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Kundenrezensionen

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TOP 1000 REZENSENTam 31. Januar 2014
Misstrauen scheint die Frau im Blick zu haben, die da auf dem mittelalterlichen Porträt zu sehen ist, welches das Cover des Romans „Hab und Gier“ von Ingrid Noll ziert. Und wäre sie Karla Pinter, die Protagonistin dieses Romans, dann hätte der Leser Verständnis für dieses Misstrauen, denn Karlas Tun bleibt nicht unbemerkt und Mithilfe war nötig. So ist es nicht verwunderlich, wenn sie nun selber angreifbar ist und daher besser ihre Mitstreiter im Blick behält. Doch das ist erst eine Folge der Entwicklungen im Laufe der Geschichte.

Der sterbenskranke Witwer und frühere Bibliothekar Wolfram Kemper lädt seine ehemalige Kollegin Karla zu sich nach Hause ein. Karla ist selbst ebenfalls Rentnerin. Sie ist früh geschieden, alleinstehend, lebt in einer kleinen Wohnung und kann sich von ihrer bescheidenen Rente nicht mal mehr ein eigenes Auto leisten. Sie war noch nie bei Wolfram zu Hause. Der Witwer hat einen besonderen Grund für die ungewöhnliche Einladung. Er hat einen letzten Wunsch in seinem Leben. Wenn Karla sich bis zum Lebensende um ihn kümmert erhält sie die Hälfte seines Vermögens, wenn sie ihn aber auf die von ihm gewünschte Art und zu dem von ihm gewünschten Zeitpunkt ermordet, erbt sie alles. Sicher ein lukratives Angebot für Karla, aber ist es auch ehrenwert? Und dann hat Wolfram auch noch einen ergänzenden Wunsch, zu der sie die sehr viel jüngere Bibliothekarin Judith einweihen muss. Doch wie integer ist Judith, kann sie sich auf ihr Schweigen verlassen?

Es war mir ein großes Vergnügen dieses Buch zu lesen. Die Protagonistin Karla konnte meine Sympathien für sich gewinnen, obwohl ihr Ansinnen und ihr Tun nicht unbedingt gesetzestreu sind. Ingrid Noll versucht stets mit einem sarkastischen Unterton das Handeln von Karla zu erklären. Erzählt wird die ganze Geschichte von Karla selbst, was dem Leser auch Einblicke in deren Denken ermöglicht und es vor allem dann zum Amüsement wird, wenn Karla zuletzt ihre Zukunft auf den Prüfstand stellt. Die Charaktere sind auch in den Nebenrollen durchweg etwas Besonderes, sei es die neugierige Nachbarin, der Hausgehilfe mit dubioser Vergangenheit oder die junge, forsche und entschlossene Bibliothekarin Judith.

Ein unbescholtenes Leben führen und nicht über Leichen gehen um an Besitz zu gelangen, das sind sicher die Grundeinstellungen fast jeden Lesers. Doch die Autorin führt ihm vor Augen wie leicht es ist, seine Bedenken über Bord zu werfen, wenn das Vermögen so greifbar nah gerückt ist. Dabei skizziert sie das Dilemma von Karla mit leichter Feder, bleibt unterhaltsam und wird nicht tiefgründig moralisierend. „Hab und Gier“ ist herrlich bitterböse und auch irgendwie eine Geschichte wie das Leben sie schreiben könnte. Sehr gerne gebe ich für dieses Buch eine Leseempfehlung.
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am 26. Februar 2014
Als eine noch nicht von von Ingrid Noll-Werken überflutete Gern-Krimi-Leserin und angelockt durch den Fortsetzungsroman einer Zeitung, die "Hab und Gier" druckte, ließ ich mich zum Kauf verführen und muss sagen, dass ich dieses Buch sehr gerne gelesen habe, und zwar von Anfang bis Ende. Ingrid Noll schreibt sehr gefällig aus der Sicht ihrer Hauptperson Karla mit manchmal köstlichem Humor, oft auch sehr ernsten Passagen und viel Bissigkeit, aber man kann ihr alles ohne weiteres abnehmen und erschrickt bei dem Gedanken, was vielleicht jetzt gerade eben in der Nachbarschaft passieren könnte, ohne dass jemand es merken würde. Wenn ich auch nicht vor Spannung die Hände ins Buch krallen musste oder meine Fingernägel abgeknabbert habe, und auch, wenn die letzten Seiten des Buches "nur" noch die Ausschmückung eines Happy Ends (wenn es das bei Krimis mit vertuschtem Mord gibt) ausfüllen, bleibt doch das angenehme Gefühl, ein gutes Buch gelesen zu haben, das man ohne weiteres verschenken und weiterempfehlen kann.
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am 24. April 2016
Es ist ein Dilemma. Wenn ich sage das Buch hat mir nicht gefallen, dann verletze ich dummerweise all die, die fünf Sterne vergeben haben. Alle Fans von Ingrid Noll sollten deshalb lieber hier nicht mehr weiterlesen und zu einer Rezension mit 5 Sternen wechseln. Ich möchte eher denen ein paar Tipps geben, die Ingrid Noll noch nicht kennen, und sich überlegen, welchen ihrer Titel sie kaufen sollen. Ich gebe nur 3 Sterne, weil ich glaube, dass es bessere Werke von Ingrid Noll gibt (z.B. die Apothekerin).

Zuerst das offensichtliche: das Buch hat nur 250 Seiten. Und auch wenn es nicht so sehr spannend ist, so ist man doch ziemlich schnell damit fertig. Die Grundidee ' wie sie in der Amazon Beschreibung kurz zusammengefasst wird - ist eigentlich genial. Der 70-jährige Wolfram ist etwas lebensmüde und bittet seine ehemalige Kollegin Karla um Sterbehilfe. Wenn sie ihn umbringt, würde er ihr sein gesamtes Vermögen vermachen. Als moralisch leichter zu akzeptierende Alternative bietet er ihr an, dass Karla ihn bis zum Lebensende pflegen könne und dadurch immerhin noch Anspruch auf die Hälfte des Vermögens erhalten würde. Der offensichtliche Konflikt zwischen Geld und Moral bietet eigentlich eine gute Voraussetzung für einen spannenden Roman.

Aber leider dringt Ingrid Noll nicht tief genug in die Psychologie der Protagonisten ein. Zu schnell entwickeln sich die Ereignisse, kaum dass sie angedeutet wurden. Etwas mehr Tiefgang hätte dem Buch gut getan. Der Erzählstil erinnert stark an unreflektierte Tagebuchnotizen: zuerst passiert dies, dann passiert das, und schliesslich passiert etwas anderes. Das Warum kommt zu kurz.

Auf der anderen Seite pflegt Ingrid Noll einen flüssigen, abwechslungsreichen und leicht verständlichen Stil, man kann sich ein recht gutes Bild von den Hauptpersonen machen, die Örtlichkeiten und die im Zentrum stehende Villa kann man sich gut vorstellen. Die Menschen erscheinen eher 'normal', ohne Zynismus, ohne tiefgreifende Alkoholprobleme oder Depressionen, wie sie bei anderen Helden der Thriller-/Krimiliteratur immer wieder mal vorkommen. Aber insgesamt bleibt alles zu harmlos. Aus meiner Sicht zu viel Normalität, zu viel Alltag. Viel Adrenalin wird man bei der Lektüre kaum produzieren.

Zusammenfassend gilt für mich, dass 'Hab und Gier' im Vergleich zum Buch 'Die Apothekerin' in jeder Beziehung etwas schlechter abschneidet: Weniger spannend, weniger lustig, weniger prägnante Charaktere.
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am 28. Februar 2014
Wer Ingrid Noll kennt, weiß dass Ihre Bücher immer spannend sind. Man will immer wissen wie es weitergeht. Die Handlung ist so beschrieben, dass irgendwann alle Fäden zusammen kommen und das Ende dennoch unerwartet ist. Habe mich gleichzeitig köstlich amüsiert und gestaunt, zu welchen Handlungen Menschen fähig sind. Man muss es gelesen haben.
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TOP 1000 REZENSENTam 6. Februar 2014
Die Rentnerin Karla ist äußerst überrascht, als sie von ihrem ehemaligen Kollegen Wolfram eine Einladung zum Gabelfrühstück erhält. Nach einigem Zögern nimmt sie an. Sie trifft Wolfram in seiner großen Villa, wo er ihr mitteilt, an einem inoperablen Tumor zu leiden und bald sterben zu müssen. Daher macht er ihr ein Angebot: Kümmert sie sich um ihr Grab, erhält sie ein Viertel seines Vermögens. Pflegt sie ihn bis zum Tod, die Hälfte. Und bringt sie ihn um, wobei er Zeitpunkt und Todesart selbst auswählen will, ist die die Alleinerbin. Karla ist entsetzt und weiht ihre ehemalige Kollegin Judith ein. Die scheint weniger Skrupel zu haben. Gemeinsam entwickeln sie einen Plan, der bald zum Selbstläufer wird und ungeahnte Konsequenzen nach sich zieht…

Die Geschichte beginnt ganz harmlos mit einem Gabelfrühstück zwischen alten Kollegen. Als Witwer sucht Wolfram nach jemandem, der sich nach seinem Tod um sein Grab kümmert – kein ungewöhnlicher Wunsch. Die Aussicht auf eine großzügige Entlohnung lässt Karla gleich zusagen. Karla beginnt zu überlegen, wie hoch genau wohl ihr Erbe ausfallen wird und spekuliert darüber gemeinsam mit ihrer Freundin Judith. Bis zu diesem Zeitpunkt wirkte das Handeln der Personen völlig alltäglich.

Wolframs ungewöhnliche Alternativangebote sind es, die den Stein schließlich ins Rollen bringen und Karla in eine Zwickmühle bringen: Begnügt sie sich mit der Hälfte des Vermögens? Oder wirft sie ihre Moral über Bord und sichert sich alles? Hier beobachtete ich erstaunt die Interaktionen zwischen ihr und ihrer ehemaligen Kollegin Judith. Diese wittert als „gute Freundin“ ebenfalls das große Geld und animiert Karla zu fragwürdigem Verhalten. Schließlich weiht Judith auch noch ihren Ex-Freund Cord in die Pläne ein, womit das unfreiwillige Trio komplett ist.

Was folgt, ist eine bitterböse Geschichte, in dessen Zentrum die Frage steht, wie weit man für Geld und Besitz geht. Karla, Judith und Cord verstricken sich bald so tief in die Geschichte, dass ein Ausstieg unmöglich scheint. Die Konsequenzen ihrer Handlungen scheinen nicht mehr aufhaltbar zu sein. Dabei legen die Charaktere Argumentationen an den Tag, die beim ersten Lesen nachvollziehbar sind, bei genauerem Nachdenken aber zeigen, dass den Charakteren jede Moral abhanden gekommen ist. In leisen Tönen wird die Geschichte immer unglaublicher. Als Leser stellt man sich die Frage, inwiefern man die Charaktere für die einzelnen Schritte ihres Handelns verurteilen kann – sind sie scheinbar eine notwendige Reaktion auf die vorangehenden Ereignisse.

Ingrid Noll hat mit „Hab und Gier“ einen perfekt durchdachten Roman verfasst. Als Leser kann man sich vom schwarzen Humor, den verdrehten Moralvorstellungen der Charaktere und dessen Konsequenzen unterhalten lassen. Wer will, kann sich gedanklich aber auch intensiver mit dem Material auseinandersetzen – zahlreiche Szenen laden sicherlich zu allerlei kontroversen Diskussionen ein. Ich kann das Buch daher uneingeschränkt weiterempfehlen!
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am 1. Februar 2014
...wenn man die letzte Seite gelesen hat. Das Buch ist ein sehr vergnüglicher Ausflug zu Hab und Gier! Auf der einen Seite gewinnt die Hauptperson Karla die Sympathien, doch wenn man sich vor Augen führt, was alles geschehen ist....stehen wirklich die Haare auf. Ein tolles Lesevergnügen, nicht nur für Krimiliebhaber.
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am 6. Februar 2014
Ingrid Noll hat mit "Hab und Gier", dessen Inhalt hier ja schon zur Genüge wieder gegeben wurde, wieder annähernd zu alter Form zurück gefunden. Das Buch ist ganz in früherer Manier geschrieben: Wie wird man, mehr oder weniger ungeplant, immer jedoch gänzlich "unschuldig", unliebsame Zeitgenossen los. Insofern nichts Neues - dieses Thema zieht sich durch die meisten Bücher der Autorin, wobei die letzten ("Ehrenwort", "Kuckuckskind", "Ladylike", "Falsche Zungen" und "Rabenbrüder") meiner Meinung nach nicht mehr an die ersten, wirklich großartigen, Erfolge anschließen konnten: "Der Hahn ist tot", "Die Häupter meiner Lieben", "Die Apothekerin", "Kalt ist der Abendhauch", "Röslein rot" und "Selige Witwen" sind mit das beste, was deutsche Krimikunst zu bieten hat.

"Hab und Gier" reicht nicht ganz an diese Vorgänger heran, aber, wie gesagt: Wieder annähernd alte Form, wenn das Thema auch nicht neu ist. Deshalb vier Sterne für gute Unterhaltung.
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am 7. Februar 2014
Als das neue Buch von Ingrid Noll angekündigt wurde, sagten wir, wir würden nun mal die ersten Bewertungen nach dessen Erscheinen abwarten. So vergingen einige Tage und die Bewertungen waren durchwegs positiv, es hiess sogar, man würde wieder die typische Noll-Feder aus älteren Werken wiedererkennen. Also, gekauft!
Leider kann ich der Begeisterung der ersten Leser NICHT zustimmen. Ich habe das Buch nicht mal fertiggelesen, nur noch flüchtig durchgeblättert. Die Geschichte fängt nicht so schlecht an, aber ich finde die Freundin von Karla völlig daneben und auch schlecht dargestellt, von ihrem Ex-Freund und dessen Familienanhang ganz zu schweigen. Total an den Haaren herbeigezogen, was da alles abgeht bei denen, Karla hätte ihr Projekt lieber im Alleingang durchgezogen, das wäre glaubhafter gewesen.
Und wiederum erscheint mir das Buch quasi ein Roh-Entwurf oder eine Skizze. Nicht ganz so unmöglich wie ‚Über Bord‘, aber nicht weit davon entfernt.
Zudem finde ich die Sprache unschön, abgehackt, grob, es fehlen die wunderschönen Stimmungs- und Personenbeschriebe, die passenden Situationsbeschreibungen mit dem ironischen Unterton wie zum Beispiel im ‚Der Hahn ist tot‘, welches eines meiner Lieblingsbücher ist. Ich habe nun dieses wieder hervorgenommen, gebe ‚Hab und Gier‘ weiter und will es nicht zurück.
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am 3. Februar 2015
Der 67 Jahre alte Wolfram Kempner bittet die 63jährige geschiedene Karla, eine ehemalige Kollegin in der Bibliothek einer hessischen Nachbargemeinde zu Weinheim und seit drei Jahren Rentnerin mit magerer Rente, zu einem Gabelfrühstück in seine Villa. Karla ist hin und hergerissen zwischen Neugier und Unlust. Als sie auf Kempners Einladung eingeht, erfährt sie seine Gründe für das Treffen. Der kinderlose Kempner ist krebskrank, hat nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben. Er erzählt von den schweren Gewissensbissen, die ihn wegen des Ablebens seiner wenige Jahre älteren Ehefrau vor wenigen Monaten plagen. Dann hat er noch eine Bitte an Karla: wenn sie Kosten und Pflege seiner letzten Ruhestätte übernimmt, soll sie ein Viertel seines Vermögens erben, der Rest geht an ein Heidelberger Hospiz. Im Laufe weiterer Treffen wird klarer, dass Wolfram weitere Wünsche hat: wenn Karla ihn »vor der Klinik bewahrt«, ihn also bis zu seinem Lebensende betreut, soll sie sogar die Hälfte seines Vermögens bekommen. Und schließlich lässt er die Katze aus dem Sack: Karla soll Alleinerbin werden, falls sie Wolfram umbringt. Sie soll ihn zu einem vom ihm gewählten Zeitpunkt erwürgen. Karla ist geschockt. Doch sie hat schon erste Schritte in die von Kempner bisher allein bewohnte Villa gemacht, genießt die Großzügigkeit Wolframs und den leichten Luxus, den sie sich mit seiner Hilfe nun leisten kann. Karla weiht die viel jüngere Judith, ebenfalls eine ehemalige Kollegin, in den noch nicht endgültig geschlossenen Pakt ein und findet in ihr eine engagierte Unterstützerin. Cord, deren verflossener Freund, hilft den beiden bei verschiedenen Arbeiten. Bis etwas Geplantes unvorhergesehen passiert.

Ingrid Noll hat hier mehrere brisante Themen aufgegriffen. Die noch mit einem Tabu versehene aktive oder passive Sterbehilfe, die opulenten Beamtenpensionen, den Snobismus mancher Neureicher und dem gegenüber die krankmachende Armut, die Vereinsamung in unserer Erfolgsgesellschaft, und natürlich die im Buchtitel angesprochene Gier. Doch leider vermischt Noll das alles zu einer wenig spannenden Melange. Die Autorin bedient zu viele Klischees: von der wiederholt Gedichte rezitierenden Karla bis zu den schweren Kindheiten, den traumatischen Erfahrungen von Judith und Cord. Da schimmert zu viel Küchentischpsychologie und gekünstelte Dramaturgie durch. Trotzdem oder deswegen sind die Charaktere wenig überzeugend, gerade Cord ist in seiner extremen Widersprüchlichkeit kaum glaubhaft. Die subtile Präsentation rechtsradikalen Gedankenguts bei Judith und die Hilflosigkeit Karlas fand ich dagegen recht gelungen.

Insgesamt lässt sich das Buch locker lesen, aber es fehlt die überraschende Wendung; wenige Ansätze verlieren sich einfach. Manche der beschriebenen Vorgänge sind logisch nicht unbedingt nachvollziehbar, insbesondere scheint es keine Exekutive oder Judikative zu geben, der irgendwelche Straftaten auffallen. Für eine sozialkritische Studie ist das Werk zu flach und für eine Kriminalgeschichte zu vorhersehbar.
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am 21. September 2014
"Bleib, wo du bist! - Dein Feind ist nah!" S17 soll einmal auf dem Grabstein von Wolfram und Bernadette Kempner stehen, allein Bernadette ist bereits verschieden und die Grabinschrift unvollständig: "Bleib von du bist!".

Doch lange wird Wolfram seine liebe Bernadette nicht mehr warten lassen, denn seine Krebserkrankung gilt als austherapiert - jetzt bleibt ihm nur in Würde auf den Tod zu warten. So entschließt sich der Bibliothekar seine ehemalige Kollegin Karla Pinter zu bitten, ihm etwas zur Hand zu gehen - und sie willigt ein. Natürlich soll sie nicht leer ausgehen, verspricht er ihr doch ein Viertel des Erbes, wenn sie die Pflege des Grabes übernähme und gar die Hälfte, wenn sie ihn im Haushalt unterstütze. Das ganze Erbe sollte er ihr auch anbieten, jedoch müsse sie ihn dafür erwürgen, als Bernadette verkleidet!

Was Karla unserer Ich-Erzählerin das Gewissen verbietet, flößt ihr ihre deutlich jüngere Freundin Judith immer wieder und wieder ein: Tu es! So bringt Karla in einem unachtsamen Moment Judith mit in die Biberstraße. Blöd nur, dass Judith aussieht wie eine jüngere Ausgabe von Bernadette, die ein paar Jahre älter war als Wolfram, zuerst mütterlich, dann matronenhaft. Schließlich ziehen Karla und Judith in Wolframs Villa ein, bleiben allerdings nicht lange allein. Die geldgierige Nichte alias "die Qualle“ steckt ihre Nase zur Tür rein, die neugierige und geschwätzige Nachbarin Frau Altmann wittert Unbehagen, Cord Judiths Freund ein Ex-Knacki macht sich häuslich und schließlich bringt er noch seine Kinder mit, die an Grippe erkrankt sind - sprich: Der bitterböse Reigen aus ungewollten Verstrickungen, unliebsamen, aufgezwungenen Beziehungen, die sich nicht so leicht wieder lösen lassen, Tötungsdelikten, Unfällen und Überdosen beginnt. Oder: "Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde noch näher!“

Gekonnt verpackt Ingrid Noll das ernste Thema der Euthanasie und des Lebens im Altern neben Wölfen in Schafspelzen, zwei alte Villen, Erbschleicherinnen und einem alten Baumbestand, der gnadenlos niedergemetzelt wird in eine makabre, bitterböse, morbide, rabenschwarze und doch unbeschreiblich komisch Geschichte. Auch wenn mich "Hab und Gier" streckenweise an "Die Apothekerin" erinnert hat, gilt für den neuen Roman: Ingrid Noll at her best!
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