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Kundenrezensionen

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In dem Film "Der Club der toten Dichter" wurde der Name Walt Whitman häufig genannt und ein paar seiner Gedichte zitiert. Grund genug für mich die "Grashalme "zu kaufen und zu lesen. Ich war begeistert. Es ist ein unerschütterlicher Lobgesang auf das Leben, die Natur, die Menschen und auch den Tod. Whitman, gemeinsam mit Thoreau und Emerson, die andere, bessere Seite Amerikas, wird wie kaum ein anderer Dichter mit den amerikanischen Tugenden identifiziert: Bodenständigkeit, Tapferkeit, Vaterlandsliebe, Ehrlichkeit und Demokratie("Widersteht viel, gehorcht wenig"). Er ist aber auch ein Verfechter des Individualismus, er wünscht sich eine Gesellschaft, in der jedes Individuum das Recht zur eigenständigen Gestaltung seines Lebens haben darf. Für Whitmann ist jeder Mensch "ebenso göttlich wie irgendeiner", er gesellt sich zu den Farmern, Fischern, Dieben, Matrosen und Handwerkern und ist mit ihnen glücklich. Männer und Frauen sind ihm gleicherweise willkommen, der nackte Leib göttlich und eine Freude. Und selbst der Tod hindert ihn nicht bei seinem Lied auf das Leben, denn die Unsterblichkeit ist ihm gewiss. Im Gedicht "Einem Sterbenden" sagt er "hier gibts nichts zu bejammern, ich bedaure dich nicht, ich wünsche diR Glück". Whitman ist "stürmisch, fleischlich, sinnlich, essend, trinkend und zeugend" und wer seine Gedichte lesen wird, wird nicht anders können als mit Whitman das Leben zu preisen und zu lieben.
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am 27. November 2000
Grashalme - ein Buch das den Titel als Programm hat, denn Walt Wihtmann versteht es die Verse, seine Grashalme zu einer Wiese der Poesie zusammenwachsen zu lassen. Das Buch ist zwar nicht einfach zu lesen, doch ist es, ich weiß nicht so recht wieso, einfach faszinierend. Vielleicht der Reiz des Unbekan-nten, doch denke ich, daß mehr dahintersteckt. Wer humanistisch - menschlichem Gedankengut ablehnend gegenübersteht der sollte das Buch stehen lassen. Oder sollte er es doch lesen, um sich von dem, der alle und alles gleichbehandeln möchte diese Gadanken austreiben zu lassen, denn von beiden handeln die Grashalme unter anderen. Der Leser wird in die unberührten Landschaften des Amerikas des 19. Jh. geführt. Diese ist der bessere Ort, so daß wir Städter am liebsten in der Wiese versinken mögen um Streß und hektik, wenigstens während der Zeit des Lesens der Grashalme zu vergessen. denn wer durch dieses Buch rasen möchte, für den ist es nicht. Es ist kein Roman, der sich von alleine liest. Aber wer Muße und Freude am Lesen mitbringt für den ist das Buch ein echter Gewinn.
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am 7. Oktober 2014
... das sind Walt Whitmans -Grashalme- in jedem Fall. Zudem bin ich so ziemlich der Letzte, der sich anmaßen darf über die Qualität dieses Werkes zu urteilen. Whitmans schriftstellerische Fähigkeiten, die er von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu dessen Ende entwickelte, sind über jeden Zweifel erhaben. Whitman, der hier zu Lande meist nur durch Schlagworte aus Filmen, wie z.B. das wunderbare "O Captain, mein Captain" aus dem Club der toten Dichter bekannt ist, hat Amerikas ursprüngliche Schönheit in seinen Texten besungen. Die Menschen, das Land, den Mut, die Abenteuerlust, aber auch die Religion und die Moral waren seine Themen. EIn der hier vorliegenden Ausgabe von -Grashalme- ist das Lebenswerk Whitmans zusammengefasst worden. Für Freunde dieser Lyriktexte ist der Band ganz sicher ein Gewinn.

Außerhalb der schriftstellerischen Qualität musste ich für mich allerdings festsellen, dass mir Whitmans Sprache heute fremd erscheint. Im Gegensatz zu einem Shakespeare Text kann ich mich in Whitmans übersetzte Texte nicht hinein finden. Sie sind für mich aus der Zeit. Vielleicht ist das im Original viel überzeugender, vermutlich sogar. So waren -Grashalme- für mich als Zeitdokument interessant, als Lesestoff jedoch schwierig und wenig begeisternd. Aber sie wissen ja: Das ist eine Einzelmeinung. Die Geschmäcker sind verschieden. Und sie entscheiden selbst, wie ihnen das gefällt. Viel Spaß dabei...
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"Bleibe nur diesen Tag und diese Nacht bei mir, und du
sollst den Ursprung aller Gedicht erfassen!
Du sollst das Gut der Erde und der Sonne haben (Millionen
von Sonnen sind noch übrig),
du sollst die Dinge nicht mehr aus zweiter oder dritter
Hand nehmen, auch nicht durch die Augen der
Toten sehen und dich nicht nähren von den
Gespenstern in Büchern;
Du sollst auch nicht mit meinen Augen sehen, noch die
Dinge von mir empfangen,
Du sollst Horchen nach allen Seiten und sie alle durch dich selbst filtrieren!"

Ein Freund von mir (danke Holger!) brachte mich dazu noch einmal nach langer Zeit zu diesem Werk zu greifen.

Borges meinte einmal, dass jeder große Schriftsteller ein Symbol geprägt habe und auch prägen müsse, weil es ansonsten ganz unerheblich sei, ob er gut schriebe oder nicht, er würde dann die Zeit nicht überdauern (nach Borges Meinung leider so geschehen mit Quevedo). Kafkas Labyrinthe; Cervantes Gestalt Don Quijote, mitsamt Gefährte Sancho Pansa und den Windmühlen; Melvilles weißer Wal Moby Dick. Doch Borges nennt stets auch ein Ausnahme, Whitman, der kein Symbol geprägt habe (außer vielleicht das Bild der Grashalme), sondern selbst zu einem geworden sei.

"Ochsen, die ihr mit dem Joch und der Kette rasselt oder
oder unter schattigem Blätterdach haltet, was ist es, das
ihr in euren Augen ausdrückt?
Es scheint mir weit mehr als alles Gedruckte, das ich in
meinem Leben gelesen."

Whitman ist ein Rufer des Lebens. Dies Ding, oft verbannt aus unserer Mitte, benutzt, analysiert, systematisiert und verbogen, will er uns wieder nahebringen. "Das Alles" ruft er uns aus seinen Zeilen zu, ist das Leben, alles was an Wunderbaren zu greifen ist, in unser Nähe geschieht, jedes noch so kleine Wunder, das uns kurz umgibt, jede noch so einfache oder schwierige Tätigkeit, jeder Name, jede Periode unseres Lebens und der Ewigkeit.

"Alle Wahrheiten harren in allen Dingen,
sie haben's nicht eilig mit ihrer Befreiung, noch
widerstehen sie ihr,
Sie bedürfen nicht der Zange des Geburtenhelfers.
Das Unbedeutende ist mir so wichtig wie irgendetwas.
(Was ist weniger oder was ist mehr als eine Berührung?)"

Die Grashalme sind Musik, sind Hymne, aber auch philosophischer Sturm, in dessen Wind hier und da mal ein Flüstern von kleinen Wahrheiten an unser Ohr schwebt: "Die Uhr zeigt die Minute - aber was zeigt die Ewigkeit?"
Pathos ist bei solchen Gesängen ja eigentlich schwer zu umgehen; aber, o Wunder, gerade das würde man nie über die Grashalme sagen, dass sie pathetisch seien, zu sehr erkennt man sich selbst in der einen oder anderen Liebe, in dem ein oder anderen Halm. Es bleibt das Gefühl einer natürlichen, nie zu schnellen, nie zu langsamen Dichtung, die immer an der eigenen Seite schreitet, hierhin zeigt, dies aufdeckt, jenes nacherzählt.

"Meinst du, ich möchte Erstaunen erregen?
Erregt denn das Tageslicht Erstaunen? Oder der
frühmuntere Rotschwanz, der durch die Wälder
zwitschert?
Errege ich mehr Erstaunen als diese?"

Diese Ausgabe (ich beziehe mich auf die Anaconda-Ausgabe) umfasst einige Gedichte aus den "Trommelschlägen"(dies Impressionen aus den Jahren des Bürgerkriegs, z.B. ein in Worten gemaltes Bild von Kavallerie, die ein Furt durchquert); dann, über 60 Seiten, also ein Drittel des Buches, einen Ausschnitt aus dem gewaltigen "Gesang von mir", einem Text, halb Hymnus, halb Erzählung, voller Ansichten und Verherrlichungen, voller Schönheit und immer wieder natürlich-geistreich, wenn man es nicht erwartet; des weiteren noch viele andere, auch kleine Gedichte, ein-zwei Seiten lang.

"Hier oder fortan, mir ist es gleich, ich vertraue der Zeit unbedingt.
Sie allein ist ohne Unterbrechung, sie allein rundet und
vollendet alles,
Dies Mystisch verwirrende Wunder allein vollendet alles."

Vielleicht ist dies die letzte Botschaft Whitmans: Alles vollendet sich von selbst, es hat keinen Sinn Krieg zu führen, zu hetzten, sich von irgendetwas auffressen zu lassen. Letztendlich geht das Leben seine Wege und man sollte ihnen folgen, man sollte sein Glück machen, die Augenblicke haben - seine Stimme flüstert: Das Leben ist dies alles, was versuchte außerhalb zu sein, sich davor zu retten, sich darin zu verstecken. Es gibt die Welt, die Welt als das Ding, dass sie ist, ohne Geheimnis oder Seltsamkeiten, alles was ist, ist und gehört dazu.

"Seht ihr, o meine Brüder und Schwestern?
Es ist nicht Chaos oder Tod, es ist Form, Einheit,
Bestimmung, ist ewiges Leben - ist Glückseligkeit."
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DAS NOBEL-INSTITUT UND NORWEGISCHE BUCHCLUBS RIEFEN NAMHAFTE SCHRIFTSTELLER DER WELT AUF, DIE NACH IHRER MEINUNG 10 WICHTIGSTEN WERKE DER WELTLITERATUR ZU BENENNEN. DIESES WERK WAR EINES DER (AUS DIESEN LISTEN ERSTELLTEN) 100 WICHTIGSTEN BÜCHER DER LITERATURGESCHICHTE.

Über 200 Seiten umfasst dieser Hymnus an das Leben und das Menschsein, das Kleine mit dem Großen, das Alltägliche mit dem Besonderen verbindend. Mitte des 19. Jahrhunderts muss es geradezu revolutionär geklungen haben, aber auch heute noch strahlt es eine unbekümmerte Frische aus. Wer es liest, dem öffnen sich Horizonte, und zugleich wird ihm der Blick gespitzt für die tausend kleinen Details des Lebens. Ich frage mich, war Whitman ein Mystiker, ein Seinstrunkener, oder war er nur von einer so großen Offenheit für das Dasein, sensibel und bejahend, dass er den Ton der Wahrheit auch blind treffen konnte? Er schreibt: „Ein Morgenschimmer an meinem Fenster befriedigt mich mehr als die Metaphysik der Bücher“.

Whitman verzichtet weitgehend auf Metaphern und Bilder, vermutlich um seinem Hauptwerk „Grashalme“ nichts von ihrer Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit zu nehmen. Es ist für unsereins allerdings auch etwas anstrengend, stundenlang dem Klang der Umarmung, Bejahung, Verehrung der Existenz zu lauschen... Trotzdem vermag Whitman auch hinreißend Mitreißend zu sein – jedenfalls nahm ich die Grashalme immer wieder zur Hand, auch wenn ich sie für mehrere Tage weggelegt hatte. Ich bin froh, dieses Werk zu kennen.
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am 2. Oktober 2009
Frei nach Somerset Maugham: Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiss niemand wie sie lauten.
Es gibt drei Regeln wie man ein Gedicht schreibt. Glücklicherweise kennt Walt Whitman diese drei Regeln.
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am 18. März 2015
Bei dieser Ausgabe handelt es sich um eine Auswahl aus den Grashalmen!
Das wurde leider nirgendwo angegeben.

Wer z.B. eine Übersetzung für "Gliding over all" sucht, wird hier (auch) nicht fündig werden!
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Du Leser bist von Leben, Liebe, Stolz durchpulst so gut wie ich, deshalb für Dich die folgenden Gesänge:
So lautet die Ansprache von Walt Whitman zu uns Lesern. Auf 417 Seiten findet man "Lieder" oder besser Gedichte, die wortgewaltig sind und sehr bildlich die Natur beschreiben. Man merkt, er liebt die Natur, sein Land und sein Leben.

Whitman ist auch ein Visionär der seine "Lieder" für den modernen Menschen "singt", so sagte er: "Ich, Sänger der Persönlichkeit, entwerfe die Umrisse dessen, was kommt, entwerfe die Geschichte der Zukunft."

Hier zwei kleine Texthappen:

"Ein Kind sagte: "Was ist Gras?" und pflückte es mit
vollen Händen.

Wie konnte ich dem Kind antworten? Ich weiß nicht besser
als das Kind was es ist.

Ich glaube es muß die Flagge meines Wesens sein, gewoben
aus hoffnungsgrünem Stoff.

Oder ich glaube es ist das Taschenbuch Gottes,
Eine duftende Gabe und Andenken, mit Absicht fallen gelassen,

Mit dem Namen des Eigentümers in einer der Ecken, so daß
wir schauen und fragen mögen: "Wem gehörts?"

Oder vielleicht ist Gras selber ein Kind,
das Neugeborene der Pflanzenwelt.

Oder ich glaube, es ist eine einzige Hieroglyphe
Und bedeutet: Trieb und Wachstum sind die gleichen überall,
In breiten Zonen und schmalen Zonen,
Bei schwarzen Völkern und weißen.
...."

--------------------------------------------------------------------------------

Gesang bei Sonnenuntergang:

"Leuchten verendeten Tags flutet und füllt mich,
Prophetische Stunde, Vergangenheit schauende Stunde,
Meine Kehle weitend, singe ich dich erhabenen Alltag,
Dich, Erde und Leben, solange der letzte Strahl noch glüht.

Offener Mund meiner Seele, Freude verkündend!
Augen ihr meiner Seele, Vollendung schauend!
Leben in mir, naturhaft, das treulich die Dinge preist,
Triumph aller Dinge für ewig bejaht!
...."
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am 25. August 2002
Ich liebe Walt Whitman! Ich liebe ihn für die Kraft seiner Worte, mit denen er den Fluss des Lebens spürbar macht. Steinchen für Steinchen setzt er das Mosaik zusammen, doch erahnt man auch in jeder einzelnen Zeile das Bild des Ganzen. Nichts bleibt unausgesprochen, nichts verschwindet zwischen den Zeilen. Leben und Tod in ihrer ganzen Fülle und so intensiv, dass man manchmal beim Lesen zittert, dass einem schwindlig wird. Man fühlt sich betrunken, überrollt von einer Welle aus Verstehen. Möge Walt Whitman noch viele Menschen berühren!
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am 18. Juni 2014
Whitmans Grashalme sind eine immer wieder erweiterte Sammlung seines poetischen Werkes. Schon zu Lebzeiten ergänzte und editierte er über Jahrzehnte seine Gedichte. Der Diogenes-Band repräsentiert einen der letzten »Stände« und offenbart ein »Monument« der nachromantischen Dichtung nicht nur für Amerika/Vereinigten Staaten.
Whitmans Poesie strömt eine seltene Kraft aus, die die Schönheit der Natur UND des Menschen in einen Lebensoptimismus eingebettet, wie man es so nur selten findet und das trotz oder gerade wegen seiner Kriegserfahrungen.
An weiteren, sehr guten Ausführungen und auch Lyrikbeispielen fehlt es in den Rezensionen zu diesem Buch nicht - ich möchte mich nicht wiederholen und auch nicht auf die negativen Rezensionen eingehen (die allem Anschein nach zu Reclam-Ausgaben gehören, die hier nicht passen).
Ich möchte jedoch hier noch einen Aspekte ansprechen: Sollte man statt dieser hervorragenden deutschen Ausgabe nicht doch lieber das us-amerikanische Original lesen? Diese Fragestellung hat mich im Studium begleitet und bezog sich vor allem auf das schriftstellerische und besonders das lyrische Werk fremdsprachiger Autoren.
Es gab da die »hardcore«-Partei, die mit dem Argument zu überzeugen versuchte, dass das Wesen von Literatur in der Sprache des Verfassers bzw. des Landes läge und jede Übersetzung zu einem klaren Verlust des poetischen Kerns führe. Eine Beurteilung des dichterischen Werkes durch die Rezeption einer »Übersetzung« oder »Übertragung« in eine andere Sprache sei daher nicht wirklich möglich, ja geradezu unmöglich, weil so Verfälschungen, Fehl- oder Überinterpretationen Tür und Tor geöffnet seien. Und je ferner, also weniger verwandt die Sprache und damit die ihr inkorporierte Kultur sei, desto weniger könne man das Original daraus erkennen, genießen oder gar bewerten.
Die zweite pragmatische Position ließ diese Meinung zwar ein Stück weit oder im Kern bestehen, gab aber zu bedenken, dass man sich so des Genusses und der Bewertung eines Großteils aller Literatur enthalten müsse, was ja nicht im Sinne der Schriftsteller sei und zudem eine Überbetonung der Bedeutung von Sprache darstellte. Eine dritte Fraktion lehnte diese Auffassungen rundweg ab und war der Ansicht, dass eben nicht nur die Sprache, in der sich freilich auch das Wesen einer Kultur widerspiegeln KANN, sondern auch ein historischer Aspekt eine Rolle spielte, der letztlich alles auf den Kopf stellen würde. Beispiel: Wie könne man eine griechische Tragöde oder meinetwegen Caesars bellum gallicum heute noch lesen, gar verstehen und bewerten (selbst bei Beherrschung von Altgriechisch oder Latein)? Es gibt keine aktiven Sprecher mehr, keine »Kulturanbindung« an Staaten und Gesellschaften, die nicht mehr existierten - so könne man die »Seele« der Literatur also gar nicht mehr verstehen?! Oder das Beispiel Shakespeare: Auch ein gebürtiger Londoner, der heute sein ganzes Leben auf den Britischen Inseln verbracht habe, spräche nicht mehr 1. das Englisch im Übergang von Renaissance zu Barock und kann mit vielen sprachlichen Anspielungen und Nuancen nichts mehr anfangen. Zudem sei er 2. natürlich nicht Teil des historischen Kontextes der Shakespeare-Ära. Und zudem: Müsse man nicht auch generell noch ein Teil der jeweiligen gesellschaftlichen Schicht sein, der der Autor selbst entweder angehörte oder für die er schrieb, um letztlich alles »richtig« zu verstehen?

Alles in allem haben alle Fraktionen damals ein Stück weit recht behalten. Dennoch: Menschen, Zeiten, Sprachen und Kulturen sind dauerhaften Änderungsprozessen unterworfen. Zum Glück. Und wenn es nicht um Wissenschaft geht, mag jeder für sich entscheiden, was er versteht und ob er Übersetzungen oder Originale lesen und besprechen möchte, ob er sie klasse, ganz gut oder für dumm hält.
Für mich kann ich sagen: Mein erster Kontakt mit Whitman im Original war nicht sehr fruchtbar. Direkt nach der Schulzeit war ich an Shakespeare und American Novel »geschult«. Im Original war mir daher Whitman fremd. Einige Jahre später haben mir die Grashalme in der Übersetzung (auch hier inspiriert vom Club der toten Dichter) großen Spaß gemacht und ich war beeindruckt - habe jedoch wegen meines jungen Alters vieles nicht verstanden! Aktuell muss ich sagen: ich verstehe mehr! Und mein Englisch lässt es nun zu, auch einiges, bei weitem nicht alles, von der Wortgewalt und poetischen Finesse des Autors zu spüren.

Ich kann das Buch sehr empfehlen. besonders für Poetik-Freundinnen und -Freunde, die unter Natur- und »Lebens«-Lyrik die »Nase voll haben« von deutscher Romantik und ihrer zum Teil wirklich nicht immer ertragbaren und inhaltlich erträglichen »Wald- & Wiesen«-Lyrik. Womit ich, bitte sehr!, nichts gegen die Romantik gesagt haben will.
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