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5.0 von 5 Sternen Ein ewig gestriger Terrorist und einige Salonrevoltionäre beim Wochenendplausch.
Dies ist der erste Roman, den ich nicht gelesen, sondern gehört habe. Die sonore, auf feine Nuancen achtende Stimme von Hans Korte hat die Hörstunden zu einem besonderen Vergnügen gemacht, auch wenn der Inhalt des Buches ein sehr trauriger ist.
Worum geht es in Schlinks neuem Roman?
Der Terrorist Jörg hatte sich des mehrfachen Mordes...
Veröffentlicht am 16. März 2008 von Helga König

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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Plakatives Panoptikum
Bernhard Schlink ist in wenigen Jahren zum Erfolgsautor geworden. Waren seine "Selbs"-Romane eher noch der (Massen-) Gattung Krimi zuzuordnen, erfuhr er mit dem "Vorleser" den Aufstieg in die literarische Oberklasse und so etwas wie Weltruhm. An einen solchen Erfolg ist thematisch und schriftstellerisch schwer anzuknüpfen.

Die Vergangenheit spielt in...
Veröffentlicht am 14. März 2008 von Karl-Heinz Heidtmann


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42 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ewig gestriger Terrorist und einige Salonrevoltionäre beim Wochenendplausch., 16. März 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Audio CD)
Dies ist der erste Roman, den ich nicht gelesen, sondern gehört habe. Die sonore, auf feine Nuancen achtende Stimme von Hans Korte hat die Hörstunden zu einem besonderen Vergnügen gemacht, auch wenn der Inhalt des Buches ein sehr trauriger ist.
Worum geht es in Schlinks neuem Roman?
Der Terrorist Jörg hatte sich des mehrfachen Mordes schuldig gemacht. Nach 20 Jahren Haft wird er begnadigt. Seine ältere Schwester Christiane, die sich ein Leben lang um ihren Bruder intensiv gekümmert hat, lädt alte Freunde in ihr Haus auf dem Land ein, um Jörg zu zeigen, dass er von diesen nicht vergessen worden ist. Frühe Freundschaft hat ein Recht auf lebenslange Loyalität, so der Tenor.
Eine Lehrerin, eine Bischöfin, ein Journalist, ein Jurist, auch ein Besitzer eines Dentallabors zählen zum Kreis der frühen Freunde. Diese Leute haben alle das 50. Lebensjahr überschritten. Sie kennen sich seit Uni-Zeiten. Damals waren sie politisch aktiv. Später dann sind sie bürgerlichen Brotberufen nachgegangen und haben trotz revolutionärer Vergangenheit keine Probleme damit das Leben im gehobenen Bürgertum auszukosten, Champagner und Bordeaux zu genießen und sich dabei in wohltemperierten, intellektuellen Gesprächen über eine bessere Welt auszubreiten.
Der aus dem Gefängnis kommende Jörg ist ein Fossil längst vergangener Zeiten. Seine Erfahrungen der letzten 20 Jahre sind wenig erbaulich.
Man spricht von diesem Gestern, aber auch von Sartre, von Marcuse, von Deep Purple, vom Sommer der Anarchie , vom linken Projekt und davon , dass ein Terrorist es nicht aushalten kann im Exil zu leben. Er bombt sich, stattdessen in seine vermeintliche Heimat. Diese Heimat sind seine ideologischen Träume, während das Exil das reale Leben ist, das er nicht bereit ist anzunehmen.
Der Sohn Jörgs, der auch anwesend ist, verachtet seinen Vater wegen seiner Lebenslügen und macht deutlich, dass zwischen der Gewalt der Akteure von damals und der Gewalt der Vorgeneration in der NS-Zeit kein großer Unterschied besteht. Die Fähigkeit zu trauern und die Wahrheit auszuloten haben beide Generationen im Nachhinein nicht erlernt. Stur wird auf alten Ideologien beharrt. Jörg verteidigt sein Tun von einst. Er hat sich stets als Kriegsgefangenen betrachtet, weil er, wie er sagt, gegen den Vietnamkrieg, die Armut in Afrika und die alten Nazis, die sich wieder in Amt und Würden befunden haben gekämpft hat. Jörg vertritt die Ansicht, dass der Kampf, wenn er zu Sieg geführt hätte, auch die Opfer gerechtfertigt hätte.
Der Mangel an Empathie in dieser Aussage spricht Bände. Über diesen und andere Gedanken ereifern sich die Freunde bei ein paar Flaschen Bordeaux, mittlerweile wissend , dass Jörg nicht mehr lange leben wird, weil er Prostatakrebs hat und eigentlich nur aus diesem Grunde das Gnadengesuch eingereicht hat. Er wollte die Natur noch mal erleben. In der Abgeschiedenheit des Gefängnisses konnte Jörg sich letztlich nicht von den alten Ideologien lösen. Das Gefängnis verhinderte, dass er sich neu orientierte. Die Zeit war für ihn stehen geblieben. Die Gewalt, die er anderen antat, vernichtete ihn am Ende selbst.

Ein empfehlenswertes Hörbuch!
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30 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Plakatives Panoptikum, 14. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Bernhard Schlink ist in wenigen Jahren zum Erfolgsautor geworden. Waren seine "Selbs"-Romane eher noch der (Massen-) Gattung Krimi zuzuordnen, erfuhr er mit dem "Vorleser" den Aufstieg in die literarische Oberklasse und so etwas wie Weltruhm. An einen solchen Erfolg ist thematisch und schriftstellerisch schwer anzuknüpfen.

Die Vergangenheit spielt in Bernhard Schlinks Romanen eine zunehmende Rolle. Wenn er sich auf der Suche nach einem neuen Thema nun der "RAF" annimmt, ist das zumindest gewagt.

Als hochintelligenter und belesener Schriftsteller fällt es ihm nicht schwer, dramaturgische Anleihen bei anderen Klassikern zu machen. Man kann, wenn man will, Gorkis "Sommergäste" entdecken oder gar "Bei geschlossenen Türen" von Jean-Paul Sartre. Die Reduzierung der Handlung auf ein Wochenende gereicht dem Kammerspiel perfekt! So weit so gut.

Doch leider ist nicht nur der Schluss "gehudelt" (wie manche meinen), sondern gerät ihm das ganze Werk m. E. überaus plakativ. Gleich, ob arrivierter Zahnlaborinhaber, Nachwuchsterrorist, verwöhnte Tochter, alte Jungfer, Anwalt oder ältere Schwester, für die Zeichnung seiner Charaktere hat Schlink einen Spachtel genommen, wo er solche einst mit feinstem Pinsel ausmalte. Gut und böse, Lebensträume und Lebenslügen ergeben einen schwarz-weißen Kontrast, der die 256 möglichen Graustufen außer Acht lässt.

Nein, mit diesem Roman wird Bernhard Schlink weder dem Phänomen Terrorismus noch dem 68er-Jahre-Roman gerecht. Das haben andere, wie zum Beispiel Uwe Timm, besser recherchiert und beschrieben. Für einen Abdruck im "Stern" würde es reichen, doch das entspricht nicht Schlinks wirklichem Niveau. Wir vermuten einmal mehr den Druck des Verlags auf seinen Autoren, um jedes Jahr mit einem neuen "Best Seller" auf dem Markt zu erscheinen. Das hinterlässt Spuren.

Fazit: Bedingt lesenswert, für bekennende Schlink-Leser natürlich trotz allem ein Muss.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tolle Idee -- aber leider verschenkt!, 25. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Das Sujet ist vielversprechend:
Der Terrorist Jörg, gerade begnadigt, verunsichert in der lange vermissten Freiheit, trifft unmittelbar nach seiner Haftentlassung seine alten Freunde wieder. Arrangiert hat dieses Treffen seine Schwester. Alle sind gekommen: Freunde und alte Kampfgefährten, die nach dem Marsch durch die Institutionen angekommen sind. Wie wird sich dieses Wiedersehen entwickeln?
In diesem Spannungsfeld verliert sich die Novelle von Bernhard Schlink.

Bernhard Schlink ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Alle seine Bücher haben einen lange wirksamen Nachhall bei mir gehabt. Dieses Mal verpuffte schon bei der Lektüre die Wirkung.

Das Wiedersehen, die Konfrontation mit den begangenen Verbrechen, die Erklärungsversuche auf beiden Seiten, bei den alten Freunden wie bei Jörg -- das alles wirkte auf mich eher holzschnittartig.
Zu klischeehaft waren mir die alten Freunde, die nun Midlife-Crisis geschüttelte Akademiker geworden sind.
So wird dieses Treffen zu einer unguten Nabelschau, zu einer Aneinanderreihung von uneingestandenen Lebenslügen und Anklagen.
Und über allem wabert die Schuldfrage.

Bernhard Schlink hat sich dennoch getraut: Ein Thema zu verarbeiten, das die Leser polarisiert. Leider hat er es nach meinem Leseeindruck verschenkt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zur Seelenlage eines Terroristen, 26. Februar 2010
Von 
Lisbeth Salander - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Nach über 20 Jahren Haft wird ein RAF-Terrorist begnadigt, und seine Schwester arrangiert in einem abgelegenen Landhaus ein Wochenende mit alten Freunden und Weggefährten.
Und so findet sich das ganze archetypische Personal ein:
Ehemalige 68er, die inzwischen eine Laufbahn als Journalist, Anwalt, Unternehmer, Lehrerin, oder als eine Geistliche eingeschlagen haben.

Gescheitert, geläutert, angepasst, sich eines Besseren besonnen, oder ideologisch stehen geblieben hocken sie 3 Tage in einem Idyll zusammen, und ringen um Worte gegen Sprachlosigkeit, Verständnis gegen Unverzeihliches, Standpunkte gegen den Fluss der Dinge.

Wer in diesem Buch eine politische Analyse erwartet, wird enttäuscht werden.
Als Erklärungsmodell für Terrorismus taugt es ebenfalls nicht, weder für den von damals, noch den aktuellen.
Und auch Spannung ist eher Fehlanzeige.
Im Gegenteil: Lange plätschert die Handlung nur so vor sich hin, streckenweise sehr oberflächlich, gerne auch mal haarscharf an beiden Seiten der Grenze zum Klischee entlang,
in fast schon unerträglicher Konfrontation mit Schönheitsbeschreibungen der umgebenden Natur.

Was die Geschichte dann aber trotzdem evtl. lesenswert macht, ist zunächst einmal nichts geringeres als die Begegnung von Menschen, deren Lebenswege vor über 40 Jahren Jahren den selben Ausgangspunkt hatten, und die nun, mal mehr und mal weniger erfolgreich, versuchen sich zu spiegeln.
Wobei die Erkenntnisprozesse der 68er sich hier in nichts von denen anderer Generationen unterscheiden, gerade und nicht zuletzt da, wo sie Konflikte und Widersprüche zu verdrängen und vermeiden versuchen.

Darüber hinaus gelingt dem Autor eine behutsame Dramaturgie, die es sich nicht nehmen lässt, punktuell so dermassen tiefe Wunden in enttäuschten Sehnsüchten offen zu legen, dass, jenseits von Schuld und Reue, Ansätze von Empathie unvermeidlich sind.

Ein Buch über den ersten Schritt im Marathonlauf zur Versöhnung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aktuelles Thema - Chance vertan, 24. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Mit der Entlassung des RAF-Terroristen Christian Klar wurde in Deutschland eine große Debatte losgetreten, die sich mit den Kernfragen von Schuld und Sühne, von Strafe und Vergebung beschäftigt hat.

Bernhard Schlink, dessen Roman "Der Vorleser" mit großem Erfolg verfilmt wurde, hat sich eines weiteren brisanten Themas der Deutschen Geschichte angenommen: dem RAF-Terrorismus. Anhand des fiktiven Terroristen Jörg, der nach 24 Jahren Haft überraschend vom Deutschen Bundespräsidenten begnadigt wurde und von seiner Schwester in eine abgelegene halb verfallene Villa gebracht wird und dort Freunde aus seiner Vergangenheit wieder trifft, versucht Schlink die obigen Kernfragen zu beleuchten und sie zum Kern seines Romans zu machen. Dass neben mittlerweile in der Gesellschaft gut situierten ehemaligen Gesinnungsgenossen auch der Noch-Aktivist Marko, der Jörg wieder für den aktiven Widerstand gegen das System gewinnen will, sowie der Sohn Jörgs, der mit seinem Vater abrechnen möchte, hinzustoßen, ermöglicht Schlink zwar, die Blickrichtungen und Facetten des kammerspielartigen Szenarios zu erweitern. Gleichzeitig jedoch ist dies die große Schwäche des Romans, denn so entsteht der Eindruck, dass Schlink alles gleichzeitig will, aber nichts wirklich konsequent zu Ende denkt.

Es hätte dem Roman besser zu Gesicht gestanden, mehr vom Innenleben des Terroristen zu erfahren, statt die restlichen Protagonisten darüber philosophieren und richten zu lassen. So hatte ich das Gefühl, nichts halbes und nichts ganzes vom Autor bekommen zu haben und zwar die Erinnerung an die schrecklichen Taten der RAF wieder aufgefrischt, aber diese Taten nicht wirklich aufgearbeitet und hinterfragt zu bekommen. Hier liefert Stefan Aust's "Der Baader-Meinhof-Komplex", obwohl eher Sachbuch, deutlich mehr Tiefgang. Schade - auch wenn der Plot durchaus zu faszinieren weiß und allein das Grundszenario von der Idee her gelungen ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnliches Wochenende, 29. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
In die Zeit hinein, in der Brigitte Monhaupt entlassen worden war, Christian Klar entlassen werden sollte (mittlerweile ist er auf freiem Fuss) und Uli Edel den Film "Der Baader-Meinhof Komlex drehte, schrieb Berhard Schlink "Das Wochenende". Auch wenn die Personen nicht beim Namen genannt werden, der Zusammenhang zur Baader-Meinhof-Gruppe ist evident (Einmal werden Ulrike, Andreas, Holger etc. beim Namen genannt).

Viele Leute werden sich fragen, was geschieht mit einem Menschen, der nach einem Gefängnisaufenthalt von über 20 Jahren wieder auf freien Fuss kommt. Ein so langer Freiheitsentzug zerstört den Menschen und seinen Charakter fast zwangsläufig, unabhängig davon, ob er mit seiner Vergangenheit gebrochen hat oder seine früheren Ideale immer noch hochhält.

Bernhard Schlinks Roman gibt nicht in erster Linie darauf eine Antwort, denn es werden nur die ersten drei Tage nach der Entlassung des Terroristen Jörg geschildert. Und das ist auch nicht das vordergründige Thema des Buches. Erzählt wird vielmehr die Begegnung mit früheren Freunden und Weggefährten und seiner obsessiv betreuenden Schwester. Die geistige Enge, die in dem Wochenendhaus herrscht, die Verklemmtheit, die Einsicht, die Vergangenheit nicht verarbeitet zu haben und sie nicht verarbeiten zu können, kontrastiert mit der weiten, horizontlosen Landschaft, in welcher das Kammerspiel angesiedelt ist.

Nicht alle Figuren sind Schlink gleich gut gelungen. Dafür nahmen wahrscheinlich auch zu viele "am Spiel" teil. Völlig verunglückt erscheint mir der Sohn von Jörg, der als "deus ex machina" auf der Bühne auftaucht.

Gleichwohl insgesamt ein geglücktes und spannend erzähltes, ungewöhnliches Wochenende mit einem grossen Aktualitätsbezug.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In meiner Vorstellung ..., 4. Mai 2010
Von 
Mapambulo "Mapambulo" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Broschiert)
... hätte aus diesem Thema auch ganz schnell ein sentimentales Rührstück werden können - die Revolution frisst ihre Kinder, der Abgesang der 68er, dieser ganze Kram. Möglicherweise ist ja auch genau das rausgekommen und ich hab's nicht gemerkt - Schlink war für mich immer eher der Vater des Privatdetektivs Selb als der Autor des Vorlesers, als Krimifan nähert man sich solcher Prosa ja gemeinhin mehr als vorsichtig. Bei allen anfänglichen Vorbehalten denke ich aber, dass Schlink mit "Das Wochenende" ein ziemlich kluges Buch gelungen ist. Die Gesamtanmutung ist ja eher die eines Kammerspiels, eines Theaterstückes ohne Regieanweisungen und Personenregister, hinzu kommt, dass Schlink sich nicht auf die alleinige Wirkung der Hauptperson, des begnadigten Ex-Terroristen fokussiert, sondern gleichsam alle an diesem Plot beteiligten Personen zu gleichen Teilen ins Bild holt. Das kann ab und an zu Verwirrung führen, manchmal geht einem der Überblick über die eine oder andere Geschichte verloren, es sorgt aber auch dafür, dass alle Facetten beleuchtet werden können, die eine (un)mittelbare Verstrickung in die Aktivitäten der RAF zur damaligen Zeit mit sich brachte, die jeden einzelnen in diesem Buch zum Getriebenen, zum Befangenen werden ließ und läßt. Sorgsam formt Schlink die Charaktere, nimmt sich viel Zeit und schreibt dabei mehr als einmal Dinge, die einem in dieser Form auch schon desöfteren durch den Kopf gegangen sind und somit auch anrühren können. Sicher gibt es auch Momente, die fragwürdig erscheinen - wenn jemand unvermittelt beim Anblick einer bestimmten Situation in Tränen ausbricht, aber selbst das kann mit der sehr persönlichen Sicht der Dinge gewogen werden und vielleicht ist ja gerade diese Szene für andere Leser wiederum eine Art Einstieg in das Buch und seine Geschichte. Kurz - ein lohnendes Stück Literatur und selbst für spannungssüchtige Vielleser eine kurzweilige, willkommene Unterbrechung.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Schlink erwartet der Leser einfach mehr, 22. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Bernhard Schlink, seit seinem Buch "Der Vorleser" auch international erfolgreicher Autor, hat in seinem neuesten Roman die jüngere deutsche Geschichte ins Visier genommen. Über die RAF ist viel gesagt und diskutiert worden, so viel, dass man meinen könnte, es gäbe nicht mehr viel hinzuzufügen. Vom Gegenteil kann auch Schlinks Roman "Das Wochenende" nicht überzeugen. Literarisch versucht sich der Autor des Themas anzunehmen und wirkt oft sprach- und ideenlos. Alles, was Schlink seinen Protagonisten in den Mund legt, hat man auf die eine oder andere Weise bereits gehört. So bleiben Schlinks Figuren meistens farblos, erscheinen oftmals als bloße Sprachrohre bestimmter und allzu bekannter Positionen in der Diskussion um die RAF.

Auch konzeptionell kann Schlink nicht überzeugen. Die Lehrerin Ilse, die „nebenbei“ die Geschichte des alten und inzwischen toten Weggefährten Jan neu schreiben will, sich dafür in den Kopf eines Terroristen hineinzudenken, Beweggründe und mögliche Emotionen zu finden versucht, wirkt mehr als plump.

So lobenswert Schlinks Versuch, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist, so wenig gelungen ist er, wenn man mehr als gängige Klischees und hölzerne Figuren erwartet. Einzig Schlinks Fähigkeit zu schreiben macht aus diesem Roman ein lesbares und trotz allem unterhaltsames Buch. Wirklich zum Nachdenken regt es nicht an, dafür kratzt Schlink zu sehr an der Oberfläche und schafft es nicht, seine Figuren mit der notwendigen emotionalen und gedanklichen Tiefe auszustatten.

Nicht mehr als eine literarische Bearbeitung der Diskussion um die RAF, ihre Ziele und Methoden. Schade, denn von Bernhard Schlink erwartet der Leser einfach mehr.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein unbefriedigener Ausgang, 2. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
Das Lesen dieses Buches ging ich mit großer Erwartung an,
die nicht annähernd erfüllt wurde.
Ein Treffen mit ehemaligen Freunden und Weggefährten nach
der Begnadigung des ehemaligen RAF-Terroristen durch den Bundespräsidenten
habe ich mir aufschlussreicher vorgestellt.
Über die Rollen der einzelnen Personen im Zusammenhang mit dem 'Täter' wurde zu wenig bekannt.
Die Konflikte im Hinblick auf das Geschehene blieben diffus. Das Treiben einer sexsüchtigen Tochter war nicht
nachzuvollziehen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Missglückte Wiedervereinigung, 7. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Broschiert)
Natürlich geht es in Schlinks Roman nicht um die deutsche Wiedervereinigung.
Erzählt wird die Geschichte einer Wiederbegegnung anlässlich der Freilassung des Terroristen Jörg,, der durch den Bundespräsidenten nach zwanzig Jahren Gefängnis begnadigt wird.
Zusammengeführt durch seine Schwester finden sich ehemalige Freunde und Kommilitonen ein Wochenende in einem Haus im Osten Deutschlands zusammen, um die Freilassung zu feiern.
Natürlich gibt es letztendlich nichts zu feiern. Zu unterschiedlich sind die Biografien und Lebenshaltungen, derer die einmal in ihrer Jugend im Aufbruch waren und das politische System und seine Auswüchse (Zum Beispiel den Vietnamkrieg) in Frage stellten.
Jörg kehrt in eine andere Welt zurück,doch die blutige Spur, die die RAF, und mit ihr auch Jörg, hinterlassen hat, ist allen noch gegenwärtig.
Bernhard Schlink schreibt analytisch und scheinbar kühl: Menschen, die sich gegenseitig belauern, verletzen und in Frage stellen. Es geht um Schuld, Täter und Opfer, aber auch darum, dass die Zeit nicht jede Wunde heilt, sondern unerbittlich vergeht und wir dann nicht mehr, die sind, die wir in unserer Jugend einmal waren. Und eine Wiedervereinigung ist irgendwann unmöglich geworden. Wir müssen uns immer wieder neu entdecken.
Bernhard Schlink weiß wie man Geschichten klug und spannend erzählt, und irgendwie hallen sie, auch wenn sie kühl erscheinen, sehr intensiv emotional nach -zumindest in mir. Toll! Fünf Sterne! Auch für das Hörbuch!
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Das Wochenende
Das Wochenende von Bernhard Schlink (Broschiert - 26. Januar 2010)
EUR 9,90
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