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Kundenrezensionen

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am 18. September 2005
„Liebesfluchten" von Bernhard Schlink enthält sieben in sich abgeschlossene Geschichten, die von der Flucht aus oder in die Liebe (nicht immer nur klassisch zwischen Mann und Frau, sondern z.B. auch zwischen Vater und Sohn) erzählen. Dabei stolpern die Protagonisten unweigerlich immer wieder über ihre persönliche oder die „übergeordnete" Vergangenheit (Nationalsozialismus, Teilung Deutschlands), der sie einfach nicht davonlaufen können. Eine zeit- und raumlose Liebe scheint unmöglich zu sein. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Geschichten:
1. Das Mädchen mit der Eidechse (Thema: Kunstraub im Dritten Reich. Liebe zu einem Bild.)
2. Der Seitensprung (Thema: Eine Liebe in Berlin vor und nach der Wende, vor und nach Bekannt werden von Stasi-Aktivitäten.)
3. Der Andere (Thema: Entdecken eines Ehebruchs nach vielen Jahren. Die Ehefrau aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen.)
4. Zuckererbsen (Thema: Beziehung eines Mannes mit drei Frauen gleichzeitig.)
5. Die Beschneidung (Thema: Das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Juden, Rechtfertigungsdruck der jungen Generation.)
6. Der Sohn (Thema: Vater-Sohn-Beziehung.)
7. Die Frau an der Tankstelle (Thema: Angst vor und gleichzeitig Sehnsucht nach Veränderung.)
Alle Geschichten nehmen nicht zufällig oder plötzlich ihren unverhofften Verlauf, sondern waren schon lange durch den Charakter der Protagonisten und deren Platz in der Historie zu diesem Verlauf verdammt. Ob ein Ende ein „Happy End" ist, sei jedem Leser selbst überlassen - ein überraschendes ist es allemal. Wer Liebesgeschichten rund um Sehnsüchte und Verwirrungen, Nähe und Einsamkeit, Verstrickung und Schuld, Lebensentwürfe und Lebensverantwortung ohne Pathos lesen will, ist mit Schlinks „Liebesfluchten" hervorragend bedient. Tipp!
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TOP 500 REZENSENTam 8. März 2007
"Es sind die vielen kleinen Lichter, die aus der Welt einen hellen und warmen Ort machen" (S. 68/9), sagt Sven, der ostdeutsche Lektor für Bulgarisch und Tschechisch, der wirklich ein kleines Licht ist, aber leider auch ein Stasi Agent, der seine Frau und seinen Freund bespitzelt. (Der Seitensprung) "Der Verdruss fraß in ihm und zehrte in kleinen Bissen sein vergangenes Leben auf", (S.117)heißt es in einer anderen Geschichte (Der Andere) über einen Witwer, der nach dem Tode seiner Frau dahinter kommt, dass ihn eben diese scheinbar so nachgiebige und allzeit zuhandene Frau jahrelang betrogen hatte. Zwischen den drei Rollen des Helga-, des Jutta- und des Veronika-Thomas kann sich der reale Thomas nicht mehr zurechtfinden (S. 172), so das er seine drei Geliebten verlässt, um als Bettelmönch durch die Gegend zu ziehen, ehe ihn ein Unfall als Krüppel in die Obhut seiner drei Geliebten zurücktreibt ( Zuckererbsen). Das sind nur drei Beispiele für die Stimmung und die Diktion der sieben Kurzgeschichten, die der vorliegende Band versammelt. Es sind Geschichten von Seitensprüngen, untreuen Ehemännern und Ehefrauen, von Erfolgreichen und Verlieren, denen eines gemeinsam ist: sie sind einsam und das gleich in einem doppelten Sinne: einsam unter ihresgleichen, aber auch einsam mit sich selbst. Die Liebeleien, in die sie sich hier und da flüchten, sind nur Surrogate, "Liebesfluchten", also nichts Existentielles, denn letztlich bleibt ein jeder allein. Leser, die diese Empfindung teilen und dieses ein wenig morbide Gefühl auf eine etwas betuliche Art literarisch nachschmecken möchten, sind mit dem vorliegenden Buch gut bedient. Gut zu lesen an einem verregneten Nachmittag, wenn man weiß, dass der Partner bald nach Hause kommen wird.
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am 25. Februar 2006
Es sind 7 Geschichten, die jede für sich ein anderes Kapitel der Liebe durchleuchtet, meist auf bizarre und doch so vertrauliche Art und Weise. Der Autor regt mit seinen Erzählungen den Leser zum Nachdenken und Philosophieren an, so wie er es durch die Hauptfiguren selber tut. Er benutzt dazu jedoch meist abwegige Beispiele, die manchmal einfach zu unglaubwürdig sind, um sich weiterhin damit zu befassen. Dies ist wirklich schade, da manche der 7 Geschichten wirklich Gold wert sind. Dazu zählen insbesondere "Die Beschneidung", bei der sich ein Liebespaar (er ist Deutscher, sie ist JÜdin) mit der Frage der Toleranz, mit Vorurteilen und mit der tragischen Vergangenheit ihrer beiden Völker auseinandersetzt. Eine weitere überragende Geschichte ist "Der Sohn". Sie ist die kürzeste der 7 und doch eine der besten. Obwohl das Beispiel derart bizarr ist, kann der Leser die Gedanken, Überlegungen und Schuldgefühle des Vaters verstehen, wenn er über seine Beziehung zu seinem erwachsenen Sohn nachdenkt. Eine andere gute Geschichte ist "Die Frau an der Tankstelle", wobei ein altes Ehepaar versucht, ihre Ehe zu retten. Dabei hat der Mann die ganze Zeit das Gefühl, dass etwas nicht stimmt und dies macht ihn traurig, bis er eines Tages dem Traum in der Realität begegnet, den er schon seit seiner Jugend hat. Er bekommt die Chance, sein Leben zu ändern.
Leider ist der Anfang dieses Buches nicht gut gelungen. Die ersten drei Geschichten sind entweder anderen Büchern des Autors zu ähnlich oder sie sind nicht nachvollziehbar und verwirrend. Daher gibt es trotz der sonstigen Brillianz dieses Buches Abzüge und nur 3 Sterne.
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am 11. August 2009
Diese 7 Kurzgeschichten beschreiben atmosphärisch dicht und stimmungsvoll ganz verschiedene Aspekte der Liebe, wie z.B. Misstrauen, Eifersucht, Enttäuschung, Vater-Sohn-Liebe, Liebe zwischen sehr alten Menschen, Betrug und (wie immer bei Schlink) Schuld. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr gefühlvoll dargestellt. Das Buch lebt von der Beschreibung wie Gefühle durch nonverbale Kommunikation übermittelt werden, also vor allem durch Austausch von Blicken, bestimmten Körperhaltungen oder auch Handlungen. Jede Geschichte ist für sich abgeschlossen, beinhaltet seine eigene Lehre oder Schlussfolgerung und lässt sich flüssig und schnell lesen. Jeder wird eine Geschichte für sich in diesem Buch finden, die ihm besonders zusagt, aber trotzdem den ganzen Band wertschätzen können. Es ist ein ideales Buch zum Verschenken, auch weil es gute deutschsprachige Literatur ist und das von einem mit Preisen ausgezeichneten Autor.
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am 8. Dezember 2006
Um es vorweg zu sagen, Bernhard Schlink gehört zu meinen Lieblingsautoren. "Liebesfluchten", der Titel ließ mich dem Buch anfangs skeptisch gegenübertreten, da ich normalerweise nicht der Fanatiker von Liebesgeschichten bin. Bei Schlink war ich allerdings begeistert, es sind keine gewöhnlichen Liebesgeschichten, sondern Geschichten aus dem Leben von Menschen, deren Vergeangenheit, oder der des Landes, Ihrer Liebe im Weg steht. In jeder der sieben Geschichten trifft man auf äußerst verschiedene Menschen, die alle mit einer anderen Vergangenheit, sowie auch um die unterschiedlichsten Arten von Liebe zu kämpfen haben. Zudem ist es äußerst faszinierend, dass Schlink in der Kürze der Geschichten, soviel Leben in die Figuren bringt, obwohl er nur in Fetzen über deren Vergangenheit und Gegenwart erzählt, und man dennoch glaubt sie selbst zu kennen. Sowie es ihm auch gelingt den Geschichten allgemein so viel Leben einzuhauchen, dass man darin versinkt und man sie fühlt.

Ich habe bisher noch nie solch gefühlvolle und dennoch so weit vom Kitsch entfernte Liebesgeschichten gelesen, dieses Buch ist einfach jedem zu empfehlen, der brillante, intelligente und zudem gefühlvolle Erzähler mag. An Bernhard Schlink ist ein Meister verloren gegangen, dies hat er mit diesem Buch bewiesen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 19. September 2006
....muss es nicht immer die "eigene" sein - diese Erfahrung macht z.B. in der überaus beeindruckenden Geschichte "Die Beschneidung" der junge Student Andi, den es aus Deutschland nach New York verschlagen hat. Andi lernt in der jungen Sarah eine interessante Frau kennen und lieben... - die Liebesbeziehung entwickelt sich jedoch nicht ohne Probleme - zu schwer scheint die Vergangenheit zu wiegen - eine Vergangenheit, deren "Geschichte" nicht vom Andi und Sarah selbst "geschrieben" wurde, sondern von ihren Eltern - Sarah ist jüdischen Glaubens und Andis Vater war Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg....

Schlink läuft hier nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Gegend - er erzählt ganz einfach eine Geschichte, jedoch eine, an deren Beispiel er verdeutlicht wie wichtig es ist nicht zu vergessen was sich in der Zeit unserer Großeltern und Eltern in Deutschland und Europa an Unmenschlichkeiten, ausgelöst durch überzeugte Nazis und Mitläufer, abgespielt hat....

Ich bin mir fast sicher, dass die 56 Seiten dieser Geschichte geeignet sein könnten eine Diskussion unter Jugendlichen zu diesem (schwierigen) Thema auf den Weg zu bringen - denn nichts ist wichtiger wie der Dialog selbst, um letztlich zu verhindern dass sich die dunklen Kapitel der Geschichte wiederholen können.... - warum sollen nur Zahlen- und Datensammlungen Geschichte vermitteln können - warum nicht eine solche Geschichte?

Vier der insgesamt 7 Geschichten werden mir sicherlich noch lange Zeit sehr gut in Erinnerung bleiben...

Der Seitensprung
Der Andere
Zuckererbsen
Die Beschneidung

U.a. wegen dieser wirklich gelungenen Mischung mutiger und intelligenter Geschichten mag ich Schlink und werde ganz bestimmt noch weitere Bücher von ihm lesen....

"DER ANDERE"
Die vertraute Ehefrau stirbt und plötzlich findet sich in der aktuellen Post ein Brief, aus dessen Inhalt hervorgeht dass das Eheleben der letzten Jahrzehnte doch nicht so "normal" verlief, wie es den Anschein hatte...

Wie würde man selbst in einer solchen Situation reagieren? Den Brief ignorieren, ihn vernichten und das Thema zur Seite schieben, oder sich der Vergangenheit stellen, um diese bisher unbekannte Seite näher zu betrachten.

Ein spannendes "Spiel" beginnt, in dem der Witwer versucht die Regeln vorzugeben - er macht sich seine Gedanken und versucht den "Liebhaber" und somit sich selbst kennenzulernen....

"ZUCKERERBSEN"
Auch diese Geschichte ist bereits für sich allein betrachtet Grund genug dieses Buch zu kaufen... - der Hauptdarsteller führt das Leben eines Artisten, er entwickelt sich zum Jongleur - "jongliert" mit drei Frauen zur gleichen Zeit - versucht sich ab und an aus diesem Chaos zu lösen - macht sich ständig vor, dass er sein Leben nach Belieben verändern kann und verliert dabei immer mehr den Überblick über sein "Spiel"....

"DER SEITENSPRUNG"
Hatte Schlink mit "Der Vorleser" ein Beispiel für die Nachkriegsjahre Deutschlands zur Hand, erzählt er nun im Seitensprung über das Leben nach der DDR / nach der Stasi, die auch heute noch manchem wie eine Eisenkugel am Fuß hängen mag...

Nur vier der 7 Geschichten waren also gut? Nein - jede Geschichte hatte ihren ganz eigenen Reiz, so auch "DAS MÄDCHEN MIT DER EIDECHSE", "DER SOHN" und "DIE FRAU AN DER TANKSTELLE" - nur wird es vermutlich wirklich so sein, dass mir die vier beschriebenen für längere Zeit im Gedächtnis bleiben werden...

Wie oft kommt es denn bei Ihnen vor dass Sie bereits gelesene Bücher wieder zur Hand nehmen, um Erinnerungen aufzufrischen? Sollten wir in diesem Punkt das gleiche Verhaltensmuster -Zu 95% bleiben gelesene Bücher im Regal- an den Tag legen, kann ich für meinen Teil die Prognose abgeben, dass ich nach "Liebesfluchten" eines der verbleibenden "5-Prozent-Bücher" entdeckt habe ;-)
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am 22. März 2011
Eigentlich lese ich Romane lieber als Kurzgeschichten, bin ein Freund der epischen Großform und mir kann ein Buch nicht dick genug sein. Aber von den Büchern Bernhard Schlinks, die ich bislang gelesen habe, war mir dieses das liebste. Hier gelangt er zur Meisterschaft, man kann's nicht anders sagen. Die sehr unterscheidlichen Geschichten über die Liebe, das Verschwinden der Liebe, die Sehnsucht nach dem, was fehlt und brennt, ziehen einen ohne Ausnahme nach zwei Absätzen schon mitten hinein in die mal ungewöhnlichen, dann wieder ganz alltäglichen Tragödien. Egal, ob es um den Mann geht, der nach dem Tod seiner Frau entdeckt, dass diese einen Geliebten hatte und ihn kennenlernen möchte, oder um den mehr entscheidungsunfähigen als unmäßigen Thomas, der gleich drei Frauen gleichzeitig zufriedenstellen möchte. Mal sind die Geschichten mit bissigem Humor gewürzt, mal sind sie unendlich traurig wie die beiden kurzen Geschichten am Ende des Buches, die beide einen Blick zurück auf ein unerfülltes Leben werfen. Alle Geschichten haben eine melancholische Note, so richtig gelingt die Liebe nie, und immer spielt die Außenwelt - sei es Zeit der Wende, sei es der Schatten der Nazizeit oder für uns nicht nachvollziehbare Kämpfe zwischen Rebellen und Militär in Was-weiß-ich-wo - ins innere Drama mit hinein. Ein Buch, das nachdenklich und auf eine bereichernde Art traurig macht!
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TOP 100 REZENSENTam 18. März 2016
Bei einem Buch sind es sehr oft die ersten gelesenen Seiten, die für mich entscheidend sind eine Lektüre für gut zu befinden oder nicht. Sie muss mich von Beginn an fesseln und da ich von dem Schriftsteller bereits seinen Roman "Der Vorleser" kenne und schätzen gelernt habe, war ich auf sein "Liebesfluchten" ebenso gespannt.

Bernhard Schlink versteht auch in diesem Roman in einer ausgereiften Sprache seine Geschichten mit glaubwürdigen Charakteren zu verknüpfen. Es geht um Flucht in die Liebe und deren Sehnsüchte, um Verwirrungen der Seele, Verrat und Betrug, zwischenmenschliche Beziehungen sowie unkontrollierte Gefühlsausbrüche. Mit Klarheit und Nüchternheit schildert der Autor spannende Begebenheiten und ich als Leserin fühlte mich mittendrin des Geschehens.

Der Autor hat sein Buch in sieben Geschichten unterteilt: Das Mädchen mit der Eidechse, Der Seitensprung, Der Andere, Zuckererbsen, Die Beschneidung, Der Sohn, und Die Frau an der Tankstelle.

Schon die erste Geschichte mit dem Portrait des Mädchens und der Eidechse hatte es mir angetan und ich war von dem weiteren Verlauf des Geschehens gefesselt. Ein Ölgemälde wird zur wichtigen Rolle im Leben eines kleinen Jungen und später gereiften Mannes. Für den Vater ist das in der Nazizeit als Richter erworbene Gemälde des Malers René Dalmann unantastbar und wird wie ein geheimnisvoller Schatz gehütet. Von der Mutter wird das Portrait als "Judenmädchen" verhöhnt. Was es mit dem Bild auf sich hat und für die Familie letztendlich zum Untergang führt, für den Sohn zuerst als Schatz, Geheimnis und Fenster zu Schönheit und Freiheit und zugleich zu einer beherrschenden kontrollierten Instanz wird, fesselt ungemein. Spannend, mehr als spannend sind die weiteren sechs Geschichten des Autors Bernhard Schlink.

" Liebesfluchten sind zugleich auch Großstadtgeschichten und Geschichten über eine ratlose Generation, die immer wieder über die Fallstricke ihrer Vergangenheit stolpert."
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am 11. Mai 2000
Er kann einfach und lapidar erzählen und hängt die Erlebnisse tiefer als sie gehen. Das fehlende Pathos ist seine große Stärke. Manchmal bringt er seine Geschichte nicht zu Ende: er hat nur die Ausgangssituation vor Augen und weiß nach dessen schöner Schilderung nicht, was er damit machen soll. Ich finde es bewundernswert, daß er fast immer auf den moralischen Zeigefinger verzichtet, obwohl die Themen so verführerisch wären, ihn zu erheben.
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am 24. September 2003
Bernhard Schlink versucht- einem Don Quijote ähnlich- gegen die Vorstellungen von Raum- und zeitloser Liebe anzugehen. Hier sind es die Konstellationen und Entwicklungen der jüngeren deutschen Geschichte, die sich oftmals bis in die intimsten Bereiche der Protagonisten einschleichen. Niemals mit dem Knall des Zufalls, sondern immer aus einer unguten Mischung von Charakter und Situation heraus. Die Liebe ist nur zu Gast in den Erzählungen, man öffnet ihr entweder gar nicht die Tür, stiehlt sich durch den Hinterausgang oder verliert sie in dem großen Haus aus den Augen. Schlinks Sprache, die im "Vorleser" oder bei den "Selbs"- Büchern mal durchaus unangenehm distanziert und distanzierend erscheint (was bei Ich- Erzählern schon wieder bemerkenswert ist!), wird hier zu einem grausam genauen Werkzeug, hinter die Fassaden der Menschen und ihrer Beziehungen zu blicken. Das ist oftmals nicht schön, erheiternd oder hoffnungsvoll, aber vielleicht für manche ein Trost dadurch, sich selbst wieder zu finden. Viele Sätze erscheinen wie eine Offenbarung: Endlich wieder ein Buch, in dem geschrieben steht, was man selbst nie formulieren oder gar denken konnte. Und endlich wieder ein Schriftsteller, der den Mut besitzt, sich nicht auf die Beliebigkeit, das Ungefähre und Amüsant- anekdotische der jungen Kolleginnen und Kollegen einzulassen.
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