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Kundenrezensionen

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am 22. Januar 2013
Schon zu Beginn des neuen Romans von Hansjörg Schertenlieb wird in einem kurzen prologartigen Text ohne Überschrift das Ende verraten. Da findet ein Mann die 73- jährige Roberta Kienesberger zusammen mit ihrem erschossenen Hund im Arm tot im Schnee an den Stamm einer Birke gelehnt. Und einige Zeilen später wird beschrieben, wie die 15- jährige, sehr schwer verletzte Ayfer Boskül von einer Frau gefunden wird, die den Notruf alarmiert.

Roberta Kienesberger ist tot, und ob das türkische Mädchen mit dem Leben davonkommt, bleibt unklar. Doch das hindert einen als Leser überhaupt nicht, das Buch weiter zu lesen. Denn man möchte wissen, was diese beiden so unterschiedlichen Frauen miteinander zu tun haben, und vor allen Dingen, wie die Geschichte geht, die zu diesem Ende geführt hat.

Und Hansjörg Schertenleib erzählt sie mit großer poetischer Kraft und einem feinen Gespür für die beiden Protagonisten und ihrem Schicksal. Die Titel der drei Hauptteile deuten an, dass es bei beiden Frauen um eine Reise geht:

* In der Fremde
* Auf dem Weg
* Zu Hause

Beide Frauen brechen ungefähr zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten aus ihrem bisherigen Leben aus. Ein Leben, das sie beide als unfrei und gefangen erlebt haben. Roberta Kienesberger flieht aus einem Schweizer Altenheim, befreit ihren geliebten Hund, den man ihr weggenommen hatte, aus einem Tierheim, und macht sich mit ihm zusammen auf den langen Weg nach Österreich, ihrer alten Heimat, die sie gerne noch einmal sehen möchte.

Ayfer Bosküls Flucht ist nicht weniger abenteuerlich. Von ihrem Vater zu einem Onkel in die Türkei verschleppt, wo er ihre „Ehre“ sicher glaubt, schafft sie es, von dort zu fliehen und sich auf den Weg zurück zu den Eltern und ihrer Familie zu machen. Die Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein. Roberta ist alt und sehnt sich nach ihrer Vergangenheit, Ayfer ist jung und hat Angst vor einer Zukunft, die der Vater und auch der Bruder für sie erdacht haben.

In wechselnden Perspektiven erzählt Schertenleib von den Fluchtversuchen und -erlebnissen der beiden Frauen, die sich, so viel sei verraten, auch einmal kurz überschneiden. Roberta will endlich einmal nicht ihre Träume den Gegebenheiten anpassen und kehrt nach Hause in ihr Dorf zurück, und Ayfer traut sich, ihren Traum von einem selbständigen und freien Leben als junge Frau in die Tat umzusetzen. Beide zahlen dafür einen hohen Preis, doch schon bald versteht der Leser die eindringliche und dennoch feine Botschaft: es lohnt sich, aus der lange erduldeten Freiheit aufzubrechen, Schon allein der Versuch bringt eine Freiheit, die niemals mehr einem genommen werden kann.

Schertenleib liebt die kleinen Gesten, die Nebensächlichkeiten, die Zwischentöne und die fast nicht spürbaren Unterschiede bei Gefühlen und inneren Monologen.

Es ist ihm mit „Wald aus Glas“ ein wunderbarer poetischer Roman gelungen über ungelebte Träume, die Sehnsucht nach dem Glück und dem großen starken Wunsch vieler Frauen nach Selbstbestimmung. Doch auch Männer können jenen Satz, den er Ayfer in den Mund legt, für sich und in sich arbeiten lassen, denn auch sie haben eine lange Geschichte ungelebten Lebens:
„Warum träumen die meisten Menschen von Dingen, die sie niemals tun würden? Warum träumt man von Dingen, vor denen man sich, bei Lichte betrachtet, fürchtet?“
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„Wage nicht zu viel, sonst verwirkst du dir das Recht auf das sichere Leben, das die meisten führen!“
Es nimmt kein gutes Ende, das weiß man schon am Beginn des Buches. Denn dieser Roman beginnt mit dem Schluss. Eine Frau und ihr Hund werden tot im Wald aufgefunden, ein Mädchen schwer verletzt in einem Industriegebiet.
Sie sind sich nie begegnet, die 72jährige Roberta und die 16jährige Ayfer, aber trotzdem haben sie eine Gemeinsamkeit. Beide finden sich nicht damit ab, dass Andere sich anmaßen, ihr Leben bestimmen zu wollen.
Roberta wurde zwangsweise in ein Altersheim eingewiesen, weil ein Immobilienhai sie aus dem Weg haben wollte. Ayfer wurde von ihren Eltern bei ihrem Onkel in der Türkei abgeliefert, bei dem sie wie eine Gefangene leben muss, getrennt von ihrem Freund.
Unabhängig voneinander beschließen beide, abzuhauen. Roberta will zurück in das österreichische Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, Ayfer versucht, zurück in die Schweiz zu kommen, um so frei leben zu können wie ihre Freunde.
„Ich bin nichts, also kann ich alles sein. Ich bin niemand, also kann ich jede sein.“
Ayfer ist jung, sie ist auf der Schwelle zum Erwachsenwerden und die Welt steht ihr offen. So fühlt sie sich jedenfalls, als sie sich auf den Weg zu ihrem Freund macht.
Roberta dagegen ist am Ende ihres Lebens angekommen. Während ihrer Reise hat sie viel Zeit, an Vergangenes zu denken, daran, was aus ihr hätte werden können.
„Ich habe meine Träume dem Leben angepasst, das ich führe.“
So ernüchternd fällt ihre Bilanz aus, aber davon lässt sie sich nicht unterkriegen.
„Verändern kann man die Vergangenheit nicht, aber man kann sie überwinden.“
Als sie ihr Heimatdorf erreicht, hat Roberta eine Erkenntnis gewonnen:
„Nicht die Zeit macht uns alt, sondern die Erinnerung an unsere Jugend!“
Und auch Ayfer lernt auf ihrem Weg, worauf es im Leben ankommt. Leider erfahren wir nicht, ob sie überlebt.
Dieser einfühlsame Roman hat mich mit seiner außergewöhnlichen Geschichte, seinen tiefen Charakteren und seiner poetischen Sprache begeistert. Ein berührendes Buch, das zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt.
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am 13. Oktober 2012
Hansjörg Schertenleib erzählt in “Wald aus Glas” die Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen Frauen, die ihr Leben unter schwierigen Bedingungen selbst in die Hand nehmen. Die eine, die noch alles vom Leben erwartet und die andere, die noch immer etwas vom Leben will. In seinem gelassenen, authentischen Stil beschreibt Schertenleib sehr eindringlich die Gedanken und Erinnerungen der beiden, ohne dabei pathetisch zu wirken. “Wald aus Glas” ist aber auch ein Buch über die Schwierigkeiten, den eigenen Verhältnissen zu entrinnen - und über den lohnenden Versuch, es dennoch probiert zu haben. Denn nur so sammelt man neue Erfahrungen und macht interessante Bekanntschaften, die das Leben bereichern, selbst wenn ein Happy-End nicht immer garantiert ist.
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"Das Leben, eine fahle Leuchtspur am nächtlichen Firmament, eine Spur, der man staunend mit den Augen folgt, den Kopf im Nacken, von hier nach da, ein weiter Bogen über das ganze Himmelsrund, puff!, schon erloschen, schon zu Ende und vorbei."
Bereits auf der ersten Seite nimmt Hansjörg Schertenleib den Ausgang seines neuen Romans vorweg: Die 73-jährige Roberta Kienesberger wird ihren nächsten Geburtstag nicht mehr erleben. Ob es die 15-jährige, schwer verletzte Ayfer Boskül schafft, bleibt offen. Was war passiert? Und ist ein Roman eigentlich noch lesenswert, wenn das Ende vorweg genommen wird?

Zwei Frauen, zwei Schicksale, lässt der 1957 in Zürich geborenen Autor, der seit einigen Jahren in Irland lebt, im Wechsel nebeneinander laufen. Beide brechen aus ihrem unfreiwillig aufgezwungenen Leben aus. Die ältere der beiden möchte noch einmal ihre Heimat - Österreich - sehen, die andere will wieder zurück in die Schweiz zu ihren Eltern und Freunden. Roberta nahm man ihren Hund und steckte sie in ein Schweizer Altersheim, die junge Türkin Ayfer zu ihren Verwandten in die Türkei. Auf zwei Erzählebenen, mit jeweils abwechselnden Kapiteln, begleitet der Leser beide Frauen auf ihrer Flucht. Trotz ihres Altersunterschiedes und ihren unterschiedlichen Zielen - die eine ist auf der Suche nach der glücklichen Vergangenheit, die andere auf der Flucht vor einer Zukunft - weisen ihre Lebensbahnen Schnittpunkte auf. Was Roberta zeitlebens nicht gelang, nämlich die Frau zu sein, die sie wollte ("Ich habe meine Träume dem Leben angepasst, das ich führe (...). Das hat nicht nur mein Leben und meine Träume kleiner gemacht, sondern auch mich, kleiner und ängstlicher, als ich hätte sein können."), versucht das junge Mädchen hingegen frühzeitig umzusetzen. Fragen werden aufgeworfen: Kann man die Vergangenheit vielleicht überwinden? und "Warum träumen die meisten Menschen von Dingen, die sie niemals tun würden? (...) Warum träumt man von Dingen, vor denen man sich, bei Lichte betrachtet, fürchtet?"

Liebe, Glück und Enttäuschung, Leben und Tod, Vergangenheit und Erinnerung, Wünsche und Grenzen sowie Heimat sind die zentralen Themen in Hansjörg Schertenleibs neuem Roman, der erneut mit einem feingeistigen Duktus aufwartet. Vielfältige Eindrücke und Erinnerungen durchziehen den Roman, berühren - ganz ohne weinseliges Pathos - alle Sinne und üben einen zunehmend magischen Sog aus. Mit leichter Hand und unaufgeregtem Tonfall, aber doch viel Gespür für atmosphärische Details, zeichnet er das Porträt zweier Frauen: die eine am Beginn, die andere am Ende ihres Zyklus. Auf unnachahmliche Art und Weise versteht er es, Gesten und Blicke ins Jetzt zu heben und damit dem Leser zugänglich zu machen. Letztendlich ist es vor allem die unkonventionell schöne Sprache, die dem Roman eine poetisch dichte, durchaus anrührende Atmosphäre verleiht.
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am 11. August 2014
Der Name Hansjörg Schertenleib sagte mir nichts, als ich das Buch „Wald aus Glas“ kaufte. Ich sah das Taschenbuch in der Buchhandlung und der Titel sprach mich sofort an. Also wanderte es mit nach Hause.
Als ich „Wals aus Glas“ zu lesen begann, konnte ich es fast nicht mehr aus den Händen legen, so wohl fühlte ich mich in der Sprache, so sehr fühlte ich mit den beiden Protagonistinnen.
Gleich zu Beginn erfährt der Leser das Ende der Geschichte. Ein Spaziergänger entdeckt die Leiche einer älteren Frau, die an eine Birke gelehnt über einen See blickt. Der viel zu früh gefallene Schnee bedeckt leicht ihren Körper und den ihres Hundes, der erschossen auf ihrem Schoß ruht. Es ist Roberta, eine 73-jährige Rentnerin, die aus dem Altenheim getürmt ist, in das sie gegen ihren Willen gesteckt wurde.
Ebenfalls im Prolog liest man über einen zweiten Fund. Diesmal ist es der stark verletzte Körper einen jungen Frau. Es ist Ayfer, eine Jugendliche, die von ihren Eltern gegen ihren Willen zu ihrem Onkel in die Türkei geschickt wurde, um dort im Hotel zu arbeiten. Auch sie flieht und wird nun verletzt ins Krankenhaus gebracht.
In drei Teilen entwickelt Schertenleib nun die Fluchtgeschichte beider Frauen. Dabei hat mich besonders die Ausdruckskraft und die Beobachtungsgabe des Autors gefesselt.
Beide Frauen teilen das gleiche Schicksal. Sie leben in ihnen unerträglichen Lebenssituationen und entwickeln den Willen und die Kraft, daraus zu fliehen. Mehr möchte ich eigentlich gar nicht verraten.
In diesem Roman ist der Weg das Ziel. Schertenleib lässt seinen Figuren Zeit, zu entdecken, in welches Leben und in welches Ich sie ankommen möchten. Seine Sprache strahlt eine Ruhe aus und schafft es zugleich, Gefühle und Stimmungen eindrucksvoll zu transportieren.
Mir hat das Buch sehr gefallen.
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am 18. Mai 2016
Die ersten 150 Seiten gefiel mir die abwechselnde Schilderung der beiden so völlig unterschiedlichen Frauen und ihrer ganz unterschiedlichen Motive, "durchzubrennen" und ihren eigenen Weg zu finden. Mal eine ganz andere und wirklich interessante Thematik. Für meinen Geschmack verlor sich das Buch aber zunehmend in detaillierten Beschreibungen, sodaß der eigentliche Handlungsstrang nebensächlicher wurde. Mich hielt eigentlich nur noch die Rätsel-Auflösung bei der Stange, wie die beiden grundverschiedenen Frauen miteinander in Kontakt kommen. Dass es sich dabei um einen eher kurzen + unglücklichen Zufall handelte, enttäuschte mich. Das Finale wird nur sehr kurz angedeutet, zumal das Ende des Buches im Epilog schon vorweggenommen wurde.
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am 2. Dezember 2014
Am Anfang ist es etwas dahin geplätschert, aber dann ganz spannend und emotional.
Kann man gut lesen. Regt zum nachdenken an.
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am 25. September 2013
Fast schon unglaubwürdig meine ganzen postitiven BEwertungen hier, aber ich kauf eben, was gefällt!
Hier landet Schertenleib den nächsten Treffer. Beobachtungsgabe und Schreibstil lassen die Geschichten fast in den Hintergrund rücken. Brillianter Autor!
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