidert und möchte sein Werk daraufhin wieder zerstören. Die Chance bietet sich ihm nicht, weil die Kreatur vorher das Weite sucht und irgendwo umherirrt. Dass er in seinem Überreifer und seinem Tatendrang seine liebsten Mitmenschen und sich selbst ins Verderben stürzt, ahnt er noch nicht. Ebenso wenig bedenkt er die Situation, in der er die Kreatur aussetzt, die aufgrund ihrer abstoßenden Gestalt mit keinerlei menschlicher Gegenliebe rechnen kann. Geblendet von seiner Arbeit hat Frankenstein es nicht für nötig gehalten, seine Vorhaben moralisch zu hinterfragen und mögliche Risiken für sich, andere oder gar das Wesen in Erwägung zu ziehen. Diese Gedanken kommen ihm erst, als es längst zu spät ist und die darauffolgenden Ereignisse nicht mehr aufzuhalten sind. Mit seiner Schöpfung besiegelt er seinen eigenen Untergang.
Die Perspektive des Monstrums ist eine ganz andere. Der aus Leichenteilen zusammengesetzte Unhold/Dämon (wie Viktor ihn immer bezeichnet) wird in eine Welt „hineingeboren“, in welcher er – bedingt durch seine gigantische Statur und seinem Erscheinungsbild - einzigartig und allein ist. Er hat eine Seele, ist empfindungsfähig und lernt schnell. Böse Absichten sind ihm zu Beginn seiner Existenz völlig fremd, denn er möchte nichts weiter als ein Teil der menschlichen Gesellschaft sein, deren Akzeptanz und Liebe genießen. Trotz heimlicher, gutmütiger Taten, seiner Mühen und absolut friedvollem Anliegen: die Menschen, denen er über dem Weg läuft, reagieren mit Angst oder Hass, fliehen vor ihm oder versuchen, ihn zu verjagen. Schmerzvolle Erfahrungen für ihn, durch die er seinen Glauben an die Gutherzigkeit der Menschen und sich selbst im puren Hass verliert, welche noch damit gesteigert wird, als sich Frankenstein weigert, ihm eine Gefährtin gleich seiner Art zu erschaffen. Wenn er schon zu einem Leben in völliger Isolation verdammt ist, so will er seinem „Vater“ soviel Schaden und Leid zufügen wie nur möglich. Darin sieht er den einzig verbliebenen Sinn seines Daseins.
Diese Umstände führen eine Quasi-Vater-Sohn-Tragödie herbei, die für keinem von beiden eine Erlösung bereithält und folgerichtig nur mit dem Tod dieser unglücklichen Seelen beendet werden kann.

Fast das gesamte erste Drittel von „Frankenstein“ liest sich wie eine ausufernde Einleitung, in der zunächst ein unternehmungs- und abenteuersuchender Reisender namens Robert Walton Briefkontakt zu seiner geliebten Schwester hält, welche im Heimatland England lebt, während er auf seiner Expedition zum Nordpol per Schiff unterwegs ist. Mit der zufälligen Auflesung Frankensteins inmitten des eisigen Meeres folgt die eigentliche Kernhandlung und somit auch dessen Lebensgeschichte, welche die umfangreiche Umschreibung der in Genf residierenden Familie Frankenstein, seine Jugendjahre, sein Verhältnis zu seinen liebsten Mitmenschen und seine unstillbare Neugier für Naturwissenschaften beinhaltet. Erst mit seinem Studium in Ingolstadt kommen die bekannten Ereignisse ins Rollen, in jenen Viktor etwas in Gang setzt, aus dem es für ihn kein Zurück mehr gibt.
Die Erzählung aus dem Blickwinkel Viktors ist leidenschaftlich, ausschmückend und emotionsgeladen, mitunter aber auch ein wenig abschweifend, hier und da auch etwas in die Länge gezogen. Desöfteren redet er auch viel um den heißen Brei herum und verstrickt sich während seines Berichtes in die eine oder andere Wiederholung, doch das alles liegt noch im annehmbaren Rahmen. Am interessantesten ist der zwischenzeitliche Wechsel zum Unhold, der widerum seine Eindrücke über die Umwelt, die Menschen und über sich selbst schildert. Diesen Teil empfand ich am spannendsten und bewegendsten, weil es schier unmöglich war, für dieses arme Wesen kein Mitleid aufbringen zu können. Selbst wenn sein weiterer Werdegang von unheilvollen Taten geprägt ist.

Fazit:
Die Mutter aller modernen Horror-Geschichten, und doch ist es keine Ausschließliche. Es ist eine ernste Auseinandersetzung mit Leben und Tod, wissenschaftlichen Möglichkeiten, ihrer Grenzen und Tabus. Das Leben, das einer „künstlich“ geschaffenen Kreatur geschenkt wird, muss nicht automatisch als „Geschenk“ verstanden werden, versetzt man sich erst einmal in die Rolle einer solchen. So stellt „Frankenstein“ auch nach fast 200 Jahren eine weiterhin sehr aktuelle, schwierige wie auch kritische Frage: Darf der Mensch Gott spielen ?
Die Geschichte ist mit knapp 300 Seiten recht kompakt, auch wenn sich einige unnötige Längen finden lassen, und der altmodische Sprachlaut liest sich gar nicht mal so schwer. Ein schöner, lesenwerter Klassiker.
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am 27. Oktober 2005
Wer bei "Frankenstein oder Der Moderne Prometheus" die aus Kino bekannte Frankensteinburg oder die Erschaffung der Kreatur durch einen Blitz erwartet, wird enttäuscht werden. Die Erschaffung der Kreatur bleibt im Dunklen und auch die Burg Frankensteins entspringt der Fantasie der Kinoschaffenden.
Vielmehr handelt Mary Shelleys Roman von dem Konflikt zwischen Schöpfer (Victor Frankenstein) und Geschöpf (die Kreatur). Mary Shelley vertritt dabei die These, dass das Verhalten eines jeden Geschöpfes von seiner Umgebung, Erziehung, Zuneigung und Liebe abhängt, die es erfährt. Da Frankenstein dies nicht zu leisten vermag und die Kreatur aufgrund ihrer schrecklichen Gestalt auch sonst nur auf Ablehnung und Furcht stößt, entwickelt sie sich zu einem furchtbaren Instrument des Todes. Am Ende bleiben nur zwei gebrochene Gestalten zurück.
Das alles macht Mary Shelleys Werk eben nicht nur zur billigen Horroliteratur, sondern zu einem anspruchsvollen Stück.
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TOP 1000 REZENSENTam 2. Februar 2008
Mary Shelley (1797-1851) war Tochter von William Godwin und späterer Ehemann des Dichters Percy Shelley. Mit 19 Jahren im Jahre 1816 schrieb sie ihren "Frankenstein", der dann 1818 veröffentlicht wurde. Shelley schrieb im Kontext der englischen Romantik eine Gegenprosa im Sinne der aufkommenden Naturwissenschaften. Und doch verbindet sie beide Genres, in dem sie prometheischen Geist einfließen lässt in die Schauergeschichten ihrer Zeit. Romantische Phantasien wie bei Hoffmann schärfen ihren Blick und sie lässt diese als aufgeklärte phantastische Erzählung der zweiten Art dem Leser näher kommen. Schöpfung als Geist und Möglichkeit des Menschen, der im Versuch, dass neue Wissen in das Leben zu integrieren, neue Grenzen auslotet und das Menschsein innerhalb dieser neu bewertet. Wie bekannt, führte die Erschaffung neuen Lebens aus toten Menschen zu einem Monster, der vom Schöpfer ungeliebt, von den Menschen gemieden die Inkarnation des Bösen verkörpert. Mit den Erfahrungen als Monster und der Lieblosigkeit der Menschen ihm gegenüber, bittet er Victor Frankenstein, dem Schöpfer, um eine Gefährtin. Frankenstein sagt zu, er erschafft die Gefährtin des Monsters doch im Erkennen des Schrecklichen tötet er sie wieder. In Folge wird seine Familie vom Monster aus Rache ausgelöscht, Frankenstein verfolgt das Monster bis zum Ende der Welt.

Eine 19 jährige Mary schreibt diesen schrecklich schönen Roman. Die Frage, wie es dazu kam, bewegt mehr, als der reine Inhalt und doch wird der Inhalt vielleicht in dieser Folge von Bedeutung. Mary Shelleys Leben ist begleitet vom Tod. Ihre Mutter stirbt kurz nachdem sie geboren wurde. Ihr Vater, ein naturwissenschaftlich sehr interessiertet Mann, erzieht sie und berichtet ihr gern und regelmäßig all die neuen Geschichten um die aufkommende Naturwissenschaft. So berichtet er von den Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts: Franklin (1706-1790), der die Elektrizität entdeckte, den Blitzableiter erfand, von Erasmus Darwin (1731-1802; Großvater von Charles), der ebenso Spaß an Erfindungen hatte und die Gesetzte des organischen Lebens beschrieb, von Luigi Galvani (1737-1798), der mit elektrischem Strom Froschschenkel durch die Kontraktion der Muskel beweglich machte. So wuchs Mary von klein an im Wissen um die Natur und deren mögliche Forschung auf. Ihre Stiefmutter später hatte guten Kontakt nach Deutschland und in den Jahren 1812-1814 übersetzte sie für die Gebrüder Grimm Märchen und Sagen. Natürlich konnte Mary sich ebenso um die Hausmärchen kümmern, las sie und entwickelte ihre Phantasie. Eine der Sagen vom Lindwurm begann bei Jakob Grimm wie folgt: "Zu Frankenstein, einem alten Schlosse anderthalb Stunden weit von Darmstadt, hausten vor alten Zeiten drei Brüder zusammen, deren Grabsteine man noch heutigentags in der Oberbirbacher Kirche siehet. [...] Unten im Dorfe fließt ein Brunnen, in dem sich sowohl die Leute aus dem Dorf als aus dem Schloß ihr Wasser holen müssen; dicht neben den Brunnen hatte sich ein gräßlicher Lindwurm gelagert, und die Leute konnten nicht anders Wasser schöpfen als dadurch, daß sie ihm täglich ein Schaf oder ein Rindvieh brachten; solang der Drache daran fraß, durften die Einwohner zum Brunnen. Um diesen Unfug aufzuheben, beschloss Ritter Hans den Kampf zu wagen; ..."

Mary lernte in der guten Gesellschaft viele Menschen kennen, auch den schon bekannten Dichter Percy Shelley (1792-1822), den sie mit 19 heiratete. Ihr erstes Kind starb früh, ein weiteres in jungen Jahren und letztendlich ihr Mann 30jährig in den Fluten des Meeres während einer Italienreise. Ihre gemeinsame Reise zuvor jedoch führte sie nach Genf. Sie folgten einer Einladung des Lord Byron im Jahre 1816. An einem Abend, begleitet von scheußlichem Wetter; trotz Sommer gab es sehr kalte Nächte (Auswirkungen eines Vulkanausbruchs in Indonesien in 1816); forderte Byron die Freunde auf, Schauergeschichten zu erzählen. Mary schrieb später in ihr Tagebuch, dass sie in dieser Nacht die Anfänge der Unsterblichkeit, der Wiedergeburt dachte. Die Rückreise durch Deutschland Rheinabwärts führte an Mannheim und Darmstadt vorbei, nahe der Burg Frankenstein.

Mary Shelley war geplagt von Schuld, schuldig fühlte sie sich am Tod ihrer Mutter. Alles in ihrer Phantasie Mögliche hätte sie für die Wiederbelebung gegeben und so rankten sich ihre Gedanken, angereichert um die naturwissenschaftlichen Erzählungen ihres Vaters, um dieses Thema. Schuld war dann auch die Art ihres Lebens und die Strafe folgte nur allzu deutlich. Da wo der Tod herbeigeführt wird, stößt er dem Verursacher wieder zu. Ihre Kinder sterben, sie fühlt sich vom Schicksal bestraft, ihr Mann stirbt, auch er ist nur die Botschaft und Verstärkung der Schuld und so muss die Geschichte Frankenstein eine Möglichkeit bieten, aus der Verstrickung dieser Schuld zu entkommen, eine Biographie, die in dem geschriebenen Wort eine Alternative bietet, die Alternative der Schöpfung und doch fühlt sie ihre Blasphemie gegenüber Gott. Ihre Schöpfung ist Schuldbefreiung, ihre Beschreibung der Wirkung des Erschaffenen in der Gesellschaft ist der Spiegel ihrer Einsamkeit. Sie erkennt, dass der Mensch in seinem Sosein gut ist, dass er in der Wechselwirkung mit der Umwelt, Gut und Böse lernt zu unterscheiden und dass der Mensch zum Bösen neigt, wenn ihm Zugewandtheit verweigert und Einsamkeit als einziges bleibt.

Mary Shelley führt eigentlich ihr Gespräch mit ihrem Schöpfer. Die Frage der Vermessenheit der Naturwissenschaft, die Frage der Sozialisierung des Menschen im Verhalten zu Seinesgleichen erfährt weit weg von Horrorgeschichten eine interessante Gewichtung. Dass Shelley Vorgänger wie William Blake, Byron, Keats hatte, sei erwähnt, dass es Nachfolger gab, wird man spätestens mit ETA Hoffmann und seinem Sandmann erkennen. Die Idee des Homunkulus hatte im frühen 19. Jahrhundert seine Zeit. "von dem zu sprechen, was alle kennen, und von der Wirklichkeit, die uns gemeinsam ist. Meer, Regen, Bedürfnis, Kampf gegen den Tod, das sind die Dinge, die uns alle verbinden" mögen Shelleys Gedanken in Camus Worten gewesen sein.

Doch die Erschaffung des Menschen fand sie in der Meinung von Blake und ihrem Mann über Miltons Werk. Milton sieht in der Erkenntnis eine Gottgleichheit, die unbewusst auf die Schöpfung hinweist. Doch im Prozess eines Demiurgen begegnet diesem der Tod, indirekt in der schrecklichen Art des Tötens (erschaffenes Monster), oder direkt im aktiven Töten des selbst Erschaffenen, der Gefährtin des Monsters. Frankenstein erkennt getanes Unrecht gegenüber der gesellschaftlichen und religiösen Sitte und Moral. Der Schöpfer lässt so sein Geschöpf allein, in dieser Einsamkeit lässt es sich nicht führen, weil es nicht angenommen ist. Der Wunsch nach Seinesgleichen wird im Wunsch nach einer Gefährtin all zu sichtbar, letztendlich wird ihm Sozialisation verweigert.

Shelley gelingt aus dem Trauma ihres Lebens eine Geschichte voller Nachdenklichkeit, ein Bild hinter allen Bildern. Diese Nachdenklichkeit scheint den Shelleys zu gehören, Percy schrieb in Adonais: "Ach, Adonais ruft! So lösch den Bann, / Dass Leben nicht mehr trennt, was Tod vereinen kann". Camus würde antworten: "Wie sollte man sich darüber wundern? Das Leid der Menschen ist ein so gewaltiges Thema, dass es scheint, niemand vermöchte daran zu rühren, es sei denn man wäre so empfindsam wie Keats, der, so wird gesagt, mit Händen selbst den Schmerz hätte anfassen können".

Und Mary wird gegenüber ihrer Mutter bis zum Tod 1851 gefühlt haben, dass bei aller Chancenlosigkeit am interindividuellen, zwischen-menschlichen Sinnstiften des Schreibens, festzuhalten ist an einer Liebe zum Leben. Das drückt eben ein Gedicht dieses John Keats aus, das er als Fragment hinterließ

Die Hand hier, lebenswarm und fähig jetzt
Fest zuzugreifen, würd dich, wär sie kalt,
Und in der Eisestille ihres Grabs,
So plagen tags und schaudern nachts im Traum,
Daß blutleer wünschest du dein eignes Herz,
Damit in mir neu rotes Leben ström,
Und dein Gewissen ruhig sei - hier, sieh her -
Ich halte sie dir hin.

Shelleys Frankenstein ist eines der beachtenswertesten Bücher der englischen Literatur des 19. JH.
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am 19. September 2010
Ich wollte wissen, wie denn der echte Roman ist, nachdem das Buch ein Klassiker ist und dadurch schon etwas dahinter stecken musste. Das Buch ist wirklich lesenwert. Es werden Teile der Geschichte gezeigt, die in den Filmen nie aufgegriffen werden. Die Gedankenwelt des "Monsters", die ehrliche, hilfsbereite und anständige Seele des Wesens und die Veränderung, die es auf Grund der Reaktionen seiner Umwelt auf es durchlebt sind wirklich lesenswert. Holen - lesen!
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am 4. März 2010
Das Buch hat mich von Beginn an fasziniert und schlägt jede filmische Umsetzung in den Wind. Die verwendete Sprache des Buches ist so voller Anmut, Empfindsamkeit und Imaginationsstärke, daß es einem den Atem verschlägt. Die Sprache steht in hartem kontrast zum Beschriebenen Monster, wodurch eine ganz besondere Kontrastwirkung beim Lesen entsteht. Das ganze von einer 19 jährigen Autorin aus dem 18. Jhd. Wow!
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am 7. August 2015
Die phantastische Geschichte des Victor Frankenstein, der – an der Universität Ingolstadt – ein künstliches Wesen erschafft, das er nicht beherrschen kann. Das Monster sehnt sich nach Liebe und Gemeinschaft, bringt aber allen, die ihm zu nahe kommen, den Tod.
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Autor:Mary Shelley (1797-1851) begann schon als Kind Gedichte und Romane zu verfassen. Noch keine 17 Jahre alt, brannte sie mit dem jungen Dichter Percy Shelley durch und bereiste Europa. Im Jahr ihrer Hochzeit 1816 verbrachten beide den Sommer mit Lord Byron am Genfer See, wo sie Ideen für Schauergeschichten sammelten. Schon zwei Jahre später veröffentlichte Shelley ihren Frankenstein, den Vater aller Gruselromane, dessen Erfolg es ihr ermöglichte, fortan als angesehene Schriftstellerin zu leben.

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Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Frankenstein und seiner Kreatur, wurde sie doch vielfach verfilmt.
Am besten man vergisst alles Gesehene und Gehörte und genießt diese Auflage nach der Fassung aus dem Jahre 1831 ganz unvoreingenommen.
Taucht ein in das späte 18. Jahrhundert und erfährt die wahre Geschichte Viktor Frankensteins, dessen Forschungsdrang zur Besessenheit wurde und das Ergebnis ihn einsam und wahnsinnig machte und ihn zur nächsten Besessenheit trieb. Erfährt die Geschichte aus Sicht der Kreatur, die von der Gesellschaft zu dem gemacht wurde was sie ist, nämlich brutal, grausam und ebenso einsam.

Anfangs fällt es vielleicht schwer, aufgrund der alten Schreib- und Redeweise der Romantik, in die Geschichte hineinzufinden. Aber hat man sich erst daran gewöhnt und lässt sich auf diese ein, eröffnet sich einem eine bildgewaltige und ausdrucksstarke Sprache, die einer Poesie gleicht - melancholisch und düster.

Diese Geschichte beinhaltet nicht nur Spannung und Phantastik, sondern oder vor allem auch Kritik gegenüber der Gesellschaft und deren Oberflächlichkeit und was diese aus einer unschuldigen und anfangs gutherzigen Kreatur machen kann. Kritik gegenüber der Wissenschaft und Forschung, wobei die Frage aufgeworfen wird, wie weit kann bzw. darf man gehen?

Dieses Buch wurde zwar als Horror-Literatur bekannt, aber in diesem Klassiker steckt so viel Aussagekraft und Botschaft, welche aktueller nicht sein könnte.

Fazit:
Auch wenn ich mich maßlos über Viktor aufgeregt habe und er für mich derzeit der Unsympathler aus Romanen des 19. Jahrhunderts ist, würde ich dieses Buch immer wieder lesen. Alleine aufgrund der typischen bild- und wortgewaltigen Schreibweise der Romantik und der Botschaft, die einem da mitgegeben wird. Es lässt einen nachdenklich zurück und man überlegt, ob man nicht selbst zu diesen oberflächlichen Individuen gehört. Dieser Klassiker ist zu Recht ein Klassiker.
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am 18. Juni 2015
Robert Watson ist mit dem Schiff im Eismeer unterwegs. Er ist recht einsam, denn er hat zwar einen guten Kontakt zu der Mannschaft, aber einen Freund hat er nicht unter ihnen gefunden. So verbringt er seine freie Zeit damit, seiner Schwester in Briefen über seine Reise zu berichten. Als das Schiff im Eis stecken bleibt, treffen sie auf einen Fremden, den sie an Bord nehmen. Bei dem Mann handelt es sich um Viktor Frankenstein. Robert findet Viktor sympathisch und freundet sich mit ihm an - woraufhin Viktor ihm seine Geschichte erzählt. Diese Geschichte, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag, berichtet er seiner Schwester.

Der aus Genf stammende Viktor Frankenstein kommt aus einem guten, soliden und glücklichen Elternhaus. Sein Steckenpferd sind die Naturwissenschaften, welche er auf der Universität in Ingolstadt studiert. Zu seiner Familie gehört auch seine Cousine Elisabeth, die nach dem Wunsch seiner Eltern einst Viktors Braut sein wird. Zum Glück sind die beiden sich sehr zugetan.

Bereits während des Studiums entwickelt Viktor eine fast unnatürliche Affinität zur menschlichen Materie. Sein Ziel ist es, einst ein eigenes menschliches Wesen entgegen aller Naturgesetze zu erschaffen. Tatsächlich gelingt ihm im Laufe der Jahre, seine Forschung soweit (im Geheimen) voranzutreiben, dass er einen entsprechenden Versuch startet. Tatsächlich glückt dieser und der Unhold erwacht zum Leben. Doch Viktor sieht plötzlich mit einer Klarheit, was er erschaffen hat und er wendet sich von dem ihm erschaffenen Wesen ab und überlässt diesem sich selbst. Wenn er jedoch hoffte, dass er erst- und letztmalig mit diesem zusammengetroffen ist - wird sich das als tödlichen Irrtum erweisen ...

Wenn der Mensch Gott spielt! Der Plot wurde spannend und interessant erarbeitet. Gerade zur damaligen Zeit im Jahr 1818 war dies eine ganz neue Art der Literatur und noch dazu von einer Frau, weswegen durchaus verständlich ist, dass dieser Roman erst anonym veröffentlicht wurde. Den Aufschrei, den das Buch hervorgerufen hat, kann ich mir noch heute lebhaft vorstellen. Die Figuren wurden authentisch erarbeitet, wobei ich hier von der Figur des Protagonisten Viktor doch eher enttäuscht war. Erst hatte dieser hochtrabende Pläne und dann rennt er vor der von ihm erschaffenen Situation weg und verkriecht sich, bis es eigentlich schon zu spät ist. Die Sprecher, Thomas Dehler und Patrick Imhof, schaffen es, dass man sich als Zuhörer mühelos in der Geschichte verlieren kann, wobei ich gestehen muss, ich hätte das Buch, wenn ich es gelesen hätte, wohl abgebrochen hätte, denn bis es in Fahrt kommt, dauert es seine Zeit und ich weiß nicht, ob ich bis dahin durchgehalten hätte.
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