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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle guten Dinge sind drei
In einem Alter, in dem sich die meisten Menschen schon zur Ruhe gesetzt haben, muss Selb, trotz gesundheitlicher Beschwerden, weiter arbeiten. Seine Rente ist mager, allerdings bietet man ihm selten lukrative Jobs an - wer will schon einen 70-jährigen Body-Guard. Da kommt ihm der Auftrag des Privatbankiers Welker, einen während des Dritten Reiches verschollenen...
Veröffentlicht am 5. Oktober 2005 von Wolfgang Haan

versus
23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Roman in teils zusammenhanglosen Teilen
Ich habe Schlinks Roman zuerst gelesen, weil ich lange in Heidelberg gelebt habe. Dann war ich vom Vorleser und Selbs Geschichten begeistert. Jetzt hat Schlink viele Gedanken verarbeiten wollen: das Altwerden, die deutsche Befindlichkeit und die jüdische Geschichte in Deutschland. Verdienstvoll. Literarisch hat es Schlink aber nicht miteinander verweben können...
Am 23. Oktober 2001 veröffentlicht


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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle guten Dinge sind drei, 5. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einem Alter, in dem sich die meisten Menschen schon zur Ruhe gesetzt haben, muss Selb, trotz gesundheitlicher Beschwerden, weiter arbeiten. Seine Rente ist mager, allerdings bietet man ihm selten lukrative Jobs an - wer will schon einen 70-jährigen Body-Guard. Da kommt ihm der Auftrag des Privatbankiers Welker, einen während des Dritten Reiches verschollenen stillen Teilhaber jüdischer Herkunft zu finden, gerade recht.
Doch was als geruhsames Schnüffeln in alten Archiven anfängt, kippt schnell in einen brisanten Krimi. Der alte Archivar des Bankhauses wird ermordet und Welkers Geschäftsführer Samarin entpuppt sich als Mitglied der Russen-Mafia.
Es ist ein Buch über das damit Abfinden, dass man Altert, dass man abgeschoben wird und zum Alten Eisen gehört. Und über den Umgang eines kämpferischen Alten, der sich diesem Zwang nicht beugen will, trotz seiner körperlichen Beschwerden.
Es ist auch wieder ein politisches Buch: Geldwäsche, Enteignung von Juden im Dritten Reich, Russenmafia, der Zusammenbruch der ehemaligen DDR. All dies sind Themen, die Schlink gekonnt anreisst, in seine Story einbaut und es dann dem Leser überläßt, die Gedanken weiter bis zum Ende zu spinnen.
In seinem gewohnten Schreibstil läßt uns Schlink am Lebensabend von Selb teilhaben.
Ein ungewöhnlicher Krimi, der in keiner Sammlung fehlen darf.
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Roman in teils zusammenhanglosen Teilen, 23. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe Schlinks Roman zuerst gelesen, weil ich lange in Heidelberg gelebt habe. Dann war ich vom Vorleser und Selbs Geschichten begeistert. Jetzt hat Schlink viele Gedanken verarbeiten wollen: das Altwerden, die deutsche Befindlichkeit und die jüdische Geschichte in Deutschland. Verdienstvoll. Literarisch hat es Schlink aber nicht miteinander verweben können. Die Überfrachtung mit der russischen Mafia macht eine Befassung mit den deutsch-deutschen Verlierern nicht möglich. Selb scheint der Sache insgesamt nicht gewachsen zu sein. Aber der Autor hätte deshalb eher den Überblick behalten sollen um Selbs Erfahrungen klarer und erzählerisch logischer, überschaubarer aufzubauen. Wer den Vorleser kennt, ist hier etwas enttäuscht. Durchschnittliche Kriminalromane gibt es viele, dazu hätte es Selb III nicht bedurft. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, Schlink hatte wieder eine grosse Fülle interessanten Stoffs. Aber diesmal hat er ihn nur fast lieblos aneinander gereiht. Beispielsweise hängen die beiden Stürze ins Berliner Wasser völlig in der Luft. Warum sagt Selb auch hinterher und vor dem zweiten Mal nicht was ihn bewegt, was er anders machen will und warum? Und vor allem: was hat es mit der Geschichte zu tun? Das nächste Mal möge sich der Autor wieder mehr anstrengen. Er kann es ja als einer der besten zeitgenössischen Erzähler.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Selbs Herlichkeit, 29. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord (Taschenbuch)
In diesem dritten Buch über den Mannheimer Privatdetektiv Selb wird deutlich, dass es sich um eine Trilogie handelt und somit ein Abschluss der Thematik Selb erreicht ist.
Selbs Alter wird in dem Roman nie genau genannt (er wird von einem Gesprächspartner „alter Kacker" geschimpft), aber er müsste so um die 70 sein. Aufträge erhält er nicht mehr viele und gesundheitlich geht es ihm schlecht. Somit wird sein letzter Fall, den er zufällig erhält, als er einem Autofahrer bei einer Panne behilflich sein kann, zunächst eher beiläufig erzählt. Er soll eine kleine Nachforschung für eine Schwetzinger Privatbank erledigen. Allerdings fallen ihm bei seinen Nachforschungen einige Merkwürdigkeiten auf, sodass er immer tiefer in die Geschichte eintaucht und dabei aufregende Details herausfindet, die sich im Bereich deutsche Wiedervereinigung, Russenmafia und Ossi-Abzocke bewegen. Irgendwann übersteigt Selbs persönliches Interesse den ursprünglichen Auftrag und die Dinge gewinnen eine eigene Dynamik.
Da ich lange Zeit in Mannheim gewohnt und gearbeitet habe, gefällt mir an dem Buch zunächst einmal der große Wiedererkennungswert in der Beschreibung der Stadt. Weiterhin habe ich die beiden ersten Selb-Bücher gelesen und fand sie gut und drittens ist Schlinks Prosa in ihrer knappen, aber treffenden Form sehr lesenswert.
Nicht gefallen hat mir an dem Buch, dass die Krimihandlung, die furios und spannend startet, etwa zur Hälfte des Werkes doch deutliche Längen aufweist und ein leichtes Gähnen des Lesers nicht verhindern kann.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Versöhnlicher Abschluß, 30. Juni 2005
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord (Taschenbuch)
„Am Ende" sind das erste und das letzte Kapitel dieses abschließenden Romans der Trilogie überschrieben. Selb ist über siebzig, hat gesundheitliche Probleme, verschließt die Zigaretten im Schrank, um den Weg zum ersten Zug zu verlängern, aber eigentlich ist er sich mehr als bewußt, daß die Zeit verrinnt. Seine Welt verringert sich, auch physisch; die Freunde sterben weg. Einzig Dauerfreundin Brigitte, die noch immer auf den Antrag wartet, scheint verläßlich zur Seite zu stehen.
Zufällig lernt Selb den Bankdirektor Welker kennen, dem eines der wenigen privaten Bankhäuser gehört, die es über die Rezession und den zweiten Weltkrieg hinweg geschafft haben - allerdings nicht ganz ohne fremde Hilfe. Es gab einen stillen Teilhaber, und Selb wird beauftragt, das Geheimnis um diese graue Eminenz zu enthüllen. Doch das ist nur ein Ablenkungsmanöver. Bald steht der alte Detektiv in einem Sumpf aus Geldwäsche, dubiosen Ostgeschäften und Mord.
Das letzte Buch der Serie stimmt versöhnlich und knüpft an die fulminante sprachliche und erzählerische Dichte des ersten Teils an. Insgesamt stellt sich die Selb-Trilogie dieserart als überaus lesbare, politisch ambitionierte und genau beobachtete Krimireihe dar, die zugleich anspruchsvoll und leicht daherkommt, dabei einige dunkle Kapitel auch der jüngeren deutschen Geschichte beleuchtet, ohne den Zeigefinger zu heben.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gemischte Gefühle, 13. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bisher hatten mir alle Schlink-Bücher recht gut gefallen und ich habe mich sofort auf den neuesten gestürzt.Auch hier versteht es der Autor wieder,spannend zu schreiben,man liest bis zur letzten Seite durch.Immer wieder läßt er Anmerkungen über das Altern einfließen,die an Hand der Hauptfiguren nachvollziehbar sind.Den Kriminalfall empfand ich als interessant vom Thema her,allerding etwas unglaubwürdig in den Aktionen des privat entstandenen Rentner-Kommandos.Bei den Schilderungen des ehemaligen Ostens bleibt beim Leser der Eindruck,der Autor habe sämtliche bestehenden Klischees in einen Topf geworfen und gleichmäßig über das Buch verteilt.Zweimal an der gleichen U-Bahn-Station von verschiedenen Jugendbanden in den Kanal geworfen zu werden,kann ja nur Ironie sein?Ansonsten scheint sich der Osten für Korruption anzubieten,denn seine Bewohner sind entweder lächerliche(Karl-Heinz Ulbrich) oder tragische(Vera Soboda)Figuren.Also,am Ende bleiben gemischte Gefühle.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut geschrieben und interessant, 23. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit Selbs Mord, dem letztem Selb Buch, hat Bernhard Schlink ein gutes und interessantes Buch geschrieben. Allerdings sind meiner Meinung nach manche Geschehnisse aus früheren Kriminalromanen von Schlink abgeschaut. Der Autor versteht es, Informationen über deutsche Geschichte oder über das Altern in einen Kriminalroman einzubauen. Der zusehr spannende Roman ist aber etwas kurz geworden, und im dritten Teil fällt die Spannung ab und der Leser meint, die Geschichte sei schon zu Ende.
Aber zu guter letzt ein gutes und interissantes Buch von einem der zur Zeit besten deutschen Schriftstellern.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Letzter Fall eines alternden Privatdetektivs, 4. September 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord: Roman (Gebundene Ausgabe)
Gerhard Selb ist alt geworden. Kein Vergleich mehr zu Selbs Justiz oder Selbs Betrug. Kaum erholt vom letzten Herzinfarkt soll er seinen letzten Fall bekommen. Der allerdings ist nur ein Vorwand um die Machenschaften des Auftraggebers zu vertuschen. Der alte Selb fällt natürlich darauf hinein und - so scheint es zunächst - löst den Fall schon nach 50 Seiten. Dem schlauen Leser ist klar, dass es noch ein Nachspiel gibt (sonst wäre das Buch schließlich schon zu Ende). Was auf den nächsten 200 Seiten passiert, ist allerdings so konstruiert, dass das Lesen beschwerlich wird. Ein stiller (jüdischer) Teilhaber des Bankenchefs, eine Bankfiliale in Cottbus, Geldwäsche und ein Guter aus dem ein Bösewicht wird- ist das der Stoff, aus dem ein guter Krimi wird? Nein, vielleicht ist er etwas für Menschen, die Probleme mit dem Älterwerden haben und nicht wissen, ob sie einen weiteren Herzinfarkt überleben werden. Der weithin beschworene Umgang mit der jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit findet bisweilen auch nur in Klischees statt, wenn Selb nämlich auf zwei Berlin-Reisen einmal von Neonazis und einmal von Autonomen in ein und denselben Fluss geworfen wird. Es ist das Beste für uns alle, dass dies Selbs letzter Fall gewesen sein soll.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sicherlich einer der besten deutschen Krimis, 11. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord (Taschenbuch)
So klug und unterhaltsam zugleich ist ein Krimi nur selten. Vermutlich ist Krimi sogar das falsch Wort, es ist eher ein Roman mit gesellschaftsanalytischem Anspruch. Sehr zu empfehlen, ebenso wie übrigens die anderen beiden Bände. Schade nur, daß Schlink die Reihe nicht fortsetzen mag.
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14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besser als manch Vorurteil, 26. November 2001
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schlinks dritter Roman in der Trilogie hat sicher von vorneherein einen schweren Stand. Da ist die Hypothek eines "Vorlesers" sowie zwei amüsante, leicht zu lesende und zugleich spannende Vorläufer . Mutig von Schlink, sich gleichzeitig mehreren Themen zu widmen, die so gar nicht zueinander passen wollen. Um so höher sind die Ansprüche an diesen Roman. Es ist leider Gottes ein Zeichen unserer Zeit, dass von Menschen (... von Menschen!) gefordert wird, sich dem heutigen Lebens-Multitasking in allen Facetten zu stellen und dabei noch eine gute Figur abzugeben, mit all der vorhandenen Schnelllebigkeit, und, gerade mal zwischen Tür und Angel, medien- und werbewirksam ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und ihren Charakter zu präsentieren, ob ehrlich gemeint oder nicht. Es fehlt zwar diesmal die tiefere Auseinandersetzung Selbs mit seiner Vergangenheit, aber ist das nicht auch ein Abbild der Realität ? Gestehen wir doch der Hauptperson "Mensch Selb" zu, sich vordergründig mit seinem Alter, sich mit seiner Beziehung zu Frau und Kind, sich mit dem JETZT und HIER zu befassen. Natürlich ist es enttäuschend, dass Selb nicht den Helden spielt und sich dazu noch in den Fluss werfen lässt. An dieser Stelle hat Schlink sicher eine Möglichkeit verpasst, tiefer in eine persönliche Auseinandersetzung Selbs mit der eigenen Vergangenheit einzusteigen.
Natürlich ist die Story zeitweise ein wenig konstruiert, die Figur "Ulrich" mitunter deplaziert, die "Soboda" zu sehr das Opfer, aber weist es nicht auch auf den Graben zwischen Ost und West hin, hat der Westen nicht die Gutmütigkeit des Ostens ausgenutzt, stellt die Soboda nicht das typische "intelligent, aber nicht abgebrüht genug" dar ?
Selb ist gerade deswegen sympathisch, weil er nicht perfekt ist, weil er sich nicht auf eine bestimmte innerdeutsche Seite schlägt. Und Kapitel "Sommer" läßt tief in jeden von uns blicken, wenn es darum geht, die eigene Geschichte von Ballast zu befreien und sich Neuem zu öffnen.
Amüsant und lesenswert ... und dass wir nicht alle Antworten präsentiert bekommen, lässt uns umso mehr über das eigene Leben nachdenken.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Selbs Überschätzung, 22. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Selbs Mord (Taschenbuch)
Der alternde Privatdetektiv Gerhard Selb erholt sich gerade von Herzbeschwerden, als ihn der Inhaber der alteingesessenen Schwetzinger Privatbank "Welker und Weller" damit beauftragt, eventuelle Nachfahren eines verschollenen jüdischen Teilhabers der Familie zu finden. Während seiner Ermittlungen wird der ehemalige Archivar der Bank Adolf Schuler ermordet, und außerdem trifft Selb überall auf zwielichtige Gestalten: Welkers Faktotum Gregor Samarin etwa, dessen Rolle in der Bank ihm Rätsel aufgibt; der verdruckste ehemalige Stasi-Mitarbeiter Karl-Heinz Ulbrich, der behauptet, Selbs unehelicher Sohn zu sein; die aufgeweckte Leiterin der Sorbischen Genossenschaftsbank in Cottbus, der allerlei Ungereimtheiten aufgefallen sind -- und natürlich die unvermeidlichen ostdeutschen Schlägertrupps... Auch der Bankchef Welker scheint so manches zu verbergen (warum z.B. fand man niemals die Leiche seiner vermissten Frau, die bei einer Bergtour verunglückt war?), die Geschichte seiner Privatbank weist natürlich auch einige Ungereimtheiten auf, und wieder mal wird Selb an seine eigene Vergangenheit als zackiger junger Nazi-Staatsanwalt erinnert. Ein Happy End gibt es nur bedingt; nicht alle Guten werden belohnt, nicht alle Bösen bestraft -- und Selb erleidet einen Herzinfarkt. Tatsächlich, das melancholische Romanende ist reizvoll. Leider kommt es 264 Seiten zu spät.
In die ohnehin schon ziemlich inhaltsschwangere Krimihandlung packt Schlink noch jede Menge Heiße Eisen hinein: Es geht um Geldwäsche und dunkle Geschäfte großen Stils im Zuge der deutschen Wiedervereinigung, selbstverständlich kommt auch die Russenmafia ins Spiel, und die deutsche Nazi-Vergangenheit muss auch ein wenig aufgearbeitet werden: Entschädigungszahlungen an die Nachkommen jüdischer Opfer, Zwangsarbeiter... Schlink geizt nicht mit brisanten Themen. Dummerweise vergisst er vor lauter Sendungsbewusstsein, dass er eigentlich einen Krimi schreiben wollte. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist kläglich: Ein solches Konglomerat gewichtiger Fragen in eine ohnehin schon überfrachtete Handlung hineinzuzwängen -- das musste schiefgehen, auch wenn so mancher Kritiker, von soviel Anspruch geblendet, in Ehrfurcht erstarrte. Der Tropfen, der dem Fass dann allerdings die Krone aufsetzt, ist der Einsatz einer normalerweise mit Skatspielen etc. beschäftigten Pensionärtruppe als Fake-Überfallkommando; die Szene könnte als kleine Slapstick-Einlage durchaus witzig sein, wenn in ihrer Schilderung nur ein klein wenig Ironie durchblitzen würde. Aber es stimmt schon: Wenn die ganze Chose mal am Rutschen ist, dann reißt sie gleich alles mit in den Abgrund.
Schade -- der erste Selb-Krimi, "Selbs Justiz", war ein erfreulicher Vertreter des Genres "Anspruchsvoller Krimi mit stimmigem Lokalkolorit"; der nächste Band, "Selbs Betrug", konnte immerhin noch als leidliches Mittelmaß durchgehen. Aber "Selbs Mord" -- nunja. Das Lokalkolorit des Großraums Heidelberg-Mannheim hat Schlink auch diesmal gut eingefangen. Schade, dass er sich damit nicht begnügt hat.
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Selbs Mord
Selbs Mord von Bernhard Schlink (Taschenbuch - April 2003)
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