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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ewig gestriger Terrorist und einige Salonrevoltionäre beim Wochenendplausch.
Dies ist der erste Roman, den ich nicht gelesen, sondern gehört habe. Die sonore, auf feine Nuancen achtende Stimme von Hans Korte hat die Hörstunden zu einem besonderen Vergnügen gemacht, auch wenn der Inhalt des Buches ein sehr trauriger ist.
Worum geht es in Schlinks neuem Roman?
Der Terrorist Jörg hatte sich des mehrfachen Mordes...
Veröffentlicht am 16. März 2008 von Helga König

versus
29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Plakatives Panoptikum
Bernhard Schlink ist in wenigen Jahren zum Erfolgsautor geworden. Waren seine "Selbs"-Romane eher noch der (Massen-) Gattung Krimi zuzuordnen, erfuhr er mit dem "Vorleser" den Aufstieg in die literarische Oberklasse und so etwas wie Weltruhm. An einen solchen Erfolg ist thematisch und schriftstellerisch schwer anzuknüpfen.

Die Vergangenheit spielt in...
Veröffentlicht am 14. März 2008 von Karl-Heinz Heidtmann


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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ewig gestriger Terrorist und einige Salonrevoltionäre beim Wochenendplausch., 16. März 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Audio CD)
Dies ist der erste Roman, den ich nicht gelesen, sondern gehört habe. Die sonore, auf feine Nuancen achtende Stimme von Hans Korte hat die Hörstunden zu einem besonderen Vergnügen gemacht, auch wenn der Inhalt des Buches ein sehr trauriger ist.
Worum geht es in Schlinks neuem Roman?
Der Terrorist Jörg hatte sich des mehrfachen Mordes schuldig gemacht. Nach 20 Jahren Haft wird er begnadigt. Seine ältere Schwester Christiane, die sich ein Leben lang um ihren Bruder intensiv gekümmert hat, lädt alte Freunde in ihr Haus auf dem Land ein, um Jörg zu zeigen, dass er von diesen nicht vergessen worden ist. Frühe Freundschaft hat ein Recht auf lebenslange Loyalität, so der Tenor.
Eine Lehrerin, eine Bischöfin, ein Journalist, ein Jurist, auch ein Besitzer eines Dentallabors zählen zum Kreis der frühen Freunde. Diese Leute haben alle das 50. Lebensjahr überschritten. Sie kennen sich seit Uni-Zeiten. Damals waren sie politisch aktiv. Später dann sind sie bürgerlichen Brotberufen nachgegangen und haben trotz revolutionärer Vergangenheit keine Probleme damit das Leben im gehobenen Bürgertum auszukosten, Champagner und Bordeaux zu genießen und sich dabei in wohltemperierten, intellektuellen Gesprächen über eine bessere Welt auszubreiten.
Der aus dem Gefängnis kommende Jörg ist ein Fossil längst vergangener Zeiten. Seine Erfahrungen der letzten 20 Jahre sind wenig erbaulich.
Man spricht von diesem Gestern, aber auch von Sartre, von Marcuse, von Deep Purple, vom Sommer der Anarchie , vom linken Projekt und davon , dass ein Terrorist es nicht aushalten kann im Exil zu leben. Er bombt sich, stattdessen in seine vermeintliche Heimat. Diese Heimat sind seine ideologischen Träume, während das Exil das reale Leben ist, das er nicht bereit ist anzunehmen.
Der Sohn Jörgs, der auch anwesend ist, verachtet seinen Vater wegen seiner Lebenslügen und macht deutlich, dass zwischen der Gewalt der Akteure von damals und der Gewalt der Vorgeneration in der NS-Zeit kein großer Unterschied besteht. Die Fähigkeit zu trauern und die Wahrheit auszuloten haben beide Generationen im Nachhinein nicht erlernt. Stur wird auf alten Ideologien beharrt. Jörg verteidigt sein Tun von einst. Er hat sich stets als Kriegsgefangenen betrachtet, weil er, wie er sagt, gegen den Vietnamkrieg, die Armut in Afrika und die alten Nazis, die sich wieder in Amt und Würden befunden haben gekämpft hat. Jörg vertritt die Ansicht, dass der Kampf, wenn er zu Sieg geführt hätte, auch die Opfer gerechtfertigt hätte.
Der Mangel an Empathie in dieser Aussage spricht Bände. Über diesen und andere Gedanken ereifern sich die Freunde bei ein paar Flaschen Bordeaux, mittlerweile wissend , dass Jörg nicht mehr lange leben wird, weil er Prostatakrebs hat und eigentlich nur aus diesem Grunde das Gnadengesuch eingereicht hat. Er wollte die Natur noch mal erleben. In der Abgeschiedenheit des Gefängnisses konnte Jörg sich letztlich nicht von den alten Ideologien lösen. Das Gefängnis verhinderte, dass er sich neu orientierte. Die Zeit war für ihn stehen geblieben. Die Gewalt, die er anderen antat, vernichtete ihn am Ende selbst.

Ein empfehlenswertes Hörbuch!
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29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Plakatives Panoptikum, 14. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Bernhard Schlink ist in wenigen Jahren zum Erfolgsautor geworden. Waren seine "Selbs"-Romane eher noch der (Massen-) Gattung Krimi zuzuordnen, erfuhr er mit dem "Vorleser" den Aufstieg in die literarische Oberklasse und so etwas wie Weltruhm. An einen solchen Erfolg ist thematisch und schriftstellerisch schwer anzuknüpfen.

Die Vergangenheit spielt in Bernhard Schlinks Romanen eine zunehmende Rolle. Wenn er sich auf der Suche nach einem neuen Thema nun der "RAF" annimmt, ist das zumindest gewagt.

Als hochintelligenter und belesener Schriftsteller fällt es ihm nicht schwer, dramaturgische Anleihen bei anderen Klassikern zu machen. Man kann, wenn man will, Gorkis "Sommergäste" entdecken oder gar "Bei geschlossenen Türen" von Jean-Paul Sartre. Die Reduzierung der Handlung auf ein Wochenende gereicht dem Kammerspiel perfekt! So weit so gut.

Doch leider ist nicht nur der Schluss "gehudelt" (wie manche meinen), sondern gerät ihm das ganze Werk m. E. überaus plakativ. Gleich, ob arrivierter Zahnlaborinhaber, Nachwuchsterrorist, verwöhnte Tochter, alte Jungfer, Anwalt oder ältere Schwester, für die Zeichnung seiner Charaktere hat Schlink einen Spachtel genommen, wo er solche einst mit feinstem Pinsel ausmalte. Gut und böse, Lebensträume und Lebenslügen ergeben einen schwarz-weißen Kontrast, der die 256 möglichen Graustufen außer Acht lässt.

Nein, mit diesem Roman wird Bernhard Schlink weder dem Phänomen Terrorismus noch dem 68er-Jahre-Roman gerecht. Das haben andere, wie zum Beispiel Uwe Timm, besser recherchiert und beschrieben. Für einen Abdruck im "Stern" würde es reichen, doch das entspricht nicht Schlinks wirklichem Niveau. Wir vermuten einmal mehr den Druck des Verlags auf seinen Autoren, um jedes Jahr mit einem neuen "Best Seller" auf dem Markt zu erscheinen. Das hinterlässt Spuren.

Fazit: Bedingt lesenswert, für bekennende Schlink-Leser natürlich trotz allem ein Muss.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tolle Idee -- aber leider verschenkt!, 25. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Das Sujet ist vielversprechend:
Der Terrorist Jörg, gerade begnadigt, verunsichert in der lange vermissten Freiheit, trifft unmittelbar nach seiner Haftentlassung seine alten Freunde wieder. Arrangiert hat dieses Treffen seine Schwester. Alle sind gekommen: Freunde und alte Kampfgefährten, die nach dem Marsch durch die Institutionen angekommen sind. Wie wird sich dieses Wiedersehen entwickeln?
In diesem Spannungsfeld verliert sich die Novelle von Bernhard Schlink.

Bernhard Schlink ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Alle seine Bücher haben einen lange wirksamen Nachhall bei mir gehabt. Dieses Mal verpuffte schon bei der Lektüre die Wirkung.

Das Wiedersehen, die Konfrontation mit den begangenen Verbrechen, die Erklärungsversuche auf beiden Seiten, bei den alten Freunden wie bei Jörg -- das alles wirkte auf mich eher holzschnittartig.
Zu klischeehaft waren mir die alten Freunde, die nun Midlife-Crisis geschüttelte Akademiker geworden sind.
So wird dieses Treffen zu einer unguten Nabelschau, zu einer Aneinanderreihung von uneingestandenen Lebenslügen und Anklagen.
Und über allem wabert die Schuldfrage.

Bernhard Schlink hat sich dennoch getraut: Ein Thema zu verarbeiten, das die Leser polarisiert. Leider hat er es nach meinem Leseeindruck verschenkt.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kopflastig und am Rande des Trivialen, 17. August 2008
Von 
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Auch dieses Werk von Schlink hat mich nicht überzeugt und hat mir nicht gefallen. Es wirkt wie am Reißbrett und wie aufgrund eines Pflichtenheftes entstanden: ein Thema mit aktuellem Zeitbezug (Begnadigung von RAF-Terroristen), Vergangenheitsbewältigung (1968 und die Folgen), ein bisschen Polit-Theorie und dann natürlich so viele Personen, dass jeder jemanden wiederzuerkennen glaubt (die Bischöfin, den Anwalt, den unverbesserlichen, die geile Tochter, die frustrierte Lehrerin, die keinen Mann abkriegt usw.).

Schon das macht das Werk kopflastig. Hinzu kommt, dass Schlink, anders als in seinen anderen Werken keine subjektive Erzählperspektive einnimmt, sondern, wie es heute eigentlich nur noch Autoren von Trivialromanen machen, die Figuren als allwissender Erzähler entwickelt, der um sie herumkreist und sie bei ihren Gedanken, einsamen Spaziergängen und im Schlafzimmer beobachtet. Dadurch verhindert er nicht nur jede Identifikation des Lesers mit einem der eingenommenen Standpunkte und Lebensläufe, letztlich gelingt ihm diese selbst nicht, sondern er behindert sich selbst bei der Aufgabe, den Sommergästen in dem abgelegenen Haus in der Uckermark Leben einzuhauchen. Sie bleiben Figuren aus der Retorte, wie auch der Roman im Roman, den Schlink überflüssigerweise auch noch einbaut - ein äußerst schwieriges Stilmittel, mit dem er, wie ich finde, schon in "Heimkehr" gescheitert ist - und bei dem es ihm auch hier nicht gelingt, ihn in die Haupthandlung zu verweben.

Bei allem bleibt, dass Schlink schön schreiben kann. In dieser Geschichte fiel mir leider selbst das manchmal auf die Nerven, weil er dabei häufig in Manierismen aus dem 19. Jahrhundert abgleitet ("... und die heutigen waren's auch nicht"; "Wenn sie wolle, könne sie's auch seinem Vater geben").

Schließlich bleibt auch in diesem Roman die große Konfrontation aus, sondern alles verschwimmt um Ungefähren. Man fährt nach Haus, das ist es gewesen.

Fazit: Ästhetische Professorenliteratur mit wenig Biss und wenig Herz, die mich unzufrieden zurückgelassen hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Roman über den RAF-Terrorismus, 14. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Broschiert)
Nach Hanna, der Nazi-Verbrecherin, nun Jörg, der RAF-Terrorist. Nach der Auseinandersetzung mit dem Erbe des "Dritten Reichs" nun die Auseinandersetzung mit dem Terrorísmus der 1970er Jahre. Nach dem "Vorleser" nun "Das Wochenende". Wieder hat Bernhard Schlink einen Roman zu einem wichtigen zeitgeschichtlichen Thema geschrieben. Und wieder ist ihm ein Meisterwerk gelungen.

Nach der Verbüßung von 23 Jahren Freiheitsstrafe ist Jörg, der ehemalige Terrorist, vom Bundespräsidenten begnadigt worden. Seine ältere Schwester Christiane holt ihn aus dem Gefängnis ab und bringt ihn zu ihrem neuerworbenen Haus in Brandenburg, wohin sie einige Bekannte zu einem gemeinsamen Wochenende eingeladen hat, um mit Jörg seine neugewonnene Freiheit zu feiern. Aber das Wochende verläuft nicht so, wie sich Christiane das vorgestellt hat. Jeder hat seine eigenen Ansichten über das, was Jörg getan hat, und das, was er in Zukunft tun soll. In Gesprächen, Diskussionen und subtilen Auseinandersetzungen umkreisen die Anwesenden das moralische und politische Problem des Terrorismus.

Parallel dazu schreibt Ilse, die "graue Maus", die von ihren Freunden nie so richtig ernst genommen wurde, über das Leben des Terroristen Jan, der eine Existenz als angesehener Anwalt und gutsituierter Familienvater hinter sich gelassen hat, um Terrorist zu werden. Als diabolische Pointe lässt Ilse ihren Jan am 11. September 2001 im Restaurant des World Trade Center sterben - Jörg hat unterdessen über Gemeinsamkeiten von RAF und Islamisten räsoniert.

Niemand bringt das Problem des RAF-Terrorismus besser auf den Punkt als Jörgs Sohn Ferdinand, der zum Wochenende nicht eingeladen war, sich aber Zutritt verschafft hat. Voller Verachtung schleudert er seinem Vater entgegen: "Du bist zur Wahrheit und zur Trauer so unfähig, wie die Nazis es waren. Du bist keinen Deut besser - nicht, als du Leute ermordet hast, die dir nichts getan haben, und nicht, als du danach nicht begriffen hast, was du getan hast. Ihr habt euch über die Elterngeneration aufgeregt, die Mörder-Generation, aber ihr seid genauso geworden." (Seite 159)

Aber alles ist vergeblich. Am Ende kommt heraus, dass Jörg an Prostata-Krebs im Endstadium leidet. Deshalb hat er, obwohl er nichts bereut, den Bundespräsidenten um Gnade gebeten. Und deshalb konnte er noch nicht einmal die Gelegenheit beim Schopfe packen, als Dorle, die attraktive Tochter seines Kumpels Ulrich, ihn verführen wollte. Zerstörung, Verwüstung, Vergeblichkeit, Fragen, die nicht beantwortet sind und nicht beantwortet werden können, am Ende Sprachlosigkeit - mehr bleibt nicht vom Terrorismus.

"Das Wochenende" ist eine literarisch erstklassige, geradezu einzigartige Auseinandersetzung mit dem Terrorismus der 1970er Jahre. Gerade die Beschränkung auf einen einzigen Schauplatz und einen kurzen Zeitraum macht den künstlerischen Rang des Werkes aus. Man lasse sich nicht davon irritieren, das praktisch nichts "passiert" und fast nur geredet wird - das hat das "Wochenende" mit Meisterwerken wie dem "Stechlin" und dem "Zauberberg", beides übrigens ebenfalls Zeitromane, gemeinsam. Die subtile Spannung der Dialoge, das Geflecht von Beziehungen, die Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche, Sehnsüchte, Enttäuschungen, alles das ist so packend erzählt und so bezwingend, wie es nur ein wirklich großer Schrifsteller vermag. Allein schon, wie die melancholische Landschaft des nördlichen Brandenburg den Hintergrund für die melancholische Handlung abgibt, ohne dass das irgendwie gekünstelt wirkt - das ist einfach perfekt gemacht.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein unbefriedigener Ausgang, 2. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Das Lesen dieses Buches ging ich mit großer Erwartung an,
die nicht annähernd erfüllt wurde.
Ein Treffen mit ehemaligen Freunden und Weggefährten nach
der Begnadigung des ehemaligen RAF-Terroristen durch den Bundespräsidenten
habe ich mir aufschlussreicher vorgestellt.
Über die Rollen der einzelnen Personen im Zusammenhang mit dem 'Täter' wurde zu wenig bekannt.
Die Konflikte im Hinblick auf das Geschehene blieben diffus. Das Treiben einer sexsüchtigen Tochter war nicht
nachzuvollziehen.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen RAF- Jörg ist frei, 21. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein krankes Thema: „Wie kann man gesunden Sinns erörtern, ob die Welt durch Mord eine bessere Welt wird? Ob die Gesellschaft durch Gnade für Mörder eine bessere Gesellschaft wird? Das alles tat einer hässlichen, abstoßenden Krankheit zu viel Ehre an“.
Der Jurist und Autor Bernhard Schlink hat gewagt, einen Roman über diese Krankheit zu schreiben, den RAF-Terrorismus. Seine Story ist kurz. Der Titel „Das Wochenende“ verrät sie: Am Freitag wird RAF-Jörg nach einer Begnadigung durch den Bundespräsidenten entlassen und von seiner Schwester in ein verstecktes altes Landhaus gefahren, um dort sofort mit alten Freunden zusammenzutreffen. Bis Sonntagabend essen und trinken alle zusammen, lieben sich, reden, verletzen sich gegenseitig beim Versuch, die Wahrheit zu finden.
Der Autor ist für Fragen nicht erreichbar. Darum bleibt sein Motiv ebenso im Dunkel wie die Klärung der Frage, ob er Sachkenntnis zum Thema hat. Dieses konspirative Verhalten trifft das Thema RAF gut; denn auch die Terroristen verstecken sich und mitschuldige Politiker ebenso – diese hinter ihren Geheimdiensten.
Der Jurist Schlink scheint die Gefahr zu kennen, die der RAF noch immer innewohnt. „Wir brauchen Dich“, lässt er einen Anhänger der Terroristen zu Jörg sagen, und: „Wir wissen nicht, wie wir gegen das System kämpfen sollen.“ Man mache nur „Kinderkram“, indem ein paar Brände gelegt würden. Der vorzeitig freigelassene Jörg könne helfen mit seinem Wissen. Dann könne man „mit den muslimischen Genossen wirklich was reißen. Die mit ihrer Power und wir mit dem, was wir über dieses Land wissen – gemeinsam könnten wir da zuschlagen, wo’s echt weh tut.“ Schlink gibt keine Antwort darauf, ob RAF-Jörg wieder aktiv wird. Erst einmal beginnt der vorzeitig freigelassene RAF-Terrorist in einem Labor zu arbeiten. Der Autor erweckt Mitleid für RAF-Jörg, lässt ihn an Krebs erkrankt sein.
So widersprüchlich werden auch die übrigen Landhaus-Wochenendler und ihre Vergangenheit geschildert, bevor sie Journalist, Lehrerin und Bischöfin wurden. RAF-Jörg muss nicht gestehen, die Fragen der anderen danach, wie man sich fühlt, wenn man Menschen umbringt, muss er nicht beantworten, sich aber anhören, dass er „zur Wahrheit und Trauer so unfähig“ sei, „wie die Nazis es waren. Du bist keinen Deut besser“.
Wieder einmal hat Schlink in vorbildlich ungespreizter Sprache seine Finger in eine noch eiternde Wunde deutscher Zeitgeschichte gelegt und das wie gewohnt mit einer Spannung versehen, die dazu führt, dass man den Roman nicht aus den Händen legen mag bis zur letzten Seite. Schade, dass Schlink sich vor der Öffentlichkeit versteckt. Es gibt viele Fragen an den Autor.
RAF-Jörg ist frei, das Problem ist nicht gelöst, auch wenn man das nicht wahrhaben will. Der Löwe schläft nicht, weil er noch nicht brüllte (Schiller): „Wir brauchen Dich“, hört RAF-Jörg am Tag seiner Entlassung. So mag es allen vorzeitig freigelassenen realen RAF-Mördern auch ergangen sein. Einige reisen schon wieder durch die Lande. Vermutlich weiß der Autor und Jurist Schlink mehr, als er verraten will. Das wäre ein Grund, sich der Öffentlichkeit zu entziehen und einer mehr, ihn aufzuspüren.
ULF G. STUBERGER
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In meiner Vorstellung ..., 4. Mai 2010
Von 
Mapambulo "Mapambulo" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Broschiert)
... hätte aus diesem Thema auch ganz schnell ein sentimentales Rührstück werden können - die Revolution frisst ihre Kinder, der Abgesang der 68er, dieser ganze Kram. Möglicherweise ist ja auch genau das rausgekommen und ich hab's nicht gemerkt - Schlink war für mich immer eher der Vater des Privatdetektivs Selb als der Autor des Vorlesers, als Krimifan nähert man sich solcher Prosa ja gemeinhin mehr als vorsichtig. Bei allen anfänglichen Vorbehalten denke ich aber, dass Schlink mit "Das Wochenende" ein ziemlich kluges Buch gelungen ist. Die Gesamtanmutung ist ja eher die eines Kammerspiels, eines Theaterstückes ohne Regieanweisungen und Personenregister, hinzu kommt, dass Schlink sich nicht auf die alleinige Wirkung der Hauptperson, des begnadigten Ex-Terroristen fokussiert, sondern gleichsam alle an diesem Plot beteiligten Personen zu gleichen Teilen ins Bild holt. Das kann ab und an zu Verwirrung führen, manchmal geht einem der Überblick über die eine oder andere Geschichte verloren, es sorgt aber auch dafür, dass alle Facetten beleuchtet werden können, die eine (un)mittelbare Verstrickung in die Aktivitäten der RAF zur damaligen Zeit mit sich brachte, die jeden einzelnen in diesem Buch zum Getriebenen, zum Befangenen werden ließ und läßt. Sorgsam formt Schlink die Charaktere, nimmt sich viel Zeit und schreibt dabei mehr als einmal Dinge, die einem in dieser Form auch schon desöfteren durch den Kopf gegangen sind und somit auch anrühren können. Sicher gibt es auch Momente, die fragwürdig erscheinen - wenn jemand unvermittelt beim Anblick einer bestimmten Situation in Tränen ausbricht, aber selbst das kann mit der sehr persönlichen Sicht der Dinge gewogen werden und vielleicht ist ja gerade diese Szene für andere Leser wiederum eine Art Einstieg in das Buch und seine Geschichte. Kurz - ein lohnendes Stück Literatur und selbst für spannungssüchtige Vielleser eine kurzweilige, willkommene Unterbrechung.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Schlink erwartet der Leser einfach mehr, 22. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Bernhard Schlink, seit seinem Buch "Der Vorleser" auch international erfolgreicher Autor, hat in seinem neuesten Roman die jüngere deutsche Geschichte ins Visier genommen. Über die RAF ist viel gesagt und diskutiert worden, so viel, dass man meinen könnte, es gäbe nicht mehr viel hinzuzufügen. Vom Gegenteil kann auch Schlinks Roman "Das Wochenende" nicht überzeugen. Literarisch versucht sich der Autor des Themas anzunehmen und wirkt oft sprach- und ideenlos. Alles, was Schlink seinen Protagonisten in den Mund legt, hat man auf die eine oder andere Weise bereits gehört. So bleiben Schlinks Figuren meistens farblos, erscheinen oftmals als bloße Sprachrohre bestimmter und allzu bekannter Positionen in der Diskussion um die RAF.

Auch konzeptionell kann Schlink nicht überzeugen. Die Lehrerin Ilse, die „nebenbei“ die Geschichte des alten und inzwischen toten Weggefährten Jan neu schreiben will, sich dafür in den Kopf eines Terroristen hineinzudenken, Beweggründe und mögliche Emotionen zu finden versucht, wirkt mehr als plump.

So lobenswert Schlinks Versuch, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist, so wenig gelungen ist er, wenn man mehr als gängige Klischees und hölzerne Figuren erwartet. Einzig Schlinks Fähigkeit zu schreiben macht aus diesem Roman ein lesbares und trotz allem unterhaltsames Buch. Wirklich zum Nachdenken regt es nicht an, dafür kratzt Schlink zu sehr an der Oberfläche und schafft es nicht, seine Figuren mit der notwendigen emotionalen und gedanklichen Tiefe auszustatten.

Nicht mehr als eine literarische Bearbeitung der Diskussion um die RAF, ihre Ziele und Methoden. Schade, denn von Bernhard Schlink erwartet der Leser einfach mehr.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die große Sprachlosigkeit (Hörbuch-Rezension), 31. Mai 2008
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Audio CD)
Der RAF-Terrorist Jörg wird nach 24 Jahren aus der Haft entlassen. Seine Schwester hat zur Begrüßung ein Treffen mit alten Freunden und früheren Weggefährten in einem abgelegenen Landhaus arrangiert.

Ihn erwartet eine illustre Schar Alt-68er, die sich mittlerweile gemütlich in ihrem bürgerlichen Leben eingerichtet haben und nun unversehens mit ihren früheren Gedanken, Zielen und Taten konfrontiert werden.

Schlink hat die Vita seines Protagonisten nahe an tatsächlichen Personen angelehnt, was den Hörer aber ärgerlicher Weise auf eine falsche Fährte führt. "Das Wochenende" ist eben kein Schlüsselroman, auch wenn sich der Schluss immer wieder in den Vordergrund drängt.

Die Athmosphäre im Landhaus ist angespannt, doch die große Abrechnung bleibt aus. Statt feuriger Dialoge finden die wirklichen Prozesse in den Gedanken der Personen stta und bleiben damit vage, im Bereich der Mutmaßung.

Gespräche werden zusehends zu Monolgen, an deren Ende die Sprachlosigkeit aller steht und die Enttäuschung des Hörers, der von manchen Figuren mehr Statement erwartet hätte.

Hans Korte ist eine gute Wahl des Verlages; er verleiht der Unsicherheit der Figuren, ihrem Irren, Verteidigen und Rechtfertigen eine Stimme, die in jeder Situation auf der Höhe des Geschehens.
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Das Wochenende
Das Wochenende von Bernhard Schlink (Broschiert - 26. Januar 2010)
EUR 9,90
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