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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Einfache ist das Wahre, 14. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Dieses Buch gehört meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Hackl erzählt sehr einfühlsam die Geschichten der Mutter von der Welt ihrer Kindheit und Jugend. Es sind Geschichten aus einem kleinen, abseits gelegenen Dorf in Oberösterreich, die sich ähnlich überall auf dem Lande noch bis vor 70 Jahren abgespielt haben. In einer wunderbar klaren und einfachen Sprache, mit präzisen Worten lässt der Autor die frühere Welt aufleben. Ich fühlte mich beim Lesen sofort mitten in das Dorfgeschehen versetzt, fühlte und litt mit den Personen. Fast möchte man meinen: dies sei die bessere Welt. Trotz aller schrecklichen Ereignisse sind die Erinnerungen sympathisch und einfühlsam, heiter und komisch, unmittelbar und offen. Hackl beschreibt, wie Menschen trotz Armut und Mühsal ihr schwieriges Leben und die Zeitumstände meistern. Ohne überhebliche Besserwisserei, ohne erhobenen Zeigefinger.

Mit seinem knappen Sprachstil und wenigen Worten lässt der Autor Szenen erstehen und erzählt Geschichten: "Mittendrin allerlei zahmes Getier sowie Mannsbilder, Weiberleute und Kinder, erfüllt von Fleiß, Gehorsam, Gottesfurcht und einem großen Durst nach Geselligkeit".

Die meisten Männer starben als " sie noch voll im Saft standen. Vom Heuboden gefallen, vom Baum erschlagen, vom Blitz getroffen. Gesund fortgegangen, tot heimgekommen." Für Trauer blieb wenig Zeit, die Tagesarbeit drängte und viele Worte um seine Gefühle wurden sowieso nicht gemacht - auch nicht um die Liebe. Mundfaul waren die meisten. Gernhaben und Mögen, andere Wörter hatten die Dörfler nicht für die Liebe. Dem Gegenstand angepasst macht Hackl ebenfalls wenige Worte um Gefühle, Gedanken und Ideen der Leute. Er leitet uns durch die Welt des Dorflebens, wie sie war, ohne dass wir nach Gut und Böse unterscheiden müssten.

So war es eben und es war gut so: in der Kirche saßen die Frauen "auf der einen, die Männer auf der anderen Seite. Die Kinder merkten erst bei der Predigt auf. Ihr Inhalt wurde in der Schule abgefragt. Hinten standen die Eiligen, die später kamen und früher gingen und dazwischen Wichtiges zu besprechen hatten. Beim Schlußsegen saßen sie schon im Wirtshaus."

Die Erinnerung der Mutter beginnen bereits als ihr Vater sechs Jahre alt war. Es sind wiederum Erzählungen des Großvaters, die durch die Mutter in die nächsten Generationen weitergegeben wurden. "Geschichten werden nicht erfunden, sie werden vererbt."

Hackl beschreibt die größten Unglücke, die über einen kommen konnten: sich verschulden, sich versaufen, abbrennen, alles verspielen und - das größte Unglück - ledig schwanger werden.
Auch wenn sie selbst verschuldet waren, mag man den Betroffenen keine moralische Schuld zuweisen. Es hat sich halt im Lauf des Lebens so ergeben.

Fast romantisch die Erinnerungen der Mutter an das volle Glück in der Weihnachtszeit: Schlitten fahren. Ein Rehkitz mit der Flasche aufziehen. Den Schaum vom Bierglas schlecken. Auf dem Dachboden alte Bücher finden. Aufs Christkind warten. Früh ins Bett gehen dürfen. Beten. Ein gutes Wort hören. Sich freuen. Dann war es Zeit, Geschichten zu erzählen. Diese Wonne beim Zuhören, dieses Behagen. Die Schatten in der Stube, vor dem Fenster der Schnee.

Allerdings macht das Weltgeschehen keinen Bogen um das Dorf. Die Nazizeit kommt über die einfachen Leute wie ein Unwetter. "Stell dir vor", sagte die Mutter, "jetzt gehören wir den Deutschen".

Die Zeitläufte verändern alles. Der 25-jährigen Mutter fiel der Abschied nicht schwer von dieser dörflichen Welt, in der sie doch so aufgehoben gewesen war. Die Menschen hörten der Reihe nach auf, Bauern zu sein, das Wirtshaus sperrte zu und heute ist das Dorf ein Kleinstädtchen, das öde und grau wirkt. Was man im Abschied auf immer verliert, sieht man erst später im Rückblick.

Die Erinnerung an die alte Welt wird durch das vorliegende schöne Buch wach gehalten.
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5.0 von 5 Sternen Hier fühlt sich einb "Granitschädel" verstanden, 8. Dezember 2013
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Rezension bezieht sich auf: Dieses Buch gehört meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das Heimatgefühle und Erinnerungen an karge Kindheit kochkommen lässt. Ich seh' in den Beschreibungen alles vor mir: vor allem Granit, das die Menschen prägte. Hackl>'s Erzählstil ist genau ... auf den Punkt gebracht
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5.0 von 5 Sternen Ein Blick in ein vergangenes Österreich, 29. November 2013
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Ein schönes Buch, ein karges Buch! Mir hat besonders gefallen wie Hackl mit der Verdichtung der Sprache Sprach- und Sprechlosigkeit darstellt. Die Stille ist beim Lesen hörbar.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liest du Gedichte?, 24. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Dieses Buch gehört meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist unheimlich schnell gelesen und genauso schnell wirkt es.

Als meine Frau mir beim Lesen des Buches über die Schulter schaute, fragte sie: »Liest du jetzt Gedichte?« Nein, es sind keine Gedichte, auch wenn die Textmenge pro Seite oft an Poesie denken lässt. Miniaturen, ganz kleine Songs, keine große Instrumentierung.

Es ist ein - im schönsten Sinne - armes Buch, klar wie ein Gebirgsbach. Intensiv, manchmal traurig, manchmal sogar sprachlos. Natürlich eine Liebeserklärung an die Mutter, eine Liebeserklärung an die alpenländische Heimat. Komplett erst durch das nachgestellte »Glossar für Begriff-Stutzige«. Schön!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hackl sensibel, 9. Dezember 2013
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Erich Hackl hat mit diesem Buch wieder seine hohe Schreibkunst und soziale Kompetenz gezeigt. Mit diesem Buch werden die Freunde von Hackel wieder ein interessantes Buch vorfinden.
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5.0 von 5 Sternen Ein wunderbares Buch über das Leben ohne Wunder, 8. April 2014
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Rezension bezieht sich auf: Dieses Buch gehört meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Auf den ersten Blick mutet das Buch wie ein Lyrikband an: kurze Sätze, eine Seite ergibt eine Geschichte. Diese Prosa hat eine außergewöhnlich schöne und dichte Sprache, die aber so viel Platz für eigene Interpretation lässt, dass die Geschichten zur eigenen Geschichte werden. Ich kann mir vorstellen, dass jeder das Buch ein wenig anders versteht und erlebt, je nachdem wie ihre/seine Vorgeschichte, ihre/seine Jugend und ihr/sein Erleben des Elternhauses aussieht. Mit ein paar dürren Sätzen wird Zeitgeschichte spürbar, ja fast erlebbar. Oft: Ein Satz ein Schicksal.
Man muss sich zum langsam lesen zwingen um voll auskosten zu können. Trotzdem noch als einzige Kritik, dass ein größerer Umfang auch den Genuss größer machen würde.
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5.0 von 5 Sternen Momentaufnahmen über Glück und Unglück am Land vor und rund um die Hitlerzeit, 13. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Dieses Buch gehört meiner Mutter (Gebundene Ausgabe)
Hackl schafft es, Erzähltes so zu verdichten, dass es sich wie ein Gedicht liest und anfühlt und trotzdem höre ich die Erzählerin - seine Mutter - durch. Sachen, die einem beim Lesen das Herz abdrücken, und dann wieder Glücksmomente, wie die Aufzählung der Freuden:
SCHLITTEN fahren.
Die jungen Katzen im Korbwagen spazierenfahren.
Auf dem Jahrmarkt mit dem Ringelspiel fahren.
Ein Rehkitz mit der Flasche aufziehen.
Das Roß striegeln
Der alten Einlegerin die weißen Haare kämmen.
Von der Störschneiderin ein Märchen erzählt bekommen.
Dem Edi beim Faxenmachen zuschauen.
Den Schaum vom Bierglas schlecken.
Auf dem Dachboden alte Bücher finden.
Neben dem Fluder kleine Wasserräder laufenlassen.
Beim Brotbacken helfen.
Aufs Christkind warten.
Ans Christkind glauben (ein Mädchen wie ich, nur blond)
Das Christkind sehen (einen Zipfel seines himmelblauen Nachthemds)
Wenn es regnet, trocken bleiben.
Zum Essen sich Zeit nehmen dürfen.
Früh ins Bett gehen dürfen.
Beten.
Einen Schutzengel haben.
Ein gutes Wort hören.
Sich freuen.

Wer den obigen Text nicht irgendwie schön findet, sollte sich vielleicht das Buch eher nicht kaufen.
Ich hätte das Buch schon allein wegen der Sprache geliebt - aber so vieles, was MEINE Mutter an Schönem und Schwerem aus ihrer Jugend erzählte, wird hier lebendig. Und ohne Zeigefinger doch immer wieder Mahnendes. Die Höchstzahl an Punkten hätte ich auch vergeben, wenn 100 möglich gewesen wären.
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Dieses Buch gehört meiner Mutter
Dieses Buch gehört meiner Mutter von Erich Hackl (Gebundene Ausgabe - 23. Oktober 2013)
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