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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht der beste Roman von Ian McEwan, aber ein guter ...
Einer der großartigsten Schriftsteller unserer Zeit legt mit "Honig" einen neuen Roman vor. Klar, dass ich den lesen muss. Ian McEwan hat das Luxusproblem, an seinem fantastischen Roman "Abbitte" gemessen zu werden. Und auch ich ziehe immer wieder die Vergleiche. Schafft er es erneut, mich in diese doppelbödigen Spiele mit hineinzuziehen? Habe ich nach dem...
Vor 10 Monaten von Alex Wolff veröffentlicht

versus
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschenkte Möglichkeiten
Man weiß ja durch die Werke eines Graham Greene, John le Carré oder Robert Littell, daß Geheimdienstarbeit durchaus eher stümperhaft organisierten Klassenfahrten gleichen und geheimdienstliche Einsätze auch mal zur Farce werden können; daß das Anwerben neuer, junger Rekruten und Agenten oftmals vergeblichen Liebesmühen gleicht,...
Vor 9 Monaten von Gavin Armour veröffentlicht


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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht der beste Roman von Ian McEwan, aber ein guter ..., 9. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Einer der großartigsten Schriftsteller unserer Zeit legt mit "Honig" einen neuen Roman vor. Klar, dass ich den lesen muss. Ian McEwan hat das Luxusproblem, an seinem fantastischen Roman "Abbitte" gemessen zu werden. Und auch ich ziehe immer wieder die Vergleiche. Schafft er es erneut, mich in diese doppelbödigen Spiele mit hineinzuziehen? Habe ich nach dem Lesen wieder das Gefühl, etwas ganz Besonderes gelesen zu haben?

Die junge und hübsche Serena Frome ist eine Tochter aus gutem Hause, die durch mehrere Zufälle beim britischen Geheimdienst MI5 landet. In ihrem Leben ist bis dato nicht viel passiert, auch der Aufruhr der sechziger Jahre geht mehr oder weniger an ihr vorbei. Nur eine Affäre mit einem älteren Mann bringt sie dem Leben näher.
Beim MI5 erhält sie den Auftrag, den Autor Tom Haley über eine verdeckt arbeitende Stiftung zu fördern. Dabei verliebt sie sich in Tom und genießt eine wundervolle Zeit. Aber zwischen ihnen steht immer das Geheimnis, dass Serena um jeden Preis bewahren muss, aber auf der anderen Seite endlich preisgeben möchte, um mit der Liebe ihres Lebens zusammenleben zu können.

Die Geschichte spielt zu Hochzeiten des Kalten Krieges in den siebziger Jahren. Wie Ian McEwan das Zeitgefühl dieser Epoche einfängt, liest sich sehr realistisch. Die Anschläge der IRA, die aufkeimende Energiekrise mit all ihren Folgen oder die Streiks der Bergarbeiter – alles fließt fast unmerklich in die Geschichte mit ein.

Den Anfang fand ich sehr gelungen. Wie Serena die Welt um sie herum durch Bücher erfährt und mit welchen Erwartungen und Hoffnungen sie beim MI5 anfängt. Und natürlich auch, wie sie in die weite Welt der Gefühle hineingezogen wird. Eine typische Figurenbeschreibung dieses grandiosen Autors.
Allerdings muss ich zugeben, dass sich der Mittelteil eher schleppend las. Zu viele Details und zu wenig Handlung in meinen Augen. Da bin ich von Ian McEwan doch anderes gewohnt. In den letzten Büchern fällt mir jedoch zunehmend auf, dass Ian McEwan mehr und mehr in intellektuelle Gefilde abschweift. Dies hat leider nicht immer etwas mit Tiefgang, als vielmehr mit (für mich) Geschwafel zu tun.
Aber das Ende ist dann wieder eine Klasse für sich. Spannend und unerwartet.

Eine der großen Stärken McEwans ist die Beschreibung der Charaktere. Dabei ist McEwan wie immer sprachlich über jegliche Kritik erhaben. Seine Stärken spielt er immer dann aus, wenn er in einfachen Worten die Beweggründe und Vermutungen seiner Charaktere erklärt.

Insgesamt ein zwar unterhaltsames, aber auch zwiespältiges Lesevergnügen. Hätte McEwan von mir das Vertrauen seiner vorherigen Bücher nicht gehabt, wäre ich versucht gewesen, in der Mitte des Buches auszusteigen. Obwohl von Anfang an klar zu sein scheint, dass die Geschichte kein gutes Ende nimmt, ist sich McEwan treu geblieben. Zum Glück.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschenkte Möglichkeiten, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Man weiß ja durch die Werke eines Graham Greene, John le Carré oder Robert Littell, daß Geheimdienstarbeit durchaus eher stümperhaft organisierten Klassenfahrten gleichen und geheimdienstliche Einsätze auch mal zur Farce werden können; daß das Anwerben neuer, junger Rekruten und Agenten oftmals vergeblichen Liebesmühen gleicht, sowieso. Ian McEwan fügt dem keine weiteren Erkenntnisse hinzu, sondern liefert in seinem neuesten auf Deutsch erschienenen Werk, „Honig“, Varianten, Ironisierungen und Anspielungen seiner berühmten Kollegen. England, vor allem London in den frühen 70er Jahren bietet ihm die Kulisse für diesen Roman, der einmal mehr beweist, was für ein großartiger Stilist McEwan ist, wie geschmeidig und fließend er erzählen kann, wie weit seine Palette literarischer Werkzeuge reicht, über welch großartig hintergründigen Humor er verfügt. Und auch, daß er immer ein Mensch der britischen Ober- bis Mittelschicht bleiben wird, dem sowohl die Subkultur seines Landes, wenn nicht fremd, so doch zumindest suspekt ist, wie er ebenso die Linke ablehnt, wenn nicht verachtet, und – ganz einem konservativen Spötter gleich – der die großen Ideen sowieso für gescheitert hält. Die Tendenz zum Reaktionären liegt schon seinen früheren Werken zugrunde. Doch wo es ihm in Büchern wie „Der Trost von Fremden“ oder „Amsterdam“ fast mühelos gelang, die Ängste und falschen Vorstellungen und Vorurteile blasierter Engländer seiner Schicht vorzuführen (durchaus auch einmal der Lächerlichkeit preiszugeben), drängen seine eigenen Vorurteile und Ängste, so scheint es, seit einiger Zeit - fast deckungsgleich zu denen, die er seiner Schicht zuschreibt – in seine Werke. Die Angst und das Unverständnis des britischen Bürgertums vor Überfremdung wurde in „Saturday“ zwar noch nah an der Lächerlichkeit vorgeführt, doch schon in jenem Werk verwunderte die Auflösung, in der das Vortragen eines Gedichtes eine Vergewaltigung abwehren kann, da der Übeltäter derart berührt ist von den rezitierten Worten, daß er einfach nicht weitermachen kann mit seiner Missetat. Sollte das ebenfalls Ironie sein? Dann war es zumindest ein zutiefst geschmackloser Witz.

Hier, in „Sweet Tooth“ (Originaltitel), wird – (fast) komplett und konsequent aus Sicht einer jungen Frau – von den Ereignissen während eines Geheimdienstunternehmens namens „Honig“ erzählt, in dessen Zentrum die junge Erzählerin Serena eher hineinrutscht, als daß sie dort wirklich hinwollte. Sie ist eine belesene, recht kluge junge Frau, die Anfang der 70er Jahre zunächst Mathematik studiert und auf Umwegen an einen Hochschullehrer gerät, in den sie sich unsterblich verliebt. Selbst, als er sie aufs Fürchterlichste abserviert hat, bleibt er ihr als die große Liebe in Erinnerung. Ihm hat sie es auch zu verdanken, einen Job angeboten zu bekommen. Dieser Job entpuppt sich als mindere Anstellung beim MI5, dem britischen Inlandsgeheimdienst. Hier soll eine kulturelle Großoffensive gestartet werden, vermutet man doch - nicht zu Unrecht - die meisten Intellektuellen Großbritanniens, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, eher der Linken zuneigend. Deshalb soll im Programm „Honig“ eine konservative, wenn nicht rechte Gegenöffentlichkeit aufgebaut werden, die für die „Werte der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte“ einsteht. Und dafür müssen passende Intellektuelle aller möglichen Richtungen gefunden werden: Wissenschaftler, Historiker, Politologen und auch Künstler – wenn möglich eben auch ein Schriftsteller. Und den soll Serena aussuchen, aus einem Pool von Autoren. Sie stößt auf einen Dozenten der Universität Brighton, der sich für das Schicksal eines inhaftierten rumänischen Autors eingesetzt und bereits vier Kurzgeschichten veröffentlicht hat. Ihr Kandidat. Doch je näher sie ihn kennenlernt, desto mehr verliebt sie sich in ihn und gerät immer tiefer in eine Geflecht aus Lügen, Halbwahrheiten, Irrungen und Wirrungen – und muß schlußendlich erkennen, wie sehr sie sich getäuscht hat, in allem und jedem.

Und damit macht sie eine Erfahrung, die McEwan mit einem ebenso brillanten wie eleganten Dreh auch den Leser machen läßt. Soll niemand sagen, McEwan verstünde sein Handwerk nicht! Doch bleibt es diesmal beim Handwerk, es fehlt ein wenig die Kunst. Um mit den Vorzügen zu beginnen: Richtig gut wird das Buch immer da, wo es um Zeitkolorit geht, darum, wie sich dieses England um 1970/71 ff anfühlte. Ein kalter und immer noch stark von den Nachwehen des Krieges geprägter Ort. Durch dieses London scheint immerzu ein kalter Hauch zu wehen, selbst da, wo von Hitze die Rede ist. Beiläufig werden diese Jahre bis 1974 geschildert, in denen das Land immer mehr vor die Hunde zu gehen schien, Krise auf Krise folgte, die Regierungen sich ablösten und sofort bewiesen, ebenso wenig mit den Problemen zurande zu kommen, wie die Vorgänger. Die erstarkende IRA, die ihre „Kriegspolitik“ änderte und „Zivilisten“ anzugreifen begann, verwickelte die Briten in einen kleinen, dreckigen Krieg, der so gar nicht passen wollte zu der immer noch herrschenden Selbstwahrnehmung einer (zumindest kulturellen) globalen Großmacht. Dies alles versteht McEwan gut einzufangen und atmosphärisch dicht wiederzugeben. Doch setzt er viel Wissen voraus, darauf sei verwiesen. Einige, für die britische Öffentlichkeit wesentliche Ereignisse – die Foltervorwürfe gegen die Polizei, das Wegsperren fälschlich Verdächtigter u.a. – waren auch im MI5 sicherlich präsenter, als sie hier dargestellt werden.

Ian McEwan erzählt diesen Roman aus der Sicht einer Frau. Als Mann. Da kann drüber gestritten werden und es gibt Momente im Buch, die vermuten lassen, daß der Autor es selbst so gesehen hat, oder, weil er ein kluger Mensch ist, Einwände von Freunden, Lektoren oder sonst wem hat gelten lassen. Zu häufig, jedenfalls für diesen Leser hier, verfällt er dann aber doch in klischeehafte Ideen, Variationen und Auflösungen einzelner Situationen, die zwar immer ironisiert (wie das ganze Buch – letztendlich verständlicher Weise – von einem stark ironischen Ton getragen wird), dadurch jedoch nicht weniger klischeehaft werden, weil selbst die Ironisierungen mittlerweile zu Klischees geronnen sind.

Das alles betrifft das Handwerk. Ian McEwans Kunst, so zumindest habe ich es immer empfunden, bestand neben der Eleganz seines Stils auch immer in seinen Sujets, den Plots, den Wendungen, die selten, eigentlich nie um ihrer selbst Willen geschehen, sondern, um der Geschichte selbst oder ihren Metaebenen noch einmal einen gewissen Ausdruck zu verleihen. Das macht seine Werke oft rasant, wenn sie kurz sind (man denke an die intellektuelle Schärfe der „Schwarzen Hunde“ oder die Geschwindigkeit, mit der die Schraube der Ereignisse in „Amsterdam“ angezogen wird), fesselnd in den längeren Romanen, wie es „Abbitte“ so exemplarisch (und erfolgreich) ausweist. Doch das haut in „Honig“ nicht hin. Zu unentschieden zwischen einer Liebe, die wohl nicht funktionieren kann, einer egozentrischen Icherzählerin, die lange eigentlich nur mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint, einem Spionageplot, der sich – bewußt – als Rohrkrepierer erweist, der Metaidee eines selbstreflexiven Romans über einen Romanschriftsteller, der Gegenstand einer Spionagegeschichte wird, kommt dieses Buch einerseits nie zur Ruhe, und damit zu sich selbst, aber es kommt auch nie richtig in die Gänge. Anfänge, wo man hinschaut, Vieles davon vielversprechend, aber alles doch nur angerissen, seltsam zerschlissen und eingetrübt. Um es ganz kurz zu sagen: Es langweilt, ab einem gewissen Punkt. Und das ist tödlich für solch ein Werk. Da verblassen selbst seine wieder fein und subtil verpackten Seitenhiebe auf die Linke (der er nachhaltig die Entwicklungen der britischen Gewerkschaften in den 70er Jahren vorzuwerfen scheint), die Subkultur und die Intellektuellen. Beiwerk.

3 Sterne, einen halben davon in der Hoffnung, daß McEwan schnell wieder zu höherer Form aufläuft, dann kann man sich wenigstens wieder richtig an ihm reiben.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe und Lügen, 5. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Serena Frome ist jung, schön, begabt. All das weiß die Absolventin eines Mathematikstudiums in Cambridge sehr wohl. Die Tochter eines anglikanischen Bischofs und einer aufopfernden Hausfrau fühlt sich geradezu verpflichtet, Karriere zu machen. Ein Professor, der zum väterlichen Liebhaber wird, nimmt sich der „Erziehung“ der Vielleserin an, bestärkt sie in ihren eher konservativen Ansichten und weckt ihre Lust auf Luxus. Als er sie verlässt, fällt Serena in ein tiefes Loch. Da kommt der britische Geheimdienst M15, dem er die junge Geliebte ans Herz gelegt hat, gerade recht. Die junge Frau lässt sich anwerben, ja sie fühlt sich als etwas Besonderes trotz der frauenfeindlichen Atmosphäre im Inner Circle.
Für die Operation „Honig“, mit der man junge Publizisten für die eigene Sache ködern will, kann Serena sich schnell erwärmen. Und für den jungen Autor Tom Haley empfindet sie bald mehr als nur professionelles Interesse. Die Quellen, aus denen das Stipendium, das sie ihm andient, kommt, verrät sie ihm nicht. Die Lüge, die zwischen ihnen steht, belastet Serena zwar. Aber sie sieht sich außerstande, Tom die wahren Hintergründe zu offenbaren. So verstrickt sie sich mehr und mehr in ein Geflecht von Lügen und Heimlichkeiten, während Tom seinen ersten großen Erfolg mit einem Roman feiert, der den Interessen von Serenas Auftraggebern zuwider läuft. Mit der Dystopie einer in Auflösung begriffenen Gesellschaft wird Tom zum Shooting Star eines launischen Literaturbetriebs, und Serena ahnt, dass ihr Versteckspiel bald ein Ende haben wird. Es kommt schneller als gedacht und vor allem ganz anders.
Denn in diesem Roman, der nur oberflächlich ein Spionage-Thriller ist, zeigt sich Ian McEwan als großartiger Strippenzieher. Er lässt nicht nur den unbedarften Tom in die Honigfalle der süßen Serena tappen, sondern führt auch die Leser an der Nase herum. Ist es wirklich Serena, die 40 Jahre später ihre Geschichte erzählt? Eine Geschichte, die zurückführt in das Großbritannien der Siebziger Jahre, ein Land am Rand des Nervenzusammenbruchs, als die IRA ihre Bombenattentate verübte, der Ölschock Europa im Klammergriff hielt und der Kalte Krieg die Hirne vernebelte. In die Zeit auch, als der junge Ian McEwan seine ersten literarischen Gehversuche machte. Nicht von ungefähr trägt Tom Haley Züge des Autors, erinnern die Auszüge seiner Geschichten an McEwan.
Und auch der Hintergrund, vor dem der englische Bestseller-Autor seinen Roman inszeniert, ist nicht erfunden, wie McEwan in einem Interview mit der Zeit verriet: „George Orwells „Die Farm der Tiere“ wurde in 17 Sprachen übersetzt, das Geld kam vom MI6, dem Auslandsgeheimdienst. Die Beteiligten wussten in den meisten Fällen gar nicht, woher das Geld stammte. Dieses Paradox war die Ausgangsidee für meinen Roman: dass man die freie Gesellschaft stärken wollte, dies aber heimlich tat.“ McEwans meisterhaft komponierter Roman über Sein und Schein, Wirklichkeit und Inszenierung, Liebe und Lüge, Lesen und Dichten in der Vor-Thatcher-Ära gibt eine Ahnung von der Manipulierbarkeit des Einzelnen und des Ausgeliefertseins an undefinierbare Mächte, die hier als graue Bürokraten erscheinen.
Und heute in Zeiten des NSA-Skandals? Sind Themen wie Verrat und Überwachung aktueller denn je. Aber man braucht wohl keine honigsüße Versuchung mehr, um Menschen auf eine falsche Fährte zu locken.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Elegante Tricks, 4. Januar 2014
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Ian McEwan ist mittlerweile einer der bekanntesten zeitgenössischen Autoren Großbritanniens. Sein letzter Roman "Honig" spielt im England der siebziger Jahre: Die Großmächte lassen die Muskeln spielen, Ost und West beharken sich, der Kalte Krieg beherrscht die Politik. Großbritannien hat Probleme: das "Empire" ist verloren, das Land versinkt international immer mehr in der Bedeutungslosigkeit und man hat mit ökonomischen Problemen zu kämpfen. Aber die Geheimdienste, in diesem Falle der MI5, verfügen noch immer über genügend Mittel, um junge Intellektuelle finanziell zu fördern, die an den traditionellen Werten festhalten und sich kritisch mit den kommunistischen Diktaturen auseinandersetzen. Und diese Operationen werden unter dem Decknamen "Honig" geführt.

Serena Frome arbeitet nach Beendigung ihres Studiums im Archiv des MI5, bis man auf sie aufmerksam wird und sie als Lockvogel auf den jungen Autor Tom Haley ansetzt. Als angebliche Vertreterin einer Literatur-Stiftung soll sie Einfluss auf dessen schriftstellerisches Wirken nehmen, was aber nur solange funktioniert, bis sich die beiden ineinander verlieben. Wird sie Tom ihre wahre Identität offenbaren? Und wenn ja, welche Auswirkungen wird dies haben?

McEwans Roman erzählt viele unterschiedliche Geschichten. Mal ist es ein Agententhriller, dann wieder ein Liebesroman, ebenso ein Buch über Literatur und natürlich ein Stück weit auch ein Kaleidoskop der Siebziger. Aber der Autor schildert nicht nur die politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit, sondern verarbeitet auch Aspekte seiner eigenen Biografie in der Figur des jungen Schriftstellers Tom Haley.

Kaum eine der Figuren spielt mit offenen Karten, Tricksen und Täuschen kennzeichnet ihre Handlungen und auch der Autor setzt diese Mittel äußerst gekonnt ein und führt damit den Leser bis zum Schluss an der Nase herum.

Auch wenn dies lediglich intellektuellen Spielereien sind, elegant und ungewöhnlich ist der Plot, den McEwan in "Honig" konstruiert hat, allemal. Ein Buch, das zum wiederholten Lesen einlädt, um alle Facetten der Geschichte abschließend einordnen zu können und zu verstehen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Posthume Apologie der Thatcher Machtergreifung?, 3. Dezember 2013
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Der unvergleichbare britische Autor Ian Mc Ewan versteht es in seinen Romanen immer wieder unvorhersehbare Events zu entwerfen, die dafür sorgen das scheinbar abgefederte Leben aus der Bahn geworfen werden. Mit großer Intelligenz entwirft er dabei fokussierte Epochenbilder. Sein Roman "Abbitte"(2002) wurde ein Weltbestseller, der Roman "Saturday"(2005) wurde in der britischen Presse zerrissen, in seinem Roman "Solar"(2010) wären weniger flache satirische Gags mehr gewesen.

In seinem neuen, sowohl intelligenten, virtuosen, elegant raffinierten, wie fesselnden Roman "Honig", im Originaltitel "Sweet Tooth" - Leckermäulchen- hat er sich das Genre des britischen Geheimdienstes vorgenommen und entwirft darüber ein brillantes Epochenbild. Der Spionageroman hat bekanntlich eine große Tradition in der englischen Literatur, Ian Mc Ewan knüpft daran an, spielt mit diesem Genre und sprengt zugleich dessen Grenzen. Eigentlich hätte der Titel "Leckermäulchen" auch in der deutschen Übersetzung mehr Sinn gemacht, für diese im Seebad Brighton spielende Liebesgeschichte, der Lüge und Verrat als Stolpersteine in die Quere kommt.

Es ist eine Agentengeschichte die auf authentischen Fakten beruht. Die junge Literatur begeisterte "süße"Studentin Serena erzählt die Geschichte wie sie
für eine literarische Mission vom englischen Geheimdienst MI 5 engagiert wird. Ein Geheimdienst den immer ein bildungsbügerliches Flair umgibt. Die Heldin, die eigentlich Mathematik in Cambridge studiert, ist zwar eine ausgesprochene Leseratte, da sie aber neben anspruchsvoller Literatur auch sehr gern Trivialliteratur liest, wird sie für diese Aufgabe ausgewählt.

Ihre Aufgabe ist es einen zukünftigen talentierten Schriftsteller, ihren Geliebten, auf die Seite des Westens, auf die der Freiheit zu ziehen. Unter dem Deckmantel einer dubiosen Stiftung soll sein Werk vom Geheimdienst gesponsert werden. Dieser Tom Haley durchschaut das Spiel, lässt sich zwar protegieren, rächt sich aber für den widersinnigen Versuch des Geheimdienstes im Namen der Freiheit zu manipulieren. Der Clou ist, wie so oft bei Ian Mc Ewan, das wir erst auf den letzten zwanzig Seiten erfahren was hier wirklich vor sich geht, denn da wendet sich das Blatt vollkommen. Raffiniert gemacht. Bis dahin irritiert uns die Heldin über lange Strecken des Romans, weil sie zahlreiche Affären hat, garniert mit diversen Bettgeschichten und uns immer mit der Feststellung nervt, wie attraktiv sie sei. Eigentlich erzählt sie von Anfang an sehr unglaubhaft.

Dieser Liebes-Agenten-Campusroman blickt voll fröhlicher Wehmut in die siebziger Jahre zurück, denn Mc Ewan gibt dem Schriftsteller Tom Haley sein literarisches Milieu in London zu jener Zeit, den die Stories die Serena liest stammen aus seinen früheren Büchern. Die erste Affäre hat die 22 jährige Serena mit einem 54 jährigen Geschichtsprofessor in Cambridge. In diesen Passagen scheint Mc Ewan besonderen Spaß daran zu haben, sich selbst mit den Augen von Serena zu sehen.

Die Geschichte bleibt recht zweidimensional, aber man merkt das der Autor scheinbar noch einen Trumpf im Ärmel hat den er bis zum Schluss unter der Decke halten will, denn es ist vermutlich kein Ich Roman aus der Perspektive dieser jungen Serena. Der sensationelle Perspektivwechsel kommt, wie gesagt, zum Schluss. Brillant wendet Mc Ewan hier wieder den ältesten Trick eines Mainstream Romanautors an, denn er hält nicht nur Informationen zurück, sondern er füttert den Leser auch mit falschen Informationen. So fokussiert er die Attraktivität des Spionageromans, weil eigentlich das Spionagegeschäft genau so läuft wie das Romane schreiben.

Wenn man auch die vielen Liebesgeschichten streckenweise langweilig finden mag, mit "Honig" hat Ian Mc Ewan, mit beeindruckender Souveränität, einen großartigen Emanzipationsroman geschrieben, dabei spiegelt er den Neo-Liberalismus und unterschätzt keinesfalls die Manipulationsmöglichkeiten von der Literatur auf die Gesellschaft, macht sich jedoch einerseits gewandt lustig über die Bemühungen des Geheimdienstes Schriftsteller zu beeinflussen, ohne jedoch auch gleichzeitig die Phantasievorstellungen der Autoren zu karikieren.

Fazit:Wenn man die öffentliche Gesellschaft fördern will, dann sollte man das offen tun und nicht geheim. Darin liegt die Paradoxie.

Ian Mc Evan versteht es in fast all seinen Romanen immer wieder, dass zwischen dem was erzählt wird und wie das erzählt wird ein schwer beschreibbares, aber eigentümliches Spannungsverhältnis aufgebaut wird.

Meine uneingeschränkte Leseempfehlung.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schöne irreführung, 24. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Wenn man einem großen Autor nach langen Jahren der Abstinenz einmal wieder Auge und Geist leiht, ist die Erwartung entsprechend groß. Die Erwartung wurde in diesem Fall auch nicht enttäuscht. Das neue Buch von Ian McEwan ist ein großartiger Beweis seiner schriftstellerischen Fähigkeiten und lässt den Leser am Ende mit der Überlegung zurück, ob man das Buch ob der Überraschung am Ende nicht besser noch einmal lesen sollte, um keinen möglichen Hinweis übersehen zu haben. Dabei ist die Überraschung eine Mischung aus Form und Inhalt. McEwan versucht sich nicht etwa am Klassiker des Buches im Buch, was man anfangs vermuten könnte, denn er integriert Erzählungen in die Romanhandlung. Am Ende jedoch präsentiert sich der Roman - ja als was eigentlich? Als literarisch geschlossenes mobile, das die Erzählposition aufbricht, um von der kurzzeitig betretenen Meta-Ebene direkt wieder in die Erzählposition des Anfangs zurückzuspringen. Das Ende ist der Anfang ist Ende. Formal genial und man erhält keinen konkreten Ansatzpunkt im Text, um den Kreisel zu durchbrechen.
Worum geht es inhaltlich? Die Protagonistin Serena Frome wird als schönes und kluges Mädchen beschrieben, das wider ihrem Wunsch nach einem Englisch-Studium auf Geheiß der Eltern ein Mathematik-Studium in Cambridge aufnimmt. Dort kommt sie über Umwege in Kontakt mit einem Mitarbeiter des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5. Dies beginnt erst als eine der zahlreichen Liebesaffären von Serena und mündet in eine intellektuelle Unterweisung mit dem Ziel, Serena als Mitarbeiterin des MI5 zu rekrutieren. Dass sich später herauszustellen scheint, dass man den Mitarbeiter als Doppelagenten vermutete und Serena nur einstellte um über sie an die dahinter liegenden Quellen zu kommen, ist nur eines von vielen schönen Beispielen, dass man sich bei nichts und niemandem sicher sein konnte. Die Wahrheit war unbestimmbar, Sein und Schein konnten ständig wechseln und nur wenige hatten tatsächlich das Heft des Handelns und das umfassende Wissen in der Hand. Die Handlung spielt im Jahr 1972 und die Bedrohungen des kalten Krieges und der Ölkrise werden langsam abgelöst vom Kampf um Nordirland. Der Geheimdienst will aber die Fronten des kalten Krieges noch nicht aufgeben und beabsichtigt, nach dem Vorbild der CIA, auch die kulturelle Einflussnahme voranzubringen. Dazu sollen Schriftsteller und Intellektuelle gefördert werden, deren politische Haltung der Staatsmacht genehm ist. Die Operation trägt den Codenamen Honig". Serena scheint aufgrund ihrer Eigenschaft als leidenschaftliche Leserin - aber natürlich auch aufgrund ihres blendenden Aussehens - die perfekte Besetzung als Kontaktperson zu sein, um den aufstrebenden jungen Autor Tom Haley für das Projekt zu gewinnen: er soll durch eine auf unerkannten Wegen vom MI5 finanzierten Stiftung gefördert werden, um ganz im Sinne der Propaganda zu schreiben und zu veröffentlichen. Für Serena ist es zudem ein Weg, endlich aus der zuvor monotonen und anödenden Sekretärinnentätigkeit auf der untersten Ebene des MI5 zu entfliehen. Serena ist von den Erzählungen des Autors angetan, dann begegnet sie ihm und verliebt sich in ihn - und er in sie. Der erste Roman ist dann gar nicht nach dem Geschmack des MI5. Trotz der Liebe muss Serena ständig ihre Legende aufrecht erhalten, ein eifersüchtiger Vorgesetzter intrigiert gegen das Projekt, lässt Haley und Serena auffliegen und am Ende erwartet man eigentlich den großen Knall. Und dann kommt es doch ganz anders und die Geschichte speist sich aus sich selbst - brillant.
Der Erzählduktus plätschert angenehm dahin, man wähnt sich bisweilen wie beim gemütlichen High Tea. Die historischen und politischen Ereignisse und Stimmungen werden trefflich eingefangen, Sprache, gesellschaftliche Vorstellungen und die reale Lebenswelt sind nachvollziehbar authentisch gestaltet worden. Der Spannungsbogen steigt insgesamt nur leicht, sodass man das dargebotene Ende nicht nur deshalb innerlich ablehnen müsste, weil man auf eine Art Showdown gehofft hatte - ein solcher hätte nicht zum vorherigen Stil gepasst. Schön sind auch die vielen Zitate und Anspielungen McEwans, sowohl auf eigene Werke als auch auf Kollegen, selbst wenn dabei manch kleine Spitze enthalten ist. Nachteilig muss allerdings angemerkt werden, dass zur Vorbereitung auf den literarischen Kniff am Ende, die Agentengeschichte und der politische Hintergrund zugunsten der Liebesgeschichte stark reduziert werden.
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42 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Spionin, die mich liebte, 22. September 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Dass eine Tätigkeit für den britischen Geheimdienst mitunter auch erotische Aspekte hat, weiß man, seit James Bond in regelmäßigen Abständen die (Damen)welt rettet. Das hat Serena Frome allerdings nicht im Hinterkopf, als man sie im Rahmen der Operation "Honig" auf den jungen Schriftsteller Tom Haley ansetzt, den der Security Service MI5 für finanziell förderungswürdig hält, weil er politisch auf der richtigen Seite zu stehen scheint. Serena, jung und hübsch, scheint die geeignete Person zu sein, die frohe Botschaft zu überbringen (selbstverständlich ohne ihren Arbeitgeber und damit die Geldquelle zu offenbaren), und natürlich passiert das Unausweichliche: Die beiden verlieben sich ineinander.

Wir lesen die Geschichte als Serenas "Memoiren", geschrieben 40 Jahre später. Wir erfahren eine Menge über eine lebens- und lesehungrige junge Frau, die eher durch Zufall beim Security Service gelandet ist, und über den aus heutiger Sicht höchst amüsanten Kulturkampf, den die westlichen Geheimagenten im Kalten Krieg für die gute Sache geführt haben. Jede Zeit scheint die Geheimdienste zu haben, die sie verdient.

Wir wissen von Beginn an, und das ist angesichts der Konstellation schließlich kein Wunder, dass das alles kein gutes Ende nehmen wird. Dazu ist Serena dann doch zu naiv; das gilt aber auch für ihren Vorgesetzten, der ebenso wenig wie sie in der Lage ist, Arbeit und Privatleben angemessen auseinander zu halten.

Und ohnehin scheint das ganze "Honig"-Projekt eine Totgeburt zu sein, wobei man sich zugegebenermaßen wundern muss, wie Tom Haley zur Zielperson des Security Service werden konnte, wenn man die teils zitierten, teils zusammengefassten Erzählungen liest, die er bislang so veröffentlicht hatte. So zieht sich die Geschichte ein wenig hin und nimmt erst im letzten Viertel wieder Fahrt auf. Dann aber richtig, und die Pointe kommt, wie es sich gehört, zum Schluss, und, wie ich zugeben muss, einigermaßen überraschend.

"Honig" bringt eine Zeit zurück, die man eigentlich erfolgreich vergessen hat: Kalter Krieg, IRA-Attentate, zünftige Arbeitskämpfe, Energiekrise und vollgequalmte Büros. Es wird einem ein wenig bewusst, wie alt man inzwischen sein muss, dass man mit all dem noch was verbindet.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schnarch., 19. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Honig (Kindle Edition)
Ein Freund empfahl mir Ian McEwan, von dem mir bislang nur die Verfilmungen "Der Zementgarten" und "Abbitte" bekannt waren, beides Filme, die zwar nicht zu meinen Lieblingsfilmen zählen, die aber doch genüpgend Interesse erregt haben, um sich nun McEwan auf dem Papier vorzunehmen. Also "Honig gelesen. Zu Beginn konnte man noch schmunzeln über die eine oder die andere Beobachtung, die Seitenhiebe auf die kulturellen und politischen Umwälzungen und Ereignisse der 60er und 70er Jahre, doch irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich mir wünschte, es würde endlich etwas vorangehen, etwas geschehen. Mit "Honig" ist McEwan meiner Ansicht nach grandios gescheitert, denn er begeht soviele Fehler, dass das Buch nicht funktionieren kann. Das fängt damit an, dass der männliche Autor eine weibliche Hauptfigur die Geschichte erzählen lässt, also in der ersten Person. Laut Klappentext soll dies dem Leser einen Einblick von dem ermöglichen, was im Schädel eines Menschen vor sich geht. Die Hauptfigur Serena Frome bleibt leider durch die Bank farblos, ein Psychogram der Protagonistin entsteht nicht. Noch dazu wird alles im Rückblick von der inzwischen betagten Serena geschildert, was das Buch iunglaubwürdiger wirken lässt. Durch diese Konstruktion macht der Autor es sich selbst und dem Leser schwer.
Schließlich versucht er noch Kurzgeschichten eines fiktiven Schrifstellers zusammengefasst unterzubringen, um dann gegen Ende auch noch Briefe einzubauen. Die Genre-Grenzen, die er überschreiten möchte, sind nur künstlich und wirken in keinem Moment überzeugend oder realistisch. Die Gespräche über Literatur sind öde, die Spionagegeschichte langatmig und absolut nicht spannend. Die versprochenen überraschenden Wendungen überraschen nicht, das falsche Spiel der Beteiligten lässt einen kalt.
Als ob all das nicht schon genügt hätte den Roman zu ruinieren, wirft sich Serana ständig alten Knackern an den Hals, mit denen sie Sex hat, und man fragt sich schon, ob hier ein Autor nicht seine Altmännerphantasien auslebt.
"Honig" ist ein bemühter konstruierter und daher lebloser Roman, der Intellektualität nur vorgibt.
Den größten Vorwurf aber, dem man dem Buch machen muss, ist, dass es absolut laaaaangweilig ist. Ewig lange Beschreibungen von Türbeschlägen, Pilzgerichten und ähnlichem dienen nur dazu, die Geschichte auf Romanlänge zu strecken, sind der Geschichte aber nicht hilfreich.
Mag sein, dass McEwan bessere Bücher geschrieben hat, nach "Honig" werde ich jedenfalls vorerst nicht mehr zu seinen Werken greifen. P.S.: habe jetzt doch noch eins gelesen, "Liebesbriefe", und habe es nur bis zur Hälfte ausgehalten: er neut eine sterbenslangweilige Hauptfigur, die nach dem 2. Weltkrieg sich in eine "besiegte" Deutsche verliebt, nebenher langatmige Detailschilderung eines Tunnelbaus zu Abhörzwecken in den sowjetischen sektor berlins. Selten so gelangweilt.
Ian McEwan ist definitiv nichts für mich.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Military Intelligence, Section 5, 2. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Ian McEwan gelingt mit "Honig" ein wahrer Geniestreich.

Serena Frome, seine Hauptfigur, beginnt zu einer äußerst prekären Zeit ihre Karriere beim MI5, dem britischen Inlandsgeheimdienst. Aufgewachsen ist sie als Tochter eines anglikanischen Bischofs in einer typischen englischen Kathedralenstadt. Ihre Kindheit verläuft glücklich und beschaulich. Serena ist eine passionierte Leserin und träumt von einem Literaturstudium an einer kleinen unbedeutenden Universität irgendwo im Norden des Landes, doch aufgrund ihrer erstaunlichen Begabung für Mathematik beschließt ihre Mutter, dass sie in Cambridge Mathematik studieren soll.
Serena gehorcht und stellt, kaum in Cambridge angekommen, fest, dass sie mit den dortigen Mathematikstudenten kaum mithalten kann. Ihre Zuflucht bleibt weiterhin die Welt der Bücher. Doch lernt sie in Cambridge auch Professor Tony Canning kennen und wird seine Geliebte. Canning, der als junger Mann für den Geheimdienst tätig war, empfiehlt Serena an den MI5. Die Liebesgeschichte zwischen Serena und Canning endet zwar unglücklich, doch nichtsdestotrotz nimmt Serena die Stelle beim MI5 an.

1972 beginnt sie ihr neues Leben in London. Der Kalte Krieg, Energieknappheit, die Streiks der Bergarbeiter und unruhige politische Verhältnisse prägen das tägliche Leben. Serena gerät in einen wahren Strudel von Lügen und Intrigen. Mehr als einmal hadert sie mit ihrer Karriere beim Geheimdienst, doch sie hält durch und letztendlich wird sie für das Projekt "Honig" engagiert. Schriftsteller und Intellektuelle, die der Regierung genehm sind, sollen möglichst unauffällig gefördert und protegiert werden. Serena wird der Romanschriftsteller Tom Haley zugeteilt. Aus dem simplen Auftrag wird für Serena bald ein Drahtseilakt, denn entgegen aller professionellen Vorschriften verliebt sie sich in Tom. Lügen, Ausflüchte und ein schlechtes Gewissen trüben ihr Liebesglück.
Doch auch ihre Vorgesetzten und Kollegen verstricken sich in Lügen und die Vergangenheit, in Person von Tony Canning, holt Serena ein.

Dass das ganze Lügengebäude schlussendlich in die Luft fliegt, ist absehbar, doch auf den letzten Seiten stellt Ian McEwan noch einmal alles auf den Kopf. Er schenkt dem Leser ein Ende, das einfach großartig, genial und unglaublich ist.
Ian McEwan hat ein Buch geschrieben, das ganz verschiedene Elemente der Literatur vereint: Roman, Spionagegeschichte, historischer Roman und unter einem gewissen Blickwinkel auch ein wenig Liebesroman, die in "Honig" ein harmonisches Ganzes bilden. Die historischen Rückblicke, die er da und dort einstreut, sind spannend und fesselnd. Wieder einmal baut Ian McEwan seine Handlung Seite um Seite auf, steigert die Spannung bis man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich bin von diesem Buch beeindruckt und begeistert und kann es nur wärmstens empfehlen.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Wer sagt, die Dichtkunst könne nichts bewirken?" S455, 13. Oktober 2013
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Serena Frome "reimt sich auf Ruhm" ist jung und bildschön. Darüber hinaus genießt sie das Privileg in Cambridge Mathematik zu studieren. Wenn sie darin auch keine Leuchte ist, der Abschluss ist ihr gewiss. Das Schicksal treibt sie in die Arme dreier ungleicher Männer, die nacheinander ihren beruflichen Werdegang kräftig beeinflussen werden. Der erste Jeremy, war homosexuell, der zweite Tony Cummings, ein Mann mittleren Alters, sehr reich an Bildung und Intellekt und der dritte, Tom, ihre Schützling der Operation "Honig". Denn die Bekanntschaft mit Tony und ihr Cambridge Diplom haben ihr einen Job beim Mi5 beschafft.

"In einer Toilettenkabine mit einem Toten zu streiten ist eine klaustrophobische Erfahrung." S247

Der Roman ist für Ian McEwan ein eher ungewöhnlicher und schlussendlich wieder doch nicht. Die Handlung tingelt etwas oberflächlich durch das London der Neunzehnsiebziger Jahre, ohne dabei auf sympathische und interessante Charaktere zu verzichten. Die Politik bewegt sich in der Spirale von Energiekrise, Streiks, Gewerkschaftsaufständen, Anschlägen der IRA und dem Kalten Krieg in rasendem Tempo nach unten. Auch wenn die Protagonisten im McEwan'schen Vergleich etwas einfacher gestrickt sind, scheinbar ihren Alltag wenig hinterfragen und sich in Zeiten wie diesen nicht zu politischen Äußerungen hinreißen lassen, so ist allein die Perspektive eine äußerst raffinierte!

Die gekonnt platzierten Wendungen halten ein Mindestmaß an Spannung aufrecht. Der Autor verzichtet bewusst auf die familiären Hintergründe und seine gekonnten Seeleneinblicke, opfert beides einer größeren Macht. Jener des letzten Kapitels.

Und lahmt auch die Story ein wenig, so steigert sich der Roman in ein fulminantes Crescendo! Raffiniert, raffiniert!
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Honig
Honig von Ian McEwan (Gebundene Ausgabe - 25. September 2013)
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