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Kundenrezensionen

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Gulliver aus dem Jahr 1726 hat bei seinen Reisen neben Liliput auch viele andere Märchenwelten entdeckt, darunter das Land der Riesen, die fliegende Insel, das Land der Zauberer, die Unsterblichen oder die Houyhnhnms, bei denen die Pferde die Herrscher sind und die Menschen Arbeitstiere.
Für uns heute ist interessant, wie Gulliver seine Entdeckungen und die jeweiligen Gesellschaften immer wieder mit seiner englischen Heimat vergleicht. Dadurch erfährt man viele Details aus dem Alltagsleben von 1700. Und natürlich passieren viele lustige und auch dramatische Dinge, die besonders Kinder erfreuen werden (man stelle sich nur vor, wie er in Liliput auf's Klo muss :-). Doch Gulliver bzw. Swift, eigentlich überzeugter Monarchist, wird zum Ende hin recht ernster: im Land der Geister im Gespräch mit verstorbenen berühmten Persönlichkeiten stellt er erschreckt fest, wie sehr Geschichtsschreiber die Fakten verfälscht haben. Und bei den friedlichen und glücklichen Pferden erkennt er die Unart der Menschen, sich mit Kriegen und Korruption stets selbst ihr Unglück bereiten. Botschaft dieser Passage: moralisch stehen die Pferde weit über den Menschen! Als er von dieser letzten Reise nach England zurückkehrt, muss er sich erst mühsam und widerwillig wieder an die Menschen gewöhnen.
Das Buch, das sich laut Swift an junge, englische Aristokraten richtet, ist eine geschickt verpackte Gesellschaftskritik. Anstatt gegen England zu schreiben, stellte er dem damaligen Leser unverbindlich alternative Gesellschaftsformen und Lebensweisen vor. Und mit dem zukünftigen "Führungsnachwuchs" sprach er die richtige Zielgruppe an. Meine Ausgabe war mit über 400 Radierungen fast auf jeder Seite geschmückt, ein Aufpreis, der sich lohnt. Gulliver eignet sich hervorragend als Vorlesegeschichte für viele lange Abende!
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am 11. Juni 2005
Gullivers Reisen gehört zu den Klassikern der Weltliteratur und ist einer der ersten - und besten! - Fantasyromane überhaupt. Der Roman erhählt in vier Büchern von abenteuerlichen Reisen des englischen Schiffsarztes Lemuel Gulliver. Auf seinen Reisen lernt er die Inseln Liliput, Brobdingnag, Laputa sowie das Land der Hoyhnhnms kennen. Zahlreiche Passagen in diesem Klassiker sind mehr oder weniger verhohlene, satrische Anspielungen auf die sozialen und politischen Zustände in England zur Zeit von Königin Anna. Das Werk erschien erstmals 1726. Es zeigt den Skeptizismus Swifts gegenüber jeglicher Art von Utopie.
Das Verdienst dieser Ausgabe ist es, alle vier Reiseabenteuer Gullivers erneut - ungekürzt - vorzulegen. Die Ausgabe ist sehr preiswert. Leider enthalten die meisten kindgemäßen Ausgaben lediglich die Reisen Gullivers zu den Liliputanern und den Riesen. Die anderen beiden Reiseabenteuer, die Bücher 3 und 4, werden leider weggelassen. Dabei ist es doch interessant zu erfahren, dass die Internet-Suchmaschine Yahoo ihren Namen von den Menschen der vierten Inselstation Gullivers hat. Die Yahoos sind Menschen, die den Pferden (Houyhnhnmms) untergeordnet sind. Die Gründe, die viele Herausgeber alternativer Verlage dafür anführen, die beiden letzten Reiseabenteuer Gullivers in ihre Sammlungen nicht aufzunehmen, überzeugen letztlich nicht. Daher ist es das Verdienst dieser Ausgabe, die vier Reiseabenteuer Gullivers - versehen mit witzigen Zeichnungen - dem Leser wieder zugänglich gemacht zu haben. Das Buch stellt im übrigen eine gute Ergänzung zu dem kürzlich erschienen Hörbuch von "Gullivers Reisen" mit Rufus Beck dar, welches ebenfalls wärmstens - als Ergänzung - empfohlen werden kann. Mir hat die Lektüre des vorliegenden Buches eindeutig gezeigt: Gulliver ist eigentlich ein Buch für Erwachsene und - verdientermaßen - ein Klassiker der Welt- und der Märchen- und Fantasyliteratur. Leider fehlt in dieser - meines Wissens ungekürzten - Ausgabe ein Nachwort, welches angesichts der Bedeutung des Werkes in der Literaturgeschichte sowie der zahlreichen satrischen Anspielungen, die dem heutigen Leser jedoch nicht mehr ohne weiteres verständlich sind, unbedingt notwendig gewesen wäre. Daher vergebe ich nicht die volle Punktzahl.
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Dieses Meisterwerk der Aufklärung, welches gnadenlos mit der verblendeten Menschheit abrechnet, ist einfach kein Kinderbuch. Ich persönlich fand es als Kind todlangweilig. Kein Wunder, denn das Thema ist nicht kindgerecht.

Meinem Sohn ging es nun beim Lesen anscheinend ähnlich. Er (9 Jahre) fand die Lilliputaner und den Aufenthalt in Brobdignan unterhaltsam...Zwerge und Riesen kommen ja nun mal in der Kinderwelt und in vielen Geschichten vor. Aber die Abrechnung mit der menschlichen Dummheit und der abstoßenden Menschheit bei der fliegenden Insel, den Huynhums und den Jahus war für ihn einfach nur sehr seltsam. Als Gulliver am Schluß nur noch Ekel für seine eigene Familie empfand und seine Kinder nicht mehr an die Hand nahm war für ihn das Fazit klar: der ist doof.

Mein Fazit: ja, ein Kind kann das Buch verstehen und auch abstrahieren, was gemeint ist. Es schadet auch nichts, mal was zu lesen, was den Horizont einf wenig überschreitet. Aber aus meiner Sicht ist das Thema einfach gar nicht der Kinderwelt entsprechend. Das Buch sollte man als das nehmen was es ist - anspruchsvolle Literatur, die ungekürzt gelesen werden sollte.
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am 1. Juli 1999
Die Geschichte von Gullivers Reisen kennt wohl so ziemlich jeder. Gulliver fährt zur See, das Schiff erleidet Schiffbruch und er findet sich bei winzig kleinen Menschen auf einer Insel wieder. Deren Bemühung, ihn zu fesseln sind allseits bekannt. Und daß er sich, trotz seines für diese Menschlein ungeheuren Appetits doch noch als nützlich erweisen kann wissen wir auch alle.
Weniger Leuten ist bekannt, daß er sich, nachdem er von den Winzlingen weggefahren ist, auf einer Insel mit genau umgekehrten Verhältnissen wiederfindet. Dort findet ihn ein riesiger Bauer, der ihn mit auf den Markt nimmt, um ihn dort vorzuführen. Dabei erlebt Gulliver so manches Abenteuer und landet bald bei der Königstochter. Hier hört dann aber das Wissen um den weiteren Weg Gullivers auf. Daß er auf einer Insel mit sprechenden Pferden landet, oder auf einer Insel, wo Menschen die unterentwickelte Rasse sind, die von Tieren zu Sklavendiensten herangezogen werden oder zu einer Welt kommt, die fliegen kann und so auf verschiedene Ebenen gehoben werden kann, das alles ist wohl nur noch wenigen bekannt. Und dabei wird die vermeintliche nette Kindergeschichte zu einer ernsthaften politischen und moralischen Auseinandersetzung Jonathan Swifts mit den Zuständen im England des 18. Jahrhunderts. Bereits in den eher bekannten Geschichten finden sich Anspielungen beispielsweise auf den Sinn des Krieges.
Swift benutzt die Erzählungen über seinen Helden Gulliver, um politische Ansichten zu verbreiten und das in einer sehr anspruchsvollen und intelligenten, oft ironischen Art. Das Buch ist also nicht nur ein Buch für Kinder, sondern gerade auch für den politisch-historisch Interessierten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 28. Juni 2001
Dieses Buch hat mit dem Original von J.Swift nichts zu tun. Die Herausgeber/Übersetzer übersetzen ungenau und lassen nach eigenem Gutdünken wichtige und umfangreiche Passagen einfach aus, OHNE AUF DEM EINBAND ODER DER KURZBESCHREIBUNG darauf hinzuweisen, daß es sich um eine geküzte Fassung handelt. Lediglich im Nachwort wird die IGNORANZ o.g. Personen deutlich: "Auf die Wiedergabe der anderen Reisen wird ...meist verzichtet, weil die Erzählung in diesen beiden Teilen ... schwer verständlich und deutlich weniger spannend ist." Vielen Dank Frau Herausgeberin Dr. Freya Stephan-Kühn, daß Sie für uns unmündigen Leser entscheiden, was zu verstehen wir in der Lage sind und zu was nicht. Auch bei einem Buch das in einer Kinderbuchreihe erscheint, sollte klar und unmissverständlich darauf hingewiesen werden, daß es sich um eine gekürzte Fassung handelt.
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HALL OF FAMEam 9. September 2001
Weil Gulliver nämlich gar nicht nur eine Geschichte für kleine Kinder ist, sondern zugleich eine hochironische Satire auf gesellschaftliche Zustände, ist es auch in fortgeschritteneren Lebensstadien immer wieder einmal interessant, einen genaueren Blick auf die im Prinzip bekannte Gulliver-Geschichte zu werfen - ganz gleich ob in deutsch oder in englisch. Wer ein bisschen Einblick in psychologisches Denken hat, wird zudem entdecken, dass im riesengroßen Gulliver, mit dem sich der kindliche Leser oder Zuhörer bei der ersten Begegnung natürlich identifiziert, - dass dieser Gulliver dabei hilft, die Umgebung als klein und unwichtig zu empfinden: eine wunderbare Umkehrung des alltäglichen Schreckens aller Kinder, die scheinbar ewig Kleinen, Hilflosen, Machtlosen am unteren Rang der gesellschaftlichen Einfluß-Skala zu sein und womöglich zu bleiben. Die Gulliver-Gestalt versöhnt mit den Machtlosigkeitsgefühlen der Kindheit. Als Jonathan Swift diesen Stoff schrieb, war es um die Situation der Kindheit in Europa allerdings auch noch erheblich schlechter gestellt als heute - obwohl, Irland - dort scheint immer noch nicht alles im Lot. Interessant bei aller Liebe zu Gullivers Reise ins Land der Liliputaner ist, dass die gleich darauf folgende Swift'sche Erzählung, die alles gerade Gefühlte probeweise einmal auf den Kopf stellt, nämlich als bienengroßes Wesen sich unter lauter Riesen (im Lande BROBDINGNAG) aufhalten zu müssen: - interessant ist, dass diese Texteinheit sich längst nicht solch liebevoller Rück-Erinnerungen rühmen darf wie die Liliput-Sektion - das Wort BROBDINGNAG hat sich keinesfalls gleich stark eingeprägt, auch gibt es nachgebaute Liliput-Dörfer, nie aber BROBDINGNAG-Sraßenviertel, in denen man sich einmal so richtig nichtig vorkommen könnte. Alles in allem: ob in deutsch oder erst recht in englisch: Swift hat wie ein spöttischerer Nachfahre des Homer mit seiner Odyssee einen grundlegenden, für menschliches Denken ewig aktuellen, hoch-ironischen und die Gefühlswelt eines jeden Lesers mobilisierenden Text geschrieben...
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Swifts 'Gullivers Reisen' ist in einem Atemzug zu nennen mit Cervantes' Don Quijote. Beide Werke sind bissige Kommentare zu den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der jeweiligen Zeit. (Don Quijote entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Gullivers Reisen gut 100 Jahre später.) Beide Titelhelden sind nicht nur bei den Lesern der Romane, sondern in beinahe allen Köpfen der westlichen Welt verankert. Zumindest Teile ihrer Erlebnisse sind nahezu jedermann bekannt, bei Gulliver beispielsweise die Erlebnisse in Lilliput, bei Don Quijote zum Beispiel dessen Kampf gegen die Windmühlen. (Beides hat übrigens auch in die deutsche Sprache Einzug gehalten.)

Swift beschreibt in vier Reisen unterschiedlichste Begegnungen Gullivers, am bekanntesten sind seine Aufenthalte in Lilliput unter Einwohnern, die nur gut daumengroß sind und in Brobdingnag, dort unter Riesen, die im umgekehrten Größenverhältnis zum Protagonisten stehen. Weniger bekannt - aus den zu Kinderbüchern umfunktionierten Versionen - sind die beiden weiteren Reisen nach Laputa (u.a.) und in das Land der Houyhnhnms.

In jeder Reise stehen existenzielle Gedanken im Mittelpunkt. So wird beim Lesen der Reise nach Lilliput deutlich, dass Gullivers Sichtweise sehr ähnlich derjenigen, die manche Zeitgenossen ihr eigen nennen: Größenwahn oder auch nur Überheblichkeit versperrt den wichtigen Blick auf viele Details. Umgekehrt ist aus der Reise zu den Riesen erkennbar, dass aus einer derartigen Perspektive viele Dinge sichtbar werden, auf die man gerne verzichten könnte. Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein usw. sind die Folge, wenn man so unterlegen ist wie Gulliver oder sich wenigstens so ausgeliefert fühlt.

Bei der Reise nach Laputa, Balnibarbi, Glubbdubdrib und andere stehen philosophische Überlebungen, wie beispielsweise der immer wiederkehrende Wunsch nach dem ewigen Leben, im Mittelpunkt. Sehr intelligent, wie Swift mit solchen Fragen umgeht. Auch der Drang der Menschheit nach Neuem, der sich viel später in unendlichen sinnigen und unsinnigen Erfindungen niederschlägt, wird von Swift vorweggenommen.

Im letzten Anschnitt, der Reise ins Land der Houyhnhnms, in dem Pferde (Houyhnhnms) die Herrschaft haben, rechnet Swift mit seinem Heimatland, England, ab. An Regierungsmitgliedern, Rechtsanwälten, Richtern, Ärzten und vielen anderen mehr wird kein gutes Haar gelassen. Swift erweist sich vor allem hier als Misanthrop.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Ich kann alle Leser nur darauf hinweisen, dass der eigentliche Roman mit den aus Kindertagen bekannten Geschichten nur noch Rudimentäres gemeinsam hat. Die Ausgabe aus dem Insel-Verlag weist Hunderte von liebevollen Illustrationen auf, die zur Verdeutlichung des Gelesenen Wertvolles beitragen.
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Im Jahre 1699 bricht Lemuel Gulliver als Schiffsarzt zu einer Reise in die Südsee auf. Doch mitten auf dem pazifischen Ozean geraten sie in einen schweren Sturm und das Schiff sinkt so schnell, dass alle Seeleute ertrinken. Nur Gulliver erwacht an den Gestaden eines fremden Eilandes. Zu seiner Überraschung und zu seinem maßlosen Entsetzen liegt er gefesselt am Strand und kann nicht den kleinsten Finger bewegen. Doch sein Erstaunen kennt keine Grenzen, als einige Menschen, kaum so groß wie sein Zeigefinger lang ist, auf ihn klettern und ihn begutachten. Gulliver gelingt es zwar unter Aufbietung seiner ihm verbliebenen Kräfte, seinen linken Arm zu befreien, und er schlägt die kleinen Menschen allein mit seiner für sie orkanartig lauten Stimme in die Flucht. Doch kommen sie schnell zu Tausenden wieder zurück und beginnen ihn mit Pfeilen derart zu traktieren, dass Gulliver jeden Widerstand aufgibt und durch Gesten zu erkennen gibt, dass er sich friedlich verhalten will.
In den nächsten Stunden beginnen ihn die kleinen Menschen mit für ihre Verhältnisse Unmengen an Nahrung und zahlreichen Fässern Wein zu verköstigen. Alsbald fällt Gulliver in einen tiefen Schlaf. Wie er später erfährt, haben die Einwohner Liliputs - so nennen sie ihr Reich - ihm ein Betäubungsmittel in den Wein gerührt. Als er wieder erwacht, haben ihn die Eingeborenen in ein leer stehendes, für sie riesiges Gebäude geschafft und sogar der König ist zugegen, um sich den Menschberg anzusehen.
In den nächsten Monaten gelingt es Gulliver, die Sprache der Bewohner Liliputs zu erlernen und sogar das Vertrauen des Königs zu erlangen. Doch eines Tages wird von ihm verlangt, dass er die Bewohner einer Nachbarinsel angreift und besiegt. Dieses 800 Meter entfernte feindliche Königreich ist nach Meinung des Königs und seiner Minister der Häresie schuldig, gehören sie doch zu den Unmenschen, die ein Ei an der runden Seite zu köpfen wagen, der König und alle seine Untertanen auf Liliput hingegen sind die wahren Gläubigen, denn sie köpfen ein Ei natürlich an der spitzen Seite!

Im Jahre 1726 erschien mit "Gullivers Reisen" der erste Band der am Ende vierbändigen fiktiven Reisegeschichte von Jonathan Swift. Es wurde eines der meistgelesenen Bücher der Weltliteratur. Unzählige Male verlegt, wurde vor allem die Adaptation von Erich Kästner, der die ersten zwei Reisen Gullivers für Kinder und Jugendliche umschrieb, hierzulande bekannt.
Es folgten Verfilmungen, Hörspiele und Hörbücher in großer Zahl. Meist ist in diesen Versionen die Reise Gullivers nach Liliput, dem Land der Winzlinge, und nach Brobdingnag, der Insel der Riesen, thematisiert. Allen diesen meist stark gekürzten Ausgaben ist zu Eigen, dass sie den kritischen, satirischen Gehalt der Urfassung von Jonathan Swift mehr oder minder stark herausredigieren. Das Ergebnis ist meist ein reiner Reisebericht, der die markanten und fantastischen Besonderheiten der jeweiligen Kultur herausstellt. Sehr wenig oder gar nicht wird die Kritik Swifts an den herrschenden politischen und sozialen Verhältnissen des damaligen englischen Königreiches thematisiert.
Die vorliegende Fassung des Ueberreuter-Verlags ist die gekürzte Fassung der ersten zwei Reisen Gullivers. Entgegen starker Kürzungen in den meisten Hörbüchern bemüht sich diese Hörbuch-Variante um großen Detailreichtum. Die Kürzungen betreffen zwar einige der kritischsten Formulierungen von Jonathan Swift, machen aber an vielen Stellen deutlich, dass die Utopie einer wahren Demokratie und Monarchie, wie sie in Liliput zu herrschen scheint, nur vordergründig existiert. Es wird klar, dass sich Machtstreben und Intrigen, Gier nach fremdem Besitz und Hinterlist hinter einer Fassade der Wohlanständigkeit verstecken.
Leider fehlt dem von Bodo Primus sehr versiert und atmosphärisch treffsicher vorgetragenen Hörbuch ein wenig der Humor. Nur selten ist es lustig, streckenweise arg durch seinen Detailreichtum der Langeweile nahe. Dank Primus und seines lebendigen Vortrags scheint es aber zu jedem Zeitpunkt ein wahrer Tatsachenbericht zu sein und der Hörer bleibt fasziniert und durch die immer wieder überraschenden Wendungen der Geschichte auch angespannt.
Ein noch besserer Spannungsbogen erwartet den Hörer auf der zweiten CD, die weitestgehend der zweiten Reise von Gulliver gewidmet ist.

Fazit: Auch wenn zahlreiche Kürzungen den Originaltext von Jonathan Swift verfremden und ihn fast zu einer reinen Abenteuergeschichte machen, wird das Bemühen deutlich, die sozialen und politischen Hintergründe Liliputs und Brobdingnags herauszuarbeiten und als Allegorie auf das England des siebzehnten Jahrhunderts zu umreißen. Mit wenig Humor, aber gekonntem Spannungsaufbau - hier vor allem die zweite Reise betreffend - gefällt diese Ausgabe Hörern, die Anspruch und Unterhaltung im Gewand einer Abenteuergeschichte suchen. Die Stärke dieses Hörbuchs ist, neben dem Versuch zu kürzen und zu akzentuieren, eindeutig der Vortrag von Bodo Primus. Er verleiht diesem Reisebericht zu jedem Zeitpunkt den Charakter einer realen und glaubhaften Geschichte.
Besonders hervorzuheben ist auch das sehr gelungene Titelbild der CD-Hülle und der konkurrenzlos günstige Preis dieser Klassiker-Edition.

Stefan Erlemann
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am 23. April 2016
Meinung
Die Geschichte „Gullivers Reisen“ kennt vermutlich auch nach diversen Verfilmungen jeder. Gulliver fährt zur See und erleidet nach einem Sturm Schiffbruch. Er findet sich am Strand einer Insel wieder, deren Bewohner winzig klein sind. Ihre Angst vor dem „Riesen“ ist nachvollziehbar und gerade ihr Versuch ihn zu fesseln und im Zaum zu halten, bekannt und amüsant.
Dass seine Reise aber nach dem Besuch in Liliput noch weiter geht, wissen die wenigsten. Gulliver besucht eine weitere Welt, in der Riesen herrschen und in denen er der Winzling ist, kommt danach in eine Welt, in der die Menschen die unterentwickelte Spezies sind und sprechende Pferde herrschen und Menschen zu Sklavendiensten einsetzen und schließlich in eine Welt, die sogar fliegen kann.

Was viele für ein amüsantes Märchen für Kinder gehalten haben, ist eigentlich eine ernsthafte Kritik am England des 18. Jahrhunderts und damit hoch politisch. Autor Swift kritisiert fein, intelligent, anspruchsvoll und ironisch die moralischen und politischen Aktivitäten und Denkweisen der Politik. Das Hörbuch ist also nicht nur Unterhaltung für Kinder, sondern auch sehr interessant für alle Erwachsenen, die die Hintergründe verstehen.

Diese Version der Geschichte „Gullivers Reisen“ ist eine ungekürzte Lesung, die bei Der Audio Verlag in der Reihe „Große Werke – Große Stimmen“ erschienen ist und ursprünglich 1983 vom SWR produziert wurde.
Sprecher Hans-Helmut Dickow, Schauspieler und Hörbuchsprecher, liest die Geschichte voller Atmosphäre und macht sie mit seiner markanten Stimme zu seiner eigenen.

Das Cover in stimmigen Brauntönen zeigt einen antik wirkenden Globus. Das Cover passt hervorragend zur Geschichte und den Reisen, die Gulliver bestehen muss.
Verpackt sind die beiden MP3-CDs in einem Digipak aus Pappe, das im Inneren neben den Produktionsdaten auch kurze Informationen zu Autor und Sprecher präsentiert.

Fazit
Politische Satire geschickt verpackt in einer Geschichte für Kinder. Das ist raffiniert und unterhaltsamen zugleich und gibt Denkanstöße.
Hochklassige Produktion und hervorragender Sprecher runden das Paket ab und bescheren Hörunterhaltung der Extraklasse.
Volle Punktzahl für ein großartiges Hörbuch.
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am 25. April 2012
Auf sprachlich sehr hohem Niveau erzählt Kästner die Geschichten von Gullivers Abenteuer. Ein echtes Vergnügen für die ganze Familie. Auch die Bilder - wie bei Kästnerbüchern gewohnt - sind wieder toll gemacht. Ein echter Genuss.
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