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Kundenrezensionen

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am 3. Januar 2013
Klinga Mischa lebt mit ihrem Vater Emmerich in einem kleinen niedersächsischen Städtchen. Ihren polnischen Wurzeln verdankt sie ihren außergewöhnlichen Namen. Zum Abschluss ihres Studiums der Kunstgeschichte und Philosophie schenkt ihr Vater ihr einen besonderen Bernstein. Er ist das Familienerbstück und wie Kinga sofort bemerkt „die einzige Verbindung zurück“. Als ihr Vater stirbt, erbt sie völlig überraschend eine Wohnung in Danzig. Bei der Testamentseröffnung erfährt sie durch den Notar, dass in Danzig der polnische Teil ihrer Familie unter dem Namen Mysza lebt und dass ihr Vater dieser Familie den Mietzins der Wohnung überlassen hat. Klinga nimmt Kontakt zu ihrer polnischen Familie auf und reist nach Danzig. Die Familie in Danzig, bestehend aus Onkel Brunon, Tante Bronka und Cousin Bartosz, sind nicht begeistert von Klingas Auftauchen. Sie befürchten die Wohnung und damit den Mietzins zu verlieren. Eine Reise, geprägt durch Erinnerungen, mystischen Begegnungen und Ereignissen beginnt.
Sabrina Janesch hat mit Ambra einen außergewöhnlichen Roman geschrieben. Ihr Sprachstil ist poetisch und dabei extrem bildhaft. Danzig wird mit Hilfe des wehenden Westwindes erkundet und beschrieben. Rückblicke in die Vergangenheit erklären die Spaltung der Familie. Wechselnde Erzählperspektiven beleuchten die Geschichte von verschiedenen Seiten und geben dem Leser verschiedene Sichtweisen an die Hand, tragen aber manchmal auch zur Verwirrung bei. Der Leser erlebt die Geschichten wie durch einen Weichzeichner erzählt, so dass man manchmal nicht zwischen Phantasie und Realität unterscheiden kann. Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen, hatte aber auch zwischendurch Probleme die Zusammenhänge zu erkennen.
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am 16. Dezember 2012
KLAPPENTEXT:
Es ist Herbst, als Kinga Mischa in der fernen Stadt am Meer eintrifft. Der Wind rast durch die Backsteinfluchten und kündet von einem turbulenten Jahr. Nur ein Bernstein, in dem eine Spinne gefangen ist, erinnert die junge Frau an ihren verstorbenen Vater. Noch ahnt sie nur, dass der Träger des Steins nicht bloß das Schmuckstück, sondern auch eine seherische Gabe geerbt hat: eine faszinierende wie dunkle Fähigkeit, die für Kinga zunehmend zur Qual wird. In der Stadt trifft sie auf ihre polnische Verwandtschaft. Die Familie Mysza arrangiert sich trotz aller Konflikte mit ihrem Zuwachs, bis plötzlich zwei Menschen verschwinden, die Kinga sehr nahe standen: die schöne Renia und der kriegsmüde Bartosz. Plötzlich steht Kinga im Verdacht, ihre Kräfte auf grausame Art angewandt zu haben. – Eine zauberhafte Geschichte, die von einer Spinne, einem Stadtschreiber und einer jungen Deutschpolin widerstreitend erzählt wird – mit viel Poesie, Raffinesse und Wärme. Ein Roman über die seelischen Verletzungen einer Familie, die mit der schmerzvollen Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt korrespondieren.

AUTORIN:
(Quelle: Aufbau)
Sabrina Janesch studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Polonistik in Krakau. Sie ist u. a. Gewinnerin des O-Ton-Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des LCB. Als erste Stadtschreiberin von Danzig erntete sie viel Medienaufmerksamkeit. Für „Katzenberge“ wurde sie mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Romandebüt des Jahres, dem Nicolas-Born-Förderpreis und dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet. 2011 war sie Stipendiatin im Ledig House/New York.

EIGENE MEINUNG:
"Es ist der Westwind. Im Morgengrauen zieht er vom Meer herüber in die Stadt und bringt den Geruch von Seegras, Meerampfer und Sanddorn in ihre Gassen; dort steigt er auf und vermischt sich mit den Geschichten der Stadt und der Menschen, die in ihr leben und jemals in ihr gelebt haben. Sprachwirbel unterschiedlichster Farbe und unterschiedlichsten Alters greifen hier ineinander, und das, was am Boden geschieht, ist nichts als eine Momentaufnahme des Lebens dieser Stadt, und kaum ist der Moment vergangen, steigt er schon auf und begibt sich unter all das, was er vor ihm gewesen ist." (Aus dem Prolog "Der Morgen")
Sabrina Janesch hat auch in ihrem zweiten Roman "Ambra" wieder eine faszinierende Familiengeschichte erdacht, die zwischen Aberglaube und Wirklichkeit angesiedelt, von den Geistern der Vergangenheit und einer Schuld über Generationen hinweg erzählt.
Nach dem Tod ihres Vaters reist Kinga in nach Danzig, die Stadt am Meer, in der ihre einzigen noch lebenden Verwandten wohnen. Onkel Brunon, Tante Bronka und ihr Sohn Bartosz, Kingas Cousin. Sie weiß kaum etwas über die Familie Mysza, obwohl sie verbunden sind durch gmeinsame Gene. Blut, das stärker sein sollte als Wasser. Doch schon seit Generationen gibt es Streit in der Familie. Ein Zwist aus Missverständnissen und Unverständnis, der sich zu einem regelrechten Fluch aufgeschaukelt hat. Ein Fluch, der begleitet wird von einem besonderen Schmuckstück: Einer Kette mit einem Bernstein Anhänger, in dem eine Spinne eingeschlossen ist. Eine Spinne, die heimlich, still und leise dunkle Gedanken spinnt, die der Träger der Kette in den Köpfen Anderer erblickt und die eine große Schuld an der Last der Familie tragen.
Sabrina Janesch ist eine Künstlerin der Worte. Dies wird auch in ihrem zweiten Roman deutlich sichtbar. Ja eher sogar spürbar. Sie erzählt, kreiert, zaubert, schafft eine Atmosphäre, die den Leser am Schopf packt und hineinzieht in ein Geflecht aus Fantasie und Realität und in der Stadt am Meer wieder ausspuckt. Verwirrt, bewegt und nachdenklich. Immer wieder verpackt sie Geheimnisse in vagen Andeutungen, legt dem Leser Häppchen vor die Füße. Sabrina Janesch übernimmt das Erzählen, denken darf der Leser selbst. Eine Eigenschaft, die mir an diesem Roman gut gefällt, denn so bleibt nicht nur die Geschichte, sondern auch die Gedanken im Fluss und auch nach Beenden des Romans gehen sie immer wieder zurück zur Stadt am Meer und einer Familie, die immer wieder die Schuld der Ahnen auf sich zieht.
Auch Kinga und Bartosz bleiben nicht verschont vom Fluch. Wie auch. Sie könnten unterschiedlicher kaum aufgewachsen sein, so dass sich einfach sehr verschiedene Charakter bilden mussten. Kinga behütet und beschützt vom Vater, bis dieser stirbt und sie irgendwie identitätslos zurück lässt. Bartosz der Soldat, der die Höllen des Krieges durch gemacht hat und diese nicht wieder los lässt. Das kann nur zu Missvertsändnissen führen und ohne es zu wollen, ohne es zu merken bedrängt Bartosz Kinga, die daraufhin zu beisst und ihn dort trifft, wo es ihn am meisten schmerzt.
Die Geister der Vergangenheit sind das, was alle verbindet. Bartosz, Kinga, die Familien Mysza und Mischa, Renia und die Stadt am Meer, deren Geister wohl leise, aber nachhaltig klagen.
Die Kapitel sind in einzelne Abschnitte unterteilt, die mit kleinen Bildchen gekennzeichnet sind. Jeder Abschnitt wird aus einer unterschiedlichen Perspektive erzählt. Es gibt die Vergangenheit, die immer mit "Es war einmal" beginnt und in der Aberglaube, Fantasie und Realität tatsächlich fast märchenhaft verwoben sind. Es gibt einen Abschnitt, der aus Kingas Sicht erzählt und der Abschnitt des Stadtschreibers, der alles von außen betrachtet und aus dessen Augen manches anders wirkt, als aus denen Kingas.

FAZIT:
"Ambra" ist ein Buch voller sprachlicher Magie. Interessante Charaktere mit (dunklen) Geheimnissen und eine Schuld, die sich über mehrere Generationen hinzieht, hallen noch lange im Gedächtnis des Lesers nach. Eine Leseempfehlung für alle, die dem Sog von Aberglaube, Schuld und Familiengeschichten nicht widerstehen können und Romane mögen, die zum Mitdenken anregen, von hoher sprachlicher Qualität sind und in denen es viel zu entdecken gibt.
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TOP 500 REZENSENTam 22. August 2012
Nur zu gut ist mir noch das Romadebüt „Katzenberge“ von Sabrina Janesch in Erinnerung, das mir mit seinem etwas verwunschenem Erzählstil so gut gefallen hat. Auch in diesem Roman, der sicher literarisch noch eine Stufe über „Katzenberge“ steht, liegt über allem der Schleier von etwas Verwunschenem. Schon der Beginn, der ein ganz klein wenig an den Anfang von „Chocolat“ erinnert, hat mich eingefangen.

Sehr bald wird beim Lesen klar, dass es sich bei der Stadt am Meer um Danzig handeln muss und teilweise hätte ich mir gewünscht, diese Stadt wird einmal beim Namen genannt, doch es scheint, ihr würde es sonst an der Magie fehlen, die die Autorin ihr angedacht hat. Kinga, die hier nach dem Tod des Vaters landet, weil er ihr eine Wohnung vererbt hat, lernt ihre polnische Verwandtschaft kennen und beschließt zu bleiben, weil sie sich sonst nirgendwo zu Hause fühlt. Geschildert wird abwechselnd aus der Sicht Kingas und von einem unpersönlichen Erzähler, der die gesamte Situation überblickt. Er ist zeitweise auch nötig, da Kinga sehr weltfremd daherkommt und das, was sie erlebt, oftmals wie durch Watte sieht und seltsam unkonkret wirkt.

Es ist schwer, die Gesamtheit der Geschichte zu schildern, soviel verschiedene Dinge hat Sabrina Janesch hier sehr geschickt miteinander verwoben; ein Rückblick auf die oftmals schwierige Familiengeschichte der Myszas, Kingas aktuelle Situation, ihre Liebe zu Renia, die sie sich mit ihrem Cousin Bartosz teilen muss, dessen Kriegserlebnisse im Irak ihn nachhaltig traumatisiert haben, die Arbeit von Kinga und Renia in einem kleinen Varieté, die übersinnlichen Fähigkeiten der beiden und dann, vor allem immer wieder die Stadt.

Die Stadt am Meer, die die Menschen einfängt, die „ihr Maul so weit aufgesperrt hatte, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit Hunderte von Menschen in sich aufnehmen konnte.“ Die Stadt greift nach den Menschen, „das steinerne Antlitz verzogen, überschminkt und doch so voller Ausdruck und Wesen.“ - Oft trifft man auf so wunderbare Formulierungen, und wenn man aufmerksam liest, entdeckt man auch eine Anspielung auf die Blechtrommel - überhaupt ist es mit dem Buch wie mit der Stadt, man entdeckt immer wieder etwas Neues, die neue Stadt mit ihren Menschen, längst Vergessenes hinter alten Fassaden und befindet sich so auf einer Reise, die sich mit der Vergangenheit, aber auch mit der Gegenwart Danzigs befasst.

Die Autorin porträtiert Danzig auf ihre beeindruckende Weise, zauberhaft, voll Poesie und mit großer Erzählkraft. Ich war erneut fasziniert von ihrem Stil und hoffe, dass noch viele so wundervolle Romane von ihr folgen werden.
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am 5. Februar 2013
INHALT
Als ihr Vater stirbt, erbt Kinga eine Wohnung in einer fernen Stadt am Meer. Und einen Bernstein, in dem eine Spinne gefangen ist. Kein totes Insekt ist das, sondern eine überaus lebhafte Zeugin einer ungewöhnlichen Familiengeschichte.

FAZIT
Ich kann zu dieser Geschichte Leider nur 3 Sterne vergeben. Mich hat von anfang an der Schreibstil ein wenig gestört dadurch kam ich nie so wirklich in die Geschichte rein - leider.
Auch die Personen konnte ich nie so wirklich zu ordnen, mir hat ein wenig die Detailierung gefehlt womit man sich den Personen nähern kann.
An sich trotzdem irgendwo auch spannend gewesen so das es an manchen stellen nicht aus der Hand legbar war weil man wissen wollte wie die geradige Situation enden wird.
Vielerlei Handlungen fand ich auch ein wenig übertrieben, noch dazu stellt man sich die Frage was mit gewissen Dingen nun geschieht wie zb. die Pfandleihe soweit man weiß Soll sie wohl ohne Kinga weiter geführt worden sein obwohl Kinga in dem Geschäft wichtig war.
und ein mehr oder weniger offenes ende fand ich warum Kinga den eingeschlossen in ihrem Zimmer saß wohin wohl Bartosz und Renia verschwunden sind, ob sie wieder auftauchen.
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am 2. Oktober 2012
Die Idee zu diesem Roman ist vielversprechend: Eine junge Frau, deren Eltern 1945 aus Danzig nach Westdeutschland geflohen sind, macht sich auf, ihre Verwandten kennenzulernen, die damals dort geblieben sind.
Dass es dabei im eine Immobilie geht, liegt vielleicht im Trend der Zeit, ist aber weniger spannend als das zweite Familienerbstück: ein Bernsteinanhänger, in den eine Spinne eingeschlossen ist, die einen Erzählfaden spinnen kann…
Neben der Spinne gibt es zwei weitere Erzählerinnen: die junge Frau selbst und eine auktoriale Erzählerin.
Was ließe sich aus dieser Anlage alles machen! Aber die Autorin verschenkt so gut wie alle Möglichkeiten.
Das beginnt mit der Gestaltung der Erzählebenen: Es gibt so gut wie keine Unterschiede, der Stil bleibt immer gleich unbeholfen, unabhängig davon, wer erzählt. Dass die Spinne ihre Abschnitte mit einer Märchenfloskel einleitet, kann darüber nicht hinwegtäuschen. Was hätte gerade sie, die die Welt seit Jahrtausenden beobachtet, für erzählerische Möglichkeiten! Stattdessen reproduziert sie wenig packend Episoden aus der Familiengeschichte, wie man sie sich eben vorstellt, wenn man nicht dabei gewesen ist.
Stilistisch holprig ist der Stil bei allen drei Erzählerinnen: Sie verwenden idiomatische Wendungen falsch, versteigen sich in kitschige Phrasen, in denen beispielsweise „die Rauchschwaden des Liebesfeuers ihren Verstand benebelt haben“, und konstruieren umständliche Gespräche in der indirekten Rede, die einem vollends die Lust am Lesen nähmen – wäre da nicht die interessante Konstellation zwischen der jungen Westdeutschen und einem gleichaltrigen polnischen Cousin, der im Irakkrieg gekämpft hat und dadurch traumatisiert ist. Mit Hilfe der Bernsteinspinne kann die Frau seine Gedanken lesen, erfährt von seiner Schuld… Was macht sie mit diesem Wissen?
Sie schleudert es ihm an unpassendster Stelle ins Gesicht. Der junge Mann verschwindet daraufhin mysteriös in einem Berg. Schade. Was hätte sich aus der Begegnung der beiden alles entwickeln können!
Bis zum Schluss wartet man darauf, dass die vielen losen Fäden zusammengeführt werden, dass die Stadt, die Bernsteinspinne und die junge Frau in einer Idee verbunden werden - vergeblich.
Kein Wunder, dass die Mutter des Verschwundenen der Ich-Erzählerin nicht glaubt – den Leser wird ihre unbeholfene Geschichte auch nicht überzeugen. Enttäuscht legt man das Buch beiseite und fragt sich, ob der renommierte Aufbau-Verlag eigentlich keine guten Lektoren hat, die zumindest das Gröbste verhindern können.
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am 13. März 2013
Sabrina Janesch benutzt sehr ungewöhnliche Metaphern, die sehr treffend beschreiben! Das Schicksal der Protagonistin ist vielen Personen in Deutschland (noch) nachzuvollziehen, weil sie ähnliche Schicksale erlebt haben. Ein wunderbare Beschreibung der Stadt Danzig!
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am 19. Juli 2014
Buch in sehr gutem Zustand, schnelle Lieferung, alles prima gelaufen, gerne wieder. Das Buch habe ich angefangen zu lesen, finde ich sehr interesant (nach dem ersten Buch von dieser Autorin -"Katzenberge").
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Eine zarte, bitter-süße Sehnsucht durchzieht den Roman - der auch einer über Danzig ist und über die Polen wie die Deutschen - die Sehnsucht nach einer Liebe, die sich nicht erfüllt. Die Liebe der deutschen Kinga Mischa zur polnischen Renia taucht den Roman "Ambra" von Sabrina Janesch in ein tiefes Aubergine. Denn Aubergine, das weiß jeder, ist die Farbe der unerfüllten Liebe. Wer nun denkt, die Janesch hätte nur einen Liebesroman geschrieben, der irrt. Und es ist auch kein Roman, den die Autorin mit ihrem zweiten Buch dem Lesen preisgibt, es ist ein Netz. Gewebt wahrscheinlich von jener Spinne, die, seit Millionen Jahren in einem großen Bernstein geborgen, viele Generationen der Familie Mischa/Mysza begleitet.

Die Mischas, die aber eben auch Mysza heißen, kommen ursprünglich aus der Kaschubei, jenem Gebiet unweit von Danzig, von dem die polnischen und deutschen Leser seit Günter Grass wissen, dass in dessen Erde Romane wachsen können. Und schon zu Beginn des Buches, in der dichten und duftenden Beschreibung der Stadt Danzig, lässt uns die Autorin wissen, dass sie keine Scheu vor dem Kontakt mit dem großen, alten Mann der deutschen Literatur hat: "Jeder Schlag auf jede Trommel und jeder Schrei, jedes zerbrochene Glas . . . findet Eingang in das Gedächtnis der Stadt", schreibt die Janesch und der trommelnde und Glas zersingende Oskar Matzerath aus der "Blechtrommel" bringt sich leise in Erinnerung.

Doch Sabrina Janesch schreibt nicht ab, sie beutet die eigene Herkunft aus: Ihre Mutter stammt aus Polen, ihr Vater ist Deutscher und sie schreibt zwischen den Herkunfts-Stühlen, ein Platz, der unbequem genug ist um Produktivität zu erzeugen. So wird die deutsche Mischa in Danzig auf den polnischen Mysza-Zweig der Familie treffen, sie wird sich verlieben, aber auch als Seherin arbeiten, an einem verrückten Kunstwerk mitwirken und sich erinnern: Wie war das, als die Deutschen in Danzig die Mehrheit stellten, als die Nazis die Stadt beherrschten und die Kaschuben ihre Sprache nicht mehr öffentlich sprechen durften, als ein nationaler Riss durch die Familie ging und der eine Zweig sich als deutsch begriff während der andere in der Illegalität leben musste.

Der Danzig-Roman, das Gewebe, kennt nicht nur den Rückblick: Mit kräftigen Strichen zeichnet die Schriftstellerin die Gegenwart der polnischen Stadt Danzig und findet dort einen traumatisierten Söldner, dessen polnische Regierung unbedingt an der Seite der USA in den Irak-Krieg ziehen musste, und dessen 2.500 Soldaten nicht nur am Kriegsverbrechen teilnahmen, sondern auch ein Verbrechen gegen sich selbst verübten. Aber so ist es mit dem Ambra: Den einen ist es das gelbe mythische Elektron der Antike, dem anderen ist es das Sekret des Pottwals, Bestandteil teurer Parfums, von dem Herman Melville in "Moby Dick" erzählt: "Ich behaupte: wenn der Pottwal seine Schwanzflosse hochschleudert, verströmt er ebensoviel Wohlgeruch wie eine moschusparfümierte Dame, die in einem warmen Salon ihre Röcke rascheln lässt.“ Sabrina Janesch kann beides: Zart und rau, duftend und elektrisierend, sie ist eine wunderbare Hoffnung des jungen deutschen Romans.
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