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am 23. Januar 2010
Auch in seinem neuen, von seinen Lesern mit Spannung erwarteten Roman versteht es der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter auf das Vortrefflichste, die kritische Reflexion aktuellen Zeitgeschehens aus der Schweizer Perspektive zu verknüpfen mit der von ihm aus seinen Business-Class-Geschichten bekannten hintergründig-humorvoll- satirischen Schilderung des Lebens der Oberklasse in Zürich.

In "Der Koch" kommt dieses Mal noch dazu eine Reflexion des Schicksals eines Landes und einer Ethnie, die hierzulande vergessen scheint, die Minderheit der Tamilen in Sri Lanka und der widersprüchliche Befreiungskampf der LTTE (Tamil Tigers), deren brutaler und mafioser Arm bis in die Gemeinden der vielen tamilischen Flüchtlinge reicht, die in Zürich zu Tausenden eine neue Heimat gefunden haben.

Zu ihnen gehört auch der 33-jährige Maravan. Vor Jahren ist er als Asylsuchender in die Schweiz gekommen, als der Krieg in Sri Lanka für die tamilische Minderheit lebensbedrohliche Ausmaße annahm. Dabei war Maravan, der von seiner Großtante Nangay in Sri Lanka das Kochen gelernt hat, nach einer erfolgreichen beruflichen Tätigkeit in südindischen Ayurveda-Luxushotels bewusst in seine Heimat zurückgekehrt um dort ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Doch der Bürgerkrieg vereitelt seine Pläne und so fristet er zu Beginn des Buches sein berufliches Dasein weit unter seinem Niveau als Küchenhilfskraft im Züricher Sternerestaurant "Huwyler", wo sich die Creme der Finanzwelt trifft und das Martin Suter geschickt als Bindeglied und Brennpunkt zwischen Maravans Geschichte und dem Schicksal einiger Spekulanten mitten der Finanzkrise nutzt, die er so nebenbei dokumentiert und süffisant kommentiert.

Im "Huwyler" arbeitet auch Andrea, eine Fachkraft, die es aber nirgendwo lange aushält und der Maravan sympathisch ist. Als Maravan gemobbt wird von den Kollegen, nachdem er dem Chefkoch freundlich angeboten hatte ihm zu zeigen , "wie man einen richtigen Curry macht", steht sie ihm bei und muss in der Folge ebenfalls ihren Arbeitsplatz verlassen.

Maravan hat sich in Andrea verliebt und lädt sie zu einem Essen ein. Er kocht ein mehrgängiges molekulares Menü mit aphrodisischer Wirkung, die er aber nicht beabsichtigt. Dennoch wirkt das Essen auf die lesbische Andrea derart erregend, dass sie mit Maravan schläft.
So entsteht die Geschäftidee "Love Food", ein Catering-Service für Ehepaare, die sexuelle Stimulation brauchen. Vermittelt werden die Kunden durch eine Sexualtherapeutin, die Andrea kennt, und Maravan lässt sich auf Andreas Idee ein. Arbeitslos geworden durch den Rauswurf im Huwyler" will ihn kein anderes Restaurant einstellen und er braucht doch Geld um seine Familie und seine kranke Großtante Nangay in der Heimat zu unterstützen. Außerdem stehen immer wieder Vertreter der Tamil Tigers bei ihm vor der Tür, um Geld für den Befreiungskampf zu erpressen, das Maravan zahlt, weil er glaubt, so seinen geliebten Neffen vor dem erzwungenen Militärdienst bei der LTTE zu schützen.
Mittlerweile hoch verschuldet, fängt er an, für Paare zu kochen, die Andrea in ein dafür angemietetes Domizil bringt. Der Erfolg ist überwältigend. Die Paare sind begeistert, haben oft noch vor dem Nachtisch den lange vermissten Sex miteinander und so ist klar, dass die Firma "Love Food" bald jeden Tag in der Woche ausgebucht ist.

Als einer der zufriedenen Ehemänner ( Maravan hat sich auf den Deal nur eingelassen, weil die Paare verheiratet waren), die Dienst von Love Food" für ein Treffen mit einem Call-Girl in Anspruch nehmen will, ist Andrea von der hohen Summe fasziniert, die der Kunde dafür bezahlen will. Sie sagt Maravan zunächst nichts davon, doch er entdeckt den Betrug und kündigt die Zusammenarbeit auf.
Doch seine Geldnöte zwingen ihn dazu, die "schmutzigen Sachen" mitzumachen, die so ganz seiner Kultur widersprechen. Bei einem dieser Treffen lernt Andrea das Callgirl Makela aus Eritrea kennen und beginnt mit ihr eine heftige sexuelle Beziehung. Makela wiederum ist die Lieblingshure von Dallmann, einem dubiosen Finanzjongleur, der in üble Waffengeschäfte mit Sri Lanka verwickelt ist. Und nun entspinnt sich eine spannende und unterhaltsame Geschichte mit einem genialen Plot.

Quer durch das Buch zieht sich die zarte Liebesgeschichte zwischen Maravan und Sandana, einer tamilischen Asylantin, die von ihrer Familie mit einer Zwangsheirat konfrontiert wird und der es gelingt, durch all den Wirbel um Love Food" und dubiose Waffengeschäfte mit Maravan ein neues, hoffnungsvolles Leben zu beginnen.

Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen, viel erfahren über die innenpolitischen Verhältnisse in Sri Lanka und die Verhältnisse, unter denen Asylanten in der Schweiz leben und etwas gelernt über molekulare Küche, von der der begeisterte Hobbykoch Martin Suter in einem Interview, das am Tag des Erscheinens dieses Buches veröffentlicht wurde, gesagt hat, sie sei wie sein Schreiben, man wisse nie, was hinten heraus kommt.

Literarisch steht der Roman auf dem gewohnten Suter-Niveau und man wird nach der erfolgreichen Verfilmung von "Lila, lila" nicht lange warten müssen, bis auch dieser neue Stoff für das Kino oder Fernsehen verarbeitet werden wird.
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am 12. Oktober 2010
Aus meiner Sicht werden im neuen Roman von Martin Suter zu viele Themen aufgegriffen, diese bleiben aber alle an der Oberfläche. Es geht um Asylpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft und Soziales und als Leserin bekam ich schnell den Eindruck, jedes Thema wird angesprochen, aber leider nicht weiter vertieft. Die Geschichte plätschert über viele Seiten einfach so dahin, ein wenig konzeptlos und inhaltlich eher langweilig.

Die Haupt-Protagonisten des Romans: Maravan, Tamile, ein talentierter und leidenschaftlicher Koch, ethische Grundsätze sind ihm wichtig / Andrea, seine Geschäftspartnerin, eine leidige und eher skrupellose Person, die das Buch nicht wirklich bereichert / Sandana, Tamilin, von ihrer Familie zur Zwangsheirat verdammt, sympathische Bahn-Angestellte und in Maravan verliebt / Makeda, sehr hübsche und extravagante Äthiopierin und aus der Not Call-Girl geworden.

Die Idee mit den Rezepten (auch im Anhang zum Nachkochen) fand ich eigentlich ganz gut, obwohl zum Ausprobieren eignen sie sich wahrscheinlich aufgrund der fehlenden Küchenutensilien wenig.
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am 25. Juni 2010
Ich bin ein wenig ratlos. Die Geschichte über einen tamilischen Koch in der Schweiz ist handwerklich solide erzählt. Der Plot ist spannend, die Sprache exzellent. Trotzdem ist 'Der Koch' kein Buch, das mich atemlos zum Weiterlesen animiert hat. Ich musste mich bei der Lektüre nicht quälen und habe bis zum Schluss durchgehalten. Aber irgendetwas Magisches, das man von einem Bestseller erwartet, fehlte. Ein Buch, das man liest, aber von dem nach der Lektüre nicht viel bleibt.
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am 21. März 2010
Das war mein erstes Buch von Suter und ich hatte vielleicht zu hohe Erwartungen, weil ich von dem Autor schon zu viel gutes gehört hatte.

Zuerst das Positive: Der Schreibstil hat mir ganz gut gefallen - ich fand ihn der Thematik teilweise nicht angemessen, aber der Stil hat mich dann doch dazu veranlasst das ganze Buch zu lesen. Die ersten Kapitel waren ebenfalls gelungen, aber danach fiel es deutlich ab.

Die Geschichte war mir viel zu konstruiert - vor allem störte mich die Art und Weise wie mit der tamilischen Kultur und dem Konflikt in Sri Lanka umgegangen wurde. Ganz offensichtlich sollte Maravans Herkunft vor allem einen Anstrich von Exotik geben. Die Motivation die er aus dieser Herkunft erhält, ist jedenfalls eher dünn und hätte auf eine ganze Reihe weiterer Kulturen und Konflikte beruhen können. Typisch tamilisch sind nur die Namen. Ein grosser Teil der Tamilen in Zürich hat heute nicht mehr den Status eines Asylbewerbers im übrigen, etwas was man nach der Lektüre dieses Buches annehmen würde. Maravans Geschichte warum er in der Schweiz ist extrem dünn - wenn jemand mit der Geschichte zum Amt in der Schweiz ginge, würde er gerade wieder ins Flugzeug nach Hause gesetzt. Es gibt Kleinigkeiten (wie Kleidung) die deutlich machen, dass Suter von tamilischer Kultur und der tamilischen Diaspora nicht viel Ahnung hat. Aber zu viele Leser werden nach der Lektüre dieses Werkes das Gefühl haben sie wüssten jetzt Bescheid. Wenn man eine Ausländergruppe pauschal verurteilt nicht integrationsfähig zu sein (mit zwei glorreichen Ausnahmen) sollte man sie vielleicht wenigstens kennen.

Zugegebenermassen finde ich Molekularküche reichlich langweilig und das was ich bislang davon gegessen habe auch nicht überzeugend, so dass mich die langen Passagen in denen detailhaft beschrieben wird was Maravan da bastelt nicht spannend fand. Leider wäre darin wohl eine Hauptattraktion des Buches gelegen, in dem dünnen Plot lag sie kaum. Ich habe sehr deutlich mitbekommen was Suter mir sagen wollte und meist stimme ich seinen Ansichten sogar zu, aber das macht einen guten Roman ja nicht aus.
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am 4. Februar 2010
Das aus meiner Sicht bisher schlechteste Suter-Werk.
Zwar gewohnt schöne Sprache mit kurzen, prägnanten Sätzen und tollem filmischen Stil. Darüber hinaus gewohnt souveräne Recherchearbeit des Autors erkennbar.
Allerdings fehlt mir das, was mich an Suter sonst so begeistert: Die fesselnde und außergewöhnliche Geschichte. Diese plätschert hier vor sich hin und kommt irgendwann zu einem vorhersehbaren Ende. Für mich als Leser nervend v.a. die immer wiederkehrende Schilderung der weltweiten Wirtschaftskrise. Von den Medien werden und wurden wir täglich mit 'Horrormeldungen' dazu überschüttet. Das sich Suter auch noch damit in seinem neuen Roman beschäftigt, fand ich schlicht nervend und unnötig.
Ferner fühlte ich mich oft an Patrick Süskinds Bestseller 'Das Parfüm' erinnert. Gerüche, Düfte, Geschmäcker, Essenzen. Ein Held, der gelernt hat, diese 'Welt der Geschmäcker' zu durchschauen und welcher dann aus seinem Wissen das perfekte Liebesessen kreiert, gegen dessen Wirkung sich niemand wehren kann'
Nein ' mich hat dieses Buch leider in keinster Weise überzeugt
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am 7. Februar 2012
Ich kann die negativen Rezensionen nicht nachvollziehen!

Nachdem ich Die dunkle Seite des Mondes von Suter schon beeindruckend fand, habe ich mich zum Bestseller "Der Koch" hinreissen lassen. Sonst bevorzuge ich andere Genre. Bereut habe das Lesen dieses Buches nicht. Ganz im Gegenteil: schnell weggelesen!!

Der kochende tamilesische Immigrant Marava findet heraus, dass er Menüs zubereiten kann, die aphrodisierend wirken. Der sich damit ergebene kulturelle Konflikt, als er diese Gabe kommerzialisiert und ins Sex-Milieu rutscht, ist genauso Thema des Buches, wie der Konflikt auf Sri Lanka, die Bankenkrise oder dreckige Spiele in der globalen Wirtschaft.

Der Reiz dieses Buches liegt für mich in der Idee des aphrodisierenden Menüs. Kochen und/mit Leidenschaft wird umfänglich beschrieben. Dass manche Rezensenten bemängeln, dass dies nicht als Anleitung tauge, kann ich nicht nachvollziehen. Als solches sind sie sicherlich nicht gedacht. Denen sei aber Es muß nicht immer Kaviar sein empfohlen.

Das Buch hat einen spannenden Plot, ich habe es in einem weggelesen. Ob es mich nachhaltig und tiefgründig weiterbewegen wird, wage ich zu bezweifeln. Insofern ist sicherlich ein Niveauverlust Suters zu spüren, der sich zunehmend leichter Unterhaltungsliteratur hingibt. Wer das nicht (auch) mag, der kann es lassen.

Das Buchende ist typisch Suter. Kann man mögen, muss man nicht, stört aber auch nicht so sehr!

Für mich ein, auch sprachlich, sehr gutes Buch der Gegenwartsliteratur. Sowas hat der deutschsprachige Markt nicht viel zu bieten! Daher klare Empfehlung 5*.
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am 22. März 2010
Meine Leidenschaft für Martin Suter nahm bisher von Roman zu Roman ab, und auch "Der Koch" macht hier leider keine Ausnahme. Die Story schleppt sich dahin und wirkt zusammengeschustert. Die verschiedenen Problematiken wie Waffenschiebereien, schweizerisches Asylrecht und tamilisch sri-lankische Auseinandersetzungen werden allzu oberfächlich präsentiert und nach meinem Empfinden sehr konstruiert zusammengeführt, alles überflüssigerweise noch umrahmt von exotischen Rezepten der Molekularküche, die für Otto Normalverbraucher sowieso nicht nachkochbar sind - es sei denn, man hat irgendwo zufällig einen Rotationsverdampfer rumstehen...
Für Einsteiger in Martin Suters Literatur sei "Die dunkle Seite des Mondes" und auch "Small World" empfohlen. Beides absolut stilsichere, spannende und ungewöhnliche Romane, die bis zum Schluss fesseln, da die Story jeweils sauber entwickelt und ebenso logisch wie überraschend und konsequent zu Ende gebracht wird.
"Der Koch" bietet dagegen - wie in der Molekularküche wohl üblich - aufgeschäumte heiße Luft mit wenig Inhalt.
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am 25. Februar 2014
Martin Suter hat ja bereits einige Lorbeeren eingeheimst, nun ist der neue Suter ist da, viele Fans warten bereits aufs neue Buch. Vielleicht wird es ihnen so gehen wie mir: „Kochen ist Krieg“ (gemeint ist der Kampf des kochenden Personals untereinander, gegeneinander, miteinander – für den Gast).In diesem Buch ist das so nicht gemeint. Es wird sich dem geneigten Leser erst spät erschließen.

Der tamilische Asylant Maravan ist Aushilfe in einem Züricher Nobelrestaurant. Er arbeitet tief unter seinem Niveau. Die einst von seiner Großtante erlernten Fähigkeiten hatten ihn in Sri Lanka zu einem Meister seines Fachs gemacht. Maravan beherrscht die Kochkunst mit all ihren Raffinessen – und auch die Geheimnisse der aphrodisischen Küche. Doch er braucht das Geld, das er hier verdient, um seine Familie in Sri Lanka zu unterstützen, denn dort herrscht Krieg. Wie weit ist doch Sri Lanka? Man glaubt es kaum, daß dort ebenfalls Krieg herrscht und Tausende dort sterben. Martin Suter hat sein neues Buch ganz dicht an unsere Gegenwart gelehnt: 2008 und 2009.

Maravan möchte eines Tages eine neue Rezeptur ausprobieren und benötigt dafür einen Rotations-Entdampfer, den er sich aus der Küche ausleiht, um ihn am nächsten Tag gleich zurückzugeben. Leider wird er erwischt und fliegt sofort raus.
Die materielle Hilfe für seine Familie muß er nun auf ein Minimum beschränken. Bis Andrea, die Servicekraft aus dem Nobelrestaurant, auftaucht und ihm einen Geschäftsvorschlag unterbreitet: Catering für Lovefood. Maravan hatte für sie bereits ein erotisches Menue mit Erfolg gekocht. Eine befreundete Paartherapeutin hilft ihnen bei der ersten Kundenbeschaffung, indem sie Maravans Fähigkeiten nutzt, um Paare wieder zusammenzuführen. Als das Geschäft ganz gut floriert, glaubt Andrea, ohne die Paartherapeutin auszukommen, die das aber spitzkriegt und keine Paare mehr schickt. Daher fangen sie an, „unmoralisch“ zu kochen.

Ab und an tauchen wie aus dem Nichts Maravans Gedanken an die Heimat und an seine Familie auf. Nebenbei erfährt der geneigte Leser, daß sich dessen jüngerer Bruder bei der Freiheitsbewegung beworben hat. Die Angst Maravans kann man kaum spüren, gedankenverloren kocht er für das nächste Arrangement ein erotisches Menue. Ein obskurer Manager ist aufgetaucht, der auch als Manager des Jahres 2008 ausgezeichnet wurde. Maravan erfährt, daß dieser mit den beiden tamilischen Seiten, der staatlichen und der freiheitsbewegten, gleichzeitig Waffengeschäfte tätigt. Maravan beschließt Rache, denn er hat im Internet das Bild seines kleinen Bruders entdeckt, der von den Kriegern ermordet ist. Und selbiger Manager stirbt an Herzversagen. Leider wird der Leser nun mit dieser Tatsache alleingelassen. Man erfährt im Abspann stattdessen, daß Martin Suter die dort veröffentlichten Rezepturen von einem ihm bekannten Koch hat nachkochen und so verändern lassen, daß sie mit wenig technischem Aufwand von Interessierten nachzuempfinden sind. Da aber doch einige Rezepte auf der neuen molekularen Küche basieren und mit flüssigem Stickstoff zuzubereiten sind, entfällt das für mich als Laien, da ich zu Hause nur eine Pfanne und drei Kochtöpfe mein eigen nenne.
Martin Suter, der uns das wunderbare Buch „Small world“ schenkte und mit „Lila Lila“ sogar ein verfilmtes Stück Literatur in die Kinos bekommen konnte, hat hier ein unspektakuläres Buch, einen leicht dahinfließenden Text, veröffentlicht, aus dem zwei Sachen herausragen:
Wenn Maravan erklärt, Kochen ist, Aggregatzustände eßbar zu machen, und für mich am wichtigsten – die Erkenntnis, daß der Befreiungskampf in Sri Lanka auch direkt vor unserer Haustür stattfindet, denn die Waffenlobbyisten treiben auch in unseren Breiten ihr Unwesen.
Leider ist der Text so lau, als ob Marvan, der Koch aus Sri Lanka, für seine delikaten Gerichte keine vorgewärmten Teller benutzen würde.

buchladen-in-buch.de
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am 5. April 2010
Ein Sammelsurium aus Molekularküche, aktuellen Nachrichten über die Wirtschafts- und Bankenkrise, Waffenlobbyisten, tamilischen Befreiungskampf, Asylanten und ihre Familien/Probleme/Sorgen in den Herkunftsländern. Dies alles ergibt - ohne dass man einen Rotationsverdampfer einsetzt oder Aginat, Sojalezithin, Xanthan o.ä. zufügt - eine Mischung, die nur schwer verdaulich ist.

Martin Suter, dieser sprachbegabte Schriftsteller, dem wir hinreißend geschriebene Bücher verdanken, wie "Small World", "Der letzte Weynfeld" oder "Die dunkle Seite des Mondes", dessen Romane man verschlingt, und das liebsten ohne Pause, hat mit dem Buch "Der Koch" vieles, worüber momentan gesprochen wird, in einer Geschichte zusammengefügt. Das ist leider misslungen. Besonders die erste Hälfte ist langatmig, da sie kaum eine Handlung aufweist. Selbst der an Küche und Kochen interessierte Leser langweilt sich bei den immer wiederkehrenden Beschreibungen von Gerichten, Kochzutaten und -methoden.

Gut geschriebene Romane erzeugen immer Stimmungen, Gefühle. Man versinkt in der Handlung. Dass Martin Suter in besonderem Maße über diese Gabe verfügt, hat er in anderen Büchern bewiesen. Schade, dass es hier nicht richtig gelingen will. Entweder ist man in der Stimmung ein Kochbuch, einen Roman oder die Tageszeitung zu lesen. Kreuz und quer hin- und her zu springen macht keine Freude.

"Der Koch" ist kein Psycho-Thriller oder psychologischer Roman und hat auch kein überraschendes Ende, wie man es von Suter gewohnt ist. Hoffentlich ist dies nicht ein neuer Stil zu schreiben.
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am 10. Juni 2010
Es gibt Bücher, die sind so spannend, daß man sie nicht aus der Hand legen kann. Das vollkommene Beispiel hierzu: Michael Kohlhaas von Heinrich v. Kleist, ein Buch, daß wie in einem einzigen atemlosen Zug geschrieben scheint.

Suters "Der Koch" habe ich aus einem anderen Grund immer weiter gelesen, was mich schließlich auch bis zum Ende des Buches gebracht hat: Aus der Hoffnung heraus, daß einmal etwas anderes geschehen würde als immer schon vorab erwartet. Doch es kam noch schlimmer: das Ende des Buches wirkt mit seiner armseligen Politethik geradezu dümmlich.

Ich denke, es gibt an ein Buch vor allem zwei Hauptfragen: Besitzt es Poesie, Einzigartigkeit (man könnte auch fragen: ist es literarisch), ist es eine künstlerische Leistung und dann zweitens: ist es gut geschrieben?.

Literatur ist Suters Buch sicher nicht. Meine Begründung hierzu: Ich finde es gänzlich abtörnend, wenn in einem Buch die Wirklichkeit an die Wand gestellt wird und dann zu Tode beschrieben wird. Was bleibt da noch übrig? "Dann nimmt er den Glaskolben und trocknet ihn mit einem sauberen Geschirrtuch ab....." blablabla.

Schrecklich sind auch die Charaktäre: was in "Business class" noch so spannungsvoll rüberkam: vibrationslose Schweizer in ihrer grotesken Welt aus Geld und Schoggi und Brötli wird im "Koch" zu einer Lachnummer: die Figuren wirken vollkommen leblos, nur Maravans Stille vermittelt ein gewisses lebendiges Bild. Andrea, Makeda, selbst Dallmann sind nicht mehr als leblose Klischees. Die Dinge, die sie tun und sagen wirken so echt wie eine Biokampagne von Iglo Fischstäbchen.

Das Buch ist aber ein leidlich intelligentes Produkt. Und daher muß man die Frage: Ist es gut geschrieben in gewisser Weise leider mit einem hervorgepreßten "Ja" beantowrten: denn es ist für jeden was dabei: die Welt der Reichen, Asylantenmillieu, Erotik, Essen, Finanzpolitik, Homosexualität, politisches Gewissen. Gaaanz toll. Das Ganze wirkt aber mehr bequem als klug: ordentlich aufbereitet und verpackt, jedoch ohne inneren Auftrag. Ich zweifle allerdings, ob man solche Geschenke wirklich haben will. Und noch mehr, ob man sie braucht.

Als Filmvorlage eignet sich das Buch aber ganz bestimmt: Und das merkt man ihm in jeder Zeile an: Zum Handschlag mit dem Fernseh- oder Filmproduzenten ist es nur noch ein kleiner Schritt. Soll man Suter das vorwerfen, wenn sein Produkt seine Multiverkäuflichkeit schon auf der ersten Seite ausdünstet? Ihm vielleicht nicht, dem Buch aber ganz bestimmt.

Im Anhang des Buches finden sich ein paar Rezepte (mit dem geschäftstüchtigen Verweis auf die Autoren des Kochbuches). Hier liegen ganz klar die Stärken dieses ärmlichen Büchleins: in der Motivation zum Konsum.
Hier ließe sich sicher noch einiges erwirken: ein Kochbuch zum Buch, entsprechende Artikel als I-Phone Apps usw.
Ich verspürte jedenfalls gleich Lust, ein Hühnercurry zu kochen. Ist ja auch schon was.
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