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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Faschismus und die romantische Ironie
Lakonisch kommt die Erzählung daher, bei näherem Hinsehen und in sich Hören allerdings kommt man der Technik auf die Spur. Bernhard Schlink ist ein gewiefter Autor, der mit Esprit seine Komposition entwirft. Die furchtbare Geschichte einer Liebesbeziehung einer wesentlich älteren Frau mit einem Jungen wird erzählt mit den Mitteln der romantischen...
Veröffentlicht am 29. August 2011 von Gerhard Mersmann

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Straffe Erzählung eines anrührenden Dramas
Dieses Buch hätte ich mir wahrscheinlich nie gekauft und es wäre mir wohl überhaupt nicht aufgefallen, wenn es im Buchshop nicht mit dem abnehmbaren Frontcover der Verfilmung gelegen hätte.
Da diese Verfilmung gerade in den Kinos lief und ich mir diese unbedingt ansehen wollte, habe ich einen kurzen Blick riskiert und aufgrund des geringen Preises...
Veröffentlicht am 18. Oktober 2009 von Schwalbenkönig


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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vergangenheitsbewaeltigung auf einem neuen Niveau., 4. Juni 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser. Roman (Gebundene Ausgabe)
„Was hätten Sie dann gemacht?", fragte die angeklagte KZ-Aufseherin den Richter. Eine Frage, die von jedem Leser von Bernhard Schlinks Der Vorleser eine Antwort fordert. Jedoch, ist es Schlink gelungen, diese Frage nicht nur auf das immer wieder bearbeitete Thema der Vergangenheitsbewältigung, sondern auch auf die psychologische Charakterisierung der Figuren zu beziehen.
Der zu Beginn fünfzehnjährige Ich-Erzähler, Michael Berg, beschreibt im ersten Teil des Buches sein leidenschaftliches Verhältnis mit der viel älteren Hanna, von deren Vergangenheit er fast nichts kennt und über die er auch nichts fragen darf. Nach dem ungeklärten Verschwinden Hannas überspringt der Text einige Jahre und Michael, der jetzt Jurastudent ist, wird durch einen, von seiner Studiumsgruppe beobachteten Naziprozess, gezwungen, zurück auf die Ereignisse seiner Kindheit und auf deren Bedeutung für sein zukünftiges Leben, zurückzuschauen.
Der Erfolg dieser Geschichte liegt an der Fähigkeit des Autors, mehrere, verschiedene Themen zusammen zu bearbeiten und den beiden Teilen des Buches durch das thematische Leitmotiv und die Struktur eine Einheit zu geben. Der erste Abschnitt bereitet den Leser auf das vor, was später geschehen wird, in dem er einige Elemente der späteren Handlung einleitet, zum Beispiel Themen wie Gewissenskonflikte und Verantwortung, die die zwei Teile verbinden und dem Text eine runde Struktur geben. Obwohl die Trennung des Textes in zwei Teile einen ungewollten Bruch für das Vergnügen des Lesers darstellen könnte, lenkt er, in der Tat, unsere Neugier auf die vielen unbeantworteten Fragen im Zusammenhang mit Hannas ungeklärtem Verschwinden und der Zeitraum, der einige Jahre umspannt, unterstützt die Darstellung des Hauptthemas der Vergangenheit und der Frage ob man ihr entfliehen kann oder sollte.
Obwohl der präzise Stil des Autors einige Aspekte der Hauptfiguren weniger berücksichtigt, zum Beispiel das Familienleben Michaels, erlaubt er dem Autor, eine moralisierende Auseinandersetzung mit dem Thema zu vermeiden. Durch Michaels Selbstanalyse, wenn sie auch teilweise überlang ist und das Tempo manchmal verlangsamt, gelingt es Schlink, den Leser zum Nachdenken zu bringen und ihm die Antworten auf die vom Buch aufgeworfenen Fragen zu überzulassen.
Die Originalität dieses Buchs liegt in der neuen Methode Schlinks, das Vergangenheitsbewältigungsthema zu bearbeiten. Der Naziprozess stellt die traditionellen Schuld- und Verantwortungsfragen, aber die Entwicklung Michaels nach dem Prozess und die Art und Weise, auf die er sich mit der Vergangenheit beschäftigt, führt die Vergangheitsbewältigung auf ein neues persönlicheres Niveau. Die Frage „Was hätten Sie dann gemacht?" gilt Somit nicht nur allgemein der Nazivergangenheit Deutschlands, sondern auch den persönlichen Ereignisse und Entscheidungen eines Individuums.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist Liebe, Schuld, Wahrheit?, 25. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Für alle deutschen Autoren die beim Thema deutsche Vergangenheit Seiten über Seiten langweilige Selbstreflexion betreiben, sei dieses Buch zu empfehlen.

Wie man über dieses schwierige Thema auch auf kurzen 206 Seiten spannend, vielseitig und dabei hochinteressant erzählen kann zeigt Bernhard Schlink.

Vördergründung ist es eine Erzählung über eine Liebe zwischen einen 15-jährigen Jungen und einer 20 Jahren älteren Frau.

Dahinter aber eine Geschichte über die Schwächen von Menschen so wie die der Frau die lange versuchte diese zu Verstecken und welche Folgen daraus für Ihr Leben resultierten.

Führte diese Schwäche zu Verstrickungen der Frau in der Zeit der finstersten deutschen Vergangenheit?

Es ist aber auch ein Buch über die Unmöglichkeit von Liebe wegen der Charaktere und der Fehler von Menschen.

Sehr gekonnt berührt Schlink diese Fragen und verwebt diese Fäden zu einen spannenden Buch wie ich es von einen deutschen Autor schon lange nicht mehr gelesen habe. Dabei tut er nicht werten sondern nur den Fakt kurz erwähnen und dann kurz reflektieren. Über die vielen Fragen wie: Wer ist Opfer, wer ist Täter oder wie hätte ich mich in dieser Zeit verhalten, kann man noch lange später nachdenken.

Interessant bei der Schilderung des Gerichtsprozesses ist die Frage, was ist Wahrheit und ob nicht jedes politische System nur seine eigene Wahrheit kennt.

Ein Buch das unbedingt Lust macht, auf mehr von Schlink zu lesen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schuld und Sühne, 26. März 2009
Von 
Lothar Hitzges (Schweich, Mosel, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser. Roman (Gebundene Ausgabe)
Der fünfzehnjährige Gymnasiast Michael Berg lernt die sechsundreißig Jahre alte Hanna zufällig kennen. Sie sehen sich öfters und haben eine Laison. Für Michael ist dies die Zeit seiner ersten großen Liebe.

Jahre später beobachtet der Jurastudent Michael Berg einen Kriegsverbrecherprozeß. Unter anderem ist auch Hanna eine der Angeklagten. Hanna war während des Krieges Wärterin in einem Konzentrationslager. Sie wird dafür zur Verantwortung gezogen, Menschen in eine Kirche eingesperrt zu haben und die Tür auch dann nicht öffnete, als die Kirche brannte. Dadurch kamen fast alle Menschen in der Kirche zu tode. Hanna wird von ihrem Anwalt nicht gut vertreten und auch sie selbst liefert keine entlastenden Aussagen. Der Richterspruch fällt für Hanna entsprechend hart aus.

Jahre später beginnt Michael Berg Bücher laut zu lesen und auf Band aufzuzeichnen. Er lässt diese Bänder Hanna im Gefängnis zukommen. Persönliche Worte und einen Kontakt zu ihr meidet er; bis ihre Entlassung ansteht und er ihr helfen soll.

Die Geschichte enthält zahlreiche Facetten und stimmt nachdenklich. Der Umgang mit der Schuld wird einem Auto gleich auf eine Hebebühne gestellt und untersucht. Dabei wird festgestellt, es gibt keine lupenreine Schuld, die einfach und klar abzuurteilen ist. Schuld hat was Kollektives und allen die damit in Berührung kommen, haftet etwas davon an.
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53 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, 17. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Der Plot ist von zufälligen Begebenheiten geprägt, auf die die Protagonisten nicht wirklich Einfluss nehmen konnten. Eher eine zufällige Begegnung des Ich-Erzählers in jugendlichen Tagen führt zur Bekanntschaft mit Hanna, fast doppelt so alt wie er, und schließlich zu einer auch sexuellen Beziehung. Eine gewisse Hörigkeit des jungen Mannes ist die Folge. Sie entwickeln bestimmte Rituale, zu denen es auch gehört, dass er ihr vorliest.
Als sie eines Tages spurlos verschwindet bedarf es einer langen Zeit, bis der jugendliche Liebhaber darüber hinwegkommt. Erst Jahre später trifft er sie wieder. Er studiert mittlerweile Jura und verfolgt, als Mitglied einer Studiengruppe die Nürnberger Prozesse. Und eine der Angeklagten ist Hanna. Die deutlich gealterte Hanna seiner Jugend. Angeklagt, gemeinsam mit anderen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges KZ-Häftlinge in einer Kirche während einer Bombardierung eingesperrt gelassen zu haben, obgleich sie niederbrannte. Ein Bericht, der kurz nach dem Geschehen verfasst worden war, steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Jeder leugnet, nur Hanna gibt zu, dass sie ihn verfasst hätte.
Der Ich-Erzähler fühlt, dass er etwas tun muss, denn er weiß, Hanna kann weder Lesen noch Schreiben. Doch was kann er wirklich bewirken, ohne Hanna bloß zu stellen, ohne aller Welt das Geheimnis ihres Lebens zu offenbaren, zumal sie genau das nicht wünscht und lieber eine Höchststrafe in Kauf nimmt.
Er holt sich Rat bei seinem Vater, er führt ein Gespräch mit dem Richter. Ist das genug und richtig?

Über die Jahre der Haft - er selbst besucht sie nie - bespricht er Bänder und versorgt sie damit in der Haftanstalt. Er wird zu ihrem Vorleser, wie bereits in jungen Jahren.
Erst im Rahmen eines Begnadigungsakts kommt es zu einer Begegnung. Und was dann folgt macht ein gutes Teil der Dramatik aus.

Bernhard Schlink ist es grandios gelungen, einem durchaus überschaubaren Geschehen seinen prägenden Stempel aufzudrücken und daraus eine spannende, faszinierende Erzählung zu schaffen, die so, wohl kein anderer hätte schreiben können. Immer klar, einfach, überschaubar lässt er uns an einer alltäglichen Geschichte einer Jugendliebe teilhaben, die durch tragische Umstände unvorhersehbare Tiefe erlangt.
Dieses Buch sollte man gelesen haben, denn es wird in der heutigen Zeit nicht viele Autoren geben, die die Thematik des Dritten Reichs aufgreifen können, ohne die Einfachheit mancher Strukturen aus dem Auge zu verlieren, die zu unfasslichen Taten führten. Ich selbst habe in jungen Jahren Einblick in Teile von Ermittlungsakten nehmen können, und ich kann bestätigen, dass oft die unglaublichsten Ursachen zu ebensolchen Folgen führten - was aber den Opfern das Leben kostete und ihren Angehörigen kein Trost sein kann. HMcM
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Straffe Erzählung eines anrührenden Dramas, 18. Oktober 2009
Von 
Schwalbenkönig - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser. Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hätte ich mir wahrscheinlich nie gekauft und es wäre mir wohl überhaupt nicht aufgefallen, wenn es im Buchshop nicht mit dem abnehmbaren Frontcover der Verfilmung gelegen hätte.
Da diese Verfilmung gerade in den Kinos lief und ich mir diese unbedingt ansehen wollte, habe ich einen kurzen Blick riskiert und aufgrund des geringen Preises spontan zugeschlagen. Als kurzweilige Lektüre und Vorbereitung auf den Film, sozusagen.
Und schnell hatte ich den Roman dann tatsächlich durch. Zwei abendliche Sitzungen und da wars auch schon geschehen. Allerdings liest es sich nicht gerade leicht. Manchmal ist der Stil sehr nüchtern, manchmal etwas antiquiert und meistens viel zu bündig. Ohne Umschweife geht es von einem Zeitabschnitt, von einer Begebenheit zur nächsten und ich habe mich ständig geärgert, warum diese oder jene Passage nicht ein wenig mehr ausgebaut wurde. Denn das Potential für mehr Ausführungen oder Details bietet diese Geschichte um deutsche Vergangenheitsaufarbeitung, Lebenslügen und Liebeslust- & frust auf jeden Fall. Nur hat der Autor das Potential (warum auch immer) nicht mal ansatzweise ausgeschöpft. Schade. Etwas mehr Gefühl und Spannung, wie es das an einigen Stellen sicherlich gibt und ich hätte den zahlreichen Belobigungen der Literaturkritiker bedingungslos zugestimmt.
So bleibt am Ende für mich nur der Eindruck einer kurzen, sachlichen Beschreibung eines ansich großen, bewegenden Themas.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sprachliches Highlight!!!, 23. März 2009
Von 
Andrea Lu (Marl, NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Besonders beeindruckt hat mich die Sprache des Buches, die sorgfältig gewählten Worte auf denen man während des Lesens durch die Geschichte getragen wird.

Rückblickend erzählt Michael Berg seine Geschichte, seine Beziehung zu der zwanzig Jahre älteren Hanna Schmitz. Diese leidenschaftliche Liebesbeziehung des Fünfzehnjährigen und Hannas spuloses Verschwinden prägen sein ganzes Leben. Als Jurastudent begegnet er ihr als Angeklagte in einem KZ-Przess wieder. Wohlgehütete Geheimnisse treten zu Tage und beeinflussen wiederum den weitern Lebensweg des Erzählers.

Ein Buch das einen nicht mehr loslässt bis man den letzten Satz gelesen hat!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen lesen, vorlesen, zuhören, 15. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Die Geschichte eines Mannes, dessen Gefühle sein Leben lang gespalten sind, von ihm selbst erzählt. Als Pubertierender verbringt jeden Tag bei einer Frau und wird von ihr in die Sexualität und in die Liebe eingeführt. Diese Frau, Hanna, wird für ihn zur jugendlichen Besessenheit und gibt ihm Dinge, die er bei Gleichaltrigen nicht sehen kann. Mit der Zeit spürt er aber den Altersunterschied und sie verlässt ihn. Nach kurzer Trauerzeit entwickelt er sich scheinbar ganz normal und sieht Hanna auch nie wieder, bis er im Zuge eines juristischen Seminars sie als Angeklagte in einem Prozess gegen KZ-Wachleute wiedererkennt. Der Erzähler ist stoisch, bringt weder ihr noch anderen Mitmenschen gegenüber Gefühle auf, wird zum Exzentriker und Eigenbrötler und ist sich nicht sicher, ob er sich dessen bewusst ist. Er stellt fortwährend sein Dasein in Frage, bleibt nach der Verurteilung Hannas mit ihr im Kontakt, indem er Bücher auf Kassetten vorliest und diese Ihr ins Gefängnis schickt, da sie Analphabetin ist.
Diese Gespaltenheit des Erzählers, der wegen seiner Jugendbeziehung an seinem Leben zweifelt, der zu schnell erwachsen wurde und doch so vieles versäumt hat zieht sich durch den ganzen Roman. Schlink ist dabei nie provozierend, er lässt seinen Erzähler immer kühl und sachlich seine Erfahrungen schildern, ein unterschwelliger Rebell, der sich aber immer zurücknimmt. Ein trockenes Buch, aber spannend zu lesen. Trotzdem bleibt am Ende der schale Geschmack, das irgendetwas fehlte.
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Komplexität der Einfachheit, 3. Mai 2007
Von 
K. Greiner (Dortmund) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Wie eine in jungen Jahren eingegangene Beziehung ein ganzes Leben weiterwirken und leiten kann, dies beschreibt Bernhard Schlink in seinem Roman „Der Vorleser“. Der Ich-Erzähler Michael Berg leidet im Alter von 15 Jahren an Gelbsucht. Als er sich auf dem Heimweg von der Schule übergeben muss, wird er von der 20 Jahre älteren Hanna Schmitz aufgelesen. Sie wäscht die Straße und Michaels Gesicht rein, anschließend bringt sie ihn nach Hause. Nachdem Michael die Krankheit ausgestanden hat, geht er zu Hanna um sich zu bedanken. Hiermit beginnt die Beziehung der beiden ungleichen Charaktere, die Michael sein ganzes Leben lang begleiten soll. Michael wird Hanna geradezu hörig, tut alles um sie nicht zu erzürnen, stellt wenig bis gar keine Fragen.

Die nur einen Sommer dauernde Beziehung endet abrupt, als Hanna plötzlich, ohne ein Wort zu sagen, die Stadt verlässt. Jahre später, Michael studiert mittlerweile Jura, gibt es ein Wiedersehen der beiden vor Gericht. In einem NS-Prozess soll Hanna gemeinsam mit anderen Frauen als KZ-Aufseherin zur Rechenschaft gezogen werden.

Schon während der direkten Beziehung zwischen Michael und Hanna wird dem Leser bewusst gemacht, dass Hanna ein Geheimnis in sich trägt. Während des Prozesses erkennt Michael, dass Hanna Analphabetin ist und um diese Scham zu verbergen selbst eine Gefängnisstrafe in Kauf nimmt.

Die Thematik von Scham und Schuld zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Angefangen von Michaels Scham gegenüber seiner Familie und seinen Freunden von der Beziehung zu Hanna zu erzählen, über dessen Schuldgefühl eine KZ-Aufseherin geliebt zu haben, bis hin zu Hannas Scham nicht lesen und schreiben zu können.

Mit erschreckender Einfachheit beschreibt Schlink, wie die Beziehung zu Hanna Michaels gesamtes Leben bestimmt. Immer wieder wird die Schuldfrage neu aufgeworfen, alle weiteren Frauen vergleicht Michael immer wieder mit Hanna.

Schlink, selbst Jurist in Bonn und Berlin, stellt den Leser vor die Aufgabe selbst zu entscheiden, ob man unter den gegebenen Umständen Mitleid mit Hanna, der Analphabetin, die ihr ganzes Leben nur nach dem Verbergen ihrer Lese- und Schreibschwäche ausrichtet, haben soll, oder ob man Hanna als KZ-Aufseherin und Kriegsverbrecherin verurteilen soll.

Problematisch ist die Beurteilung Hannas, deren Standpunkt und Charakter allein durch den persönlichen Blickwinkel des Ich-Erzählers übermittelt wird. Man erfährt nichts über Hannas Gefühle oder Beweggründe, dieses oder jenes zu tun, man muss sich allein durch Michaels Gedankengänge ein Bild über die Person Hanna Schmitz machen.

Mit kurzen, prägnanten Einleitungssätzen wird das Geschehen innerhalb eines jeden Kapitels grob vorweggenommen. Der Autor bedient sich einer einfachen Sprache sowie Struktur mit vielen kurzen, linearen Sätzen und einfachem Vokabular. Somit sollte es auch ungeübten Lesern möglich sein das Buch an einem Tag auszulesen.

Man soll jedoch nicht meinen, dass, nachdem man das Buch zugeschlagen hat, alle Umstände geklärt sind und man sich ruhigen Gewissens einer neuen Lektüre zuwenden kann. Der Roman wirft Fragen auf und regt Gedanken an, mit denen sich der Leser noch weit über die Lektüre hinaus beschäftigen kann, wird und vielleicht sogar muss.

Trotz seiner banal anmutenden Einfachheit ist „Der Vorleser“ ein gelungener Roman, der die Scham- und Schuldproblematik in ein völlig neues Licht rückt und aus der Literatur über den Nationalsozialismus nicht wegzudenken ist.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erotisch - Traurig - Wundervoll, 9. April 2006
Von 
Stephan Seither (Berg / Rheinland-Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
DER VORLESER mag eines der Art Taschenbücher sein, die in Buchhandlungen schlummern und nur darauf warten, dass man sich nach einem flüchtigen Blick zwischen ihre Seiten entschließt zuzugreifen... - man sich die Zeit nimmt zu experimentieren - das unbekannte Buch zum Versuch wird...

Ohne genau zu wissen, worum es in dem Buch wirklich gehen könnte, ohne näher "geprüft" zu haben welchen Schreibstil, welche Sprache, welche Geschichte Bernhard Schlink wohl auserwählt haben würde, um seinen Lesern Unterhaltung zu bieten, kaufte ich diesen Roman - und diese spontane Entscheidung entpuppte sich sehr schnell als wirklicher Glücksgriff...

Was sich in den ersten Kapiteln einzig wie die sehr reizvoll beschriebene Liebesbeziehung zwischen einer Frau Ende 30 und eines Jungen von zarten 15 Lebensjahren in der deutschen Nachkriegszeit liest, verwandelt sich schmerzlich vom erotischen Liebesroman zur extrem aufrichtigen und traurigen Anklageschrift gegen ganze Jahrgänge sog. "Befehlsempfänger" des Dritten Reiches.

Die Geschichte des ungewöhnlichen Liebespaares erfährt eine dramatische Wende - der leichte Sommertraum dieser ursprünglich anziehenden Liebesgeschichte gerät ins Wanken, die gerade so frisch entdeckte Welt aus den Fugen...

Es liegt lange zurück, seit ich zuletzt wegen eines Romanes Tränen in den Augen hatte - die letzten 100 Seiten dieses Buches wollten meine Augen fast nicht mehr trocknen, verbreitete der Roman eine so bedrückende, bleierne Stimmung - richtig beklemmend baute sich die Geschichte auf - beklemmend und zugleich anziehend, spannend, fesselnd zu keinem Zeitpunkt langweilig...

DER VORLESER ist tatsächlich ein Buch, welches man nicht mehr aus den Händen legen möchte, sobald man die ersten Zeilen "inhaliert" hat!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schuldig oder Unschuldig, 18. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Vorleser (Taschenbuch)
Die erste Liebe mit 15 Jahre, zu einer wesentlich älteren Frau (Hannah Schmitz), So beginnt Bernhard Schlink seinen Roman "Der Vorleser". Diese Liebe ist für Hauptfigur (Michael Berg) den ganzen Roman hindurch prägend. Plötzlich und unerwartet wird die Beziehung von Hannah Schmitz beendet. Alle Versuche von Michael Berg seine große Liebe wiederzufinden sind nicht erfolgreich. Erst während seines Jurastudiums trifft er seine große Liebe wieder, in einem Gerichtssaal. Hannah Berg ist angeklagt, da sie während der NS-Zeit Aufseherin in einem Konzentrationslager war.
Seit diesem Zeitpunkt habe ich mich immer wieder gefragt, ob Hannah Berg schuldig ist. Sie war Analphabetin und hat sich immer wieder von den Schwächsten der Inhaftierten vorlesen lassen.Wer ist schuldig, die Menschen die dem Regime gedient (für es gearbeitet haben) oder nur die Befehlsgeber?
Ein wirklich toller Roman, wenn nicht sogar der Beste, den ich je gelesen habe.
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Der Vorleser
Der Vorleser von Bernhard Schlink (Taschenbuch - 1997)
EUR 9,90
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