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am 12. März 2007
Marcuse schreibt hier lebensnah und echt ueber Ludwig Boerne, den Theaterkritiker, Publizisten und Revolutionaer. Boerne gehoert in die Zeit der Franzoesischen Revolution, in die Zeit der Judendiskrimination, die Zeit der vergehenden Fuersten, des Umbruchs. Sein Leben waere nicht gewesen wie es war, ohne diese Zeit.

Am Theater entzuendete sich sein Sinn fuer Politik zum ersten Mal oeffentlich sichtbar: aufgewachsen im Judengaesschen Frankfurts, ohne Ziel studierend, schliesslich Polizist und Beamter seinend: das praegte ihn, liess ihn Inhalte, Erfahrungen, Eindruecke, Wut und Zorn gegen Ungerechtigkeiten sammeln - bis er zur Zeitung fand. Die Theaterkritik wurde ihm ein Medium - von Anfang an war er vielmehr Publikumspaedagoge als reiner Kulturkritiker. Stets beobachtete er, wie die Menge auf Buehnengeschehnisse reagierte - und verallgemeinerte das Geschehen im Theatersaal dann auf die Gesellschaft - sprach aus, was er ohnehin empfand, schrieb an gegen die alte Zeit und hin zu einer Vision eines neuen, gerechteren Europas.

Jahre spaeter, als ihm das Medium Theater mehr hinderlich als hilfreich geworden war und er nun ohne Zwischenmedium direkt die Politik und Gesellschaft kritisierte, da waren ihm die Worte gewachsen, da hatte er seine Zunge geschaerft. Boerne war keiner, der im Reich der Ideen theoretisierte. Er war immer ganz nah am Geschehen und an den Menschen.

Seine Wortwaffe war die Ironie.

Als Leser fiel es mir hier persoenlich schwer, Boerne emotional zu folgen, ist die Ironie mir persoenlich doch ein gaenzlich ferner Wesenszug, tritt mir darin doch immer enttaeuschte Hoffnung, Resignation, Wut, verborgener Hass entgegen: Ironie scheint mir eine Waffe zu sein, die nicht nur niederstreckt, sondern den Besiegten auch noch mit einem boesen Laecheln bedenkt.

Aber genau das war es, was Boerne fuer die Rechte der Juden, fuer die Rechte des Buergerstandes, fuer eine bessere Kunst, fuer ein kluegeres Theater, fuer die Demokratie in den Kampf fuehrte.

Bekannt ist Boerne auch durch Heinrich Heines Attacken gegen ihn - was ihn selbstverstaendlich nur auszeichnet.

Marcuse schreibt in dieser Biographie einfuehlsam, wertend, subjektiv, menschlich, persoenlich, nah. Man spuert, dass der Autor hier eine verwandte Seele vorfindet. Prompt bewertet auch Ranicki das Buch als sehr gut - ein weiterer Seelenverwandter Heines und Boernes (und Marcuses).

Aber von wem auch koennte man mehr ueber das Leben eines Menschen erfahren als von einem, der sich noch einmal ganz einlebt in diesen fernen Menschen und der ihn ausfuehlt, ausleuchtet und - in verspaeteter geistiger Verwandtschaft - ihn damit ganz und gar versteht?

Eine sehr lesenswerte Biographie ueber eine spannende Zeit und einen ihrer wichtigsten Kritiker.
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