Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Fußball Fan-Artikel calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More sommer2016 designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen52
4,3 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 28. Juni 2016
Unhysterische Herangehensweise an Themen wie Vatermord, 'nicht-loslassen-Können'
oder das Inzesttabu. Die drei Stichworte können aber nicht die enorme Vielschichtigkeit
des Werks widerspiegeln, es handelt sich lediglich um Beispiele für den tiefen Blick ins
zeitlos Menschliche.
Die Schreibe kommt derb, direkt und schonungslos antimännlich (...ich onanierte zu
der Zeit zweimal täglich, einmal am Vormittag, einmal am Nachmittag …). Für mich ist
das streckenweise pietätlos geradlinig bis verletzend; Frauen würde man in ähnlichen
Situationen nicht so gegenübertreten.
Der Autor entwirft das Geschehen erfrischend und jugendlich unschuldig, dass man
etwa Jack, dem Hauptcharakter für seine Fehler, manchmal auch Brutalitäten nicht
böse sein kann, weil vieles, ob gewollt oder nicht, einfach so ist.
Und dieser sachliche, frische Stil ist auch die Ursache dafür, dass man das Werk erst
auf den zweiten Blick dort einordnet, wo es meiner Meinung nach hingehört: Weltliteratur.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 1. Dezember 2011
...stellt sich unwillkürlich beim Lesen dieses fantastischen Romans ein! Die Geschichte ist so unwirklich, dass sie beinahe schon wieder realistisch erscheint.

Zum Inhalt: Als der Vater von vier Kindern (alle im Alter zwischen sechs und 16 Jahren) beim Zementieren des Vorgartens wegen Überanstrengung an einem Herzversagen stirbt, ist die Mutter ja zum Glück da, um alles Notwendige wie z. B. die Beerdigung usw. zu regeln. Fortan kümmert sich die - zu diesem Zeitpunkt schon schwerkranke - Mutter allein um die Kinder. Doch die Mutter stirbt nach nicht allzu langer Zeit nach dem Tode des Vaters ebenfalls. Nun sind die Kinder ganz auf sich allein gestellt und wissen in ihrer Not nicht, wem sie davon erzählen dürfen; sie wissen auch nicht, wohin mit der Leiche. Kurzerhand zementieren die drei älteren Geschwister ihre Mutter in einer Kiste im Keller ein, denn sie haben Angst davor, in ein Heim gesteckt zu werden, wenn jemand vom Tode der Mutter erfährt. Man muss dazu wissen, dass die Familie ein sehr isoliertes Leben geführt hat: keine nachbarschaftlichen Beziehungen, Freunde der Kinder wurden nie eingeladen und umgekehrt werden auch die Kinder nicht zu Freunden eingeladen.

Nach einer Weile entwickelt sich ein starker Verwesungsgeruch, der aus dem Keller in das Haus dringt. Die älteste Tochter hat inzwischen einen Freund, der nichts Gutes ahnt, als er seine Freundin und ihre Geschwister in dem Haus besucht. Das Schicksal nimmt seinen Lauf... Zwischenzeitlich wird immer wieder deutlich gemacht, wie schwierig es für Jugendliche ist, mit den Veränderungen des eigenen Körpers in der Pubertät fertig zu werden. Es werden auch sexuelle Erfahrungen unter den Geschwistern ausgetauscht.

Alles in allem ein Roman, der ein beklemmendes Gefühl von der ersten bis zur letzten Seite hervorruft, was aber in meinen Augen nichts Negatives ist: im Gegenteil - mich fasziniert es, wie Ian McEwan es meisterhaft gelungen ist, diese bedrückenden Szenen in Worte zu kleiden, so dass genau dieses Gefühl beim Leser entsteht.
Deshalb: fünf Sterne!
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Ian McEwan, ein Star der modernen englischen Literaturszene, liefert hier einen Text, der einerseits bedrückt und abstößt, andererseits fasziniert.
Jack lebt mit seinen 3 Geschwistern in England am Rande einer Stadt. Weit und breit gibt es keine Nachbarn, da alle Häuser wegen des Baues einer Autobahn verlassen sind - nur wurde die Autobahn nie gebaut. Als Jack 13 ist, stirbt sein Vater, während er den Garten mehr oder weniger zubetonieren will. Die Familie vereinsamt immer mehr und auch die letzten (entfernten) Verwandten sind schon tot. 2 Jahre nach Vaters Tod stirbt die Mutter an Krebs. Die 4 Kinder - Jack ist nun 15 - sind Vollwaisen. Wie wird es weitergehen?
Das Buch schildert die Leiden, die Lügen, die Leidenschaften von heranwachsenden Jugendlichen ohne Vater und Mutter. Man kann das alles als abstoßend und pervers ansehen - der Autor geht aber nie über eine bestimmte Grenze hinaus. Es zeigt sich keine Spur von Exhibitionismus - ganz im Gegenteil, der Leser hat sehr bald Mitleid mit diesen 4 Kindern (Jugendlichen).
Ein meisterhaftes Psychogramm einer zerfallenden bzw. zerfallenen Familie - wobei auch ein (untypisch) heißer englischer Sommer eine wichtige Rolle spielt.
0Kommentar|11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. Februar 2015
Der Vater wollte den steril ordentlichen Garten mit einer Mauer gegen Unkrautsamen abschirmen und ihn schließlich zubetonieren, weil er ihn nach einem Herzinfarkt nicht mehr pflegen konnte. Als er einem zweiten Herzinfarkt erliegt und die Mutter im Jahr darauf an einer Krebserkrankung stirbt, bleiben die Kinder während der Sommerferien allein. Ihre Verstörung und Hilflosigkeit geht einher mit der zunehmenden Verwahrlosung im Haus, und ihre Verwilderung mit dem Wuchern des Unkrauts in dem früher so akkurat gepflegten Garten. Der fünfzehnjährige Jack (aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird) hat Angst, dass er und seine Geschwister zu Pflegeeltern oder in ein Waisenhaus müssen wenn bekannt wird, dass nun auch die Mutter tot ist. Er möchte, dass alle Geschwister zusammenbleiben. Damit niemand etwas erfährt, müssen sie die Leiche der Mutter heimlich selbst bestatten. Julie schlägt dafür den Garten vor, doch da müssen sie lange graben. Es besteht die Gefahr, dass sie tagsüber gesehen werden und nachts bräuchten sie Fackellicht zum Ausheben des Grabes. Und wenn jemand Verdacht schöpfte, würde er als Erstes im Garten graben, das weiß Jack aus dem Kino. Julie und Jack beschließen, ihre Mutter im Keller zu bestatten.

Mit seinem Roman "Der Zementgarten" präsentiert Ian McEwan eine einfühlsame Erzählung über das Erwachsenwerden. Eine beklemmende, subtile und zugleich groteske psychologische Studie über vier verwaiste Kinder zwischen sechs und siebzehn in einer schrecklichen Ausnahmesituation.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Januar 2000
Obwohl ich dieses Buch in der Schule im Englischunterricht gelesen, durchgekaut und eine Klausur darüber geschrieben habe, hat es für mich nichts von seiner Faszination verloren. Ein "muß" für jeden Jugendlichen!
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. August 2005
Als der Vater von Julie, Jack, Sue und Tom an einem Herzinfarkt stirbt, sind die vier Kinder und ihre Mutter auf sich alleine gestellt. Bald wird auch diese schwer krank und stirbt ebenfalls. Da die Familie sehr abseits lebt, fällt ihr Tod niemandem auf. Die älteren Geschwister lassen ihre Leiche verschwinden und erzählen niemandem etwas, aus Angst getrennt zu werden. Der Haushalt beginnt zu verwahrlosen und zwischen den beiden älteren Geschwistern Julie und Jack entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Doch das ganze geht nicht lange gut.
Der Zementgarten ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher. Ich habe es etliche male gelesen. Ein sehr gut geschriebenes makaberes und düsteres Buch, mit beklemmender Atmosphäre. Wer damit keine Probleme hat, wird sicher begeistert sein.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Mai 2015
Ein ordnungsliebender Spießer von Vater, der die Blumen in seinem Garten in Reih und Glied antreten lässt. Auch die Kinder sind zu optimieren. Vor allem dürfen sie nicht laut, nicht wild sein. Wild sein ist dem Vater zuwider, nicht nur das Unkraut, auch die Menschen und erst recht seine Kinder haben sich einer streng zirkulierten Ordnung zu beugen. Dem wohl gerade erst in die Schule gekommenen Kleinsten und dem pubertierenden großen Bruder fällt das naturgemäß besonders schwer. Ein Hauch von Charles Bukowskis „Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend“ liegt über der Handlung. Die Mutter steht, ihre Kräfte überfordernd, als ausgleichendes und vermittelndes Element zwischen ihrem Ehemann und den 4 Kindern.

Glücklich die Kinder, tun und lassen zu können was sie wollen, das Haus wird endlich mal zur wohlgelittenen Stätte, als die Eltern ausnahmsweise mal für einen halben Tag außer Haus sind. Wer erinnert sich da nicht gern an eine sturmfreie Bude aus eigenen Jugendtagen.

Die älteste Schwester Julie, ca. 17 Jahre, der Bruder Jack folgend mit ca. 15 Jahren, Schwester Sue vielleicht 12 oder 13 Jahre, und der Kleinste, Tom, können sich dieser elternlosen Freiheit bald ganz hingeben, als beide Eltern verstorben sind, die Waisen diesen Zustand stabilisieren, zementieren.

Unvermittelt drängten sich mir vergleichende Gedanken an Per Paolo Pasolinis „Vita Violenta“ auf. Auch die Kinder des Zementgartens leben sich selbst überlassen in einer maroden Fertigteilhaus- Abbruchsiedlung, geopfert für eine Autobahn, die nie gebaut wird, die höheren Mehrfamilienhäuser in Sichtweite aber gleichzeitig weit weg. Eine triste, ärmliche Gegend, hier leben nur Verlierer. Aber während bei Pasolini die Kinder und Jugendlichen in Beziehung zur Außenwelt stehen, agieren, danach streben raus zu kommen aus dem Dreck, politische Hintergründe, gesellschaftliche Strukturen gezeigt werden, sind unsere 4 Kinder hier isoliert, ist das ganze Geschehen isoliert, wird kein Bezug genommen auf gesellschaftliche Umstände und Ursachen. Alles erstarrt, der Titel ist Programm.

Die Szenerie ist auch örtlich abgeschirmt wie auf einer einsamen Insel oder unter einer Käseglocke. Das hat jedoch auch seinen Reiz. Es lässt die Aufmerksamkeit ganz beim Haus, in dem die Kinder leben. Es entsteht der Eindruck, dass es keine anderen Kontakte gibt, auch wenn sie gewollt oder angestrebt wären. Ja, sie gehen in die Schule, aber wir erfahren nichts, was außerhalb der Häuslichkeit passiert. Einzig Julie als Älteste geht immer mal ihre eigenen, den Geschwistern nicht erklärten Wege und der Kleine hat einen Spielfreund, mit dem er seltsame Spiele spielt.

So, wie der Vater in Anbetracht seiner schwindenden Kräfte plante, den Garten auszuzementieren, gewinnt der Leser zu Recht den Eindruck, dass auch die Kinder alles unter der Decke halten. Nichts soll nach außen dringen, sie können sich selbst genügen. Dabei haben sie keinen bösen Gedanken beim Verheimlichen im Sinn, sondern nur das Ziel, durch die sterbende Mutter eingepflanzt, zusammen- und das Haus in Schuss zuhalten, damit die Obrigkeit keine Beanstandungen hätte, sie nicht ins Heim müssten.

Die Schwestern haben ihren harmlosen Zeitvertreib und Spaß daran, den kleinen Tom als Mädchen zu verkleiden. Dem Kleinen scheint es zu gefallen. McEvan bietet ganz unverhofft und nicht weiter ausführend eine Offerte. Wie würde das Leben für den kleinen Tom aussehen, zöge er die Frauenkleider nicht wieder aus? Wäre es vielleicht ein glücklicheres Leben? Lebt der Kleine im falschen Körper? Wird er später Schwierigkeiten haben?
Angeregt bleibt der Leser mit dieser Frage allein.

Der Jüngste verfällt darüber hinaus in einen Babymodus, um die Aufmerksamkeit der ältesten Schwester auf sich zu ziehen, die er sich als Mutterersatz auserkoren hat. Ein Fall für den Psychiater würde man meinen, dabei kontrolliert der Kleine ganz genau die Wirkung seiner Darbietungen und weiß und begreift mehr, als ihm als schauspielerndes Baby zuzutrauen ist.

Der ältere Bruder Jack, in seiner pubertierenden Phase oft unerträglich sowohl in seiner Äußerlichkeit als auch in seinen Äußerungen, scheint da mehr unvernünftiges Baby zu sein, als der Kleine. Uneingestandene Eifersucht macht es ihm schwer, sich des Kleinen anzunehmen. Der Roman ist wie an anderen Stellen auch, hier einfach oft eklig, wenn auch die aufgehenden Pickel nicht ganz so drastisch beschrieben werden wie bei Bukowski.

Ich finde diesen Roman von 1978 auf verschiedenen Ebenen aktuell.

Der Trend, Gärten zu "zementieren", findet mehr und mehr praktische Anwendung in komplett mit Kieseln zugeschütteten pflegeleichten Vorgärten. Die gegen Unkraut abschirmende Ziegelsteinmauer des Grundstückes findet ihr Äquivalent in haushoch wachsenden ökologisch kaum nutzbringenden Koniferen-Mauern, zu bemerken ist eine zunehmende Abwendung von Natur allgemein und heimischen Pflanzenarten im Besonderen, gar laubabwerfenden Exemplaren. Wir entfernen uns von einer natürlichen Umwelt zu Gunsten einer optimierten, formatierten Umwelt. Ich bin mir nicht sicher, ob McEwan daran so direkt gedacht hat, aber in seinem Roman lässt er den Vater „wild“ Wachsendes oder gar „Wucherndes“ nicht ertragen, weder in seinem Garten noch in seiner Familie, und das fängt schon bei einem einfachen Widerspruch oder einer Frage an, und wenn sie auch nur so harmlos ist wie ein sich durch die Fugen kämpfendes Löwenzahnblatt. Ich sehe da eine Parallele zu mit Medikamenten „versorgten“ Kindern, ein verträumtes Kind hat heute Depressionen und muss behandelt werden, einen Zappelphilipp wie beim Struwwelpeter darf es auch nicht mehr geben, der hätte heute ADHS. Roundup und "Lawinenschüttungen" in Naturräumen gegen Löwenzahn & Co., Ritalin für die Kinder. Das sind die 40 Jahre Weiterentwicklung die uns vom Roman trennen.

Heute erst recht können wir kein als Unkraut verunglimpftes Wildkraut tolerieren. Schlimmer noch beim menschlichen Wildwuchs. Was würden wir als Eltern sagen, würden wir eine sexuell aufgeladene Geschwisterliebe entdecken? Würde da die Zementdecke Risse bekommen, unser Verstand sich kanalisiert durch öffentliche Meinung, übernommene Erziehung und Moralvorstellung empört Bahn brechen? Aber wir sind alleingelassen in diesem Roman, falls wir uns empören wollten, die Kinder haben keine moralische Autorität die ihnen sagt was erlaubt sei und was nicht. So entwickelt sich auch die Geschwisterliebe frei und unbelastet von moralischen Tabus und Schranken.

Man wirft McEwan vor, er hätte diese Sexualität abseits der Norm eingebracht, um gelesen zu werden. Ich kann keine marktschreierische Aufmerksamkeitshascherei erkennen. Das Thema sowohl der allgemein zu verdrängen gesuchten frühkindlichen Sexualität als auch der Geschwisterliebe wird behutsam und ohne Aufriss behandelt. Ein Thema was auch gern einzementiert wird, Gartenträume dürfen diesbezüglich nicht wachsen.

McEwan hat sich ganz auf eine Familie konzentriert, dazu auf eine Außenseiterfamilie, für die das Merkmal Bürgerlichkeit bröckelt wie schlecht gemischter Zement.

Als ordnendes Element tritt letztlich im Roman der Freund der ältesten Schwester hinzu, er findet den Geruch nach Unordnung und Verfall im Haus auffällig. Als er später die Obrigkeit alarmiert, ist zu erwarten, dass das nach allgemeingültigen Normen als familiäres Chaos zu bezeichnende, an einer bürgerlichen Ordnung vorbeigelebte Familienleben der Geschwister gesprengt werden wird.

Ich las die Auffassung von einem gestörten Seelenleben der Protagonisten. Nach dieser Lesart müsste man über den Schluss aufatmen können, der diese Geschwister einer geregelten Struktur und Ordnung zuführen wird.

Ich konnte das nicht, aufatmen.
2222 Kommentare|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Dezember 2002
...und ich würde auch nicht unbedingt sofort ein weiteres Buch dieses Autors lesen wollen. Dafür muss ich mich erst von diesem erholen! Auf knapp über 200 Seiten entwickelt der Autor ein Drama, in dem pubertäre Wünsche und die diese Zeit begleitenden zwiespältigen Gefühle eine große Rolle spielen. Durch die mörderische Situation, in der sich die Protagonisten befinden, wird gerade dieser Aspekt noch um ein vielfaches verstärkt.
Vier halbwüchsige Kinder leben in einem Haus, das in einem aufgegebenen Neubaugebiet als letztes übriggeblieben ist. Es liegt daher nicht idyllisch einsam, sondern isoliert und in einer eher bedrückenden Umgebung. Der verhaßte und gefürchtete Vater stirbt schon zu Beginn des Buches an einem Herzinfarkt; die Mutter stirbt wenig später zu Hause an Krebs. Die Kinder haben nur die eine Angst, dass sie auseinandergerissen und in Heime oder verschiedene Familien gegeben werden. Deswegen beschließen sie, niemandem etwas vom Tod der Mutter zu sagen und sie schlicht und einfach verschwinden zu lassen.
Das, was dann folgt, ist eine Mischung aus verschworener Gemeinschaft, Mutterliebe, Kinderpsychiatrie, inzestuösen Neigungen, makabrer Vorfälle und "Der Herr der Fliegen". Die Kinder, obwohl zum Teil fast erwachsen, werden mit ihrer Situation oberflächlich ganz gut fertig. Die Oberfläche erweist sich aber immer wieder als sehr dünn. Jedem ist bewußt, dass etwas passieren muss, nur was? Keiner der Hausbewohner plant in die Zukunft. Keiner weiß, was werden wird. Alle klammern sich an die Situation, mit der sie völlig überfordert sind. Vorsicht, kein einfaches Buch!
0Kommentar|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juli 2007
Alles scheint idyllisch zu sein im Leben einer ganz normalen Kleinstadtfamilie, doch der Schein trügt. Eines Tages stirbt das Familienoberhaupt beim zementieren seines Steingartens an einem Herzinfarkt, während sein Sohn Jack oben in seinem Zimmer seinen ersten Samenerguss hat. Doch das Leben geht weiter für die davon recht unberührte Familie, schon ist der Zementboden geglättet und alles ist vergessen. Aber schon der nächste Schicksalsschlag ist absehbar. Die Mutter erkrankt an einer Krebskrankheit und vegetiert fortan in ihrem Bett dahin. Bis sie eines Morgens nicht mehr aufwacht. Sie hinterlässt die 4 Kinder Jack, Sue, Tom und Julie. Aus Angst ins Heim abgeschoben zu werden, zementieren sie ihre Mutter in einer Kiste im Keller ein, verschweigen deren Tod und schlagen sich nun allein durchs Leben. Eindrucksvoll schildert McEwan die folgenden Wochen, in denen Kinder Erwachsene sein müssen. Tom vermisst seine Mammi, und verkleidet sich immer öfter als Mädchen oder Baby. Jack verwahrlost zunehmend und interessiert sich nur noch fürs Onanieren. Julie, die große Schwester und Sue gehen am erwachsensten mit der Situation um. Julie verliebt sich bald darauf in den Billardspieler Derek, der dem Geheimnis der kleinen Familie auf den Grund gehen will, und irgendwann die Ursache für den merkwürdigen Geruchs im Haus entdeckt. Doch nicht nur das, auch die heimliche Liebe der Geschwister Jack und Julie wird ihm offenbar, als er sie bei ihrem ersten Mal erwischt.
McEwan beschreibt in wahrhaft beeindruckenden Bildern eine schrecklich skurrile Geschichte. Kinder zementieren ihre eigene Mutter im Keller ein, leben mit einem grauenhaften Geheimnis nur um zusammen bleiben zu können. In nur wenigen Seiten schafft es der Autor uns in seinen Bann zu ziehen, uns vergessen zu lassen welch ungeheuerliche Geschichte sich dort in dem einsamen Haus abspielt. Die Charaktere bekommen unsere Anteilnahme, und stellen sich weniger ekelig als menschlich für uns dar. Eine kleine Novelle, die sich wirklich lohn.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. November 2014
In dieser Geschichte wird die heimliche, meist von heftigen Schuldgefühlen begleitete Kinderphantasie Wirklichkeit, dass die Eltern sterben und von da an die Kinder das Sagen haben und frei nach ihrem Willen leben dürfen. Doch das Leben der elternlosen und fast aller sozialen Bindungen ledigen Geschwistergemeinschaft entpuppt sich als ein beklemmender Albtraum, dessen Ende einen keineswegs erleichtert aufatmen lässt, sondern Im Gegenteil fürchten lassen muss, dass von nun an alles noch viel schlimmer kommen wird für die Kinder.

Atmosphärisch dicht geschrieben, unglaublich spannend, eine monströse Story, die den Leser mitnimmt. Ein zeitloser Klassiker, der seine Aktualität nicht verlieren wird!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen