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TOP 50 REZENSENTam 7. Juni 2009
1935 schrieb Egon Friedell über das Hitlerregime: Das Reich des Antichrist. Jede Regung von Noblesse, Frömmigkeit, Bildung, Vernunft wird von einer Rotte verkommener Hausknechte auf die gehässigste und ordinärste Weise verfolgt. Er stürzt sich am 16.3.1938 aus dem 3. Stock seines Hauses in Wien zu Tode, als ihn die SA "besuchen" möchte.

Das Schaltwerk seiner Gedanken wird in diesem Buch umfassend und eindrücklich offengelegt. Aus den Essays (gegliedert in ABSCHAFFUNG DES GENIES, ZUR PSYCHOPATHOLOGIE DES SCHAUSPIELERS, LITERATURPOLIZEI, SOKRATES DER IDIOT, DAS ALTERTUM WAR NICHT ANTIK) haben mich am meisten die Inhalte aus "Der Hass des Künstlers" getroffen.

Friedell formuliert darin eine zutiefst pessimistische Weltsicht. Der Mensch will herrschen, herrschen um jeden Preis. Alles Untertanmachen sei nur zur Hälfte durch wirtschaftliche Interessen begründet. Die andere sei diese geheime Kraft des Herrschens, die den Mensch über die Grenzen seiner tierischen Natur hinauswachsen ließ. Sowohl die stumpfe Materie als auch die Unergründlichkeit der Seele entzieht sich dem Menschen. Zudem schwebt über allem ein dunkler Schatten des Schicksals.

Was tun vor dem Hintergrund dieses Dilemmas, das wenig Herrscherallüren zulässt?

Der Mensch trickste dieses Dilemma gem. Friedell aus. Er erfand die Kunst!

"In diesem Reich seiner eigenen, freien Schöpfung durfte er hoffen, endlich mal ein vollkommener Tyrann zu sein." Menschenschlächter wären besser Künstler geworden und bei vielen Künstlern verhinderte die Kunst Schlimmeres: "Ich habe niemals von einem Verbrechen gehört, das ich nicht hätte begehen können", sagte Goethe. Das Wesen des echten Künstlers ist Mißtrauen, nichts als Misstrauen. Und das ewige Hinterfragen, er sieht hinter allem, auch Banalem, das unergründlich Tiefe. "Warum hat er, der Künstler, nur diese furchtbare Mission?" Es bleiben ihm nichts als Fragen.

Einfach genial zudem die biographische Skizze zu Ralph Waldo Emerson, die so endet: ...die Gedanken von Emerson werden nie altern, weil "er aus zwei Quellen schöpft, die immer frisch bleiben: aus der Natur und aus seinem Herzen."

Insgesamt eine Anthologie tiefgründigster Gedanken und ungewöhnlicher Einsichten, aus der diese besonders hervorsticht: "Das Genie erklärt sich aus einer einzigen Tatsache. Es hat das größte Herz. Das Genie folgt in seiner Methode der Natur, die ihre harten Mittel nur verwendet, wenn sie vernichten will, und alle Entwicklung durch Güte fördert: durch erfrischenden Regen, saftiges Erdreich und Sonnenlicht. Der Wärme des Dichters öffnen sich alle Dinge."

Also doch eine Lösung für jegliche Herrschucht? Eine Relativierung derselben?
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am 8. Juni 2010
"Man soll nur reden, wo man nicht schweigen darf, nur von dem reden, was man
überwunden hat - alles andere ist Geschwätz, Literatur, Mangel an Zucht."
(Egon Friedell)

Friedell (1878-1938) will also nur von dem Reden, was er überwunden hat, also aus der Genesung des Geistes die Chance sehend, der Erfahrung Erkenntnis abzuhäuten. Ihm schwebt eine "geheimnisvolle Gegnerschaft, die des Entgegenschauens" vor, eine, die das Leben betrifft und es in Lebensalter teilt. Eine erste Hälfte, die lernt, mit der Umwelt, der Gesellschaft eins zu werden, in Urteilen, Meinungen, Absichten. In der vorgestellten Gleichheit erobert man seinen Platz, damit das Innere reift zu einer eigenen Frucht der zweiten Lebenshälfte. Diese Frucht ist die Kraft, die erste Hälfte zu vergessen, um die Ansichten aller in eigene zu transformieren. Lernen zu müssen, dass das, was man übernommen hat, einem nicht gehört, scheint schmerzhaft. So muss man Angeeignetes wie Übernommenes neu ordnen und adaptieren, in seinen Besitz übernehmen. Ob nun dieses der richtige Weg ist oder nur einem Vorurteile entspricht, muss geklärt werden. Vielleicht als Spiel, wie Schiller sagt, oder eben in der Erkenntnis, lieber ein Narr zu sein, "der vom Leben was versteht. Warum nur liegt Friedells wahre Sicht so nah an Paulus (1Kor 3,18-20) und dem Gaukler von Leskow?

In fünf große Bücher unterteilt (Abschaffung des Genies; Psychopathologie des Schauspielers; Literaturpolizei; Sokrates der Idiot; Das Altertum war nicht antik), gibt Friedell einen wunderbaren Querschnitt durch das "Schaltwerk der Gedanken", dem solar plexus, dem Sonnengeflecht in uns, welches die wahren Entscheidungen trifft. Mit Schleichs Buch im Tornister betreibt er "seelische Brandstiftung", erinnert an den "magischen Idealismus" Novalis und findet in der Mystik die Überhöhung der Logik. Seine kurzen Essays sind eben von bestechender Logik, Klarheit und Faszination. Sein Feld, von Emotio und Ratio umfasst, wird bravourös aufgeblättert. Natur und Kunst, Realität und Fiktion werden als Paare in ihr Licht ihres Zeitgeschehen gestellt. Jede Beleuchtung gelingt, sehr häufig überraschend auf Grund der schnellen gedanklichen Wendung. Wenn schon des Menschen Wille Herrschsucht ist, dann umgeben ihn auch auch Schatten und Rätsel. Die Kunst der Verstellung, als Mimikri der Natur entnommen, ist jene Metamorphose, der sich der Mensch selbst unterstellt. Willentlich schafft er die Welt durch sein Ich, wie Fichte sagt und so ist Pascals: "Werdet Tiere!" jene Kunst der "sublimen Form des Willens zur Macht". In allem glänzt Friedell mit literarischer Beweisführung, mit antiker, ja zeitumfassender Lektüre. Aus der Welt der Schönheit, wie der hassende Künstler sagt, wächst die Welt der Wahrheit. Seine Essays sind eine Schönheit in Sprache und intelligentem Mix. Ob über Luther, Montaigne,Schopenhauer,Nietzsche oder Emerson, Friedell versteht es, den Leser zu fesseln, vielleicht auch deswegen, weil er eine Brücke schlägt in der Einfachheit der Evangelien: vom einfachen Naturmenschen zur Weisheit des Jahrtausendmenschen.

Nur wer über den Dingen steht, vermag sie zu belächeln. In der Tat, dieser Satz trifft auf Friedell zu. Als Schauspieler, Partylöwe und Nichtstuer bekannt oder verschrien, erlangte er mit seinem Buch: Kulturgeschichte der Neuzeit Weltruhm, ebenso wie mit dem Buch über die Kulturgeschichte Griechenlands. Wie jenes, ist aber auch dieses Buch Kurzweil zur Entspannung. Zwischen Humor, Ernst und dem Solar plexus, dem Schaltwerk der Gedanken, eben aus dem Bauch heraus, finden Sie eine lesenswerte Friedell-Lektüre.
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am 4. März 2008
Man kann den 1878 in Wien geborenen Juden Egon Friedell getrost als einen der klügsten Köpfe und genialsten Schriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Dabei hatte er es mit dem geforderten Bildungsniveau schwer. Sein Abitur bestand er erst im vierten Anlauf, seine Promotion im zweiten.

Dennoch griff er bei seiner schriftstellerischen Tätigkeit auf eine fast enzyklopädische Bildung zurück, die seine nun von Diogenes veröffentlichten ausgewählten Essays zu Geschichte, Politik, Philosophie, Religion, Theater und Literatur zu einem ganz außergewöhnlichen intellektuellen Erlebnis werden lassen.

Da Friedell nicht nur Schriftsteller war, sondern auch als Journalist, Schauspieler, Kabarettist und Kulturphilosoph tätig war, entfaltet sich in seinen Essays eine Bandbreite des Wissens, die mit Geistesblitzen, kühnen Gedankengängen und messerscharfer Logik nur so brilliert.
Obwohl über ein halbes Jahrhundert alt, liest man seine zeitlosen Essays wie Bemerkungen zur geistigen Situation der Gegenwart. Er pflegt dabei nicht immer strenge Objektivität. Er kann satirisch sein. Doch der Informations- und Bildungswert seiner Texte ist hoch, und unterhaltend und anregend zu lesen sind sie erst recht.

Immer wieder blitzt durch z.T. beißende Kritik die Gedankenwelt eines tiefgläubigen Christen jüdischer Abstammung, dem das aber nach dem "Anschluss" 1938 nichts half. Als am 16. März 1938, einen Tag nach Hitlers Einzug in Wien, zwei SA-Männer an Friedells Wohnungstür klingeln, springt der sechzigjährige Friedell aus dem dritten Stock in den Tod.
Man kann sich vorstellen, mit welcher Kritik er das überzogen hätte, was danach kam.

Seine Kulturgeschichte Ägyptens, des Alten Orients, Griechenlands und der Neuzeit bis zum Ersten Weltkrieg gehören auch heute noch zum besten Bildungsgut Europas und sind nicht nur deswegen immer noch lieferbar.

Egon Friedell ist ein Denker, der erst noch richtig (wieder)entdeckt werden muss. Diese in einer sehr ansprechenden Aufmachung verlegte Auswahl seiner Essays ist ein wichtiger Beitrag dazu.
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am 13. Februar 2014
Dem Diogenes Verlag sei dank, dass ich von einem der letzten großen und extravagenten Universal-Gelehrten noch knapp 600 Seiten in der Hand halten darf und dazu noch als ganz prächtige Ausgabe, gebunden und mit ausgefallen bemalten Schuber, das hätte ihm sicherlich gefallen. Thematisch springt oder fällt man in den “Brunnen der Vergangenheit“, mit Schwerpunkt aufs Theatralische, Dramatische, Ausgefallene, Aphoristische bis hin zum kleinsten Alltagsgegenstand. Titel wie “Das Altertum war nicht antik“ oder “Sokrates der Idiot“ lassen alles Mögliche erwarten, nur keine Langeweile oder vorsichtige Beliebigkeit. Dass sich manche Aussagen 1:1 wiederholen, stört dabei kaum, es handelt sich eben um eine gesamtheitliche Zusammenstellung. Vielleicht der ideale Friedell-Einstieg, also bevor man die Kulturgeschichte sich zur Brust nimmt.
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am 3. April 2013
Dies ist ein Hinweis zu zahlreichen Rezensionen, die ich geschrieben habe, jedoch von Ihnen nicht akzeptiert wurden. Leider wollen Sie mir vorschreiben, mit wieviel Worten das mindestens zu geschehen hat. Damit bin ich nicht einverstanden.
Dieses o.a. Buch entspricht übrigens meinen Erwartungen in jeder Hinsicht.
Wenn Sie einverstanden sind, daß ich meine Bewertung auch für die anderen Bücher nach meinem Gutdünken abgeben kann, will ich das gern tun.
Mit freundlichem Gruß
M.Schugt
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