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5.0 von 5 Sternen Informativ & unterhaltsam.
Unvoreingenommen und unparteiisch berichtet ein Personenschützer von seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. Vielfach begegnete er im Rahmen seiner dienstlichen Verpflichtungen Personen des öffentlichen Lebens und teilt dem Leser mit, was er mit mehreren Jahrzehnten Abstand für überliefernswert hält. Wissenswertes erfährt man so bspw...
Vor 3 Monaten von Luzifer & SpaceGirl veröffentlicht

versus
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig
Der Buchtitel heißt ja: "An Honeckers Seite". Eigentlich hätte Brückner den Titel etwas umbenennen sollen, nämlich in: "AUF Honeckers Seite". Denn im Buch ist schon zu merken, dass Brückner seinen ehemaligen Dienstherrn auch verteidigen möchte, ihn als einsamen Mann an der Spitze sah, der sich für seinen Staat aufopferte, der aber von...
Vor 11 Monaten von Falk Müller veröffentlicht


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 16. Mai 2014
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Der Buchtitel heißt ja: "An Honeckers Seite". Eigentlich hätte Brückner den Titel etwas umbenennen sollen, nämlich in: "AUF Honeckers Seite". Denn im Buch ist schon zu merken, dass Brückner seinen ehemaligen Dienstherrn auch verteidigen möchte, ihn als einsamen Mann an der Spitze sah, der sich für seinen Staat aufopferte, der aber von falschen Freunden umgeben war, die ihm die wahre Situation im Land verschwiegen, und obendrein nach seinem Posten trachteten.

Gegen die nachwirkende Loyalität gegenüber seinem ehemaligen Chef ist an sich auch nichts zu sagen. Denn durch das Buch lernt man schon einen Menschen Honecker kennen, der nicht wirklich unsympathisch ist, der eigentlich sehr genügsam, höflich und kinderlieb war. Und dies wirkt im Buch für mich auch glaubwürdig. Etwa wenn der Autor erwähnt, wie im Januar 1988 Honeckers Lieblingsenkel überraschend starb und er auf keinen Fall wollte, dass es in die Öffentlichkeit gelangte, sondern stattdessen in sich gekehrt trauerte.

Die Frage ist nur: Interessiert das jetzt noch eine breite Öffentlichkeit? Die Nähe, die der Autor als Leibwächter zu Honecker hatte, scheint mir für das Buch kein Vorteil, sondern eher ein Nachteil zu sein. Denn die Nähe verstellt auch den Blick auf das große Ganze. Eine Auseinandersetzung mit der politischen Verantwortung Honeckers findet im Buch kaum statt. Wahrscheinlich kann man das von einem ehemaligen Leibwächter auch nur begrenzt erwarten, der zwar nah an Honecker dran, aber doch nicht in die wichtigen Entscheidungen eingebunden war.

Aber Brückner hat doch einiges gesehen, was der DDR-Öffentlichkeit damals verborgen geblieben war. Etwa, dass Honecker, wie so viele politische Führer, eine gewisse Selbstherrlickeit an den Tag legte. So beschreibt der Autor etwa, wie Honecker den Bodenbelag seines Büros mehrmals austauschen ließ, weil ihm die Farbe nicht gefiel. Oder Honeckers Flucht aus der Realität. Zu dessen Jagden in der Schorfheide, die oftmals dreimal in der Woche stattfanden, vermutet Brückner, dass er vieles damit kompensieren wollte. Zitat: "Man hat viel von ihm ferngehalten. Und er wollte vieles auch nicht wahrhaben." Vielleicht gilt der letzte Satz ja auch für den Autor selbst!
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 26. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist leicht zu lesen,Herr Brückner vermittelt durchaus interessante Einblicke wie die Spitzenfunktionäre so lebten.
Nicht gefallen hat mir die ständige Verharmlosung von Hr. Honecker. Herr Honecker wird als armer, alter Mann geschildert, der unverstanden durchs Leben ging. Man sollte ,auch bei wohlwollender Betrachtung, nicht vergessen, dass wir es mit einem Cheftäter
und keinem Opfer zu tun haben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannung fehlt!, 29. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Das Buch ist soweit okay, doch die Spannung fehlt. Ich fand es etwas langweilig und habe sogar Kapitel übersprungen. MfG
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5.0 von 5 Sternen Informativ & unterhaltsam., 18. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Unvoreingenommen und unparteiisch berichtet ein Personenschützer von seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. Vielfach begegnete er im Rahmen seiner dienstlichen Verpflichtungen Personen des öffentlichen Lebens und teilt dem Leser mit, was er mit mehreren Jahrzehnten Abstand für überliefernswert hält. Wissenswertes erfährt man so bspw. über:

PJOTR ANDREJEWITSCH ABRASSIMOW.
Insgeheim habe man ihn "Gouverneur" oder "Regierender Botschafter" genannt. Wenn der Diplomat mit den blau ondulierten Haaren in seine Datsche am Wandlitzsee wollte, habe er gefordert, dass man zuvor die Strecke für ihn absperrt. Kein anderer Botschafter habe je Ähnliches verlangt. Abrassimow habe in Wandlitz einkaufen dürfen und sich hierbei "exorbitant und unverschämt verhalten". Für Mark der DDR habe er in der Sonderverkaufsstelle Westwaren erworben, sie bis unters Autodach gestapelt und gar nicht daran gedacht, seine Einkäufe abzudecken, wenn er damit prahlerisch durch die Gegend fuhr und den DDR-Bürgern demonstrierte, was er alles kaufen konnte und sie nicht. Honecker habe ihn einige Male zur Jagd eingeladen. Der Botschafter habe aber nie etwas getroffen, was Honecker hinter vorgehaltener Hand entsprechend kommentierte. Als einziger Diplomat habe Abrassimow einen Freifahrtschein für Wandlitz besessen. Er habe dieses Privileg auch entsprechend genutzt und Honecker immer wieder mit Banalitäten behelligt, welche er in der Zeitung gelesen hatte, welche "dringlich" waren und "keinen Aufschub duldeten." Wenn Abrassimows Limousine in Wandlitz vorfuhr, pflegte man zu sagen: "Jetzt hat er wieder den Wetterbericht gebracht." In der Silvesternacht 1979 habe Abrassimow tatsächlich einmal eine wichtige Nachricht übersandt (es ging darin um ein Hilfeersuchen der Demokratischen Volkspartei von Afghanistan). Da seine sonstigen Depeschen aber meistens nur Unfug enthielten, ignorierte man das Schreiben, legte es ungelesen beiseite und widmete sich den Neujahrsfeierlichkeiten, bis Abrassimow Stunden später anrief und hinzufügte, dass es dieses Mal wirklich wichtig sei. (S. 113ff.) Honecker sei es irgendwann leid gewesen, sich von ihm "bevormunden zu lassen." Er habe seine unangekündigte Besuche in Wandlitz als störend empfunden und 1983 bei Juri Andropow um eine Ablösung des Botschafters gebeten. Er begründete dies damit, dass es leider unmöglich sei, mit dem Genossen Abrassimow "einen politischen Dialog zu führen." (S. 122f.)
Zuweilen habe Abrassimow hochrangige Politiker angerufen und verlangt, für mehrere Hundert Millionen Mark Baumaßnahmen in die Wege zu leiten, welche er mit Honecker angeblich abgestimmt habe. Wenn man sich dann im Büro des Generalsekretärs vorsichtig erkundigte, ob das zuträfe, sei meist herausgekommen, dass Honecker Abrassimows Vorschläge zwar kannte, ihnen aber nicht zugestimmt hatte (S. 127).
Abrassimow sei ein Denunziant gewesen, welcher es sich nicht habe nehmen lassen, Honecker persönlich anzuschwärzen. Der Autor beruft sich auf einen Brief von 1979, welchen Egon Winkelmann im Oktober 1982 von seinem Moskauer Freund Wladimir Zapanow erhielt. Darin bescheinigte der sowjetische Botschafter dem Staatsoberhaupt der DDR, dass er zweifelsohne ein erfahrener Organisator sei, jedoch "besitze er nicht die notwendige Willenskraft." Der Staatsratsvorsitzende der DDR "sei eitel und lasse sich beeinflussen." In Fragen der Theorie "kenne er sich unzureichend aus." In Gesprächen mit Vertretern der Sowjetunion "sei Honecker nicht ehrlich und lege die taktische Linie der DDR gegenüber der BRD nicht offen dar."
Im Mai 1983 habe Honecker mit Andropow über Abrassimow gesprochen. Drei Wochen später habe man dessen Ablösung beschlossen. Zum Abschied habe Abrassimow den "Großen Stern der Völkerfreundschaft" verliehen bekommen. An seinem Abschiedsessen hätten lediglich Egon Krenz, Alfred Neumann und Paul Verner teilgenommen, was Honeckers Art gewesen sei "subtile Rache zu üben." (S. 123ff.).
Nach Abrassimows Rückkehr in die Sowjetunion machte Andropw ihn zum Chef des Touristik-Unternehmens "Intourist". 1985 wurde er dann noch einmal für ein Jahr als Botschafter nach Japan entsandt. Dann kam Gorbatschow an die Macht, welcher "den selbstgefälligen und arroganten Diplomaten in Rente schickte." (S. 126).

HERMANN AXEN.
Laut Aussage des Autors gehörte Axen neben Werner Jarowinsky und Joachim Herrmann zu jenen ZK-Mitgliedern, welche sich beim Generalsekretär anbiederten und "zur Mittagszeit am auffälligsten in Honeckers Dunstkreis drängten." (S. 215)

HANNELORE BANASCHAK.
Honeckers Ärztin sei eine gebildete, kultivierte und bescheidene Frau gewesen. Verheiratet war sie mit dem Chefredakteur der Zeitschrift "Einheit". (S. 170).

GERHARD BEIL.
Beil sei das erste Mitglied der Staatsführung gewesen, das seine Anzüge nicht von der Stange kaufte, sondern sie von einem Schneider fertigen ließ. Andere Mitglieder des Politbüros wären später seinem Beispiel gefolgt und hätten sich Anzüge in West-Berlin maßanfertigen lassen (S. 231f.) Bei der berühmten Pressekonferenz am 09.11.1989 habe Beil neben Helga Laabs, Günter Schabowski und Manfred Banaschak gesessen (S. 170).

MICHAIL GORBATSCHOW.
Brückner nennt Gorbatschow einen "verlogenen Heuchler" und zitiert Botschafter Gerd König mit der Aussage "Gorbatschow schwärmte in Illusionen und glänzte vor Eitelkeit und Schönfärberei". Der Autor berichtet von einem Staatsbesuch Honeckers im Frühjahr 1989 in der damaligen Sowjetunion. Gorbatschow habe Honecker nur widerwillig empfangen und auch nur, "weil es sich nicht vermeiden ließ.". Er habe Honecker seine Unterstützung zugesichert, im Herbst 1989 aber nichts mehr von seinem ihm gegebenen Versprechen wissen wollen (S. 16)

GERHARD GRÜNEBERG.
Gerhard Grüneberg und Günter Mittag wären Honeckers Saufkumpane gewesen. Gemeinsam mit ihnen habe Honecker nach offiziellen Anlässen gern einmal "dem Alkohol zugesprochen" (S. 232f.).

KURT HAGER.
Hager habe "französische Freunde" gehabt, denen man freien Zuganz zur Waldsiedlung Wandlitz gewährte (S. 147). Nach der Wende habe Hager seine früheren Genossen Schabowski, Schürer und Herrmann geschnitten und sie nicht mehr gegrüßt (S. 109f.)

JOACHIM HERRMANN.
Herrmann habe zwei in der Sowjetunion studierende Söhne und mit seiner Gisela "eine ziemlich vernünftige Frau gehabt", die als Journalistin das Kulturressort bei der BZ leitete (S. 216f.). Herrmann sei von einem "kindischen Ehrgeiz" besessen gewesen, wenn es darum ging, sich Honeckers Wohlwollen zu erschleichen. Vor allem mit "Großmäuligkeit" habe er immer wieder versucht, selbiges zu erlangen. Mit seiner sprichwörtlichen Berliner Schnauze habe Herrmann alles und jeden "zu Boden gequatscht." Vor allem ihm sei es zu verdanken gewesen, dass die DDR-Medien Honecker geradezu kultisch feierten und dass überall sein Porträt auftauchte (S. 101f.)

LOTHAR HERZOG.
Herzog, der nach der Wende ein Buch veröffentlichte mit dem Titel "Honecker privat - Ein Personenschützer berichtet" sei in Wahrheit gar kein Personenschützer sondern lediglich Honeckers Butler gewesen (S. 189).

ERICH HONECKER.
Der Autor beschreibt Honecker als einen sehr bescheidenen Menschen, der immer pünktlich war (S. 112), seine Anzüge von der Stange kaufte und vor Reden oder wichtigen Auftritten unter Lampenfieber litt (S. 231). Seine Büroeinrichtung sei sehr spartanisch gewesen (S. 209).

MARGOT HONECKER.
Honeckers Gattin sei eine Frühaufsteherin gewesen, die auf dem Beifahrersitz eines Fiat jeden Morgen als Erste Wandlitz in Richtung Berlin verließ. Während der Fahrt hörte sie den Berliner Rundfunk und las das "Neue Deutschland". Den politischen Teil habe sie nur überflogen, beim Feuilleton habe sie länger verweilt. Mit Unmutsbekundungen habe sie sich hierbei nicht zurückgehalten. "Was schreibt der wieder für einen S*****?!" sei eine häufig geäußerte Meinungsbekundung gewesen. (S. 160ff.). Ihren Fahrer, Fahrer Georg Melzer, der sie von 1974-1989 fuhr, habe sie jeden Morgen mit Handschlag begrüßt und ihn darum gebeten, die zugelassene Höchstgeschwindigkeit einzuhalten. Den Volvo, den Erich Mielke ihr schenkte, habe sie abgelehnt. Auch habe sie es abgelehnt, in der Wandlitzer Sonderverkaufsstelle Waren zu erwerben, da sie dieses Privileg als unangemessen empfunden habe (S. 150).

ELLI KELM und ILSE BUHL.
Kelm & Buhl wären Honeckers Sekretärinnen und insbesondere Elli Kelm (Jahrgang 1940) die mächtigste Frau der DDR gewesen (S. 208). Sie habe bisweilen "die Zügel etwas schleifen lassen", habe Buhl die Büroarbeit machen lassen und ihr Strickzeug herausgeholt. So etwas wie Scham sei ihr völlig fremd gewesen. Selbst wenn Honecker mit ihr sprach, habe sie nicht aufgehört, mit ihren Stricknadeln zu klappern (S. 169). Ihre Macht habe sie genossen. Wenn Erich Mielke ins Vorzimmer kam und fragte, ob Honecker zu sprechen sei, habe Kelm ihn mit den Worten: "Er ist jetzt beschäftigt!" erstmal prinzipiell abblitzen lassen (S. 91). Heinz Hoffmann und Heinz Keßler wären die einzigen Menschen gewesen, die sie nicht aufzuhalten vermochte. Elli Kelm habe ein "diktatorisches Herrschaftsregiment" geführt. Als Chefsekretärin sei sie bei allen Auslandsreisen mit dabei gewesen. Generäle hätten vor ihr stramm gestanden und auch die Politbüromitglieder habe sie gelehrt,"Haltung anzunehmen." Der Autor faßt das Wesen von Honeckers weiblichem Zerberus zusammen in Sätzen wie: "Mit Elli war nie gut Kirschen essen." (S. 166) oder "Wenn man Honeckers Ohr wollte, mußte man zuvor Elli Kelms Herz erobern." (S. 169). Ihr Auftreten sei respektlos und herrisch gewesen, selbst Honeckers Ehefrau Margot habe nichts zu melden gehabt, wenn Elli Kelm in Fahrt geriet. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Martin, der Staatssekretär und Vorsitzender des Bauhaus-Kuratoriums war, habe Kelm in der Schorfheide in der Revierförsterei "Eichheide" residiert, welche sie für 55 000 Mark erworben hatte. Nach der Wende wollte man ihr aus diesem Kauf einen Strick drehen, weil die neuen Machthaber den Kaufpreis rückblickend als zu niedrig einstuften. Elli habe "ihr Büro und das ganze Haus im Griff gehabt." SIE habe entschieden, was Honecker zu sehen bekam und was nicht. In der DDR sei quasi nichts geschehen ohne ihre Absegnung. Gerüchten zufolge war sie in jungen Jahren Honeckers Geliebte. Launisch sei sie gewesen und exaltiert. Es habe für sie auch kein Problem dargestellt, ihre Schwiegertochter im Haus unterzubringen(S. 165).

HEINZ KESSLER.
Mit Kessler sei Honecker seit den 40er Jahren befreundet gewesen. Wenn er zu ihm wollte, sei er mit einem: "Tach Elli, ist er Chef da?" ins Vorzimmer des Generalsekretärs gekommen, habe die Antwort aber nicht abgewartet, sondern sei gleich in dessen Zimmer gegangen, was Honecker mit einem "Heinz, schön, komm rein..." akzeptiert habe (S. 90). Im Oktober 1989 weilte Kessler dienstlich in Lateinamerika. Der Autor resümiert, dass bei Honeckers Absetzung einiges anders gelaufen wäre, wenn Kessler an der besagten Sitzung teilgenommen hätte. Wenn jener Geburtstag hatte, sei Honecker jedes Jahr zu ihm nach Straußberg gefahren und habe mit ihm mehrere Stunden lang gefeiert (S. 92).

HELMUT KOHL.
Der Autor berichtet, dass er Hannelore & Helmut Kohl gemeinsam mit ihrem Sohn Peter 1988 auf einer privaten Reise durch die DDR begleitete und dass der Bundeskanzler ihm ein Taschenmesser mit Namenszug schenkte (S. 10). Dabei habe es sich hierbei um einen billigen Massenartikel gehandelt. Kohls Handschlag habe da schon größeren Wert besessen (S. 71). Auf seiner Reise habe Kohl zwei Fahrer, einen "Ministerialen" und den Regierungssprecher Friedhelm Ost dabeigehabt. Spätere Behauptungen von Zeitungen, Kohl sei auf seiner Reise häufig erkannt und von Passanten umringt gewesen, entsprächen nicht der Wahrheit, alles sei sehr diskret abgelaufen. Der Bundeskanzler habe darum gebeten, mit "Herr Dr. Kohl" angesprochen zu werden. Als er durch Erfurt spazierte, habe es angefangen zu regnen, woraufhin die Kohl sich in einen Hauseingang stellten, da die Bundeskanzlergattin Angst um ihre Frisur gehabt habe (S. 61ff.) 2006 sei ein Buch erschienen mit dem Titel "Westbesuch. Die geheime DDR-Reise von Helmut Kohl". Den Wahrheitsgehalt der in diesem Werk gemachten Angaben kann Bernd Brückner nur bedingt bestätigen (S. 72).

EGON KRENZ.
Der Autor berichtet, dass Honecker sehr besorgt war um die Sicherheit von Krenz. 1984 habe er ihn zu einem Staatsbesuch in Moskau bewußt nicht mitgenommen, um ihn vor einer möglichen Verhaftung zu schützen (S. 104). Krenz sei fleißig und "sehr engagiert" gewesen und habe sein Büro selbst an Freitagen nicht vor 18 Uhr verlassen (S. 214). An der Jagd sei Krenz nicht interessiert gewesen. Als man ihm 1981 nach dem Tod von Gerhard Grüneberg dessen Jagdrevier in Drewitz schenken wollte, habe er das Geschenk abgelehnt (S. 92).

ERICH MIELKE.
Immer wieder sei Honecker von Mielke zum Jagen eingeladen worden, jener habe diese Einladung aber nie angenommen, da er generell "Distanz hielt zu seinesgleichen." (S. 107f.) Mielke habe Honecker mit Präsenten überhäuft und immer wieder vergeblich versucht, die Gunst des Generalsekretärs zu gewinnen (S. 105). Weil sein Chef gerne sang, habe auch Mielke gern mal ein Liedchen angestimmt, habe aber nie den Text beherrscht, was ihm jedoch nichts ausgemacht habe, da er ein Gefühl wie Scham nicht gekannt habe (S. 236). Auf S. 125 zitiert der Autor aus den Erinnerungen Egon Winkelmanns. Laut jenem sei Mielke mehrfach nach Moskau gereist, habe sich mit Andropow getroffen und über Honecker "ganze Kübel von Schmutz ausgegossen." Dann sei er nach Berlin zurückgereist "als wäre nichts gewesen" und habe Honecker gegenüber weiterhin Ergebenheit demonstriert. Honecker habe keine Ahnung gehabt von Mielkes Doppelspiel. Gegenüber Untergebenen sei Mielke "anmaßend bis zur Peinlichkeit gewesen." Seine offenkundige Unsicherheit habe er hinter einer Maske aus Albernheit verborgen. Er habe schlechte Witze erzählt und sich selbst vor Lachen darüber ausgeschüttet (S. 80ff.)

GÜNTER MITTAG.
Der "diabolische" (S. 283) Mittag habe neben Erich Mielke und Joachim Herrmann zu den drei Männern gehört, denen Honecker vertraute und die uneingeschränkten Zugang zu seinem Büro hatten. In ihrem Ringen um Honeckers Gunst habe zwischen Mittag, Mielke und Herrmann eine unübersehbare Rivalität geherrscht. Mittag sei besessen gewesen von dem "kindischen" Ehrgeiz, seine Rivalen im Vergleich zu ihm blass aussehen zu lassen. Er habe mit Geschenken wie Jagdwaffen und Jagdbekleidung immer wieder versucht, sich das Vertrauen seines Chefs zu erschleichen (S. 101/S. 105). Mittag habe Honecker einst für 300 000 DM zwei Range Rover geschenkt. Die Fahrzeuge hätten umgebaut werden müssen, was ihren Preis noch einmal um die Hälfte verteuert hätte. (S. 135). Es sei Günter Mittag unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gelungen, Honecker weiszumachen, dass er etwas von Wirtschaftsfragen verstünde (S. 283).
Günter Mittag sei äußerst lärmempfindlich gewesen. Ursprünglich habe man die Verkaufsstelle in Wandlitz mit einem Wartburg beliefert, dessen Motorgeräusch Mittag so sehr gestört habe, dass man extra einen elektrisch angetriebenen VW anschaffen mußte (S. 149). Mehrfach habe Honeckers Hund Mittag in die Beine gebissen, was diesen aber nur peripher tangiert habe, da es sich um schmerzunempfindliche Prothesen handelte (S. 224). Auf S. 240 berichtet der Autor von einem Stau auf der Autobahn, welcher entstand, weil Mittag dringend urinieren mußte, was von einer ganzen Fahrzeugkolonne verlangte, abrupt stehenzubleiben, damit der Wirtschaftsminister sich am Fahrbahnrand erleichtern konnte (S. 240). Zur Jagd sei Mittag immer mit einem Repetiergewehr gegangen, um "möglichst rasch und viel ballern zu können." (S. 254). Nach Einschätzung des Autors war Mittag "ein Wichtigtuer von unbeschreiblicher Arroganz und Selbstherrlichkeit". Was seine politische Position betraf, sei er "sowohl unwillig als auch unfähig" gewesen, was sich in zum Teil "grotesken Szenen" offenbart habe: Wenn bspw. Anrufe vom Ministerium eintrafen, Mittag möge sich doch bitte wegen einer Staatskrise dringend melden, habe jener diese Mitteilung zur Kenntnis genommen, sei dann aber erstmal "mit demonstrativem Desinteresse" für mehrere Stunden auf die Jagd gegangen. Erst nach seiner Rückkehr habe er sich mit den entsprechenden Stellen in Verbindung gesetzt. Was in der DDR vor sich ging, habe Mittag "völlig kalt gelassen." Trotz seines schweren Diabetes habe er darauf spekuliert, seinen Chef zu beerben. Im September 1989 habe er in Erwartung einer baldigen Machtübernahme für sich persönlich schon mal zwei "gestreckte" Citroens bestellt, also das Modell, welches in der DDR nur Honecker fuhr. Am 18. Oktober 1989 habe "Königsmörder" Mittag dann "den Dolch geführt". Honecker habe den Verrat seines vermeintlichen Freundes niemals verwunden (S. 276ff.) Er habe ihn bis dahin als eine Art Familienmitglied betrachtet. Bei jedem Anlass sei Mittag von den Honeckers eingeladen worden. Im Januar 1988 habe er am Grab von Honeckers verstorbener Enkelin die Trauerrede gehalten (S. 92). Auf S.125 zitiert der Autor aus einem Schreiben des DDR-Botschafters Abrassimow aus dem Jahr 1979, in welchem jener der sowjetischen Staatsführung mitteilt, dass Honecker von Mitarbeitern umgeben sei, welche ihm in allen Punkte Recht geben würden, wobei er ausdrücklich Günter Mittag und Erich Mielke erwähnt.

KONRAD NAUMANN.
Naumann sei 1985 von seinen politischen Ämtern entbunden worden, weil er Alkoholiker war. Honecker habe Naumann gemocht. Seine Art, über ihn zu reden, sei von Verständnis und Nachsicht geprägt gewesen (S. 133f.)

JOHANNES RAU.
Der einstige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wird vom Autor als unbedarft und unhöflich beschrieben. Auf der Frühjahrsmesse habe er versucht, Honecker zu provozieren. Honecker habe staatsmännisch und souverän reagiert und sich nicht provozieren lassen (S. 174f.)

GÜNTER SCHABOWSKI.
Nach der Wende habe Schabowski seine früheren Genossen Hager, Schürer und Herrmann geschnitten und sie nicht mehr gegrüßt (S. 109f.)

HELMUT SCHMIDT.
Honecker habe es Schmidt lange Zeit übel genommen, dass dieser sich als Wehrmachtsoffizier an der Belagerung Leningrads beteiligte und hierfür das Eiserne Kreuz erhielt (S. 74). Aus Gründen der Vernunft habe er dennoch das Gespräch mit ihm gesucht. Wenn Honecker den deutschen Bundskanzler empfing, bspw. im Dezember 1981 in Dölln, habe selbiger ihn mit "verehrter Freund" angesprochen. Gemeinsam hätten sie Radeberger Bier und Nordhäuser Doppelkorn getrunken. Nach Honeckers Sturz sei es Schmidt sehr unangenehm gewesen, daran erinnert zu werden, dass der Generalsekretär einst sein Freund war (S. 10).

GERHARD SCHÜRER.
Nach der Wende habe Schürer seine früheren Genossen Schabowski, Hager und Herrmann geschnitten und sie nicht mehr gegrüßt (S. 109f.)

HORST SINDERMANN.
Mit Sindermann habe Honecker nur schriftlich über Hausmitteilungen kommuniziert. Der Vorsitzende der Volkskammer sei niemals im Büro seines Chefs gewesen (S. 100f.) Seinen Jagdsitz habe er im Forsthaus Reluch in Groß Schönebeck gehabt. Gejagt habe er hier aber kaum, sondern lieber über im Wald installierte Kameras die Tiere beobachtet (S. 108)

ERIKA STEINHORST.
Honeckers Physiotherapeutin sei eine sehr bescheidene Frau gewesen, die gern Kaffee trank und eine Finnhütte im nordöstlichen Teil der Schorfheide besaß (S. 141). Sie war Angestellte des Regierungskrankenhauses und verheiratet mit einem Hauptmann, der Honecker auf Staatsreisen als Dolmetscher begleitete. Honecker habe ihr einst einen "Niwa" geliehen, den sie an den Jagdleiter weiterreichte, welcher das Revier Reihersdorf betreute. Besagter Jagdleiter habe über Jahre hinweg gratis tanken dürfen und sich auch immer noch 100 Liter Reservesprit geben lassen. Nach der Wende habe er seinen Gönner dann nichtsdestotrotz einen "Ausbeuter und Schuft" genannt (S. 172f.)

WILLI STOPH.
Stoph habe jeden Tag um 14 Uhr ein Nickerchen gehalten und verlangt, dass während dieser Zeit im Haus Ruhe herrschte (S. 209). Er habe mit Honecker nur per Hausmitteilung kommuniziert und sei niemals in dessen Büro gewesen (S. 100). Völlig zu unrecht habe Stoph den Spitznamen "Roter Preusse" getragen, weil ihm soldatische Disziplin und unnahbare Strenge nachgesagt wurden. Dies habe absolut nicht den Tatsachen entsprochen. Stophs Unpünktlichkeit sei legendär gewesen. Wenn er seinen Fahrer für 8 Uhr einbestellte, habe dieser mindestens zwei Stunden warten müssen, da Stoph das Haus nie vor 10 Uhr verließ. Seinen Verpflichtungen als Vorsitzender des Ministerrates sei er lustlos und nachlässig nachgekommen. Die meiste Zeit habe er auf seinem Jagdsitz in Birkenheide verbracht, wo er in Gewächshäusern Rosen züchtete. Seine Personenschützer mußten, sobald er eintraf, Gartenarbeit verrichten und ihn abends zur Jagd begleiten, welche nur selten vor 23 Uhr endete. Auch Honecker habe er gern mal warten lassen, nicht aus Schikane, sondern aus Desinteresse und mangelndem Respekt gegenüber jedermann (S. 110ff.). Entsprechend schlecht sei Honeckers Meinung über Stoph gewesen. Auf S. 124 wird er zitiert mit dem Satz: "Außenpolitik macht der Generalsekretär und nicht der Stoph."

HARRY TISCH.
Ebenso wie Günter Mittag sei auch Harry Tisch sehr "hinfällig" und häufig krank gewesen. Im Vergleich zu Tisch & Mittag sei Honecker eigentlich "gut beieinander gewesen." (S. 263)

PAUL VERNER.
Der Autor berichtet, dass Joachim Herrmanns Sohn sich ein zahmes Murmeltier hielt. Verners Gattin Irma habe Angst vor dem possierlichen Nager gehabt und ihn 1984 durch Sicherheitskräfte erschießen lassen, worauf Gisela Herrmann Verners Ehefrau als "Kuh" bezeichnete (S. 216).

HELGA WITTBRODT (1910-1999).
Die Tochter des einstigen Bürgermeisters von Berlin-Tempelhof habe fast 40 Jahre lang das Regierungskrankenhaus geleitet. Von 1950 bis 1990 habe sie für den DFD in der Volkskammer gesessen. Sie sei ein angenehmer und bescheidener Mensch mit großem Selbstbewußtsein gewesen (S. 169ff.)
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Weiße Weste, 3. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Also dieses Buch ist wirklich ein Armutszeugnis: Der Autor möchte sich selber (als ehemaliger Stasi-Mann) als auch seinem Schützling eine weiße Weste verpassen. Der Duktus läßt keine Wünsche offen, das DDR-Regime zu verteidigen und den damaligen Klassenfeind unfundiert und zusammenhangslos in's schlechte Licht zu rücken - wie ein beleidigtes Kind. Die Oberpeinlichkeit findet dann auf Seite 173 statt: "Ich selbst, um das einmal festzuhalten, zog aus meiner Tätigkeit keine Vergünstigungen"...es kommen einem die Tränen. Des weiteren sind zahlreiche Bildunterschriften nicht vollständig - warum?! Auch der Verlag hat sich sowohl im Lektorat (zahlreiche Rechtschreibfehler) als auch im Druck (mieseste Qualität aus Tschechien) nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Sehr schade um die 14,99€ und auf keinen Fall als geschichtlich wertvoll zu empfehlen!!!
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21 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen reiht sich in die Liste der Köche und "Butler" ein, 19. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Wer erwartet hier Interessantes oder mehr zu erfahren, als ein Loblied ohne jegliche persönliche Reflektion oder ehrliche Selbstkritik wird wieder einmal enttäuscht. Auch Details zum Aufbau, Aufgaben des Komandos 10 werden praktisch nicht geliefert, der MDR bringt in seinen Sendungen mehr Informationen. Außer ein paar oberflächlichen Abrechnungen mit nicht mehr lebenden Personen, z.B Elli Kelm (EH persönliche Sekretärin) wird weder Roß noch Reiter benannt und seine eigene Rolle im System EH schon gar nicht.
Sehr enttäuschend Herr Brückner, das hätten Sie besser machen können....
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurzweilig und interessant, 9. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Liest sich schnell, einfach geschrieben. Ein literarisches Werk sollte man nicht erwarten. Leider wenig Kritik des Autors am System und an den Repräsentanten. Informativ, mit wenigen neuen Hintergründen. Trotzdem lesenswert.
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35 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Durch und durch verlogen! Kein Wort über die Opfer! Und nun will er am Leid der anderen auch noch Geld verdienen, 2. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Fazit vorab: Ein dummes, verlogenes und inhumanes Buch, das das Leben eines Mannes, der ein kleines, aber wichtiges Rädchen in einem unmenschlichen Staat war, rechtfertigen soll. Und damit will der Autor jetzt auch noch Geld verdienen! Von A bis Z zum Kotzen!

Bernd Brückner war von 1976 bis 1989 der Hauptleibwächter von Erich Honecker. Er hat einem Unrechtsregime treu und unterwürfig gedient, und in diesem Unrechtsregime wieder dem allerobersten Schurken. Natürlich war Honecker kein Hitler, kein Mao und kein Stalin, sondern die zwergenhaft-lächerliche Ausgabe eines bürokratischen, sozialistischen und in mancher Hinsicht sogar wohlmeinenden Herrschers, ein Diktator und ein Unmensch war er trotzdem. Brückners Buch ist eine passende Ergänzung zu all den Büchern, die man aus der rechten Schmuddelecke kennt, also von Hitlers Sekretärin (Bis zur letzten Stunde: Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben), seinem Kammerdiener (Kammerdiener bei Hitler: Im Schatten der Macht), seinem Leibwächter ( Der letzte Zeuge: Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter, unter Mitarbeit von Sandra Zarrinbal und Burkhard Nachtigall) und natürlich Hitlers Hausverwalter. Jeder, der in einem Unrechtsstaat ganz nah an den Oberschergen dran war, glaubt anscheinend, er hätte auch etwas zu sagen – auch wenn natürlich keiner von all den Helferlein des Bösen jemals etwas gesehen und getan hätte. Komisch, nicht: da waren alle diese kleinen Lichter nur Zentimeter von der Schaltzentrale der Unterdückung entfernt - aber mitgemacht, nein mitgemacht hat keiner von ihnen.

Honecker war - schon vergessen? - der Hauptverantwortliche für den Bau der Mauer, den Todesschußbefehl, die Todesstreifen, die Selbstschußapparate, für die flächendeckende Stasi-Bespitzelung und die Ausplünderung und Verarmung von Staat und Volk.

Nichts davon will Brückner wahrhaben, nichts hat er gewußt, an nichts hat er mitgewirkt – er hat einfach nur seinen Job gemacht. Aber dieser Job war es, das Leben des Mannes, der mit seinem Regime Millionen normaler Menschen um ein halbwegs vernünftiges Leben gebracht hat, zu beschützen und zu verlängern.

Brückner hat das sicher kompetent getan, denn man merkt dem Buch an, daß er ein leistungsfähiger, einsatzbereiter und technisch versierter Personenschützer war - auf diesem Gebiet (aber nur auf dem) kommt er glaubhaft rüber. Brückner konnte etwas, das ist nur allzu klar. Stolz sagt er einmal, daß die Bodyguards von Helmuth Kohl Brückner und seine Truppe sogar bewundert hätten, wie effektiv und souverän die ostdeutschen Kollegen doch seien.

Natürlich: in einer Diktatur, in der man ganze Autobahnen von einer Minute auf die andere sperren kann, nur weil der Staats- und Parteichef sich zur täglichen Jagd chauffieren läßt, da kann man leicht effektiv sein.

Überhaupt die Jagd: Das Buch ist voll mit Beschreibungen der fast schon täglichen Jagdausflüge Honeckers, seiner einzigen Entspannung, wie immer wieder angemerkt wird. Auf einer Serie widerlicher Fotos sind die Jagdstrecken aufgereihter toter Tiere zu sehen, die Honecker und seine Kollegen aus dem Politbüro ein Jahr nach dem anderen erlegt haben. Etwas Ekelhafteres als diese Bilder läßt sich kaum denken, und Brückner, dem ohnehin jeder Humor fehlt, entgeht natürlich total die Ironie darin, daß ausgerechnet die selbsternannten Führer der Arbeiterklasse sich aufführen wie die Adeligen vor der französischen Revolution. Wenn man je einen Beweis gebaucht hätte, daß die sozialistischen Kader und Bonzen nie etwas anderes sein wollten als moderne Adelige, die einen neuen Erbadel mit allen Privilegien wieder einführen wollten – hier wäre er.

Richtig widerwärtig ist dann die am Rande eingestandene Tatsache, daß die DDR-Bonzen aus extra umgebauten Geländewagen heraus (!) auf Hirsche, Rehe und sogar Hasen schossen. Tausende von Tieren mußten vor jeder Jagd aus riesigen Gebieten extra zusammengetrieben werden, damit Honecker und Konsorten auch wirklich gut zum Schuß kamen. Recht viel dümmer und unwaidmännischer geht es nicht!

Bezeichnend ist auch, daß Honecker sein Leben lang in ausländischen Autos gefahren wurde, weil die DDR-Modelle nicht gut genug für ihn waren.

Informationen über die DDR enthält das Buch überhaupt keine, es gibt dem Leser also keine neuen Einblicke, Brückner hat keine Erkenntnisse anzubieten, sondern nur Lügen und Beschönigungen. Die schüchterne Kritik an den Kindern der Funktionäre, die alle Westwaren mit Westgeld aus speziellen Geschäften bezogen, ist gratis, da Brückner selber ja auch nichts anderes getan hat.

Es erstaunt, mit welcher Nonchalance Brückner über die ganzen Opfer der DDR-Diktatur hinweggeht, die Zerstörung von Natur und Lebensraum, das Unglück, das über ganze Generationen gebracht wurde. Aber klar: ein Wort darüber hätte die Brückner-Show, diese miese, lächerliche Scharade aus Heuchelei und Verstellung sofort zerstört.
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5.0 von 5 Sternen Die Wahrheit !, 10. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Anders als die meisten es lesen wollen. Ein Politiker und seine wichtigste Zeit . Ein ganz anderer Einblick . Ein anderer Mensch als viele denken.
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9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Thema verfehlt, 6 setzen !, 31. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes (Broschiert)
Liebe Leseratten, wieder einmal habe ich mich hinreissen lassen, ein Buch aus dem Verlag DAS NEUE BERLIN zu kaufen.Mein Interesse galt weniger Herrn Honecker, sondern der Tatsache, dass ich mich für die Arbeit von Personenschützern interessiere. Auf der Rückseite des Buches versprach man mir mehr zu berichten, als alles was über das Thema Personenschutz schon gesagt worden ist. Das machte mich neugierig. Gleich zu Beginn des Buches wird mir aber, während man ständig die Methoden des westlichen Personenschutzes negativ bewertet, klar gemacht, dass über keine Geheimnisse der zu schützenden Person berichtet wird. Es zieht sich, so sehe ich es zumindest, ein buchstäblich ROTER FADEN durch das Buch, in dem über alle anderen Dinge Honecker betreffend sowie sein politisches Dasein berichtet , jedoch die eigentliche Thematik - der Personenschutz nur schwach erörtert wird. Auch erweckt sich bei mir der Eindruck, beim Autor einen enttäuschten Anhänger( freiwillig beim Wachregiment der STASI u. Helfer der VP) des alten Systems anzutreffen, der ständig versucht, nur das Gute im Sozialismus zu sehen( Zitat Seite 9 - Honecker war ein ganz normaler Mensch, wie auch die DDR ein ganz normaler Staat war).Der Staat war so normal, dass er sich nach allen Regeln der Kunst nach Außen abriegelte und auf die eigenen Leute schoss, wenn sie versuchten diese Sperren zu durchdringen. Herr Honecker galt im Sinne des Autors als normaler Mensch mit zeitweise bis zu 21 Autos im Privatbesitz, für den ganze Autobahnen und Dörfer geräumt wurden.Sein Westgeldkonto mit der NR. 0628 auf dem ständig 100 Mio. Westmark lagerten , erwähne ich hier nur nebenbei. Die Tatsache, dass sich die Mitglieder des ZKs nicht mochten, was sie unternahmen um sich bei Honecker einzuschleimen, interssiert mich eigentlich weniger. Honecker nie betrunken erlebt zu haben( Seite 233 oben) ist eine haltlose Behauptung des Autors( youtube - Video ERICH HONECKER BESOFFEN beim Messerundgang). Es wurde nach den Anschlägen auf die Olympiade 1972 in München nicht das SEK oder MEK sondern die GSG9 gebildet. Das Vorkommnis in Klosterfelde am Sylvestertag 1982 erinnere ich sehr gut. Ich hatte nach der pol. Wende die Gelegenheit während meiner Arbeit mit Anwohnern von Paul Eßling und dessen Mutter zu reden. Wenn das Vorkommnis aus der Sicht der Stasi nur Verkehrsrowdytum war, verstehe ich nicht, warum die Mutter den P. Eßling nicht erdbestatten durfte, sondern er verbrannt werden mußte. Traueranzeigen durften ebenfalls nicht erscheinen. Eßling wußte ganz genau wer in der Wagenkolonne saß und er haßte die pol. Führung und ihren Größenwahn. Der Ofensetzer baute persönlich bei Führungskadern, unter anderem auch bei Marcus Wolf Kamine ein und sah deutlich, das man Wein trank und nur Wasser prädigte. Fazit: Wer vor hat, das Buch aus den gleichen Grund wie ich zu erwerben und nichts über die Machenschaften der Partei erfahren will, spare sich das Geld. Schade. ( Böse Herrscher verfolgt stets die Furcht vor ihren Untertanen. - orientalisches Sprichwort )
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An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes
An Honeckers Seite: Der Leibwächter des Ersten Mannes von Bernd Brückner (Broschiert - 13. Mai 2014)
EUR 14,99
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