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Kundenrezensionen

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am 18. Oktober 2001
Wer nur einen trivialen Krimi sucht, um ihn in der U-Bahn zu lesen, sollte besser zu anderen Büchern greifen. Nicht nur, weil sich dieses Buch dafür nicht eignet, sondern weil es schlicht zu schade dafür ist!
"Der Verdacht" ist ein spannendes Buch, das ins Krimi-Genre nicht so recht passt. Anstatt dem Polizisten Bärlach zuzusehen, wie er einen Täter sucht und fasst, sieht der Leser ihn dem Täter hilflos ausgeliefert. Der "alte Kater, der gerne Mäuse frisst", droht in diesem Buch selbst zur Maus zu werden.
Aber Dürrenmatt geht es nicht allein um simple Krimispannung. Er hat in seinen Roman philosophische Fragen verpackt. Insbesondere geht es um die Schwindel erregenden Abgründe des Nihilismus absoluter Freiheit und um die Frage, wo Freiheit enden muss. Dies alles vor dem Hintergrund der Verbrechen der Nazizeit.
Trotz seines Tiefgangs ist das Buch leicht lesbar und überdies sehr spannend. Es ist einfach großartig und für jeden ein Genuss, der mehr erwartet als triviale Zerstreuung. Es ist eines der wenigen Bücher, die ich immer wieder lesen kann.
Trotzdem tut mir jeder leid, der dieses Buch in der Schule lesen "muss". Zum einen ist es viel zu gut, um in einem langweilig-trockenen Schulunterricht eingestaubt zu werden. (Aber das spricht nur gegen den real existierenden Deutschunterricht und bestimmt nicht gegen das Buch !!) Zum anderen ist man dann wahrscheinlich noch zu jung und unreif, um das Buch würdigen zu können.
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am 27. Juli 2003
'Der Verdacht' ist nach 'Der Richter und sein Henker' Dürrenmatts zweites Buch mit Kommissär Bärlach und schließt praktisch an das erste Buch an.
Der Kommissär ist auch in diesem Buch wieder ein genialer Kriminalist, mit viel Erfahrung und Menschenkenntnis und seinem nahezu unerschütterlichen Glauben an Gerechtigkeit - daran ändert auch seine starke Erschöpfung durch eine Magenoperation und der Krebs in seinem Körper nichts.
Bärlachs detektivischer Sinn wird geweckt, als er im Krankenbett in der Zeitschrift 'Life' ein Foto von einem Arzt namens Nehle sieht, der in einem KZ ohne Narkose operiert. Als sein befreundeter Arzt das Foto sieht, erschrickt er, und erklärt, er kenne einen Arzt, der dem in der Zeitschrift sehr gleiche.
Bärlach stellt Nachforschungen an, befragt sogar einen Juden, der Nehle damals im KZ gut kannte. Es scheint zwei Personen zu geben: Emmenberger, der mit Bärlachs Arzt studierte, sich zur Zeit des Fotos wahrscheinlich in Chile aufhielt, schon immer ein genialer Kopf war und nun ein Sanatorium für Reiche in Zürich führt. Und Nehle, der Arzt der im KZ Verbrechen beging und sich nach dem Krieg in Hamburg umbrachte. Einer ist tot, der andere führt dieses Sanatorium. Doch wer tat was? Die beiden sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Und es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass die beiden während des Krieges die Rollen tauschten. Hat der Leiter des Sanatoriums im KZ menschenunwürdige Verbrechen begangen?
Hier setzt Bärlach an. Er lässt sich in das Sanatorium einliefern. Dort lernt er nicht nur Emmenberger und dessen Geliebte Dr. Marlok kennen, sondern auch andere Weltanschauungen, die seinen Kampf für Gerechtigkeit und eine bessere Welt in den Schatten stellen.
Dr. Marlok war Kommunistin. Vor den Nazis floh sie in die Sowjetunion, wo sie sicher war, Schutz zu finden und ihren Glauben leben zu können. Als Auswirkung des Hitler-Stalin-Paktes wurde sie von der kommunistischen (!) Sowjetunion ausgeliefert an Deutschland. Ein Verrat, der nahezu allen Glauben an den Kampf gegen das Böse, an die Würde des Menschen und an die Hoffnung auf eine bessere Welt zerstört. Ein kleines bisschen Sinn für Gerechtigkeit blieb ihr noch - sie versucht Emmenbergers Taten zu erklären. Marlok gibt alle Verbrechen, die Bärlach Emmenberger anschuldet, zu. Sie war im KZ dabei, als Kommunistin eingeliefert wurde sie Emmenbergers Geliebte.
Bärlach geht es immer schlechter. Doch erst das Gespräch mit Emmenberger lässt ihn erfahren, was wirkliche Todesangst und Ungewissheit ist.
Emmenberger glaubt einfach, nachvollziehbar und glaubhaft: an Materie. An Atome, die der Zufall lenkt. Es gibt seiner Meinung nach keine Gerechtigkeit, nur Freiheit, die man sich nehmen muss. Er hat Bärlach entlarvt, hat herausgefunden, dass dieser auf der Jagd nach ihm ist. Er wird in töten, mit einer Operation ohne Narkose. In sieben Stunden.
Diese werden die wohl schrecklichsten in Bärlachs Leben. Zweifel, gibt es die Gerechtigkeit wirklich nicht? Für welches Ziel lebt er eigentlich und - ist dieses überhaupt erreichbar?
Das Buch wird zu einem Kampf zwischen zwei Credos. Eine Frage die jeden Menschen betrifft, die jeden beschäftigt. Und eben dazu regt dieses Buch an.
Ein Buch, das jeden weiterbringen kann, in der Suche nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens.
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am 7. Oktober 2007
Kommissär Bärlach, den man aus "Der Richter und sein Henker" kennt, liegt totkrank im Hospital. Sein Arzt weckt bei der Betrachtung eines alten Bildes aus einem Konzentrationslager in Bärlach einen folgenschweren Verdacht, der alte Polizist stürzt sich noch einmal in eine gefährliche Untersuchung.
Am Anfang ist der Krimi spannend, man wird sehr neugierig darauf, ob sich der Verdacht, der auf dem Bild abgelichtete KZ-Arzt könnte überlebt haben und nun in der Schweiz sein Unwesen treiben, bewahrheitet.
Im Verlaufe der Handlung aber wird die Spannung gebremst durch recht verstiegene philosophische Einschübe über moderne Ideologien und Nihilismus, die meiner Meinung zu lang und spitzfindig geraten sind. Im Vorgängerkrimi sind diese Passagen knackiger gewesen. Das Ende dann ist einigermaßen vorhersehbar und konventionell. Gelungen sind die intensiven Beschreibungen der Personen und des düsteren Krankenhausambientes.
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am 23. Oktober 2007
Durch Zufall kommt Kommissär Bärlach einem untergetauchten KZ-Arzt auf die Spur: Dr. Nehle, der im KZ Stutthof Gefangene ohne Narkose operierte, ist nun unter seinem richtigen Namen Emmenberger ein Modearzt der Hautevolée und leitet eine Privatklinik in Zürich. Ein Zweifel an der Identität ist nicht möglich, wie sich bald ergibt.

Bärlach ist todkrank, wurde soeben operiert und hat gerade noch ein Jahr zu leben. Aber er will's noch ein letztes Mal wissen, jetzt erst recht ("In dieser Welt ist der Gedanke mit der Wahrheit nicht identisch. [...] Zwischen dem Gedanken und der Wirklichkeit steht immer noch das Abenteuer dieses Daseins, und das wollen wir nun denn in Gottes Namen bestehen."), und er lässt sich von seinem Freund und Hausarzt, Dr. Hungertobel, in diese obskure Klinik einweisen. Eigentlich will er Emmenberger überführen, aber es kommt anders als Bärlach plant: Zu einem Katz-und-Maus-Spiel kommt es zwischen Jäger und Gejagtem, bei dem der Jäger schlechte Karten hat. -- Aber es kommt auch anders, als Emmenberger geplant hat. Die Spannung entsteht nicht daraus, dass der Schuldige gefunden werden muss, sondern aus dem Showdown zwischen Jäger und Gejagtem.
"Der Verdacht" ist kein Whodunnit-Krimi; es geht vielmehr darum, dass Bärlach sich aus einer ausweglosen Situation befreien muss. Das gelingt hier nicht mit den legalen Mitteln der Justiz, sondern den illegalen der Gerechtigkeit. Soweit der Plot.

Dürrenmatts "Verdacht" wird immer wieder hoch gelobt, doch vermute ich, dass man ihn eher für sein brisantes Sujet lobt als für seine schriftstellerische Raffinesse. -- Sicher, es gibt kein schwergewichtiges Thema, das sich nicht mit den Regeln des Krimis vertrüge. Daran liegt es nicht, dass "Der Verdacht" nicht Dürrenmatts gelungenstes Werk ist.

Das Problem ist ein anderes und lässt sich mit dem Schlagwort "Das Ganze ist hier weniger als die Summe seiner Teile" zusammenfassen:
Da wären zuvörderst die verschiedenen Figurentypen in diesem Roman: Während Dürrenmatt bei einigen Figuren (z.B. Bärlach, Hungertobel) eher zu einer vielschichtig angelegten psychologischen Charakterisierung tendiert, dazu innere Monologe u.ä. verwendet (ein Meisterstück ist beispielsweise Bärlachs Gedankenflucht, während er mit seiner Ermordung rechnet) und damit andere Wege einschlägt als noch im Vorgänger "Der Richter und sein Henker", stehen diesen "menschlichen" Figuren tendenziell allegorische Figuren gegenüber: Der Inbegriff des Bösen Emmenberger, der "ewige Jude" Ahasver (Gulliver), die zynisch resignierte Dr. Marlok. Diesen dreien ist eines gemeinsam: Man lernt ihre Beweggründe vor allem durch lange Monologe kennen, die man sich gut auf einer Bühne vorstellen kann und die im Duktus auch stark an Dürrenmatts dramatisches Werk erinnern, die aber in der Romanhandlung gespreizt und fehl am Platze wirken. Das heißt nicht, dass diese Monologe nicht eindrucksvoll wären; aus ihnen und ihren Gegensätzen entwickelt sich durchaus eine psychologische Spannung: Wieso wird aus dem einen Gepeinigten ein Rächer, aus dem anderen selber ein Peiniger?
Der schärfste Kontrast des Romans (fast hätte ich geschrieben "des Stückes") ist aber sicher der zwischen dem "ewigen Juden" Gulliver und dem Dr. Emmenberger:
Da ist zunächst Emmenberger, ein Zyniker, sadistisch und teuflisch, dabei ein brillanter Denker und Dialektiker. Ein moderner Teufel, der über eine moderne Hölle herrscht und seine Unterteufel gefügig hält.
Auf der anderen Seite steht der moderne Ahasver Gulliver, der viele Merkmale eines modernen Christus in sich vereinigt: Wiederauferstanden von den Ermordeten, wandert er der Gerechtigkeit wegen durch die Welt und haust im Elend, gibt der geschundenen Kreatur ihre Würde zurück; am Ende erscheint es Bärlach gar, als trüge er "die ganze Welt auf den Schultern, die Erde und die Menschheit".

Natürlich wird der "Fall" am Ende zwischen den beiden Protagonisten entschieden. Keine Frage, dieser allegorische Zweikampf ist zu groß für den Roman und verleiht ihm etwas Unausgegorenes. Wie gesagt, als Bühnenstück wäre "Der Verdacht" womöglich ein großer Wurf geworden.
So aber kann ich diesen Krimi weder verreißen noch empfehlen: r.i.p.
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am 9. März 2002
Obwohl dieses Buch viel weniger Handlung als sein Vorgänger "Der Richter und sein Henker" hat, ist es sehr tiefgründig. Dürrenmatt beschränkt sich auf das Wesentliche und somit wird eine allzu verzwickte Handlung eben überflüssig.
Im Nachhinein scheint das Buch im Grunde absurd und doch real, aber das, was Dürrenmatt mit seinen wenigen, gut gewählten Worten beschreibt ist sehr tiefgründig und wichtig. Es ist einmal eine andere Leseerfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Das rechtfertigt meiner Meinung nach die 5 Sterne.
Nur Mut!
Wer nur ein bisschen für solch eine Lektüre offen ist, sollte sie lesen und nicht von vornherein vor "gehobener Literatur" zurückschrecken! Es ist wirklich ein tolles Buch und sehr spannend!
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am 5. April 2005
Der todkranke Kommissär Bärlach (schon bekannt aus Der Richter und sein Henker) entdeckt bei der Studie einer Ausgabe der "Life" das einzig existierende Bild des berüchtigten SS-Arztes Dr. Nehle, der im Konzentrationslager Stutthof ohne Narkose bestialische Operationen durchführte. Die Fotographie gleicht dem schweizer Prominentenarzt Dr. Emmenberger, Chefarzt der berühmten Klinik Sonnenstein bei Zürich, bis ins Detail. Sein behandelnder Arzt und Freund Dr. Hungertobel, ein Studienkollege Emmenbergers, kann die Zweifel des Vollblutkriminalisten, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt, nicht ausräumen. Kommissär Bärlach knüpft ein imaginäres Netz um Emmenberger und lässt sich in dessen Prominentensanatorium einweisen. Nicht ahnend, dass sein kriminalistisches Kombinationsspiel durchschaut wurde beginnt ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel mit völlig unerwartetem Ausgang ...
Der Dramatiker und Theaterschriftsteller Friedrich Dürrenmatt erzählt mit stilistischer Prägnanz und Intensität, die ihresgleichen sucht. Er versteht es meisterhaft in eine kaum begreifliche, absurde Welt zu entführen, die ihren Spannungshöhepunkt in Literatur reinster Vollendung findet. Er verzichtet bewusst auf Platitüden oder abgedroschene Räuberpistolenromantik, vielmehr ist dieses Werk eine philosophische Abhandlung des Begriffs "Freiheit". Abseits jedweder Kolportageliteratur gerät der Leser sofort in den Bann dieser zeitkritisch-ironischen Erzählung; die behutsam aufgebaute und immer intensiver werdende Spannung mündet in einem dramatisch-phantastischen Finale furioso.
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am 21. März 2015
Vorweg muss gesagt werden, das ich ein großer Freund der Arbeiten von Friedrich Dürrenmatt bin. Sein ewiger Konkurrent Max Frisch schreibt zwar kongenial, geht aber in seinen Werken eher einen anderen, sprachlich und inhaltlich sehr intellektuellen, Weg. Das macht dessen Werke deutlich schwerer Zugänglich. Damit möchte ich auch keineswegs die Arbeit Dürrenmatts abwerten - im Gegenteil. Friedrich Dürrenmatt schafft es mit vergleichsweise einfachem Ausdruck große Geschichten zu erzählen, die bei jedem erneuten Lesen weitere Geheimnisse und Details offenbaren. Das Werk "Der Verdacht" knüpft an "Der Richter und sein Henker" an. Sprich - die gleiche Hauptfigur und viele altbekannte Charaktere. Diese "Vertrautheit" lässt den Leser sofort in die Geschichte eintauchen, natürlich nur, wenn man mit dem Richter vertraut ist.

Ist dieses Werk beim ersten Mal lesen ein wirklich spannender Krimi mit ernstem Hintergrund, so offenbart sich beim zweiten Durchgang eine Fülle von Symbolismus, der nur darauf wartet, vom Leser entschlüsselt und gedeutet zu werden. So fasziniert mich, als Beispiel, jedes mal erneut, was allein die Gemälde in Bärlachs Krankenzimmer an Ausdruckskraft besitzen. Hängt bei dessen Ankunft im Krankenzimmer die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt, ein düsteres und m.E. auch beunruhigendes Bild, so lässt dies schon viele Schlüsse über Nehles / Emmenbergers Philosophie und Absichten zu. Bärlach wünscht einen Tausch dieses Bildes gegen Ritter, Tod und Teufel von Albrecht Dürer. Dies ist schlichtweg genial sarkastisch aber ebenso genial in den Kontext gebracht, da dieser Meisterstich allein schon Bücher füllen könnte, wenn es um dessen Entstehung und Deutung geht, die aber zum großen Teil in den Inhalt und den Verlauf der Geschichte passen.

Die Geschichte ist, zugegeben, etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz fasziniert das Spiel der Identitäten und verzaubert durch das Einbringen solch grotesker Figuren wie der von Gulliver, die der Geschichte einen ganz bestimmten Reiz verleihen.
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am 22. Februar 2002
Was will man dazu sagen: Wieder einmal ein dürrenmatsches Meisterwerk des Kriminalromans.
Das Buch empfiehlt sich nicht nur durch seine Spannung, sondern auch durch eine leichte Verständlickeit auf einem Gebiet, dass doch eigentlich gar nicht so einfach ist.
Kommisär Bärlach steht wieder mal im Mittelpunkt dieses Kriminalromans. Allerdings geht es nicht darum einen Fall auf Biegen und Brechen aufzuklären -um den Täter vor sein irdisches Gericht zu stellen-, sondern viel mehr darum, dass der alte, durch eine schwere Krankheit geschundene Kommissär noch einmal beweisen will, dass er dieser Welt durch Einsatz und unbändigen Willen trotzen kann, wobei er sich in -nicht vorhergesehene- Lebensgefahr begibt.
"Das Buch bietet durch diesen Tatbestand Spannung pur bis zur letzten Seite."
Aber was wäre ein dürrenmatscher Kriminalroman ohne tiefschürfende Intention, die einen Anreiz zu ausgelassenen Diskussionen mit sich bringt.
Dürrenmatt geht es nicht nur um schlichte Unterhaltung, sondern um ein Thema, welches uns alle betrifft.
Er diskutiert und philosophiert über die Freiheit.
Die Kernfragen in dieser Diskussion lauten: "Wie weit darf die Freiheit gehen? Darf man auf Grund seiner Freiheit alles tun was man will?" und das Ganze vor dem Hintergrund der grausamen, unfassbaren NS-Verbrechen in den Konzentrationslagern.
Zu dem "Diskussions-Gericht" über Freiheit und Nihilismus lässt es sich Dürrenmatt nicht nehmen -wiedereinmal- einen Spritzer Religion hinzuzufügen, um das "Mahl" abzurunden.
Ein Kriminalroman, der nicht nur zu empfehlen, sonder mehr ein Pflichtlektüre für jeden Dürrenmattliebhaber ist.
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am 3. Mai 2010
Kommissar Baerlach ist dem Tod geweiht, sein Magenkrebs nicht mehr aufhaltbar. In dieser Situation, in der er noch 1 Jahr zu leben hat und eigentlich anderen Dingen froenen sollte, wird er in einer Zeitschrift eines Arztes gewahr, der im Naziregime medizinische Experimente taetigte und fuer den Tod vieler Menschen verantwortlich ist. Baerlach faengt an zu ermitteln und identifiziert 2 Personen zu der Fotografie aus dem Magazin: Emmenberger, der sich in Chile aufhielt und Nerle, ein KZ Serge, der den Freitod waehlte. Beide sehen sich aehnlich, doch wer ist wer? Um dieses Raetsel zu loesen, laesst sich Kommissar Baerlach ins Spital fuer Reiche einweisen. Dort lernt er Emmenberger und dessen Geliebte Marlock kennen, eine ehemalige Kommunistin, die nach Russland floh, um den Deutschen zu entkommen und eben an diese von den Russen ausgeliefert wurde. Paradoxer geht es wohl kaum. Sie war im KZ, in dem Emmenberger sein Unwesen trieb und wurde dort seine Geliebte. Emmenberger durchschaut Baerlach und outet sich und seine Gedanken. Unrecht empfindet Emmenberger keineswegs, nur den unabdingbaren Willen, seine individuelle Freiheit auszuleben und sich das Recht des Staerkeren zu verschaffen. Und er droht, Baerlach bei vollem Bewusstsein zu operieren.
Fuer Baerlach ist die Konfrontation mit Emmenberger mehr als die Suche nach einem NS Taeter, es ist die Auseinandersetzung mit sich, dem, was er denkt und wofuer er sein ganzes Leben lang gekaempft hat. Die Frage nach dem Sinn des Lebens angesichts des Umstandes, dass der Magenkrebs sein Leben auf weniger als 12 Monate reduziert hat. Brilliant und mehr als nur ein Kriminalroman.
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am 23. November 2008
Über die Story - der todkranke Kommissär Bärlach versucht den ehemaligen KZ-Arzt Emmenberger, der bestialische Operationen ohne Narkose durchführte und nach dem Krieg ein Züricher Reichen-Sanatorium leitet, zur Strecke zu bringen - braucht wahrlich nichts mehr geschrieben werden.

Und dass Friedrich Dürrenmatt mit einer stilistischen Prägnanz und Intensität erzählt, die ihren Spannungshöhepunkt in Literatur reinster Vollendung findet, Ihresgleichen sucht, ist ebenfalls bekannt. Plattitüden und abgedroschene Räuberpistolenromantik sucht man ebenfalls vergebens! Dieses Meisterwerk ist eine spannende, philosophische Abhandlung des Begriffs Freiheit". Abseits jedweder Kolportageliteratur gerät der Hörer sofort in den Bann dieser zeitkritischen, ironischen und monologischen Erzählung; die behutsam aufgebaute und immer intensiver werdende Spannung mündet in ein wahres Finale furioso.

Und wenn ein solches Glanzlicht deutschsprachiger Nachkriegsliteratur vom genialen Rezitator und gegenwärtig besten Vorleser, dem unumstrittenen König der Hörbuchszene vertont wird sind fünf von fünf Sternen einfach zu wenig - viel zu wenig!
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