Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Marcel Ospel ist im Gespräch. Zumindest in der Welt der Banker und Schweizer. Denn er herrscht nicht nur über ein gewaltiges Imperium, sondern steht auch im Zentrum der Dartscheibe, auf die alle zielen, die einen Abzocker treffen wollen. Ob Herr Vasella oder Herr Ospel getroffen wird, entscheidet wie in jedem Spiel letztlich der Zufall. Doch auch der Autor, Dirk Schütz, ist kein Unbekannter. Auch wenn auf seinem Lohnauszug keine sechs- oder siebenstelligen Zahlen erscheinen. Aber immerhin war er Chefredaktor der kürzlich eingestellten Wirtschaftszeitschrift CASH. Schon fast ein Insider also. Dennoch musste er wacker recherchieren und recherchieren lassen, um den Lesern mehr zu bieten, als bisher in der eigenen Postille oder bei der Konkurrenz zu erfahren war. Und da Herr Ospel bei Swissair-Grounding den Schwarzen Peter zog, beginnt das Buch folgerichtig mit einer Szene aus jenen bewegten Tagen. Dramaturgisch gekonnt, blicken wir dem Herrn Ospel über die Schulter, wie er in einem Privatjet verwundert feststellen muss, dass er nicht telefonieren kann. Dummer Zufall, dass die Technik ausgerechnet dann versagt, als der Held die Swissair noch retten könnte.

Der Autor erweist sich, zumindest was die formale Ebene betrifft, als würdiger Nachfahre griechischer Tragödiendichter. Aber wer mit Wirtschaftskapitänen auch mal zusammen auf Klo geht und aus dem gleichen Teller ist, entwickelt automatisch ein Gespür für das Umschiffen gefährlicher Klippen und allzu gefährlicher Gewitterzonen. Er gibt dem Ruder immer genau den Zwick, den es für den Kurs in seichtere Gewässer braucht. Was mich an der Vergabe der Höchstnote hinderte, war aber nicht der vorenthaltene Blick durchs Schlüsselloch. Dass sich Dirk Schütz in seiner beruflichen und gesellschaftlichen Heimat nicht zur Unperson machen will, verstehe ich. Schon gar nicht wegen eines Buches, das kaum zum Longseller wird. Indiskretionen sind auch in der Wirtschaftswelt nur dann sinnvoll, wenn der Profit gross genug und damit von Dauer ist.

Mich störte der traditionelle Ansatz, den ein so versierter Schreiber wie Dirk Schütz wählte. Stationen eines Lebens aufzählen, alte Vermutungen und neue Gewissheiten einstreuen, mit geschliffenen Worten Kanten schleifen und den Helden pfeifend in die untergehende Sonne reiten zu lassen. Doch es wäre ein anderer Zugang zu Herrn Ospel vorstellbar. Einer, der mich fesselt und mich an mein eigenes Leben erinnert. Der Biograf hätte nach Geschichten suchen können, die einen Menschen prägen. Doch die findet er eben nur, wenn er durch die richtigen Zeitfenster blickt. Hätte ich mehr über den kleinen Marcel und den pubertierenden Ospel erfahren, hätte ich mir einiges besser zusammenreimen können. Der Biograf hätte nach Storys Ausschau halten können, die der Zufall geschrieben hat. Doch Dirk Schütz steht ganz offensichtlich in der Tradition derer, die Erfolg persönlicher Leistung zuschreiben. Das sahen die griechischen Tragödiendichter anders. Interessanterweise eher so wie die Neurowissenschaftler heute oder Goethe gestern. Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben, heisst die Formel Mephistos. Auf diesem Ansatz eine Biografie zu schreiben, stört zwar gesellschaftliche Vereinbarungen, ist aber naher am Leben und daher spannender, ergreifender, menschlicher.

Mein Fazit: Eine gekonnt geschriebene und aufgebaute Erfolgsgeschichte. Die Leser erfahren ein paar neckische Neuigkeiten, verspüren ein paar emotionale Streifschüsse und haben vielleicht ein paar Vorurteile weniger. Was ihnen jedoch nicht geboten wird, ist ein konzeptioneller Ansatz, der sie ebenso fordert wie unterhält. Aber da zeigen sich die Grenzen zwischen Literatur und Journalismus. Sie liessen sich bei einer Biographie überschreiten.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Marcel Ospel gehörte zu den Schlüsselfiguren bei der Geburt der Schweizer Großbank UBS: Als der Schweizerische Bankverein und die Schweizerische Bankgesellschaft 1997 fusionierten, war das für den ambitionierten Banker der wichtigste Moment in seiner Karriere. Die erste Biografie über Marcel Ospel berichtet aber auch von den Tiefpunkten: den internen Machtkämpfen, den Wartestationen auf dem Weg zur Spitze und den Begleitumständen des nationalen Schweizer Dramas, welches das Grounding der Fluggesellschaft Swissair war. Dirk Schütz schildert Ospels Aufstieg minutiös und chronologisch. Psychologisches, Menschliches allerdings lässt er weitgehend aus in seinem Porträt des 'Herrn der UBS': Dessen Privatleben und Charakterzüge sind eher Randglossen einer Biografie, die sich auf berufliche Stationen konzentriert. Wir empfehlen das Buch allen Lesern, die sich für den mächtigsten Banker der Schweiz interessieren, oder besser: die wissen wollen, wie man dazu wird.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
4 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Das Buch ist ein blosser Aufwasch von Bekanntem und dazu unsorgfältig, ja geradezu nachlässig aufgearbeitet. Von einer Charakterisierung des UBS-Bankers Ospel kann nicht die Rede sein. Schützes misslungenes Elaborat ist weder das Geld noch die Zeit wert.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden