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Kundenrezensionen

14
4,6 von 5 Sternen
Die Apokalypse nach Richard: Eine festliche Geschichte
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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Oktober 2012
Wer mit dem bekannten Spiegel-Journalisten und gern gefragten Talk-show-Gast Matthias Matussek (Jg. 1954) aktuell nur einen islamkritischen „katholischen Abenteurer“ (so der Titel seines Bestsellers zum Papstbesuch 2011) oder gar (wie der Freiburger „Christ in der Gegenwart“) einen „Geisterfahrer“ verbindet, der wird, wenn er zum soeben erschienenen vorweihnachtlichem Buch "Apokalypse nach Richard. Eine festliche Geschichte" greift, eines Besseren belehrt.

Hinter Matussek, der seit Jahren im Internet einen spaßigen Video-Blog betreibt und erkennbar auch das Genre der Erzählung beherrscht, der in der ganzen Welt zuhause ist und uns unter anderen Mozart, Dickens, Mark Twain, Hemingway und Hermann Hesse aufbereitet, steckt eine passionierte und verletzbare Seele, die hier zu ihrem sehr persönlichen Ausdruck findet. Er ist identisch mit dem Protagonisten Roman, Richards Sohn, der sich wie sein Vater einer Sache und einem Glauben hingeben und öffnen will, auch wenn er dessen Reinheit nicht erreicht und manchmal wider Willen den Wolfspelz eines Polterers und Berserkers anziehen muss. Die Lage vieler verfolgter Christen und der Identitätsverlust des kirchlichen Christentums ist auch nicht gerade eine "Spaßgesellschaft", aber es lohnt sich, nun einmal einem sanften, humorvoll-ironischen und anrührenden Ton zuzuhören. Ähnlichkeiten mit seiner eigenen familiären und medialen Wirklichkeit sind „zufällig, aber wahrscheinlich unvermeidbar“ (Motto). Das ganze beginnt mit einem Weihnachtswunder am 23. Dezember, der plötzlichen Heilung des Augustinus, Pascal, Buber und Guardini lesenden Patriarchen Richard vom grauen Star. Seine fromme Frau Waltraud, um derentwillen er das Priesterseminar verließ, sein Enkel Nick, Romans und Ritas Sohn, und die ganze Familienkonstellation einschließlich des Bruders und seiner schwangeren Frau werden noch andere Weihnachtsüberraschungen erleben. Dabei gilt: „Der Begriff ‚Wunder‘ ist ein strahlendes Brückenwort, das unsere Welt mit einer anderen verbindet“(11) – und jede „Allversöhnung“ nimmt ihren Ausgang in der Familie, kann auch "Steppenwolf"-Phasen mitsamt Drogenkonsum überwinden.

Rechtzeitig zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest 2012 bietet Matusseks "Die Apokalypse nach Richard" einen "countdown", einen apokalyptischen zwei-Tage-Advent eigener Art, eine Liebeserklärung des Autors an seinen Vater und seine (hier erzählerisch zeitweise von ihm getrennte) Frau Rita – Jonathan Franzens meisterlicher Familienroman „Die Korrekturen“ sozusagen heruntergefahren auf lesbare Proportionen. Charles Dickens Weihnachtsgeschichten lassen grüßen, werden aber existentiell "verschärft". Die Geschichte ist eine Art Sinn-stiftende Flaschenpost für uns zeitgenössische „Kinogänger“ (Walker Percy). Mehr sei hier nicht verraten, aber wer den Weltuntergang nach einem Maya-Kalender am 21. Dezember 2012 für eher unwahrscheinlich hält, sollte sich diesen packenden und (zumal bei diesem Thema!) wunderbar von Verkitschung freien Text eines unserer lebhaftesten Journalisten nicht entgehen lassen! Am Ende versteht man vielleicht auch, weshalb der Stifter des Christentums zwar das Weihnachtsfest erst ermöglicht, selbst aber nicht gerade ein familiärer Typ war.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Oktober 2012
"Fast niemand mag ihn" titelte die TAZ 2005 unverhohlen und Matthias Matussek hat als katholischer Talkshowrabauke einiges dafür getan diesem Behauptung gerecht zu werden. Ob Heiner Geißler, Angelika Kallwass oder ein komischer Imam - wer etwas sagte, dass die religiösen Gefühle des SPIEGEL-Autors verletzte, sah sich einem geradezu alttestamentarischen Verbalfuror ausgesetzt. Stets mit dem griffbereiten "katholischen Abenteuer" unterwegs, ließ er sich zur Freude seiner Fans durch diverse Quasselsendungen weiterreichen und verteidigte seine Kirche, seinen Papst, seinen Glauben. Zwar hat er nie mit seinem Buch geworfen und auch mit dem Buch der Bücher nicht. Auf viele wirkte er dennoch befremdlich.

Dass dieser Wüterich schreiben kann wie kaum ein zweiter, dass seine Essays wie jüngst beispielsweise der über Hermann Hesse, inhaltlich wie stilistisch zum Besten gehört, was das deutsche Feuilleton zu bieten hat, ist unzweifelhaft. Trotzdem machte er sich durch seinen eigenwilligen Diskussionsstil nicht gerade beliebt, was ihm angesichts seiner Mission aber wohl auch herzlich egal war.

Wer aber nun händereibend erwartete, das würde bis in die Ewigkeit so weitergehen, der kann sich auf eine Überraschung gefasst machen. Denn eine anrührende Erzählung, eine vielschichtige Weihnachtsgeschichte hätte man wohl – wenn überhaupt, dann nur mit letzter Tinte von ihm erwartet.

"Die Apokalypse nach Richard". Richard, ein 85-jähriges Familienoberhaupt, der mit seiner Frau Waltraud auf die Ankunft seiner Kinder und Enkelkinder zum gemeinsamen Weihnachtsfest wartet. Richard, der davon überzeugt ist, dass an diesem Heiligabend etwas besonderes geschieht. Richard, zu dem die Familienmitglieder aus allen Richtungen hinreisen wie die heiligen drei Könige zur Krippe. Richard, eine Art grauer Star.

Klingt nach süßlichem Weihnachtskitsch für Religioten, wie man Gläubige in gewissen atheistischen Kreisen auch gerne mal nennt. Ist es aber nicht. Vielmehr eine Novelle, die es in sich hat, die alles hat, was man von einer großen literarischen Erzählung erwarten kann. Intelligent, nachdenklich, unterhaltsam, humorvoll und, na klar: sprachlich brillant.

Alle Familienmitglieder haben ihre Leichen im Keller, egal ob es Enkel Nick ist, der im Internat beim Kiffen erwischt wurde, dessen Vater und Richards Sohn Roman, der als Journalist matusseksche Probleme mit seinem Redakteur hat, Wilhelm, sein Bruder, der als Banker angesichts der Krise zunehmend die Panik bekommt und selbst Richards Frau, die treusorgende Waltraud ist längst nicht so simpel gestrickt, wie man zunächst annimmt. Sie alle streben am 23.12. zu Richard, zur traditionellen Gans und - ohne es zu wissen - zu Richards Apokalypse.

Es wäre eine fiese Indeskretion, hier zu verraten, worin diese Apokalypse besteht. Es ist eine Überraschung und muss es auch bleiben. Aber der Schriftsteller und bekennende Atheist Alexander Wallasch, der das Buch für "the european" rezensiert hat, hat recht. Das ist nicht nur ein wunderbares Buch, sondern es schreit laut nach einer Verfilmung. Man sieht Richard förmlich durch das verschneite Hamburg gehen, man riecht den Markt, den Schnee. It works.

Leicht und unterhaltsam kommt die Geschichte daher - und doch immer wieder auf leise Art nachdenklich machend. Weit und breit kein katholischer Holzhammer, ab und an ein kleines Hämmerchen. Feine Ironie ohne Zynismus.

In Nick, Roman, Bill und womöglich auch Richard erkennbar biografisch beeinflusst, aber ohne Missionierungseifer, mit viel Humor und Liebe zu seinen Figuren und deren persönlichen Brüchen und Macken. Feinfühlig, ja tatsächlich, Matussek kann nicht nur feinfühlig: Er ist es in Cinematoskope!

Wer mit dem christlichen Glauben, Weihnachten und all dem "Gedöns" nichts am Hut hat, braucht sich dennoch nicht zu fürchten, auch er wird Vergnügen haben. Wer die christliche "Szene" von innen kennt, wird manches wiedererkennen und ebenfalls schmunzeln. Übersteigerte Erwartungen an das Weihnachtsfest und Erwartungen auf einen handfesten apokalyptischen Familienkrach gehören zu Weihnachten wie Christbaum und Krippe.

Bei Richard ist alles etwas anders und auch wieder nicht. Hier wird nicht gepredigt, nicht belehrt und nicht bekehrt, hier wird erzählt. Einfach erzählt, wobei jeder weiß wie schwer es ist, einfach zu erzählen. Alleine das lohnt die Lektüre. Wo gibt es heute noch gute Erzähler ? Bei der Lektüre überkam mich immer wieder ein Drang vorzulesen. Das Buch schreit danach gelesen und vorgelesen zu werden. Wer die Gelegenheit hat, eine Lesung mit Matthias Matussek zu besuchen, sollte nicht zögern sie wahrzunehmen. Versprochen: Es lohnt. Einziger kleiner Wermutstropfen, die Erzählung endet schon auf Seite 190. Bleibt zu wünschen, dass Matthias Matussek auch selbst soviel Spaß am Erzählen gefunden hat, dass es auch mal einen dicken Roman über Richards Familie geben wird. Ein unfrommer Weihnachtswunsch wird wohl erlaubt sein.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Oktober 2012
Dass der Mann erzählen kann wie der Teufel, war ja hinlänglich bekannt seit seinen Reportagen aus New York, wo Matussek sich als echter Entdecker erwies, indem er verwehte Größen wie Robert Lowry, Cormac McCarthy oder Leonard Gardner mit großartigen Hommagen dem Vergessen entriss. Doch dass der Mann auch den Kurzroman beherrscht, das ist neu. Der kleine, wunderbar quirlige Text ist verdammt gut abgehangen, ohne ein Gramm Fett, ist klug und temporeich - "Die Korrekturen" auf 190 Seiten runtergefahren! Schade, dass viele diesen Könner meiden, bloß weil er Charakter zeigt und sich mit unpopulären Meinungen in die Brandung wagt. Doch wer auf einen wirklich tollen Text aus ist, der mit geraden, schnörkellosen Sätzen besticht, der sollte hier zuschlagen. Denn genau betrachtet muss man lange suchen in hiesigen Breiten, um derart Blitzgescheites zwischen zwei Buchdeckeln zu finden. Hier ist die Rückkehr eines sehr interessanten Autors auf die hiesige Literaturbühne anzuzeigen, der - nach seinen Diogenes-Büchern - viel zu lange als Erzähler weg war. Schön, dass Aufbau ihn ins Boot geholt hat- er hat es mit einem fulminanten Roman zurückgezahlt. Mehr davon, Bitte!
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Oktober 2012
Zugegeben, wer einen Matussek kauft, erwartet eine gewisse Lautstärke, um sich dann darüber zu beklagen. Das ist das Image Matusseks und seiner Leser. Wer den neuen Matussek "Die Apokalyse nach Richard" erwirbt und sich schon wohlig auf gegen den Strom gebürsteten Krawall freut, wird vielleicht eine Sekunde lang enttäuscht sein. Denn er hält einen Kurzroman in Händen, der virtuos mit starken Figuren und ungewohnt zartem Ton jongliert. Er wird es nicht bereuen.

Richard König ist ein Patriarch, ohne Zweifel. Ein alter Patriarch, den die körperlichen Kräfte mehr und mehr verlassen, der aber dennoch die Fäden in der Hand hält, und zwar nicht nur die seines Rosenkranzes. Weihnachten naht, das Fest der Familie. Aber nicht nur das. An diesem Weihnachtsfest wird die Welt untergehen, da ist Richard sicher. Eine Welt, die der heutigen verblüffend ähnelt, auch wenn inzwischen der Papst ein Chinese ist und die Umweltverschmutzung den Weltraum erreicht hat. Dass Richard kurz vor Weihnachten wieder sehen kann - ein Wunder im Gelsenkirchener Barock des häuslichen Wohnzimmers - ist ihm das sichere Zeichen, dass die Apokalypse unmittelbar bevorsteht. Seine Frau Waltraud ist indes damit beschäftigt, das Weihnachtsfest vorzubereiten, so, wie es immer war. Die unterschiedlichen Söhne (einer davon Matussek selbst, wie er im Bilderbuche steht) werden erwartet, eine der beiden Schwiegertöchter, die Enkel, auch der aus dem Jesuiteninternat entfleuchte aus Romans geschiedener Ehe, der sich unerwartet zum Fest anmeldet, kurz bevor seinem Smartphone der Strom und ihm selbst das Geld ausgeht. Beste Voraussetzungen für das Fest der Liebe - oder wie Richard sagen würde: die Ankunft des Herrn.

Der Leser lernt sie alle lieben: Richard, den leisen Weltuntergangspropheten, Waltraud, die g'schaftige Hausfrau, die weit mehr erkennt als man ihr zutraut, Roman, das sympathisch-gebrochene alter Ego des Autors, Nick, seinen pubertär-störrischen und so liebenswerten Sohn, sowie Bill, der um ein Haar der Kotzbrocken in der Geschichte geworden wäre, wenn nicht... Mehr sei nicht verraten, nur dies: Selten gelingt es einem Buch, das Beste im Leser hervorzuzaubern, dessen Auflachen nie gehässig gerät und dessen verschüttete Sehnsüchte ganz unvermittelt berührt und aufgewirbelt werden, dort, wo es zuweilen fürchterlich ist . Ein Buch, das jene Augenblicke hervorzaubert, die Goethes Mephisto so verabscheute: "Verbleibe doch, du bist so schön". Ein wundervolles Buch. Mehr kann man nicht dazu sagen. Man muß es lesen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. April 2013
Ich empfehle den Lesern das letzte Kapitel zuerst zu lesen. Die teilweise filigranen Empfindungen müssen erst herausgefiltert werden. Die Personen und ihr jeweiliges Umfeld habe ich erst nach nochmaligem Lesen klar empfinden können. Vielleicht könnte es auch Teile unseres sozialen Empfindens anstoßen zu einer veränderten Wertung unseres Umfeldes.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Dezember 2012
Ich hatte das Glück, eine der mitreißenden Lesungen zu erleben, in denen Matthias Matussek aus seiner anrührenden Erzählung vorgelesen hat. Aber auch jeder, der die 189 Seiten selber liest, wird von dieser packenden Weihnachtsgeschichte zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt werden. Denn mit sehr lebendiger Sprache erzählt Matussek, wie die Mitglieder einer gar nicht heilen Familie unter dem Weihnachtsbaum in Hamburg zusammenfinden, wie das Fest der Liebe Menschen zusammenführt, was die Menschwerdung Gottes, Gottes Kommen in diese finstere Welt, eigentlich bedeutet. Die Figuren wirken wohl deshalb so überzeugend, weil sie feinfühlig gezeichnet und stark autobiographisch gefärbt sind. Spielerisch gelingt es Matussek, beides miteinander zu verbinden: Besinnliches und Erschütterndes, die Beschaulichkeit und das Wunder von Weihnachten, für das die meisten Zeitgenossen - im Gegensatz zu Richard, der Hauptperson der Erzählung - den Blick verloren haben.

Dass Matusseks Buch kein plumper Versuch ist, sein "katholisches Abenteuer" auf unterhaltsame Weise zu verkaufen, liegt daran, dass er von dem überzeugt ist, woran Richard (Großvater) glaubt und wonach besonders Roman (Sohn), Rita (Schwiegertochter) und Nick (Enkel) sich sehnen, dass unsere Welt einem guten Ende entgegengeht und das Leben heil wird. Matussek hat ein wunderbares Buch geschrieben, weil es einen spüren lässt, worum es an Weihnachten jenseits von Kitsch und Konsum, Weihnachtsstimmung und Weihnachtsgans geht.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. November 2012
Das schönste literarische Weltuntergangsszenario überhaupt - und dazu noch eine betörende Weihnachtsgeschichte. Ich habe Matusseks "Apokalypse" in einem zweistündigen Leserausch konsumiert - und dann gleich als Geschenk für einen Freund besorgt. Was für ein eleganter, herausfordernder, stilsicherer und treffender Roman. Das Beste und Klügste, was aus einer christlich Grundhaltung heraus in den letzten Jahrzehnten rund um das Christfest geschrieben wurde.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Oktober 2012
Einzigartige Geschichte! Gut erzählt und überraschend sanft im Ton :) Dem Leser werden die fein gezeichneten Figuren lebendig, der Gedankenreichtum des Protagonisten Richard fasziniert. Wer jetzt allerdings mühsam-nachdenklichen Lesestoff vermutet, irrt: die Geschichte ist überaus kurzweilig, spritzig und schraubt sich zu einem geradezu apokalyptischen Finale hoch.
Ein Buch, das eigenartig berührt, begeistert und einen irgendwie... beschenkt.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Vielleicht sollte man zum besseren Verständnis etwas über den Autor erfahren, der mit "Apokalypse nach Richard" einen Roman geschrieben hat, in dem die Auseinandersetzung mit religiösen Urteilen und Vorurteilen im Fokus steht. Der Vater Matussek war katholischer Theologe, der Sohn Mathias war als Schüler auf einer Jesuitenschule. Als Journalist hat er später für den Spiegel und den Stern gearbeitet. Vor einiger Zeit hat er viele, die ihn als Marxist kannten, mit einer viel beachteten Wutpredigt für den Katholizismus und für das zu wenig glauben erschrocken. Seinen fest geformten Katholizismus kommentierte er im Jahr 2011 wie folgt:"Ich bin so leidenschaftlich Katholisch, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war." Und nun hat er eine ganz sanfte, stille, wunderbare Weihnachtsgeschichte geschrieben.

Im Zentrum dieser faszinierenden Weihnachtsgeschichte steht eine Großfamilie. Familienoberhaut ist Richard, der einst sein Priesterseminar abbrechen musste, weil er sich unsterblich in Waltraud verliebt hatte. Er konnte zeitlebens bei seinen Mitbürgern die "Frohe Botschaft" nach außen verkünden, dass Gott die Güte, der Schrecken und das Gericht ist. Und Richard wartet nun auf die Ankunft Gottes. Er, den seit einiger Zeit der graue Star plagt, wacht am Tag vor Heiligabend auf und kann plötzlich wieder sehen. Das wundert ihn nicht, denn als gläubiger Mensch glaubt er, dass Gott Wunder vollbringen kann, so ist Weihnachten für Richard das Wunder der Menschwerdung. Im Hause König laufen die Weihnachtsvorbereitungen auf Hochtouren.

Söhne, Enkel und Schwiegertöchter, alle haben sich aufgemacht, um zum Stammvater Richard, zum Zentrum des Magneten zu wandern, um mit ihm am Heiligabend die Rückkehr des Herrn zu erleben. Dieser Magnet Richard ist ein veritabler Frommer, aber kein enger Mensch. Die Erzählung legt uns in gewisser Weise nahe, uns mit diesem Richard gewissermaßen zu identifizieren, einem Menschen der auf altabendländische Art fromm ist. Oft sprach Richard mit seinen Mitmenschen über Bücher, doch alle Gespräche liefen trotz aller Ausschweifungen und Verästelungen immer auf die Frage zu: "Was machst du mit deinem Leben?" Eine Frage die man eigentlich besinnlicher nicht stellen kann. Darum nannte Bill seinen Vater einen "religiös übermotivierten Alten".

Auch diese Weihnachten wollte sich die Familie wieder dem Elend der Welt entgegenstellen. Wenn der Erlöser kommt sollte das Hamburger Heim zur Insel der Hoffnung werden. Da ist Journalist Roman, der Lebensinhalt und Frau verloren hat mit seinem Sohn Nick, der Banker Bill mit seiner hochschwangeren Frau Karin und seinen beiden frühreifen kleinen Söhne.

Waltraud möchte alles tun, um das Fest der Liebe wie in all den Jahren feiern. Dazu gehört als Meisterwerk die Weihnachtsgans. Doch als sie die Backofentür öffnet, öffnet sie das Tor zur Hölle, denn die Gans sie missraten, weil sie vergessen hatte die Plastiktüte mit den Innereien zu entfernen. Die Gans stinkt fürchterlich.

Waltraud ist fest davon überzeugt, dass die Muslim - Brüder auf diese Art und Weise das christliche Fest der Liebe zerstören wollten. In der Katastrophenküche nehmen nun alle Familienmitglieder die weinende Waltraud in die Arme. So war die Familie auf wundersame Weise zusammengeschweißt, alle verstanden sich so wunderbar, wie es eine knusprige Gans nie geschafft hätte. McDonald muß nun als Essenslieferant mit Cheeseburger, Chicken McNuggets und Salat einspringen.

Auch wenn an diesem Tag bisher so allerhand daneben gegangen war, so folgt nun der bekannte Ablauf. Das heilige, Ritual heißt wie immer: Gemeinsam wird ein Weihnachtslied gesungen, dann liest Richard die Weihnachtsgeschichte vor, danach werden die Geschenke ausgepackt. Alle sind volle Rührung in eine Welt zurückgekehrt die aus "religiösem Gefühl" bestand. Zur Apokalypse kommt es dann nach der Bescherung. Es gibt eine Explosion, die Fensterscheiben zersplitterten, der Weihnachtsbaum wird weg gefegt.

Die Familie erlebt, wie Richards Prophezeiung sich in der heiligen Stunde zu erfüllen scheint, und er in stiller Verzückung dem Licht entgegen schreitet welches ein Raumschiff mit Außerirdischen umgibt, das auf der gegenüberliegenden Wiese gelandet war. Man will Richard abholen, während im Haus die Schreie eines neugeborenen Kindes zu hören sind.

Das ist vielleicht die einzige Schwachstelle dieses sonst so mutigen Buches. Hier, als der Autor das große Wunder, diese Apokalypse, den Tod des Familienpatriarchen Richard inszeniert ruft er eine Filmszenerie auf. Für die Enkelkinder zwar verständlich, das Raumschiff entführt den Opa ins Jenseits. Aber warum fügt er dann hinzu, heute kann man sich nur noch der "Grammatik des Kinos" bedienen wenn man von Wundern sprechen möchte? Warum diese kleinlaute Beschämtheit? Da hätte ich dem Autor mehr Mut zugetraut , denn Richard, der auf sein Weltende vorbereitet war, wurde auf wunderbare Weise erlöst, seine Offenbarung war eingetroffen. .

Ein sehr sanftes und weihnachtliches Buch, eine anrührende, mitreißende und hingebungsvolle, im Journalismus Sprachduktus erzählte Geschichte, über die Weihnachtsidylle einer Familie, die davon überzeugt ist, dass man auch heute glauben muss, um nicht verloren zu sein. Dieses mutige Buch hat mir großes Vergnügen bereitet.
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am 29. November 2014
Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte in humorvoller und nachdenklich erzählt. Mann erkennt viele autobiographische Elemente, die sich schnell in der Phantasie des Erzählers verlieren.
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