Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor b2s Cloud Drive Photos Microsoft Surface Learn More sommer2016 saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
695
4,1 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:10,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 26. August 2006
Zehn Jahre hatte ich es im Schrank, bevor ich es kürzlich innerhalb von zwei Tagen gelesen habe.

Die klare, konservative Sprache lassen keinen Raum für Schonung oder Ablenkung von der Handlung und den dazugehörigen Gedanken (aus der Retrospektive). Und genau das macht dieses Buch für mich aus. Ich begann es zu lesen nur wenige Stunden, nachdem ich ein sehr "sprachlastiges" Buch beendet hatte. Die Wirkung war enorm: als käme man aus dem Märchenwald zurück in die Fabrik.

Es dauerte einige Seiten, bis ich genau das zu schätzen lernte und als so gewollt erkannte. Dieses Buch soll/kann jeden erreichen, der es liest. Relativ kurze, klare Sätze, distanzierter Erzählstil, stets realistisch und sachlich, der keinen Unterschied macht zwischen einer erotischen Szene im Bad oder einer Prozesschilderung.

Der erste Teil handelt von der Liebesbeziehung des Erzählenden zu einer zwanzig Jahre älteren Frau- Hanna. Der zweite Teil setzt sich mit juristischen und philosophischen Aspekten des Hintergrundes auseinander. Die eigentliche Geschichte wird eher nebenbei und nur insoweit nötig im Raffer zu Ende erzählt.

Wie ein roter Faden ziehen sich die Themen Schuld/Gewissen, Verrat und Würde durch das ganze Buch. Angefangen bei Hannas Verantwortung im Liebesverhältnis zu dem Minderjährigen über seine phantasierten Gründe für das abrupte Ende bis hin zur Auseinandersetzung mit Hannas SS-Vergangenheit und den Auswirkungen des Analphabetismus auf wichtige Lebensentscheidungen.

Immer wieder sind es philosophische und psychologische Einschübe, die zum Anhalten und Nachdenken anregen, ohne dass man es beim Lesen als störend empfinden würde. Auch das - scheint mir - ist beabsichtigt.

Ein klug geschriebenes Buch, das ganz ohne aufklärenden Eifer auskommt und vielleicht gerade deshalb dieses Ziel erreicht.
11 Kommentar| 178 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. April 2016
Klappentext:
Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er ... und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.

Der Autor:
Bernhard Schlink, geboren 1944 bei Bielefeld, ist Jurist und lebt in Berlin und New York. Seinen ersten Kriminalroman, ›Selbs Justiz,‹ veröffentlichte er zusammen mit Walter Popp. 2001 wurde die Trilogie um den Privatdetektiv Gerhard Selb mit ›Selbs Mord‹ abgeschlossen. Der 1995 erschienene Roman ›Der Vorleser‹, die 2000 und 2010 veröffentlichten Erzählbände ›Liebesfluchten‹ und ›Sommerlügen‹ sowie die Romane ›Die Heimkehr‹ (2006) und ›Das Wochenende‹ (2008) begründeten seinen schriftstellerischen Weltruhm.

Meine Meinung:
Der 15jährige Michael Berg begegnet eines Tages der wesentlich älteren Hanna Schmitz. Er fühlt sich nicht gut, ist an Gelbsucht erkrankt, und sie bringt ihn nach Hause. Als es ihm endlich besser geht, ermuntert ihn seine Mutter, der Frau zu danken, die ihm geholfen hat. Und so macht er sich auf den Weg zu Hanna, was den Beginn einer erotischen Beziehung einläutet. Durch sie wird er in die Liebeskunst eingeführt und lernt Sehnsüchte und Zurückweisung kennen. Michael wird abhängig von Hanna und ihren Launen, denn sie ist eine Frau, die sich mit Geheimnissen umgibt, die nie richtig greifbar wird und für die er etwas tut, um das sie ihn bittet: Er liest ihr Bücher vor. Von nun an besteht Michaels Leben nicht nur aus dem tristen Schulalltag, sondern ist erfüllt von früher Sexualität und Lektüren, die Hanna mitfiebern, lachen und leiden lassen - so sehr geht sie mit den Geschichten mit. Und er selbst blüht auf, erduldet so manches, spinnt sich ein Kokon aus Lügen, um sie immer wieder zu treffen.
Doch eines Tages ist Hanna auf und davon. Verwirrt und traurig bleibt Michael zurück. Viele Jahre später sieht er sie wieder, an einem Ort, mit dem er niemals gerechnet hätte. Hanna wird angeklagt, eine ehemalige KZ-Aufseherin gewesen zu sein und Menschen kaltblütig in den Tod geschickt zu haben.

"Der Vorleser" ist ein Buch, das man nicht so leicht vergisst. Dem Autor ist es gelungen, eine spannende, atmosphärisch dichte Erzählung über die erste Liebe, Schuld und Sühne und gegen das Vergessen zu schreiben, die berührt und zeigt, dass man von einem Menschen nicht jede Seite kennt. Insbesondere die eine Seite nicht, die er gekonnt verbirgt - zumal derjenige selbst auch mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben will, bis sie ihn einholt - ob gewollt oder nicht.

Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen im Zweiten Weltkrieg werden hier etwas anders behandelt, denn man sieht Hanna als Mensch, als Frau, die durchaus durch eine interessante Persönlichkeit besticht, ohne zu leugnen, dass das, was sie getan hat, egal auf welcher Ebene, nicht entschuldbar ist. Hier wird auch anschaulich gezeigt, wie mit den Tätern des Holocaust in den 60er Jahren verfahren wurde.
Michael wurde früh erwachsen, mutiert zum Einzelgänger und kann Hanna nie vergessen, so sehr hat sie sein Leben geprägt.

Mich hat die sprachliche Schönheit des Werkes fasziniert, die Gedanken über das Leben, über Würde, Reue und Schuld. Eine beeindruckende Schilderung über eine Beziehung voller Geheimnisse, die nicht sein durfte, und die sich doch entwickelte und zwei Menschen für sich einnahm, die nach Gefühlen und Hingebung suchten. Nach einem Platz des Vergessens.

Die Verfilmung mit Kate Winslet und David Kross kann ich auch empfehlen. Die beiden Schauspieler hauchen den Figuren Leben ein und man bekommt ein jeweiliges Gesicht noch zum Gelesenen dazu.

5 Sterne.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Lakonisch kommt die Erzählung daher, bei näherem Hinsehen und in sich Hören allerdings kommt man der Technik auf die Spur. Bernhard Schlink ist ein gewiefter Autor, der mit Esprit seine Komposition entwirft. Die furchtbare Geschichte einer Liebesbeziehung einer wesentlich älteren Frau mit einem Jungen wird erzählt mit den Mitteln der romantischen Ironie. Wie in Gottfried Kellers Aus dem Leben eines Taugenichts, welches auch zu den Werken zählt, das die Erzählperson der Delinquentin vorliest, plätschert eine vermeintlich belanglose, tatsächlich aber tief verstörende Geschichte in das Bewusstsein des Lesers, der lange vergeblich versucht, sich einen Reim auf das zu machen, was sich vor ihm ausbreitet.

Es ist alles andere als eine Heidelberger Romanze, was Bernhard Schlink in seiner Erzählung Der Vorleser seinem Publikum unterbreitet. Eineinhalb Jahrzehnte nach dem Krieg und dem großen Verbrechen entwickelt sich aus einer Allerweltsbegebenheit eine Bekanntschaft, die sich zu einer sexuellen wie psychischen Bindung auswächst. Ein Fünfzehnjähriger treibt es, oder besser gesagt, wird von einer Fünfunddreißigjährigen zu einer erotisch dominierten Beziehung getrieben. Für die Lehrstunden und Dienste der Frau fordert diese lediglich, dass der junge Mann ihr laut vorliest. Die Weltliteratur wird so zum Digestif eines Treibens, das weit jenseits der moralischen Akzeptanz des damaligen Nachkriegsdeutschlands liegt.

Irgendwann verschwindet die Frau. Der Junge leidet eine Zeit, geht dann aber seiner bildungsbürgerlichen Wege. Er vergisst, bleibt aber lädiert, weil beziehungsunfähig zu anderen Frauen. Jahre später erlebt er als Jurastudent einen Prozess gegen weibliches Wachpersonal eines KZ und sieht seine frühere Liebe auf der Anklagebank. Jenseits einer direkten Kontaktaufnahme entspinnt sich ein neuer Dialog zwischen beiden, der durch die Erkenntnis des Jungen eröffnet wird, dass das ganze Debakel der Biographie seiner früheren Liebe mit dem Umstand ihres Analphabetismus zu erklären ist. Auch im Prozess führt es dazu, dass sie das härteste Urteil bekommt.

In den Folgejahren liest er wieder, diesmal auf Kassette, die literarischen Werke, von denen er glaubt, dass sie sie im Gefängnis interessieren. Er, der als reiferer Mann sich als Rechtshistoriker etablieren konnte, aber an einer Ehe scheiterte, räsoniert über die Frage von Scham und Schuld, der juristischen Intervention und des freien Willens zur Sühne, kommt aber angesichts des Unsäglichen der Taten der Vergangenheit zu keinem schlüssigen Ergebnis, mit dem er leben könnte.

Der Frau selbst geht es nicht anders. Sie kämpft auf ihre Weise im Gefängnis gegen das für sie Unverständliche an und ihr gegenüber entsteht sogar eine Sympathie, weil sie mit keiner Wimper zuckt, wenn es um die Konsequenzen ihres Handelns geht, auch wenn sie, wie dieses heute vielleicht der Fall wäre, um Milde Umstände bitten könnte, weil ihr die notwendige Bildung versagt war.

Die Erzählung hat kein Happy End, weder bei dem berichtenden ehemaligen Jungen, noch bei der Delinquentin, noch bei den Opfern. Es ist, ohne die nervtötenden und zum Ritual verkommenen Klischees bemühen zu müssen, eine deutsche Geschichte, die das Desaströse des Krieges und der Diktatur aufzeigt, ohne die Individuen, die eine Rolle darin spielen, zu trivialisieren, damit sie in ein Gut-Böse-System passen. Das ist wohltuend und deprimierend zugleich.
11 Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Oktober 2007
In den 1950er-Jahren lernt der Erzähler Michael Berg als Fünfzehnjähriger die gut zwanzig Jahre ältere Hanna kennen, mit der ihn eine intensive sexuelle und - zumindest von seiner Seite - eine jugendlich-verklärte, überschwängliche Liebesbeziehung verbindet. Eine zu große Nähe wird jedoch durch Hanna abgeblockt, die sich häufig für Michael unverständlich, aggressiv und herrisch verhält. Im Verlauf ihrer geheimen Treffen wird es ein Teil des Liebesspiels, dass Michael Hanna Bücher vorliest, bevor sie sich lieben. Die Beziehung endet jäh, als Hanna ohne jedes Abschiedswort aus der Stadt und aus Michaels Leben verschwindet.

Jahre später begegnet der Erzähler - inzwischen Jurastudent - Hanna im Gerichtssaal wieder: Sie ist dort als ehemalige KZ-Aufseherin der Beteiligung an der Ermordung jüdischer Frauen während des Nationalsozialismus angeklagt!

Im Verlauf des Prozesses, bei dem sich Hanna erneut allgemein unverständlich verhält und sich selbst über Gebühr belastet, erkennt Berg den Grund vieler bisher unerklärlicher Verhaltensweisen in ihrem Leben. Sie ist Analphabetin und nimmt zur Vertuschung dieses Sachverhalts auch ihre ständigen Fluchten, die Kränkung anderer Menschen und letztlich sogar eine unangemessen hohe Haftstrafe in Kauf. Er findet jedoch nicht die Kraft, in einem Gespräch mit Hanna oder wenigstens mit dem Vorsitzenden Richter diese - womöglich strafmildernde - Erkenntnis anzusprechen, so dass Hanna zu lebenslänglicher Haft verurteilt wird.

Im Laufe dieser Haftzeit nimmt Berg irgendwann wieder die Rolle des Vorlesers ein, in dem er Hanna besprochene Tonbandkassetten ins Gefängnis sendet. Als Hanna begnadigt wird, ist er die einzig verbliebene Bezugsperson in ihrem Leben und trifft - etwas widerwillig und von der engagierten Gefängnisleiterin genötigt - Vorbereitung für Hannas Leben "draußen". Doch dazu kommt es nicht mehr...

Bernhard Schlink ist es in diesem Roman gelungen, sehr unterschiedliche und polarisierende Themen (Analphabetismus, sexuelle Beziehungen mit Minderjährigen und natürlich die Frage von persönlicher Schuld und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen) in angemessener und kluger Weise zu verbinden.

Seine Sprache ist dabei distanziert und dennoch teilnehmend, er bezieht nicht eindeutig und mit moralischem Zeigefinger Stellung, sondern lässt eine differenzierte Sicht auf eine schuldig gewordene Frau zu, ohne diese selbst als ein Opfer der Umstände zu entlasten. Diese Gratwanderung ist meiner Ansicht nach hervorragend gelungen.

Kein einfaches oder "sympathisches" Buch, sondern ein gut komponiertes, zum Nachdenken anregendes und überdurchschnittlich gut geschriebenes Stück Literatur, für das ich gerne eine Leseempfehlung ausspreche.
0Kommentar| 47 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 6. August 2006
Das Buch "Der Vorleser" handelt von der Jugendliebe eines 15jährigen Gymnasiasten zu einer rätselhaften 36jährigen Frau, die von ihm verlangt, ihr vor jedem Liebesakt, vorzulesen. So lernt die Frau die Literatur und der Junge die Liebe kennen, ehe sich ihre Wege trennen. Was sich halb despektierlich, halb poetisch anhört, gewinnt eine andere Dimension, als im zweiten Teil des Buches die Biographie der Frau deutlicher wird. Bei der älteren Geliebten handelte es sich um eine frühere KZ Aufseherin, die bei der Selektion der jüdischen Frauen im Konzentrationslager regelmäßig junge Mädchen zurückhielt, die ihr vorlesen mussten, ehe auch sie in das Vernichtungslager nach Auschwitz geschickt wurden. Als Jurastudent begegnet der Protagonist dieser Frau im Gerichtssaal wieder und erkennt, dass seine Jugendliebe eine Analphabetin war und nicht lesen konnte und sowohl die Mädchen im KZ wie auch ihn zur Befriedigung ihrer literarischen Neugierde benutzte. Als sie zu lebenslänglicher Haft verurteilt wird, beginnt der junge Mann, dessen Beziehungen von wenig Glück geprägt sind, der inzwischen gealterten Frau Kassetten zu schicken, auf denen er ihr weiter vorliest. Er liebt sie nicht mehr, fühlt sich aber für sie verantwortlich, und versucht ihr nach der Begnadigung eine Stelle zu besorgen, doch die Frau bringt sich selbst an dem Tag ihrer Freilassung um.

Das ist die Geschichte, nicht sonderlich lang oder kompliziert, die in kurzen klaren Sätzen erzählt wird, wobei die Geschichte der bundesrepublikanische Nachkriegszeit als Bühnebild. fungiert. "Wenn bei Flugzeugen die Motoren ausfallen, ist das nicht das Ende des Fluges. Die Flugzeuge fallen nicht wie Steine vom Himmel. Die Passagiere merken nichts. Fliegen fühlt sich bei ausgefallenen Maschinen nicht anders an als bei arbeitenden", heißt es in dem vorliegenden Buch aus S. 65. Ob das stimmt, sei dahin gestellt, der Autor benutzt dieses Bild von den ausgefallenen Maschinen und dem Gleitflug ins Verderben jedoch als Gleichnis für das Ende der Liebe, eine überraschende und schöne Metapher, von denen es in dem Buch so viele gibt, dass der internationale Erfolg des Werkes nicht verwunderlich ist. Dass das Buch bei den deutschen Feuilletons weniger geneigte Aufnahme fand, liegt vielleicht an der kritischen Beleuchtung, in der die selbstgerechten Wiedertäufer der 68er Bewegung erscheinen, vielleicht auch an einem Mangel von politisch korrekter Zerknirschung, auf die in dem Buch zugunsten echter moralischer Reflexion verzichtet wird. Doch es ist ein durch und durch lesenswertes Buch, ein Versuch über die Unempfindlichkeit auf ihren verschiedenen Ebenen, die Unempfindlichkeit des Vaters gegenüber dem Sohn, der jüngeren Generation gegenüber den Vätern, die Hitler nicht verhindert haben, der Geliebten gegenüber dem Schicksal der von ihr in den Tod geschickten Vorleserinnen. Und es ist ein Buch über die Erinnerung, denn "die Schichten des Lebens ruhen so dicht aufeinander, dass uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes sondern als gegenwärtig und lebendig."(206)
0Kommentar| 19 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 26. Februar 2015
Das Buch handelt von Michael Berg, einem 15jährigen Jungen, der nach einer längeren Krankheit wieder am Geschehen außerhalb der vier Wände teilnimmt. Auf seinem ersten Spaziergang lernt er die 20Jahre ältere Hanna kennen. Er besucht sie und verliebt sich später in sie. Sie beginnen nicht nur eine sexuelle Beziehung, sondern auch eine Beziehung die sich auf die Literatur beschränkt. Für beide werden die Treffen immer mehr zum Ritual. Waschen, Vorlesen und Sex. Im ersten Kapitel wird der weitere Velauf und das Ende der Beziehung beschrieben. Am Ende dieses Kapitels hat Hanna die Stadt verlassen. Michael gibt sich dafür die Schuld und wird nie richtig mit der Trennung fertig.
Im nächsten Teil ist Michael schon Jura-Student und begegnet Hanna bei ihrer Verhandlung wieder. In diesem Prozess geht es um den Massenmord an KZ-Sträflingen, die bei einem Transport in einer Kirche verbrannt wurden. Es gab dabei nur zwei Überlebende, wobei die Mutter in der Zwischenzeit gestorben ist.Die anderen Angeklagten wälzen die Schuld auf Hanna ab, da sie weder lesen noch schreiben kann und aus Angst, das dieses an die Öffentlichkeit gerät, nimmt sie dich Schuld auf sich, anstatt zu kämpfen. Michael, der von ihrem Analphabetismus weiß, verschweigt dies aber auch vor Gericht. Hanna wird schuldig gesprochen und kommt ins Gefängnis.
Im nächsten Kapitel wird beschrieben, wie die beiden wieder den Kontakt aufnehmen. Michael, dem wieder Schuldgefühle plagen, will Hanna die Zeit im Gefängnis versüßen. Da sie nicht lesen kann, spricht er Texte, Gedichte und Bücher auf Kassette und schickt sie ins Gefängnis. Inzwischen hat Hanna angefangen schreiben so wie lesen zu lernen und bedankt sich immer mit kleinen Briefen bei Michael. Als Hannas Freilassung näher rückt, wird er gebeten sich später um Hanna zu kümmern, doch so weit kommt es nicht. Hanna erhängt sich einen Tag vor der Freilassung in ihrer Zelle. Ihr letzter Wunsch ist, das die einzige Überlebende dieses Flammeninfernos entschädigt wird. Sie soll das Geld welches Hanna im Gefängnis verdient hat bekommt. In der Endszene wird eben beschrieben, wie Michael ihr diesen Wunsch erfüllt.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Juli 2008
Der Plot ist von zufälligen Begebenheiten geprägt, auf die die Protagonisten nicht wirklich Einfluss nehmen konnten. Eher eine zufällige Begegnung des Ich-Erzählers in jugendlichen Tagen führt zur Bekanntschaft mit Hanna, fast doppelt so alt wie er, und schließlich zu einer auch sexuellen Beziehung. Eine gewisse Hörigkeit des jungen Mannes ist die Folge. Sie entwickeln bestimmte Rituale, zu denen es auch gehört, dass er ihr vorliest.
Als sie eines Tages spurlos verschwindet bedarf es einer langen Zeit, bis der jugendliche Liebhaber darüber hinwegkommt. Erst Jahre später trifft er sie wieder. Er studiert mittlerweile Jura und verfolgt, als Mitglied einer Studiengruppe die Nürnberger Prozesse. Und eine der Angeklagten ist Hanna. Die deutlich gealterte Hanna seiner Jugend. Angeklagt, gemeinsam mit anderen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges KZ-Häftlinge in einer Kirche während einer Bombardierung eingesperrt gelassen zu haben, obgleich sie niederbrannte. Ein Bericht, der kurz nach dem Geschehen verfasst worden war, steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Jeder leugnet, nur Hanna gibt zu, dass sie ihn verfasst hätte.
Der Ich-Erzähler fühlt, dass er etwas tun muss, denn er weiß, Hanna kann weder Lesen noch Schreiben. Doch was kann er wirklich bewirken, ohne Hanna bloß zu stellen, ohne aller Welt das Geheimnis ihres Lebens zu offenbaren, zumal sie genau das nicht wünscht und lieber eine Höchststrafe in Kauf nimmt.
Er holt sich Rat bei seinem Vater, er führt ein Gespräch mit dem Richter. Ist das genug und richtig?

Über die Jahre der Haft - er selbst besucht sie nie - bespricht er Bänder und versorgt sie damit in der Haftanstalt. Er wird zu ihrem Vorleser, wie bereits in jungen Jahren.
Erst im Rahmen eines Begnadigungsakts kommt es zu einer Begegnung. Und was dann folgt macht ein gutes Teil der Dramatik aus.

Bernhard Schlink ist es grandios gelungen, einem durchaus überschaubaren Geschehen seinen prägenden Stempel aufzudrücken und daraus eine spannende, faszinierende Erzählung zu schaffen, die so, wohl kein anderer hätte schreiben können. Immer klar, einfach, überschaubar lässt er uns an einer alltäglichen Geschichte einer Jugendliebe teilhaben, die durch tragische Umstände unvorhersehbare Tiefe erlangt.
Dieses Buch sollte man gelesen haben, denn es wird in der heutigen Zeit nicht viele Autoren geben, die die Thematik des Dritten Reichs aufgreifen können, ohne die Einfachheit mancher Strukturen aus dem Auge zu verlieren, die zu unfasslichen Taten führten. Ich selbst habe in jungen Jahren Einblick in Teile von Ermittlungsakten nehmen können, und ich kann bestätigen, dass oft die unglaublichsten Ursachen zu ebensolchen Folgen führten - was aber den Opfern das Leben kostete und ihren Angehörigen kein Trost sein kann. HMcM
0Kommentar| 53 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Januar 2005
Das Buch war mir schon vor Jahren von einem Freund empfohlen, aber weder geschenkt noch ausgeliehen, noch gekauft worden. Nachdem ich jetzt anfing zu lesen, hatte ich eine Ahnung von dem, was wohl kommen würde. Die zu Beginn präzise, fast minimalistisch einfache Sprache, die alles weglässt, was im Moment nicht gebraucht wird, Zeit, Ort, Umstände, die sich auch um herkömmliche Grammatik zuweilen nicht schert, dann sich aber völlig auf Details fixiert, wenn es dem Erzähler wichtig erscheint. Schwerelos zu Beginn, ein Jugendroman, Knabe liebt reife Frau, der abrupt endet, um bleiern schwer mit einem Naziprozess die deutsche Vergangenheit heraufzubeschwören. Sprache und Schreibstil werden komplexer. Spätestens wenn die Angeklagte den Richter zurück fragt, „Was hätten Sie denn getan?" geht einem das Buch unter die Haut, denn ab jetzt kann man sich den Zweifeln und Selbstvorwürfen, die sich der Erzähler macht, den Versuchen der Rechtfertigung und der Scham, dem Sog der Erzählung, die die Geschichte eines Lebens als Deutscher im Nachkriegsdeutschland ist, nicht mehr entziehen. Und man möchte die Frage, was hättest du denn in der Situation getan, selber nicht gestellt bekommen, weil die Antwort das ganze Leben über den Haufen werfen kann. Was bleibt, ist beklemmende Betroffenheit und eine traurige Geschichte, die gerade jetzt, zum sechzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz aktueller gar nicht sein kann.
0Kommentar| 14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Juli 2016
Als ich das Buch vor über zwei Jahren kaufte, stand es zunächst einige Monate im Regal herum, ehe ich es mir an einem Sommernachmittag schnappte. Gelesen habe ich das Buch an einem Nachmittag, weil ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Über die Handlung steht ja bereits in anderen Rezensionen viel geschrieben. Mich persönlich hat dieses Buch wirklich bewegt, von Anfang bis Ende. Die ganze Zeit über konnte man die Stimmung innerhalb des Buches mitfühlen, von der Liebe bis hin zu den Schuldgefühlen. In einer anderen Rezension schrieb ein Autor, es wäre "als würde man von einem Märchenwald wieder zurück in die Fabrik" kommen und das kann ich genauso unterschreiben. Als das Buch zu Ende war, musste ich noch lange darüber nachdenken und es hat mich einfach nicht losgelassen. Sowas habe ich auch seitdem nicht mehr gefunden, einfach magisch.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Juli 2014
ein Buch, welches einen einfach nicht loslässt. Eine Geschichte, wie sie nicht düsterer, ja melodischer, lebhafter sein könnte.
Wie eine Liebe ein Leben zweier Menschen für immer beschäftigt. Das ist der Kern dieser Geschichte. Wie ein junger Mann ein Leben versucht aufzubauen, jedoch es nicht schafft, weil er die einzige Frau, die er jemals lieben konnte, nicht bei sich hat.
An dieser Sehnsucht hält er sein Leben lang fest. Jeden Tag, jeden Augenblick und jeden Moment, in dem er sich versucht sich auf neue Dinge zu konzentrieren, schweift er zurück zu den alten.
So zerbricht seine Ehe, sein Verhältnis mit seiner Tochter, seine zukünftigen Beziehungen, nur weil der Vergleich asymmetrisch ist.
Bis zum Schluss bleibt es ergreifend. Man ist wütend auf den Hauptprotagonisten, weil er sein Leben nicht anders in den Griff bekommt. Es nicht einmal zwanghaft versucht. Sondern sein Leben verstreichen lässt. Und auf Hannah, dieser großen Liebe, die dieses Zerbrechen zulässt. Teils aus Dummheit. Teils aus Scham vor ihrem alten Leben und ihrer Unmündigkeit.

Lesen Sie das BUCH.... es ist wunderbar...
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden