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56 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein besonderes Buch...
INHALT:
Edward Cohen lebt in Berlin, hat dort eine kleine Boutique und ist unter dem Namen Ed M.C. Total angesagt. Nach dem Tod seiner Großmutter reist er nicht nur zurück in die Wohnung, in der er seine Kindheit verbracht hat, sondern auch zurück in die Vergangenheit. Denn dort findet er ein Buch. Das Vermächtnis seines Großonkels Adam,...
Veröffentlicht am 31. März 2011 von Nanni "fantasie-und-traeum...

versus
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wie man erzählen kann
Eigentlich lautet die Frage ja: Wie kann man erzählen von einem singulären Ereignis, das man nicht erlebt hat und dessen Schrecken so gewaltig sind, daß sie zu beschreiben schlicht banal wirkt und damit oft banalisierend; die Banalisierung hingegen ist die Gefahr schlechthin, daß das Ereignis - es geht um die Shoah - nicht mehr erinnert wird, sondern...
Vor 17 Monaten von Gavin Armour veröffentlicht


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56 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein besonderes Buch..., 31. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
INHALT:
Edward Cohen lebt in Berlin, hat dort eine kleine Boutique und ist unter dem Namen Ed M.C. Total angesagt. Nach dem Tod seiner Großmutter reist er nicht nur zurück in die Wohnung, in der er seine Kindheit verbracht hat, sondern auch zurück in die Vergangenheit. Denn dort findet er ein Buch. Das Vermächtnis seines Großonkels Adam, der darin seine Geschichte in der Zeit des zweiten Weltkriegs aufgezeichnet hat.

ZUR AUTORIN:
Astrid Rosenfeld wurde 1977 in Köln geboren, ging nachdem Abitur zunächst für ein paar Jahre nach Kalifornien, wo sie am Theater arbeitete. Zurück in Deutschland begann sie eine Schauspielausbildung in Berlin. Später arbeitete sie als Cast Directorin, unter anderem bei den Kinofilmen 'Muxmäuschenstill' (2004, Regie: Marcus Mittermaier) und 'Knallhart' (2006, Regie: Detlev Buck).
'Adams Erbe' ist ihr erster Roman.

EIGENE MEINUNG:
Ich habe noch nie einen Debütroman gelesen, der so sprachgewaltig und so gut durchdacht ist, wie 'Adams Erbe'. Sofort erkennt man, dass Astrid Rosenfeld eine ganz große Geschichtenerzählerin ist. Das macht sich nicht nur darin bemerkbar, dass der Haupterzählstrang einfach grandios ist, sondern auch in der Art und Weiße, wie sie ihre Nebenfiguren kreiert hat und in der Geschichte leben lässt. Jede noch so kleine Nebenfiguren, und sei ihr Auftritt noch so kurz, ist nicht nur einfach eine Nebenfigur, sondern wird durch ihre eigene kleine Geschichte zum Leben erweckt. Dies gibt dem Roman eine ganz besondere Art Lebhaftigkeit, die dem Leser die Geschehnisse eindringlicher machen.
Ihre Schreibe ist leicht und schnell zu lesen und trotzdem erlangt sie ein hohes Niveau. Sie verarbeitet eine Ironie, die sehr an die Ironie des Schicksals erinnert, das eine große Rolle in 'Adams Erbe' spielt. Durch diese Eigenheit bringt sie ganz besonders die Unsinnigkeit des Antisemitismus und der Naziherrschaft auf den Punkt. Dieses unsinnige 'den Worten eines Führers' folgen, dessen Hintergründe man zwar nicht versteht, denen man aber dennoch bedingungslos folgt und sei es um Rum und Ehre zu ernten und sich auf den Lorbeeren und dem damit verdienten Geld auszuruhen, zu faul sich eine eigene Meinung zu bilden. Dies stellt sie ganz besonders auf zwei unterschiedliche Arten in den Lebensläufen und Gepflogenheiten von Geigenlehrer Bussler und Adams 'Kamerad' Bubi Giesler dar.
Mit wenig Worten und ohne die Taten, die im zweiten Weltkrieg begangen wurden, beim Namen zu nennen, gelingt es ihr die Grausamkeit dieser Zeit darzustellen und ebenso zu berühren, wie aufzurütteln. Die ganze Szenerie dann auch noch in das Lager der Verantwortlichen zu verlegen, hat mich anfangs etwas skeptisch gemacht, denn es könnte der Verdacht aufkommen, dass die Gräueltaten heruntergespielt werden. Doch obwohl sie eigentlich damit ein bisschen 'drumherum spielt', trifft sie den Nagel so auf den Kopf, dass ich manchmal am liebsten laut geschluchzt hätte.
Es ist aber auch die Geschichte von wahrer Liebe, von Träumen, von Verantwortung und von einer Freundschaften, die, um es mit Eddas Worten zu sagen, gelebt werden 'so gut es halt geht'.
Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und hätte ich mehr Zeit gehabt, dann hätte ich keine zwei Tage benötigt, sondern es in einem in mich eingesogen.

FAZIT:
Mit einem Kloß im Hals blicke ich zurück auf ein Buch, das mir Gänsehaut verursacht hat, wie eine eisige Winternacht. Das mit wenigen Worten, ebenso trüb wie fröhlich, auf dem Herzen des Lesers liegt. Ein Buch für alle, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Toll geschrieben und erzählt ..., 23. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Einmal mehr zeigt sich, warum der Diogenes Verlag etwas Besonderes ist. Es erfordert Vertrauen und ein Auge für Talente, das Erstlingswerk von Astrid Rosenfeld zu verlegen.

In einem Roman mit vielen bunten Charakteren, die allesamt in ihrer eigenen Vergangenheit und zudem in der Zeitgeschichte gefangen sind, verliert Astrid Rosenfeld nie den Faden. Und die Zeit des zweiten Weltkriegs aus jüdischer Sicht, mit trockenem Humor, zu schildern, ist gewagt. Aber das Konzept geht weitestgehend auf.

Astrid Rosenfeld, 1977 geboren, ging nach dem Abitur in die USA, wo sie Erfahrungen am Theater sammelte. Danach begann sie eine Schauspielausbildung in Berlin, die sie aber wieder abbrach. Seither hat sie in diversen Jobs in der Filmbranche gearbeitet. Astrid Rosenfeld lebt heute in Berlin.

Zum Buch:

Der Roman besteht aus drei Teilen. Während im ersten und dritten Teil Edward Cohens Geschichte erzählt wird, bekommt Adam Cohens Geschichte im großen Mittelteil den ihr gebührenden Raum.

Edwards Vater ist unbekannt ("irgendwas Skandinavisches"). Seine Mutter Magda zieht ihn gemeinsam mit den Großeltern auf. Während sein Großvater seltsame Verhaltensweise an den Tag legt, regiert die Großmutter Lara die Familie mit strenger Hand. Edward wird immer wieder auf seine Ähnlichkeit mit Adam hingewiesen. Da wundert es nicht, wenn der neue Freund der Mutter ("der King") zur heroischen Vaterfigur für ihn wird.
Dann bricht Edwards Leben auseinander, als er von seiner großen Liebe verlassen wird. Während dieser Zeit findet er Adams Bericht, der den zweiten Teil des Buches einnimmt.

Jener Adam, der während der Nazi-Herrschaft 1938 einfach mit den Familiendiamanten verschwand. Auch Adams Kindheit ist von skurrilen, aber liebevollen Persönlichkeiten geprägt. Seine Großmutter, Edda Klingmann, nimmt sich seiner an und versucht, ihn das Leben zu lehren. Die Großmutter ist es schließlich auch, die ihm den Weg weist, seiner großen Liebe nachzuspüren.

Astrid Rosenfeld verwebt Schicksale über Generationen hinweg und beleuchtet, ob wir nur das werden, was andere in uns sehen, oder ob wir zu uns selbst finden, wenn andere gerade nicht hinschauen.

Die meist kurzen Textpassagen wirken zum Teil wie Miniaturen und sich oft von leichter Melancholie durchzogen. In einigen Passagen hat mich der Schreib- und Erzählstil an Geschichten von John Irving erinnert. Insgesamt fällt auf, dass der Roman sprachlich hervorragen geschrieben ist und zum Teil märchenhafte Züge hat.
Er ist durchzogen von bunten, schillernden Charakteren, die nicht eindimensional wirken. Viele haben ihre Schwächen und können damit umgehen, ja haben sie zum teil sogar kultiviert.

Am Ende handelt es sich um eine Liebesgeschichte, die in schweren Zeiten spielt und mit erstaunlichem und trockenem Humor geschildert wird.

Ich habe überlegt, ob mich die fehlende Beschreibung z.B. des Warschauer Ghettos gestört hat, oder ob ich mir mehr historische Hintergründe gewünscht hätte. Aber gerade durch die Austauschbarkeit der Orte wurde die Geschichte umso eindringlicher.

Leider war für mich der Bruch in Edwards Leben nicht ganz glaubwürdig, ebenso, wie mir die Verbindung von Edward und Adam arg konstruiert erscheint (abgesehen vom Äußeren und den dominanten Großmüttern).

Meine persönlichen Lieblingsszenen waren jene, in denen Adam mit seiner Großmutter die Bilder der Nazi-Größen an der Wand betrachtet. Aus den Gesichtern heraus versuchen sie, deren Charaktere abzuleiten. Nach und nach entsteht so eine ganze Galerie.

Der Roman hat mir wieder einmal ganz bewusst vor Augen geführt, dass auch große Geschichte durch private Schicksale und Leben geschrieben wird.

Zur Wertung:

Originalität: ****
Charakterzeichnung: *****
Handlung: ****
Sprache: *****
Humor: **
Gesamtwertung: 4,5 / 5
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eine starke Stimme für die Vergangenheit, 25. April 2011
Von 
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
....und was für Eine.Mit sicherem Gespür für Ironie an der rechten Stelle, spielt die Autorin mit Worten, trifft den Leser, rüttelt auf und tut was nötig ist,"erzählt,weil der Gedanke,dass einfach alles verschwinden soll,unertraglich ist".

Noch immer sitze ich ganz von den Eindrücken dieses Buches gefangen, von der Sprachgewalt dieser Autorin faziniert,vor diesem Buch und bewundere mit welcher Unerschrockenheit dieses Debüt geschrieben wurde.Kann man dies nur, weil man diese Zeit nicht erlebt hat(die Autorin wurde 1977 geboren), weil man dadurch eine Distanz zu dieser Zeit hat?Trotz ihres Alters, zeigt die Autorin ein tiefes Gespür für die damalige Zeit, die Schicksale der Menschen, ihren Überlebenswillen und die Kraft der Liebe. Denn diese Liebe läßt "Das Erbe Adams" erst entstehen und den Leser teilhaben an einer tiefbewegenden Geschichte, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet.

Zwei Geschichten werden erzählt, beginnend mit der Gegenwart im Jahr 2000, in der Edward Cohen erwachsen wird.Immer wieder erzählen ihm seine jüdischen Verwandten, dass er seinem Großonkel Adam gleicht."Sieh mal, die gleichen Augen, die gleiche Nase, der gleiche Mund", doch niemals erfährt er mehr über Adam Cohen, den Onkel,der 1938 achtzehn Jahre alt war, so alt wie er heute ist.Bis er eines Tages auf dem Dachboden ein Buch findet "Adams Erbe" und er erfährt, welches Geheimnis seine Verwandschaft ihm verheimlicht hat und er bringt das zu Ende, was seinem Onkel nicht mehr vergönnt war.

Ein kraftvoller Erstling, der Humor und Tragik miteinander verbindet,der den Leser bewegt und noch lange in Erinnerung bleibt. Schönen Dank Astrid Rosenfeld für dieses eindringliche Leseerlebnis.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wie man erzählen kann, 15. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Broschiert)
Eigentlich lautet die Frage ja: Wie kann man erzählen von einem singulären Ereignis, das man nicht erlebt hat und dessen Schrecken so gewaltig sind, daß sie zu beschreiben schlicht banal wirkt und damit oft banalisierend; die Banalisierung hingegen ist die Gefahr schlechthin, daß das Ereignis - es geht um die Shoah - nicht mehr erinnert wird, sondern zur Kulisse verkommt. Ein schmaler Grat. Andererseits: Sollen nur die erzählen dürfen, die es erlebt haben? Und wie erzählt man, der Mensch, eine Gesellschaft denn dann darüber hinaus? Denn auch Nicht-Erzählen trägt zur Mythologisierung bei, was der Erinnerung und vor allem der Mahnung vor Wiederholung ebenfalls nicht dient.

In den vergangenen Jahren fingen viele der Nachgeborenen, der Kidner der Opfer der Shoah an, ihre Geschichten zu erzählen, manchmal sind diese fast ebenso erschütternd, wie die der Opfer selbst: Geschichten über die Sprachlosigkeit der Eltern und die endlosen Schatten, die der Holocaust auch heute noch wirft auf jene, die ihn durchleiden mussten und eben auch jene, die den Schmerz, die Angst, das Grauen der Eltern er- und mittragen mussten.

Es fällt jedoch offenbar schwer, sich dem Thema imaginierend zu nähern. Und wie auch? Wie sollte man sich einem Thema imaginierend nähern, daß in sich so unfassbar ist, daß es sich jeder Vorstellung, Phantasie und Darstellbarkeit entzieht, will der Darstellende nicht den Niederungen des Vergleichs und damit des Kitsches erliegen? Und dennoch werden junge Autoren es weiterhin versuchen (müssen), wir werden den Ergebnissen interessiert und mit der nötigen Distanz und der nötigen Aufmerksamkeit folgen und da unseren Finger in die Wunde legen, wo die Ergebnisse den Anstrengungen nicht gerecht werden.

Astrid Rosenfeld wagt den Versuch, sich in diese Zeit hinein zu imaginieren. In einem Doppeltext erzählt sie von der Verbindung des jungen Edward Cohen, der mit seiner Mutter um die Jahrtausendwende bei deren Eltern lebt, dem jungen Jack in ein ebenso temporeiches wie unstetes Leben folgt und schließlich auf dem Dachboden der großelterlichen Wohnung in Brlin, einem Ort, zu dem er nie oder zumindest nur äußerst selten Zugang hatte, ein Manuskipt findet. Es ist die Geschichte Adam Cohens, eines verschollenen Großonkels, der in der Familie als Paria gilt. Edward ist er vor allem deshalb namentlich geläufig, weil er, Edward, zeitlebens mit diesem Adam im Aussehen verglichen wurde. Als Edward nun das Manusktipt liest, versteht er nach und nach, wie es zu Adams Haltung kommen konnte, warum dieser die Familie bestahl, wie es die Familienlegende wissen will. Denn dieser Adam Cohen war im Jahr 1938 achtzehn Jahre alt und verliebt, wie Edward es ist und für diese Liebe ist Adam bereit, sehr, sehr viel zu tun und zu geben. Letztendlich ist er bereit, alles, wirklich alles, was er hat, für diese Liebe aufzugeben. Das Leben.

Wie will eine junge Autorin - Rosenfeld wurde 1977 geboren - eine Sprache finden, die einer Geschichte um Deportation, das Leben unter den Bedingungen der Verfolgung in Nazideutschland einerseits, jenen des Warschauer Ghettos andererseits, gerecht wird? Das ist die bange Frage, die sich aufdrängt, wenn man die Lektüre dieses Buchs beginnt. Und zunächst scheint es auch zu kommen, wie befürchtet - der Ton der ersten einhundert Seiten ist schnoddrig, in beiläufiger Alltagssprache präsentiert sich uns diese Story um eine etwas apathisch wirkende Mutter, ihren pubertierend überforderten Sohn und einen durchgeknallten Frauenhelden und Elvisimmitator, dem es gelingt, mit allerlei Verrücktheiten die Herzen der beiden zu erobern. Dieser Teil des Werkes erinnert denn auch an eine recht herkömmliche Coming-of-age-Geschichte, im Ton an einen der unzähligen Teenagerromane, in denen ein verrückter Junge seine verrückte Geschichte erzählt. Mit dem zweiten Teil, also dem Herzstück des Romans, Adams Erzählung, ändert sich der Ton allerdings fundamental. Er wird angemessen dessen, was es zu beschreiben gilt. Allerdings greifen hier auch andere Maßstäbe und das Buch muß sich an anderen Parametern messen lassen. Daß Rosenfeld in einem Interview erzählte, sie habe aus Geldmangel den Weg nach Warschau zur Recherche nicht antreten können, ist da in zweierlei Maßen bemerkenswert - zum einen gibt es das Warschauer Ghetto heute schlichtweg nicht mehr, man kann sozusagen "vor Ort" nicht mehr viel recherchieren, außer im Archiv, wie anderswo auch; zum anderen ist es natürlich immer eine Frage, worüber man so schreibt, wenn man schreiben will. Die großen Meister beten es einem ja geradezu vor: Schreibe über das, was du kennst! Wenn man also aus Geldmangel nicht die Gelegeneheit bekommt, die nötige Recherche zu einem Buch anzustellen, vielleicht sollte man dann das Thema zunächst zurückstellen?

Doch diese Angelegenheit einmal außer Acht gelassen, muß man durchaus zugeben, daß es der Autorin gelingt, ein - ob angemessen, sei einmal dahingestellt - Bild des Ghettos zu zeichnen, daß zumindest trifft, und zwar den Leser. In Rosenfelds Text wird weder das Ghetto noch die Bedrohung an sich zur Kulisse, wie es das KZ in John Boynes unsäglichem "Der Junge im gestreiften Pyjama" wird, hier geht es integral darum, wie Menschen nach und nach begreifen, daß man ihnen wirklich und wahrhaftig nach dem Leben trachtet, sie auslöschen will. Dabei findet Rosenfeld schon Bilder, die treffen und nachhängen.

Die Problematik dieses Teils ist dann auch nicht so sehr die Sprache, es ist die Konstruktion der Handlung. Und die erinnert dann eben doch an Boynes Text. Und wird ähnlich wie dort zur Kolportage. Denn Adam muß, um seine nie mehr gesehene Freundin zu retten, sozusagen einen Pakt mit dem Teufel eingehen (der dann - unglücklicherweise - auch noch Jude ist), denn er wird ins Ghetto geschmuggelt, um der Mutter eines jüdischen Schmugglers und Untergrundfürsten zur Seite zu stehen, im Gewgenzug rettet dieser Adams Freundin. Und so gelangt Adam überhaupt erst einmal ins Ghetto hinein. Dieser "Kniff" erinnerte den Rezensenten auf unangenehme Weise an Boynes KZ-Schmonzette. Doch auch zuvor ist die Kosntruktion der Handlung, um selbige überhaupt ins Rollen zu bringen, extrem abhängig von teils Unwahrscheinlichem, teils dem Zufall Geschuldetem. Da gibt es die unerschrockene Oma, die sich von den Nazis keine Angst machen läßt, die Bilder der Parteigrößen sammelt und den jungen Adam lehrt, in den Gesichtern der Menschen zu lesen, da gibt es den Geigenlehrer, dem leider seit WK I neun Finger fehlen, der die Oma verehrt und sich dennoch früh den Nazis anschließt und es schließlich erst in der SS, dann im SD zu einem recht hohen Rang bringt (trotz der fehlenden Finger, was man zumindest staunend zur Kenntnis nimmt), der die Familie warnt, wenn es dicke kommt, der Adam hilft, nach Polen zu gelangen, immer auf der Fährte der verschwundenen Freundin, ihm schließlich eine Anstellung bei Hans Frank, dem Generalgouverneur im Protektorat, besorgt und - natürlich - fürchterlich leidet an dem, dessen er "im Osten", also während des Rußlandfeldzuges, ansichtig wird.

Irrungen und Wirrungen, die es braucht, um eine Handlung dynamisch und - ja, das auch - spannend zu halten. Vielleicht ist es genau das, was das Schreiben über den Holocaust so schiwerig macht: Einerseits will man den Leser irgedwie AUCH unterhalten, was das Thema schlichtweg nicht zuläßt. Und dann scheint es beim Schreiben eben auch nahezu unerträglich zu sein, diese Stories NICHT mit Helden auszustatten, die es den Nazis wenigstens im nachhinein mal so richtig zeigen. Rosenfeld erliegt nicht der Versuchung eines Happy Endings, das nicht, keineswegs. Sie weiß um das Grauen und darum, daß dem auch mit aller Hilfe und Freundlichkeit Dritter meist nicht zu entkommen war. Aber ihre Geschichte über den Jungen, der aus Liebe anstelle seiner Angebeteten in den Untergang geht, weist schon ein gewisses Maß dieses Treibstoffs auf.

Das liest sich alles recht flott, das ist auf den ersten einhundert Seiten unterhaltsam, dann tragisch und wird in einem kurzen dritten Teil, fast einer Art Epilog, zusammengeführt und so zur Auflösung gebracht. Es ist ein Versuch, sich des Themas als Nachgeborener anzunehmen. Teils einleuchtend, teils weniger einleuchtend - so fragt man sich schon, ob die Autorin relativ uninspiriert zwei Themen zusammengepackt hat, die eigentlich unterschiedliche Bücher ergeben und auch jeweils ein eigenes Werk wert gewesen wären, was den Themen auch angemessener erscheint - gilt es zu konstatieren, daß hier sicherlich einer der besseren Versuche vorliegt. Es wird zu beobachten sein, wie sich diese Art der Literatur in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Gute drei Sterne hierfür.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe im Krieg, 18. März 2011
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Heute würde man die Familie von Edward als dysfunktional bezeichnen. Der Vater ist nicht vorhanden, die Mutter ist unkonzentriert und nicht durchsetzungsfähig, der Großvater schließt sich auf dem Dachboden ein und lediglich die Großmutter hält den Laden am Laufen.
Kein Wunder, dass Edward nicht viel mit sich anzufangen weiß. Er geht nicht zur Schule, hat keine Freunde, lebt einfach so in den Tag hinein.
Adams Mutter hat wechselnde Männerbekanntschaften, zuletzt Jack, der wie Elvis Presley aussieht und ein ganz besonderer Mensch ist. Leider ist er aber auch ein Träumer, der mit geregelter Arbeit nicht klar kommt und daher dauernd in Geldnot ist. Deshalb müssen die drei auch immer wieder umziehen, wobei die Unterkünfte immer schlechter und verkommener werden. Erst nach Jacks Tod kehren Edward und seine Mutter wieder in das Elternhaus zurück.
Dort findet Edward auf dem Dachboden Briefe. Briefe, die sein Großonkel Adam geschrieben hat, dem Edward wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sein soll. Edward vertieft sich in die Briefe und somit in das Leben Adams, der in den dreißiger Jahren in Berlin aufwächst.
Der junge Adam verliebt sich in Anna, die aber nach der nationalsozialistischen Machtübernahme plötzlich spurlos verschwindet. Adam versucht, sie zu finden, und dafür nimmt er einiges auf sich. Er reist mit gefälschten Papieren nach Polen, obwohl er mit seiner Familie nach England hätte auswandern können. Er arbeitet in der Villa eines SS-Offiziers, dauernd von Entdeckung bedroht. Schließlich lässt er sich sogar ins Warschauer Ghetto einschleusen, um Anna zu retten. Werden sie wieder zusammen kommen?
Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen. Es ist komisch, es ist tragisch, es bringt einen zum Lachen, es bringt einen zum Weinen, es ist schön, es ist schrecklich, es unterhält und es regt zum Nachdenken an. Liebe in den Zeiten von Krieg und Verfolgung, Verlust, Trauer, Opferbereitschaft, all diese schweren Themen werden mit einer unglaublichen Leichtigkeit behandelt, ohne kitschig zu werden.
Durch den flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch sehr gut lesen, dafür aber nicht aus der Hand legen. Astrid Rosenfeld beschreibt ihre Charaktere liebevoll, trotz all ihrer Schwächen.
Kaum zu glauben, dass es sich bei diesem Buch um ein Erstlingswerk handelt. Wir dürfen gespannt sein, was diese sympathische Autorin noch alles für uns bereit hält.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen großartig, 19. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Der Stil und die Beschreibung sind einmalig. Dieses Buch ist äusserst empfehlenswert fuer Leser, die gute Literatur zu schätzen wissen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der besten deutschen Bücher der letzten Jahre!, 15. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
"Adams Erbe" ist das Debüt von Astrid Rosenfeld und zugleich ein Meisterwerk, und mehr noch: etwas ganz Besonderes. Das Buch handelt von der Familiengeschichte der Cohens, speziell von Adam Cohen, der während des zweiten Weltkriegs lebte, und dem ihm wie aus dem Gesicht geschnittenen Großneffen Edward Cohen, der zwei Generationen später zur Welt kam.
Der Roman sprüht dabei nur so vor großartigen Ideen und Charakteren. Selbst die kleinste Nebenfigur bekam eine Seele eingehaucht und ist überaus lebendig. Ein Geniestreich. Zudem vermag das Buch einen erst zu amüsieren, ehe es einen tief berührt.
"Adams Erbe" gelingt es, den Nationalsozialismus von einer ganz eigenen Perspektive zu beleuchten und Dinge greifbar zu machen, die eigentlich kaum greifbar sind. Das Buch strotz dabei jedoch vor Witz und Klugheit und vermag die schwere Thematik überaus leicht zu behandeln, was eine weitere Glanzleistung der Autorin ist. Umso tiefer wird man dadurch in die Geschichte hineingezogen, im doppelten Sinn, und kommt erst am Ende wieder zu sich. Tief bewegt und mit der Gewissheit, ein verdammt gutes Buch gelesen zu haben.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Familiengeschichte, bewegend erzählt, 21. Februar 2011
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Edward Cohen ist der Besitzer einer angesagten Modeboutique in Berlin. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, seine Zeugung war eher der enthemmenden Wirkung von zwei Flaschen Wodka zuzuschreiben. Trotzdem war er für seine Mutter Magda ein Wunschkind. In seiner Kindheit musste sich Edward jedoch bei jeder Gelegenheit anhören, dass er seinem Großonkel Adam gleicht, der das schwarze Schaf in der Familie war.

Nach Abitur und Zivildienst beginnt Edward in Köln zwar ein BWL-Studium, aber im Hörsaal trifft man ihn recht selten an. Also eröffnet er in Berlin sein erstes Geschäft mit Gothic-Klamotten und Jeanskollektionen. Als er die junge Engländerin Amy kennenlernt, zerbricht sein Berliner Leben in tausend Stücke. Da entdeckt er auf dem Dachboden ein Stapel Papier, eingewickelt in braunes Packpapier: das Vermächtnis seines Großonkels Adam.

Es ist Adams Lebensgeschichte, aufgeschrieben für Anna, die große Liebe seines Lebens. Die Aufzeichnungen führen zurück ins Jahr 1938. Adam Cohen war als jüdischer Junge in München aufgewachsen. Seine exentrische Großmutter Edda war die bestimmende Person in seiner Kindheit, sie hatte ihrem Enkel alle wichtigen Dinge des Lebens beigebracht.

Dann kam das Jahr 1938, in dem der 18jährige Adam nicht nur Anna zum ersten Mal begegnete, es war auch das Jahr, das für die jüdische Bevölkerung immer größere Einschränkungen in ihrem Alltag brachte. Während die Familie Cohen insgeheim ihre Emigration nach England vorbereitete, verschwand Anna in der Nacht des 9. November 1938 spurlos. Doch Adam träumt beharrlich von einem Ort, an dem sie sich irgendwann einander wiedersehen werden. Doch wo ist dieser Ort und wo soll Adam seine Anna suchen?

Sechzig Jahre später liest der junge Edward diesen erschütternden Bericht, erfährt, wie weit Adam damals auf seiner Suche nach Anna gegangen war. So macht sich Edward selbst auf die Suche nach Anna. Und am Ende sind Adams und Edwards Geschichten ineinander verschlungen.

"Adams Erbe" ist das literarische Debüt der jungen Autorin Astrid Rosenfeld, die bisher als Casterin in der Filmbranche tätig war. In ihrem Roman erzählt sie mit Leichtigkeit und Humor von zwei Lebensschicksalen, die zwar in der Vergangenheit bzw. in der Gegenwart angesiedelt sind, die sich aber auf geheimnisvolle Weise durchdringen.

Manfred Orlick
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührend, 7. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Es ist eine berührende Geschichte, eine bewegende, eine, die hoffen lässt, dass die Autorin bald ein weiteres Buch veröffentlicht. Mein erster Gedanke nach diesem Buch:"Verdammt, welches Buch soll ich nun lesen, das hier mithalten kann?" Danke, Frau Rosenfeld, für diese Geschichte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterm Dach der Seeligen, 28. August 2011
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Was steckt hinter dem großen Geheimnis um Adam, Großvaters Bruder? Er ist ein stummer, aber ständiger Begleiter im Leben der Cohens. Kein Wunder, ist ihm Edward auch wie aus dem Gesicht gerissen.

Admas Erbe erzählt die Geschichte zweier junger Männer, die in Berlin in sehr unterschiedlichen Zeiten heranwachsen und sich schließlich verlieben - auch wenn ihnen das zum Verhängnis wird. Dennoch sind die Parallelen der beiden nicht nur ins Angesicht gezeichnet, sondern wurzeln noch tiefer und finden ihre Basis in der Stärke der Großmütter.

Die Cohens sind eine wohlhabende, jüdische Familie, reich an Bildung, Charme, Witz und Verve! Doch dem Nationalsozialismus entkommen ihrer nur wenige - die pragmatische, dominante Lara Cohen, die schon damals wusste, dass es mit Adam kein gutes Ende nehmen würde und ihr Ehemann und Bruder Adams, Moses. Die Mütter beider Familien sind sehr anpassungsfähige Frauen, die sich und ihre Leben zur Gänze in einer Liebe verlieren, deren Unglück vorprogrammiert ist. Die Väter? Tot oder nicht vorhanden.

So wie die Großmütter der Cohens überrascht der Roman von der ersten Seite an durch eine besonders kurzeilige und schneidige Note und überzeugt mich durch überaus trockenen Humor. Hauptdarsteller aber vor allem die Nebenfiguren bestechen durch persönliche, charakterliche Akzente! Perfektes "casting".

... darum glaubt man es kaum, als in der Mitte des Romans, die Generäle und Offiziere der NSDAP nicht mehr nur verlustig, als Abziehbilder aus Großmutters Zigarettenpackungen von der Wand des Cohen'schen Dachbodens starren, sondern wahrhaftig eine Rolle im verschwindenden Leben der Cohens einnehmen. Denn dann folgen wir Adams langer Suche nach dem Glück - der traurigen Geschichte der Cohens!

"Liebe Anna,
meine Mutter hat immer gesagt, dass es noch ein schlimmes Ende mit mir nehmen wird, und Edda Klingmann hat immer behauptet, dass Adam einmal Großes vollbringen wird.
Irgendwie haben die beide Recht.
Anna, ich hoffe, dass dieses Buch dich eines Tages finden wird. Mich und viele andere wird es dann nur noch auf diesen Seiten geben. Hör dir meine Geschichte an, die auch ein Teil deiner Geschichte ist." S125
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Adams Erbe
Adams Erbe von Astrid Rosenfeld (Gebundene Ausgabe - 22. Februar 2011)
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