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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ehrenwort: Ein gelungenes Buch
Willy Knobel störrischer und bärbeißiger Endachziger wohnt nach dem Tod seiner Frau alleine in einem großen Haus an der Bergstraße. Der körperliche Verfall scheint kaum mehr aufzuhalten, er wird starrsinnig und vergesslich. Die Körperpflege scheint er weitgehend einzustellen. Sein Sohn Harald kümmert das Schicksal des Alten...
Veröffentlicht am 14. Juli 2011 von Swen Piper

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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ehre das Alter, aber ...
Nach dem Krankenhaus hat der Vater wohl nicht mehr lange zu leben, sagen die Ärzte. Da kann man ihn ruhig zu Hause aufnehmen, schließlich wird man den Alten auch beerben, findet die Schwiegertochter.

Doch dann derappelt sich der Alte unerwartet wieder, Sohn und Schwiegertochter sind entsetzt und genervt und sinnen auf Abhilfe. EIn Sturz? Das...
Veröffentlicht am 27. Oktober 2010 von H. P. Roentgen


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ehrenwort: Ein gelungenes Buch, 14. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Willy Knobel störrischer und bärbeißiger Endachziger wohnt nach dem Tod seiner Frau alleine in einem großen Haus an der Bergstraße. Der körperliche Verfall scheint kaum mehr aufzuhalten, er wird starrsinnig und vergesslich. Die Körperpflege scheint er weitgehend einzustellen. Sein Sohn Harald kümmert das Schicksal des Alten wenig, er hat sich schon vor Jahrzehnten mit seinem ehemals herrschsüchtigen Vater überworfen und wartet sehnsüchtig auf das Erbe. Nur Enkel Max und Schwiegertochter Petra, wenn auch nicht frei von Selbstsucht, kümmern sich um ihn. Als Willy Knobel sich eine Schenkelhalsfraktur zuzieht scheint sein Ende nahe. Seine letzten Tage soll der Alte im Schoß seiner Erben, die sich bereits die Hände reiben, verbringen; doch diese haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ingrid Noll ist eine herrlich böse, fast britisch anmutende Kriminalkomödie gelungen, die sie flott, leicht lesbar mit viel Humor und Spannung zu erzählen weiß.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ehre das Alter, aber ..., 27. Oktober 2010
Von 
H. P. Roentgen - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Nach dem Krankenhaus hat der Vater wohl nicht mehr lange zu leben, sagen die Ärzte. Da kann man ihn ruhig zu Hause aufnehmen, schließlich wird man den Alten auch beerben, findet die Schwiegertochter.

Doch dann derappelt sich der Alte unerwartet wieder, Sohn und Schwiegertochter sind entsetzt und genervt und sinnen auf Abhilfe. EIn Sturz? Das müsste sich doch arrangieren lassen?

Richtig böse beginnt Ingrid Nolls neuer Roman, zeigt, was alles schieflaufen kann und wie schnell dann mörderische Gedanken sprießen können.

Doch leider hält die Autorin das Tempo nicht durch, bald verflacht die Geschichte, verliert Spannung und auch zwei schnell eingeführte Kleinkriminelle können das nicht retten.

Schade. Denn Ingrid Noll ist die Meisterin der bösen Geschichten und hat sonst einen scharfen Blick auf menschliche Abgründe und wie diese übertüncht werden. Doch hier gelingt ihr das nur im ersten Teil.

Hans Peter Roentgen
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ahnlvertilgen, 6. Februar 2011
Von 
Dr. Peter Joham "pjoham" (Klagenfurt, Kärnten) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Der 90-jährige Opa bringt den Haushalt des längst erbschaftsbereiten Sohnes samt Schwiegertochter Petra und Enkel Max gehörig durcheinander, denn der bettlägerige Alte will einfach nicht abtreten. Kein Wunder also, wenn sich Gefühle aufstauen, den unerwünschten Zustand alsbald einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden Ende zuzuführen, denen Ingrid Noll - wie immer - frivole Nahrung verleiht. Wie immer geht, wenn keine Profis sondern Dilettanten am Werk sind, einiges schief. Die Autorin läßt natürlich kein Klischee aus und gelegentlich kalauert sie einfach dahin. Aber gut, so sind gutbürgerliche Familien eben, ein körperlich und beziehungsmäßig abgearbeitetes Ehepaar mit lesbischer Tochter, ein bißchen Fremdgehen und Max, ein etwas schwindliger Sohn, der sich mit dem Opa aber wirklich gut versteht.
Flott lesbare Urlaubslektüre, nicht gänzlich ohne Tiefgang, die sich nicht unrealistisch und kurzweilig um bürgerliche Fragen von Erben und Sterben dreht. Nicht das beste von Ingrid Noll, aber doch auch ein Kaleidoskop über die Befindlichkeiten deutschen Kleinbürgertums.
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23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Anleitung zur häuslichen Pflege. Oder doch?, 14. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Ich mag dieses Buch sehr. Die negativen Kritiken kann ich in keinem Punkt teilen, aber das besagt ja nicht viel. Ich kann nur sagen, ich habe mich lange nicht so gut, köstlich und niveauvoll (!!!) unterhalten gefühlt wie mit diesem Buch. Man merkt, dass die Autorin weiß, mit welchen Schwierigkeiten man zu kämpfen hat, wenn man einen pflegebedürftigen Angehörigen zuhause zu versorgen hat. Und sie verpackt dieses sehr ernste Thema in urkomische, groteske Gedankenspiele und reale Handlungen von Menschen, die sich selbst nicht wieder erkennen. Szenen bleiben nach dem Lesen im Gedächtnis, Bilder im Kopf. Auf ihr Wohl, liebe Frau Noll, aber lieber keinen Cognac..........
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn der Enkel mit dem Opa, 20. August 2010
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch habe ich in einer Nacht verschlungen. Der Autorin ist mit "Ehrenwort" ein Buch gelungen, von dem man nicht mehr lassen kann. Eingentlich ist es die traurige Geschichte eines 90 - jährigen Mannes. Der weisen Autorin allerdings ist es gelungen diese Geschichte humorvoll und zugleich nachdenklich machend, aufzuschreiben.

Willy Knobel lebte bis zu seinem 89. Lebensjahr allein in seiner Wohung. Aber dann war der Witwer in seiner Küche ausgerutscht und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Schon nach wenigen Tagen ist klar, der Mann hat nur noch wenige Tage zu leben.

Sein 20 - jähriger Enkel Max beschließt ihn in die elterliche Wohnung zum Sterben zu holen. Aber Willy Knobel macht allen einen Strich durch die Rechnung. Max gelingt es seinem Großvater mit Pudding wieder Lebensgeister einzuhauchen. Indess planen Willys Sohn und dessen Frau Mordpläne. Sie wollen den Alten möglichst schnell los werden.

Bei einem Mordversuch stirbt nicht Willy, sondern eine Schwester des täglich zu Willy kommenden Pflegedienstes. Dennoch ist dieses bewegende Buch kein Krimi, eher eine Bestandsaufnahme aus einem Mehrgenerationenhaus.

Das Zusammenleben, das Aufeinandereinstellen ist schwer. Dazu kommen die Heimlichkeiten von Max und seiner Freundin. Und doch gibt Max für mich hier die beste Figur ab. Ohne ihn wäre der Großvater längst tot.

Max ist der einzige wirkliche Gesprächspartner für seinen Opa. Er erzählt ihm auch, was sich bisher niemand traute, dass seine Schwester lesbisch ist und inzwischen in Berlin wohnt. Inzwischen geht es Willy Knobel sogar wieder so gut, dass er mit seinem Enkel einen Doppelgeburtstag plant. Beide zusammen werden 111 Jahre alt. Sie meinen diese Schnapszahl müsse begossen werden und genehmigen sich hin und wieder mal ein Schnäpschen.

Dieses Buch lässt den Leser nicht so schnell wieder los. Es ist erstaunlich wie leicht es sich bei der Vielzahl der Probleme lesen lies und es wirft Fragen auf: Wer wird sich um mich kümmern wenn ich mal 90 bin? Wie sieht mein Eheleben aus? Habe ich noch Ziele?
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ehrenwort, 28. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Broschiert)
Bei Opa Willy macht sich langsam das Alter bemerkbar. So muss er nach einem Unfall bei seinem Sohn Harald einziehen. Harald und seine Frau Petra wollen den Alten am liebsten unter der Erde sehen und malen sich schon die rosige Zukunft inklusive Erbe aus. Aber Enkel Max kümmert sich so gut um ihn, dass das Lebensende wieder in weite Ferne rückt. Harald und Petra haben sich das ganz anders vorgestellt und versuchen, Willys Ableben ein bisschen nachzuhelfen. Wie bei Ingrid Noll zu erwarten, ist der Weg dahin mit einigen Leichen gepflastert.

Wieder hat Ingrid Noll es geschafft, dass ich ihr Buch sehr schnell verschlungen habe. Die skurrilen Figuren wirken wie aus dem alltäglichen Leben und trotz viel Humor bleibt diese Geschichte doch irgendwie spannend. Besonders der schrullige Opa mit seinen Lateinzitaten und den unberechenbaren Handlungen macht dieses Buch lesenswert. Im Vergleich zu früheren Werken erscheint mir dieser Roman jedoch etwas schwächer, weshalb ich mich für 4 Sterne entschieden habe.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das können Sie besser, 10. September 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
EIn typisches Ingrid Noll Buch. Die Frau kann mich zum Lachen bringen und das oft. Einerseits holpert das Manches so dahin, das man sich denkt: Huch, wie ging das denn nun? Andererseits wird Tempo gemacht, so daß man kaum mehr mitkommt mit dem Seiten umblättern. Da hätte sie mehr draus machen können. Oder besser weniger reinpacken sollen. Die Charaktere sind gut gezeichnet, wenn auch nicht ganz ausgereift finde ich. Ich persönlich liebe es, wenn die Leute sterben wie die Fliegen und die Täter mit ihrem Dilettantismus dann auch noch durchkommen. Altbewährtes Strickmuster bei Frau Noll und immer wieder gut. Der Schluß kam dann so abrupt.. ich war enttäuscht.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein echt gemeines Lesevergnügen, 22. Februar 2011
Von 
R.E.R. "R.E.R." - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Willi Knobel kommt nach einem Oberschenkelbruch ins Krankenhaus. Zunächst erholt sich der neunzigjährige gut, dann aber verschlechtert sich sein Zustand. Schwiegertochter Petra und Enkel Max beschließen den Sterbenden für die letzten Wochen bei sich aufzunehmen. Nur Harald will seinen verhassten Vater nicht im Haus haben. "Es wird ja nicht mehr lange dauern. Und gegen eine baldige Erbschaft hast du bestimmt nichts einzuwenden." Mit diesen Worten beendet seine Frau die Diskussion. Durch die liebevolle Pflege seines Enkelsohnes erholt sich der Alte jedoch. Und bald denkt nicht nur Harald darüber nach, wie man den immer rüstiger werdenden Rentner unauffällig loswerden könnte.

Ingrid Nolls "Ehrenwort" habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Und mich dabei prächtig amüsiert. Der Roman ist ein Feuerwerk bitterbösen schwarzen Humors. Spritzig und flott formuliert, kurzweilig und in seinen kuriosen Wendungen überraschend. Das er neben der reinen Unterhaltung auch Stoff zum Grübeln bietet, liegt daran dass Noll zu Papier bringt, was andere nicht einmal zu denken wagen.

In der Familie Knobel haben alle etwas zu verbergen. Es bleibt nicht ohne Folgen, dass Max von dem Kleinkriminellen Falko erpresst wird, sich in dessen Ex-Freundin Jenny verliebt, welche dann ausgerechnet als Pflegerin die Betreuung des Großvaters übernimmt. Auch Harald kann kaum mit der Wahrheit ans Licht, welcher Zusammenhang wirklich hinter dem Unfalltod der zweiten Pflegekraft Kriemhild und seinem missglücktem Selbstmordversuch besteht. Und Petras Nerven halten dem Druck einen Liebhaber verheimlichen und anonyme Drohanrufe abwehren zu müssen auch nicht stand. Kein Wunder wenn einem im Zustand nervös überreizter Nerven das Eisenrohr "ausrutscht".

Unbeschadet geht aus diesen Verwicklungen einzig der Großvater hervor, der sich ungeachtet des um ihn herum herrschenden Chaos glänzend erholt und mit seinen Marotten die ohnehin geplagten Familienmitglieder zum Wahnsinn treibt. Wie bei Noll gewohnt gibt es wieder eine Menge ungeplante Leichen, die zum Teil höchst kompliziert entsorgt werden müssen. Deren man sich teilweise aber auch sehr bequem und vor allem unerkannt entledigen kann.

Trotz ihres makaberen Inhaltes stößt einem die Geschichte nicht vor den Kopf. Der Ausgleich gelingt Noll durch die warmherzige Beschreibung der Beziehung zwischen Großvater und Enkel. Sie zeigt das die Pflege eines alten und kranken Menschen nicht nur Last und Pflicht ist, sondern die Möglichkeit einer engeren Bindung einschließt. Und das man Respekt vor dem Leben haben sollte: in jedem Alter!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine aufrüttelnde Geschichte über die Unvermeidbarkeit des Alters, 27. Dezember 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Die Spezialität von Ingrid Noll sind rabenschwarze Kriminalromane, die hinter der bürgerlichen Wohlanständigkeit versteckt die Untiefen menschlichen Zusammenlebens ausloten. So auch in ihrem neuesten Werk Ehrenwort", in dem sie eine bitterböse Farce veranstaltet.

Sehr zum Leidwesen ihrer alten und jungen Romanfiguren und sehr zur Freude der Leser. Letztere nämlich kommen in dem beim Diogenes Verlag erschienenen Roman voll auf ihre Kosten, wenn sie in die abgründigen Einzelheiten der Familiengeschichte der Knobels hineinblicken dürfen.

Als Harald und Petra den 90jährigen Willy Knobel nach einem schweren Sturz zur Pflege in ihr Haus aufnehmen, scheinen dem alten Herren, Haralds Vater, nur noch wenige Wochen beschieden. Da aber bei

Ingrid Noll nie etwas kommt, wie es eigentlich kommen sollte, schreitet die Genesung des Seniors erstaunlicherweise gut voran. Welche Rolle dabei Max, der Sohn der Eheleute, spielt, warum er Willys Pflegerin Jenny verfällt und wieso diese ein dunkles Geheimnis hat, mag hier noch nicht verraten werden. Ingrid Noll aber verrät im Laufe der Geschichte alles, stellt Vermutungen auf den Kopf, bringt Unglaubliches an das Tageslicht und seziert das Familienchaos bei den Knobels auf das Genüßlichste.

Ein neues Bravourstück der First Lady des schwarzen deutschen Kriminalromans.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mörderische Altenpflege, 29. November 2010
Von 
Giuseppe Gerhards - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ehrenwort (Gebundene Ausgabe)
Es ist so ähnlich wie bei alten Weinen; je länger sie gelagert werden, umso wertvoller werden sie, umso besser schmecken sie. Ingrid Noll gehört auch zu dieser ganz besonderen Spezies der altehrwürdigen Senkrechtstarter. Weiß noch jemand, dass Loriot mit 65 Jahren seinen ersten Film überhaupt drehte? Und dass Ingrid Noll, die im beschaulichen Weinheim an der Bergstraße ihr Leben lang die solide und pflichtbewusste Ehefrau und Mutter gab, vor 20 Jahren im Alter von 55 als Schriftstellerin debütierte? Wahrscheinlich geht es den meisten so wie mir: Ingrid Noll, die mittlerweile erfolgreichste deutsche Kriminalautorin, ist scheinbar schon immer mit von der Partie.

Dabei verlief ihr Leben ganz anders: Jahrzehntelange Hilfsarbeit in der Arztpraxis des Gatten, Aufzucht dreier mittlerweile erwachsener Kinder und nur im Kopf Geschichten und im Herz die Liebe für die Sprache und das geschwungene Wort. Dann also der Durchbruch: Die Kinder waren weg, die schriftstellerische Leidenschaft konnte endlich in vollen Zügen ausgeschöpft werden ' und wie! Renommierte Preise, Verfilmungen, Übersetzungen in 26 Sprachen: zwölf Bücher sind es inzwischen und ein jedes hat den Hang zum Klassiker, die Fähigkeit schnell und unmissverständlich in den Bann zu ziehen, so auch der neueste Streich mit dem Titel 'Ehrenwort'.

Doch diese Fähigkeit zur Fesselung des Lesers ist nicht wie bei den meisten anderen Kriminalgeschichten auf eine düstere Thematik begründet, die dem bürgerlichen Anstandsmenschen die verbotene, verbrecherische Handlung, der er sich nur in der Illusion nähern darf, anbietet. Nein, bei Noll, regiert das Subtile, werden der Strafvollzug, die Gerichtsbarkeit sowie die Disziplinarorganisation per se, die Polizei, in den Hintergrund gerückt ' das Sozialdrama, meist mit einer gehörigen Prise Humor und menschlicher Abgrundtiefe, regieren uneingeschränkt. Auch hier findet sich der Leser wieder ' nur direkter, ehrlicher, aber nicht minder genussvoll in der eigenen Grenzüberschreitung, die er vielleicht selbst begeht.

In Ehrenwort wird die Alterspflege zum Thema und recht schnell merkt jeder, wie Noll übrigens auch, die ihre über hundertjährige Mutter vier Jahre lang pflegte, dass es sich hierbei um ein ganz normales Thema der modernen Hedonismusgenerationen handelt. Opa Willy stürzt mit 90 Jahren, muss das erste Mal aus seinen eigenen Wänden ausziehen und, so bescheinigen die Ärzte, wird nie mehr zurückkehren können, höchstwahrscheinlich in wenigen Wochen sterben. Dumm nur, dass dessen Enkel Max eine Vanillepuddingkur für den Opa parat hält, die seine Lebensgeister wieder zum Leben bringt und noch dümmer, dass Sohn Harald und Schwiegertochter Petra den Ärmsten freiwillig und doch ungern in die eigenen vier Wände aufnehmen. Die Pflege beginnt, das Erbe wird anvisiert und der Mord von den beiden hinterhältig geplant.

So kommt es denn dann auch zur Bluttat, allerdings ist nicht der Opa das Opfer, sondern eine dritte Person. Mehrere dieser erst einmal nicht direkt zur Familie gehörenden Persönlichkeiten machen mit ihrer Kleinkriminalität (Schutzerpressung, Wirtschaftslobbyismus) die ganze Geschichte zu einer typischen Melange, wie sie in jeder deutschen Familie vorkommen könnte und wahrscheinlich in jeder dritten auch vorkommt. Wer sich also selbst bei seinen Rachemotiven und unehrlichen Trickserien sowie seiner egoistischer Wichtigkeit ertappen möchte, sollte diese bitterböse, anrührende und mal wieder rundum gelungene Lektüre wählen, die eines beständig klarmacht: Je älter desto besser - dies gilt zumindest für Schriftstellerinnen wie Ingrid Noll.
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Ehrenwort
Ehrenwort von Ingrid Noll (Gebundene Ausgabe - 24. August 2010)
Gebraucht & neu ab: EUR 1,03
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