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906
4,1 von 5 Sternen
Das Parfum
Format: TaschenbuchÄndern
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Grenouille ist mit einem besonders stark ausgeprägtem Geruchssinn auf die Welt gekommen. Seit seiner Geburt stößt er durch sein eigenbrödlerisches und unscheinbares Wesen immer wieder auf Ablehnung. Deshalb setzt er alles daran, ein Parfüm zu kreieren, das die Menschen derart verzaubert, dass sie ihn dafür lieben. An und für sich ist sein Wunsch nicht schlimm und menschlich - wenn damit nur nicht das Ermorden junger Frauen mit einhergehen würde, um deren olfaktorische Essenzen zu stehlen und zum perfektem Parfüm zusammenzukomponieren.

Der Roman "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" ist sehr leicht wegzulesen. Die Sprache von Patrick Süskind ist einfach, aber dafür ziemlich bildlich. Die Gerüche werden durch die richtigen Metaphern so beschrieben, dass man sie sich gut vorstellen kann und das ist für sich allein schon eine Kunst.
Des Weiteren ist die Geschichte sehr spannend. Ungeliebte Längen gibt es meines Erachtens nicht. Alles scheint dem Erzählfluss zu dienen und nichts stört den Spannungsbogen.
Im Vergleich mit dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2006 ist zu sagen, obwohl der Film thematisch sehr gut umgesetzt wurde, trifft er das Buch nicht ganz. Besonders die Figur des Grenouille wird im Roman als Scheusal dargestellt. Im Film wirkt er eher brav. Die Romanvorlage ist also schon besser, aber die Verfilmung allein ohne das Buch ist in dem Sinne auch nicht großartig zu bemängeln.

"Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" ist ein im Erzählstil sehr einfach gehaltener Roman, der vor allem durch seine Verbildlichungen zu überzeugen weiß. Dazu ist der Plot extrem spannend umgesetzt worden. Selbst nach dem zweiten Mal Lesen weiß das Buch noch zu überzeugen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. März 2012
Der im Frankreich des frühen 18. Jahrhunderts geborene Jean-Baptiste Grenouille, ausgestattet mit einem übermenschlichen Geruchssinn, geht auf der Jagd nach dem perfekten Parfum über Leichen.
Was sich anhört, wie ein interessanter Krimi, ist in der Tat viel mehr als nur das. So viel mehr, dass ich einen ganzen Aufsatz schreiben möchte, mit dem ich den Rahmen einer Rezension jedoch sprengen würde. Deshalb die wichtigsten Punkte, die unter der bloßen Kriminalgeschichte lauern, in aller Kürze:
1. Süskind thematisiert mit aller Schärfe den unterschwelligen Einfluss der Gerüche auf unser Fühlen, Denken und Handeln und zerstört damit das, was wir doch so lieb haben: Die Illusion, wir seien uns über unsere Beweggründe allzeit und vollständig bewusst.
2. Der Protagonist ist nicht einfach ein menschenverachtendes Monster. Er ist ein Genie. Der Autor treibt den Leser dadurch in einen Balanceakt auf das dünne Seil zwischen Abscheu und Bewunderung.
3. Durch oft subtile Ironie, die beim Leser für zahlreiche Schmunzeleffekte sorgen dürfte, entlarvt Süskind nicht nur den Klerus (vom Mönch bis zum Bischof), nicht nur die mittleren (von der Amme bis zum Meister eines Handwerks), sondern auch die scheinbar aufgeklärten Gesellschaftsschichten (vom Richter bis zum "Wissenschaftler") des frühen 18. Jahrhunderts in all ihrer Naivität, Selbstüberschätzung und ihrem Dilettantismus.
Alles in allem, da nicht nur ein Universum verschiedenster Themen und "Motive", sondern auch in sprachlich-stilistischer Sicht schlichtweg ein Meisterwerk, einer der besten Romane der sogenannten Gegenwartsliteratur.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juni 2015
Von Jean-Baptiste Grenouille, dem finsteren Helden, sei nur verraten, daß er 1738 in Paris, in einer stinkigen Fischbude, geboren wird. Die Ammen, denen das Kerlchen an die Brust gelegt wird, halten es nur ein paar Tage mit ihm aus: Er sei zu gierig, außerdem vom Teufel besessen, wofür es untrügliche Indizien gebe: den fehlenden Duft, den unverwechselbaren Geruch, den Säuglinge auszuströmen pflegen.

Dieser Roman ist wirklich ein echter Klassiker. Die beschriebene Atmosphäre ist einzigartig und versetzt den Leser in eine andere Welt. Eine Welt der Grausamkeit, Angst, Emotionen, Neugier und der Düfte. Man wird von dieser Geschichte angezogen und gleichzeitig auch abgestossen. Die Figuren sind lebendig und die kranke Obsession Grenouilles ist fühlbar und angstmachend.

Der Autor Süskind spielt mit der Sprache und schafft eine unglaubliche literarische Kraft, die mich in den Bann zieht und nicht wieder los lässt. Sagenhaft gut und sehr beeindruckend in seiner ganzen Form.

Die Szenerie wird so bildhaft und genau beschrieben, die Düfte riecht man förmlich und die grausamen Taten scheinen fast real zu sein. So ein Schreibtalent sollte man gelesen haben. Dazu kommt eine Handlung, die zwar abstossend wirkt, aber nachvollziehbar erscheint, weil die Gedanken Grenouilles dem Leser bekannt sind.

Dieses Werk einzigartiger Erzählkunst Patrick Süskinds sollte man gelesen haben. Es ist ein Feuerwerk der Emotionen, die beim Lesen explodieren und mitreißen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. April 2005
„Das Parfum" von Patrick Süskind. Ein 320-Seiten starker Band, erschienen im Diogenes-Verlag, viel gerühmt und eines der wenigen deutschen Bücher, die in den letzten Jahren weltweit Aufsehen erregten. Beim „Parfum", meiner Meinung nach, zu Recht. Was für ein genialer Mensch muss dieser Patrick Süskind wohl sein, ein solch zerrüttendes, an keiner Stelle langweiliges Buch schreiben zu können?
Nun, meiner Meinung nach gibt es hierfür zahlreiche Gründe, Kriterien, die ich persönlich vornehmlich zur Bewertung von Büchern hinzuziehe. Da wäre zum Einen die Person des Hauptcharakters Jean-Baptiste Grenouille (frz. „Frosch"). Schon zu Anfang des Buches, erwähnt Süskind, dass es sich hierbei um eine der genialsten und abscheulichsten Gestalten Frankreichs im 18. Jahrhundert handle, und das mag schon was heißen, zumal doch diese Epoche nicht gerade solcher Gestalten entbehrte. Grenouille ist recht außergewöhnlich. Charakteristisch für ihn ist sein übersensibles Geruchsorgan, nicht nur besser ausgebildet, als bei allen übrigen Menschen auf dieser Erde, nein, sogar noch empfindlicher als die Nase der Hunde oder aller übrigen Tiere. Er selbst wurde als fünftes uneheliches Kind einer jungen Frau in der Rue aux Fers, dem stinkendsten Ort im gesamten Königreich, in einer Fischbude neben dem Friedhof geboren. Es war die erste Lebendgeburt dieser Frau und eigentlich wollte sie auch dieses seltsame Kind, dieses abscheulich schreiende Ungeheuer, töten, doch dazu kam es nicht, weil Grenouille die gesamte Straße herbeischrie. Kurzerhand wurde Grenouilles Mutter zu Tode verurteilt und das Kind von einer Amme zur nächsten geschoben. Hier erhielt der junge Jean-Baptiste nicht die kleinste Liebesbezeugung, derer er, ehrlichgesagt, auch gar nicht bedurfte. Schon von Anfang an wird klar, dass mit Grenouille etwas nicht stimmt: Er verströmt keinen Eigengeruch. Olfaktorisch gesehen existiert dieser Mensch eigentlich überhaupt nicht. Jean-Baptiste wird also von den anderen Menschen gemieden, weil von ihm eine böse und unheimliche Aura ausgeht, was ihn zu einem lebenslangen Einzelgänger macht. (Nicht, dass er etwas dagegen gehabt hätte). Sein ganzes Leben lang dreht sich bei ihm ohnehin alles nur um Gerüche. Er wird Gehilfe des Gerbers Grimal, Gehilfe des Parfumeurs Baldini, verbringt sieben Jahre einsam auf dem Gipfel eines Berges und wird schließlich Gehilfe eines Parfum-Meisters in Grasse, stets auf der Suche nach dem Parfum, das ihn zum geliebtesten Wesen dieser Welt macht.
Solch eine Person ist an Abscheulichkeit, aber auch an Faszination, wohl kaum zu übertreffen. Was mich an diesem Grenouille so sehr beeindruckt, ist die Tatsache, dass er ein völlig unabhängiges Individuum ist, etwas, das noch nie da gewesen ist, weder in der Realität noch in der Fiktion. Man merkt sofort: Patrick Süskind hat sich mit der Materie eingehend auseinandergesetzt, er versetzt sich dermaßen überzeugend in die Situation Grenouilles, dass man meinen könnte, er habe dies alles selbst erlebt. Zudem gelingt dem Autor durch treffende und schillernd-bunte Beschreibungen eine exakte und lebendige Schilderung der Geschichte. Süskind ist ein Meister der Worte, er weiß, wann er seinen Leser durch Dialoge zerstreuen muss, wie er ihn mit der richtigen Wortfülle bannt und wie er eindeutig eine komplexe Situation darstellen kann, ohne zu verwirren. Beeindruckend war für mich diese Fülle an Beschreibungen. Wer hätte gedacht, dass die deutsche Sprache so viele Begrifflichkeiten birgt, die bei treffender Komposition ein so eindrucksreiches Bild der Realität liefern? Und es ist ein Bild der Realität, in der Tat. Die Wirkung von Patrick Süskinds Sprache reicht von „einfach nur überwältigend" bis hin zu „surreal". Der Autor kennt hierbei keine Tabus, sondern zeigt den Menschen so wie er ist, ohne seine schlechten und animalischen Seiten zu verstecken, die stark die Handlungsweise des einzelnen beeinflussen und doch so oft vertuscht werden und unter einen moralischen Teppich gekehrt werden. Die Darstellung des Menschen insgesamt ist an Misanthropie kaum zu übertreffen. Grenouilles ganzer Hass kommt hierbei zum Ausdruck, aber auch, mit einer gehörigen Portion Zynismus, Ironie und Sarkasmus, ein Spiegel unserer Selbst, die absolute Diskrepanz zwischen unseren tatsächlichen Gedanken, unseren Worten und unserem Tun. Den einen mag es erschrecken, so direkt in sein wahres Antlitz zu blicken, doch die Wahrheit von Süskinds Beschreibungen wird dadurch nicht verändert.
Doch auch auf wissenschaftlich-sachlicher Seite gelingt Süskind eine literarische Höchstleistung. Seine präzisen Kenntnisse über das Geschäft der Parfumherstellung überzeugen nur noch mehr, dass hier einer ans Werk geht, der wirklich weiß, wovon er schreibt, kein Stümper, kein Hobbyschreiber und kein Laie, sondern einfach nur ein genialer Schriftsteller. Er beweist vielseitige Kenntnisse in Hunderten von Bereichen: Parfumherstellung, Wirkung des Geruches auf den Menschen, soziale Situation der Menschen im 18. Jahrhundert, Geschichte und Geographie Frankreichs. Und nicht zuletzt ist er ein Menschenkenner, einer, der hinter diese Fassade schaut, die jeder von uns aufgebaut hat und die wahren Beweggründe ans Tageslicht zerrt.
Zum Abschluss kann ich sagen, dass „Das Parfum" zu den eindrucksvollsten Büchern gehört, die ich je gelesen habe und kann es somit nur jedem empfehlen, der Lust auf eine Abwechslung der trivialen Alltagsberieselung hat.
Fazit: Süskind überzeugt durch
1. die Hauptperson Grenouille
2. treffende Schilderungen
3. abwechslungsreiche und spannende Handlung
4. Kenntnisse in vielen Bereichen
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Dezember 2013
Die Bewertung über Film und Buch habe ich aus folgenden Gründen gleichlautend geschrieben: Erst nachdem ich den faszinierenden, ein ungewöhnliches Thema darstellenden Film gesehen habe, kaufte ich mir das Buch. Die unglaubliche Ausdruckskraft, die außergewöhnliche Schilderungsdynamik von P. Süskind ließen mich den Roman in einem Stück durchlesen. Wobei die bizarre Geschichte des "monströsen Riech-Genies" Jean-Baptiste Grenouille nicht allein der ausschlaggebende Punkt war, dass ich es voller Spannung gelesen habe, sondern die schier unglaubliche, beeindruckende Sprachgewalt Süskinds über Gerüche. Manchmal hat man das Gefühl, als steigen Düfte aus den Buchseiten heraus. Ein für mich in der heutigen Zeit literarisches Phänomen. Fast ohne wörtliche Reden oder Dialoge, wie dies so häufig in zeitgemäßer Belletristik praktiziert wird, schaffte es der Roman, mich in seinen Bann zu ziehen. Allerdings hatte mich die Anhäufung zahlreicher ungewöhnlicher Begriffe und Fremdwörter ein klein wenig gehemmt; musste oft über deren Bedeutung in Wörter - und Sachbüchern nachschlagen.

Nachdem ich nun beides "erlebt" habe, Film und Buch, ist es für mich eigentlich unmöglich, getrennte Bewertungen zu schreiben. Denn vor meinen Augen vermischen sich sowohl im Buch als auch im Film meine Vorstellungen der jeweiligen Ereignisse und Personen miteinander.
So schwebte mir beim nochmaligen Lesen statt des als verwachsenen und missgestaltet geschilderten Grenouille die schmächtige, mit unschönen Hautverfärbungen versehene, in schlau-verschlagener Art dargestellte Gestalt des genialen, mit übersinnlichen Riech-Fähigkeiten ausgestatteten Hauptdarstellers vor Augen. Eine hervorragende schauspielerische Leistung von Ben Wishaw, dessen Darstellung für mich deshalb sogar glaubwürdiger wirkte als die Romanfigur. Doch der gealterte Parfumeur Baldini war für mich sowohl im Buch als auch im Film ein und dieselbe Person. Eine absolute Glanzleistung von Dustin Hoffman. Im Grunde genommen hatte ich das natürlich von ihm erwartet, wie auch die Rolle des Kaufmanns Antoine Richis, gespielt von Alan Rickman.

Um die Grundgeschichte im Film anzudeuten, wird vor Filmbeginn eine aus dem Dunkel sich langsam heraushebende Nase gezeigt, deren Nasenflügel sich witternd blähen. Etwas grotesk zwar, aber wie sonst könnte man in einem Film wohl Geruchsempfindungen einprägsamer darstellen. Nach der Urteilsverkündung über den mehrfachen Mörder Grenouille, die im Film aus dramaturgischen Gründen vorangestellt, also nicht wie im Roman zum Schluss geschildert wird, erfolgt der eigentliche Beginn des Films mit der einprägsamen, wunderbaren Stimme des deutschen Erzählers Otto Sander, der wortgleich wie im Roman den Film mit den Worten einleitet: "... weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein Gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterlässt: auf das flüchtige Reich der Gerüche."

Das Filmdrehbuch erzählt die Geschichte im Vergleich zum Roman wesentlich straffer und lässt einige Romanparts vollkommen beiseite. So wurde auch der äußerst amüsant geschilderte Romanabschnitt des Paters Terrier, der die Aufmerksamkeit des Kleinkinds Jean-Baptist mit geradezu närrischem Kosen, ein "Duzzi, duzzi", zu erringen versucht, ausgelassen.
Bis zu seiner Begegnung mit dem Mirabellenmädchen schildert der Erzähler Otto Sanders den Lebensweg Jean-Baptiste Grenouilles im Film. Hierzu wird die bildliche Darstellung von Paris in recht beeindruckend düsteren, regelrecht "schmutzigen" Bildern gezeigt, so wie es auch Süskind so drastisch-plastisch in unnachahmlicher Art zu schildern vermag.

Die Schlüsselszene mit dem Mirabellenmädchen, in der Grenouille ihren überirdischen Duft wahrnimmt, sie ungewollt tötet, sich an ihrem Geruch berauscht und dann verzweifelt feststellt, dass dieser himmlische Duft sich schnell verflüchtigt, ist das eigentliche Grundmotiv von Buch und Film. Hier erwacht Grenouilles Wunsch, Parfumeur zu werden, um Düfte konservieren zu können. Er beginnt deshalb eine Lehre bei dem Parfumeur Guiseppe Baldini. Das Resümee des gealterten, einst erfolgreichen, nun aber erfolglosen Parfumeurs, der in weinerlichen, vorwurfsvollen Selbstmitleid in seinen Erinnerungen an die "gute alte Zeit" schwelgt - wunderbar erzählt von P.Süskind - wird zwar im Film ausgelassen, doch Dustin Hoffmans glänzende Darstellung dieses schrulligen Mannes gleicht das in höchstem Maße wieder aus. Auch wird im Film etwas hinzugefügt, was die Ambitionen Grenouilles folgerichtiger als die im Roman geschilderten Gründe erscheinen lassen. Baldini erklärt Grenouille die Zusammensetzung eines "perfekten Parfüms", welches aus zwölf Noten besteht, und aus den 3 Akkorden - Kopf-, Herz- und Basisakkord. Die 13.te Essenz, deren Geruch Menschen ins Paradies zu versetzen vermag, hat man nie gefunden.
Möglicherweise hat P. Süskind das Drehbuch beeinflusst bzw. hat im Nachhinein diese Änderung befürwortet, denn seine Version, den "himmlischen Duft" der jungen Frau Laure, Tochter des verwitweten Kaufmanns Antoine Richis, in Grasse mit einem "Duftdiadem" von 24 getöteten Jungfrauen zu umwinden und damit gewissermaßen zu krönen, empfand ich persönlich doch ein wenig zu "obskur".

Grenouilles Entsetzen, dass er Düfte von Lebewesen bei Baldini nicht destillieren kann, wird durch Baldini besänftigt, indem er dem Verzweifelten erklärt, dass durch Enfleurage (Ein Verfahren zur Duftgewinnung) in Grasse so etwas realisiert werden kann.

Grenouille macht sich auf die Reise dorthin. Im Film wird Grenouilles Aufenthalt auf dem "größtmöglichen Punkt der Einsamkeit", der Erhebung Plomb du Catal, stark verkürzt. Hier an dieser Stelle möchte ich hinzufügen, dass im Film zu meiner persönlichen Erleichterung auf Süskinds geschilderter Nahrungsaufnahme Grenouilles von "kleinen Salamandern und Ringelnattern, die er roh und mit Haut und Haaren verschlang ..." verzichtet wird. Und während P. Süskind philosophisch-esotherisch die Einsamkeit des "Großen Grenouille", dessen Träume der tief im Inneren gespeicherten Düfte mit ungeheurer Wortgewalt ausführlich beschreibt, beschränkt sich der Film auf eine weitere Schlüsselszene aus dem Roman: In einem Albtraum erscheint das Mirabellenmädchen, welches ihn gar nicht wahrnimmt. Erschüttert stellt Grenouille fest, dass er über keinen Eigengeruch verfügt. P. Süskinds Schilderung dieser Erkenntnis ist derartig einprägsam, dass man unwillkürlich beim Lesen dazu neigt, kurz an seiner eigenen Hand "schnuppern" zu wollen.
Das Drehbuch überspringt wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen den Aufenthalt Grenouilles in Montpellier, beim Marquis Taillade- Espinasse, einem Wissenschaftler aus Liebhaberei, dessen Erdfluidumstheorie, dessen Revitalisierungskur im Vitalluftventilationsapparat er sich unterzieht. Auch die Anfertigung eines künstlichen Eigengeruchs durch Grenouille wird übersprungen.
Im Roman selbst wird dieser Abschnitt sehr ausführlich geschildert, natürlich sprachrhythmisch überragend und vor allem stilistisch äußerst amüsant- interessant.

Die dritte Schlüsselszene ist Grenouilles Begegnung mit Laure Richis in Grasse, deren Duft ihn in "göttliche" Wonnen versetzt.
Und hier macht er sich im Gegensatz zum Roman, wo er zwei Jahre warten muss, um diesen Duft in seiner Vollendung "ernten" zu können, sofort daran, den perfekten Duft zu kreieren.
Und anhand Baldinis Schilderung der benötigten Essenzen für ein "perfektes Parfum" tötet Grenouilles zunächst 12 jungfräuliche Mädchen, um dann seine Schöpfung mit dem himmlisch-verführerischen Duft der getöteten Laure Richis zur absoluten Vollkommenheit mischen zu können.

Patrick Süskind muss meines Erachtens ungeheure, akribische Vorbereitungen getroffen haben, um die Sachverhalte der Duftgewinnung und der Parfümherstellung so ausführlich und ungemein kenntnisreich beschreiben zu können. Gepaart mit einer außergewöhnlichen stilistischen Sprachkunst, einer sprachlich gewaltigen Bandbreite der plastischen, geradezu lebendigen Darstellung der geschilderten Dinge und Personen machen den Roman zu einem einmaligen literarischen Kunstwerk, zu einem Roman, wie ich ihn noch nie gelesen habe. Patrick Süskind wird damit in meinen Augen zu einem hervorragenden Romancier der heutigen Zeit, wie er seinesgleichen sucht.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Januar 2002
Die faszinierende und spannende Geschichte, Das Parfum, hat für jeden Leser etwas zu bieten. Der Roman, der uns zurück ins Frankreich des 18. Jahrhunderts entführt, handelt von der Suche eines olfaktorischen Genies/ Ungeheuers nach dem idealen Parfüm, das seine Geruchlosigkeit verbirgt und ihm ermöglichen soll, die Herzen der Menschen zu beherrschen.
Es ist einfach eine gute spannende Geschichte über Mord, Lust und Gier, und durch die Beschreibung der Gerüche wird man veranlasst, alles um sich herum anders zu riechen. Für die meisten Leser würde dies schon genügen, so würden sie sich aber die Ironie und die Vielschichtigkeit des Buchs entgehen lassen.
Das Parfum ist voll der Widersprüche eines postmodernen Romans: es ist gleichzeitig ein Krimi, ein Künstlerroman, ein historischer Roman, eine seltsame Lebensgeschichte…Es ist einerseits einfach zu lesen, da es einen chronologischen Aufbau hat und es einen altmödischen Erzähler gibt, aber anderseits auch Aufgrund seiner psychologischen und philosophischen Ansichten kompliziert. Es ist eine ernste Geschichte, und gleichzeitig doch ironisch. Man hat sicher voher nie so etwas gelesen, aber es ist möglich, ein Netzwerk von Pastiche und Intertextualität zu entdecken, den Stil sogar ganzer Sätze mit denen anderen Autoren zu verbinden (Hoffmans Das Fräulain von Scuderi, Thomas Mann’s Doktor Faustus).
Wie in Umberto Ecos Der Name der Rose, verlangt das Buch viel von seinem Leser, und mit guten literarischen Kenntnissen und einer guten Nase kann man viel herausfinden. Man könnte es als eine einfache Collage von altem Stoff kritisieren, aber das Buch ist auf eine Art und Weise verfasst, um einerseits ein tieferes Nachdenken über die Kunst und darüber, was man Genie nennt, hervorzurufen.
Also wenn man den Roman in seiner Vielschichtigkeit betrachtest, kann er nur gefallen. Man kann sich auf die Aspekte konzentrieren, für die man sich interessiert.
Deswegen hat Das Parfum die Bestsellerliste erreicht. Es war aber nicht nur eine Modeerscheinung oder kurzfristige Begeisterung; sogar 15 Jahre später gefällt es noch Lesern verschiedener Generationen (meine Mutter und mein Großvater haben es gelesen). Also wenn du einer der wenigen bist, die es noch nicht gelesen haben, dann weißt du, was du jetzt zu tun hast!
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Mai 2004
Das Parfum ist eine Geschichte von grosser Bildkraft und faszinierend kunstvoller Sprache, die den Leser von Anfang an in ihren Bann zieht und ihn eintauchen lässt in das Frankreich - das Paris - des 18. Jahrhunderts.
Mit grossem Geschick ruft Süskind die damalige Welt vor den Augen des Lesers ins Leben und erzählt die Geschichte des Jean-Baptiste Grenouille, der aufgrund seines fehlenden Eigengeruchs von seinen Mitmenschen, die ihn sprichwörtlich „nicht riechen können", gemieden und verstossen wird. Da der Aussenseiter gleichzeitig über einen Absoluten Geruchssinn verfügt, macht er es sich zur Lebensaufgabe, der grösste Parfumeur aller Zeiten zu werden und ein Parfum zu erschaffen, das die Menschen manipulieren und die ganze Welt dazu zwingen würde, ihn zu lieben; „Denn wer die Gerüche beherrschte, der beherrschte die Herzen der Menschen.". Für diese Herstelllung dieses Parfums tötet er junge Frauen und raubt ihnen ihren Duft. Als der Mörder festgenommen und zum Tode verurteilt wird, bringt er am Tag seiner Hinrichtung sein erschaffenes Parfum zu ersten Mal zum Einsatz...
Die Idee des von seiner Umwelt isolierten Genies ist nicht ganz neu (man denke an Robert Schneiders Schlafes Bruder). Süskind verleiht dem Thema aber psychologische Tiefe und macht es so interessant. Obwohl er Grenouille einerseits als eine abscheuliche und böse Gestalt bezeichnet, legt er andererseits die Beweggründe für das Handeln seines Helden plausibel dar und zeigt, in welcher Weise er von seiner Umwelt zu dem gemacht wird, was er ist. Als Leser schwankt man deshalb permament zwischen Sympathie und Abscheu für diesen faszinierenden Menschen.
Insgesamt ist die Erzählung eine Mischung aus Historischem Roman und Kriminalgeschichte, die neben einer fesselnden Handlung noch einiges an Hintergrundwissen über die damalige Zeit und sogar über die Parfumherstellung bietet und ausserdem deutlichmacht, wie sehr Menschen unbewusst von Gerüchen gesteuert werden. Und nicht zuletzt bringt Süskind durch seine humorvolle Darstellung der damaligen Welt und seiner Bevölkerung den Leser immer wieder zum Schmunzeln. So kommeniert er zum Beispiel ironisch die Mitmenschen Grenouielles und zeigt ihre absurden Träume und Wünsche oder ihre abwegigen Theorien über die Welt und das Leben.
Es ist verständlich, dass dieses Buch ein Bestseller und ein fester Bestandteil der Weltliteratur geworden ist.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Februar 2006
Vor einigen Jahren wurde mir dieses Buch von einer Schulfreundin empfohlen. Zuerst war ich etwas skeptisch, muss jedoch im Nachhinein sagen, dass das eines der besten Bücher ist, die ich gelesen habe.
Und das schon mehrmals, und werde es sicher auch noch weitere Male lesen.
Kurz zum Inhalt:
Jean-Baptiste Grenouille wird in Paris im Jahre 1738 unter nicht gerade idealen Voraussetzungen geboren, aber er setzt sich gegen alle Widrigkeiten des Lebens durch und überlebt sowohl den Mordversuch seiner Mutter, sein entbehrungsreiches Leben als Kleinkind, sowie die strapaziöse Zeit als Hilfsarbeiter bei einem Gerber.
Er ist mit einem überaus einzigartigen Geruchssinn ausgezeichtnet, riecht jedoch selbst nach "nichts". Überall ist er aufgrund seiner Geruchlosigkeit zum Außernseiter geworden, und versinkt immer mehr in seine eigene "Geruchswelt".
Eines Tages, er ist in Paris unterwegs, riecht er den Duft eines jungen Mädchens. Er kann sich von ihrem Duft nicht mehr losreißen - er will ihn beitzen. Und so kommt es zu seinem ersten Mord.
Leider ist der Duft des Mädchens schnel verloren und so beschließt Grenouille, zu lernen wie man Düfte konserviert. Er macht eine Lehre bei einem Parfumeur.
Mit 25 Jahren wird sich zum ersten Mal seine eigene Geruchlosigkeit so richtig bewusst. Er versucht, Düfte herzustellen, die nach "Mensch" riechen, um somit unerkannt bzw. unauffällig leben zu können.
In der französischen Parfummetropole Grasse tötet Grenouille 25 weitere Frauen, um ihren Duft für sich zu gewinnen. Er wird schließlich der Morde überführt, jedoch bewahrt ihn der reine Duft der jungen Frauen vor der Todesstrafe - alle halten ihn aufgrund seines Geruches für einen überaus liebenswerten Menschen.
Endlich hatte er erreicht, was er sich erhoffte: Die Macht über die Menschen aufgrund seines Geruches.
Er kehrt dann in seine Heimatstadt Paris zurück, wo er sich von Dieben, Mördern und Huren ermorden lässt: Die Begierde, an seinem überwältigenden Duft teilzuhaben ist so groß, dass sie ihn verschlingen.
Mein Fazit: Ein überaus lesenswertes Buch, das zwar sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist, dem man aber dennoch eine Chance geben sollte.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Februar 2004
Duftrausch
Patrick Süskind ( geb. 1949 ) befasst sich in seinen Werken hauptsächlich mit Einzelgängern, die Schwierigkeiten mit ihren Mitmenschen haben und sich in ihre eigene Welt zurückziehen.
Eines seiner erfolgreichsten Werke ist " Das Parfum " - Die Geschichte eines Mörders.
Im Zentrum des Romans steht die Entwicklung eines Geruchgenies, der in einer Duftwelt lebt und über Leichen geht.
Patrick Süskind öffnet dem Leser durch seine unglaublichen Beschreibungen und Vergleiche der Gerüche das Tor zu einer Welt der Düfte. Süskind belässt es nicht einfach bei schlichten Aussagen, sondern intensiviert die Situationen durch seine detailgetreue Ausdrucksweise.
Der Autor nutzt die allwissende Erzählperspektive erfolgreich aus. Nicht nur dass das Geschehen aus Grenouilles Perspektive geschildert wird, sondern Süskind versetzt sich auch in einzelne Personen und erzählt aus deren, personaler, Perspektive. Als Beispiel sei die Schilderung aus der Sicht Richis genannt, der mit allen Mitteln versucht seine Tochter, das letzte und seine Kreation krönende Opfer zu retten. Damit erweckt er Mitleid und Gerechtigkeitssinn des Lesers, da dieser hofft, dass Grenouilles Machenschaften durch irgendetwas verhindert werden...
Man kann den Roman nicht genau in eine bestimmte Gruppe von Lektüren einordnen. Es ist weder ein eindeutiger Entwicklungsroman, noch ein klar definierter Bildungsroman.
Dieses Buch enthält auch Merkmale weiterer Romangattungen (zum Beispiel Kriminal - und Detektivroman ).
Hierdurch wird der Roman zum Lehrstück für den Unterricht, da
es viel zu analysieren und zuerarbeiten gibt.
Durch all diese Aspekte gelingt es Patrick Süskind ohne spannungsüberladene Sätze den Leser an sein Werk zu fesseln.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. April 2007
Ich halte im Gegensatz zu den meisten Rezensenten dieses Buch nicht nur für die "Geschichte eines Mörders", sondern auch für die Geschichte eines "Künstlers". Grenoille versteht nicht nur aus menschlichen Düften hervorragende Parfums zu kreieren, der Autor versteht es meisterhaft, uns in die Welt eines Triebtäters zu führen ohne dass jemand das Buch aus der Hand legen kann. Hier liegt für mich die Qualität eines Buches verborgen. Außerdem waren die Düfte und der Gestank, in dem der arme Grenoille in Paris geboren wurde, so anschaulich beschrieben, dass ich mein Geschäft lüften musste, das war in einem Februar, weil ich der Meinung war, es rieche nach Fisch! (Ich hatte zu dieser Zeit eine Buchhandlung.) Meine Kollegen versicherten mir aber, dass es nur nach Büchern rieche und dass ich wohl unter Haluzinationen litte! Wie auch immer, es ist ein Genuss, dieses Buch zu lesen. Der Film interessiert mich allerdings nicht, weil er der schriftstellerischen Qualität dieses Buches nicht gerecht werden kann.
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