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Leningrad ist eingeschlossen. Seit dem 08. September 1941 wird die Stadt von den Deutschen belagert. Es gibt kaum noch Nahrung, die Wasserversorgung ist zusammengebrochen, in der ganzen Stadt gibt es keine Katzen und Hunde mehr, sogar Ratten landen in den dünnen Suppen. Die ausgemergelten Menschen kippen einfach auf der Straße um und sterben. Oder sie werden von Fliegerbomben zerfetzt, denn die Deutschen fliegen dauernd Bombenangriffe gegen Leningrad.
Die Suche nach Essen und der Kampf ums tägliche Überleben bestimmen den Alltag. Kultur hat da keinen Platz. Oder? Doch, zumindest die Musik lebt trotzdem weiter. Mitten in dieser fürchterlichen Situation komponiert Dmitri Schostakowitsch den größten Teil seiner Siebten Symphonie, die er der Stadt widmet, bevor er schließlich evakuiert wird.
Zurück bleibt nur der Dirigent Karl Eliasberg, ein Mann, der mit seinem Rundfunkorchester immer im Schatten stand, immer nur der Zweitbeste war, obwohl es immer sein größter Wunsch war, zum illustren Kreis der berühmten Musiker Leningrads zu gehören. Aber nun wird er beauftragt, die Siebte Sinfonie in Leningrad aufzuführen, mit weniger als einem Drittel seines Orchesters und mit Musikern, die dem Hungertod näher sind als dem Leben. Die vollendete Partitur der Symphonie wird unter Lebensgefahr von einem Flugzeug durch die feindlichen Linien gebracht.
Unter diesen Umständen eine dermaßen herausfordernde Symphonie, die eine Aufführungszeit von 70 Minuten hat, einzustudieren, grenzt an Wahnsinn. Aber ebenso, wie die anderen Leningrader sich nicht unterkriegen lassen, nimmt auch Eliasberg die Herausforderung an. Am 09.08.1942 wird die Siebte Symphonie in Leningrad aufgeführt und im Radio übertragen.
Unterstützt wurde Eliasberg von dem Geiger Nikolai, den die Musik aus seiner Verzweiflung hilft. Nikolai hat seine musikalisch begabte neunjährige Tochter Sonja evakuieren lassen, aber ihr Zug ist angegriffen worden und er hat keine Nachricht von ihr. Standhaft weigert Nikolai sich, Sonjas geliebtes Cello zu verkaufen, selbst als er fast verhungert.
Sarah Quigley verwebt in diesem außergewöhnlichen Roman historische Fakten geschickt mit Fiktion.
Nikolai ist ein fiktiver Charakter und einzig normale Mensch in diesem Roman. Er ist gefühlvoll und ein Familienmensch. Seine Tochter Sonja liebt er über alles, und sie hat in seinem Leben die höchste Priorität.
Eliasberg dagegen hat einen gestörten Kontakt zu seinen Mitmenschen, von denen er sich ständig zurückgesetzt und verlacht fühlt. Seine Familie besteht aus seiner hinfälligen Mutter, deren Verhalten ihn stark belastet. Aber durch die Aufgabe, die Siebte Symphonie zur Aufführung zu bringen, wächst er über sich hinaus.
Schostakowitsch ist starrsinnig und ein Egomane. Seine Familie muss völlig hinter seiner Arbeit zurückstehen; den ständigen Kampf zwischen Alltag und Musik gewinnt regelmäßig die Musik. Auch den Musikern und Dirigenten gegenüber ist Schostakowitsch launisch und ungeduldig. Er denkt nur an sein Werk, nicht an andere Menschen. Für seine Arbeit ist das Alleinsein unabdingbar.
Sarah Quigley macht in diesem Roman deutlich, dass es einige Parallelen zwischen dem Prozess des Komponierens und dem Prozess des Schreibens gibt. Für beides brauche man Entschlossenheit, Einsamkeit, Beharrlichkeit und den niemals versiegenden Glauben an sich, sagte sie auf der Lesung in Berlin.
Mich hat begeistert, dass der Erstauflage des Buches eine CD mit der Siebten Symphonie beigelegt ist und die Musik mit der Sprache verbindet.
Vor allem aber bin ich begeistert von der Eindringlichkeit, mit der hier von den Auswirkungen der Belagerung auf die Menschen und das tägliche Leben erzählt wird. Die Charaktere, sowohl die realen, als auch die fiktiven, sowohl die Haupt-, als auch die Nebencharaktere, wirken so lebendig, dass ich mit ihnen mitgelitten habe. Der flüssige Schreibstil liest sich sehr angenehm.
Ich habe dieses wunderbare Buch voller Musik trotz der erschreckenden Szenen, die sich in der belagerten und angegriffenen Stadt abspielen, sehr genossen. Diesem gewaltigen Buch einer zarten Autorin wünsche ich viele Leserinnen und Leser.
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am 5. November 2012
Neuseeländische Literatur bei der Buchmesse in Frankfurt/Main: Einem neuseeland-fremden Thema hat sich allerdings die in Berlin lebende neuseeländische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Sarah Quigley gewidmet. Ihr Roman „Der Dirigent“ erzählt von Dmitri Schostakowitsch, von seiner berühmten „Siebten Symphonie“, deren Uraufführung im von den Deutschen belagerten Leningrad zu einem dramatischen Ereignis wird. Und damit erzählt Sarah Quigley, sie liebt die Musik und spielt selbst Klavier und Cello, von der Macht und Kraft der Musik – gerade in Zeiten der Unfreiheit, der Barbarei und der Not. Am deutlichsten dargestellt in der Person des Dirigenten Karl Eliasberg, Chef eines wenig bedeutenden Orchesters, dem plötzlich die Uraufführung dieser Symphonie anvertraut wird. Er, der Schostakowitsch zugleich bewundert und hasst, wird seine frierenden und hungernden Musiker zu grandioser Höchstleistung bringen. Ein Roman, der den Leser ein Stück russischer Geschichte erleben lässt und vielleicht ein neues Verständnis für das Werk des großen Komponisten, dessen Symphonie als CD parallel zur Lektüre gehört werden kann, weckt. Gleichzeitig erweist sich Sarah Quigley als hervorragende Erzählerin. Ein Buch, das bewegt und anrührt.
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Es ist Krieg. Leningrad wird belagert. Die Menschen leiden an Hunger. Viele Künstler werden evakuiert. Der Komponist Dmitri Schostakowitsch weigert sich jedoch zuerst. Er will helfen Leningrad zu verteidigen. Er arbeitet bis zum Umfallen. Tagsüber hebt er Gräben aus, nachts arbeitet er an der Siebten Symphonie. Auch wenn die Sirenen heulen und die Bomben fallen, er schreibt an seinem Werk. Nichts kann ihn davon abhalten, doch schließlich wird auch er zusammen mit seiner Familie evakuiert.
Karl Eliasberg bleibt zurück. Er ist der Dirigent des Radioorchesters. Gleichzeitig bewundert und neidet er den Komponisten Schostakowitsch. In der belagerten Stadt gibt es immer weniger zu essen. Die Menschen leiden bittere Not. Die zugeteilten Essensrationen werden immer kleiner. Die Menschen fallen einfach um, sind tot. In dieser scheinbar aussichtslosen Situation, umgeben von Hunger und Tod, Elend und Auszehrung, bekommt Karl Eliasberg den Befehl, Schostakowitschs Siebte Symphonie in Leningrad aufzuführen. Die Musik, die Kunst soll die Moral und das Durchhaltevermögen fördern und sie soll dem Feind zeigen, dass Leningrad unbesiegbar ist. Mit einem stark minimierten Ensemble beginnt Eliasberg mit den Proben. Anfangs sind diese die reinste Katastrophe, können die Musiker vor Hunger und Kraftlosigkeit die Instrumente kaum halten. Doch sie halten durch und sie schaffen es die Symphonie aufzuführen!

Ein grandioser Roman! Ein Roman selbst wie eine Symphonie! Sehr ausdrucksstark und sehr bildhaft geschrieben. Unbedingt empfehlenswert: Beim Lesen die Siebte Symphonie Schostakowskis anhören. Umso deutlicher kann man sich das Geschriebene vorstellen. Eine gelungene Komposition der Autorin, die Grauen und Schrecken des Krieges zu beschreiben und dann wieder die Musik und die Kunst hervorzuheben.
Ein Roman, dramatisch, tief berührend und dies umso mehr, da die Personen Schostakowitsch und Eliasberg reale Personen sind. Ein Roman, der hoffentlich ganz viele Menschen begeistern wird. Ein Roman, den ich nicht vergessen werde.
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am 18. November 2013
Die Auffuehrung Schostakowitschs 7. Sinfonie im besetzten Leningrad ist ein spannendes Thema, dass einer literischen Aufarbeitung verdient. Der Roman kommt schwer in die Gaenge und vieles bleibt oberflaechlich. Hunger und Elend sind ab der zweiten Haelfte des Romans allgegenwaertig, aber scheinen die Charaktere nur am Rande zu beruehren. Ich habe Probleme das nachzuvollziehen. Ebenso habe ich meine Schwierigkeiten damit, dass der stalinistische Terror, die Angst, jeden Moment verhaftet werden zu koennen, von der Autorin geradezu gewissenhaft ignoriert wurde. Ich habe das Gefuehl, die Autorin hat es sich etwas zu leicht gemacht, mit dem komplexen Thema. Durchaus gelungen ist die Darstellung des Dirigenten Eliasberg, der sich vom merkwuerdigen Kauz mit mangelnder Selbstachtung zum Held des Tages entwickelt. Das Drama um den Geiger Nikolai und seine verschollene Tochter ist eine ruehrende Geschichte, aber ueberfluessig. Schostakowitsch wird dargestellt als ein versessener Kuenstler, der bei einem Luftangriff weiter auf seinem Klavier haemmert, waehrend der Rest der Familie im Keller Schutz sucht. Das ist wahrscheinlich nah an der Wahrheit. Inwieweit die 7. Sinfonie Schostakowitschs durch den Krieg inspiriert war, oder durch den Stalinschen Terror, welcher vom Roman voellig ignoriert wird, ist Gegenstand moderner Forschung. Die Reduzierung Schostakowitschs auf den ganz auf sein Werk konzentrierten Musiker ist jedoch eine Vereinfachung, die der realen Person Schostakowitsch nicht gerecht wird. Insgesamt bleibt der Eindruck, dass der Roman dem komplexen Thema nicht gewachsen ist, weil er Einzelschicksale beschreibt, wobei es nicht wirklich gelingt, ein angemessenes Gesamtbild des von Elend und Tod gezeichneten Leningrads zu zeichnen. Ausserdem moechte ich anmerken, dass Kuerzungen in der ersten Haelfte des Romans gut getan haetten.
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Leningrad. Das Wort allein, befüllt einen mit Schrecken, Eiseskälte und unvorstellbares Leid. 900 Tage hat die Belagerung Deutschlands gedauert, hat die Stadt völlig abgeschottet, von allem was nur irgendwie nötig gewesen wäre, um auch nur ansatzweise einen Krieg zu überleben. Menschen sterben auf den Straßen, Kinder verhungern und erfrieren in den eigenen Wohnungen. Es wurde Tapetenkleister gegessen, Aktentaschen, welche aus Rindsleder gemacht wurden, wurden gekocht und verzehrt. Es wurden Katzen, Hunde, Ratten, Vögel, Käfer gegessen, auch Menschen. Irgendwie musste man doch überleben.
Aus Leningrad wurde das stolze St. Petersburg - zu Recht! Den Schrecken, den diese Menschen erleben mussten, steht sowieso für Generationen in ihren Gesichtern, da ist es nur fair, wenn man den Namen mit Stolz nach Außen trägt.
Nun geht es aber in diesem Buch nicht nur um Leningrad, sondern um Dmitri Schostakowitsch und Karl Elias Eliasberg, Elias genannt (er ist der Titelgeber).
Schostakowitsch, damals schon eine Berühmtheit, mag Eliasberg nicht sonderlich; rümpft die Nase über diesen 2tklassigen Dirigenten, über seine Affinität zu seiner Mutter, seiner gängelbaren Art. Eliasberg hingegen verehrt Schostakowitsch, zutiefst. Egal wie arrogant und hochnäsig er behandelt wird, Schostakowitsch darf alles.

Es ist die Zeit vor der Belagerung die hauptsächlich erzählt wird. Quigley erzählt vom Reichtum, den vollgeschlagenen Bäuchen, den großen Wohnungen, den pompösen Leningrad. Sie erzählt von Nikolai, einem ausgezeichneten Geiger und seiner Tochter Sonja, einer Cellistin, die schwere Zwangsstörungen entwickelt. Quigley ergießt sich in dem Leid von Eliasberg, der seiner herrschsüchtigen Mutter nicht Herr wird, der nicht Manns genug ist, sich zu wehren bzw. sich mal abwendet; im Gegenzug erzählt sie von dem tiefen Hass den er gegen seinen Vater gehegt hat.
Der Roman ist teilweise fiktiv, teilweise real. Leider erkennt der Leser die fiktiven Personen (Nikolai, Sonja, Tatjana, Nina Bronnikova) und Geschehnisse nicht heraus, so dass alles zu einem Wahren verschmilzt, was ich normalerweise gut befunden hätte, in diesem Fall, jedoch befinde, dass es nicht ganz passend ist. Von Eliasberg ist kaum etwas bekannt. Nach dem Krieg verliert sich fast die Spur, blieb er immer der 2te und letztklassige Dirigent, der er immer war. Je näher es zum Krieg geht, desto mehr verzettelt sich Quigley mit langen Phrasen, die letztenendes nur Fragen aufwerfen, aber keine Antwort ergeben.

Zusehends nimmt Quigley "Fremdwörter" wie: Pizzicato, Adagio, C-Moll oder D-Dur auf, die Leser, die sich noch nie mit klassischer Musik befasst haben, verwirren werden, weil sie auch nicht erklärt werden. Quigley nimmt einfach an, dass die Leser wissen, um was es sich handelt; das finde ich persönlich schade, weil mit klassischer Musik sowieso immer nur eine handvoll Menschen angesprochen werden. Im Nachwort wird beschrieben wie Schostakowitsch - wahrscheinlich - seine Kompositionen empfunden hat; so etwas finde ich immer sehr befremdlich, denn warum wagt man sich an solche Vermutungen, wo es der Komponist selbst nie geäußert hat. J.R.R. Tolkien wird ja auch immer unterstellt, eine Analogie auf den 2ten Weltkrieg geschrieben zu haben, obwohl er das immer abgestritten hat. Auf Eliasberg geht man nur mit einem Satz ein; hier hätten mehr Recherche und Angaben nicht geschadet.

Fazit: Quigley hat sicherlich einen interessanten, lesbaren, teilweise realen Roman geschrieben, der schwer in die Charaktere von Schostakowitsch und Eliasberg einsteigt und sie nicht immer für den Leser verständlich zeigt. Schostakowitsch Arroganz, seine Eitelkeit, seine Sturheit und Verbissenheit lässt einem oft das Blut in den Adern gefrieren, wenn die Bomben dröhnen und seine Frau und Kinder mit ihm in der Wohnung hocken, nur weil sich der Herr Komponist nicht vom Klavier bewegt. Alles in allem geht aber Quigley zu spät in die Materie hinein, verplempert teilweise zu lange Zeit beim reichen Leningrad der Vorkriegstage, erzählt von Charakteren, die dann irgendwann enden, ohne, dass man weiß, was aus ihnen wurde. 90 Seiten über den Kriegszustand, den Hunger, die Kälte, die Schwere der Zeit befinde ich zu wenig, vor allem, weil voran zuviel (fiktive) Geschichte rundum ist. Man hat das Gefühl, dass dem Buch nicht genügend Zeit geschenkt wurde; es hätte an ein paar Stellen mehr verdient gehabt. Gut - aber kein Pageturner.
Viel Spaß!
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am 22. November 2014
Der Roman liest sich nicht einfach, weil die Zeitumstände bedrückend sind. Die Schilderung der Belagerung Leningrads im zweiten Weltkrieg erinnert an Camus "Die Pest". Wie bei Camus wird der Ort so genau beschrieben, dass man ihn zu kennen glaubt. Drei Männer erzählen in der 3. Person: der Dirigent, der Komponist und der erste Geiger. Die drei sind völlig unterschiedlich, Eliasberg, der zweitbeste Dirigent der Stadt, der wegen der Belagerung die Möglichkeit hat zu zeigen, dass er ein viel besserer Musiker ist als man glaubte, Dimitri Schostakowitsch, der mit sich ringt, seine Symphonie zu komponieren und der sich als etwas schwieriger Mensch erweist, der dritte, der Geiger, heißt Nikolai, er ist der unbedeutendere Künstler der drei, aber er hat das meiste Gefühl. Sprachlich sind die Passagen, die seine Sicht wiedergeben, die schönsten und berührendsten im Roman. Durch ihn wird auch der Charakter seiner Tochter lebendig, die eine berühmte Cellistin zu werden verspricht. Alle Personen werden durch die Musik verbunden, die eine wichtige Rolle spielt und das Buch zu einem Künstlerroman macht, den man nicht so schnell vergisst.
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am 23. September 2013
Ein ergreifender Roman über eine furchtbare Zeit. Ich habe mir gewünscht alles wäre Fiktion doch leider hat dieser Roman einen realen Hintergund. Schön wäre es gewesen ein MP3 - File mit dieser Synphonie zu haben. Für mich ist es auch ein Antikriegsbuch dass, praktisch als Nebenprodukt, die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges zeigt.
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am 19. November 2012
Eine junge neuseeländische Autorin, die einen Roman über die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg schreibt, über Schostakowitsch, die Entstehung der siebten Sinfonie, über die Leningrader Erstaufführung durch das ausgemergelte Rundfunkorchester unter Karl Eliasberg – all das wäre an sich schon bemerkenswert genug. Noch bemerkenswerter ist es aber, wie Sarah Quigley die selbst gestellte Aufgabe bewältigt: mit viel Einfühlungsvermögen, sorgfältiger Recherche, historischer Akkuratesse und nicht zuletzt großer erzählerischer Reife.

Herausgekommen ist ein überaus lesenswerter Roman über die Macht der Musik, die den Menschen Kraft gibt, der sie bedrängenden Gewalt und Barbarei zu widerstehen und die – losgelöst von aller geschichtlicher Bedingtheit – den Kern menschlicher Existenz berührt.

Nebenbei: Schön wäre es, wenn der Verlag noch zwei kleine Fehler, die sich eingeschlichen haben, beseitigen könnte. Natürlich waren es - wie es im Klappentext und auch in der Kurzeinführung hier auf Amazon heißt - nicht deutsche Soldaten, die kurz vor der Invasion Leningrad verlassen haben, sondern deutsche Diplomaten (was hätten deutsche Soldaten in Noch-Friedenszeiten auch in Leningrad zu suchen gehabt!?). Und Tschaikowski hat seine 6. Sinfonie nicht neun Jahre vor seinem Tod im damaligen St. Petersburg dirigiert, wie gleich zweimal im Roman geschrieben wird. Es waren vielmehr neun Tage, was dann zu einer entsprechenden Legendenbildung geführt hat.
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am 3. Juni 2014
Man muss dieses Buch im Zusammenhang der Leningrader 7. Symphonie von Schostakowitsch lesen und diese Musik dazu hören. Historisch und musikgeschichtlich hochinteressant und spannend geschrieben. Ein Dirigent hat sich in den Kopf gesetzt trotz des Belagerungszustandes von Leningrad und der teilweise ausweglosen Situation der Bevölkerung diese Symphonie aufzuführen, während Schostakowitsch bereits selbst die STadt verlassen hat.....
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am 25. Februar 2016
"Der Dirigent" bereitete mir durchweg faszinierende Stunden voller Lesefreude, ich empfinde es als ein "schönes Buch" und empfehle es begeistert weiter. Quigley findet zarte bis eindringliche Metaphern und feinsinnige Sprachbilder. Ihre Figuren bringt sie mit Einfühlungsvermögen und Imagination im Inneren des Lesers zum Leben. Sie sind glaubwürdig dargestellt und handeln nachvollziehbar. Quigley kann ausgezeichnet charakterisieren. Visuell empfand ich das Buch als sehr stark, erlebte parallel zu (und bis heute, drei Tage nach Abschluss) seiner Lektüre - grandioses Kopfkino (und Kopfkonzerthören) und wünsche ihm als Liebhaber russischer Sinfonik, dass es gut, angemessen und musikalisch hinreißend (keinesfalls aalglatt) verfilmt werde. Polanski würde sich durch seine Szpilman-Verfilmung anempfehlen, weilt aber nicht mehr unter uns. Vielleicht doch kein Europäer, sondern ausgerechnet Steven Spielberg? Wer kennt seine Emailadresse?
Andere haben bemängelt, dass "Der Dirigent" den stalinistischen Terror kaum widerspiegelt, aber das war eigentlich das einzige, was ich gerne noch im Buch gehabt hätte, um es noch (!) realistischer zu machen.
Durch die Beschreibung der jahrelangen Belagerung Leningrads wurde ich zu weiterer Recherche angeregt. Bis dato war mir beispielsweise nicht bewusst, dass der verhinderte Kunststudent Adolf Hitler die 4 Millionen Leningrader Bürger nicht mit Kriegsgerät bekämpfen, sondern perfide verhungern lassen und anschließend ihre Stadt - mit so vielen historischen Kultur- und Kunstschätzen wie sonst innerhalb Europas nur noch Venedig - dem Erdboden gleichmachen und nie mehr besiedeln (!) lassen wollte. Vor diesem Hintergrund sehe ich dank Quigleys anregendem Roman die Jahrzehnte währende Abriegelung Berlins von der westlichen Welt durch die russische Hegemonie mit ganz neuen Augen. Beide (Ex-)Hauptstädte hatten in den 40er Jahren ähnlich viele Einwohner und viele weitere Parallelitäten (nebenbei gesagt sogar ästhetische, weshalb die Außenaufnahmen des in Berlin angesiedelten Films "Der Untergang" in St. Petersburg gedreht wurden), sie wurden und werden zu Symbolen ("Heldenstadt Leningrad", "Frontstadt Berlin") erhoben, instrumentalisiert, missbraucht. Ich halte es nun für möglich, dass die Aushungerung Leningrads, wo eine Million Menschen den qualvollen Hungertod starben, die Startmotivation für die Blockade Berlins war. Vielleicht ist das Allgemeinwissen - mir war es vor "Der Dirigent" jedenfalls nicht klar. Schon für diese Einsicht alleine wäre ich Sarah Quigley dankbar.
Unbedingt erwähnenswert finde ich, dass sich das Buch "gut" und "einfach" liest: Ich habe es meistens beim Bahnfahren verschlungen. Dass Quigley dies massenkompatibel gelingt, wo doch die zentralen Themen von "Der Dirigent" mit Hunger, Krieg, Leid, Künstlerpersönlichkeit und, was am schwersten wiegt, auch noch klassischer Musik zu umreißen wären - dafür gebührt ihr mein Dank.
Thumbs far up, Sarah Quigley!!
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