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Die Welt ist im Kopf
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42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Schopenhauer und das winterliche Venedig. Ach herrje: Weltverdruss, Melancholie, Einzelgängertum, gar Menschenverachtung, Frauenverachtung sowieso... Das kann ja heiter werden. Wird es auch.

Christoph Poschenrieder, selbst Philosoph und Schopenhauers Werk verbunden, ist ein wunderbares Romandebüt gelungen. Lassen Sie sich nicht abschrecken: dieses Buch ist nicht erdenschwer oder gar unverständlich, setzt keine Kenntnisse über Schopenhauers Werk voraus und nimmt uns mit der Leichtigkeit eines Könners auf Schopenhauers Reise nach Italien mit, nach Venedig, wo er der Versuchung widersteht, Lord Byron, den angeschlagenen Falken, seine Aufwartung zu machen, obwohl er Goethes Empfehlungsschreiben nah am Herzen trägt. Denn noch und für lange Zeit ist er der verkannte Niemand, der mit vollem Kopf und leeren Händen reist. Erbost hat er Sachsen Richtung Süden verlassen. Sein Verleger Brockhaus hat es nicht geschafft, sein epochales Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung" zum vereinbarten Zeitpunkt auf den Markt zu bringen. Das bringt den jungen Mann auf die Palme, ihn, der ein bedeutender Philosoph ist, daran zweifelt er nicht, der aber auch herkunftsgeprägt seiner Krämerseele einen Teil der Erhabenheit opfern muss.

Verbannen wir also das bekannte Bild des alten Philosophen mit den wilden Haaren aus unseren Köpfen, und begeben wir uns mit einem finanziell gutgestellten, weltgewandten, jungen und verhalten abenteuerlustigen Mann mit blonden Locken auf eine teils mühsame, teils kurzweilige Postkutschenreise über die Alpen ins gelobte Land der Deutschen. Schon auf der Reise gerät er ins Visier der Metternich'schen Geheimpolizei. Wir schreiben das Jahr 1818; nicht nur Venetien ist im gierigen, nimmersatten Griff der Habsburger, dessen karikaturreifen Staatsdiener (Paul Flora hat sie wunderbar gezeichnet) noch eine wilde Hatz auf ihn und seine Freunde anzetteln werden. Aber da hat er Dank des wackeren Gondoliere des frustrierten, doch stets seinen Neigungen verhafteten Lord Byrons bereits das Gondelfahren gelernt, einen charakterstarken Hund begraben, die Liebe zu Teresa gelebt, Unmengen von Würsten verzehrt, Masken getragen, unzählige Male "Lascia la spina" gehört und ist in der Lagunenstadt so heimisch geworden, dass er erwägt, für lange Zeit zu bleiben. Doch kaum entschieden, hindern schlechte Nachrichten aus Sachsen den Denker daran, zu tun, was er am liebsten will.

Mehr oder weniger sei diese Geschichte erfunden, erklärt der Autor in einem kurzen Nachwort. Wahr ist, dass Schopenhauer im Herbst 1818 nach Italien reiste und auch in Venedig Station machte, ein Empfehlungsschreiben von Goethe in der Tasche, an welche Person auch immer. Vermutlich gab es auch eine Teresa und ganz sicher natürlich Lord Byron, der sich zur selben Zeit in Venedig aufhielt. Wahr ist wohl auch, dass der Philosoph Byron nie getroffen hat, was er sein ganzes Leben lang bedauert haben soll. Der Rest ist - mehr oder weniger, siehe oben - der Fantasie Poschenrieders zu verdanken und seinem Talent zum Geschichtenerzählen. Bitte mehr davon! Die Gebrauchsanweisungen für Computersoftware sollen gefälligst andere schreiben.

Helga Kurz
24. Februar 2010
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. September 2010
Hier wird nicht die Welt vermessen, sondern ein kleines Fenster geöffnet um sich einem Mann zu nähern, der zu Lebzeiten wie danach viel hat über sich ergehen lassen müssen. Nun sind es genau 150 Jahre her: Arthur Schopenhauers Todestag. Mit diesem Buch werden wir zu seinen Anfängen geführt, quasi die Geburtsstunde seines philosophischen Schaffens. Doch seine Lehre steht nicht so sehr im Mittelpunkt, eher sein (unbekanntes) Wesen, seine erste Liebe, seine Zweifel und sein spannendes und bewegtes Umfeld. Beim name dropping erkennt man durchaus Parallelen zum modernen Kult(ur)leben: Parties, Intrigen, Neid & Show. Kurioserweise spielt dies alles in Venedig: eine Stadt die schon damals eher Kulisse und Projektion war als Inspiration und Motor der Kunstszene.

Christoph Poschenrieder schreibt in seinem Debüt mit viel Liebe zum Detail und hohem Unterhaltungswert. Keine abgehobene oder schwülstige Huldigung, kein Zusammentragen von Wäschelisten, sondern kunstvoll ineinander gewobene Episoden, Passagen und Satzschöpfungen, die man so noch nicht x-mal gelesen hat.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. April 2010
Wer sich diesem Roman widmen möchte, wird sich vielleicht die Frage stellen, ob ein Vorwissen über Schopenhauer notwendig sei, um ein besseres Verständnis für diesen Roman entwickeln zu können. Ich würde sagen, ein klitzekleines Vorwissen, ein grobes Bild von Schopenhauer und seiner Philosophie sind von Nutzen, aber nicht zwingend notwendig um diesen Roman lesen zu können.

Der Leser begleitet Schopenhauer auf seinem Wege von Dresden nach Italien und während seines Aufenthaltes in Venedig. Es zeichnet sich dabei das Bild eines jungen Mannes, der nach 4 jähriger Arbeit an seinem Werk, endlich leben möchte.

Im Laufe der Handlung begegnen wir mehreren Figuren, die ich aber als wenig nachhaltig empfunden habe, sie tauchen auf, wirken etwas verschwommen, nicht unsympathisch.

Sehr gespannt war ich während des Lesens auf die Begegnung zwischen Lord Byron und Schopenhauer und als sie kam, war sie so schnell vergangen, das ich fast schon enttäuscht war, da ich ahnte, dass sie sich nicht wiederholen würde. Vor dem Lesen dieses Buches ging ich davon aus, dass Lord Byron eine dominantere Rolle spielen würde, was aber letztendlich nicht der Fall war. Ich hätte ihn gerne zusammen mit Schopenhauer erlebt und nicht getrennt von ihm. Es sind 2 junge Männer die zur selben Zeit in Venedig leben, von denen der eine den anderen kennt, dieser aber keine Ahnung von der Existenz des einen hat. Wäre es anders gewesen, wenn Schopenhauers Werk schon erschienen wäre?

Schopenhauer verliebt sich in Teresa und hier hatte ich das Gefühl, dass er sich nur zu dieser Frau hingezogen fühlte, um die Theorien seiner eigenen Philosophie zu überprüfen.

Ich hatte mich auf eine recht trockene Lektüre eingestellt und war sehr positiv überrascht, dass die Geschichte mit viel Humor erzählt wurde.
Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass der Autor aufzeigen wollte, dass Philosophen nicht immer eingestaubte, humorlose, nur über Bücher sitzende Menschen sind. Falls es wirklich seine Absicht war, so ist es ihm gelungen.

Von der ersten Seite an war ich von der Sprache fasziniert und diese alleine stellt schon einen Grund dar, das Buch zu lesen. Es ist immer wieder der besondere Ausdruck der verwendet wurde.

Ein unterhaltsames Buches mit einem etwas anderen Schopenhauer, den ich insgesamt sehr sympathisch fand. Einige der Nebencharaktere hätte ich gerne intensiver kennen gelernt und das Treffen zwischen Schopenhauer und Byron hätte etwas länger ausfallen können. Ein Buch das ohne Philosophiekenntnisse gelesen und verstanden werden kann und dem ich gerne meine Empfehlung aussprechen möchte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dieses Buch verträgt ganz und gar keine Eile. Ich war froh, dass ich im Urlaub genügend Zeit dafür hatte. Schon allein aufgrund der gehobenen Sprache, aber auch aufgrund des Themas (Schopenhauer und seine Philosophie) benötigt es Muße, und den Willen, zu verstehen.

Das Buch ist in meinen Augen mindestens "seelenverwandt" mit der "Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Obwohl Christoph Poschenrieder weniger zu Slapstick neigt als sein berühmter Kollege. Aber auch er verfolgt das Rezept, eine fiktionalisierte und humorig aufbereitete Episode aus dem Leben einer berühmten Persönlichkeit zu schildern.

Der Leser begleitet den Philosophen Arthur Schopenhauer vor und während seiner Reise nach Venedig - also um die Zeit der Veröffentlichung seines berühmtesten Werkes herum, "Die Welt als Wille und Vorstellung" (welches damals jedoch zunächst nahezu unbeachtet blieb). Das Buch ist dabei weniger auf "Handlung" ausgerichtet, als auf die Erhellung der Charaktereigenschaften von Schopenhauer. Gleichzeitig treten noch andere berühmte Personen auf, wie Goethe und Byron. Und auch die Bürokratie der damals noch existenten k.u.k.-Monarchie wird gehörig aufs Korn genommen.

Man muss schon eine Ader für diese Schreibweise haben. Wie gesagt, geht es weniger um "forlaufende Handlung". Das Buch besteht eher aus lauter kleinen, eigenwilligen, aber köstlich gestalteten "Miniaturen", kleinen Szenen, die unterschwellig durch einen roten Faden verbunden sind. Jedes Kapitelchen könnte also auch für sich stehen.

Es wird überwiegend Wert auf Humoriges gelegt, auf Eigenheiten der Personen, auf Macken, Marotten und Überspitzungen. Dies ist nur teils erfunden, der Autor hat, soweit möglich, auch seine erfundenen Episoden auf Wahrscheinlichem, auf Überlieferungen, gegründet. So weiß man z. B. von Zeitgenossen, dass Schopenhauer in der Tat eher grantig, aber dafür Tierfreund war. Dass Goethe sich in seine Farbenlehre "verbissen" hat. Und dass Byron für jeden Skandal gut war. Diese Überlieferungen treiben im Buch wirklich herrliche Blüten! Ich wurde auf hohem Niveau sehr gut unterhalten.

Gewöhnungsbedürftig ist sicher auch die Sprache. Reiche Bilder, kunstvoll gestaltete Sätze. Und, wie bei Daniel Kehlmann auch: die wörtliche Rede wurde so weit als möglich zurückgenommen. Es gibt keinerlei Anführungszeichen, höchstens Bindestriche oder Absätze. Ich fand das sehr schön - das hat zu einem ruhigeren Schriftbild und insgesamt "klassischem" Eindruck beigetragen.

Obwohl ich das Buch grandios fand, würde ich es also nur eingeschränkt empfehlen. An Leser mit zumindest einer Prise "klassischer" oder philosophischer Vorbildung. An Leser, die keine geläufige Unterhaltung erwarten. Und an Sprach-Fetischisten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wenn ich im Sommer Venedig besuche, werde ich die Gondeln mit anderen Augen betrachten, bin ich doch jetzt dank Schopenhauers Bemühungen, das Gondelfahren zu erlernen, über die Besonderheiten der Gondelkonstruktionen und über die Fähigkeiten der Gondoliere bestens informiert. Schopenhauers Gondelunterricht gehört zu den wirklich schönen Szenen dieses Buches.
Allerdings hatte ich erst einmal Schwierigkeiten mit dem Einstieg in diesen Roman, was vielleicht auch daran liegt, dass ich einfach nicht die Ruhe hatte, mit der dieses Buch gelesen werden sollte. Mir war zunächst nicht klar, was genau eigentlich die Handlung des Buches ist. Die handelnden Personen Schopenhauer, Goethe, Lord Byron und die Nebenfiguren werden aneinandergereiht, ohne richtig miteinander in Beziehung zu treten.
Trotzdem ist das Buch lesenswert und unbedingt zu empfehlen. Denn es ist sprachlich wunderschön, und es gibt eine ganze Reihe von hervorragenden Szenen. Beispielsweise, wenn Schopenhauer sich bei einer winterlichen Passüberquerung aufgrund seiner Tierliebe bei seinen Mitreisenden sehr unbeliebt macht. Schön war auch die Beschreibung einer schon ins Possenhafte gehenden Verfolgungsjagd. Witzig geschildert fand ich den Blick in die Frühzeit der Musikpromotion und des Fanartikelmerchandising am Beispiel einer Opernsängerin. Meine Lieblingsszene aber ist die Rolle eines Schweines im Karneval, einfach herrlich.
Christoph Poschenrieder kann hervorragend schreiben, und ich hoffe, dass es noch weitere Bücher aus seiner Feder geben wird. Schopenhauer wurde mir mit diesem Buch jedenfalls so nahe gebracht, dass er auf meiner Leseliste gelandet ist.
Noch eine kleine Schlussbemerkung: Endlich hat ein Diogenes-Buch das, was ich bei diesen so schön gemachten Büchern schon immer vermisst habe: Ein Lesebändchen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 8. März 2010
"Wir haben Träume; ist nicht etwa das ganze Leben ein Traum?"
(Arthur Schopenhauer, in: Die Welt als Wille und Vorstellung)

Wir schreiben das Jahr 1818. Europa ist in Bewegung nach Napoleon, der Wiener Kongress mit Metternich erfolgreich, eine Neuordnung Europas in Sicht und doch gibt es auf dem Wege der Nationenbildung hinreichend kritisches Potential. Nicht nur die Gesellschaft ist im Umbruch, auch eben jener junger Mann, dem es daran liegt, sein nun gerade fertiggestelltes Hauptwerk an einen Verleger und es möglichst rasch unter das intelligente Volk zu bringen. Eben jener Schopenhauer, ein Kant Jünger, ein Platon Liebhaber und ein Kenner der indischen Philosophie will nicht mehr, als Kants Kritiken zurükzuholen aus dem Transzendenten in jene Welt, die nunmehr als Wille und Vorstellung eben diese Welt definieren. Mit dieser Gleichung besticht die Schopenhauerische Philosophie an Einfachheit und scheint nicht jenen großen Verleger F.A. Brockhaus zu überzeugen. Die Verspätung des Druckes ist Auslöser für den Zorn Schopenhauers, Dresden zu verlassen, um nach Venedig zu gehen.

Für den jungen Autor Poschenrieder (1964-), seinerseits Philosoph und Kenner der Schopenhauer Philosophie ist diese Begebenheit Anlaß aus einer historisch verbrieften Tatsache eine real Fiction zu schreiben, zu dem noch als Debüt. Wie es sich wunderbar einreiht in die Neuerscheinungen dieses Jahres, mag der Literaturkenner schnell erahnen, stehen doch mit Boyle und Alissa Walser zwei weitere Romane auf der Liste der Neuerscheinungen 2010, die sich historischen Tatsachen bzw. historischen Menschen widmen.

Schopenhauer (1788-1860) steht in 2010 in Erinnerung seines 150. Todestages. Der junge Autor mag diesen neuen Roman bewusst in dem Erinnerungsjahr veröffentlicht haben, zumal ihm die Schopenhauer Philosophie nahe ist. Dieser Roman zeigt einen vehementen Schopenhauer, zeigt seine Philosophie der Welt geteilt in Wille und Vorstellung, zeigt ihn in den Kenntnissen der indischen Philosophie, genauer der Upanishaden, die er teilt mit einem Reisebegleiter auf dem Weg nach Wien, um in Venedig zu landen.

Poschenrieder beschreibt die Familie Schopenhauers, seine Mutter Johanna, selbst Autorin und gern gesehener Gast bei Goethen, seine Schwester Adele, intelligent und nicht hübsch, hilfsbereit und ohne Mann. Er bringt auf Stippvisiten Philosophen ins Bild, wie den durchreisenden Hegel, beschreibt die geschichtsträchtigen Episoden um Metternich und nutzt eine vorgestellte Goethe-Schopenhauer Freundschaft als Grund für ein Empfehlungsschreiben, welches er Schopenhauer mitgibt, um ihm die Bekanntschaft mit Lord Byron, der in Venedig weilt, zu vereinfachen. So wie die Welt als Vorstellung und Wille bei Schopenhauer gilt, so nutzt Poschenrieder seine Geschichte in diesem Sinne.

Venedig ist verspielt, in den Gassen kann man sich verlaufen, wenn nicht ein Hund der Begleiter Schopenhauers wäre, ein Hund, wie er ihn selbst hatte, "der Mensch", wenn er ihn beschimpfte. Viele Gestalten traf er in der Lagunenstadt, aber keine war so wichtig, wie es Teresa wurde. Eine Romanze in Venedig wäre eine Vorstellung wert, sogar so wichtig, um ein Treffen mit Lord Byron zu vergessen. Auch so wichtig, um nicht mehr an die Weiterreise nach Florenz und Rom denken, Goethes Italien Berichte hin oder her. Schopenhauer wird nun aber eines neu in Venedig aufstellen müssen, eine Idee der Liebe. Ihn und Teresa auf diesem Wege zu begleiten, lädt der Roman ein. Letztendlich wird die erkennbare Welt als Erscheinung gegenüber dem unerkennbaren Sein der Dinge an sich gem. Schopenhauer als Faden gesponnen und es führt dazu, zu erkennen, dass die Seele des Menschen als Treffpunkt beider Welten gelten kann. Wohl wissend, dass das Mögliche noch nicht das Wirkliche ist.

Nun, was wirklich wahr, was nur Fiktion ist in diesem neuen Roman, wird man hier nie erfahren, "die Welt ist [eben] im Kopf". Poschenrieder gibt am Ende die wahren Wahrheiten bekannt, doch von den anderen Wahrheiten entfernt er sich nicht, mögen sie für ihn nun Wille und Vorstellung sein, zumindest sind sie das, was Schopenhauer das Subjektive in den Büchern nennt. Insgesamt eine recht gute Geschichte, ein empfehlenswerter Debütroman, der Einblicke in die Philosophie Schopenhauers gibt, wie auch in einige Gedichte Byrons sowie in die Geschichte jener Zeit um Metternich, der Musik und natürlich liegt über allem der Reiz von Teresa's Venedig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Mai 2012
Ein interessantes Buch. Was weiß man schon wirklich von Arthur Schopenhauer? Man kümmert sich ein wenig, googelt dies und das, wikipidiert und heraus kommt etwa, dass Schopenhauer meint, dass wir die Welt nicht so sehen, wie sie "an sich" ist, sondern nur so, wie sie uns erscheint, das heißt, wie wir sie uns vorstellen. Kurz: die Welt ist unsere "Vorstellung" und ist eben das, was wir in unserem eigenen Inneren finden, nämlich so eine Art metaphysischer Wille. Nun, Schopenhauer ist jetzt 152 Jahre tot und trotzdem scheint es, dass dieser philosophischen Grantler und Querdenker in der Philosophie einen wichtigen Platz einnimmt.. Das Denken Arthur Schopenhauers, durchzieht -zumindest in seinen Werken - ein tiefer Pessimismus, der sich auch in seinen Äußerungen "Über den Tod" spiegelt: man kommt bei vollem Bewusstsein in jeder Stunde seinem Tode näher, und dies macht selbst dem das Leben bisweilen schwer, der dies auch voll und ganz erkannt, bzw. akzeptiert hat. Im vorliegenden Büchlein geht es allerdings primär um einen ganz anderen Schopenhauer: überraschend sinnlich und lebendig" (Klappentext). Das Buch ist von lustvoller Ironie geprägt, der einen gar nicht so lebensunlustigen Philosophen beschreibt. Nein, ein Mann, zwar von seinen schweren Gedanken geprägt, doch durchaus am süßen Leben teilhabend. Eine monatelange Reise wird beschrieben, über Dresden, über schwer zu überwindende Alpenpässe nach Venedig. Unterwegs passieren dem jungen Philosophen die kuriosesten Dinge, das ist witzig geschrieben. Arthur Schopenhauer hat ein Empfehlungsschreiben seines großen Zeitgenossen Goethe in der Tasche, aber er wird es nicht nutzen. Es brennt ihm allerdings immer in den Fingern. Wir treffen auf den ziemlich verrückten englischen Lyriker Lord Byron, der auch in Venedig in so einer Art kulturellem Exil lebt. Aber Byron und Schopenhauer kommen sich persönlich nicht nahe. Doch köstlich sind die Beschreibungen von Fluchten durch die Kanäle Venedigs, seine Ausbildung zum Gondoliere und seine Liebe zu Teresa, eine venezianische Schönheit, die ihm den Aufenthalt in der Lagune versüßt. Von Zu hause kommen Briefe von seiner Schwester Adele, die ihn verehrt und auf dem Laufenden hält. Zusätzlich wartet er auf die Veröffentlichung seines Hauptwerkes und sein misstrauischer Verleger will nicht so Recht an den Start mit dem Buch. Das wurmt den Philosophen mächtig. Also alles irgendwie normal und man kann die Szenerie wohlwollend auf heute extrapolieren. Künstler und Philosophen müssen sowieso irgendwie verrückt sein um zu bestehen. Gleichmütig und sogar ein wenig stolz bekommt er in einem weiteren Brief von Adele mit, dass er zwischenzeitlich fast Vater geworden sei, seine zurückgelassene Geliebte in Dresden verlor allerdings das Kind. Dann steht auch noch sein Erbe zu hause in Zweifel weil ein zwielichtiges Bankhaus krumme Geschäfte gemacht hat. Wie gesagt, die Dinge wiederholen sich, bleiben aber gleich. Und wie zur Bestätigung fällt mir der Text von André Heller (Künstler und Philosoph) ein: Die wahren Abenteuer sind im Kopf- und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo!" Heller und Schopenhauer hätten sich gut verstanden.
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am 1. November 2010
"Die Welt ist im Kopf". So erklärt der noch junge Arthur Schopenhauer seiner Geliebten Teresa den Inhalt seines frisch erschienen philosophischen Werkes. Noch ahnt der junge Mann nicht, dass sich "Die Welt als Wille und Vorstellung" nur sehr schlecht verkaufen wird. Und so verlebt einige glückliche Monate in Venedig, der Stadt, in der sich auch Lord Byron aufhält...

Christoph Poschenrieder beschreibt die Erlebnisse "seines" Schopenhauers mit klaren, intelligenten Worten. Hat man sich erstmal eingelesen, so hungert man förmlich nach noch mehr Philosophie, mehr klugen Gedanken und witzigen Wortgefechten. Kleines Manko: Dieses Buch war für mich trotz allem kein "Page-Turner" im eigentlichen Sinne. Die Handlung plätscherte eher vor sich hin. Zudem hätte ich gerne noch mehr über die Inhalte von Schopenhauers Werk erfahren.

Alles in allem gibt es aber 4 wohl verdiente Sterne von mir für dieses Buch. Nicht zuletzt auch, weil ich den Autor bei einer Lesung live erleben durfte und von seiner Art und Vorleseweise sehr angetan war.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Die Namen, die Christoph Poschenrieder in seinem Debütroman auffährt sind schon einmal groß: Goethe, Arthur Schopenhauer, Fürst Metternich, Lord Byron und Friedrich Alexander Brockhaus, um nur einige zu nennen.
Das sind die Hauptcharaktere in Poschenrieders Debüt Die Welt ist im Kopf". Der 32 Jahre alte Münchner hat sich den auch heute noch bekannten Philosophen Arthur Schopenhauer in den Mittelpunkt seines Werkes gerückt und erzählt uns eine wahrhaft spannende und interessante Geschichte: Als junger Mann macht sich Schopenhauer kurz nach der Veröffentlichung seines Werkes Die Welt als Wille und Vorstellung" bei Friedrich Alexander Brockhaus auf nach Venedig, um dort Lord Byron zu finden. Quer durch das von Informanten Fürst Metternichs besetzte Österreichgeht seine Reise und er findet schließlich in der Stadt der Tausend Kanäle sein Ziel und sogar die Liebe in Gestalt der jungen Teresa.

In den meisten Köpfen ist die Vorstellung Schopenhauers mit einem alten, misanthropischen und griesgrämigen Herrn verbunden, der in der irdischen Welt keine Erlösung findet. Ganz anders jedoch der junge Schopenhauer Poschenrieders, der als Mensch durch seine Gefühle und seine Dynamik besticht und sich so die Sympathien des Lesers sichern kann. Bei ihm sieht sich der Philosoph sogar mit der Liebe konfrontiert und er zeigt, dass sich hinter großen Ideen auch große Menschen verstecken können!
Gut gefallen hat mir auch, dass bei Poschenrieder trotz des vermeintlich schweren Themas der Humor nicht zu kurz kommt. Mich brachten viele Szenen zum Schmunzeln, beispielsweise als Schopenhauer das schwierige Handwerk des Gondoliere erlernt oder er mit dem Hund Scippio quer durch Venedig streunt, auf der Suche nach Lord Byron, bei dem er aber dann schlussendlich doch nicht den Mut hat, den poetischen Engländer seine Aufwartung zu machen. In kurzen Kapiteln erzählt er aus verschiedenen Perspektiven und das Buch lässt sich so auch angenehm an einem Nachmittag verschlingen!

Fazit: Ein Buch, das viele Elemente in sich vereint: Historischer Roman, philosophische Grundeinführung, Liebesroman und ein beeindruckendes Porträt über einen Mann, dessen Todesjahr sich heuer zum 150. Mal jährt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Juli 2014
Das ist mein Buch des Früjahr 2014! Eine hinreissende Sprache, wunderbar gezeichneten Figuren und einen für mich sehr faszinierenden Blick auf die Herren Goethe, Metternich, Byron, Schopenhauer, ihren Alltag, ihre Schwächen (weniger die Stärken) und die Frauen, die die großen Herren in dieser Geschichte und in der Geschichte ein gutes Lebens-Stück begleiten.....
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