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4,1 von 5 Sternen
Sommerlügen
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80 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. August 2010
Dieser neue Band mit Erzählungen des in Bielefeld geborenen, in Berlin und New York lebenden und arbeitenden Juristen und Schriftstellers Bernhard Schlink ist ein wahrer Lesegenuss. Hat man das Buch mit insgesamt sieben Geschichten über verschiedene Lebenslügen von Menschen zur Hand genommen, legt man es nicht mehr aus der Hand, obwohl die Erzählungen keinen inneren Faden haben, und jede einzelne für sich steht.

Und doch gibt es außer den Lebens- und Liebeslügen von Frauen und Männern Gemeinsamkeiten. Immer wieder sind die Protagonisten entweder Juristen, Schriftsteller oder Philosophen. Manche verschlägt der Beruf (so wie Schlink selbst) immer wieder nach New York, sie besitzen Sommerhäuser, kennen keine materiellen Sorgen und sind alle hoch gebildet.

Das alles aber bewahrt die handelnden Personen, von denen man einige beim Lesen regelrecht lieb gewinnt, nicht davor, manchmal knapp, aber doch immer treffsicher am eigentlichen Leben, vor allen Dingen am Zusammenleben mit ihrem jeweiligen Partner, vorbeizugehen. Alt geworden, oft am Rande des Todes stehend, reflektieren sie ihr Leben, und ihre Lebenslügen, und meistens ist es längst zu spät für einen neuen Anfang, den sie nichtsdestotrotz in den meisten der sieben Geschichten probieren, verzweifelt, doch ohne rechte Einsicht in ihre bisherigen Fehler und Masken.

Das Buch beginnt mit einer Erzählung mit dem Titel "Nachsaison". Ein in eher bescheidenen Verhältnissen lebender Flötist begegnet bei seinem Rehabilitationsaufenthalt auf dem Cape Cod einer reichen Millionärserbin. Sie verlieben sich, wollen zusammenbleiben, doch sie verlangt von ihm, dass er sich voll und ganz auf ihr Leben einlässt. Sein eigenes hat er in den wichtigsten Elementen vor der Frau verschwiegen, eine "Sommerlüge". Wie bei allen anderen Geschichten bleibt es hier der Phantasie des Lesers überlassen, über den Schluss und den Ausgang der Erzählung nachzudenken.

In der Erzählung "Nacht in Baden-Baden" wird von dem Theaterschriftsteller erzählt, der die Aufführung eines Stückes von ihm in Baden-Baden und die Nacht danach im Hotel nicht mit seiner feministischen Freundin verbringt, sondern mit einer anderen Frau, Therese, die er schon lange kennt, mit der er aber nicht schläft. Beide Frauen wissen voneinander, aber der Schriftsteller hat beiden Wesentliches über die jeweils andere über lange Jahre vorenthalten. Die feministische Juristin, die überall auf der Welt von Lehraufträgen lebt, forscht nach und kommt ihm auf die Schliche. Und die nächste "Sommerlüge" wird aufgedeckt, wieder mit offenem Ausgang.

Dennoch hat man beim Lesen und am Ende auch der anderen, fast alle auf gleichem literarischem Niveau stehenden Erzählungen das Gefühl: Die jeweiligen Lügen haben Leben zerstört. Wer möchte, kann die Lektüre des Buches zum Anlass nehmen, seinen eigenen Lebenslügen einmal auf die Spur zu kommen, vielleicht bevor es zu spät ist.
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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eine Buchhändlerin hat mir die Sommerlügen wärmstens mit dem HInweis empfohlen, dieses Büchlein habe sie tief berührt. Ich war äußerst skeptisch - bin ich doch keine Liebhaberin von Erzählungen und hatte ich doch noch nichts von Schlink gelesen. Aber der Tipp hat mich überzeugt: Im Niemandsland zwischen Alltäglichem und Besonderem lässt der Autor seine Protagonisten in bestürzender Sachlichkeit Lebens- und Liebeslügen entlarven, läßt sie fragen, suchen, zweifeln, hoffen, umentscheiden, auch scheitern. Jede Geschichte lädt ein zum Weiterdenken, ohne Lösungen anzubieten, sofern es denn welche geben könnte. Schlinks Sprache ist klar und frei von Schnörkeln. Klischees, Überzeichnungen, Belehrungen bleiben dem Leser erspart. Nicht erspart bleibt ihm das siebenfache Nachdenken über seine eigenen Versäumnisse. Sommerlügen - ein schöner Titel. Liebeslügen hätte mir noch besser gefallen.
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56 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Autor kann so schreiben, als hätte er alles was er beschreibt auch selbst erlebt. In "Nachsaison" erleben der deutsche Orchestermusiker Richard und die reiche amerikanische Susan in Amerika eine herrliche Liebe im Regen der "Nachsaison".

Diese Liebe hält nur wenige Tage am Ferienort. Sie ist intensiv und beide planen für ihre gemeinsame Zukunft so viel, aber bei ihrer Verabschiedung wissen beide bereits, dass es nur eine Sommerlüge war. Die Geschichte lässt es offen, aber ich vermute, beide sahen sich nie wieder.

In "Der letzte Sommer" hoffe ich sehr für den Autor, dass er möglichst wenig autobiografisches in seine Geschichte geschrieben hat. Ein Mann im Rentenalter, der sein Leben lang Bücher schrieb und auch an der Universität lehrte, hat Krebs. Einen Sommer lang wollte er mit seiner Frau, den Kindern und Enkeln verleben und dann wollte er sich langsam mithilfe eines tödlichen Coctails davon machen.

Seine Frau kam oft in den zurückliegenden Ehejahrzehnten zu kurz, auch bei der Entscheidung, dass und vor allem wann ein Todescoctail zum Einsatz kommt, lässt er sich von seiner Frau nicht in die Karten schauen. Aber sie findet den Coctail. Sie macht ihm klar, dass es so für sie nicht weitergehen kann. Sie und auch alle anderen Familienangehörigen verlassen das Sommerhaus. Der krebskranke alte Mann bleibt allein zurück. Wird er fähig sein noch an sich zu arbeiten?

Durch die Tiefe und Intensität der Texte bin ich positiv überrascht. Diese sieben Geschichten sind keineswegs leichte Sommergeschichten, wie man beim Betrachten des Covers leicht denken könnte.

Der Bielefelder Bernhard Schlink deckt Lügen auf und denkt dabei über das Leben nach. Er versteht es sehr gut den Leser nicht wieder loszulassen und er macht ihm klar, um Lügen aufzudecken ist es nie zu spät.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Sieben neue Geschichten von Bernhard Schlink sind in seinem gerade erschienenen Erzählband Sommerlügen" bei Diogenes erschienen.

Schlink ist ein Meister der kürzeren Form und es gelingt ihm in den großartig komponierten und auf das literarisch Wesentliche beschränkten Geschichten ganz hervorragend, Menschen an einem Scheideweg in ihrem Leben zu porträtieren.

Die Erzählungen handeln von Liebe, Verlangen und Tod, von der Suche nach dem Leben und vom Finden der Wahrheit in dem alltäglichen Gespinst aus kleinen und größeren Lügen.
Der Ausbruch einer Frau aus ihrem Leben und ihrer Familie gerät ebenso dramatisch wie der letzte Sommer eines dem Tode geweihten Mannes mit den Menschen, die ihm wichtig sind.
In der Geschichte einer Reise von Vater und Sohn werden die Spuren der Vergangenheit gesucht und auch gefunden und die Lebensbeichte eines Flugzeugpassagiers verschwimmt zwischen Wahrheit und Fiktion.

Jede Geschichte für sich ist ein kleines Ereignis und lässt das Buch als Ganzes zur unverzichtbaren Lektüre wider das ach so gegenwärtige Lügen werden.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Mai 2011
Nach dem berühmten Vorleser, den ich stellenweise als zu obszön empfand, und dem eher enttäuschenden RAF-Roman Das Wochenende war dies meine dritte Begegnung mit einem Buch von Bernhard Schlink, und ich muss sagen: Es war die beglückendste, denn an diesem Erzählband gibt es kaum etwas auszusetzen. In sieben Geschichten, mal ernst, mal heiter, mitunter grotesk, entfaltet Schlink ein schillerndes Panoptikum von großen und kleinen Lügen, die Charakterschwächen oder Fehlentscheidungen kaschieren. Ein Panoptikum, das auch profitiert von der großen Bandbreite der Schauplätze, Charaktere und Motive, alle solide zusammengehalten von der thematischen Vorgabe des Titels.

"Der Fremde in der Nacht" ist die Flugzeugbekanntschaft eines Physikers, deren unglaubliche Geschichte, die er diesem während eines Fluges auftischt, wirkt wie aus einer Stefan-Zweig-Novelle in die Gegenwart eingewandert: Ein Attaché der kuwaitischen Botschaft verliebt sich auf einem Empfang in die Freundin des Mannes, lädt beide zu einem Luxusurlaub nach Kuwait ein und entführt an dessen Ende, so die Version des Fremden, die begehrte Frau, nicht ohne den Zurückgebliebenen mit drei Millionen zu entschädigen, die dieser in Europa auf seinem Konto findet. Auf einer Reise in die Schweiz kann die junge Frau fliehen und kehrt zu ihrem Freund zurück, der sie wenig später von einem Balkon im zweiten Stock stürzt. Vor der Landung bittet der Reisende seinen Sitznachbarn um seinen Pass, damit er nicht sogleich auf deutschem Boden verhaftet werde. Selbst der zur Logik neigende Physiker gerät in den Sog der faszinierenden Fabulierkünste des Fremden...
Eher Grusel-Meister Stephen King als der deutsche Novellist Stefan Zweig schaut dagegen durch die Ritzen eines einsamen Landhauses, wenn in "Das Haus im Wald", der spannendsten Geschichte in diesem Band, ein egomanischer Schriftsteller seine in diesem Metier erfolgreichere Ehefrau durch das Kappen einer Telefonleitung komplett von der Außenwelt abzuschirmen versucht, nachdem diese einen bedeutenden Preis gewonnen hat, der sie zurück nach New York locken könnte - in jene Stadt, deren Trubel das Paar gerade erst gemeinsam den Rücken gekehrt hatte. Die zunächst in guter Absicht begangene Tat artet immer mehr zum blanken Wahnsinn aus, als der Schriftsteller die Isolation über Tage hinweg aufrecht zu erhalten versucht und darüber jedes Maß verliert. In Amerika spielt auch die Einstiegserzählung "Nachsaison", in der sich der Musiker Richard während eines Urlaubs auf dem Cape in die reiche, alleinstehende Unternehmerin Susan verliebt, mit ihr flammende Nächte in deren mondäner Urlaubsresidenz verbringt, ehrgeizige Zukunftspläne schmiedet, dann aber, zurückgekehrt in seine New Yorker Stadtwohnung, nach und nach einsehen muss, dass er sein altes Leben aufzugeben nicht fähig sein wird. In "Johann Sebastian Bach auf Rügen", in der ein Sohn auf einer Reise zum Bach-Festival auf Rügen verzweifelt versucht, in die Innenwelt seines Vaters zu dringen, schlägt Schlink dagegen leise, nachdenkliche Töne an und zeigt sich ganz auf der Höhe des aktuellen Diskurses zum Thema Umgang mit der Elterngeneration der vor dem 2. Weltkrieg Geborenen, die das offene Familiengespräch, wie es heute gang und gäbe ist, nie kennen gelernt hat und vor der Offenbarung seelischer Befindlichkeiten zurückschreckt. "Die Nacht von Baden-Baden" handelt von einem Theaterautor, der seiner notorisch eifersüchtigen Verlobten auf einer Frankreichreise einen Seitensprung beichtet, den er nicht begangen hat, damit sie Ruhe gibt. Nachdem sie ihn enttäuscht fortgeschickt hat, macht er mit einer jungen Aushilfskellnerin wahr, was er bereits gestanden hat.
In "Der letzte Sommer" hat sich ein Todkranker die gesamte Familie eingeladen, um gleich nach diesem letzten Zusammensein Selbstmord zu begehen. Doch seine Frau kommt ihm auf die Schliche, stellt ihn vor der versammelten Familie bloß und macht ihm so einen gewaltigen Strich durch die selbstherrliche Rechnung.
Die letzte Geschichte, "Die Reise nach dem Süden", ist so etwas wie die leicht entkitschte Variante des Hollyood-Films Briefe an Julia. Auch hier macht sich eine resolute ältere Dame mit ihrer Enkelin auf den Weg, um eine verlorene Jugendliebe wiederzufinden. Doch statt einer tränenreichen Wiedervereinigung mit dem verschollenen Geliebten von einst gibt es hier nur ein ernüchterndes Gespräch, das enthüllt, dass ihre Erinnerung die Geschichte geschönt hat.

Man muss Schlinks schlichten Stil mögen, um an diesen Erzählungen seine Freude zu haben. Dass er hier aber keine platten Wohlfühlgeschichten abgeliefert hat, sondern bewegende Momentaufnahmen unserer brüchigen Welt und der menschlichen Versuche sich in ihr trotz solcher Brüche ein Zuhause einzurichten und dieses, notfalls auf Kosten der Wahrheit, gegen die eminente Zerbrechlichkeit des Daseins zu verteidigen, werden auch kritische Leser anerkennen. Und eigentlich jedem dürfte zumindest die eine oder andere der hier versammelten Geschichten etwas zu geben haben. Mit Lügen hat schließlich jeder so seine Erfahrungen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. August 2010
Ein nur schwer zu fassendes und keinesfalls leicht zu lesendes Buch. Es geht um die Liebe, und es geht um Lebensbilanzen. Wir erleben alternde Männer und Frauen, die angesichts ihres Alterns oder ihres nahenden Endes oder wegen einer Frau / eines Mannes zur Lebensklitterung und zu nahezu jedem Kompromiss bereit waren und noch sind. Es ist ein Buch, das vermutlich nur Menschen im letzten Lebensdrittel ansprechen wird.

Es sind melancholische, bewegende Geschichten und immer geht es um "Hoffnung und Entscheidung", Illusionen. Wir erleben Männer und Frauen, die sich selber etwas vormachen. Immer geht es um das flüchtige und fragile Glück. Dabei sind die Frauen oft stärker als die unentschlossenen, schwachen Männer, sie sind selbstbewusst, resolut, eigenwillig, dominant. Diesen Versuch der Neuordnung der Geschlechterrollen kennen wir schon seit Schlinks erstem Werk.

Schlink erzählt uns vor allem aber von verpassten Chancen. "Sie hätte, als sie ihn besuchte, noch ein bisschen bleiben, das Radio anmachen und mit ihm tanzen sollen." Das Ende bleibt bei allen sieben Geschichten offen, nicht ganz ohne Hoffnung aber auch nicht mit viel Hoffnung.

"Liebe", lässt er seine letzte Protagonistin sagen, "ist keine Sache des Gefühls, sondern des Willens."

Die Geschichten im Einzelnen:
Nachsaison: Er, ans Alleinsein gewöhnt, lernt sie, reich, ebenfalls allein, kennen.
Die Nacht in Baden-Baden: Er ist treu, sie ist krankhaft eifersüchtig, er erkennt, was frei sein bedeuten kann.
Das Haus im Wald: Er Hausmann, ein Kind, er versteckt seine erfolgreiche Frau vor der Welt.
Der Fremde in der Nacht: Ein Dritter hat seine Frau "verkauft" und muss jetzt fliehen, weil sie zurückgekehrt ist.
Der letzte Sommer: Er, schwer krank, will noch einmal einen Sommer in Kreise seiner Lieben erleben, es misslingt.
Johann Sebastian Bach auf Rügen: Er will seinen alten Vater verstehen.
Die Reise nach Süden: Eine alte Dame trifft ihre Jugendliebe wieder.

Bernhard Schlink hat alle sieben Geschichten inhaltlich wie sprachlich höchst sensibel beschrieben. Dafür gebührt ihm hohe Anerkennung. Das kann man nicht erfinden. Das kann man nur - selber - erfahren.

Die Themen für Bücher liegen meist in der Biographie ihres Autors begraben. In wieweit Schlink sich hier selbst preisgibt, darüber mag man spekulieren. Uwe Tellkamp sagte einmal, man könne das mit einem Baumstamm vergleichen, bei dem im inneren Kern der Autor, die Jahresringe die fiktionalen Schutzringe seien.

Schreiben ist für fast alle Autoren Selbstreflexion. Schlinks Protagonisten sind nicht von materiellen Sorgen gebeutelt, sie sind Schriftsteller, Musiker, Juristen, Professoren. Oft haben die Geschichten einen Bezug zu den USA. Bernhard Schlink wurde 1944 geboren. Er ist studierter Jurist, lebt in Berlin und New York. Schreiben ist Lebensbewältigung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Mai 2011
Ich habe Bernhard Schlinks Sommerlügen als Hörbuch gehört - und fühlte mich bestens unterhalten. Auch musste ich häufig schmunzeln, fand es also keinesfalls humorlos. Die Situationen in die sich die Protagonisten brachten oder mit welchem verklärten Blick sie diese betrachteten, waren teilweise sehr komisch.

Allerdings kann ich mir vorstellen, dass dieses Werk als Hörbuch (und daher mit entsprechender Betonung vorgelesen) besser ist. Diese Erfahrung habe ich schon mit manch anderem Buch gemacht, die ich in Papierform recht langweilig fand, aber als Hörbuch klasse.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 19. August 2010
Angenehm, leicht, süffig, fliessend, dahin treibend, sind sie zu lesen, als ob sie am eigenen Leib erlebt worden wären, es sind meisst Künstler, gebildete Leute, Juristen, Professoren, die keine materiellen Nöte kennen, um denen es bei den nicht gerade kurz geratenen Erzählungen geht, ein Hauch Amerika, der irgendwie immer durchschimmert. Die Erzählungen bewegen sich alle zwischen knappen 30 und guten 40 Seiten. Die Plätze die Schlink wählt, liegen oft in den Staaten, haben manchmal einen Bezug zum Europäischen oder Deutschen. Vielleicht eine kleine autobiographische Note, immerhin pendelt Schlink selbst zwischen Berlin und New York hin und her...

Es sind feine subtile Erzählungen, die einen einladen, um Beziehungskontext nachzusinnieren, Schlink hat sich dem Bereich »Beziehung« gewidmet, er spricht damit uns Leser in Bereichen an, die wir alle auf die eine oder andere Art kennen, oder die uns bekannt vorkommen. Erzählungen die einladen, über das Geschriebene nachzudenken, oder den eigenen Bezug zu jenen Beziehungskontexten zu reflektieren, die Schlink mit Bravour und schriftstellerischer Handwerkskunst nicht besser darstellen könnte. Die Protagonisten haben alle etwas gemeinsam, sie haben meisst die Lebensmitte oder darüber hinaus erreicht, beruflichen Erfolg, privaten Erfolg, materiellen Erfolg, doch reflektieren sie ihr Leben wie mit einem anderen Gradmesser, wenn es so etwas wie einen roten Faden gibt, dann ist es die Frage, ob diese Menschen glücklich sind oder glücklich gelebt haben, selbst, wenn jede Erzählung, für sich selbst eine eigene und unabhängige Geschichte ist. Sicher ist auch, dass bei Bernhald Schlink der Erfolg kein Garant für Glück darstellt, als ob Glück in einer anderen (schwer fassbaren) Kategorie zu bewerten wäre...

Seine Erzählungen laden zum nochmaligen Lesen ein, einige habe ich zweimal gelesen, als ob man erst beim zweiten Durchgang andere Dimensionen und Bereiche der weitreichenden Erzählungen eines Bernhard Schlink erfassen würde. Alle haben sie eine sehr persönliche, eine intime Note, die Menschen die darin vorkommen, erleben wir als Leser ganz nah.

Bernhard Schlink beginnt in seiner Erzählsammlung, mit einer Urlaubsromanze, namens »Nachsaison«. Richard und Susan begegnen sich ausserhalb der Hauptsaison am Strand. Sie eine reiche Amerikanerin, er ein europäischer Orchesterflötist, der eher in einfachen Standarts lebt, er aus New York, sie aus Los Angeles. Sie lernen sich kennen, beginnen sich zu lieben. Schlink erzählt so authentisch, als ob er es selbst erlebt hätte. Eine Annäherung zweier Leben, ein Altes und ein Neues. Auch wenn sie sich nur begrenzt kennen lernen, entsteht darin eine Art Öffnung für beide Liebende. Nach dem Eintauchen einiger Wochen, der Annäherung an die Liebe, trennen sich die Wege, dieser Küstenbekanntschaft wieder, Schlink lässt offen, in wiefern die Geschichte der beiden weitergeht...Richard sinniert darüber, wie ein neues Leben mit Susan aussehen könnte....Eine feinfühlige Erzählung, zweier Liebende in den Vierzigern...und wie Liebe Menschen verändern / berühren kann...

In »Nacht in Baden-Baden« begegnen wir einem der Liaison zwischen einem Drehbuchautoren aus Frankfurt und einer Lehrbeauftragten aus Amsterdam, Distanzbeziehung. Man fliegt sich hinterher. England, Amerika usw. egal. Der namenlose »Er« verbringt mit einer Therese eine Nacht in Brenner's Park Hotel in Baden-Baden eben, mehr zweckgebunden, keine wirkliche Anziehung oder gar Liebesbeziehung, man verbringt einen Tag in Heidelberg. Dann meldet sich seine Partnerin Anna, will wissen, wo er ist und wann sie sich sehen. Anna ist ein Kontrollfreak, sie ahnt einen Seitensprung, macht Vorwürfe, die Eifersucht ist ihr bekanntes Terrain. Ein Verwirrszenario zwischen verschiedenen Frauen, unwirklichen und wirklichen Seitensprüngen, die im Grunde nur noch der Leser nachvollziehen kann. Eine allzu menschliche Schilderung eines Paares, das im Beruf verankert ist, Karriere macht, und sich im Hin-und Hergezerre in Sachen Beziehung fast zu verlieren scheinen. Er typisch Mann, sie typisch Frau, zwei Universen, die sich nur bedingt zu treffen scheinen. Eine Annäherung zwischen Mann und Frau, zwischen Vertrauen und Enttäuschung, und dem was wir brauchen, damit es uns mit dem anderen Geschlecht gut geht. Eine feinfühlige Beziehungsgeschichte, wie sie besser nicht hätte erzählt werden können, wie aus dem tatsächlichen Leben gegriffen. Eine kleine Parodie darauf, wie Männer und Frauen im Beziehungsfeld einander das Leben nicht gerade einfacher machen...

In »Das Haus im Wald« erzählt der Autor von einem Schriftstellerpaar, dass dem Rummel in New York entweichen will, und sich einen abgelegenen Wohnsitz auf dem Land sucht, 5 Stunden von New York entfernt, an der Grenze zu Vermont. Sie haben eine gemeinsame Tochter, Rita,. Er ist Deutscher, sie Amerikanerin, er hat wenig Erfolg, seine Frau Kate wird in den Medien gefeiert, bekommt den National Book Award, und stellt gerade ihr neues Buch fertig. Er ist ein introvertierter Typ, versucht seine Frau und Familie gegen aussen abzuschotten, möchte »sein Leben zusammenhalten«. Er unternimmt einiges um sich von der stressigen Aussenwelt zu schützen, einen Telefonmasten den er zum Erliegen bringt und damit die Telefonleitung und den Zugang zum Internet, errichtet eine Strassensperre, um den Zugang zu ihrem Haus zu verhindern. Sein Ziel, die traute Familienidylle um jeden Preis zu verteidigen, auch wenn es nur die eigene Mission ist. Er tut es alles heimlich, ohne seine Frau mit einzubeziehen. Konflikte sind demzufolge vorprogrammiert, doch haben beide auch ein Harmoniebedürfnis, nur nicht zuviel streiten...Ein sensible Parodie, über Erfolg und Nichterfolg, einer Ehe, wo die Partner aus zwei verschiedenen Kulturen stammen, über Besitzanspruch und sonderbaren Innenansichten, um des lieben Friedens willen, völlig losgelöst von natürlichem Beziehungsleben, wo die eigene Prägung zum Selbstläufer wird, Lügen dem eigenen inneren Drängen Handlanger sein sollen, ohne sein Gegenüber noch gross miteinzubeziehen...

Der Fremde in der Nacht. Eine schwer zugängliche Geschichte über Frauenhandel, einem Nachtflug, und einem abstrusen Fremden, der im Flugzeug dem Hauptprotagonisten eine Geschichte anvertraut, der im Strudel von Justiz und Medien sich verfängt, seine Freundin an den Attaché der kuweitischen Boschaft verscherbelt...So ganz passt sie dann doch nicht in die Erzählsammlung zu passen, als ob sie aus einem anderen Guss gemacht wäre...

Der letzte Sommer. Er ist Deutscher und lebt in New York, Philosophie - Professor. Er hat Familie, Frau, Kinder, Enkelkinder. Das Glück, das er sich immer gewünscht hatte, scheint ihm wie abhanden gekommen zu sein. Er will noch einen Sommer lang im Sommerhaus, mit seiner Familie seiner Frau sein Leben geniessen. Auf sensitive Weise nimmt er die dortige Natur wahr. Jungen verliebten Teenies beobachtet er in ihrem Verliebtsein, erinnert sich an das eigene erste Verliebtsein. Er hat Krebs, hat Schmerzen, reflektiert sein Leben, seine Ehe, seine Familie, seine Gedanken kreisen über das Thema Glück, er schaut zurück auf vergangene Erfahrungen, seine berufliche Laufbahn, Begegnungen mit Frauen, die erste Liebe, der erste Kuss. Danach ist Schluss, seinen Todes-Cocktail, in der Sterbehilfe eingesetzt, von einem befreundeten Arzt besorgt, hat er im Kühlschrank versteckt, jederzeit abrufbar. Wenn er die Schmerzen nicht mehr ertragen konnte wollte er gehen. Er hatte gedacht, er hatte das letzte gemeinsame Glück vorbereitet." (174) Seine Frau entdeckt den Cocktail, die ganze Familie reist ab, er bleibt alleine im Sommerhaus zurück...

Johann Sebastian Bach auf Rügen ist eine Spurensuche nach dem eigenen Vater. Der erwachsene Sohn unternimmt mit seinem gealterten 82jährigen Vater, den er im Grunde nicht kennt, eine Reise zu einem Konzert in Mecklenburg, kleine Unternehmungen, Spaziergänge, Strand..Der Sohn frägt nach Kindheit und Jugend, interessiert sich für das Leben seines Vaters, er frägt nach Studium, nach beruflichen Werdegang. Von einem Freund besorgt er sich einen Aufsatz, den sein Vater 1945 verfasst hat, er hatte unter anderem als Richter gearbeitet, die Bekennende Kirche juristisch beraten und dadurch seine Stelle wieder verloren. Im Grunde hat er gar keine Beziehung zu seinem Vater. »Nichts war zwischen ihm und seinem Vater, nichts.« Mit einer gewissen Wehmut realisiert der erwachsene Sohn, wie wenig ihn mit seinem Vater verbindet, wie wenig Gemeinsamkeiten sie miteinander teilen. »Werde ich, fragte er sich, wenn ich Eltern und Kinder glücklich beieinander sehe, sentimental?« Eine Vater-Sohn Geschichte, zwischen Anziehung und Abstossung, zwischen Suche und Ablehnung, zwischen Wunsch nach Nähe und Beziehungslosigkeit, umgeben von wortloser Vertrautheit. »Aber er fühlte sich ihm nicht verbunden, er war kalt und weit weg.« Eine aussichtslose Bemühung, zur Kontaktherstellung...»weil ich mit dem Gegenüber so wenig zu tun haben will, wie du jetzt mit mir zu tun haben willst.« Eine beklemmende Fragmentsuche, die in Erinnerungen und der Vergangenheit ihren Halt zu verlieren droht...eine innere Bestandesaufnahme eines Menschen, zwischen dem Verlust von Lebenshoffungen und Träumen... wo das Zwiegespräch seltsamerweise als Selbstgespräch empfunden wird...

Die Reise nach Süden. Eine ältere Frau, geschieden, Kinder, Enkelkinder, ein gelebtes Leben, lebt in einem Stift. Sie ist davon überzeugt, dass in ihrem Leben nichts Grosses mehr passieren wird. Sie wollte aufhören für andere zu leben, wollte ihr eigenes Leben leben. Sie kannte nur, mit Liebe, ihre Verantwortung zu genügen. Mit ihren vier Kindern und Enkelkindern feiert sie ihren Geburtstag. Auch mit ihrer Familie fühlt sie sich einsam. »Mit dem anderen so einsam sein, als wäre man ohne ihn.« Ihre Töchter beauftragen ihre Enkelin Emilia, sie zu betreuen, bis es ihr wieder besser geht, nachdem sie erkrankt und für fünf Tage mit Fieber im Bett liegt. Sie macht eine Reise mit ihrer Enkelin, will an den Ort zurück, wo sie in den vierziger Jahren studiert hat. Sie trifft dort ihre Jugendliebe wieder, zu dessen Treffen sie von ihrer Enkelin Emilia überredet wird. »Ja, ihr sollt euch versöhnen. Du musst ihm verzeihen, was er dir angetan hat. Anders findest du keinen Frieden, und er findet auch keinen. Ich bin sicher, dass er sich danach sehnt und nur nicht traut, weil du ihn damals in Hamburg hast abblitzen lassen.« Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, sie trifft Albert, den sie einst geliebt hatte. Nina hatte einmal ein Buch in einer Buchhandlung von ihm gesehen, er war wohl Schriftsteller, Journalist oder ein Professor. Sie treffen sich und erzählen ein wenig von ihren gelebten Leben, und ihren Partnern die sie verlassen haben, entweder durch Scheidung oder durch Tod. Ein Gespräch, über richtige oder falsche Entscheidungen, und der Ungewissheit, ob man die richtigen Entscheidungen gefällt hat. Nina hatte Albert damals in Hamburg zurückgewiesen, obwohl beide wussten, dass sie sich liebten. Fast wie eine Wehmut mutet es an, die damalige Entscheidung sich nicht mehr zu sehen, doch noch, nach all den vielen Jahren, in Frage zu stellen. Fast so, als ob es die falsche Entscheidung gewesen wäre. Albert's Frau ist am Krebs gestorben, Nina hatte Helmut geheiratet, vier Kinder, er ist immer wieder fremd gegangen. Heute ist sie geschieden. Eine fühlbare Bitterkeit drückt sich in ihr aus, als ob sie doch ev. den falschen Mann geheiratet hat. Sie unterhalten sie darüber, ob sie mit ihrem Leben glücklich sind. Sie hatte sich als Räderwerk der ehelichen Pflichten gesehen. Eine Geschichte rund um den Verlust und dem Verlieren von Liebe. Und der Frage, ob man sich selbst immer treu gewesen ist und ob man wirklich glücklich gewesen ist, so wie man gelebt hat...

Schlink kennt sich aus im Beziehungsland zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern. In feinfühliger Schreibweise führt er uns an jene sensiblen Bereiche heran, die uns alle nicht unbekannt sind. Man hat das Gefühl, die ganze Lebenserfahrung des Autors darin mit zu bekommen. Eine überaus lesenswerte und bemerkenswerte Literatur, die auf fruchtbaren Boden beim Leser fallen dürfte. Die Geschichten wirken so, als ob es das Leben geschrieben hätte. Der Autor versucht eine Annäherung an die Liebe, lässt Raum für die eigene Vorstellung des Leser, lässt die Enden immer offen...Erzählt eine begrenzte Ehrlichkeit, hauchdünne »Liebeslügen«, die mehr dem Leser als den Protagonisten zugänglich sind...in selbstreflektierenden Innenansichten, scheinen sich die Protagonisten und vielleicht selbst der Autor...an der Realität abzutasten...die Frage, ob die Menschen die Schlink beschreibt, wirklich glücklich sind scheint wie unsichtbar anwesend zu sein, ob sie beantwortet werden kann...? Vielleicht liegt diese Antwort ja beim Leser...

Schlink ist ein Ausnahmeschriftsteller, den man gerne liesst, geniesst und mit Wertschätzung in den Händen hält. Ein kleines Highlight, in diesem auslaufenden Lesesommer. Sowohl Inhalt als auch Schreibstil sind ein wahrer Genuss beim Lesen, dieses grossartigen Schriftstellers, dessen Neuerscheinung zwar mein Erstes ist, aber nicht Letztes Buch sein wird. Es würde mich nicht wundern, wenn auch dieses Buch von Schlink verfilmt werden würde, wie schon mit dem Der Vorleser geschehen, das Zeug dazu hat es zumindest...Es ist eine Freude, solche Literatur lesen zu dürfen! Bücher sind dann gut, wenn sie für den Leser eine Bereicherung darstellen, dieses Buch ist eine!

Kompliment an Bernhard Schlink.

Leseempfehlung.
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am 22. Mai 2011
Siebe Erzählungen lang gibt Bernhard Schlink uns Lesern die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der einen oder anderen Lebensgeschichte zu werfen. Seine Hauptakteure sind meist Menschen aus USA oder Deutschland mittleren Alters, die sich in verschiedene Ecken ihres Lebens manövrieren, ohne dabei einen strategischen Ausweg mit eingeplant zu haben - sei es eine große Liebe, die in Besitz genommen wird, oder die Liebe zur Familie, die erst im Angesicht des nahenden Todes bewusst wird - sei es die unüberwindbare Liebe zu sich selbst und dem eigenen Alltag, wo für Veränderung, Neuerung oder Partnerschaft kein Platz ist - sei es die verlorenen Liebe zu den eigenen Kindern und einer falschen Erinnerung als Lebenslüge;
Die große Frage dahinter bleibt immer.

Die Erzählungen (und hier habe ich nur vier erwähnt) wollen alle samt weiter gedacht oder zumindest reflektiert werden. Spannende Pointen oder Lösungen werden nicht geboten - wie das im Leben meistens ist - da ist man selbst gefragt. Sehr rasch gelingt der Zugang zu jeder einzelnen Geschichte, der Stil ist schließlich knapp und flüssig, was zu einem raschen aber sehr intelligenten Intermezzo führt.

Eine schöne Überraschung.
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60 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dass ich für dieses Werk nur 2 Sterne vergebe, mag verwundern. Es ist gut geschrieben, wie man es von Bernhard Schlink nicht anders erwartet, die Figuren haben - anders als ich es bei einem anderen Juristen finde, der gerade am Literaturhimmel aufsteigt (Schuld: Stories)- durchaus Tiefe und sind von Fleisch und Blut.

Dennoch gibt es da etwas, was mich massiv stört. Es ist ungefähr das Gleiche, was mir passiert, wenn ich in ein klassisches Konzert gehe und dort fast ausschließlich aufgetuffte Exemplare der Generation Granufink antreffe. Auch die Figuren in diesem Erzählband sind überwiegend Witwen, Witwer oder angejahrte Kulturschaffende, die selbst oder deren Partner entsprechende altersgemäße Maleschen haben. Vorzugsweise natürlich Krebs, denn der sorgt für die notwendige Melodramatik. Aber - bewahre! - nicht blutig-schleimig, "inter faeces et urinam" à la Gottfried Benns "Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke", sondern das alles bitte dezent, nervenschonend, inmitten von ererbtem Wohlstand, komfortablen Beamten- oder Ruhestandsbezügen, den Geranienrabatten von "Seniorenresidenzen", in Cape Cod, der 5th Avenue oder alten deutschen Universitätsstädtchen. Leute, die allenfalls einmal in Form eines folgenlosen Seitensprunges, einer gepflegten Ibsenschen Lebenslüge oder eines verschwiegenen Gedankenexperiments über die Stränge schlagen.

In der Buchhandlung, in der ich das Buch sah, war es mit dem Aufmacher "Das literarische Großereignis" angekündigt. Nun, da Schlink mit seinen Millionenauflagen wohl ein Großschriftsteller zu nennen ist, mag man das vielleicht so sagen. Ich finde dagegen, hier werden von ihm sehr dünne Bretter gebohrt, für ein Lesepublikum, das vermutlich aus pensionierten Studienrätinnen, Witwen von Ministerialdirigenten und sonstigen Schöngeistern besteht. Solch eine Kundschaft erschreckt man lieber nicht mit Lästigkeiten der heutigen Zeit, die ja durchaus auch Gegenstand ernsthafter Literatur sein könnten.
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