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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Isolation
Auch ich kam über das ebenfalls gelungene Buch "Katzenzungen" zu "Kleine Schwester". Ehrlich gesagt, reiße ich mich nicht darum, Sozialstudien, und um eine solche handelt es sich hier, sehr gut in die Gedankenwelt eines Kindes verpackt, über schwerst vernachlässigte Kinder zu lesen. Borger und Straub, ein Duo, das ich im Auge behalten werde, ist jedoch...
Veröffentlicht am 19. Februar 2006 von Helga Kurz

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen gemischte Gefühle
Nach dem Lesen des Buches blieben gemischte Gefühle zurück... Es ist etwas gewöhnungsbedürftig ein Buch zu lesen, das im Stil einer 12-jährigen geschrieben ist. Die kurzen Sätze würden ja zu diesem Alter passen, nicht allerdings die fast schon philosophischen Gedanken und Metaphern. Auch der Ablauf der Handlung und die Chronologie der...
Veröffentlicht am 23. April 2009 von tinaklein


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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Isolation, 19. Februar 2006
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Gebundene Ausgabe)
Auch ich kam über das ebenfalls gelungene Buch "Katzenzungen" zu "Kleine Schwester". Ehrlich gesagt, reiße ich mich nicht darum, Sozialstudien, und um eine solche handelt es sich hier, sehr gut in die Gedankenwelt eines Kindes verpackt, über schwerst vernachlässigte Kinder zu lesen. Borger und Straub, ein Duo, das ich im Auge behalten werde, ist jedoch gleichermaßen mit Spannung und Entsetzen zu lesen. Schon früh kann man ahnen, wohin die Geschichte führen wird.
Die Pflegemutter ist labil, egozentrisch und verfügt über sehr unzureichende soziale Fähigkeiten, obwohl sie von Beruf Erzieherin ist. Ihr an sich sympathischer Mann liebt sie sehr, ist jedoch schwach und ordnet sich stets unter. Die leibliche Tochter, die "Große Schwester" aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, ist für ihr Alter zu alt, wie es viele Kinder sind, die im Grunde keinen Halt und keine Führung in ihrem jungen Leben erfahren. Und die "Kleine Schwester"? Die ist schwer verhaltensgestört, vielleicht auch debil.
Der Erzählung soll eine wahre Begebenheit zu Grunde liegen. Das ist leider leicht zu glauben, wenn man an entsprechende Zeitungsberichte, die in belastender Regelmäßigkeit erscheinen, denkt. Die Erzählung greift auch das Versagen von Jugendämtern auf; die mit dem Fall betraute Mitarbeiterin ist nicht kompetent und beim Ortswechsel bleibt die Zuständigkeit der unterschiedlichen Behörden auf der Strecke. Das Buch zeigt nachdrücklich aber auch die Hauptgefahr für derartige Ungeheuerlichkeiten in Familien auf: Die Isolation. Es ist einfach niemand da, der hinter die Kulissen dieser Menschen sieht. Zum einen natürlich, weil die Fassade, an der alle Familienmitglieder mitwirken, ja genau das bewirken soll. Zum anderen aber auch, weil wir, "die Gesellschaft" uns nur allzu gerne mit der Oberfläche zufrieden geben. Alles andere ist unbequem, zeitaufwendig und verlangt unter Umständen unangenehme Einmischung.(Warum trinkt die Kollegin bereits am Vormittag? Warum schreibt ein kleines Mädchen einen merkwürdigen Aufsatz?) Auch die Schwester der Pflegemutter, die ein sehr realistisches Bild von der Situation hat, ergreift lieber die Flucht und bleibt weg, als sich die Situation zuspitzt. Das Buch endet wie befürchtet. Traurig. Niemand hat das gewollt. Aber es ist passiert. Und es wird wieder passieren.
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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Warum?, 26. Januar 2003
Von 
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich wollte ich ja nur mal ein leichtes Buch für Zwischendurch lesen. Weit daneben gegriffen! Dieses Buch entwickelt einen Sog und eine Spannung, dass man es nicht mehr aus der Hand legen mag. Und trotzdem blieb am Ende eine etwas schales Gefühl zurück, von dem ich nicht weiß, liegt es an der beinahe unerträglich spannenden Geschichte, die wohl niemanden unberührt lässt, oder liegt es daran, dass ich mir beim Lesen wie eine Voyeuristin eines schrecklichen Geschehens vorkam.
Die zwölfjährige Lilly sitzt in der Polizeiwache und wird befragt, nachdem ihre Eltern Carl und Ela festgenommen wurden. Sie schweigt, lässt aber gedanklich die schrecklichen Ereignisse, die sich in der Familie wie eine nicht abzubremsende Achterbahnfahrt ereigneten, Revue passieren. Dabei begann alles so harmonisch. Ela, Carl und Lilly dar "Urbild" einer Bilderbuchfamilie. Lilly vergöttert ihre beiden Eltern, die sich nur Ela und Carl nennen darf, und fühlt sich geborgen. Den ersten Einbruch in diese Idylle gibt es, als Lilly infolge eines Selbstmordversuchs von Ela, die sich nicht damit abfinden kann, dass sie kein zweites Kind mehr bekommen kann, mehrere Monate während des Krankenhausaufenthaltes der Mutter bei der strengen, aber gerechten Großtante Bella verbringen muss. Sie ahnt, dass sich etwas Schlimmes ereignet hat, die Wahrheit wird ihr aber bewusst vorenthalten. Fröhlich und voller Tatendrang kommt Ela wieder zurück nachhause, von dem Wunsch besessen jetzt und sofort eine Pflegetochter zu bekommen, damit die Familie "komplett" ist und überhört sämtliche Vorbehalte der Familie. Schnell ist eine "geeignete" Pflegetochter gefunden, die als erstes direkt umbenannt wird, und fortan Lotta heißt. Dieses Mädchen entwickelt sich nun aber nicht so, wie Ela das erwartet hat. Sie macht in die Windeln, bevorzugt nur Breinahrung und spricht wenig, ein entwicklungsverzögertes Kind, das Förderung und viel Liebe benötigt um den Rückstand wieder aufzuholen. Ela, die sich zunächst Mühe gibt, das Kind zu integrieren, resigniert bald, fühlt sich überfordert und ist zutiefst enttäuscht von dem nicht ihren Erwartungen entsprechenden Kind. Hinzu kommt ein Umzug und eheliche- und finanzielle Probleme. Carl, der eine Umschulung macht und ansonsten nur an seinem Motorrad rumbastelt, der Ela aber gleichzeitig ergeben ist, und ihr keinen Wunsch abschlagen kann, ist letztlich auch nur an sich selbst interessiert. Ela kapselt sich in dem neuen Haus ein und geht jedem Kontakt, sowohl zur Familie als auch in der Nachbarschaft aus dem Weg. Sie verliert bald ihre Stelle als Kindergärtnerin und spricht mehr und mehr dem Alkohol zu und gleitet ab. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf......
Mehr soll hier nicht vom Inhalt verraten werden. Bei all dem stellt sich mir immer wieder die Frage: Warum?
Warum blicken alle weg, die Familie, das Jugendamt, die Nachbarn, die Lehrer, obwohl Lilly, die Einzige, die sich noch um die "kleine Schwester" kümmert, in ihrer Angst umd Sorge doch deutliche Signale gibt, aber aber aus Loyalität gegenüber ihren geliebten Eltern nicht wagt deutlicher zu werden? Erst im letzten Moment versucht sie die Tragödie abzuwenden.
Warum mussste es erst so weit kommen, bevor eingegriffen wurde?
Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten d.h. aus einer Prozessgeschichte, die im Spiegel veröffentlicht wurde und macht somit das Lesen dieser Familientragödie noch unerträglicher.
Das Buch ist in einer kindlich-schlichten Sprache geschrieben, der Sprache Lillys: "Ich glaub, dass jedem Menschen auf der Welt alles passieren kann, daß er ganz schreckliche Dinge tut, die er eigentlich garnicht tun will." Wir sind nur irgendwie ins Unglück geraten, alle zusammen. Wir haben nie etwas Böses gewollt, wir wollten nur eine glückliche Familie sein, sonst nichts."
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unglaublich, tragisch - Emotionen pur!, 11. Oktober 2005
Von 
Wolfgang Gonsch (Passau) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Taschenbuch)
Eigentlich fing ja alles ganz harmlos an: Ela wünscht sich ein zweites Kind um aus ihnen eine "richtige" Familie zu machen. Nach zahlreichen Versuchen sowie einem Selbstmordversuch stellt sich heraus dass Carl keine Kinder mehr zeugen kann. So beschließen die Eltern ein Pflegekind aufzunehmen. Die fünfjährige Lotta wird mit viel Liebe und Enthusiasmus aus dem Kinderheim geholt - alles scheint perfekt zu sein. Leider gebärdet sich Lotta nicht so wie es sich die Erzieherin Ela sich das vorstellt und die anfängliche Begeisterung schlägt sehr bald ins Gegenteil um.
Carl ist mit den nun folgenden tragischen Ereignissen um ihn herum völlig überfordert und widmet sich nur noch seinem Motorrad und der Umschulung zum Krankenpfleger; Die schöne aber neurotische Ela verliert wegen Trunkenheit ihre Stellung im Kindergarten. Das wiederum löst nicht nur finanzielle, sondern auch weitere emotionale Probleme aus - für Ela ein weiteren Anlass zur Flasche zu greifen. Nur die zwölfjährige Lilly kümmert sich noch ab und zu um die im Keller dahinvegetierende Lotta.
Borger und Straub setzen den Roman an als Ela und Carl von der Polizei abgeholt werden. Auch Lilly wird zur Befragung in das Präsidium mitgenommen. Die Polizei will von ihr erfahren wie sich diese Tragödie ereignen konnte und warum sie nichts dagegen unternahm.
Doch wie begann diese Katastrophe, wie und warum wurde diese Familie zu einem unberechenbaren Monster? Berichtet wird diese Tragödie aus der Sicht und auch mit den einfachen Worten der zwölfjährigen Lilly, ohne übertriebene kindliche Naivität, in kurzen prägnanten Sätzen. Obwohl sie stumm vor der Vernehmungsbeamtin sitzt lässt sie uns teilhaben am Ablauf der Geschehnisse und beginnt zu begreifen, dass diese unglaublichen Vorgänge um sie herum ungewollt aber doch so menschlich wie nachvollziehbar sind. Vorverurteilungen sind hier völlig unangebracht, es steht immer nur die einzige Frage im Raum: "Warum?". Das Ungeheuerliche und das völlig normale sind untrennbar miteinander verbunden, Abgründe tun sich auf.
Flüssig und spannend geschrieben versinkt dieser Entwicklungsroman nie in Voyeurismus, er macht nachdenklich und betroffen. Die Stimmungslage pendelt ständig zwischen Verständnislosigkeit und Mitleid, zwischen absoluter Abscheu und Mitgefühl. Obwohl man von der ersten Seite an die schwären Schatten ahnt, entwickelt sich die Handlung scheinbar harmlos; erst spät merkt der Leser dass sich das Schreckliche nicht mehr abwenden lässt. Dieser Psychothriller lässt einen nicht mehr los - auch nicht nach dem letzten Satz; schockierend real zeichnet er den langsamen und unaufhaltsamen Zerfall einer heilen Familie nach - keine Verbrecher, nur Opfer - kein Happy End!
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein kleiner Geheimtipp!!!!!!!!sehr empfehlenswert!!!!!!!!!!!, 3. Juni 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Gebundene Ausgabe)
Diese Geschichte wird aus der Sicht der zwölfjährigen Lilly erzählt. Ihre Eltern heißen Ela und Karl. Ihre Kindheit verläuft anscheinend ganz normal. Doch irgendwann will Ela ein zweites Kind, damit sie eine richtige Familie werden. Das klappt schließlich nicht auf normalen Wege und eines Tages muss Lilly zur ihrer Tante ziehen, weil Ela angeblich krank ist (Selbstmordversuch?).
Sie hat Monate so gut wie keinen Kontakt mit ihren Eltern. Sie wird aber doch wieder abgeholt.
Ihre Eltern eröffnen Ela dann, dass sie ein Kind adoptieren wollen. Man könnte meinen, dass nun alles gut verläuft. Doch das Kind entspricht nicht gerade den Vorstellungen Elas und das Unglück nimmt weiter seinen Lauf.
Ich finde in diesem Buch wird erschreckend gut geschildert, wie es zum blitzartigen Verfall von moralischen Werten kommt und wie so gut wie jegliches Mitgefühl in den Handelnden verloren geht.
Das Buch wirft gleichzeitig die Frage auf, wie es passieren kann, dass Jugendamt, Nachbarn oder andere Menschen nie irgendwas von der Tragödie, die sich im Haus von Lilly abgespielt hat gemerkt haben.
Insgesamt gesehen ist den Autoren hier ein sehr starkes Buch gelungen, dass ja auf einer wahren Begebenheit beruht, wodurch einem das Buch noch mehr packt. Sehr empfehlenswert!!!!!!!!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von viel zu erwachsenen Kindern und unreifen Eltern, 15. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Taschenbuch)
Mein Gott, was für eine Geschichte! Was für ein menschlicher Abgrund! So etwas kann man eigentlich kaum in Worte fassen, und das Autorinnenduo macht es geschickt, indem es die "große Schwester", die 12jährige Lilly, in ihren Erinnerungen wühlen lässt - denn aus der Sicht eines unbeteiligten Erwachsenen, der zwangsläufig zum "Richter" würde, kann man so eine Geschichte kaum gut schreiben! Eine Geschichte, die von Eltern handelt, die mit aller Gewalt "progressiv" sein wollen, die man nicht mit "Mama" und "Papa", sondern mit ihren Vornamen anreden soll, die alle anderen Menschen für "Spießer" halten und selbst doch am allerspießigsten sind in ihrer Selbstgerechtigkeit. Vor allem aber sind sie absolut unreif - die Mutter regelrecht psychotisch und auf ewig in ihrer Teenie-Mentalität gefangen, der Vater zwar gutmütig und für sich genommen sicher auf einem festeren Untergrund stehend, jedoch über die Jahre co-psychotisch geworden und nicht mehr in der Lage, selbstständig zu denken, geschweige denn zu handeln. Und dann Lilly: Ein einsames Mädchen in der Vorpubertät, viel zu erwachsen für ihr Alter, mehr die Aufpasserin ihrer Eltern als deren Kind, immer in Angst, dass die schillernde Mutter wieder ausrastet, überhaupt dauernd in Angst, dass die Fassade bricht, für deren Erhalt sie so arbeitet. Lilly, die niemanden hat, außer ihre unreifen Eltern, und die durch die Pläne und Handlungen dieser Eltern letztlich immer wieder gesagt bekommt: "Es genügt immer noch nicht, was du tust, wie du bist, was du bist. Du genügst uns nicht, du reichst uns nicht, wir brauchen noch mehr von dir." Und Lilly könnte noch so viel von sich geben, noch so viel opfern - es würde nie reichen. Bezeichnend ist, dass Lilly in ihren Erinnerungen immer wieder zu Tante Bella zurückkehrt - die Großtante, bei der sie eine Zeitlang untergebracht war und bei der sie sich eigentlich nicht besonders wohl fühlte. Zumindest dachte sie das. Aber im nachhinein spürt sie, dass das eigentlich die Zeit war, in der sie sich sicher fühlte. Lillys Eltern lieben Lilly - und später dann Lotta, die eigentlich Dagmar heißt - nicht um ihrer selbst Willen. Lillys Eltern brauchen Kinder, um sich selbst gut zu fühlen, um sich selbst zu spiegeln, um sich selbst zu spüren. Und vordergründig geht es in diesem Buch in erster Linie um die "kleine Schwester", die eben kein Kind ist, mit dem man sich per se "gut fühlen" kann, weil sie retardiert ist und überhaupt nicht den Erwartungen entspricht, kein Kind zum Vorzeigen eben! Die Geschichte von Lotta ist schrecklich und grausam genug. Aber: Es geht auch um den Missbrauch an Lilly, um die Illoyalität dem eigenen Kind gegenüber, und das wird erst in zweiter Linie wirklich klar! Es geht hier um zwei Kinder, die um ihre Kindheit betrogen werden, weil ihre Eltern Egomanen sind. Lilly liebt ihre Eltern sehr,(was bleibt ihr auch anderes übrig - sie hat ja sonst niemanden!) aber sie weiß auch um deren menschliche Schwäche, und unterschwellig wird ihr nach und nach bewusst: Wäre sie genauso wie Lotta, hätte sie ihren 12. Geburtstag wohl nicht erlebt. Und das gibt ihr am Ende vielleicht den Mut, im letzten Moment die Reißleine zu ziehen. Sie forciert eine Lösung und ist wieder einmal bereit, die gesamte Bürde der Verantwortung und der "Schuld" zu tragen. Ihre Eltern lassen sie wieder allein - wie immer!
Sprachlich ist das Buch sehr gut, psychologisch sowieso - dennoch schämt man sich als Rezensentin fast, 5 Sterne zu vergeben, denn 5 Sterne sind gleichbedeutend mit "I love it", und die Geschichte als solche kann man eigentlich nicht lieben, so schrecklich, grausam und fürchterlich ist sie! Und leider nur allzu wahr - dem Buch liegt eine wahre Begebenheit zugrunde, und generell gibt es in der Realität zuviele "Lottas", zuviele Leute, die wegsehen und nicht wissen wollen, zuviele Ämter, die ihren Pflichten nicht nachkommen, zuviele Eltern, die unfähig sind (ohne es zunächst "schlecht" machen zu wollen, das unterstelle ich gar nicht. Aber Kinder sind eben nie so, wie Eltern sich das vorstellen - Kinder sind so, wie es ihnen entspricht, und das können manche Eltern nicht ertragen) Dieses Buch vergisst man nie mehr, und man muss es mit einem fast sezierenden, kühlen Verstand lesen, man muss emotional eine Wand um sich herum errichten, sonst erträgt man es nicht. Es ist eines der ungeheuerlichsten Bücher - im wahrsten Sinne des Wortes! - die ich kenne! Man kann wohl von keinem Buch sonst sagen: "Mir wird übel beim Lesen, und trotzdem ist das Buch unglaublich gut!"
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschreckend ergreifend!, 19. Mai 2007
Von 
gizm03 "gizm03" (Teneriffa / Santa Barbara) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Taschenbuch)
Erzählt wird aus Sicht der 12-jährigen Lilly, die uns die Geschichte ihrer Familie schildert:

Lilly lebt glücklich mit ihren Eltern Ela und Carl. Doch die Eltern wünschen sich zum vollkommenen Glück noch ein zweites Kind, leider klappt es aber nicht auf dem biologischen Weg. Da es Lillys größter Wunsch ist, die Eltern glücklich zu machen, stimmt sie zu, dass sie ein Pflegekind zu sich holen wollen - und so kommt die 5-jährige Lotta in die Familie.

Lotta ist von Anfang an kein einfaches Kind, sie spricht nicht, ist verschreckt. Anfangs schieben alle das Verhalten auf die veränderte Situation des Kindes. Gerade Ela, gelernte Kindergärtnerin, ist sicher, dass Lotta sich schon bald in der Familie wohlfühlen und sich öffnen wird - man muss nur Geduld haben.

Dann verliert Carl aus gesundheitlichen Gründen seinen Job; die Familie muss umziehen, damit sie finanziell weiterhin über die Runden kommen können. Für alle beginnt eine neue Zeit: Carl schult um zum Krankenpfleger, Ela sucht einen neuen Job und kümmert sich bis dahin um die Kinder und Lilly kommt auf eine neue Schule.

Die Sitaution beginnt zu eskalieren, als auffällt, dass die kleine Lotta tatsächlich zurück geblieben ist und immer mehr seltsame Wesenszüge annimmt sich statt weiter eher zurück entwickelt.

Die anfängliche übertriebene Verwöhnung der Pflegetochter wandelt sich langsam aber sicher hin zur Verwahrlosung, denn Elas größte Angst ist, dass Jugendamt oder Nachbarn etwas davon mitbekommen könnten.

Ela flüchtet sich in den Alkohol, Carl in seine Arbeit und die Hilflosigkeit gegenüber seiner Frau und der ganzen Situation. Allein Lilly macht sich Gedanken um ihre Pflegeschwester, doch auch sie ist überfordert mit der Situation.

Die ganze Situation eskaliert in ein unglaubliches Drama - bis Lilly versucht, ihre Familie zu retten....

Das Buch habe ich bereits zum zweiten mal gelesen - und jedesmal betrifft es mich aufŽs Neue! Als Leser entwickelt man langsam aber sicher eine unglaubliche Wut auf Ela, Unverständnis gegenüber Carl und Mitleid für Lilly. Das Schlimme an der Geschichte ist, dass es auf einer wahren Begebenhet beruhen soll - und do unglaublich sie sich manchmal auch liest: wenn man sich die immer häufiger auftauchenden Berichte in den Medien ansieht, so ist diese Geschichte leider kein erfundener Einzelfall.

Erschreckend auch, wie sehr die Behörden hier versagt und die Augen einfach verschlossen haben!

Das Buch nimmt den Leser mit, wühlt auf, löst verschiedene Emotionen aus - man kann es einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Unbedingt empfehlenswert!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörend und unglaublich spannend, 23. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Taschenbuch)
Nein, ein "Strandkorbbuch" ist "Kleine Schwester" ganz sicher nicht. Aber wenn ich zehn Bücher nennen sollte, die mich am meisten beeindruckt haben, dann wäre dieses definitiv darunter. Gleich von der ersten Seite an entfaltet dieses Buch einen Sog, dem ich mich einfach nicht enziehen konnte, bis ich es bis zu seinem bitteren Ende verschlungen hatte. Im Gegensatz zu einigen Vorrezensenten empfinde ich die Erzählweise der 12-jährigen Lilly keinesfalls als aufgesetzt, sondern war im Gegenteil fasziniert, wie es den Autorinnen gelungen ist, die Denkweise eines intelligenten, sensiblen Mädchens in diesem Alter so treffend wiederzugeben. Mich hat auch die durch die kindliche Perspektive bedingte Einfachheit der Erzählweise nicht gestört, weil sie hier einfach passte. Man sieht den Abgrund, auf den die Familie sich zubewegt, und fragt sich die ganze Zeit, warum denn niemand etwas bemerkt, warum niemand einschreitet, und spürt Lillys Zerrissenheit zwischen der bedingungslosen Liebe zu der labilen Mutter und dem Bedürfnis, Lotta zu retten. Ich fand die Figuren unheimlich vielschichtig, selbst für die "Rabenmutter" Ela konnte ich ansatzweise Verständnis aufbringen, auch wenn ihr Verhalten natürlich keineswegs entschuldbar ist. Angesichts all der Fälle von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung, die in den Medien allgegenwärtig sind und die dafür sorgen, dass man die Namen der Einzelschicksale viel zu schnell vergisst, fand ich es unglaublich interessant, eine Geschichte zu lesen, die hinter einem solchen Fall stecken könnte.
Beeindruckend fand ich auch, dass die beiden Autorinnen wie aus einem Guss schreiben, man merkt überhaupt keine Übergänge zwischen den Teilen der einzelnen Autorinnen.
Insgesamt ein unglaublich spannendes, beeindruckendes, verstörendes, tief trauriges Buch, das noch lange nachhallt. Ich habe es bereits mehrere Male gelesen - und das tue ich nicht bei vielen Büchern.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn es wirklich so schlimm ist, wär es dann nicht besser, ihr gebt sie zurück?", 14. September 2014
Von 
Felix-ine (ca. 2 km von der schönen und grünen Uni-Stadt Oldenburg entfernt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Taschenbuch)
Als die zwölfjährige Lilly Jessen in Niederbroich von der Schule kommt, stehen vor ihrem Haus Polizeiautos, ein Notarztwagen und Nachbarn. Sie hat es geahnt.

Es sollte doch alles so schön werden. Nachdem ihre Mutter Ela durch die anscheinend berufsbedingt auftretende Zeugungsunfähigkeit ihres Mannes Carl keine Kinder mehr bekommen kann, verfällt sie in eine Neurose mit anhaltender Verhaltensanomalie. Sie begibt sich in Therapie und alles scheint gut zu sein.

Ela ist von Beruf Kindergärtnerin, Carl Malermeister mit eigenem Betrieb und Haus. Alles könnte so schön sein, die Familie liebt sich.

Doch dann beschließen ihre Eltern auf Elas Drängen ein Kind zu adoptieren und bekommen nach Anfangsschwierigkeiten von der Behörde die Zusage. Aus einem Kinderheim wird die fünfjährige und schüchterne Dagmar als Pflegekind zu ihnen in die Familie geholt. Ab sofort wird Dagmar auf Elas Anweisung nur noch Lotta genannt. Sie wollen jetzt eine richtige Familie sein – es beginnt eine Katastrophe.

Das 216 Seiten umfassende Buch von Borger & Straub hat es in sich, berührt, fesselt und macht fassungslos. Obwohl Ela von Beruf Erzieherin ist, hat sie wenig soziale Fähigkeiten und erkennt zumindest am Anfang nicht, dass Lotta ein für ihr Alter stark zurückgebliebenes und verhaltensgestörtes Kind ist, deren Eltern Alkoholiker sind.

Ela ist labil, reagiert hysterisch und ist mit Lotta total überfordert, versteckt das unter sich machende und ständig erbrechende Kind. Sie ekeln sich vor ihr und die Familie begibt sich in eine selbst gewählte Isolation. Ela hat panische Angst vor der Offenbarung bekennen zu müssen, dass sie mit dem Kind nicht fertig wird, und das als ausgebildete Erzieherin. Es sind viele Faktoren die das Leben dieser Familie aus den Fugen geraten lassen.

Ein Ortswechsel, eine Umschulung von Carl zum Krankenpfleger, die schlaflosen Nächte durch Lotta. Ela ertrinkt ihre Schwierigkeiten selbst im Kindergarten in Alkohol, was nach der Entdeckung zu einer fristlosen Kündigung führt. Finanzielle Schwierigkeiten sind die Folge. Die Familie gerät in einen Sog des Abgleitens und der Selbstzerstörung. Mittendrin ist Lilly, von der alles abverlangt wird und sie als große Schwester alles ertragen und auffangen soll.

Dem Buch soll eine wahre Begebenheit zu Grunde liegen. Die Erzählung deckt das Versagen des Jugendamtes auf und es macht fassungslos, dass nie nach Lotta gesehen wurde. Das Buch endet sehr realistisch und bedeutet für Lilly den Untergang ihrer Familie. Ich hatte es in zwei Tagen gelesen und bin gedanklich immer noch davon erfasst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen beruht auf einer wahren Begebenheit, 12. April 2009
Von 
Chaostante - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Taschenbuch)
"Wir sind nur irgendwie ins Unglück geraten, alle zusammen. Wir haben nie etwas Böses gewollt, wir wollten nur eine glückliche Familie sein, sonst nichts."
Mit diesen kindlichen Worten wird uns die Geschichte von der Ich-Erzählerin "Lilly" geschildert.
Jetzt sitzt Lilly vor einem Polizeibeamten und schweigt und sämtliche Versuche sie zum reden zu bringen scheitern. Die 12jährige Lilly kann sich die unerbittliche Chronologie der Ereignisse, die zu dem Unglück geführt haben selbst nicht erklären. Sie kann sich nur erinnern und so schildert sie uns die verstörenden Ereignisse, aber auch die vielen Glücksmomente mit ihren Eltern.

Beim lesen des Buches wird einem sehr schnell klar was die Familie in dieses Unglück gestürzt hat.
Erst der unerfüllte Kinderwunsch von Lillys Mutter Ela. Sie hat sich so sehr zum vollkommenen Familienglück ein zweites Kind gewünscht. Doch Carl, Lillys Vater kann durch eine Krankheit keine Kinder mehr zeugen. Erst als sich die Familie entschließt ein Kind zu adoptieren scheint die Familienidylle wieder perfekt.
Dagmar wird ausgesucht weil sie so süß ist, deren Vergangenheit scheint Ela völlig egal zu sein, sie kann weder richtig sprechen, noch essen. Zu Hause angekommen wird sie erst einmal umgetauft, Dagmar ist kein schöner Name, so soll die fünfjährige Dagmar ab sofort Lotta heißen. Dann zeigen sich auch schon die ersten Schwierigkeiten, Lotta ist zurückgeblieben und muss sich häufig übergeben und kann sich nicht richtig artikulieren. Was dieses Kind eigentlich bräuchte ist Geduld und Einfühlungsvermögen, am Anfang scheint es auch, dass Carl und Ela damit fertig werden, aber das ist nur Illusion.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannung bis zum bitteren Ende, 6. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Kleine Schwester (Gebundene Ausgabe)
Selten ein Buch gelesen, bei dem man mit zunehmender Seitenzahl mehr und mehr die Luft anhält. Unfassbar, wie sich aus ganz normalen Situationen und Bedürfnissen, Umstände entwickeln können, die für die Beteiligten immer mehr als normal und angemessen gehalten werden, die dem Leser jedoch das Herz abschürt.
Die Spannung bleibt bis zum Schluss vollständig erhalten und das Dilemma wird nicht vollständig aufgelöst.
MEHR ALS EMPFEHLENSWERT!!!!!
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Kleine Schwester
Kleine Schwester von Maria E Straub (Taschenbuch - September 2004)
EUR 9,90
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