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5.0 von 5 Sternen Eine einfühlsame, anschauliche und erschütternde Darstellung des Schicksals der deutschen Juden 1938-1945, 12. November 2008
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Deutsche gegen Deutsche: Das Schicksal der Juden 1938-1945 (Gebundene Ausgabe)
Moshe Zimmermann ist Sohn von aus Deutschland vertriebenen Juden und Direktor des Zentrums für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er möchte, wie er sagt, mit diesem Buch eine aus seiner Sicht eklatante Forschungslücke schließen, denn bis heute liege keine zusammenfassende Monographie vor zur Geschichte der deutschen Juden zwischen 1938 und 1945.

Dabei weist er gleich am Anfang des Buches daraufhin, wie erhebliche Teile der Forschung, vor allem aber der Öffentlichkeit bis zum heutigen Tag sprachlich und mental in der antisemitischen NS-Terminologie gefangen sind und sich ungewollt - sicherlich - ihrer Kategorien bedienen. Deshalb nennt er sein Buch "Deutsche gegen Deutsche", denn:
"Man darf nicht vergessen, dass es nach 1933 und auch nach 1938 ausschließlich aus der Sicht von Antisemiten bei der Beziehung zu deutschen Juden um eine Konfrontation zwischen Deutschen und Juden ging, und nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Deutschen."

Es sei, so Zimmermann, deshalb nicht möglich, weiter von "Deutschen und Juden" zu sprechen und damit einen Gegensatz bzw. einen Unterschied zwischen Menschen sprachlich aufrechtzuerhalten, der zuerst und vor allen Dingen von den Nazis ausgestellt und mit mörderischer Konsequenz umgesetzt wurde.

Dem Autor gelingt es anhand eines immensen Datenmaterials nicht nur die Lebensumstände der deutschen Juden in jenen Jahren der faschistischen Diktatur genauestens zu beschreiben, sondern auch darzustellen, wie vielfältig und untrennbar Deutschsein und Jüdischsein miteinander verwoben waren und wie stark sich die große Mehrheit der deutschen Juden als Träger deutschen Wesens und deutscher Kultur verstanden hat. So weit, dass viele von ihnen viel zu spät erkannten, was eigentlich um sie herum vorging.

Eine der großen Stärken des Buches ist der Versuch, mit dem Vorurteil auszuräumen, die deutschen Juden hätte sich quasi widerstandslos zur Schlachtbank führen lassen, ein Topos in der Diskussion, der schon lange sowohl historisch als auch als psychologische Entlastungsfunktion widerlegt ist, aber dennoch bis heute weit verbreitet ist.

Wie hätten, so der Autor überzeugend, die in der Gesellschaft bald restlos isolierten und wirtschaftlich und kulturell enteigneten Juden zusätzlich zu ihrem verzweifelten Überlebenskampf auch noch den Widerstand gegen ein schier übermächtiges Regime organisieren sollen, wo doch die deutsche Mehrheitsbevölkerung dazu weder willens noch mächtig war.

Das Buch stellt das Schicksal und die Tragödie der deutschen Juden einfühlend und übersichtlich dar und verbindet im besten Sinne Geschichten mit Geschichte, einer Geschichte, die erzählt, "wie aus Nachbarn einerseits Jäger und andererseits Freiwild wurden, nur weil man mithilfe von Ideologie, Worten und Gesetzen Menschen in Unmenschen verwandeln kann."

Dan Diner, ein ausgewiesener Historiker und vehementer Kritiker aller Historisierungsversuche des Holocaust lobt dieses Buch zutreffend:
"Moshe Zimmermann kommt das Verdienst zu, als Erster den besonderen Weg der deutschen Juden in den Vernichtungstod zum Gegenstand der Darstellung zu machen: ihre von bürgerlichen Rechtsvorstellungen, habituellem Anstand und Arglosigkeit verstellte Wahrnehmung des ihnen Zugedachten. Eine erschütternde Geschichte."
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Deutsche gegen Deutsche: Das Schicksal der Juden 1938-1945
Deutsche gegen Deutsche: Das Schicksal der Juden 1938-1945 von Moshe Zimmermann (Gebundene Ausgabe - 7. Oktober 2008)
EUR 22,95
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