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VINE-PRODUKTTESTERam 31. August 2014
Was ist blos los mit der Autorin Donna Leon? Früher hatten ihre Bücher viel mehr Spannung, es trieb einen beim Lesen von Seite zu Seite, aber in letzter Zeit werden die Romane immer langatmiger und teilweise auch schwierig nach zu vollziehen.
"Das goldene Ei" erzählt von einer Rabenmutter, die ihren Sohn bis zur Behinderung vernachlässigt, was natürlich an sich schon kriminell ist. Es beginnt mit dem Tod des jungen Mannes, der an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben ist. Wie kam er an die ran? Wer hat sie ihm verabreicht?
Um dies heraus zu finden geht Brunetti viele Wege, viele umsonst, manche mit mäßigem Erfolg. Selbstverständlich wird auch Signorina Elettra u. sein Partner Vianello eingespannt, um hinter die Fassade zu schauen und die Mauer aus Schweigen zu durchbrechen.
Das Famileienleben der Brunettis, sehr harmonisch, quasi als Gegensatz geschildert, wird dieses Mal auch fast noch mehr als sonst ausgebreitet, und, was inzwischen schon zum Markenzeichen von Donna Leon geworden ist: Die heftige Kritik am Staat Italien, seiner Politik, seiner Beamten etc. Also auch da nichts Neues.
Ich habe mich stellenweise ein bisschen durchgequält, denn die einzige Spannung bestand ja darin, endlich zu erfahren, wer den Jungen nun letztendlich auf dem Gewissen hatte.
Ich gebe aus Achtung vor ihrem Gesamtwerk für dieses Buch trotzdem 4 Sterne, hoffe aber immer weiter darauf, dass mal wieder so ein richtiger, spannender Kriminalroman von Donna Leon erscheint, mit viel Lokalkolorit von Venedig (war auch in deser Geschichte vorhanden).
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Eigentlich ist es gar kein Fall.
In der Nachbarschaft ist ein behinderter junger Mann gestorben, den Brunettis Frau Paola oft gesehen hatte, weil der Junge in der Wäscherei aushalf, obwohl er nicht sprechen konnte und geistig zurückgeblieben wirkte. Er ist an Schlaftabletten gestorben, wobei es unklar ist, ob er sie absichtlich eingenommen hatte, oder aus Versehen, weil sie bunt überzogen waren und wie Bonbons aussahen.
Paola ist schockiert darüber, dass man so wenig über den toten Jungen wusste und bittet ihren Mann, mehr über ihn herauszufinden.

Da trifft es sich gut, dass Brunetti zur Zeit nur einen inoffiziellen Auftrag seines Vorgesetzten Patta zu erledigen hat. Ganz diskret, natürlich, schließlich geht es um den Ruf des Bürgermeisters.
Das gibt Brunetti Zeit und Raum, sich mit dem Tod des Jungen zu beschäftigen. Und natürlich auch das gewohnte Personal dieser Krimis mit einzubeziehen.

Schnell tauchen Fragen auf, die aus den privat motivierten Ermittlungen einen wirklichen Fall werden lassen.
Warum galt der Junge als „taubstumm“, obwohl laut Obduktion organisch alles in Ordnung war? Warum reagiert seine Mutter so gefühllos auf seinen Tod? Und warum taucht der Tote in keinen öffentlichen Registern auf? Offiziell scheint es ihn nie gegeben zu haben, er hat weder Papiere, noch eine Krankenversicherung, und es gibt weder einen Hinweis auf Schulbesuche, noch auf den Erhalt von Sozialleistungen.

Nachdem die Mutter des Jungen mit Schlagverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wird, schafft Brunetti es, die erschütternde Geschichte des toten Jungen nach und nach aufzudröseln, und lernt, dass man einem Menschen weitaus Schlimmeres als den Tod antun kann.

Am Anfang des Buches hat mich gestört, dass der Tote ständig als „taubstumm“ bezeichnet wurde, nicht als gehörlos (siehe dazu die Website Leidmedien.net), und dass man ihm deswegen die Fähigkeit absprach, mit seiner Umgebung kommunizieren zu können. Dafür wollte ich eigentlich einen Stern in der Wertung abziehen – aber am Ende des Buches zeigt sich, dass nicht alles so ist, wie es sich auf den ersten Blick darstellt…

Sprache spielt in diesem Fall eine wichtige Rolle, und das macht ihn für Brunetti so persönlich. Denn in seiner Familie wird auf die Sprachpflege besonders Wert gelegt, die Sprache ist ihnen heilig:
„Verstöße gegen die Grammatik mochten als lässliche Sünden durchgehen; ungelenke Ausdrucksweise hingegen galt als Todsünde.“
Kein Wunder also, das die Sprachlosigkeit des Jungen Paola und Brunetti so berührten. Und erst recht das, was am Ende des Falls ans Tageslicht kommt.

Diese Krimireihe liebe ich besonders, auch, weil immer wieder ein wichtiges gesellschaftliches Thema aufgegriffen wird. Diesmal geht es nicht um aktuelle politische Ereignisse, sondern um eine der Grundlagen des Lebens und des menschlichen Miteinanders überhaupt: Die Sprache.
In meinen Augen ist dies einer der besten Brunetti-Krimis.
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am 28. Mai 2014
Dieses Goethe Zitat kommt mir in den Sinn beim Versuch den Titel "Das goldene Ei" zu ergründen.

Verpackt in einen Unterhaltungsroman las ich eine schreiende Anklage gegen das italienische System, die Regierung, die Korruption, das Beamtentum, die Vetternwirtschaft die sich in alle soziale Schichten drängt. Donna Leon ist es gelungen dies wieder in einem Beispiel der menschlichen Tragödie zu verpacken, die auch vor Menschenverachtung, Mord und der Spekulation mit allen Mitteln nach dem "goldenen Ei" - dem Mammon - zu greifen, nicht haltmacht.

Der Klappentext ist nicht stimmig. Brunetti ermittelt keineswegs nur für seine kluge, aristokratische Frau Paola. Paola, neugierig und mit dem Bestreben nach Gerechtigkeit stellt ihm einige Fragen zu dem mysteriösen und plötzlichen Tod eines jungen Mannes, den beide flüchtig kannten und Brunetti beginnt schon nach einigen Anrufen zu ermitteln, da die Identität des Toten noch nicht gegeben scheint. Ob es ein Fall für die Questura wäre, lasse ich dahingestellt. Brunetti bemüht sich dem Umfeld des Toten Informationen zu entlocken, vergeblich, Nach einer Woche stellt er fest "das er nichts weiß".- Überhaupt nichts. Die Nachbarschaft schweigt, die Verwandten verhalten sich sehr sonderbar.

Das Ausmaß des Verbrechens ist für Brunetti noch nicht vorstellbar, bis ihn ein Zufall auf die Lösung bringt.

Pattas Fall löst er sozusagen im Vorübergehen, fordert dafür allerdings auch von Patta einiges zurück. Auch Brunetti scheint nicht der biedere Saubermann zu bleiben, als den er sich gern darstellt.

Durch die Leichtigkeit der Übersetzung aus dem Amerikanischen sowie die geschickte Wortwahl hatte ich nicht das Gefühl eine Tragödie zu lesen, sondern wieder viel über Guidos und Paolas Leben zu erfahren. Die Ehe scheint besser denn je, Paola kocht ihre berühmten Köstlichkeiten, auch die GeiStreicheleien kommen immer wieder vor. Die Kinder, Raffi und Chiara, sind im goldenen Ei höflich, wohlgeraten. Das Leben der Brunettis ist voller Harmonie, nach der Guido immer süchtiger wird.
Auch Signorina Elettra kommt natürlich wieder vor, in diesem Fall stößt sie allerdings an ihre Grenzen.

Während des Lesens dachte ich öfter: Er geht zur Questura, er telefoniert, er geht heim.... in geregeltem Turnus - zwei Sterne? Drei Sterne? Erst gegen Ende des Werkes, das mich noch lang beschäftigen wird, erkannte ich das Genie Donna Leons wieder; d.h. 5 Sterne.
Ohne zu viel zu verraten ist es schwer diesen Roman zu beschreiben; mein Rat: lesen.
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am 31. Dezember 2014
Wie bereits bei anderen Rezensionen dargestellt, handelt es sich bei diesem Buch nicht unbedingt um einen Krimi klassischer Lesart.
Vielmehr findet sich die Spannung in einer Art Investigationsrecherche wieder. Ausgelöst wird die Geschichte durch den Tod eines jüngeren Mannes, der Paola keine Ruhe lässt. Vielmehr die Art und Weise des Todes. Dadurch entwickelt sich aus meiner Sicht eine sehr spannende und fesselnde Ermittlungsstory. Natürlich sind hier Elemente eines Krimis enthalten. Im Vordergrund steht aber eher die Art und Weise, wie Brunetti gemeinsam zusammen mit seinen Kollegen bei den Recherchen vorgeht. Hier ist wieder alles wie gehabt und auch der Datenschutz steht weiterhin immer noch nicht im Vordergrund der italienischen Polizeibehörden. Schön dabei ist jedoch, dass en passent wieder so allerlei Missstände der italienischen Gesellschaft zum Vorschein kommen. Allerdings nur in zweiter Linie. Die Story an sich ist hier der Star und für mich war das Buch ein absolutes Lesevergnügen, das ich nur weiterempfehlen kann. Auch das Ende ist nicht vorhersehbar und es muss ja nicht immer so blutig sein.
Weiter so Frau Leon!
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am 16. Juli 2014
Die Korruption macht auch vor Venedigs Bürgermeister nicht Halt. Der Geschäftspartner seiner zukünftigen Schwiegertochter hat durch Bestechungsgelder, die geflossen sind, das Gesetz übertreten. Um den guten Ruf des Bürgermeisters zu wahren, hat Patta, selbstlos, wie er ist, seine Hilfe zugesagt und setzt mit Brunetti seinen besten Mann auf die Sache an. Diese eigentliche Aufgabe rückt jedoch in den Hintergrund, als Brunetti einen Anruf seiner Frau Paola bekommt und diese ihm mitteilt, dass ein junger Mann, der immer in der chemischen Reinigung arbeitete, tot aufgefunden wurde. Zunächst deutet alles darauf hin, als hätte dieser Selbstmord begangen mit Tabletten seiner Mutter. Der Junge, der für alle nur der Taubstumme war und etwas zurückgeblieben wirkte, wurde zwar von seinen Mitmenschen registriert, jedoch nie richtig wahrgenommen. Paola ist so erschrocken darüber, dass sie nicht einmal den Namen des Jungen kannten, dass sie ihren Mann bittet, etwas mehr über den Namenlosen herauszufinden.

Und Guido findet etwas heraus, nämlich, dass die Umstände seines Todes äußerst merkwürdig sind und alle Leute, die den Jungen kannten, sich in Schweigen hüllen, selbst dessen Mutter. Dass der Junge Davide hieß, ist alles, was Brunetti zunächst in Erfahrung bringen kann, ansonsten ist über Davide weder etwas bekannt, noch war er jemals irgendwo gemeldet. Es ist, als hätte es ihn nie gegeben und auch nach seinem Tod ist er genau so unsichtbar wie zu Lebzeiten.

"Das goldene Ei“ ist ein sehr leiser Krimi, der dieser Bezeichnung nicht so ganz gerecht wird, denn der kriminalistische Anteil ist eher gering. Aber um gut zu sein, muss ein Roman nicht immer spektakulär sein. Mir gefällt der Schreibstil von Donna Leon und wie sie ihren Charakteren Leben einhaucht. Ich liebe es, am Familienleben der Brunettis teilnehmen zu können, zu erleben, wie sie miteinander umgehen und eben auch, wie nahe ihnen das Leben oder in diesem Fall das Sterben ihrer Mitmenschen geht. Paolas Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass Davide nicht einfach aus dem Leben scheidet, ohne dass die Welt erfährt, was tatsächlich geschehen ist. Die Autorin beschreibt auf sehr interessante Art und Weise, wie die Wahrheit Stück für Stück an Licht kommt und es bieten sich einige Gelegenheiten zum Miträtseln. Die Auflösung jedoch hat mich sehr überrascht und mich auch sehr nachdenklich gestimmt.

Positiv anmerken möchte ich auf jeden Fall auch die detaillierten Beschreibungen der Handlungsorte. Ich war zwar noch nie in der Stadt der Liebe, aber Donna Leon hat mir zumindest das Gefühl gegeben, schon einmal dort gewesen zu sein und ich werde Brunetti bei seinem nächsten Fall gerne wieder begleiten. Von mir gibt es vier Sterne.
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am 16. Mai 2015
Es läuft und läuft und läuft, und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Original sind wir schon beim 24. Fall. Wobei "Fall" auch hier bei Nr. 22 eher nicht im kriminalistischen Sinn zu verstehen ist. Es ist wie immer wenn eine Sache zu lange läuft, die Kunst ist es rechtzeitig aufzuhören, bevor auch noch dem letzten treuen Leser die Puste ausgeht und er die ganze wohlgeratene famiglia Brunetti samt ewiggleicher Questura-Besetzung zum Teufel wünscht. Was übrigens die von vielen (deutschen und amerikanischen) Lesern begeistert beschworenen tollen Beschreibungen von Venedig und dem "italienischen Flair" betrifft: Donna Leon wird in Italien (und in Venedig!) kaum gelesen, italienische Übersetzungen ihrer Bücher sucht man in den dortigen Buchhandlungen vergebens. Was den Verdacht weckt, dass in diesen Romanen weniger das authentische Italien, als vielmehr die Klischees einer Amerikanerin in Venedig beschrieben werden.
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am 23. Juli 2015
Seit Anfang an habe ich alle Bücher aus der Serie Brunetti gelesen.
Obwohl ich bereits die letzten 5 Bücher als langweilig empfand, wollte ich den Beschreibungen anderer Leser nicht glauben und habe immer wieder die neuen Fälle gekauft.
Diesmal schreibe ich auch eine Bewertung, weil ich es sehr schade finde, was aus dieser zu Anfang wirklich spannenden Reihe wurde.
Die Charaktere könnte ich bereits selbst beschreiben, so oft wiederholt die Autorin Ihre Beschreibungen.
Die Handlung ist langweilig, nicht nachvollziehbar und es passiert nicht einmal mehr ein Mord.
Seitenweise wird langatmig beschrieben, warum und wieso ein Kommisar der Mordkommision einen Fall untersucht, der Ihn beruflich gar nicht tangiert und nur seine private Neugier befriedigt.
Letztendlich kommt es zu einem nicht nachvollziehbarem Ende, an dem niemand schuld ist und man eigentlich auch keine Schuld erkennen kann.
Wäre es nicht Donna Leon, gäb`s nicht mal zwei Sterne
So bleibt unter`m Strich nur: Aus Tradition gekauft, aber nicht zu empfehlen
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am 20. Januar 2016
Es lohnt sich nicht mehr, die Bücher von Donna Leon zu lesen. Ich war begeisterter Fan. Aber die letzten Bücher sind eine Qual. Venedig rauf und runter. Brücke links und Brücke rechts. Da ihr nichts mehr einfällt, beschreibt sie Venedig. Aber eine spannende Handlung ist nicht mehr da.
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am 9. Mai 2015
Ich habe die gesamte Brunetti-Serie gelesen und es war für mich ganz selbstverständlich, auch Brunettis 22. Fall zu lesen. Nach so vielen Jahren ist es, als ob die Brunettis zum Freundeskreis gehören, die man allerdings nur einmal im Jahr sieht, und sich freut, wenn sie wieder zum Besuch sind. Man ist mit den Ritualen der Familie vertraut, man hat auch die Leute in der Questura auch gern - allem voran Vianello und Signorina Elettra. Dazu mag ich Donna Leons Schreibstil sehr und wie dadurch das italienische - oder besser - venezianische Flair, zustandekommt.
Allerdings muss ich, wie vielen anderen hier, auch sagen,dass dieser Fall nicht so wirklich als Krimi durchgehen kann. Spannend im klassischen Sinne, wie sonst beim Lesen eines guten Krimis, ist es nicht. Der Fall fand ich sehr interessant, er gab sehr zum nachdenken, war ausführlich und super geschrieben und hat mir somit auch gut gefallen aber ich kann nicht behaupten, dass ich das Buch vor lauter Spannung nicht aus der Hand nehmen konnte. Ich muss auch eingestehen, dass die Brunettis mir mittlerweile zu vertraut geworden sind, so dass die Familie, vor allem Paola, mich langsam auf die Nerven geht. Ich würde langsam gern die Brunettis erleben, ohne dabei Moralpredigten lesen zu müssen. Selbst ein Glas Wasser führt zu tiefer Diskussionen über Umweltverschmutzung. Der Gedanke daran, Großeltern zu werden, führt zu Diskussionen über Familien- und gesellschaftskritische Themen, usw, usw. Die heilige Paola, die sich immer wieder über die korrupte italienische Politiker aufregt, und wenn sie sich nicht über Moral und Recht und Unrecht predigt, dann liest sie hoch-trabende Literatur.... Ich würde es mir wünschen, dass die ganze Familie einfach "normal" sein könnte und ein ganz normales Gespräch - oder gar Familienstreit - hätten.
Aber wer weiß? Vielleicht im nächsten Band wird Brunetti mit seiner neuen Kollegin Claudia Griffoni ein Verhältnis anfangen, damit die schöne, heile Welt der Brunettis ins Schwanken gerät. Somit wäre zumindest dort für die Spannung gesorgt, die bei den letzten Fällen gefehlt hat.
Zusammengefasst: 5 Sterne für den hervorragenden Schreibstil, was Venedig und die Charaktere so lebendig macht, und für das Lesevergnügen. 3 Sterne aber für die "Krimigeschichte" - insgesamt 4 Sterne.
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am 16. August 2014
Korruption, Schuldgefühle, Bigotterie, Untreue und Dummheit sind die Zutaten, aus denen Frau Leon den 22. Fall für Commissario Guido Brunetti und seine Kolleginnen mixt.

Den Fall, auf den er eigentlich angesetzt ist, eine kleine Speichelleckerei seines Chefs für den Bürgermeister, die Sicherung eines läppischen finanziellen Vorteils nebst Straffreiheit für den Teilhaber von dessen zukünftiger Schwiegertochter, erledigt Brunetti mit links, ohne das jedoch besagtem Chef, dem Vize-Questore Guiseppe Patta auf die Nase zu binden, dem er vorspielt, er habe die Sache nur mit Mühe im Sinne des Stadtoberhauptes klären können. Patta indes wird von Brunetti als Gegenleistung in internen Querelen mit Signora Elettra und Tenente Scarpa zurückgepfiffen. Eine Hand wäscht halt die andere. Dass der Commissario bereit ist, auch im zweiten Fall auf diese Karte zu setzen, verstört auch Vianello, als sein Freund Guido ihn bittet, seine Frau Nadja zu Spionagediensten im Fall Davide Cavanella heranzuziehen.

Davide Cavanella, der bei seiner Mutter Ana lebte, ist nach der Einnahme von Schlaftabletten zu Tode gekommen. Voller Schuldgefühle hat Paola Brunetti ihren Mann um Nachforschungen gebeten, weil ihr klar geworden ist, dass der gehörlose Mann jahrzehntelang in ihrer Nachbarschaft gelebt und in der Reinigung an der Ecke gejobbt hat und trotzdem für alle nur der "taubstumme Junge" war. Um die 40 Jahre alt, war er nur wenigen in seinem Umfeld überhaupt dem Namen nach bekannt. Auch den Brunettis nicht.

Brunetti ermittelt also: Zunächst äußert sich der Hausarzt der Familie. Auch den erreicht er auf dem "kleinen Dienstweg" weil er mit dessen Bruder zur Schule gegangen ist. Auf Brunettis Frage nach Davides Problem antwortet der Doktor: "Er war das Kind einer zutiefst dummen Frau, die, was auch immer er hatte, als Strafe Gottes ansah, als lebe sie in einer Hütte im Wald und glaube noch an Hexen. Wie die meisten Christen kannte sie sich mit Schuldgefühlen bestens aus, verstand aber nichts von Nächstenliebe. Also schwieg sie sich über seine Krankheit aus und holte sich keine Hilfe....(198)." Später interpretiert Brunetti den Arzt so, dass die Mutter diese Sicht nicht nur auf die Krankheit ihres Sohnes, sondern auch auf Davide selbst haben könnte (244).

Dass es sich auch um echte Bosheit handeln könnte, legt der später von Signora Ghezzi kolportierte Spruch Anas nahe. Ich werde das Baby schon versorgen (300). Genau dies hat sie schließlich getan. Doch auch Brunetti verliert diesmal seine philosophisch weiße Weste, mit der er immer ein wenig über den Dingen zu schweben scheint. Auch er netzwerkelt gegen Patta, versucht Nadja Vianello und den Doktor für sich einzuspannen und hofft darauf, dass Ana Cavanella nochmals über ihre Dummheit stolpern und einen, den Schuldgefühlen der Nachbarschaft geschuldeten, sozialen Tod sterben wird.

Das macht den Commissario vielleicht ein wenig menschlicher. In den ersten Bänden hätte Guido sich aber garantiert auch in die Frage verbissen, ob Davide die Pillen absichtlich, versehentlich oder gegen seinen Willen genommen hat.

Wieder ein Band aus der Brunetti-Reihe, der weniger Krimi als sozialkritische Millieustudie ist.
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