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5.0 von 5 Sternen Damals war es immer Sommer.
„Der Gedanke kam mir eigentlich erst an dem Tag, als ich mein künstliches Gebiss erhielt.“

George Bowling, gerade einmal 45 Jahre alt, ist bereits in der Kommentierung seines Lebens gefangen, das er für gescheitert hält. Die Gegenwart ist ihm, der ein kleinbürgerliches Pendlerleben mit ungeliebter Ehefrau, zwei Kindern und nicht...
Vor 16 Monaten von Helga Kurz veröffentlicht

versus
1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Coming Up for Air
Von Orwells Roman aus dem Jahr 1939 finde ich den Anfang und das Ende sehr interessant, beim Mittelteil langweilte ich mich dagegen sehr. Der Ich-Erzähler, der sich am Vorabend des 2. Weltkriegs in einer Midlife-Crisis befindet, seziert genau und illusionslos sein ödes und liebloses Leben als Vertreter, Ehemann und Familienvater, und breitet ungeschminkt seine...
Veröffentlicht am 10. August 2003 von zueribueb


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Damals war es immer Sommer., 14. Dezember 2013
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Auftauchen, um Luft zu holen (Taschenbuch)
„Der Gedanke kam mir eigentlich erst an dem Tag, als ich mein künstliches Gebiss erhielt.“

George Bowling, gerade einmal 45 Jahre alt, ist bereits in der Kommentierung seines Lebens gefangen, das er für gescheitert hält. Die Gegenwart ist ihm, der ein kleinbürgerliches Pendlerleben mit ungeliebter Ehefrau, zwei Kindern und nicht abbezahltem Pappreihenhäuschen als unbedeutender Angestellter einer großen Versicherung in London führt, nahezu unerträglich geworden. Diesem Mann ist es, im Grunde seit langer Zeit, latent unbehaglich zumute. Mit seiner äußeren Erscheinung ist er unzufrieden. Das falsche Gebiss ist ihm nicht geheuer, außerdem ist er, der lange Zeit ein schlaksiger, hochaufgeschossener Junge war, plötzlich, „über Nacht“ zu dick geworden. Etwas, was Bowling immer wieder in widerwilliges Erstaunen versetzt. Die Zukunftsaussichten im Jahr 1939 sind düster. Als Veteran des 1. Weltkrieges weiß er, was er von Kriegen zu halten hat: nichts. Gar nichts. Er sieht das so: „Der Krieg ging seltsam mit den Menschen um. Und seltsamer noch als die Art, wie er sie umbrachte, war manchmal die Art, wie er sie weiterleben ließ.“ Auch über seine Ehe und die Ehe im Allgemeinen hat er keine Illusionen: „Wenn eine Frau umgebracht wurde, ist stets ihr Ehemann der zuerst Verdächtigte – was immerhin bezeichnend ist für die Art, wie die Menschen in Wirklichkeit über die Ehe denken. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles. Nach ein paar Jahren dachte ich nicht mehr an Mord …“

Menschen wie George Bowling gab und gibt es tatsächlich, vermutlich nicht einmal zu knapp. Er aber hat die Ehre und das Pech, ein Geschöpf George Orwells zu sein. Er ist zum Reflektieren verdammt, wie oben genannter erster Satz anklingen lässt. Da er von der Zukunft, die ihn ängstigt, nichts Besonderes mehr erwartet und die Gegenwart trostlos ist, begibt er sich auf gefährliches Terrain, das besser in der Erinnerung aufgehoben ist, als ins Licht der Gegenwart gezerrt zu werden. Der dicke, sentimentale Mann, der sich so gerne unsentimental gibt und durchaus auch rohe Züge hat, die er herauszustreichen versteht, fasst einen fatalen Beschluss. Die Wege der Kindheit möchte er noch einmal gehen, die kleine Stadt, fast noch ein Dorf, mit ein paar Läden und Marktplatz sehen, das Elternhaus will er noch einmal betreten und am Grab von Mutter und Vater stehen. Sein älterer Bruder, einziges Geschwister, ist noch zu Lebzeiten der Eltern auf Nimmerwiedersehen verschwunden. George ist allein, pflückt Primeln, die er wieder wegwirft, und mogelt sich für eine kleine Weile und zu einem hohen Preis von seiner Familie weg.

Er hätte es wissen sollen. Die Vergangenheit lebt in Gedanken und in Träumen, man kann sie nie mehr zurückholen. Die Beschreibung der Kindheit ist eine Konstante in der Literatur. Sei sie unbeschwert, glanzvoll, strahlend, schrecklich, demütigend, bedrohlich oder - wie in Georges Fall - ohne besondere Vorkommnisse, was vielleicht die glücklichste Form von Kindheit ist, sie alle eint das Gefühl vom hier und jetzt, das Verweilen ganz und gar in der Gegenwart an langen, langen Sommernachmittagen und hellen, hellen Abenden. In den meisten Kindheitsszenarien ist es stets Sommer, Ferienzeit, es herrscht, sofern keine Erwachsenen auftauchen, nahezu grenzenlose Freiheit. Es ist die Zeit des allgegenwärtigen Wachseins, egal ob etwas passiert oder nicht. Georges große Leidenschaft war das Angeln. Verpasste Gelegenheiten. Den ganz großen Fisch hat er nie gefangen. Es sieht ganz danach aus, dass der für den Rest seines Lebens nur durch seine Gedanken schwimmen wird.

Begleiten wir George also zurück an die Schauplätze seiner Kindheit, die ihn natürlich enttäuschen werden. Er wird nie wieder das Empfinden oder den Blick des Kindes haben, und nichts ist so geblieben, wie es einmal war. Veränderungen überall. Die Originalausgabe dieses Buches erschien 1939, also am Vorabend des von George (Orwell) so sehr befürchteten 2. Weltkrieges und auf Deutsch erst 1953, damals unter dem Titel „Das verschüttete Leben“, was heute nicht mehr nach Tiefgründigem, da zu Naheliegendem klingt. Als Leserin des Jahres 2013 bin ich erstaunt über die Aktualität der Zumutungen, die unser dicker Mann bei seiner Reise in die Vergangenheit hinnehmen muss. Davon abgesehen, dass die meisten von uns nun wirklich nicht mehr mit Pferd und Pferdetränke aufgewachsen sind, sind Georges Klagen sehr aktuell: Umweltzerstörung, Flächenfraß, einfallslose Architektur, triste Industriegebiete, ländliche Gasthöfe und Ortsteile, die Zeitschriften wie „Landlust“ entsprungen sein könnten und in denen nur die Preise beinharte Verwurzelung in der Gegenwart verraten, Gewässer in denen keine Fische mehr schwimmen und wenn doch, vom Verzehr abzuraten ist, Natur als Attrappe usw. usf. Nur der Autoverkehr war damals noch nicht so dominant. Und noch etwas war anders. George Bowling sieht sich mit 45 Jahren bereits als alten (dicken!) Sack, der kaum noch Chancen bei Frauen hat, auch dann nicht, wenn sie die 30 bereits überschritten haben und damit ältere Matronen sind. Mit steigender Lebenserwartung hat sich die Wahrnehmung des eigenen Alters als Alter drastisch verschoben. Dass Bowlings Eltern der drohenden Altersarmut durch den Tod entgangen sind, wohlgemerkt in einem Alter, das heute euphemistisch mit „Best“ oder auch „Silver Ager“ umschrieben wird, empfindet er nur folgerichtig als Segen. Auch er scheint zu glauben, dass er seinem Hamsterrad, bestehend aus untergeordneter Tätigkeit und anhänglicher Familie, nur durch den Tod entkommen kann. Jahrzehntelanger Ruhestand dürfte sein Vorstellungsvermögen und das seiner Zeitgenossen deutlich überfordert haben.

Von George Orwell habe ich zwar nicht nur „1984“ und „Farm der Tiere“ gelesen, aber ob ich ohne die Neuauflage dieses Romans als günstige Taschenbuchausgabe noch einmal auf ihn gestoßen wäre, ist fraglich. Die schiere Fülle des Angebots lässt uns manchmal auch sehr geschätzte Autoren aus den Augen verlieren. Was schade ist. Umso hilfreicher ist es, dass es immer noch und immer wieder Verlage gibt, die sich auch um Autoren kümmern, deren bedeutende Werke sich wegen Überschreitung eines scheinbaren Verfalldatums nicht (mehr) wie warme Semmeln verkaufen lassen, obwohl der Genuss ungeschmälert sein kann. Hier ist das so. Gute Kost, nicht leicht zu verdauen, aber lange und sehr gut sättigend.

Helga Kurz
14. Dezember 2013
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5.0 von 5 Sternen Persönlicher Roman von George Orwell, 5. März 2013
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Auftauchen, um Luft zu holen (Taschenbuch)
Der britische Schriftsteller George Orwell (eigentlich Eric Arthur Blair, 1903-1950) ist vor allem durch seine beiden Romane „Farm der Tiere“ (1945) und „1984“ (1949) weltweit bekannt geworden.

Orwell, der am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen hatte, reiste im Herbst 1938 mit seiner Frau Eileen nach Marokko. Hier arbeitete er intensiv an seinem neuen Roman „Coming Up for Air“ („Auftauchen, um Luft zu holen“). Während sich über Europa schon die Schatten eines neuen Weltkrieges zeigten, beschreibt Orwell hier den Alltag eines englischen Dorfes vor dem ersten Weltkrieg.

Der kleine Versicherungsvertreter George Bowling ist ein älterer, übergewichtiger Mann und wird daher auch „Fatty“ Bowling genannt. Mit seiner stets nörgelnden Frau Hilda wohnt er in einem Vorstadthäuschen. Bowling lebt aber in der Vergangenheit, mit seinen Erinnerungen möchte er dem tristen Alltag entfliehen.

Da fasst Bowling den Plan, sich eine kurze Auszeit zu nehmen und für ein paar Tage die Kleinstadt „Lower Binfield“ aufzusuchen, wo er seine Kindheit verbracht hat. Heimlich trifft er die notwendigen Vorbereitungen, ohne seiner Frau davon etwas zu sagen. Als er schließlich sein Vorhaben in die Tat umsetzt (Hilda vermutet eine andere Frau dahinter), muss Bowling enttäuscht feststellen, dass er seinen Geburtsort, ja sich selbst nicht mehr kennt. „Lower Binfield“ ist längst durch Fabriken und Mietshäuser entstellt.

Der Roman ist über weite Strecken eine Hommage an die Idylle Südenglands, doch die Schrecken des bevorstehenden Krieges sind schon spürbar. Es scheint so, als wollte Bowling noch einmal die Schönheit der Landschaft erleben, ehe sie von Bomben entstellt wird.

Im Gegensatz zu „Farm der Tiere“ und „1984“ ist „Auftauchen, um Luft zu holen“ kein politischer Roman. Es ist ein persönliches Buch, in dem sich die Kindheitsbilder mit der Angst vor dem Krieg vermischen. Außerdem schildert Orwell am Beispiel von George Bowling die Entwurzelung der unteren Mittelschicht nach dem Ersten Weltkrieg, die bei der Suche nach einem Ausweg scheitert.
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1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Coming Up for Air, 10. August 2003
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Auftauchen, um Luft zu holen (Taschenbuch)
Von Orwells Roman aus dem Jahr 1939 finde ich den Anfang und das Ende sehr interessant, beim Mittelteil langweilte ich mich dagegen sehr. Der Ich-Erzähler, der sich am Vorabend des 2. Weltkriegs in einer Midlife-Crisis befindet, seziert genau und illusionslos sein ödes und liebloses Leben als Vertreter, Ehemann und Familienvater, und breitet ungeschminkt seine Schwächen aus. Dann driftet er in seinen Gedanken in seine Vergangenheit in einem englischen Provinzkaff ab und schildert sehr ausführlich und langfädig seine Erlebnisse als Jugendlicher sowie die gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen auf dem Lande in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts. Insbesondere berichtet er von seinen damaligen Hobbys, dem Angeln und dem Lesen. Schliesslich bricht er aus und setzt sich mit heimlich gespartem Geld in seine Heimatstadt ab. Dabei erkennt er, dass die Vergangenheit nicht mehr existiert und auch nicht mehr zum Leben erweckt werden kann. Der Titel "Coming Up for Air", welcher auf auftauchende Schildkröten anspielt, ist eine Metapher für einen Ausbruch aus dem alltäglichen Trott. Aber schliesslich gibt es keine Flucht aus dem angestammten Leben und es erfolgt wieder das Abtauchen.
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Auftauchen, um Luft zu holen
Auftauchen, um Luft zu holen von George Orwell (Taschenbuch - 26. Februar 2013)
EUR 10,90
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