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40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oh Madame!
Gustave Flaubert sagte von seiner Romanfigur einst: Madame Bovary, c'est moi.
Ich habe ein wenig gebraucht um diesen Satz so stehen lassen zu können. Denn Madame Bovary ist eigentlich kein sympathischer Charakter. Sie heiratet aus einer romantischen Vorstellung heraus einen Mann, Charles Bovary, der, wie sie bald bemerken muss, geistig flach ist , genügsam...
Veröffentlicht am 12. Dezember 2009 von Rahel

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine sympatische Ehebrecherin
In Flauberts bekanntesten Werk Madame Bovary - Sitten der Provinz geht es um die hübsche Emma, die in jungen Jahren mit dem Landarzt Charles Bovary verheiratet wird. Dieser war zuvor bereits auf Wunsch seiner Eltern unglücklich mit einer Witwe verheiratet, die jedoch gestorben ist. In Emma sieht er die Frau, die er sich immer gewünscht hat. Er liebt sie...
Veröffentlicht am 2. August 2011 von Denise Jeske


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40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oh Madame!, 12. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Gustave Flaubert sagte von seiner Romanfigur einst: Madame Bovary, c'est moi.
Ich habe ein wenig gebraucht um diesen Satz so stehen lassen zu können. Denn Madame Bovary ist eigentlich kein sympathischer Charakter. Sie heiratet aus einer romantischen Vorstellung heraus einen Mann, Charles Bovary, der, wie sie bald bemerken muss, geistig flach ist , genügsam mit den einfachen Dingen des Lebens und mit dem auch sie zu einem einfachen Leben an der Seite eines Landarztes verdammt ist. Der sie aber so sehr liebt, dass er sie auf Händen trägt, ihr jeden Wunsch erfüllt und dessen ganzes Glück es ist, Emma zu besitzen. Aber Emma Bovary geht nicht milde mit diesen Dingen, nicht nachsichtig um, sieht nicht, dass ihr Ehemann ihr die Welt zu Füßen legen will und flüchtet sich alsbald in Verachtung und Resignation. Als sie und Charles aber eines Tages auf einen Ball zu einem Marquis eingeladen werden, eröffnet sich für Emma auf einmal eine Welt der Möglichkeiten, utopisch und unerreichbar zwar, aber sie wird davon infiziert und erschafft sich eine Traumwelt. Sie wird zusehends unruhiger, entwickelt ein nervöses Nervenleiden, für sie rückt die Möglichkeit ihres persönlichen Glückes in immer weitere Ferne, je länger der Abend des Balles zeitlich in die Vergangenheit rückt. Als ihr Mann schließlich mit Emma in eine andere Stadt zieht, um ihr eine Luftveränderung zu beschaffen, lernt sie den jungen Kanzlisten Leon kennen, der in Emma Gefühle und Sehnsüchte weckt, die sie nicht mehr unterdrücken kann und vor allem auch nicht will.
Warum hat Flaubert nun gesagt, er selbst sei Emma Bovary? Was lehrt uns eine so selbstsüchtige, triebgesteuerte und morallose Person wie sie? Sie ist der Prototyp der menschlichen Verblendung. Emma ist so fixiert, so mit aller Macht an ihre falschen Vorstellungen von der Welt, den Menschen und der Liebe gebunden, dass sie an ihr zugrunde geht, ja eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn außerhalb der Perfektion findet Emma keine Zufriedenheit. Sie will mehr und mehr und nichts, nichts ist ihr je genug. Emma ist klug, das steht außer Frage, aber weise wird sie dadurch nicht, denn sie weiß ihren Intellekt nicht zur Reflektion zu gebrauchen. Sie legt all ihre Kraft allein in das Umsichschlagen, in den Kampf gegen alles, was ihr trivial und einengend erscheint. Und hier kann man sie auch wieder verstehen. Denn wir sind von Zwängen und Leiden beherrscht, müssen uns tagtäglich mit Dingen arrangieren, die uns nicht nur Genuss und Freude bringen. Ist das nicht eigentlich schrecklich? Willkommen in Emmas Welt.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Zerfall einer anmutigen Göttin im hintersten Eck der Provinz, 3. April 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hillershausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Madame Bovary - verheiratet mit dem Arzt Charles Bovary, bewohnt sie bis an ihr Lebensende die Einöde in Frankreichs Provinz. Sie träumt von dem magischen Ort Paris, ihren ritterlichen Romanhelden und sucht Befriedigung in der Liebe, die ihr ihr Mann nicht geben kann. Sie wird von den Männern viel umworben, sie ist ein Anziehungspunkt und eine Augenweide. Bald beginnt sie Affären mit Léon und Rodolphe. Dabei fühlt sie sich wie beflügelt, frei und dennoch trägt sie Verantwortung für ihren Ruf, ihren Mann und ihr gemeinsames Kind. Letztendlich wird sie von Unmengen an Schulden heimgesucht und gibt sich dem Gift hin, um ihrem Leben ein Ende zu setzen...

Flauberts Roman erregte viel Aufsehen, da er - so der Untertitel des Buchs - "ein Sittenbild der Provinz" aufweist, einen Maßstab an Moral und Werten, der für die damalige Gesellschaft maßgebend war und eingehalten werden musste, wenn man nicht verstoßen werden wollte. Doch Emma Bovary durchbricht diese Regeln, sie schafft ihr eigenes Leben, um vollauf befriedigt zu werden, um der Gesellschaft zu trotzen, um sich den eigenen Freuden hinzugeben. "Madame Bovary" ist eine Revolution, ein klassisches Werk, das dennoch in der heutigen Zeit stets aktuell ist und die unermüdlichen Bedürfnisse der Menschheit wiederspiegelt, die, unter gegebenen Umständen zu Problemen führen und letztendlich ins Verderben.

Empfehlenswertes, epochales Meisterwerk, vier Sterne für die Einzigartigkeit, die Niederschrift des Unsagbaren, selbst wenn es etwas langatmig geschrieben ist auf 400 Seiten.

~Bücher-Liebhaberin~
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Falle, in die wir alle tappen, 16. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Madame Bovary ist einer der Evergreens Europas und wurde Dutzende Male verfilmt. Was in aller Welt fasziniert an dieser nicht besonders schlauen, von Romanlektüre verwirrten, Schulden am Fließband machenden Person, die zum Schluss nicht einmal imstande ist um Hilfe zu bitten, nachdem sie schon alles in ihrem Leben verbockt hat? Zum "timeless classic" werden meist die Bücher, die mehrere Lesarten zulassen. Das ist auch bei Madame Bovary der Fall.

Lesart 1: Emma Bovary gerät aus lauter Unverstandensein, wegen starker romantischer Sehnsüchte und ihrer Abhängigkeit in einer als trist empfundenen Ehe in ihre katastrophale Notlage hinein. Da sie dabei hinter dem Rücken ihres Mannes und der kompletten Kleinstadtgesellschaft agiert, kann niemand ihr helfen. Sie stirbt, da ihre Träume nicht realisiert werden können und sie sich aus ihrer Abhängigkeit nicht befreien kann.

So wird's von den meisten Lesern verstanden. Doch es gibt eine Lesart 2. Viele mögen sich wundern, dass die Geschichte ausgerechnet mit Charles Bovary, dem uncool gekleideten, etwas langweiligen Teeny mit der affigen Mütze, der alles sehr schnell auswendig kann, beginnt. Doch das ist Absicht. Flaubert sagt uns schon auf den ersten Seiten: So jetzt wisst ihr, wer Charles Bovary ist. Ein uncooler Typ mit einer doofen Mütze. Die habe ich euch so genau beschrieben, dass ihr sie nachbasteln könntet. Jetzt glaubt ihr, ihn zu kennen, jetzt wisst ihr alles." Wirklich? Nun, wir erleben im Verlauf spannender 400 Seiten, dass wir Charles Bovary kein bisschen gekannt haben. Er ist der zweite Held dieser Geschichte. So unscheinbar, vorgeblich langweilig, "uncool", maulfaul und provinziell, wie ihn seine Frau einschätzt, schätzen auch wir ihn erst mal ein. Aber nach und nach entpuppt er sich als der größte Liebende dieses Buches, vielleicht einer der größten in der Literaturgeschichte überhaupt.

Charles fordert nichts. Er will Emma nur glücklich sehen. Er tut alles, was er tut, nur für sie, und das ohne das kleinste positive Feedback, ja sogar ohne dass sie es bemerkt. Er macht nicht viele Worte. Er verzeiht alles. Das ist "Liebe" im eigentlichen Verständnis des Wortes.

Emma dagegen - Drama, Baby, Drama!! - steht auf große Worte, grandiose Gesten, den schönen Schein, den Ruhm, den Adel, das Strahlen. Da kann Charles natürlich nicht punkten. Die beiden können zueinander nicht kommen, und darin liegt die eigentliche Tragödie des Romans.

Die "hidden agenda" des Buches ist die Untersuchung der großen Frage: Was sind Bücher für uns? Emma sowie der PR-gewiefte und opportunistische Apotheker Homais halten sie für "Lebensrezepte zum Nachkochen". Emma glaubt, was in Romanen steht, ist eine Anleitung fürs Leben. Homais regelt alle seine Angelegenheiten sehr zielführend mit Zeitungsartikeln, Statistiken, Apothekenrezepten. So gelingt es ihm auch, den eigentlich skeptischen Charles zwecks Mehrung des Ruhms der Stadt Yonville zu einer Klumpfußoperation nach dem gerade angesagten Lehrbuch von Dr. Duval (gibt es tatsächlich - erschienen 1843) zu überreden.

Charles studiert das Buch einmal, zweimal, dreimal sehr gründlich. Kocht's nach. Durchaus nach den Regeln der Kunst. Die er allerdings nur theoretisch beherrscht. Operation gelungen. Bein ab. Sehr tragisch. Auch 1843 hätte es die Möglichkeit gegeben, diesem berühmten Dr. Duval erst einmal eine Zeitlang zu assistieren, um Erfahrung mit den lebenden Patienten, der Operation und der Handhabung der Korrektionsmaschine zu gewinnen. - Die Handhabung ist, by the way, in Duvals Buch nicht näher beschrieben, sie sei nur mit Hilfe von viel Erfahrung zu leisten! Nur "aus dem Buch", das muss schief gehen. Im Grunde weiß Charles das ganz genau. Doch er will Homais und seiner Frau, den beiden Nach-Rezept-Kochern, einen Gefallen tun. Genau wie die Operationsnachsorge misslingen muss, da die Erfahrung fehlt, kann eine Lebens- und Liebesweise, die man nur aus Büchern kennt, nicht en detail im eigenen, ganz anders gestrickten Leben nachgespielt werden.
So ist also Charles zumindest ein Mal so sehr hereingefallen wie Emma. Doch er hat daraus gelernt.

Und wir? Wir fallen seit 150 Jahren auf den gleichen Trick herein. Emma ist unsere Heldin, mit ihr leiden wir mit, bis ins letzte Detail ihres gruseligen Gifttodes hinein. Charles bleibt in der Schublade, wohin auch Emma ihn gesteckt hat: Viel zu minder, um uns mit ihm zu beschäftigen. Selbst im Buchtitel erscheint er nur verborgen (eine "Madame" Bovary gibt es naturgemäß nicht ohne einen "Monsieur Bovary"). Aber, wie wir nach aufmerksamer Lektüre wissen: Er ist Emmas "Einziger und Wahrer". Man hätte ihr eine längere Lebenszeit gewünscht, um das herauszufinden.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einblicke in die Seele einer Frau, 30. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
In ,,Madame Bovary'' erfährt der Leser vom tragischen Schicksal der jungen, schönen Emma, die den Landarzt Charles Bovary heiratet; aus Liebe wie sie glaubt. Doch dann stellt sie fest, dass es sich doch nicht so verhält und ist plötzlich hin und her gerissen zwischen Mitleid, Sympathie und Abscheu für ihren gutmütigen, schlichtgesinnten Gatten. Bald schon langweilt Emma sich auf dem Land und auch die gemeinsame Tochter Berthe kann daran nichts ändern. Immer öfter flieht die junge Frau in romantische Tagträume von heldenhaften Männern, dann in Affären und merkt zu spät, dass sie nicht nur sich, sondern auch ihre Familie ins Unglück gestürzt hat. Verzweifelt und enttäuscht vom Leben wählt sie einen tragischen Ausweg.
,,Madame Bovary'' ist einer der bekanntesten französischen Romane und teilt sich den ersten Rang mit anderen großen Frauenromanen dieser Zeit, wie beispielsweise ,,Effi Briest'' und ,,Anna Karenina''.
Gustav Flaubert gelingt es, dem Leser einen ungewöhnlich tiefen Einblick in das Seelenleben der Madame Bovary zu geben, das so unglaublich zerrissen und eigenartig ist. Auch sprachlich überzeugt der Roman auf ganzer Strecke, da er ,meiner Meinung nach, stilistisch wesentlich leichter und eleganter ist, als andere Romane dieser Zeit. Die Figurenpalette bleibt überschaubar und jeder einzelne der Charaktere ist gut ausgearbeitet.
Letztendlich sollte der Leser selbst entscheiden, ob er sich mit der Protagonistin identifizieren kann oder ob ihm ein anderer Charakter nicht sympathischer ist. Vielleicht lag es daran, dass ich ein Mann bin, aber mir war die Figur des Charles Bovary wesentlich verständlicher. Wie gesagt: Das soll jeder für sich selbst entscheiden.
Auf jeden Fall sollte jeder diesen Roman gelesen haben, sei es um die Frauen besser zu verstehen oder um sich über die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert zu informieren.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswerter Klassiker, 8. Mai 2013
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Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Kindle Edition)
Anspruchsvolle Literatur, die keine Minute langweilig wird. Charaktere und Szenerie bis ins kleinste Detail perfekt ausgefeilt. Für Freunde der großen Frauenliteratur ein Muss.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine sympatische Ehebrecherin, 2. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
In Flauberts bekanntesten Werk Madame Bovary - Sitten der Provinz geht es um die hübsche Emma, die in jungen Jahren mit dem Landarzt Charles Bovary verheiratet wird. Dieser war zuvor bereits auf Wunsch seiner Eltern unglücklich mit einer Witwe verheiratet, die jedoch gestorben ist. In Emma sieht er die Frau, die er sich immer gewünscht hat. Er liebt sie abgöttisch. Emma ist im Gegensatz zu ihrem Ehemann Charles kulturell interessiert und sie liest sehr gerne. Vor allem Liebesromane.

"Was Charles redete, war platt wie das Straßenpflaster, und die Allerweltsideen wandelten in ihrem Alltagskostüm darauf umher, ohne zu Rührung, Lachen oder Träumerei anzuregen."

Sie sehnt sich danach dieses unbeschreiliche Gefühl der Liebe selbst einmal zu empfinden, doch obwohl Charles ihr jeden Wunsch von den Augen abliest, kann sie ihn nicht lieben. Auch die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter ändert nichts daran. Seit sie zu einem Fest auf dem Schloss des Marquis d'Andervilliers eingeladen war, sehnt sie sich außerdem nach Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung. Doch ihr Ehemann hat nicht die Ambitionen dazu. Ihm reicht das bescheidene Landleben. Emma hingegen gibt das Geld mit vollen Händen aus und träumt von Paris.

"Sollte ein Mann aber nicht alles kennen, sich auf vielen Gebieten auszeichnen, einen mit den Kräften der Leidenschaft, mit den Genüssen des Lebens, mit allen Mysterien vertraut machen? Aber der da lehrte sie nichts, wußte nichts, wünschte sich nichts. Er glaubte, dass sie glücklich sei, und sie grollte ihm wegen dieser gesättigten Ruhe, dieser heiteren Trägheit und sogar wegen des Glücks, das sie ihm schenkte."

Madame Bovary ist nicht glücklich in dem kleinen Ort Tostes in dem sie leben. Daher entschließt sich Charles seine Praxis dort aufzugeben und nach Yonville zu ziehen. Dort lernt Emma den Notargehilfen Léon kennen, der ihre Leidenschaft für Kulturelles und romantische Bücher teilt. Es knistert heftig zwischen den beiden, doch Emma bleibt standhaft und bemüht sich ihrem Mann die gleiche Liebe entgegenzubringen wie er ihr. Doch eines Tages lernt sie den benachbarten Gutsherrn und Frauenhelden Rodolphe kennen und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Endlich lernt Emma das Gefühl der Liebe kennen, nach dem sie sich so sehr gesehnt hat. Von ihrem Ehemann entfernt sie sich dabei immer mehr.

"Alles an ihm reizte sie jetzt: sein Gesicht, seine Kleidung, die Worte, die er nicht sprach, seine ganze Erscheinung, seine Existenz überhaupt. Sie bereute ihre bisherige Tugend wie ein Verbrechen, und was davon noch übrig war, fiel unter den wilden Stößen ihres Stolzes in sich zusammen. Sie genoss mit aller Schadenfreude den begangenen Ehebruch."

Um ihr Gück in vollen Zügen zu genießen und sich nicht mehr heimlich treffen zu müssen will sie mit Rodolphe durchbrennen, aber dieser will sein Gut nicht verlassen und teilt ihr in einem Brief mit, dass sie sich nicht mehr sehen werden. Emma ist am Boden zerstört und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Charles, der sich nicht erklären kann was seiner Frau fehlt, will sie mit einem Opernbesuch in Rouen aufmuntern. Dort trifft sie Léon wieder und die alten Gefühle kommen erneut hervor. Jetzt kann Emma nicht mehr standhaft bleiben und beginnt auch mit Léon eine Affäre. Monsieur Bovary bekommt von all dem nichts mit. Er ist noch immer so verliebt in seine Frau, dass er ihr sogar eine Vollmacht ausstellt und damit unwissenderweise ihre Reisen zu ihrem Liebhaber finanziert. Emma lebt jedoch so sehr über ihre Verhältnisse, dass sie in ernste Schwierigkeiten gerät...

Ich habe mich total darauf gefreut diesen Weltklassiker zu lesen. Zum einen, weil ich in letzter Zeit gerne französische Romane lese und zum anderen, weil ich Verführungsromane wie Effi Briest und Anna Karenina toll finde. Aber ich bin überhaupt nicht mit dem Buch warm geworden. Ich habe mich richtig zwingen müssen es weiterzulesen, weil es mich streckenweise einfach nur gelangweilt hat. Ich finde die Geschichte an sich und die Figurt der Emma Bovary sehr gelungen, doch meines Erachtens kommt Gustave Flaubert nicht auf den Punkt. Er schreibt über so viel Unwichtiges, dass meine Gedanken beim Lesen oft woanders waren und ich mich immer wieder zwingen musste mich auf die Geschichte zu konzentrieren. Sicher sind einige Szenen wichtig, damit man die Entwicklung der Potagonisten nachvollziehen kann. Doch meiner Meinung nach hätte man sie nicht zu sehr ausschmücken müssen und einige sogar gänzlich streichen können. Dennoch finde ich Emmas innere Zerrissenheit zwischen der Tugend und der Sehnsucht nach Liebe gut dargestellt. Auch an Aktualität hat der bereits über 150 Jahre alte Roman nichts verloren.

Was ich bei derAusgabe vom Diogones Verlag schön fand ist der Anhang. Dort findet man drei zeitgenössische Rezensionen aus dem Jahr 1857 wobei eine davon von Charles Baudelaire (Die Blumen des Bösen) ist. Und außerdem gibt es ein Nachwort von Heinrich Mann. Das fließt jedoch nicht mit in meine Bewertung ein.

Fazit:
Für mich eine Enttäuschung, weil ich sehr große Erwartungen an den Roman hatte. Vielleicht bin ich aber auch noch zu jung dafür und sollte ihn in ein paar Jahren erneut lesen, denn bei einigen Klassikern interpretiert man in den verschiedenen Lebensphasen immer wieder Neues wie zum Beispiel bei Goethes Faust. Daher empfehle ich jedem der Klassiker und dramatische Liebesromane mag das Buch zu lesen und sich selbst eine Meinung darüber zu bilden. Da ich die Geschichte an sich und die Protagonisten sehr gelungen finde, vergebe ich noch 3 Sterne.
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5.0 von 5 Sternen Ein großer Wurf, 3. Januar 2015
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Kindle Edition)
Im Anhang zu diesem berühmten Roman von 1857 findet sich der Brief einer Zeitgenossin an Flaubert, ebenfalls Schriftstellerin, die bekannte, vor Rührung über Emma Bovarys Schicksal fast "wahnsinnig" zu werden. Aber noch Mario Vargas Llosa, der auf dem Cover abgedruckt ist, gesteht, mit dieser Gestalt ein einzigartig dauerhaftes und leidenschaftliches Verhältnis gehabt zu haben. Offensichtlich also gestaltet Flaubert schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein ausgesprochen modernes Schicksal, das Leben einer in kleinen Verhältnissen stecken gebliebenen Frau, die nach Erfüllung ihrer Liebessehnsucht lechzt, daran aber zu Grunde geht. Warum? Weil sie - so wie es für die Moderne typisch ist - ihre Fantasien von Glück und Luxus mit der Realität vergleicht und letztere für die Fantasiebilder opfert. Emma bezog ihre Fantasien überwiegend aus Romanen, Opern und Zeitschriften, bei der heutigen Totalversorgung mit Medien ist es wohl noch schwieriger geworden, ein realistisches Verhältnis zum Glücks- und Liebesverlangen zu bekommen, deswegen die ungebrochene Aktualität und Modernität dieser Figur.

Ebenso modern wirkt auch der Stil. Flaubert kommentiert seine Protagonistin nur gelegentlich. Im Wesentlichen zeigt er sie eingebettet in die Realität, in der sie sich nun mal mit ihren banaleren Zeitgenossen bewegen muss. Und diese Realität lässt er meistens für sich sprechen. Wenn Rodolphe, Emmas erster Liebhaber, auf einer Jahresversammlung der Landwirtschaftsverbände zielbewusst Süßholz raspelt und Emma mit Beteuerungen seiner einzigartigen ätherischen Liebe zu betören versucht, werden seine Reden ständig kontrastiert mit den platten, materialistischen Redeauszügen der biederen Festredner. Als Léon, Emmas zweiter Liebhaber, sie endlich in eine Kutsche ziehen und verführen kann, bekommen wir Leser nichts anderes als eine seitenlange exakte Beschreibung der Fahrtroute mit allen Straßennamen, bis der Kutscher vor Erschöpfung fast zusammenbricht. Flaubert hält sich nie lange bei der Beschreibung des Liebesglücks auf - obwohl auch das vorkommt -, sondern gibt mit seinem objektiven Realitätssinn stets ein Gesamtbild der Situation, wo nicht selten Komisches neben Erhabenem, winzige Details neben allgemeinen Beobachtungen stehen. Sein Realismus ist nicht nur vordergründig realistisch, sondern häufig satirisch-suggestiv, poetisch, gelegentlich auch voller Symbolik - so wenn sich z.B. ein blinder Irrer an die Postkutsche klammert, in der Emma zu Léon fährt, und sie mit seinem von einer Krankheit zerstörtem Gesicht erschreckt. Indem Flaubert nie das Individuum zu sehr in den Mittelpunkt stellt, bekommen wir auch gleichzeitig ein eindringliches Bild von der damaligen Gesellschaft in der französischen Provinz.

Flauberts Buch wird gerne mit Fontanes "Effi Briest" verglichen, obwohl letzteres im adligen Milieu spielt. Aber welch ein Unterschied! Um wieviel moderner ist Flauberts Buch (obwohl es noch 40 Jahre vor Fontanes Werk erschien), was die Thematik und auch den Stil angeht - ohne dass hier beide Werke gegeneinander ausgespielt werden sollen! Bei Fontane haben wir eine stille, subtile Welt, die nur leicht von untergründigen Spannungen bewegt oder erschüttert wird. Bei Flaubert wird das moderne Thema der Revolte einer Frau gegen die Konventionen der Gesellschaft bis zum Exzess und zur Selbstzerstörung durchgespielt. Bei Fontane siegt die innere Haltung, die gesellschaftliche Stabilität, bei Flaubert zerstört Emma sich selbst und ihre ganze Familie, und selbst die Gesellschaft zeigt schon gewisse Auflösungserscheinungen.
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4.0 von 5 Sternen Psychogramm einer schwer depressiven Frau und ihrer Umgebung, 4. Oktober 2014
Von 
margarita - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Emma Bovary ist zeitlos. Eine zeitlos depressive Frau, deren Problem es ist, nicht in der Gegenwart zu leben, sondern sich von romantischen Träumen geleiten zu lasse. Das handfeste, griffige Jetzt wird als erdrückendes Mittelmaß empfunden und nicht als Realität akzeptiert, auf der immerwaehrenden Suche nach etwas Besonderem kann nur grosses Unglück warten.

Die drei Bovarys haben mir eigentlich die ganze Zeit leid getan. Charles, ein einfacher aber nicht dummer Mann, der in seiner Emma nur das Gute sieht und sie vergöttert, Berthe, die völlig vernachlässigte Tochter einer depressiven Mutter und Emma selbst, die in sich selbst gefangen ist und immer wieder nach der vermeintlichen Lösung in Form fremder Liebhaber greift. Dass das keine Lösung ist weiss sie im Grunde genommen selbst, denn schmerzhaft genau wird beschrieben, wie in beiden grossen Affären Emma diese nach einiger Zeit genauso banal und belanglos empfindet wie die Ehe - dennoch flieht sie sich dort in Wunschvorstellungen, hängt Erinnerungen an Momente ihres Lebens nach und bricht nicht fort von ihren belanglosen Liebhabern.

Dass dieses Leben ein weiteres Ventil sucht ist völlig klar und so stürzt Emma sich in hohe Schulden beim örtlichen Händler, welche letztendlich ihr Grab sein sollen.

Alle handelnden Personen sind hervorragend gezeichnet. Flaubert hat sehr genau gearbeitet, sehr genau beobachtet und uns das Innenleben der kleinen Gemeinschaft genauestens nahegebracht. Ich glaube allerdings nicht, dass er selbst Emma als depressiv erkannt hat, denn diese Krankheit war Mitte des 19 Jahrhunderts in ihrer Gänze noch nicht beschrieben. Um so spannender, sie in allen Details auf Papier vorgelegt zu bekommen. Neben den Bovarys ist insbesondere der Apotheker Homais ein wichtiger Character: ein eitler, aufgeblasener Mann, voll von sich selbst, drückt er dem Leser und seinen Mitmenschen seine mittelmäßigen Ideen und Visionen auf. Seine Familie ist geblendet von ihm, Charles Bovary lässt sich im Sog mitziehen und begeht angestachelt durch Homais einen schlimmen Fehler. Als es den Bovarys zum Ende hin sehr schlecht geht lässt Homais sie eiskalt fallen - er bringt uns als Leser ab und an zum Schmunzeln, er ist uns auch nicht unsympathisch und man weiss die ganze Zeit - dieser Mann ist nichts Besonderes, aber ein Gewinner aus allen Situationen. Welch Gegensatz zu unseren Bovarys. Die beiden Liebhaber von Emma sind verhaftet in zwei unterschiedlichen Klischees, weit davon entfernt, irgendetwas besonderes zu sein. Nette Nebenfigur ist der blinde Seher, der mit seinem Erscheinen die Ausmasse einer griechischen Tragödie suggeriert.

Trotz alle der positiven Kritik durch mich nur vier Sterne, denn das Buch ist wirklich sehr langatmig, gerade in den beiden Liebschaften wiederholt sich einiges. Ich habe mich in der Mitte ein wenig gequält, als Emma in allen zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder die selben Hebel zieht und selbst wenn es mir klar ist, dass genau diese Eintönigkeit Emmas Weltbild beherrscht, wurde ich als Leserin irgendwann doch sehr geduldig, ehe die Geschichte dann zum Ende hin nochmals an Dramatik und Fahrt aufnahm.
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4.0 von 5 Sternen Wenn Freiheit nicht beherrscht wird, 17. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Der Roman von Flaubert ist bekanntermaßen ein Meisterwerik. Ein spannendes Bild einer Frau, die sich selbst ins Unglück stürzt, und gleichzeitig eine interessante Beschreibung der Zeit und des französichen Landlebens.
Emma Bovary ist eine faszinierende Person: Sie hat Bildung erhalten und offenbar genug daraus und aus den Zeitströmungen der letzten 100 Jahre mitbekommen, um zu spüren, dass ein Leben auch Selbstverwirklichung sein kann. Die alte Maxime, dass der Mensch, da wo er hingestellt ist, seine Pflicht zu erfüllen hat, egal wie angenehm oder unangenehm das ist, gilt nicht mehr. Aber dass diese Selbstermächtigung des Menschen, ihm auch Bewußtsein und Entscheidung abverlangt, lernt Emma Bovary nicht. Sie will immer wieder ein besseres Leben, vor allem eine erfüllte Beziehung, schafft es aber nie, dafür etwas zu tun. Sie glaubt, dass sich darauf einlassen genug ist. Die unangenehme Seite der Freiheit, nämlich die Notwendigkeit Stellung zu beziehen und aus dieser Stellung heraus aktiv zu werden, wird aber nicht von ihr gelebt bzw. sie erkennt sie nicht. Und so scheitert sie an der vagen Ahnung, dass es einen Weg geben muss zum besseren Leben.
Daneben schildert Flaubert sehr farbig das ländliche Leben aus Sicht der Honoratioren. Manchmal sind diese Schilderung etwas lang im Verhältnis zur eigentlichen Geschichte. An vielen Stellen aber sind die Schilderungen auch die Folie, auf der sich das Schicksal der Madame Bovary entwickelt. Und manchmal schlägt die Zeit der Entstehung des Romans zu deutlich durch, so dass der Leser Reaktionen oder Beweggründe nicht mehr versteht. Aber das alles ändert nichts daran, dass der Roman mitreißend und spannend ist und auch heute noch unterhaltsam und interessant ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abgründe einer Leidenschaft: eine Deja-Vu Chronik, 27. Dezember 2013
Von 
Nikolai Kim (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Flaubert's wohl bekanntestes Werk, ist ein klassisches, französisches Drama, das im 19-ten Jahrhundert im provinzialen Frankreich angesiedelt ist:

1) Die für Flaubert typische Konzentration auf eine Person ist auch hier der Fall, im Mittelpunkt steht diesmal eine Frau und der Konflikt, den sie in ihrem Inneren austrägt. Ebenfalls typisch, die Dramatik der Erzählung kommt nicht durch überraschende, radikale Wendungen zustande (diese gibt es naemlich nicht), sondern nimmt stets zu, und erreicht am Ende ihren Höhepunkt. So erlebt diese einen stetigen Anstieg, proportional zu dem "Verfall" der gesamten Familie Bovary. Für Optimisten - in Erwartung eines Ereignisses, das alles wieder zum Positiven wendet - möglicherweise enttäuschend, aber genau das ist was den Roman so abhebt und auszeichnet.

2) Der Roman erzählt von einer "jüngen" Frau, der Frau eines Landarztes, die bald feststellt, dass sie keine Liebe für ihren Mann empfindet, und sich nach und nach ihm gegenüber zu nichts mehr verpflichtet fühlt. Das Bedürfnis nach einer emotionalen Befreiung und Kompensation führt zu mehreren Liebschaften, wovon zwei sehr leidenschaftliche, körperliche, und anfangs zum Teil auch naive Formen annehmen, die jedoch jäh scheitern. Durch bewusste Überordnung von ihren Gefühlen, haben diese Affären aber verheerende Konsequenzen, die die gesamte Familie am Ende schliesslich ohne Ausweg lassen.

3) Das Genie Flauberts, aus dem Empfinden einer einzigen Person eine berührende Erzählung zu erschaffen, machen auch "Madame Bovary" zu einem emotionalen Meisterwerk. Es ist eine echte Tragödie, die moralische Fragen aufwirft, sich nicht damit abgibt nach Antworten zu suchen, sondern das "Warum" einfach dem Leser überlaesst. Das Schicksal von Madame Bovary erscheint nicht einzigartig (oftmals hat man das Gefühl, das gelesene selbst erlebt zu haben, oder eine gewisse Handlung oder Situation nur zu gut zu verstehen oder zu kennen), dies wiederum macht den Roman selbst umso einzigartiger.

Sehr empfehlenswert!
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Madame Bovary: Sitten der Provinz
Madame Bovary: Sitten der Provinz von Gustave Flaubert (Taschenbuch - April 2005)
EUR 11,90
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