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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mord, Medien, Gesellschaft, 7. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Betibú (Gebundene Ausgabe)
Auch wenn zunächst ein Mord geschieht, nicht die kriminalistische Linie ist es, die dem Buch zugrunde liegt, sondern die erste Szene bereits gibt Auskunft darüber, worum es Claudia Pineiro (wieder einmal) geht und welchen roten Faden sie mit ihrer hohen, literarischen Qualität und den bis in Feinheiten hinein überzeugend gestalteten Figuren nachgehen will.

Der Zustand der argentinischen Gesellschaft der Moderne zwischen Reich und Arm, Macht und Journalismus („Ich lese alle Zeitungen des Tages, um ein Bild zu erhalten“ mit dem Zungenschlag versehen, dass eben alle Zeitungen auf ihre Weise Bündnisse mit der Macht eingehen und daher nur im Zusammenklang der Meldungen und Artikel so etwas wie wahre Fakten oder „die Wahrheit“ zu finden sein könnte).

Vor der abgeschotteten, vom Sicherheitsdienst akribisch bewachten Siedlung La Maravillosa stauen sich, wie jeden Tag, die dienstbaren Geister, die Angestellten, welche den reichen Bewohnern des gut situierten Viertels das Leben verschönen. Durchaus demütigend ist, wie da alles an mitgebrachtem Besitz bis zum Handy vorgelegt, vorgezeigt, detailliert aufgeschrieben wird, bevor die Angestellten das Wohnviertel betreten dürfen. Ebenso demütigend durchaus, dass noch nicht einmal auf dem öffentlichen Stück Straße vor dem Eingang in einem Taxi gewartet werden darf, bevor der entsprechende Bewohner seinem Besuch „grünes Licht“ erteilt, um eingelassen zu werden. Ein Ort, an dem wegen eines Stückes Käse entlassen und mit „Geländeverbot“ belegt wird. Und damit der Boden der kümmerlichen Existenz des ein oder anderen ehemaligen Angestellten entzogen wird.

In diesem abgesicherten Umfeld wird Pedro Chazaretta mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Ein Akt der Gewalt, der den ehemalige Polizeireporter Jaime Brena aufhorchen lässt. Vor allem auch auf dem Hintergrund, das Chazarette vor nicht langer Zeit der (ungeschoren davonkommende) Hauptverdächtige im Blick auf den Tod der eigenen Frau war. Aber reiche und einflussreiche Männer werden in der Regel nicht belangt. Weder von der Polizei, aber auch nicht von der schreibenden Zunft. Vorbei die Zeiten großartiger und machtkritischer Reporter. Brena selbst ist für so etwas eigentlich nicht mehr gefragt. Seinen Platz als Journalist mit Bezügen und Themen der Kriminalität musste er einem jungen Reporter überlassen, der allerdings selbst mit einfachsten Recherchen überfordert scheint.

Nurit Iscar ihrerseits war erfolgreiche Schriftstellerin, wird jedoch seit Jahr und Tag von der Kritik niedergeschrieben und hat in Folge dessen schon lange keine eigenes Buch mehr verfasst. Ob ihrer Ähnlichkeit mit der Comic Figur „Betty Blue“ von ihrem ehemaligen Geliebten mit dem Kosenamen „Betibú“ benannt, wird ihr nun angeboten, für ebenjene Tageszeitung, bei der auch Brena arbeitet, vor Ort in Form von Fiktionen ihre Meinungen, Einsichten, Ideen zum Mord als Artikelserie zu verfassen. Denn ebenjener, der ihr den Kosenamen gab und der ehemals ihr Geliebter war, ist Chef besagter Zeitung.

So betritt Nurit das Wohnviertel, quartiert sich ein und, nach und nach, treffen alle Hauptpersonen vor Ort ein. Freundinnen, ihre Kinder mit Anhang, der junge Nachwuchs-Polizeireporter und Jaime Brena, der diesen zu unterstützen und zu formen gedenkt.

Dies ist die eigentliche Thematik und Gemengelage des Buches. Die verschiedenen Entwicklungen und Haltungen der beteiligten Personen. Das Interesse des Herausgebers der Tageszeitung eher an Fiktionen denn an harten Fakten, der Niedergang kritischen Journalismus und die weit offene Schere zwischen reich und mächtig und arm und ohnmächtig, wie Claudia Pineiro in wunderbarer Sprache vor die Augen des Lesers führt.

Brena, der nach alter Schule noch vorzugehen gedenkt, Nurit, die Anspräche an sich und ihr Umfeld stellt, ihre Kinder, die sorglos den Luxus zu genießen gedenken, Freundinnen, die alles Kommentieren, Angestellte und Dienstboten, die servil kuschen und ein Mord, der anscheinend in seiner Aufklärung in der Breite kaum jemanden wirklich interessiert. Doch im zweiten Teil werden die Ereignisse durchaus intensiver auch in dieser Hinsicht an Fahrt aufnehmen. Ohne das absehbar wäre, wohin die Reise im Buch genau gehen wird.

Nur soviel steht fest: „Mehrere Tote und jede Menge Spannung, aber die eigentliche Geschichte läuft dahinter ab, die, auf die es ankommt und die sich vom Tod nicht aufhalten lässt“.

Wieder einmal ein hochaktuelles und hervorragend verfasstes Buch von Claudia Pineiro.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesevergnügen pur, 8. April 2013
Von 
Christoph Martin Wieland (Oldenburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Betibú (Gebundene Ausgabe)
„Soll man hier von Zufall sprechen? Oder von Schicksal? Von tragischem Schicksal? Nicht immer gelingt es, für einen Todesfall eine Erklärung zu finden, sosehr es man auch versucht.“

Claudia Pineiro nähert sich aus einer Doppelperspektive, literarisch und journalistisch, dem Geschehen um einen Todesfall in der für Reiche abgeschotteten Siedlung La Maravillosa.
Personell ist diese Sichtweise mit verschiedenen Charakteren verbunden, die - und das ist wahrlich nicht selbstverständlich in diesem Genre – mit dem Fall reifen und sich verändern.

Da ist die einst erfolgreiche Krimiautorin Nurit Iscar, Betibú nach ihrer Ähnlichkeit mit der Comic Figur „Betty Blue“ benannt, deren Schreibkrise im Genrewechsel begründet liegt und die sich mit Auftragsarbeiten über Wasser hält, da ist der abgehalfterte ehemalige Polizeireporter Jaime Brena, der sich nur noch um die Auswertung statistischer Ergebnisse kümmert, da ist der junge Nachfolger auf Brenas Posten, scheinbar unbedarft und nur auf Internetrecherche fixiert. Drumherum die Freundinnen Nurits, die Redaktion mit einem Chefredakteur, der ehemals Betibús Geliebter war - und der Fall.

Anfangs scheinbar nur ein Pedro Chazaretta mit durchschnittener Kehle, der wahrscheinlich nicht ganz unschuldig am Tod seiner Gattin war. Im Umfeld Chazarettas gab es weitere Tote vorher und es bleibt auch nicht bei diesen. Die Polizei sieht scheinbar nur Unfälle und Selbstmorde, Nurit, Brena und der junge Polizeireporter nähern sich Schicht für Schicht der Wahrheit, die sie letztlich dann aber nur in Andeutungen preisgeben können. So ist der Roman die Antwort auf die Vorgänge. Verschlüsselt, vielschichtig, immer menschelnd, Charaktere ernstnehmend, trotz vieler Toter nicht blutrünstig, schicksalshaft, mit einer verschachtelten Erklärung und den Ansätzen von Gerechtigkeit. Hervorragender Roman!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Claudia Piniero wird immer besser, 13. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Betibú (Gebundene Ausgabe)
Eine Zeitmaschine müsste man haben. Dann könnte man zurückreisen in eine Zeit, in der man einen Fehler gemacht hat und diesen wieder ausbügeln. Das denken sich auch Jaime Brena, einst erfolgreicher Polizeireporter bei „El Tribuno“, jetzt für die Kurzmeldungen über das gesellschaftliche Leben in Buenos Aires zuständig.
Auch Nurit Iscar wäre gern wieder die erfolgreiche Krimiautorin, die sie einst war. Bis sie den Fehler beging einen Liebesroman zu schreiben, der von der Kritik zerrissen und vom Publikum nicht angenommen wurden. Ihr wöchentliches Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen hilft nur wenig über den Kummer hinweg.
Beide – Nurit Iscar und Jaime Brena – haben eine Komponente, die sie verbindet: Lorenzo Rinaldi. Der war der Grund, warum sich Nurit von ihrem Mann scheiden ließ und, was jetzt viel wichtiger ist, der Grund für ihren beruflichen Absturz war. Außerdem ist er der Chef von Brena. Und verantwortlich für dessen „Degradierung“.
Gladys Varela wünschte sich auch eine Reise zurück. Aber nur ein paar Stunden. Sie arbeitet als Hausmädchen bei Pedro Chazarreta in der abgeschotteten Wohnsiedlung „La Maravillosa“. Denn ihr Arbeitgeber liegt regungslos mit durchschnittener Kehle im Sessel. Gladys Varela kann nur noch schreien bis die Polizei eintrifft.
Die wiederum kennt den Tatort ganz genau: Die Ehefrau von Pedro Chazarreta wurde vor Jahren hier ebenfalls bestialisch ermordet.
Und ganz nebenbei: Pedro Cazarreta wäre es sicher ganz recht noch am Leben zu sein. Und so treffen sie sich alle hier, um die schreckliche Tat aufzuklären: Die Krimiautorin, der Polizeireporter und die Polizei.
Lorenzo Rinaldi macht Betibú, wie er Nurit Iscar wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Comicfigur Betty Boop nennt, das Angebot in „La Maravillosa“ zu wohnen und von vor Ort zu berichten. Nach anfänglichem Zögern stimmt sie zu.
Außerhalb der Mauern um den Tatort läuft Brena wieder zu Hochform auf. Auf eigene Faust – und mit tatkräftiger Unterstützung eines Kommissars – kommt er mit seinen eigenen Methoden dem Motiv des Mordes an Pedro Cazarreta auf die Spur. Auch der drei Jahre zuvor an gleicher Stelle begangene Mord an Cazarretas Frau wird dadurch in ein neues Licht gerückt…
Fast zwei Jahre hat Claudia Pineiro die deutschen Leser auf ihr neues Werk warten lassen. Sie entschädigt den Leser mit einer halben Seit pro Wartetag mit unbändiger Neugier und der unstillbaren Sehnsucht nach Aufklärung im Mordfall Pedro Cazarreta. Einmal begonnen, kann man den Krimi nicht mehr aus der Hand legen. Die einzigartigen Charaktere und die miteinander geschickt verwobenen Schicksale machen „Betibú“ schon jetzt zu einem Klassiker. Da möchte man gern in eine Zeitmaschine steigen und der Zukunft den Reiz nehmen, in dem man erfährt mit welchen Roman Claudia Pineiro als nächstes den Leser verführt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Porträt einer Gesellschaft im glasscherbenscharfen Focus, 26. Mai 2013
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Betibú (Gebundene Ausgabe)
Claudia Pineiro, die frühere Journalistin, ist heute eine der wichtigsten Kriminalschriftstellerinnen Argentiniens. Neben ihren Romanen hat sie auch Theaterstücke und Kinderbücher geschrieben. Ihr Debütroman war der Ehebruchkrimi "Tuya", den der Schweizer Unionsverlag unter dem deutschen Titel "Ganz die Deine" publizierte. Der zweite Roman erschien 2010 unter dem Titel "Donnerstagswitwen" zur Frankfurter Buchmesse . Er wurde auf Anhieb ein viel gelobter Bestseller.

Jetzt im Februar 2013 ist in der Übersetzung von Peter Kultzen der Kriminalroman "Betibú" erschienen. Der fiktionale Schauplatz dieses Romans, ist wieder, wie im zweiten Roman der Autorin, eine nicht weit von Buenos Aires gelegene "Gated Community", diesmal mit dem Namen "La Maravillosa". In dieser mit vielen Zugangsbeschränkungen ausgestatteten reizvollen Wohnanlage leben viele reiche Argentinier. Einer von ihnen ist der Unternehmer Pedro Chazarreta, der vor drei Jahren seine Frau durch einen Mord verlor.

Die locker in einem Krimi - eingeflochtene Geschichte beginnt damit, dass man diesen Pedro mit durchschnittener Kehle auffindet. In der einen Hand hält er eine halb leere Flasche Whisky, in der anderen ein blutverschmiertes Messer. Auf den ersten Blick deutet alles natürlich auf einen Selbstmord, wenn da nicht der mysteriöse Mord seiner Ehefrau gewesen wäre.

In die Ermittlungen mischt sich auch die nicht immer kritikfreie Tageszeitung "El Tribuno" ein. Weil man keine Fakten hat, schleust der Chefredakteur, nicht ganz uneigennützig, die Schriftstellerin Nurit Iscar in Begleitung eines Polizisten in die Wohnanlage ein. Am Tatort soll sie die Wahrheit herausfinden.

Als Leser kann man nun zweierlei genießen, zum einen dort hinein zu gelangen, wo sonst jedem Fremden der Zutritt verwehrt ist, zum anderen kann man in literarischer Fabulierkunst erleben, wie die Spannungen zwischen Politik und Medien in einer uns fremden Gesellschaft fokussiert werden. Die sprachliche Darstellung ist ein Lesegenuss besonderer Art, denn zwischen dem was erzählt wird und wie es erzählt wird baut die Autorin ein sehr schwer zu beschreibendes Spannungsverhältnis auf. Sicher auch ein Plot der nach Verfilmung ruft.
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Betibú
Betibú von Claudia Piñeiro (Gebundene Ausgabe - 25. Februar 2013)
EUR 11,30
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