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33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios!
Joss le Guern, ein ehemaliger Seemann, der in einem Viertel von Paris den alten Beruf des Ausrufers (der bereits von seinem Ururgroßvater, der ihn von Zeit zu Zeit auch besucht, ausgeübt wurde) wieder zum Leben erweckt hat, bekommt eines Tages seltsame Nachrichten, auf die ein weiterer Bewohner ebenjenes Viertels, aufmerksam wird und sie als Botschaften zum...
Am 9. Juni 2003 veröffentlicht

versus
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unentschieden
Vargas macht sich die subjektive Furcht der Menschen vor dem Grauen an sich geschickt zu nutze, indem sie den "Schwarzen Tod" in den Mittelpunkt ihres Buches rückt. In der Handlung verliest Joss, ein gestrandeter alter Kapitän, der Familientradition des Ausrufers folgend, regelmäßig der Öffentlichkeit mysteriöse Nachrichten eines...
Veröffentlicht am 6. Juli 2007 von commissario


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33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios!, 9. Juni 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Fliehe weit und schnell (Gebundene Ausgabe)
Joss le Guern, ein ehemaliger Seemann, der in einem Viertel von Paris den alten Beruf des Ausrufers (der bereits von seinem Ururgroßvater, der ihn von Zeit zu Zeit auch besucht, ausgeübt wurde) wieder zum Leben erweckt hat, bekommt eines Tages seltsame Nachrichten, auf die ein weiterer Bewohner ebenjenes Viertels, aufmerksam wird und sie als Botschaften zum „schwarzen Tod", der Pest, entschlüsselt.
Gleichzeitig bekommt der hochgradig schräge Kommissar Adamsberg Meldung, dass in Paris merkwürdige Zeichen, nämlich spiegelverkehrte Vieren, scheinbar wahllos auf Eingangstüren gemalt werden. Diese Vieren werden von Marc Vandoosler, seines Zeichens Mediävist, Pestologe und Putzfrau, als Abwehrzeichen gegen.... die Pest entziffert.
Während die gesprochenen Inhalte zwischen ernst, witzig, schräg und skurril hin- und herwechseln, muten die beschreibenden Inhalte teils fast philosophisch an. Dieses wunderbare Buch lebt von einer spannenden Story, einem exzellenten Stil, wunderbar skurrilen Charakteren mit einer jeweils eigenen faszinierenden Geschichte, die Vargas intensiv, aber dennoch distanziert zum Leben erweckt, und einem unglaublichen Pariser Charme, der verhindert, es vor dem Schluss überhaupt aus der Hand zu legen.
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fliehe weit, fliehe schnell und bleib lange weg, 7. Februar 2006
Von 
Mario Kaiser (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Fliehe weit und schnell (Gebundene Ausgabe)
Joss, ein ehemaliger bretonischer Seemann steht auf einem Markt an einem Metroausgang und ruft zweimal am Tag Nachrichten aus, die Menschen in der zwischenzeit (verbunden mit 5 France) in eine Urne einwerfen. Er hat einige Zeit im Gefängnis gesehen, als sein abgewracktes Schiff im Meer versank und mehrere Matrosen in den Tod riss, weil der Reederer ihn zwang rauszufahren. Seitdem hat er nie mehr einen Job in der Seefahrt bekommen. So ruft er jetzt jeden Tag Sachen aus, von denen die Menschen denken, daß sie gehört werden wollen. Von angebotenen Waren bis zu Liebesbotschaften. Bis eines Tages die "Speziellen" auftauchen. Nachrichten, in einem edlen Umschlag, zusammen mit viel Geld. Zu Beginn ergeben sie nicht viel Sinn, da sie sehr abgehackt und unzusammenhängend sind. Irgendwann stellen sie sich als Textausschnitte aus mittelalterlichen Pestbeschreibungen heraus.
Gleichzeitig tauchen in den ersten Häusern in Paris an Wohnungstüren spiegelverkehrte Vieren auf. Dann taucht der erste Tote auf. Die Pest in Paris? Kommissar Adamsberg ermittelt und taucht dazu in die Welt des Mittelalters und der Pest, aber auch die abgeschottete soziologisch-eigene Welt von bestimmten Teilen Paris ein. Liebenswert schrullig, ohne Gedächtnis für Namen, Orte, Zeiten wirkt Adamsberg und sein genau entgegengesetzter Stellvertreter absolut liebenswert.
Wirkt alles am Anfang noch recht gewöhnungsbedürftig, besonders der Beruf des Ausrufers, entwickelt das Buch schnell einen Sog, der einen so schnell nicht wieder losläßt. Alles was klar wirkte, wird am Ende wieder unklar. Das Ende ist jedenfalls überraschend und die Spannung darauf ist das Buch schon alleine Wert.
Übrigens wurde dieses Buch mit dem Deutschen Krimipreis 2004, dem Preis der französischen Buchhändler und dem Preis der Leserinnen der Zeitschrift "Elle" ausgezeichnet.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pest in Paris, 3. Oktober 2007
Von 
marielan - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Fliehe weit und schnell (Gebundene Ausgabe)
Joss LeGuern ist Ausrufer in Paris: Für 5 Francs das Stück verliest er öffentlich Nachrichten, wie man sie in Kleinanzeigen in Zeitungen entdeckt. Seit einigen Wochen finden sich darunter bedrohliche Botschaften in einer alten Sprache. Zur gleichen Zeit werden Wohnungstüren am anderen Ende der Stadt mit umgekehrten 4ern bemalt; hinter nicht markierten Türen findet man eine Leiche, von Flohbissen übersät und schwarz gefärbt. Kommissar Adamsberg muss schnell den Täter ermitteln, bevor Panik ausbricht, denn sowohl Joss' Nachrichten als auch die 4er weisen auf eine Pestepidemie hin.
Fred Vargas' Paris ist keine Metrolpole, in der Autos Stoßstange an Stoßstange die Straßen verstopfen, Leute mit Taschen und Tüten bepackt umherhetzen und an jeder Ecke Touristen Stadtpläne studieren. Es ist eine Art Miniaturkosmos im Format einer Kleinstadt, in der merkwürdige Typen absonderliche Dinge tun und Tür an Tür mit Gelehrten leben, die über ganz spezielles Wissen verfügen. Man kann in einer Frühstückspension wohnen, im Bistro gegenüber mittagessen und überleben ohne floriende Geschäfte. Dass in diesem Paris keine simplen Verbrechen geschehen, versteht sich von selbst. Ebenso einleuchtend, dass Überlegungen zur Aufklärung nur den intuitiv arbeitenden und verschlungenen Gedankengängen eines Kommissars wie Adamsberg während seiner Spaziergänge und seines Herumsitzens und Trinkens im Bistro entspringen können. Immer dann, wenn Adamsberg an die Grenzen seiner Gedanken stößt, ist einer da, dessen Wissen weiterhilft (oder der einen kennt, der mehr weiß). Gekrönt wird das Ganze von einer Lösung, die passend verschlungen-verworren-komliziert ist.
Ein Serienmörder mit alten Handschriften im Gepäck: Ob man eine Hintergrundidee kennt oder nicht, spielt keine Rolle; bei Vargas wirkt sie so frisch und unverbraucht, als hätte diese Autorin sie erfunden.
Und wie nebenbei hat man, während man nichts anderes macht als in einem Krimi zu schmökern, ein paar leeren Felder in seinem Geschichtswissen gefüllt und einige Irrtümer über die Pestkrankheit korrigiert.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unentschieden, 6. Juli 2007
Vargas macht sich die subjektive Furcht der Menschen vor dem Grauen an sich geschickt zu nutze, indem sie den "Schwarzen Tod" in den Mittelpunkt ihres Buches rückt. In der Handlung verliest Joss, ein gestrandeter alter Kapitän, der Familientradition des Ausrufers folgend, regelmäßig der Öffentlichkeit mysteriöse Nachrichten eines Unbekannten, die nichts Gutes erwarten lassen. Der Leser erahnt, dass es auf schreckliche Weise ganz Paris an den Kragen gehen könnte. Täter und Motiv bleiben lange ein Geheimnis. So schafft es Vargas eine unheimliche Spannung aufzubauen, die über einen großen Teil des Buches aufrecht erhalten bleibt.

Nun gehöre ich zu denen, die Krimis mit nachvollziehbarem, sich an der Realität orientierendem Inhalt bevorzugen - völlig frei von Effekthascherei. Um dabei ein außergewöhnliches Buch hervorzubringen, besteht die Kunst des Autors darin, den Inhalt durch subtile Mittel spannend und lebendig erscheinen zu lassen. Vargas hingegen scheint ein Faible für sehr skurrile Figuren zu haben, mit denen sie ihre Handlung von Anfang bis Ende ausstattet, um so zu etwas Besonderem zu gelangen. Für meinen Geschmack zu viel des Guten, denn oft ist weniger mehr. Gegen Ende des Krimis werden die generationenübergreifenden Verstrickungen der an den Morden mehr oder weniger Beteiligten für mich immer unglaubwürdiger. Ein einzelner Täter mit klarem Motiv hätte mir gereicht. Aber hier scheiden sich wohl die Geister. Entweder man mag es so, oder eben nicht.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es gibt Orte, an denen weht der Geist..., 19. August 2007
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
... wie an der Ecke Edgar-Quinet-Delambre, wo sich Anwohner und Marktgänger tummeln, um im Vorbeigehen den Nachrichten des Ausrufers Joss Le Guerns zu lauschen ...

Alltag in Paris, ein Haufen kurioser Charaktere - zumal in einem Hotel wohnhaft, zumal Mitglieder und Vorgesetzten der hiesigen Kriminalpolizei - und Vieren, die auf Wohnungstüren gemalt ebenso Verwirrung stiften, wie die seltsamen Mitteilungen, die Joss der Ausrufer täglich seinem Publikum mitteilt, welche schließlich den ersten Pest-Toten mit sich bringen.
Ein Kriminalroman, der die Fähigkeit besitzt, Spannung zu schüren, obwohl der erste Mord über einhundert Seiten auf sich warten lässt, der den Eindruck vermittelt, Gerüche wahrnehmen zu können, der eine Waffe zieht, die uns Mittelalter wittern lässt - die Pest!

Gut strukturierter Wahnsinn, interessante Hintergründe über die großen Epidemien, sanftmütige Mystik - ohne Frage. Ein schließlich überraschender Mörder ohne überraschendes Motiv - dennoch ein sehr schwungvolles Krimierlebnis!
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend und überzeugend, 20. Februar 2006
Vermutlich waren es die verschiedenen Schlagworte wie "Pest", "Schiffbruch" und "Ausrufer", die das Missverständnis ausgelöst haben, denn während der ersten paar Kapitel dieses Buches war ich der Meinung, die Geschichte würde im 19.Jahrhundert spielen. Zwar habe ich meinen Irrtum bald bemerkt, die düstere Atmosphäre, die ich mit den historischen Ereignissen dieser Zeit verband, hat sich aber beim Weiterlesen erfreulicherweise gehalten und die Spannung noch verstärkt.
"Fliehe weit und schnell" erzählt mehrere Geschichten, zum einen die von Joss, der den altertümlichen Beruf des Ausrufers wiederbelebt hat und der plötzlich sinnlos erscheinende und beunruhigende Nachrichten in seiner Urne findet, von Decambrais, einem alten und vom Leben mitgenommenen Gelehrten, der als Erster die Botschaft der speziellen Nachrichten entschüsselt und die Gefahr, die davon ausgeht, erkennt und von der eingeschworenen Gemeinschaft der Menschen, die in dieser Gegend wohnen, zum anderen die Geschichte vom Pestebreiter und den Morden, die er begeht, von den mysteriösen spiegelverkehrten Vieren, die er zum Schutz vor der Pest an Wohnungstüren malt, von Rattenflöhen und einem alten Familiengeheimnis.
Die verschiedenen Handlungsbögen werden am Ende zusammengeführt; sehr interessant und informativ sind auch die Bezüge auf das Wüten der Pest im Mittelalter und später.
Der Kommissar, Adamsberg, der den unheimlichen Vorgängen auf den Grund gehen will, ist ein sehr sympathisch gezeichneter Freak mit sympathischen Macken und ganz offensichtlichen Problemen, sich im Leben zurecht zu finden. Aber er ist klug und hat, wie jeder gute Ermittler, ein ausgeprägtes Bauchgefühl, das ihn auf die richtige Spur bringt, von der er sich nicht abbringen lässt. Trotz der ausbrechenden Panik und Hysterie bleibt er ruhig und löst den Fall sehr souverän.
Und das Ende ist, wenn auch überraschend, doch einigermaßen überzeugend, genauso, wie es sein soll.
Ein Roman, der genau das bietet, was man sich als anspruchsvoller Krimi-Leser erwartet!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen adamsberg und die welt, 11. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Fliehe weit und schnell (Gebundene Ausgabe)
Fred Vargas hat in ihren Vorgängerromanen einen Ausschnitt aus dem heutigen Paris gezeichnet. Sieben Personen hat sie erschaffen. Drei Historiker, drei Kriminologen und eine Frau wie eine Lilith. Kommissar Adamsberg, betrachtet wie Maigret das Geschehen ohne Wertung. Seine Handlungsweise trifft nicht immer auf Verständniss bei seinen Kollegen.
Er und seine Freunde sind mir durch alle Bücher ans Herz gewachsen. Gerne würde ich sie eines Abends zum Essen bitten, aber dazu bedarf es eines Wunders.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Konstruierter Schauder, 4. April 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Fliehe weit und schnell (Gebundene Ausgabe)
Sonderbares geht in Paris vor: Türen werden mit Pestabwehrzeichen bemalt, Leichen mit Flohbissen gefunden und ein Ausrufer bekommt mysteriöse Nachrichten übermittelt, die Kommissar Adamsberg, den man samt seinen sonderbaren intuitiven wenngleich effektiven Ermittlungsmethoden sowie seinem desolaten Liebesleben schon aus anderen Vargas-Romanen kennt, und liebt, an einen "Pestbereiter" glauben lassen.Rasch findet er heraus, daß es sich dabei offenkundig um einen Rachefeldzug handelt.
Doch nicht so sehr der, wie fast immer bei Vargas, im Endeffekt etwas konstuierte Plot und das nicht ganz nachvollziehbare Motiv machen den Reiz dieses Romans aus, sondern die liebevoll gezeichneten Charaktere und das Szenario.
Daß mir dieser Krimi von Vargas längst nicht so unter die Haut ging, wie zum Beispiel "Bei Einbruch der Nacht" oder soviel sinnliches Lesevergnügen bereitete wie "Die schöne Diva" und "Der untröstliche Witwer" aus denen man schon einige der Helfer Adamsbergs kennt und die - meiner Meinung nach - weit mehr Lob verdient hätten, mag auch am Übersetzer liegen. Schade. Mich ließ das Pestszenario ziemlich kalt und der Schluß wie immer bei Vargas kein Paukenschlag sondern etwas unbefriedigend.
Aber für ein verregnetes Wochenende zum auf dem Sofa kuscheln oder ein paar lange Leseabende genau das Richtige.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DEUTSCHER KRIMIPREIS 2004 - ZU RECHT!, 23. Juli 2009
Mit ihrem 8. in Deutschland (als Taschenbuch) veröffentlichten Roman gelingt es VARGAS abermals, ihre Leser mit skurrilen und originellen Einfällen zu überraschen und zu begeistern

DIE STORY:

JOSS LE GUERN geht in der Nähe vom Gare Montparnasse in Paris einem bereits seit Jahrzehnten ausgestorbenem Job nach: er ist Ausrufer. Er verkündet alles, was die Leute ihm - zusammen mit einem kleinen Obulus - in einen von ihm eigens hierfür aufgestellten Briefkasten an Texten einwerfen. Hierbei handelt es sich um Meinungen, Grüßen, Werbung etc. JOSS hat inzwischen eine feste "Fangemeinde", die sich pünktlich zum Ausrufen auf dem Platz einfindet. Neuerdings ruft JOSS auch "Spezielle" aus, historische Zitate, die zunächst keinen Sinn zu haben scheinen. Sie werden regelmäßig mit einem kräftigen Aufschlag auf den Obulus in den Briefkasten geworfen und stammen offensichtlich alle vom selben Einwerfer. Gleichzeitig werden - in einem anderen Stadteil von Paris - gelbe - auf bestimmte Art verschnörkelte und seitenverkehrte - 4en entdeckt, die auf die Wohnungstüren in mehreren Wohnhäusern aufgemalt worden sind. Allerdings bleibt immer eine Tür verschont. Kommissar ADAMSBERG beginnt sich dafür zu interessieren. Zwischen den "Speziellen" und den "gelben 4en" scheint ein Zusammenhang zu bestehen. Die speziellen Texte warnen vor der Pest; dies mit zunehmender Intensität. Die 4en sollten früher vor der Pest schützen. Kurz darauf wird auch der erste Tote gefunden, mit Flohbissen und schwarz, wie dies bei der Pest überliefert worden ist. Er wohnte in einer Wohnung, an deren Tür die gelbe seitenverkehrte 4 nicht aufgemalt worden war. Hält die - als längst ausgerottet geltende - Pest Einzug in Paris? ADAMSBERG mag nicht daran glauben und ermittelt. Am Ende der Ermittlungen steht ein überraschender Täter mit einem nicht erwarteten Motiv.

FAZIT:

Und wieder ist es schön und faszinierend, in das "Universum VARGAS" einzutauchen. DANGLARD und ADAMSBERG nehmen hierbei den überwiegenden Teil ein. CAMILLE taucht auf und verschwindet wieder und einer der 3 EVANGELISTEN, MARC VANDOSSLER, hilft ADAMSBERG bei der historischen Einordnung der "Speziellen". Bereichert wird dieses Universum um zwei weitere Kuriositäten, dem AUSRUFER und dem PESTBEREITER. Einfach Klasse!
Obwohl ich alle vorangegangenen als Taschenbuch erschienenen Romane VARGAS gelesen habe, wurde ich erneut überrascht von der scheinbar unendlichen Phantasie und dem unerschöpflichen Fundus an Skurrilitäten und Schrägheiten, die sich diese Autorin auszudenken vermag. Es ist immer - insbesondere auch bei diesem Buch - ein Hochgenuß, sich auf das "Universum VARGAS" einzulassen.

Viel Spaß dabei!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dafür muss man die Vargas lieben!, 18. Dezember 2009
Von 
Stefan Erlemann (Witten) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Joss Le Guern ist mit Leib und Seele Seemann. Doch seit er einen korrupten Schiffseigner fast umgebracht hat, bekommt er keine Anstellung mehr. Er verlegt sich auf den Beruf des Ausrufers. Wie sein Urgroßvater stellt er sich mehrmals täglich mitten in Paris auf einen öffentlichen Platz und verliest Annoncen und Mitteilungen, die ihm Kunden anonym in eine Urne gesteckt haben. Zwar sortiert er täglich einige Meldungen, die er unter "unsagbar" einordnet, aus, doch zu seiner eigenen Überraschung sichert ihm diese anachronistische Tätigkeit ein gutes Auskommen. Eine feste Stammkundschaft des Viertels rund um die Ecke Edgar-Quinet-Delambre folgt mehr oder minder interessiert seiner Lesung. Seit kurzem sind auch "Spezielle" darunter. Dies sind kryptische, nahezu unverständliche Texte, die irgendjemand für so wichtig erachtet, dass er den doppelten Tarif - immerhin zehn Franc - beilegt. Vor allem der alternde Lehrer und "Lebensberater" Hervé Ducouedic ist sehr an diesen "Speziellen" interessiert, ahnt er doch, dass diese Texte einen düsteren, bösartigen Zweck verfolgen.
Als Ducouedic sich entschließt, diese Meldungen dem Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg vorzulegen, sieht dieser das zu seiner Überraschung genauso. Der Kommissar holt sich Hilfe bei Marc Vandoosler, einem anerkannten Mediävisten. Der kommt schnell dahinter, dass der Unbekannte mit seinen Texten eine Pest in Paris ankündigt. Adamsberg, gesegnet mit einem fotografischen Gedächtnis, erinnert sich sofort an eine nervöse Frau, die ihm von spiegelverkehrten Vieren erzählt hat, die auf zahlreichen Türen in verschiedenen Pariser Vierteln aufgetaucht sind. Diese Vieren, so erklärt Vandoosler, sind im Mittelalter als Schutz vor der Pest auf die Türen gemalt worden. Der scheinbar Verrückte kündigt also nicht nur die Pest an, er bietet gleichzeitig auch seinen Schutz an. Es handelt sich demnach nicht nur um einen so genannten Pestverkünder, sondern sogar um einen "Meister der Pest".
Als die ersten zwei Leichen mit geschwärzten Hautstellen in Paris gefunden werden, scheint eine Massenpanik unausweichlich. Doch warum, so fragt sich Adamsberg, sind die "Pestopfer" erwürgt worden und die Rattenflöhe, die bei ihnen gefunden werden, frei von dem Pesterreger?

Die Französin Fred Vargas legt mit "Fliehe weit und schnell" einen wohl durchdachten, sauber konstruierten Kriminalroman vor, der absolut einmalig ist. Nicht nur sprachlich spielt er auf einem ganz anderen Niveau wie beispielsweise so bekannte Bestseller wie "Lauf, Jane, lauf" oder "Cupido", er spielt auch auf faszinierende Weise mit den oft verwendeten Themen "Massenmord", "Panik" und "Psychotischer Täter".
Vargas, deren Sätze herrlich komplex, wundervoll gedrechselt und ausgesprochen variantenreich sind, vermeidet dabei allzu viel Brutalität, schockierende Szenen und Ekel-Passagen, wie sie inzwischen in jedem zweiten Kriminalroman zum guten Ton zu gehören scheinen. Nein, sie konzentriert sich ganz auf die zahlreichen Charaktere, die sie in die Geschichte einbaut. Dabei sind es gerade die verschrobenen, absonderlichen, merkwürdigen Menschen, denen sie sich widmet. Ihre Charaktere wirken echt, es sind unverbrauchte, fernab jeden Klischees sehr facettiert ausgearbeitete Originale, allen voran der seltsame, intuitiv vorgehende Kommissar Adamsberg. Aber auch der Täter wird sehr genau in Augenschein genommen. Seine Motive, seine psychische Gestimmtheit und sein Umfeld werden auf das Genaueste dokumentiert. Fast glaubt man gelegentlich, einen Polizeibericht zu lesen, so minutiös geht Vargas in ihrer Beschreibung der Geschehnisse vor.
Dabei vermeidet sie durch die genaue Betrachtung jedes einzelnen Menschen, den sie in ihr Panoptikum aufnimmt, jedwede Langeweile. Auch wenn die eigentliche Kriminalhandlung erst nach etwa der Hälfte der Zeit in Gang kommt, folgt man dieser Autorin doch fasziniert in die Abgründe der menschlichen Seele.

Ganz besonders wichtig war es in Hinsicht auf die sehr komplexe Handlung, die Unmenge an handelnden Charakteren und die schwierige Tätersuche, den Sprecher auszusuchen. Hier hat der Verlag sich für die arrivierte Schauspielerin Suzanne von Borsody entschieden. Und wie diese Ausnahme-Sprecherin den Romantext interpretiert, vorträgt und lebendig werden lässt, ist ein einziges Vergnügen. Ihr gelingt es spielend, die zahlreichen Fallstricke der Vorlage zu meistern und einen Spannungsbogen zu erzeugen, der bis zum Schluss hält. Sie vermag es auch im ersten Teil, der sehr betulich und fast ausufernd nach und nach Dutzende von Personen in die Geschichte einbaut, das Interesse wach zu halten und die unterschwellige Bedrohung, die den scheinbar ereignislosen Geschehnissen zugrunde liegt, spürbar werden zu lassen.

"Fliehe weit und schnell" ist ein spannender, sehr absonderlicher Kriminalroman, der nicht zuletzt dank Sprecherin Suzanne von Borsody zu einem absoluten Hörgenuss gerät. Diesen Roman muss man einfach gehört haben.

Stefan Erlemann
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Fliehe weit und schnell
Fliehe weit und schnell von Tobias Scheffel (Gebundene Ausgabe - 2003)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,87
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