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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles fließt, 31. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der See (Gebundene Ausgabe)
Lange bevor die beiden Hauptfiguren sich im Roman wirklich näher kommen, kennen sie sich bereits besser als so manches Paar, das schon seit Ewigkeiten zusammen ist. Denn Chihiro und Nakajima wohnen sich in einem Tokyoer Gebäudekomplex gegenüber. Fast jeden Tag sehen sie sich durchs Fenster und nehmen Anteil am Leben des anderen: “Wenn bei ihm das Licht ausging, dachte ich unwillkürlich: Oh, Nakajima ist schlafen gegangen! Für mich wird es auch langsam Zeit. Und jedes Mal, wenn ich vom Besuch bei Vater und Mutter zurückkam und das Fenster öffnete, hörte ich drüben Nakajima in Gedanken rufen: Schön, dass du wieder da bist!”

Es sind die Gegensätze, die sich ja bekanntlich anziehen, und Yoshimotos Geschichte so reizvoll machen. Ich musste dabei immer unwillkürlich an das chinesische Yin-Yang-Zeichen denken. Die fröhliche Chihiro, die stets ihrem Bauchgefühl folgt (Ihre Mutter gab ihr den schönen Rat: “Halte deinen Bauchnabel warm”.), trifft auf den ernsten Nakajima, der ein absoluter Kopfmensch ist. Ihre verschiedenen Persönlichkeiten offenbaren sich schon in kleinen Details, selbst in der Art wie unterschiedlich sie ihre Wäsche aufhängen: “Wie er das machte, war fast ein Kunststück; es sah aus, als müsse die Wäsche gar nicht mehr gebügelt werden. Bei mir hingegen hing alles zerknittert da; halt so, wie es direkt aus der Maschine kam.”

Yoshimoto gelingt es, in solch kompakten Bildern eine Geschichte zu erzählen, für die andere Autoren wahrscheinlich viele unnötige Worte bräuchten. Obwohl “Der See” nur 240 Seiten lang ist, besitzt der Roman eine starke Tiefe, die durch zu viel Rumgewese bloß zerstört werden würde. Yoshimotos Prosa dagegen ist genauso schnörkellos, unaufgeregt und ehrlich wie ihre zwei Hauptfiguren Chihiro und Nakajima, die immer rundheraus sagen, was sie denken und fühlen. Beide kommen aus disfunktionalen Familien und hatten nicht nur eine unbeschwerte Kindheit. Sie wollen aber nicht, dass die Vergangenheit ihr Leben bestimmt oder sie dieselben Fehler machen wie ihre Eltern.

Ich persönlich finde es viel interessanter zu lesen, wie diese beiden versuchen, an ihrer Beziehung zu arbeiten und gemeinsam voranzukommen, als irgendeine Herzschmerzschmonzette, wo die Liebenden nichts besseres zu tun haben, als sie gegenseitig im Weg zu stehen und Schmerzen zuzufügen. Für solche hausgemachten Luxusprobleme haben Chihiro und Nakajima gar keine Zeit – und sind wahrscheinlich auch zu klug.

Dass sich Gegensätzlichkeiten, nicht nur widersprechen müssen, sondern auch ergänzen können, beweist nicht zuletzt auch die Verschmelzung von Phantastik und Realität in der Romanwelt. Denn “Der See” wäre nicht aus der Feder der guten Yoshimoto, wenn es keine magischen Momente geben würde, in denen die Toten im Traum zu einem sprechen oder es Menschen gebena würde, die in die Zukunft sehen können. Aber auch darum wird hier kein großes Aufhebens gemacht. Denn Banana Yoshimotos zarte Parabeln lehren einen, die Dinge auch mal so hinzunehmen wie sie sind, sich mit den Gegebenheiten abzufinden und die Energien einfach mal fließen zu lassen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Suchen, Ergründen und Finden ..., 19. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der See (Gebundene Ausgabe)
Wieder einmal liefert Banana Yoshimoto einen knappen Text über Einsamkeit, Verlust, Suche, Sehnsucht und Protagonisten ab, die sich schwer damit tun, Zugang zu anderen und ihrem eigenen Leben zu finden. Es gibt wirklich viele Autoren, die mich mehr berühren, aber dennoch schätze ich die Romane Yoshimotos - weil sie einen knappen, schnörkellosen und dennoch poetischen Stil hat und warmherzige Geschichten erzählt.

In »Der See« geht es um zwei junge Menschen in Tokio, deren Fenster gegenüber liegen, sodass sie sich zuerst lediglich durch Blicke und Gesten kennenlernen. Nur langsam nähern sie sich auch »im richtigen Leben« an und kommen sich näher. Doch schon bald ahnt Chihiro, die Erzählerin, dass in der Vergangenheit etwas Schwerwiegendes mit ihrem Geliebten geschehen sein muss; etwas, das ihn zu solch verschlossenem Menschen macht. Gemeinsam reisen sie an einen einsamen See, wo sie sich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert sehen ...

Alle Elemente, die man von der Autorin kennt, sind auch hier vertreten. Die oben angesprochenen; dazu noch leicht traumhafte Ereignisse ... macht insgesamt einen gelungenen Kurzroman Yoshimotos.
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5.0 von 5 Sternen Kompakte Story in tollen Worten, 4. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der See (Gebundene Ausgabe)
Eines der wenigen Bücher, das man in einem Rutsch durchliest, weil man wissen möchte, welches Geheimnis die Protagonisten mit sich herumschleppen. Wundervoll geschrieben und ohne sinnlose Schnörkel. Wirklich sehr zu empfehlen und ein perfekter Einstieg in die Welt des asiatischen Plots.
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Der See
Der See von Banana Yoshimoto (Gebundene Ausgabe - 26. Februar 2014)
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